tu der Leitung des russischen Finanzministeriums. DQs „B. T.", die „Voss. Ztg." und andere Blatter noch rn der Provinz, sind der Ansicht, daß bre Ernennung ^vrttev zum Ministerpräsidenten eine verblümte Kaltstellung bedeute. Der Zar habe dem mächtigen Finanzminister, der bei seinen wettgreisenden wirtschaftspolitischen. Plänen nicht immer eine glückliche Hand gezeigt habe, einen „guten Abacnrtt'' verschasst. Die „^Nationalztg." hingegen meint, die Rangerhöhung Witte's stellt nwglicherweise eine Durch- «angLvhase für die spätere Ernennung zum russischen Reichskanzler dar; sie bedeute auf jeden Fall eilte Auszeichnung. In demselben Sinne urteilen die hervorragenden russischen Zeitungen. Aus diplomatischen Kreisen wird versichert, daß der überwiegende Einfluß Witte's in der russischen Regierung in Zukunft mehr noch als bisher sich zeigen werde. Witte sei nicht der Münn, ein dekora- ttves Amt anzunehmen. Das Dekorative werde von nun an eher dein Finanzministerium anhasten, dessen neuer a t). Pleske, die Direktiven des Ministerpräsidenten beachten müssen, besonders in der Hand els v ertrag sPolitik. Die Beförderung Witte's sei einfach eine Dokumentierung der Tatsache, daß Herr v. Witte auch in den Augen des Zaren als der „erste Staatsmann Rußlands'^ gilt.
Die Peters bur ger Bör s e erblickt in dem Ministerwechsel keinen Systemwechsel. Sie ist der Ansicht, daß das Finanzministerium auch unter Pleske im Geiste Wittes geleitet werden wird. Sie nimmt an, daß Witte sich vor- nelynlich den Handelsverttägen widmen werde.
Den Abschluß des Katholikentages
hat eine Fe st Versammlung der Windthor st Kunde gebildet. Es wurde nach dem „Wests. Merk." ein Gedicht ooegetragen, welches in launiger Weise schildert, wie Windt- horst im Himmel vierspännig beim Herrgott vorfährt, um für sein liebes Deutschland um Nachwuchs an tüchtigen Männern zu bitten, worauf ihm Gott huldreich verspricht, Windthorsts Geist den jungen Windthorstbunden einzuflößen. Abg. Roeren erklätte, er halte die Aufgaben des Windthorstbundes für die wichtigsten, die ein Verein in Bezug auf das öffentliche Leben sich gestellt hat. Wer irgend iveiter sehe, werde zustimmen müffen, daß wir am Vorabend des größten Kampfes der religiösen und sittlichen Fragen stehen. Der Präsident des Katholikentages, v. Orterer, erklärte: Wir Alten vermiffen unseren Windthorst schmerzlich, aber die Epigonen sind auch nicht schlecht; sie haben Windthorsts Erbe treu bewahrt. Es wäre gar nicht gut, wenn es viele Windthorsts gäbe, denn dann würde der eine nicht viel mehr bedeuten. Landtagsabg. Marx betonte, es sei ein Beweis für die Vorteile, die der Windthorstbund biete, daß andere Parteien die Gründung von Jugendvereinigungen nachmachten. Die Sozialdemokratie brauche sie nicht, denn sie habe einen Jugendverein in jeder Famüie.
