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31/10/1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 256

Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Donnerstag 31. Oktober 1901

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Die Siebener Kamillen« blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt und den JBlältern sür hessisch« Volkskunde" viermal wöchentlich bei­gelegt.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Verantwortlich sür den allgemeinen Teil: P. Wntko; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Der Weltboykott gegen die englische tzandelsflntte.

Die von den Dockarbeitern in Amsterdam angeregte Idee, durch einen Weltboykott der Hafenarbeiter gegen die englische Handelsflotte den Seeverkehr des Jnselreichs lahm­zulegen, und es dadurch zur Beendigung des südafrikanischen Krieges zu zwingen, wird sich allem Anschein nach nicht durchführen lasten.

Zunächst sind die holländischen Dockarbeiter selbst in Vieser Frage nicht solidarisch. In einem Meeting in Ant­werpen am 28. d. M. erklärten, wie uns heute das D.- B. H. meldet, verschiedene Redner, die Organisation des Boy­kotts sei sehr schwierig, wenn nicht unmöglich. Man begnügte sich infolgedessen mit Annahme einer Sympathieadrestc. Aus Rotterdam, das ebenso nrie Antwerpen einen viel bedeu­tenderen Schiffsverkehr hat, als Amsterdam, fehlt bisher die Meldung von einer entscheidenden Stellungnahme der Dock- arbeiter. Vermutlich sagen sich auch die Rotterdamer, daß es in den gegenwärtigen, wirtschaftlich ohnehin wenig günstigen Zeitläuften vermessen wäre, sich der Gelegenheit zum Verdienst selbst zu berauben, sein Wohl imd Wehe von den noch keines­wegs gesicherten Bezügen aus Unterslühungsfonds abhängig zu machen. Sämtliche Arbeiterverbände der Niederlande wurden aufgefordert, die Boykottsbewegung gegen die engli­schen Frachtschiffe durch Geldmittel zu unterstützen.

Heute findet in dieser Angelegenheit eine Ver­sammlung in Amsterdam statt, in der man ja wohl Näheres über den Stand der Dinge erfahren wird. Aber auch den Hafenarbeitern sitzt das Hemd näher als der Rock. Das wird wohl auch auf dieser Versammlung betont werden, und wenn auch die Hamburger, wie wir gestern meldeten, sich für den Boykott erklärt haben, so thun das noch lange nicht die in den anderen großen europäischen Häfen. Im Hafen von Genua beispielsweise ist die englische Flagge sehr zahlreich vertreten. Der größte Teil der dortigen Dockarbeiter würde also brotlos werden, wenn das Leichtern und Befrachten englischer Schiffe in Fortfall käme. Die Genueser Arbeitskammer wird es unter diesen Umständen wohl bei einer Sympathie-Erklärung für die Boykott-Idee bewenden lasten. Der Anschluß der spanischen und portu- giesischen Dockarbeiter ist vollends unwahrscheinlich; weniger vielleicht aus dem Gefühl einer gewisten Hinneigung zu Eng­land, als weil die Bevölkerung der Pyrenäenstaaten im all­gemeinen dem Schicksal der Buren gleichgiltiger gegenüber­steht. Anders in den skandinavischen Staaten. Dort hatte die Sache der südafrikanischen Freiheitskämpfer von Anfang an einen starken Rückhalt, und der Verband der Dockarbciter in Kopenhagen erklärte sich auch sofort bereit, der Boykott­bewegung gegen die englischen Schiffe beizutreten. Das Gleiche ist von den leichtempfänglichen Franzosen zu be­richten. Diese fordern überdies, in der Erkenntnis, daß nur ein gemeinsames Vorgehen zum Ziele führen kann, den Zusammentritt eines Kongresses der europäischen Dockarbeiter. Ehe dieser Kongreß nicht zu stände gekommen ist, wird man in der That die Boykottfrage schwerlich als spruchreif betrachten dürfen. Die Thätigkeit der hier und da eingesetzten Arbeiterausschüsse müßte also zunächst auf dieses Ziel gerichtet sein. Was Deutschland betrifft, so heißt es, daß die Hamburger Hafenarbeiter eine Agitation für den Anschluß an die Boykottbewegung ins Werk setzen und ge­gebenenfalls Unterstützungen gewähren wollen. Daraus spricht eine berechtigte Vorsicht. Abgesehen davon, daß bei der zu­nehmenden Arbeitslosigkeit in Deutschland tausende von Händen bereit sein würden, das Lösch- und Ladegeschäst auf englischen Schiffen zu besorgen, berücksichtigen die Hamburger Arbeiter wohl auch den Umstand, daß der Boykott teilweise unwirk­sam gemacht werden könnte, nämlich dadurch, daß das Leichtern und Laden der betr. Schiffe einfach nach englischen Häfen verlegt, und die Waren dort von deutschen Schiffen an Bord genommen oder weitergegeben werden würden. Der durch Zeitverlust oder Mehrkosten den englischen Rhedern entstehende Nachteil fiele nicht ins Gewicht.

