Dienstag 1. Dezember 1903
Nr. Z8Ä
Drittes Blatt.
153» Jahrgang
Kolonialpost.
— Nach einem Telegramm des kaiserlichen Gouvev- neuers in Windhuk erstürmte Hauptmann Kopp am 21. November mit der dritten Kompagnie und den Witbois unter Oberleutnant Grasen K a g e n e ck die feindliche Stellung bei Sandfontein, südlich von Warmbad. Diesseits sind keine Verluste zu verzeichnen. Die Verluste deZ Feindes sind nicht bekannt, die geraubten Frachtwagen wieder zurückerobert, Munition und Vieh erbeutet.
Aus der ßhronik der Wniversttätsöiöliotyrk Gießen.
Gießen- 28. Mw.
Aus den in den „Mitteilungen der Zentralstelle für oie Landesstatistik" veröffentlichten Tabellen seien im Fol- -genden einige wohl auch weiteren Kreisen erwünschte Angaben über die Entwickelung der Universitätsbibliothek Meßen im Budget-Jahre 1902/03 mitgeteilt. Erfreulicherweise lassen diese Angaben erkennen, daß der außerordentliche Aufschwung, den die Landesunrversität in den letzten Jahren genommen, auch im abgelaufenen Jahre in der steigenden Benutzung der Unweyitatsbrblrothek f# deutlich bekundet hat.
Tie Zahl der außerhalb der Mblwthek verliehenen Bücher, die im Jahre 1886—87 rund 10 740 Bände betragen hatte, war nach 10 Jahren, im Jahre 1896—1897, etwa aufMdas Doppelte, auf rund 20 400 Bände, angewachsen. IM Jahre 1900—1901 stieg sie auf 26329, im Jahre.1901 bis 1902 auf 28 298, im Jahre 1902—1903 auf 3129o Bande. Tie Ausleihe der Gießener Bibliothek hat damit biejentge der Universitätsbibliotheken zu Kiel (17 438 Bände), 'Greifswald (25 669 Bände), Marburg (2a (62 Bande), Königsberg (29126 Bände), Halle (30177 Bande) zum Teil recht weit hinter sich gelassen und ist bereits den Benutzungs- ziffern der großen Universitätsbibliotheken zu Bonn (34 889 Bande) und Breslau (37 483 Bände) nahegekommen.
Tie Versendung von Büchern nach auswärts mußte mit Rücksicht aus die Bedürfnisse des akademischen Unterrichts in ziemlich engen Grenzen gehalten tverben. Sie belief sich trotzdem im Jahre 1900—1901 aus 1396, 1^01 bis 1902 auf 1350, 1902-1903 auf 1624 Bande
Erheblichen Umfang hat der durch d:e Unwersttats- Libliothel vermittelte Bezug bou Büchernr aus auswärtigen Bibliotheken angenommen. Im <ayre 1902—1<>03 ,ind 387 Bände aus der Hofbibliothek in Darmstadt, 790 Bande aus
Dibliotheksverwaltung für ihre Anschaffungen durch das knapp bemessene Budget auferlegt wird, beeinflußt naturgemäß die Benutzungsziffer in recht ungünstiger Weise. Die Zahl der schriftlichen Bestellungen auf nicht vorhandene Werke ist von 1300 im Jahre 1898/99 auf 2490 im crb- gelausenen Jahre gestiegen.
Der gesamte Zuwachs der Universitätsbiblivthek belief sich im Jahre 1902/03 auf 8598 katalogisierte Schriften, von diesen gingen der Bibliothek 186 vom klassisch-philologischen Seminare zu, 376 von der oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, 289 von dem oberhessischen Geschichtsverein, deren Bibliotheken mit der Universitätsbibliothek vereinigt sind. Ter Tauschverkehr der erstgenannten Gesellschaft erstreckte sich auf 441, derjenige des oberhessischen Geschichtsvereins auf 243 Anstalten und Vereine. Turch eigenen Tauschverkehr (mit 154 Universitäten, Akademien, Gesellschaften usw.), ferner als Pflichtexemplare und Geschenke erwarb die Bibliothek 6115 Schriften, worunter 3260 Schul- und Universitütsschrifteu. Gekauft wurden im vergangenen Jahre 1632 Bände. Der gesamte Bestand der Bibliothek belief sich am Ende des vergangenen Jahres auf 195 723 Bände, 74 360 Dissertationen und Programme, ea. 1'500 Bände Handschriften und ca. 550 Urkunden, die Feuerversicherungsprämie auf 1140 Mark.