Vom Aufschwünge der Landwirtschaft
hat der Gutsbesitzer zur Horst im Zenttalausschuffe der oldenburgischen landwirtschaftlichen Vereine in einem Vortrag über die Entwicklung der Landwirtschaft während der letzten 25 Jahre bemerkenswerte Ausführungen gemacht. Nach dem „Gemeinnützigen" erklärte er: Die einen reden von einem Aufschwung, die andern von einer Notlage der Landwirtschaft. Er, Redner, stehe auf dem Standpunkt, daß in den letzten 25 Jahren ein gewaltiger Aufschwung der Landwirtschaft zu verzeichnen sei, wie er vielleicht nicht in den hundert Jahren vorher erzielt worden sei. Es bestehe also das Gegenteil von einer Notlage. Dieser Auffchwung sei daraus zu schließen, daß der Wohlstand, die Zahlungsfähigkeit, die Kaufkraft der Landwitte zugenommen habe. Auch aus dem Aufblühen der kleinen Ortschaften sei zu schließen, daß es der Landwittschast gut gehen müsse. Der Kaufpreis für den Grund und Boden habe sich erhöht. Ueberall auch seien neue Wittschaftsgebäude nötig geworden, die alten genügten nicht mehr für die Ernte. Auch aus dem Gebiete des Ackerbaues sei ein Fortschritt zu verzeichnen, die Früchte ständen besser, die Ernte ertrüge seien höher geworden. Große Flächen seien neu kultiviert worden. Die Weiden hätten ganz gewaltigeFortschritte gemacht. Vom Vieh seien die einzelnen Stücke besser genährt, weil bessere Nahrung vorhanden ist, die Anzahl sei gewachsen. Auch in der Schweinezucht sei ein großer Fortschritt erzielt worden. Eine Hauptsache dieses Aufschwunges sei darin zu suchen, daß durch Anwendung von Kalk, Thomasmehl und Kainit wie durch votteilhafte Be- wäfferung die Ernte gesteigert worden ist. Wenn auch nich die Getreidepreise, so seien doch die Viehpreise wesentlich gestiegen. Aus dem Verkauf der Roherzeugnisse des Ackers werde nicht Bedeutendes erzielt, der Verkauf von Rindvieh, von Milch und Butter wie von Mastschweinen liefere die Einnahmen. Weiterhin meinte Herr zur Horst, wenn die Landflucht der Arbeiter und die Steigerung der Löhne auf das Doppelte oder gar das Dreifache nicht wäre, so tonnte die Landwirtschaft ausrufen, sie „säße dicke drin".
Allerdings trifft nach unserer Ansicht diese Darstellung wohl nur auf einzelne nordwestdeutsche Distrikte zu.
Deutsches Keich.
Berlin, 31. Aug. Infolge des schlechten. Wetters hat der Kaiser die auf heute vormittag angesetzte Parade abgesagt. — Das in der Stadt verbreitete Gerücht, wonach der Kaiser bei dem Ritt nach! dem Parad e- felbe mit dem Pferde gestürzt sein soll, und deswegen die Parade ausgefallen sei, ist nach Erkundigungen km maßgebender Stelle völlig unbegründet.
— Die heute ausgefallene Herbstparade des Gardekorps sindet morgen vormittag 9 Uhr statt.
— Heute abend fand bei dem Kaiserpaar im weißen Saale des königlichen Schlosses eine Tafel für d as Gardekorps statt. Bei demselben saß dem Kaiser- paare gegenüber der kommandierende General des Gardekorps, rechts vom Kaiser folgten die Großherzogin von Sachsen, der Kronprinz, Prinz Friedrich Leopold, links von der Kaiserin der Großherzog von Sachsen, Prinzessin Friedrich Leopold und Prinz Eitel Friedrich.
— Kaiser Wilhelm trifft in der Nacht vom 12. September m Mo ha cs in Ungarn ein. Am 17. erfolgt die Reife nach Wien zu einem zweitägigen Aufenthalt.
— Der „Reichsanz." gibt bekannt, daß dem Schatzsekretär Frhrn. v. Thiel mann unter Verleihung des Ranges und Charakters eines Staatsiministers die nach- aesuchte Dienstentlassung erteilt worden ist, und daß Frhr. von Stengel zum Schatzsekretär unter Verleihung des Charakters als Wirkl. Geh. Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt, und mit der Stellvertretung, des Reichskanzlers in den Reichsfinanzangelegenheiten gemäß einem Gesetze von 1878 beauftragt ist. .
— Der „Reichsanz." veröffentlicht eine Anzahl Ordensverleihungen an italienische Offiziere vom früheren ttalienischen Expeditionskorps in Ostasien.
Breslau, 31. Aug. Bei der Beerdigung des General- Superintendenten Nehnnz wurde der Präsident des preuß. evang. Oberkirchenrats Dr. Bar kh aus en im Trauerhause von einem Schlaganfalle betroffen unb starb sofort. Friedrich Wilhelm Barkhausen war 1831 zu Misburg bei Hannover geboren. 1873 wurde er Geh. Regierungs- und vorttagender Rat im Ministerium der geistlichen Angelegenheiten und mit -der Regelung der kirchlichen Verfassung der neuen Provinzen betraut. 1881 wurde er zum Direktor der geistlichen Abteilung befördert, 1890 Unterstaatssekretar im Ministerium, und 1891 Wirkt. Geheimer Rat und Präsident des Evangelischen Ober-Kirchenrats. Die Universität Marburg verlieh ihm 1883 die theologische Doktorwürde honoris causa. . .
