Ausgabe 
31.5.1901 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

gez. Valentin von B t s m a r ck, 1. Vorsitzender.

Theater, Kunst und Wissenschaft.

Darmstädter Künsilerkolopie. Wie wir hören, werden Vor kehrungen getroffen, einige unglückliche Eigenschaften des Sptelhauses auf der Mathildenhöhe abzuändern. Man will dafür Sorge tragen, daß jedes von außen kommende Geräusch, das die Aufmerksamkeit deS Zuhörers von den künstlerischen.Vorgängen ablenkt, abgehalten wird und daß von allen Plätzen aus ein voller Ueberblick über die Szene gewährt wird. Uebrigens kursieren im Publikum vielfach und mannigfach falsche Gerüchte.

Vorsitzender gez. Fr. Schaefer, Schriftführer, gez. G. Gronau, Kassenwart.

Arbeiterbewegung.

Darmstadt, 29. Mai. Die Streitigkeiten zwifchm Restau­rateur und Kellner in der Ausstellung der Künstlerkolonie

UnwersMs Nachrichten.

Der bisherige a. o. Profeffor an der Hochschule Dr. phil. und Lic. theoll Fr. Schwally in Straßburg ist als a. o. Profeffor mit dem Lehrauftrag für die semitischen Sprachen nach Gießen berufen worden und hat den Ruf angenommen. Er ist geborener Hesse, aut Butzbach, war von 1889 bis 1890 >als Religionslehrer an dem Gymnasium zu Darmstadt thätig, habilitierte sich Ostern 1893 in Straßburg und wurde dort zu Anfang des vorigen Jahres zum a. o. Profeffor befördert. Rach dem kürzlich erfolgten Tode des bisherigen Direktors des evan­gelischen Studienstifts von Sankt Thomas in Straßburg (Dr. Erickson) ist die Stelle nunmehr dem a. o. Profeffor Lizentiat Annch, der bisher gleichzeitig Pfarrer in dem benachbarten Lingolsheim war, übertragen worden. Dabei soll jetzt ein^emerkenswerte und sehr zweckmäßige Ver­änderung mit dem namentlich für die RrsormationSgeschichte überaus wertvollen Thomaü-Archiv vorgenommen werden. Dasselbe wird unter Wahrung des Eigentumsrechtes des ThomaSstistes dem dortigen Stadt archiv zur Verwaltung übergeben, das unter der vortrefflichen Leitung von Dr. Winkelmann steht, so daß nunmehr dieses wichtige Archiv fach männisch geordnet und damit der wiffenschaftlichen Forschung erheblich leichter zugänglich gemacht wird. Man berichtet aus Kopenhagen vom 28. d. M.: Der berühmte dänische Chemiker Profeffor Julius Thomsen hat sich von seiner Wirksamkeit als Direktor der hiesigen poly technischen Lehranstalt zurückgezogen. Mehr als ein Menschenalter hat er als Universitätslehrer gewirkt und durch seine bedeutsamen Entdeckungen und Forschungen viel dazu beigetragen, die allgemeine Kenntnis der Raturwiffenschaften zu verbreiten. Auf dem Gebiete der Thermochemie ist Julius Thomsen mit dem Franzosen Berthelot die erste Autorität. Thomsen ist 75 Jahre alt; zunehmende Schwäche hat ihn genötigt, feine Lehrerwirrsamkeit aufzugeben. Er ist Präsident der Kopenhagener Akademie der Wissenschaften.

Gotha, 29. Mai. Vom schönsten Wetter begünstigt, wurde das 10. Turnfest de» Verbandes der Hochschulen gefeiert. Dm Veranstaltungen wohnte auch der Regent von Koburg-Gotha bei, der an die Turner eine Anfp ache hielt. Die Turnerschaft »Alsatia". Straßburg errang den Ehrenschild deS Verbandes aller Tunierschaften, ihr Mitglied Stud. von de Weghe war Sieger im Fünf- und Sechskampf.