Alles in allem: Der Gedanke, die englische Flagge von der Beteiligung am Seehandel des Kontinents auszuschließen, ist praktisch undurchführbar. Hart im Raume stoßen sich auch hier die Sachen. Als Begleiterscheinung des südafrikanischen Krieges ist aber diese internationale Boykottbewegung gegen die englische Handelsflotte in den Annalen der Geschichte einzig dastehend.

Politische Tagesschau.

Kein Kanzlerwechsel!

Aus Berlin, 29. Okt., wird uns geschrieben:

Die Nachricht, daß der Reichskanzler sich zum Vortrag beim Kaiser nach Schloß Liebenberg, den Jagdgründen des Fürsten Philipp Eulenburg, begeben hat, konnte wohl geeignet sein, in Erinnerung an den Sturz des Grafen Eapinvi einigermaßen allarmierend zu wirken. Der da­maligen Ueberraschung eine Ueberraschung auch für die Bundesregierungen war ebenfalls ein kaiserlicher Besuch in Liebenberg vorausgegangcu. Diesmal steht in­dessen kein Kanzlerwechsel in Sicht. Wie wir vernehmen, handelte es sich vielmehr bei dem Vortrag, wie versichert wird, wesentlich um Fragen der auswärtigen Politik, die eine rasche Entscheidung erfordern. DieNationalztg." ver­sichert, dieReise" des Grafen Bülow betreffe lediglich den üblichen Vortrag über laufende Angelegenheiten. Die

93aff. Ztg." bestreitet, daß heute schon von einem Gegen­satz zwischen dem Kaiser und dem Kanzler in der Handels­politik gesprochen werden dürfe. Graf Bülow habe aller­dings agrarische Reden gehalten, aber sich überall Hinter- thüren und Rückzugslinien offen gelassen.Einstweilen glauben wir nicht, daß in Liebenberg ein Kanzlerwechsel vorbereitet wird." Das -,Berl. Tgbl." konstatiert, daß an den Krisengerüchten nichts Wahres ist. Kennzeichnend für die Zustande in der inneren Politik, für die Unsicherheit, die allenthalben in Bezug auf die künftige Zollpolitik herrscht, sind allerdings, wie von mehreren Seiten hervor­gehoben wird, derartige Vermutungen. Nur wenige Wochen trennen uns von dem Beginn der Reichstagsverhandlungen. Man hatte angenommen, der Zolltarifentwurf werde unter Berücksichtigung der zahlreichen öffentlichen Kundgebungen, der ausführlich begründeten Vorstellungen der Inter­essenten, in verbesserter Auflage an den Reichstag gelangen. Es sind aber Aenderungen nur in Kleinigkeiten erfolgt. Wie stellt sich die Regierung zu all den Wünschen, die seit der Veröffentlichung des Tarifentwurfs laut geworden sind? Niemand weiß es. Bald machen angebliche handclsver- tragsfreundliche Aussprüche hoher Personen die Runde durch die Presse; bald wird versichert, die Landwirtschaft werde diesmal zu ihrem vollen Rechte kommen, ganz gleich- giltig, ob das Ausland mit Zollkriegen drohe. Hinsichtlich der neuerdings dem Kaiser zuHeschriebenen Aeußerrmgen wird derNationalztg." mitgeteilt, daß der Kaiser wieder­holt bemerkt habe, er lehne es unbedingt ab, auf Aeußer- ungen, die aus Privatgesprächen mit ihm in die Oeffentlich- keit gebracht werden, irgendwie zurückzukommen. Das ist zu verstehen. Dies Hineinziehen des Herrschers in den Streit der Parteien sollte unterbleiben; es ist nicht takt­voll, vertrauliche Bemerkungen zu benutzen. Vom ob­jektiven Standpunkt muß man den Konservativen nach­sagen, daß sie, obwohl sie durch ihre Beziehungen zu Hos- und Regierungskreisen sicherlich manches Kaiserwort hören, keinen Gebrauch davon machen zu Zwecken der politischen Polemik.