— Nach einer Petersburger Drahtmeldung fand in der Deutsch-Russischen Handels-Vertrags-Kommission am Samstag die erste Lesung des Entwurfes statt. Dem hiesigen „Confect." wird mitgeteilt, daß die deutschen Unterhändler nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, am 28. August von Petersburg abgereist sind, sondern erst am 2. September abreisen werden. Die bisherigen Besprechungen sollen einen günstigen Verlauf genommen haben. Tie „Königsb. Hart. Ztg." will wissen, daß der Abschluß des neuendeutsch-russischen Handelsvertrages nahe bevorstehe. Ein bedeutendes Verdienst um diesen Erfolg hat sich der deutsche Generalkonsul in Petersburg, Maron, erworben.
Mannheim, 31. Aug. Der heutige Vertretertag des Reichsverbandes der nationalliberalen Jugend besprach die allgemeine politische Lage und stellte als einmütige Meinung der Versammlung fest, daß die „Bekämpfung der bisherigen ultramontan reaktionären Mehrheit" entschiedener als bisher Pflicht der Vertretung der Partei sein müsse. Ferner sprach sich die Versammlung für Beibehaltung des bestehenden Reichstagswahlrechtes und dessen Ausdehnung auf die Bu n d e s st a a t e n aus. Als Ort des nächsten Verttetertages wurde Leipzig gewählt.
Ausland.
London, 31. Aug. Heute fand in Hatfield das Begräbnis Salisburys im engeren Kreise statt, gleich- zeittg in der Westminsterabtei ein Gedächtnisgottesdienst, an dem Vertreter des Königs, des Prinzen von Wales, der deutsche Geschäftsträger Graf Bernstorsf für den deutschen Kaiser, sowie Vertteter verschiedener Botschaften und Gesandtschaften und hervorragende polittsche Persönlichj- teiten teilnahmen.
Petersburg, 31. Aug. Man meldet aus Täbris blutige Kämpfe zwischen Kurden und christlichen Syro-Kaldäern. Dieselben wurden von der persischen Regierung bewaffnet, befindet sich aber in der Minderheit. Russische Kreise verlangen eine Intervention des russischen Konsuls zu Gunsten der Christen. Tausende unzufriedene Familien aus Turkestan haben durch Abgesandte um die Aufnahme in die russische Untertanenschast gebeten. (Also Rußland möchte wieder ein Stückchen Zentralasien aufschnappen. D. Red. d. Gieß. Anz.)
Dschibuti, 31. Aug. Einem Telegramm aus Adis- Abeba zufolge, ist die Nachricht von der E r k r a n k u n g des Kaisers Menelik unrichtig. Menelik erfreue sich der besten Gesundhett.____________________________________________
Aus dem Hrtent.
Die Ungemüttiu)teilen im Orient nehmen ihren beklagenswerten Fortgang. Nach dem „Wiener Korrejp.-Bur." ist mit dem Gesttigen (31. August) nicht uür der Verkehr mit dem Orientexpreßzug auf der Strecke Mr starrt iuopcl- Sofia, sondern auch mit dem Ko uv e n t io n al z u g e aus der Stteüe Konstauttuopel-Adrianopel eingestellt. Dieser Zug wird dura) den Zug ersetzt, der um b Uhr früh in Konpantinopel abgeht. Es ist Damit bewirkt, daß der Verkehr dieses Zuges aus der Sttecke Konstantinopel-Alustcv- plapafcha bei Tage ersolgt. Daraus geht hervor, wie ängstlich die Gemüter am goldenen Horn sein müssen. Eine starke Einsallsbande geht heute von Sofia nach Mace- donien ab. General Zontschew hat sich beretts vor einigen Tagen nach Macedonien begeben. Tie Komitees behaupten, außer großen Zuschüssen vom bulgarischen. „Roten Kreuz" und vom slavischen Zkyril- und Methodverein noch von einem ausländischen Freunde der Macedonier 200 000 Fr. erhalten zu haben. Nach neueren Meldungen soll die Zerstörung der Klöster Sfeti und Prochar in Altserbien von Türken erfolgt sein, weil die Türken vermuteten, daß sich in denselben revolutionäre Banden versteckt hielten. Ter Kaimakam von Malkstonowo sorderte die Notabeln der Stadt aus, eine Eingabe zu machen, in der behauptet wird, die Insurgenten beraubten die Christel Da die iliotabeln dies Anfinnen zurückwiesen, ließ sie der Kaimakam tags daraus a u f h ä n g e n.