Größere Zuwendungen, sei es durch Ueberlassung be» sonders wertvoller Werke oder Hundschriften, sei es durch Ueberlassung größerer oder kleinerer Büchersammlungen, hatte die Universitätsbibliothek im Jahre 1902/03 u. a. zu danken der Großh. Hofbibliothek in Darmstadt, Herrn Professor Dr. Strcker-Gießen, Herrn Pfarrer Scriba-Alten- Buseck, dem Herzog von Loubat in Paris, Herrn Curt von Münchow-Gießeu, den Veranstaltern der akademischen Vorträge (den Herren Pros. Dr. Krüger, Dr. Albert, Dr. Sauer, Geh.-Nat Tr. Dchaghel, Lektor Goetschy und Oberbibliothekar Prof, Haupt) und Herrn Dr. Walther Baron von Rothschild in Tring (Englands
Ter Kolonialrat beriet sodann den Entwurf der Verordnung betreffend das Bergwesen in Deutsch- Süd west a fr ika. An der Generaldebatte beteiligten sich Geheimrat Schweißer, Tr. Scharlach, Staudinger, Konsul Vohsen, Staatssekretär Krätke, Justizrat Tr. Porsche Graf Hutten-Czapski und der Vorsitzende Dr. Stübel; der wurf wurde einer Kommission von 7 Mitgliedern über> wiesen.
Sodann besprach man dre Verfügung zur Ausführung des Abschnittes der neuen kaiserlichen Verordnung über die Enteignun g des Grundeigentums in den Schutzgebieten. FestgesteNt wurde, daß der Kolonialrat gegen die Regelung, die die Sache durch jene Verfügung gefunden hat, keine Einwendungen erhebt. Nachdem! Stübel verschiedene Auftagen beantwortet hatte, wurde die Herbsttagung g e s ch l o s s e n.
anderen Bibliotheken (Berlin, Göttingen, Straßburg, München usw.), außerdem 1070 Handschriften und Archivalien aus auswärtigen Archiven und Bibliotheken entliehen worden.
Tie Zahl der Entleiher ist von 391 im Sommersemester 1889 aus 544 im Sommersemester 1899, in den folgenden Semestern aus 553, 580, 611, 626, 656, 708 und im Wintersemester 1902/03 auf "791 gestiegen. Von diesen 791 Benutzern gehörten 60 dem akademischen Lehrkörper an, 394 waren Studierende, 186 nicht der Universität Angehörige, insgesamt 640 Gießener, 103 sonstige Angehörige des Groß- herzogtums und 48 Nicbt-Hessen. Tie Zahl der studenti- jchen Benutzer ist von 371 im Sommersemester 1902 auf 394 im Wintersemester 1902/03 gestiegen. Das Prozentverhältnis der studentischen Benutzer zur Gesamtzahl der Studierenden schwankte in den Jahren 1888—1903 zwischen 31.0 und 41.2; durchschnittlich hat ein Drittel der Studierenden (im Wintersemester 1902/03 38.5 Prozent) aus der Bibliothek Bücher entliehen. Von den studentischen Benutzern vertraten, wie es in der Natur der Sache liegt, den höchsten Prozentsatz im Verhältnis zur Gesamtzahl der Studierenden der betreffenden Fächer die Neuphilologen, klassischen Philologen, Historiker und Theologen (im Wintersemester 1902/03 87, 86, 75, 69 Prozent); ihnen schließen sich die Mathematiker und Naturwissenschaftler an (mit 60 und 58 Prozent); von den übrigen größeren Gruppen folgten als Bibliotheksbenutzer die Chemiker, Forstwissenschaftler, Mediziner, Juristen und Veterinär> mediziner mit 30, 28.5, 28.3, 20 und 18 Pvozent der Gesamtzahl der diesen Fächern angehörenden Studierenden. Auch diesmal lassen die mitgeteUten Ziffern erkennen, daß sich die Bestellungen der Studierenden nahezu ausschließlich auf die Literatur ihrer Studienfächer richten; leider nur ausnahmsweise gehen die Wünsche über das engere Fachgebiet hinaus auf historische, schönwisseuschast- liche, philosophische unh politische Werke von allgemeinerem Interesse. Die außerordentliche Beschränkung- die der
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 1. Dezember 1903.
