sondern auch deren AusnuhLarkeit. Nach dieser Richtung sind die animalischen den vegetabilischen weit überlegen. Unter diesen zwei Hauptgruppen finden sich wieder verschiedene Grade der Ausnutzbarkeit. Men Anforderungen einer zweckentsprechenden Ernährung wird die gemischte Kost gerecht. "Manche halten eine bestimmte Diätfvrm für die allein rick-tige für den Gesunden, von denen die Vegetarier am bekanntesten geworden sind. An diesem Verspiel wird gezeigt, daß dre wissenschaftliche Forschung alle Gründe, welche zu Gunsten einer einseitigen Ernährung angeführt wurden, widerlegt hat, wenn sie auch anerkennt, daß eine solche, speziell die vegetarische, zur Not den NahrungsLedars decken kann. Sie hat sich aber nach keiner Richtung bei dem Gesunden als besser, eher als schlechter erwiesen. Welche Speisen bei der gemischten Kost vorwiegen sollen, hängt von dem Geldbeutel, der: Lebens- gewohnheiten und der Erziehung ab. Jedenfalls ist ein plötzlicher Wechsel in der Ernährungsweise des Gesunden stets schädlich. Geregell wird die Nahrungsaufnahme durch den Appetit. Daher ist alles, was ihn stören könnte, streng zu vermeide::. Für die Äerdauslichkeit der Speisen lassen sich nur allgemeine Regeln aufstellen. Neben vielem anderem spiell hierbei ein gut erhaltenes Gebiß, aus dessen Pflege meist zu wenig geachtet wird, eine große Rolle. Die Wichtigkeit der einzelnen besprochenen Fragen wird an einer Reche von Beispielen illustriert und findet chre Begründung in der Erfahrung, daß ein zweckent- fprechend genährter Organismus am besten gegen Krankheit geschützr ist und eine solche stets viel besser überwindet als der schlecht genährte Körper. Ter außerordentlich interessante Vortrag, welcher über viele täglich vorkom- meilden Fragen in klarer Weise Ausschluß gav, fand ungeteilten Beifall, dem der Vorsitzende in kurzen Worten Ausdruck gav, womit er den Danr des Vereins an den Redner verband.
Friedberg, 29. Nov. Infolge des fortgesetzten /Regcnwetters ist auf der Strecke Friedrichsdorf-Friedberg, ein ziemlich bedeutender Dammrutsch entstanden. Der Verkehr kann nur durch Umsteigen der Passagiere aufrecht erhalten werden.
az> Grünberg, 30. Nov. Einen anscheinend wichtigen Allertumsfund hat man dieser Tage im benachbarten Queckborn bei den Erdarbeiten an der Wasserleitung gemacht. Man entdeckte in einer Tiefe von ca. 2 Meter ein Lager von Pferdeknochen und eine Anzahl Hufe, deren Form auf ein bedeutendes Alter schließen lassen. Der Fund wurde zur näheren Untersuchung nach Gießen abgeliefert.
§ Schotten, 30. Nov. In einer Anzahl Fortbildungsschulen des Kreises wird in diesem Winter auf freiwilliges Anerbieten der betr. Lehrer landwirtschaftlicher Unterricht erteilt. Im nächsten Frühjahre tagt eine besondere Konferenz und dann werden die erzielten Erfolge besprochen.
ä. Mainz, 30. Nov. In einer Wirtschaft in der Nähe des Alweplatzes gerieten am Samstag abend nach 9 Uhr drei Bretzenheimer Burschen mit einem türkischen Teppichhändler
in Streitigkeiten. Beim Verlassen der Wirtschaft folgten die drei Bretzenheimer dem Händler nach und übersielen ihn auf dem Aliceplatz. Sie brachten dem Ueberfallenen solch schwere Verletzungen durch Messerstiche bei, daß der Schwerverletzte ins Rochushospital verbracht werden mußte. Er erhielt einen Stich in die Leber; zwei Zentimeter tiefer, dann wäre dem Verletzten das Messer in das Herz gedrungen. Es wurde eine sofortige Operation vorgenommen. Die Täter ergriffen nach der Tat die Flucht, wurden aber noch in der Nacht durch die Kriminalpolizei verhaftet. „ Es sind der 21jährige Maurer Anton Schmitt, der 18jährige Arbeiter Gg. Adam Quetsch (beide aus Bretzenheim) und der 20jährige Tüncher Christian Grassert aus Elsheim, in Bretzenheim wohnhaft.