Für den Bismarckbund Braunschweig: Für den Bismarckverein Wolfenbüttel gez. Valentin von Bismarck, gez. Merkel,

gez. Lahmann, 1. Schriftführer, gez Dr. H. Jahn, 1. Beisitzer, Nachdruck wünschenswert.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berlin, 29. Mai. Seit der Verhaftung der Dir. klaren Schultz und Romeik ist der Direktor B e h n f e n von der Immobilien- und VerkehrS-Bankoerreift* und zwar, wie es heißt, nach England.

Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke norm. 9ernte, Gießen, lieber die am 25. d. Mts. in Köln unter Ausschluß der Oeffentlichkeit abgehaltene außerordentliche Gewerkenoersammlung wird der ,RH. W. Ztg." folgende- mitgeteilt: Vertreten waren 880 Kuxe durch 65 Gewerken. Der frühere Besitzer Fernie hatte auf daS ganze Besitztum der Gewerkschaft noch eine Forderung von Mk. 2,600,000, die der bisherige Vorsitzende Dr. Pfahl in Bonn bestellt hatte. Die Ver­sammlung beschloß, in diese Verpflichtungen gegenüber Fernie und dem Bankhause Oppenheim einzutreten. Dr. Pfahl übergiebt dagegen der Gewerkschaft 1 MillionFernie"-Obligationen, ferner 401 Kuxe der Ge­werkschaftFernie" und 100 Kuxe deS Erzbergwerks Aurora. Man hat nun in Aussicht genommen, auf die Übrigen 599Fernie"-Kuxe eine Zu­buße von Mk. 2000 pro Kur auszuschreiben; dieser Vorschlag' wird vor­aussichtlich in einer neuen, für Juni einzuberusenden Gewerkenversamm­lung auf die Tagesordnung gesetzt werden. In den Grubenvorstand neu- gewählt wurden Rechtsanwalt Grünewald in Gießen, K. Nordhaus und E. Ruthemeier in Düffeldorf und K. Zobel in Gießen. Außerdem be- sindet sich noch im Grubenvorstand der Delegierte deS^Bankhauses Oppen- heim, Ferdinand Rinkel. Der Direktor des Bergwerks wurde seiner Funktionen enthoben. Für 1900 hatte die Gewerkschaft Fernie Mk. 450 Ausbeute pro Kuxe verteilt. Sie ist mit einer hypo­thekarisch eingetragenen 4proz. Obligationsschuld belastet. Soweit die Rh. westf. Ztg." Unsere gestrige kurze Mitteilung, daß der Direktor des Bergwerkes seines Amtes enthoben worben sei, wirb durch ein heute uns übersandtes Schreiben des Vorsitzenden der Gewerkschaft, Rechts­anwalt Grünewald, als unwahr bezeichnet.

Begleiterin geschossen und sie Während der Fahrt in den Tunnel geworfen.* In dem Coupee sand man einen jungen, gut gekleideten Mann, der ruhig am Fenster saß und sich über das Erscheinen der Leute zu wunder» schien. Die Blutspuren auf den Polstern und ein Kamm aus Schildpatt, der am Boden lag, ließen jedoch'erraten, daß etwas geschehen sein müsse, und der Wagen wurde abgehängt. Bei den Nachforschungen unter dem nächsten Tunnel entdeckte man ein aus mehreren Kopfwunden blutendes Mädchen, welches wenige Stunden danach in dem Hospital Tenon starb. Es stellte sich heraus, daß der junge Mann Dnsiollier heißt und daß er mit seinem Opfer Marie Pons schon seit zwei Jahren heimlich verlobt war. Bor einem Jahre widersetzten sich seine Eltern der Heirat deS Zwanzigjährigen, weil er erst seiner Wehrpflicht genügen mußte; aber daS Liebesverhältnis hatte fortgewährt. Dussollier, der Buchhalter in einem Ge­schäfte ist, weigerte sich beharrlich, irgendwelche Auskunft zu erteilen; allein es ist wahrscheinlich, daß er das Verbrechen aus Verzweiflung darüber beging, in einigen Wochen als Rekrut eintreten und die Braut zurücklassen zu müffen.