Ein katholischer Uuiverfitätsprofeffor über Parität.

DerSchwäbische Merkur" erinnert daran, daß der katholische Professor V. Lossen die llerikalen Paritäts­fragen wiederholt und gründlich in führenden Zentrums- organen erörtert hat, neulich noch in derKöln. Volksztg." vom 11. Juli. Damals wandte sich Professor Lossen gegen einen seiner tterikalen Gegner, der für die Gegenwart eine weitgehende Bevorzugung der Katholiken bei der Be­setzung akademischer Lehrstühle gefordert hatte und bemerkte, die Begründung, daß dadurch ein begangenes Unrecht wieder gut gemacht werden sollte, würde von den Fakultäten nicht anerkannt werden, mit dem Hinweis darauf, daß sie selbst schon vor langer Zeit die Beseitigung der die Zulassung der Katholiken hindernden Bestimmungen verlangt haben; daß sie thatsächlich der Habilitation der Katholiken kein Hindernis in den Weg legen; und daß trotzdem sehr wenige Katholiken sich habilitieren, wodurch ganz von selbst ein großer Mangel an geeigneten katholischen Dozenten entstehe. Nachdem Lossen als­dann auf das Beispiel der Juden, die in den akademischen Lehrämtern weit stärker als in der Bevölkerung vertreten sind, zum Beweise dafür verwiesen hat, wie wichtig es vor allem sei, daß die Katholiken mehr als bisher sich freiwillig dem akademischen Lehramt zuwenden, bekämpft er die Auffassung, als ob dieTaufscheinkatholiken" in der akademischen Laufbahn besser vorwärts kommen als die gläubigen Katholiken. Die persöhnliche Erfahrung des Frhrn. v. Hertling und die Nichtanstellung Janssens läßt Lossen nicht für allgemein gelten.

Man urteilt", schreibt Lossen,einseitig, wenn man sich ausschließlich aus solchen Erfahrungen seine Meinung bildet. Selbst unter Falk witrden überzeugungs­treue Katholiken angestellt, so Lörsch in Bonn, Niehues in Münster und ich selber, vielleicht auch noch andere. Wer sucht, findet unter den Professoren an unseren Universitäten noch manchen Katholiken, den man keines­wegs zu den Taufscheinkatholiken rechnen kann. 1896/97 waren von den Privatdozenten der weltlichen Fa­kultäten aller preußischen Universitäten nur 7 Pro - zent katholisch. Diese Zahl ist meines Erachtens so traurig klein, daß wir wahrlich keine Veranlassung haben, uns den Kopf darüber zu zerbrechen, wieviele von diesen 7 Prozent überzeugungstreue oder Taufscheinkatholiken sein mögen." In demselben Aufsatze erklärt Lossen, daß eine weitgehende Ignorierung des Vorschlagsrechtes der Fakultäten zu Konflikten führen würde, die geeignet wären, die preußischen Universitäten auf das schwerste zu schädigen."