Mainz, 29. Nov. Eine jugendliche Bande von Straß en räubern, die aus mehreren Schulknaben besteht, treibt nach dem „M. Tgbl." gegenwärtig in der Stadt ihr Unwesen. Die Gesellschaft schwänzt die Schule, treibt sich auf den Gassen herum und stiehlt, was nicht niet- und nagelfest ist. Gestern war z. B. ein kleines Mädchen in der mittleren Bleiche mit einem Körbchen am Arm in einen benachbarten Laden geschickt worden. Unterwegs fiel es der jugendlichen Räuberbande in die Hände, die dem sich heftig sträubenden Kind aus seinem Körbchen das Portemonnaie mit Gewalt entriß und nut dem Geld davonlief. Zwei erwischte noch ein Schutzmann; es waren die 10 und 11 Jahre alten Brüder Steinbrech aus der Schäferhütte vom Hechtsheimer Weg. So jung diese beiden noch sind, so gefährliche Diebe sind sie schon. Sie kommen zeitweise überhaupt nicht nach Hause, nähren sich währenddem von Milch aus gestohlenen Kannen und von Geld, das sie Kindern auf der Straße entrissen haben. Bei dem einen fand man gestern neben anderen Sachen, über die er sich nicht ausweisen konnte, auch den Gummistempel eines hiesigen Kassierers. Die beiden verdorbenen Buben verteidigten sich mit großer Frechheit und schoben die Schuld an dem oben geschilderten- Straßenraub auf andere Jungen, die auch zu der Bande gehören und ebenfalls bei der Polizei nur allzu gut bekannt sind. Diese beiden Brüder Steinbrech waren erst vor wenigen Tagen wegen einer ähnlichen Geschichte verhaftet und einstweilen in eine Arrestzelle gesperrt worden, bis sie die benachrichtigten Eltern abholten. Da in derselben Zelle noch ein wegen Diebstahls vor- hafteter Mensch saß, beschuldigten sie ihn, sich an ihnen sittlich vergangen zu haben, was zu einer Interpellation in der letzten Stadtverordneten-Versammlung geführt hat. In der gleichen Stadtverordnetensitzung wurde übrigens auch die Zwangserziehung der beiden Jungen und ihrer vier Geschwister verfügt. Vor kurzem verurteilte die hiesige Strafkammer die beiden Eltern der Buben zu je 14 Monaten Zuchthaus wegen Hehlerei und Anstiftung zu Diebstahl. Der 48 Jahre alte Vater hatte einen bisher unbescholtenen Hausburschen dazu verleitet, fortgesetzt seinen Prinzipal zu bestehlen, wofür der junge Mann, der auch mit der 50 Jahre alten
Frau Steinbrech em Verhältnis angefangen halle, zu drer Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Die Anzeige erstattete damals ein Sohn der Steinbrechs, der mit seinen Eltern Streit bekommen hatte. Auch eine Wirtschafterin, mit der Steinbrech längere Zeit zusammenlebte, als ihn seine Frau vor kurzem verlassen hatte, ist wegen mehrerer Diebstähle bestraft worden. In solcher Umgebung sind die Kinder aufgewachsen, und da ist es natürlich fein Wunder, daß sie werden Niußten, wie sie geworden sind.
Vermischtes.
* Athen, 25. Nov. Als im kgl. Theater heute abend die „Orestie" des Aeschylus in neugriechischer Uebersetzung aufgeführt wurde, erhoben Studentenscharen, wie schon kürzlich aus gleichem Anlaß, vor dem Theater stürmisch Protest gegen die Aufführung in der Uebersetzung. Die Polizei schritt ein und nahm eine Anzahl Verhaftungen vor. Die Studenten wurden durch eine Feuerspritze vertrieben. Die Ruhestörer sammelten sich aber alsbald wieder vor dem Hauptpostamt, wo es zii ernsteren Zusammenstößen kam. Es sielen Revolverschüsse. Eine Person soll erschossen sein.
Möchrutlrtze WkrMder MesMe in der Lindt MD. 47. Woche. Vom 15. bis 21. November 1903.
Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 sinkt. 1600 Maim Militär.) Sterblichkeitsziffer: 28,98,
nach Abzug von 7 Ortsfremden: 15,46 °/co.
Kinder
Es starben an: Zusammen:
Erwachsene:
im
vom
1. Lebens;ahr:
2.—15. Jahr
Typhus 1 (1)
1(1)
—
—
Tuberkulose der
Lungen 2 (1)
2 (1)
—
Tuberkulose des
Gehirns 1
—
—
1
Tuberkulose der
Knochen 1 (1)
Kl)
—
——
Krebs 1 (1)
1(1)
—
Knochenmark-Ent-
zündung 1 (1)
1(1)
——
——
Darmkalarrh 1 (1)
—
—
1 (1)
Lungenentzündung 2
—
—
2
Lebensschmäche 3
—
3
—
Altersschwäche 1
1
—•
Neubildungen 1 (1)
Kl)
—
—
Summa: 15 (7)
8(6)
3
4(1)
Annn: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben
an, wie viel
der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nad?
Gießen gebrachte Kranke tomniern
Schiffsnachrichjen.
Norddeut scher Lloyd.
In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.
Bremen, 29. Nov. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben - Postdampfer „Frankfurt", Kapitän P. Albrecht, vom Norddeutschen Lloyd in Bremeii, ist am 26. ds., 9 Uhr vormittags wohlbehalten ui Baltimore angekommen.