•* Personalien. Am 26. Noo. d. I. wurde der Forstakzessist Awmann Karl Otto Koch aus Düdelsheim zum Forstassessor ernannt.
** Patent-Erteilung. Dr. phil. Gustav Nos» h i r v a n aus Bombay, z. Z. in Gießen, der im Verein mit dem Techniker Ernst Meckel aus Gießen eine Maschine konstruiert, mittelst deren Bäume samt den Wurzeln aus der Erde gehoben werden, den ausgehobenen Bäumen auch eine bestimmte Fallrichtung gegeben werden kann, hat ein Patent aus diese Erfindung erhalten, die Veröffentlichung wird demnächst im Reichsanzeiger erfolgen.
** Kriegerverein Gießen. Die am Sonntagabend veranstaltete Feier von Groß Herzogs Geburtstag war eine durchaus ernste. Tiefer Stimmung trug der Vorsitzende in seinen Eröffnungsworten Rechnung, indem er anschließend an den plötzlichen Tod unserer geliöiten Prinzessin Elisabeth und die überraschende Kunde von der Erkrankung unseres Kaisers der Hoffnung AuH- druck gab, daß uuserm Kaiser und Großherzog nach so schweren Zeiten baw wieder Gesundheit und eine bessere- Zukunft beschert fein möchten. Die Versammlung schloß -sich-diesem Wunsche in einem dreifachen Hoch an. Der Vorsitzende gab sodann der Versammlung Kenntnis davon, daß vom Verein ein Kranz nach Darmstadt geschickt worden sei und verlas das Dankschreiben des Hofmarschallamtes. Weiter wurde der Aufruf des Komitees zur Errichtung eines! Roon-Denkmals verlesen und die Einzeichnungsliste offen gelegt. In Vorbereitung der am 19. Dezember stattfindenden Weihnachtsfeier wurde eine Komnnssion von 5 Mitgliedern gewählt, welche den Ankauf von Geschenken für die bedürftigen Waisen verstorbener Kameraden zu besorgen hat, und eine weitere Kommission zur Vorbereitung der Verlosung. Danach erteilte der Vorsitzende Dr. med. Heichelheim das Wort. Nach kurzen einleitenden Worten über den Wert einer zweckentsprechenden Emähr- itng für die Volksgesundheit uni)' über die Fürsorge, welche der Staat dieser Frage widmet, bespricht der Vortragende die einzelnen Nährstoffe und deren Bedeutung für den gesunden Organismus. Bei der Auswahl der Nahrungsmittel, in denen die Nähr stoss e enthalten sind, entscheidet nicht nur der Gehalt an den letzteren,
typhus charakteristische Veränderungen aufweisen), sämtlich infiltriert (mit entzündlichen Produkten durchtränkt) waren und sich von der Oberfläche der umgebenden Schleimhaut abhoben; einzelne Svlitärdrüsen (gleichfalls charakteristische Drüseugebilde der Darmschleimhaut) waren in bedeutender Anzahl ungefähr bis ^u Hanfkorngröße vergrößert, rötlich- grau und von einem deutlichen hyperämischen (starke Mutfüllung zeigenden) Saum umgeben. Ulzerationen (Ver- fchwärungen) waren noch nicht zu sehen, jedoch sprachen die pathologischen Erscheinungen dafür, daß die Krankheit sich am Ende der ersten Woche ihrer Entwicklung, befand.
Tie Muskulatur des Herzens war trübe, weich, besonders die Warzenmuskeln. Die Milz war um das Zweifache vergrößert, weich. Die Malpighischen Lymphknoten waren deutlich zu sehen.