Von den übrigen Universitäten gilt natürlich dasselbe.

Die Hinrichtung des Präsidentenmörders Czolgosz.

Auburn (Staat New-Pork), 29. Okt. Czolgosz ist heute vormittag mittels Elektrizität hingerichtet wor­den. Eine halbe Stunde vor der Hinrichtung fragte Czolgosz, ob eine große Menschenmenge der Hinrichtung beiwohnen werde, wenn ja, dann werde er eine Rede halten. Als ihm mitgeteilt wurde, daß nur wenige Personen anwesend sein würden, sagte Czolgosz ärgerlich: Dann will ich keine Rede halten. Es wurde ihm dann gesagt, daß man überhaupt unter keinen Umständen gestatten würde, daß er eine Rede halte. Meldungen des Bureau Laffan zufolge ging die Hinrichtung ohne Fehler und ohne Stockung vor sich. Kein Geistlicher war zugegen und nur eine kleine Anzahl Menschen versammelte sich vor dem Thore des Gefängnisses. Neun Minuten nach sieben Uhr erschien Czolgosz im Hinoichtungs- raume. Die Wärter stützten ihn, während er schnell dahin­schritt. Er stolperte über den Riemer:, mit dem seine Füße festgeschnallt werden sollten, fiel dadurch in den Hin­

richtungsstuhl hinein und fing sofort zu sprechen an. Erst waren seine Worte unartikuliert, dann berftanb man, wie er sagte:Ich erschoß den Präsidenten, weil es der guten arbeitenden Bevölkerung zum Nutzen gereichen würde, ich bebaute mein Verbrechen nicht, ich! bebaute nur unendlich, daß ich meinen Vater nicht sehen konnte. Das ist alles!" Kaum hatte er diese Worte gesagt, so wurde die Maske mit den Ledertiemen übet sein Gesicht gezogen und es war zwölf und eine halbe Minute nach sieben Uhr, als der Wärter Mead das Zeichen gab. Es fand eine plötzliche Kontraktion der Muskeln statt, dann wurde der Körper steif. Einige Sekunden ließ man den Strom in derselben Stärke wirken und dreizehn Minuten nach sieben Uhr wurde der Strom noch einmal in ganzer Stärke zur! Anwendung gebracht und wieder ausgeschaltet. Die Aerzte nahmen dann eine eilige Untersuchung vor und rieten, daß der Vorsicht halber der Strom noch zum dritten Male zur Anwendung kommen solle. Infolgedessen wurde der Strom um vierzehn und eine halbe Minute nach sieben Uhr noch einmal für einige Sekunden eingeschaltet und um viertel nach sieben wurde Czolgosz für tot er Härt; DerEvening News" zufolge kamen 1700 Volt zur An­wendung. Das Gesuch des Bruders, der Hinrichtung bei­wohnen zu dürfen, war abschlägig beschieden. Nach der Sektion wurde die Leiche in Kalk begraben. Alle Kleidung, Papiere und Briefe von Czolgosz wurden ver­brannt, damit sie nicht als Reliquien benutzt werden können. Die Obduktion der Leiche zeigte ein normales Gehirn. Die Familie des Czolgosz schien geneiat zu fein, seinen Leichnam oder seine Kleider einem Schaubudenbesitzer, der 5000 Dollars für den ersteren oder die leßteren bot, zu verkaufen, indessen bewogen die Gefängnisbehörden den Bruder des Czolgosz, eine Verzichtleistung zu unterschreiben. Czolgosz wies alle Priester ab und ersuchte feinen Bruder, darauf zu sehen, daß niemand an seiner Leiche bete. Czolgosz hatte in der Nacht einen starken nervösen Anfall gehabt.

Deutsches Wich.

Berlin, 29. Okt. Der Kaiser ist heute abend in Wildpark wieder eingetroffen und begab sich nach dem Neuen Palais.