* Einen Metierwechsel origineller Art kündigt ein Arzt in einem Inserat desDresdener Anzeigers" in folgender Weise an:

Dr. med., berufsmübe, vorzüglicher Musiker, Pianist, Tenorist unb Humorist, sucht Stellung bei Quartett ob. Singspiel­gesellschaft. Gefl. Offert, unter ü. 0. 906 an Haasenstem & Vogler, A.-G., Dresben, erbeten.

Der Humor scheint dem Manne bei den beruflichen Mühselig­keiten trotz alledem nicht ausgegangen zu sein, denn sonst würde er sich nicht u. a. als Humorist empfehlen. Die Herren von der Aerztezunft werden in Rücksicht auf die StandeSehre von der profanen Mißachtung der ärztlichen Kunst, die aus dem Inserat spricht, sicher nicht erbaut sein. Möglich auch, daß sie eine Notlage der Aerzte herauslesen.

Gründung eines Deutsche« BiSmarckbuudeS.

Man schreibt unS:

Schon zu Lebzeiten beS Fürsten BiSmarck schlossen sich in ben ver- chiebensten Orten unseres VaterlanbeS Männer zu Bereinigungen zu- ammen, um bem großen Staatsmann auch nach seinem Rücktritt offen- lunbig vor aller Welt zu beweisen, baß sie auch ba zu bem Begrünber beS Reiches in Treue unb Dankbarkeit ständen, wo sich viele Tausende von ihm abgewenbet hatten. Unb als bet Tob ihn von uns riß, da chloßen sich diese Vereinigungen nur um so fester zusammen, um das Andenken an Bismarck zu pflegen, und in ihm zu gleicher Zeit das Deutschtum zu ehren, denn in erster Linie Deutsche müssen wir fein, wollen wir auf der gewonnenen Höhe auch fernerhin sicher stehen.

Auch bet Bismarckbunb zu Braunschweig unb mit ihm bet Wolfen- bütller Bismarckverein haben sich diese- Ziel gesteckt, aber sie wissen sehr wohl, daß sie allein es nicht zu erreichen vermögen. In allen Städten Deutschlands müssen solche Vereinigungen entstehen und sich zu einem großen Ganzen zusammenschließen, erst bann wirb in deutschen Landen ein Bollwerk des Deutschtums aufgebaut fein gegen alle die Bestrebungen, die an den Fundamenten des Deutschen Reiches zu rütteln wagen. DaS Andenken Bismarcks hochhalten, heißt für das Deutschtum eintreten, heißt unsres Volkes höchste Güter wahren! Kaiser und Reich unb bamit Macht unb Wohlstand, Ehre und Vaterland.

Um dieses hohe Ziel zu erreichen, haben die beiden genannten Ver­eine alle schon bestehenden Bismarckvereinigungen zu einem Zusammen- chluß eingeladen, und fordern zur Bildung ähnlicher Vereine in allen Städten des Vaterlandes und zur Angliederung an die schon bestehenden auf. Möchte der 3. Juni, der Tag an bem in brr Reichshauptstadt bas Standbilb Bismarcks enthüllt wirb, zur Bilbung von Bismarckvereinen überall im beutschen Vaterlande die Anregung geben, und möchte die Vereinigung aller dieser Vereine zu einem großen Bollwerk des Deutsch­tums im Reiche die baldige weitere Folge dieser Gründungen sein.

Zum Zusammenschluß aller Vismarckvereinigungen und der Ans­chüsse für Bismarckdenkmäler bezw, Säulen wird gebeten, sich mit ben unterzeichneten Vereinen baldmöglichst in Verbinbung zu setzen.

Braunschweig Wolfenbüttel

im Mai 1901.

# 4

lll- flirt'

j A"

Mi« -ic

» Solen.

: finen '

di- «2* & h.

:t« 4fäjtÖ1"* dm Schreck L V0ntn

wXA *,rer Null «n

' fc für di-

den Rhein nach M* d°ß s

Mm» Whe Jutta itanpiubn, d» di- L« W« wite, Mh bi! M«m Wtat kichnch

Betfammlnng mittel* lern hier statt, von nach- l"g der auswärtigen Gäste tauration, woselbst auch der 'e. Anwesend waren über urnhalle begannen pünltlich renden Vorträge und zwar , Dr. R. Schütz-Wiesbaden, saden, Medizinalrat Dr.