Einer so großen Ausdehnung des typhösen Prozesses konnte die Kranke nicht standhalten, jedoch ist der plötzliche Tod hauptsächlich infolge der giftigen Einwirkung aus das Herz eingetreten.
Leibchirurg Seiner Majestät (gez.) Dr. Hirsch. Etatsmäßiger ordinierender Arzt des Warschauer Findelhauses (gez.) L. Anders."
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Aer Koloniatrat
trat am Montag unter dem Vorsitz des Kolonialdirektors Tr. Stübel in Berlin zu seiner Herbstsitzung zusammen. Der Vorsitzende gedachte des verstorbenen Mitgliedes, Staatssekretärs von Jacobi.
Als erster Punkt der Tagesordnung gelangte zur Besprechung der Eirtwurf betreffend eine Verfügung zur Bildung von Gouvernementsräten. Tie Vorlage fand grundsätzliche Zustimmung und wurde als Fortschritt begrüßt. Nur die Herren Wörmann und Lukas hielten sie für verfrüht. Von mehreren Rednern wird die Beteiligung von Eingeborenen an den Gouvernementsräten befürwortet, von anderer Seite bekämpft. Nachdem Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg der Kolonialverwaltung Dank für die Vorlage dieser Verordnung ausgesprochen hatte, erklärte der Vorsitzende, daß die Zeit zu einem Versuche mit einer Verordnung wie der vorliegenden doch gekommen zu sein scheine.
Ter A n t r a g W ö r m a n n, bei der Einrichtung der geplanten Institution Kamerun und Togo auszunehmen, wird von dem Kolonialrat ebenso wie der An tr a g Lukas- das Vorgehen mit einer Verfügung überhaupt für verfrüht zu erklären, mit großer Mehrheit a b g e l e h n t.
Beim Eintritt in die Spezialdiskussion hob der Vor- srtzende hervor, daß den Gouverneuren so viel wie möglich freier Spielraum gelassen werde; deshalb sei auch die Berufung der Mitglieder der Beiräte den Gouverneuren zu -überlassen. Vom Kolonialrat wurde ein Antrag Krätke angenommen, wonach sämtlrche Mitglieder der Beiräte aus sämtlichen Schutzgebieten ausgewahlt werden können, und die "Zahl der amttichen Mitglieder die der außer amtlichen nicht übersteigen soll. Ter Antrag auf Zulassung der Eingeborenen wurde abgelehnt, ebenso ein Antrag, die Mitglieder durch die Berliner Zenttalverwaltung zu berufen. Es bleibt also bei der Er nennun g dur ch den Gouverneur, der die Berufskreise gutachtlich hören soll.
In der Nachmittagssitzung setzte der Kolonialrat die Spezialdiskussion fort. Die Berufungsdauer der außer- amtlichen Mitglieder wurde auf mindestens ein Jahr festgesetzt. Die Mitglieder sollen ihren Wohnsitz im Schutzgebiete haben. Es sollen möglichst am Gouvernementssitze oder in der Nähe wohnefide Personen gewählt werden. Den Gouvemementsräten sollen die Etatsvorschläge für das Schutzgebiet vor der Einreichung an die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes vorgelegt werden, ferner die Entwürsej der vom Gouverneur zu erlassenden oder vorzuschlagenden Verordnungen, soweit sie nicht lokaler Natur sind. Im übrigen wurde der Regierungsentwurf gut- geherßen.
Aeber den Hod der Minzesstn ßlisaöety.