Mit Bezug auf angeblicheAeußerungendes Kaisers wiro derNat.-Ztg." mitgeteilt, daß der Kaiser wiederholt bemerkt habe, er lehne es unbedingt ab, auf Aeußerungen, die aus Privatgesprächen mit ihm in die Oeffentlichkeit gebracht werden, deshalb irgendwie zurück- zukommen.

DerReichsanz." veröffentlicht eine Verfügung des, Reichskanzlers, wonach die Zahl bet Mitglieder des Ko­lo n i a l r a t s auf 40 festgesetzt wird.

DieVoss. Ztg." erfährt zum Milchkrieg, Kom­merzienrat Bolle, der größte Milchlieferant Berlins, habe den Vorstand des Milchringes, Oekonomierat Ring, an­läßlich der Veröffentlichung eines Inserates, in dem den Berliner Milchhändlern vorgeworfen wird, daß sie bisher meist Halbmilch vertrieben hätten, wegen unlauteren Wettbewerbs und wegen Beleidigung verklagt. Ebenso reichte der Vorstand des Vereins Berliner Milchpächter gegen eine Anzahl Mitglieder, welche die Konvention ge­brochen, Milch nicht höher als für 12 Pfennig für den Liter frei Berlin zu kaufen, die Klage auf Konventionalstrafe von 10002000 Mk.

Wir brachten (in unserer Sonntagsnummer) die Mitteilung, daß auf dem Abreißkalender des deut­schen Flottenvereins ein beinahe sozialistisch ange­hauchter Ausspruch entdeckt wurde. Nun hat sich als Ver­fasser Professor Dr. v.' Wenckstern bekannt, der erst vor einigen Tagen durch eine in einem konservativen Bezirks- Verein auf seinen Antrag angenommene Resolution, in der vom Freihandel die Rede war, den Unwillen der Dtschn. Tagesztg." auf sich geladen hatte- Zugleich hat er aber derKreuzztg." den Nachweis geliefert, daß es sich bei jener Sentenz um ein einzelnes Glied aus einer logischen Reihenfolge handelt, und daß der Sinn der ganzen SptuchsammlungNationale Wirtschaftspolitik ein­schließlich der Agrarzölle" ist. Das führende Organ der Konservativen hat sich mit dieser Erklärung zufrieden ge­geben.

Eine Untersuchung über dieZahl der jüdischen Schöffen und Geschworenen im Deutschen Reiche wird von jüdischer Seite angeregt. Es soll durch Umfrage festgestellt werden: 1. Ob Juden in der betreffenden Gegend zu den genannten Ehrenämtern herangezogen wer­ben? 2. Ob sich die Praxis in dieser Hinsicht in letzter Zeit zu Gunsten ober zu Ungunsten der Juden geändert hat? Das gesamte Material soll dann gesichtet und eventuell schon bei den nächsten Justizberatungen in den Einzellandtagen zur Sprache gebracht werden.

Oeynhausen, 29. Okt. Heber Zolltarif und Tabakgewerbe sprach hier der Syndikus des deutschen Tabakvereins, Schloßmacher aus Frankfurt a. M. Schloß­macher führte aus, daß trotz der agrarischen Wünsche, namentlich in Süddeutschland, den Zoll auf ausländischen Tabak, zu Gunsten des deutschen Tabakbaues von 80 event. auf 110 Mk. für den Doppelzentner zu erhöhen, eine solche Gefahr für die westfalische Tabakindustrie nach seiner Kennt­nis der Sachlage zur Zeit nicht bestehe. Der neue Zolltarif enthalte denn auch keinerlei Vorschläge einer Zollerhöhung auf Tabak. Ebenso bemühte sich der Redner, die von süd­deutschen Tabakbauern behaupteten Angaben wegen Ver­minderung der Anbaufläche und der Unrentabilität des deutschen Tabakbaues zu widerlegen. Preußen, so schloß der Redner, würde auch einer Tabakzollerhöhung wohl nicht zustimmen, zumal dasselbe damit wegen des unausbleib­lichen Rückganges der norddeutschen Tabakindustrie zweifele