Das sind die hauptsächlichsten der neuesten üblen Meldungen. Fürst Ferdinand von Bulgarien ist inzwischen in seinem Lande eingetroffen, nach seiner Residenz Sofia aber hat er sich noch nicht getraut. Er ist aus seinen ungarischen Jagdgründen nach der rumänischen .Hafenstadt Con- stanta, von dort mit seiner Jacht nach der bulgarischen Hafenstadt Varna gereist und gestern (Montag) auf seinem Schlosse Euprinograd eingettossen, wo er die „weitere Entwicklung der Ereignisse abwarten" will. Tie „Agence Tele- graphique Bulgare" bezeichnet natürlich das Gerücht von der Entdeckung eines Minen ganges unter* dem fürstlichen Palais zu Sofia als vollständig aus der Lust ,go grissen. — Die „Voss. Ztg." meldet aus Sofia: Obwohl die Komtteekreise leugnen, erhält sich das Gerücht, daß die Macedonier ein Schreiben an den Fürsten Ferdinand gerichtet haben, worin dieser ausgofordert wurde, sich entweder der macedonischen Sache anzuirehmen oder abzudanken.
Entgegen den offiziellen türkischen Darstellungen besteht man auf der amerikanischen Gesandtschaft in Konstantinopel darauf, daß ein Attentat auf den amerikanischen Konsulin Beirut stattgefunden hat. Das unglückliche Versehen, durch welches Magelsen als tot gemeldet wurde, und Präsident Roosevelts Entschluß, trotz der Aufklärung des Irrtums den Befehl an das Geschwader,
nach Beirut zu gehen, nicht zurückzuneymen, gaben inzwischen zu scharfer Krittk Anlaß. Der türkische Gesandte in Washington, Chkib Bei, eilt von seinem Urlaubsaufent- halt Seyville nach Washington, um bei Staatssekretär Hay die Rückberufung des Geschwaders durchzusetzen. Dre Revolutionäre würden das Erscheinen des Geschivaders als Beweis der Sympathie der Union für sie ansehen. Roosevelt selber soll infolge des Irrtums des amerikanischeu Gesandten in Konstantinopel Leishman betr. den Zwischen- all in Beirut mißgestimmt sein und beschlossen haben, den Gesandten, der den Irrtum verschuldet hat, abzuberrrsen. E> soll geäußert haben, ein solcher Mann ser nicht fähig, die Staaten bei einer anderen Regierung zu vertreten. Trotz alledem sind von Genua die amerikanischen Kreuzer „Brooklyn" und „San Francisco" nach Beirut abgegangen!
Aus Stadt und Saud.
Gießen, den 1. September 1903.
•* Das neue Bibliothekgebäude der Landes-- Universität an der Stephanstraße geht im Aeuheren seiner Vollendung entgegen. Die innere Ausstattung fehlt indes noch ganz. Die Bibliothek wird im Laufe des Jahres 1904 dahin übersiedeln. Die alte Universitäts-Bibliothek auf dem Brandplatz soll alsdann Lehrzwecken dienen. Aian beabsich< tigt zunächst das botanische Institut darin unterzubringen.
"Von der Eisenbahnverwaltung. Mit Genehmigung des preuß. Ministers der öffentlichen Arbeiten ist an Stelle des Vorstandes der Betriebsinspektion II in Gießen dem Betriebsingenieur Klose in Gießen die Vertretung des Vorstandes der Maschineninspektwn in Fällen kurzer Abwesenheit übertragen worden.