Freund-Straßburg, Dr.

Scherer-Ludwigshafen. A» Firmen B. B. Caffei, mebi> t), praktische NeuDn unb S sterilisierte Sickmhrnng nn im Hotel Moria das lS nächstjähriger Svngreßvrt *

12y, Jahre alU Söhnchen chlür Tvig siel in eine rat fier und ertrank.

li. Im vorigen Jahre, W lönig Humbert von Italien em SvMagabend in der Mn ein Mann dingfest ge- urch Messerstiche schwu ver- ne, ein gewisser Theinhack nchungSgesängnis eingemsm, che SraukenhauS verbracht, h 24 Stunden spurlos M t Binden und Bandagen m i einWatfel, d-ßd-r»- en hatte entweichen können, schungen in ganz Deutschlar Theinhardt hat vor einig llutersuchnngShast eotasten Ä'ÄSS'

m nimmt an, daß e- W ysxgf:

lassen, <-7-7 den Tod Si' denS sreuolll'S "

Nrnnnen- w

'®i! W4« f»1

nehmer an der Fabrik und führte sie, unterstützt durch den Vertreter der Firma Herrn Pfeil, etwa 2 Stunden lang durch die ausgedehnten, etwa 300 Arbeiter beschäftigenden Werke. Zuerst wurden die mächtigen Thonlager neben der Fabrik besichtigt, die bei einer IahreSfabrikation von etwa 10 000 000 Steinen Jahrhunderte lang Vorrat aus diesem kostbaren Stück Erde schöpfen kann. Dann schritt man in die innerenwohlgeheizten" Räume deS Werkes. Hier er- Närte Ingenieur Wageuscheio die Thonmühle, die Kessel- und Maschiuenanlagen, worauf die ThonprLparierungSmaschine genauer in Augenschein genommen wurde. Nachdem man noch die äußerst praktischen Maschinen für Falzziegel, Dach Pfannen, den Mischungsraum und die Gipsformen-Anstalt im Schweiße seines Angesichts in Thätigkeit gesehen halte, schritt man mit dem Bewußtsein, eine unfreiwillige Entfettungskur gemacht zu haben, über Felder zur Besichtigung der nahen Saudlager der Firma. In den Fabriken hingen an allen Wänden Schilder mit dem guten PseudonymBeim Gange nicht zu schmieren", aber derGang" durch die Werke wurde so ausgedehnt und durch Jngeniuer Wagenscheiu die Besich­tigung so gründlich vorgenommen, daß viele mit trockener Kehle nach einem kühlen Trunk lechzten. Aber die Stunde hatte noch nicht geschlagen. Ein Amateurphotograph machte mehrere Aufnahmen in diesem abgematteten Zustande. Auf die Bilder sind alle Teilnehmer gespannt. Nachdem noch die immensen Trockenlager durchgangen worden waren und die Fabrikation der weißen Berblendsteine, eine Spezialität der Firma, die diese Artikel sogar in» Ausland liefert, mit vielem Interesse beobachtet worden war, trat man in einen großen luftigen Saal mit langem gedeckten Tisch, in dessen Nähe einige FaßEchtes" lockend lagerten. Die aufge- stapelten Fleischbrötchen waren im Nu vergriffen. Von den Strapazen ruhte man einige Stunden in gemütlicher Unter­haltung aus, in der das Gesehene lebhaft besprochen wurde. Nach 5 Uhr brach man endlich auf, nicht ohne vorher Herrn Wagenschein für seine liebenswürdige Führung gedankt zu haben.

Um 5i/a Uhr fand ein gemeinsames Festmahl in Steins Garten statt.