Jetzt liegt ein erschöpfender und authentischer Bericht über die Erkrankung und den Tod der Prinzessin vor, aus dem sich deutlich ergibt, daß nichts anderes als ein Dyphusfall vorliegt. Tas Ungewöhnliche war nur, daß die Krankheit schon eine Woche lang bestanden hat, ohne der Patientin oder ihrer Umgebung zürn Bewußtsein zu kommen, und daß sie dann so furchtbar schnell zum Ende führte. Die aus Petersburg eingetroffene medizinische Zeitschrift Wratschebnaja Gazetta bringt folgenden
Bericht der an der Behandlung und der Leichenöffnun- beteiligten Aerzte:
„Am 1./14. November fühlte sich ihre Hoheit die Prinzessin Elisabeth! von Hessen vollkommen wohl, war den ganzen Tag auf den Beinen, spielte im Freien, frühstückte gut und hatte nur zu Mittag etwas geringeren Appetit als sonst. In der stacht vorn L zum 2. (14. zum 15.) November schlief Ihre Hoheit ruhiF bis 6 Uhr früh. Um 6 Uhr erwachte sie und klagte über leichte Halsschmerzen. Um 8 Uhr stellten sich Erbrechen und Magenstörung ein. Das Erbrechen wiederholte sich bis 1 Uhr mehrere Male. — Temperatur am 2. November früh 37 Grad, Puls schwach. Die Kranke äußert keine Beschwerden. Kopf frisch, schmerzfrei. Im Rachen keine Ericheinungen von irgend einem akuten Prozeß, Tonsillen (Viandeln) jedoch stark vergrößert; Zunge feucht, etwas belegt, ^eib flach, sowie eingefallen, bei Betastung, sowie bei Druck nirgends Schmerzhafttgkeit.
Wegen des ziemlich hartnäckigen Erbrechens war es unmöglich, innerlich irgend welche Medikamente zu verabreichen. Infolgedessen gab man der Kranken nur kleine Cisstückchen zu schlucken; auf den Leib wurden heiße Umschläge gelegt. Als das Erbrechen gegen 1 Uhr aufljörte, gab man der Kranken teelöffelweise Mandelmilch, zu der zweimal je fünf Tropfen ätherischer Valerianatinktur und ein Tropfen Opiumtinktur zugesetzt wurden. Die Diarrhoe sistierte für die Dauer von vier Stunden, und dann gab man der Kranken wegen der hochgradigen Schwäche der Herztätigkeit alle zwei Sttmden je zwölf Tropfen ätherischer Valeriana- und Moschjustinktur. Es wurde zur Konsultation der Warschauer Kinderarzt Dr. Anders zugezogen. Trotz energischer Anwendung der oben erwähnten Tropfen unter gleichzeitiger Verabreichung von Wem, ist es nicht gelungen, die Herztätigkeit günsttg zu beeinflussen; wir griffen dann zu Einspritzungen von Lenzoesaurem Koffem- Natron und Kampferöl, aber diese Mittel vermochten auch nicht die geringste, selbst vorübergehende Wirkung auf d-ie Herztätigkeit auszuüben. Im Gegenteil', der Puls wurde immer schwächer und war in der zweiten Hälfte der Nacht bereits vollständig unfü'hlbar. 24 Stunden nach dem ersten Auftreten der 5trankheitserscheinungen, d. h. am1 3./16. November um 9 Uhr 30 Akin, morgens starb die Kranke, wobei sie fast bis zum letzten Atemzug bei vollständigem Bewußtsein war. Wir konnten die Diagnose nur auf eine hochgraoige toxische Infektion stellen, ohne jedoch in der üage zu jein, deren Natur zu vesttmmen, da es unter den geschilderten Umständen und bei oem ungewöhnlich raschen Verlauf der Krankhett unmöglich war, eine bakteriologische Untersuchung vorzunehmen.
Zur Sektion und Einbalsamierung wurden aus Mrliu der Professor der pathologischen Anatomie Orth und aus Warschau Prosessor.Przewoski, Prosektor Dumochowski und der Gehülse des Projektors Pstrokouski hinzugezogen, und erst aus dieser Sektion ging der Charakter der Erkrankung hervor, welche zu Lebzeiten der Kranken sich durch keine einzige Erscheinung dokumenttert hatte.
Tie Prinzessin Elisabeth ist nach dem einstimmigen Gutachten der Aerzte, welche die Sektion vollzogen bezw. bei derselben anwesend waren, infolge hochgradiger Vergiftung mit typhösem Gift gestorben.
Die Sektion ergab, daß die Peyerschen Plaques (kleine Drüsengebilde an der Darmschleimhaut, die bei Bauche