** Einem Betrug ist die Postverwaltung auf dtt Spur gekommen. Drucksachen werden nur dann beför- dett, wenn sie vollständig frei gemacht sind, andernfalls gelangen sie an den Absender zurück, soweit sich dieses durch Aufdruck u. s. w. durchführen läßt, ohne daß der Absender Strafgelder zu zahlen hätte. Es giebt Leute, die selbst aus das Ersparen einer Zweipfennigmarke Gewicht legen, da die Ersparnis bei einer größeren Anzahl solcher Sendungen sich bis zu einem sehr bemerkenswerten Betrag vervielfältigen kann. Und es ist gar nicht so schwer, nach dieser Richtung hin das Postgesetz zu umgehen. Man schreibt nämlich ganz einfach seinen eigenen Namen als den des Empfängers auf die Drucksache und den Namen dessen, für den die Sendung bestimmt ist, als den des Absenders auf die Rückseite. Da nun nicht freigemachte Drucksachen nicht befördert werden dürfen, so gehen die Sendungen „postwendend" an den Absender zurück, d. h. sie gelangen frei in die Hände dessen, für den sie bestimmt sind. Dieser schlaue Kniff läßt sich zwar nur im Ortsverkehr anbringen, aber trotzdem wird er von vielen angewandt. Daß dies ein Bettug ist, darüber setzt man sich hinweg. Die Postverwaltung ist nun aber doch hinter das Verfahren gekommen und sucht einen Uebeltäter zu fassen, um ein warnendes Beispiel aufstellen zu lassen.
** Eine Sedanfeier veranstaltete am Sonntag Nachmittag der hiesige Kriegerverein auf Textors Terrasse. Die Krieger versammelten sich um 3 Uhr auf Oswaldsgarten unter Vorantritt der Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 118 nach der Hardt. Hier war Konzett und gemütliches Zusammensein. Toaste wurden ausgebracht auf Kaiser und Giwßherzog.
sd. Darmstadt, 21. Aug. Die Ziehungstagi. der 2. Hessisch-Thüringischen Staatslotterie beginnen am 9. September und werden fortgesetzt am 10., 11., 12., 14., 15., 17., 18., 19., 21., 23., 24., 25., 26. und 28. September, und der Schlußtag, an welchem die letzten Prämien, soweit sie noch nicht gezogen sind, herauskommen, am 1. Oktober d. I.
fc. Offenbach a. M., 31. Aug. Auf der gestern in Klein-Auheim abgehaltenen „sozialdemokratischen Kr eis kvn f er enz Offenbach-Dieburgs sprach sich der LandtagSab-g. Ulrich bezüglich der V i z e p r ä s i d e n te n- frage im Sinne Bernsteins und Vollmars aus. Wegen seiner Niederlage im Reichstagswahl- kampfe bekam Ulrich harte Worte zu hören. Er soll nicht genug agitiert haben. Auf der Konferenz waren 3ö Ortschaften mit 63 Delegierten vertreten.
sc. Kastel, 31. Aug. Hier wurden ein 58jähriger Arbeiter und seine 21jährige Tochter wegen Blutschande verhaftet.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Herborn ist am Sonntag ein Kaiser Wilhelm I.-Denkmal enthüllt worden in Anwesenheit des komm. Generals v. Lindequist. Tierarzt Wenzel, dem der Kronenorden 4. Kl. zu teil wurde, hielt die Weiherede. Bei dem Festesten brachte Exz. v. Lindequist das Kaiserhoch aus und auf Veranlassung des Landrats v. Wussow wurde ein Telegramm an Kaiser Wilhelm II. gesandt. Der Gesamtentwurf des Denkmals stammt vom dortigen Architekten Hoffmann. Nach einem Festzuge entwickelte sich noch ein schönes Volksfest, bei dem Prof. Knod die Festrede hielt. — In Wetzlar ist der langjährige frühere Bürgermeister Moritz gestorben. Beinahe ein Vierteljahrhundert lang — von 1876 bis Ende 1900 — hat der Verblichene an der Spitze des dortigen Gemeinwesens gestanden.
Vermischtes.
* Mannheim, 31. August. Bürgermei ster Ullmer in Oftersheim wurde wegen Urkundenfälschung verhaftet.
* München, 31. August. Ein Automobilwagen üb erfuhr einen Arbeiter. Dieser ist tot. Der Führer wurde, da der Wagen umstürzte, schwer verletzt.
* London, 31. August. Eine Kra nk e nschw est e r namens Wienes hat von einem Kranken, den sie während seiner Pockenkrankheit pflegte, 5 Millionen Franks geerbt.
* Cadix, 31. August. Der östreichische Kreuzer „Sperla" ist in der Nähe des hiesigen Hafens gesunken. Ein Dampfer der Transatlantischen Gesellschaft rettete 11 Mann der Besatzung.
* R o m, 31. August. Unweit Civitavecchia wurde eine Postkutsche von zwei Räubern üb er fall en und aus- geplündert.
* Krakau, 31. August. In Brody sind 7 Personen infolge Vergiftung durch Pilzgenuß gestorbem