Heute morgen begann der dritte Tag der Verhandlungen. Es wurden geschäftliche Angelegenheiten erledigt. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die bisherigen Mitglieder, die Professoren Pietzker-Nordhausen, Scholten-Halle, Hamdorf- Guben, P r e S l e r - Hannover wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen Professors Schwalbe wurde der Uni­versitätsprofessor Hansen-Gießen in bett Vorstand mit großer Majorität gewählt. Ferner wurde Direktor Th aer- Hamburg von der Versammlung gebeten, den Verein bei der Hamburger Naturforscher-Versammlung im Sep­tember dieses Jahres zu vertreten.

Es wurde einer liebenswürdigen Einladung der Stadt Düsseldorf Folge geleistet und die Stadt am Rhein zum Versammlungsort für Pfingsten nächsten Jahres gewählt. Da um diese Zeit die Düsseldorfer Ausstellung geöffnet ist, wurde die Einladung besonders dankbar angenommen.

Nach einer längeren lebhaften Diskussion über interne Angelegenheiten, sprach der 1. Vorsitzende Prof. Pietzker den Mitgliedern des Vereins, die sich für die Veranstaltung ver­dient gemacht hatten, sowie in erster Linie der Universität, 1>em Gymnasium und Realgymnasium den Dank des Vor- flavdes aus und schloß den osfiziellen Teil der 10. Haupt­versammlung des Vereins zur Förderung des Unterrichts in der Mathematik und der Naturwissenschaft.

9. Kongreß der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie. ii.

P. Gießen, 30. Mai.

Gestern nachmittag um 2 Uhr wurde die Verhandlung wieder aufgenommen. Sie dauerte bis halb 6 Uhr. Be­sonderes Aufsehen erregte ein Vortrag des Professors W e r t - Heim-Wien über eine neue Methode derHterus-Carci- norn"-Operation. t .

Abends 8 Uhr fand im Philosovhenwald der von der Stadt Gießen arrangierte Bierabend statt. Bürgermeister Mecum begrüßte die Erschienenen durch eine treffende, mit großem Beifall aufgenommene Ansprache. Wenn auch die Teilnehmer des Kongresses sich in allererster Linie zu ernster Arbeit hier zusammengefunden hätten, so sei es doch für die Stadt eine angenehme Pflicht gewesen, ihrer- seitä alles aufzubieten, um den fremden Gästen den Aufenthalt in Gießens Mauern so angenehm wie möglich zu gestalten. Bürgermeister Mecum wünscht den Verhand­lungen einen guten Verlauf und schloß mit einem be­geistert aufgenommenen Hoch auf den Kongreß.

darauf erhob sich Geheimrat Prof. Lo h le i n und erwiderte in längerer mit feinem Humor durchwurzter Rede die Begrüßung des Bürgermeisters,armis et litteris ad utrumque parotis" fei der Wahlspruch der Gießener afabemt -scheu Welt. Ter Redner dankte der Stadt Gießen und der Bürgerschaft für das überaus große, freundliche Entgegen­kommen. Zum Schluß forderte der Redner die Anwesenden auf mit ihm einen kräftigen Salamander zu reiben auf

vivat, floreat, crescat der Stadt Gießen und ihrer Be­wohner. Tie Stimmung der Teilnehmer war fröhlich und heiter, und wenn nicht bereits am andern Morgen früh 7 Uhr Demonstrationen ungesagt worden waren, hätte sich der Bierabend noch sehr in die Länge gezogen.

Bereits heute morgen 7 Uhr fanden in der Frauen­klinik Demonstrationen statt. Präparate waren eigens zu diesem Zweck aus weiter Ferne herberge schasst worden. Um 9 Uhr schlossen sich daran die Bortrage in der Aula der Universität, die sich über das zweite Haupt - Thema . Eklampsie, verbreiteten. Tie Referate hierüber waren von Geh. Rat F-ehling-Straßburg und Prof. Wyder-Zürich übernommen worden. Gegen 1 Uhr trat eine Fruhftucks- oause ein, während der die Herren in den verschiedensten botels Imbisse einnahmen. Um 2 Uhr werden die Vortrage

Vermischtes.

* Paris, 29. Mai. Als ein Zug der Pariser Gürtel­bahn in den Bahnhof von Charoune einlief, sagte ein Fahr­aast erster Klaffe hastig zu den Bahnangestellten:Verhaften Sie den Mann, der in jenem Coupee fitzt, er hat auf seine

So wirb behauptet, bet Eintrittspreis von 1 Mk. berechtige nur zum Be­treten bes Ausstellungsgeländes, für ben Eintritt in jebeS KünfllerhauS werbe ein Extrabetrag erhoben. Diese Annahme ist durchaus falsch; für eine Mark kann man alle«, wsS in der Ausstellung geboten wirb, sehen.

Frankfurter Oper. Am Freitag, ben 31. Mal gelangen Richard Wagners .Die Meistersinger von Nürnberg* in der bereits ge melbeten teilweisen Neubesetzung zur Aufführung. Herr AloiS Burgstaller singt zum erstenmale bic Partie des Walther von Stolzing alS Gast. Musikalische Leitung: Dr. Rottenberg. Neuinszenierung: Oberregiffeur Krähmer. Die neuen Dekorationen (Theatermaler Walther) unb bic ge­samte dekorative Einrichtung (Obermaschinenmeister Rudolph) sind nach bem Vorbilde der Bayreuther Ausführung angefertigt. Neue Kostüme: Frau Obergarderobier Noback, Herr Obergarderobier Zinner. Da bas Werk ohne alle Striche, genau nach der Origtnalpartitur deS Meister», in Szene geht, ist der Beginn der Vorstellung auf 6 Uhr festgesetzt.

Frankfurter «tadttheater. Ernst o. Wolzogen, der Leiter deSUebetbreitl" in Berlin, wirb am 15.. 16. und 17. Juni mit seiner ganzen Gesellschaft im Frankfurter Schauspielhause gaftteren.

Mel, 28. Mai. Der allgemeine deutsche Schuloerein er­öffnete heute Mittag in den deutschen Reichsballen seine Haupt­versammlung. Den Vorsitz führte Professor Biande-Berlin Der Hauptpunkt der Tagesordnung war ein Vortrag deS Professors HaufftN'Prag:Heber daS geistige Leben der Deutschen in Böhmen".

Aus Wien wird gemeldet: Der berühmte'.Forscher auf dem Gebiete deS BeleuchtungSwesrnS, der Erfinder deS GaSglühltchlS und der elektrischen Osmtumlampe, Dr. Karl Ritter Auer v. WelSbach, wurde vom Kaiser von Oesterreich in ben Freiherrnstand erhoben. Diese hohe Auszeichnung reiht fich an die vielfachen Ehrungen und Anerkennungen, die dem genialen Gelehrten für seine epochalen Schöpfungen bisher zu Teil geworden sind.

Newyork. 29. Ma«. Auf dem Hevard Observatorium wurden photographische Mond-Ausnahmen gemacht, die anscheinend daS Vor­handensein von Schnee zetgm.

«ruft Eckstein als Sprachgenie. Wolfgang Ktrchbach widmet in einer Monatsschrift dem vor einigen Monaten Heim­gegangenen Ernst Eckstein, dem berühmten Sohne unserer Ssadt Gießen, ein Gedenkblalt, das neben einer feinsinnigen kritischen Würdigung deS beliebten Romandichters eine mit triftigen Pinfelstrtchen gezeich­nete Charakterschilderung deS Menschen Eckstein enthält. Kirchbach zeigt unS den Verfasser derClaudter" vor allem als Mitglied des noch heute bestehendenSymposion*, einer Vereinigung von in Dresden lebenden Schriftstellern und Künstlern, unter welchen man Namen von gutem Klang, wie den Literarhistoriker Ad. Stern, den Kimfthifto>cker Karl Woermann, den Romanschriftsteller Friedrich Friedrich, den Dichter Robert Waldmüller u. f. w. fand. In diesem Kreise hatte man häufig Gelegenheit, die Gründlichkeit von Ecksteins Bildung kennen zu lernen. Hier sah man ihn gelegentlich in gutem Latein die Unter* Haltung führen, und man versuchte ihm darin die Stange zu halten. Hier begann er, verwandten gut gesattelten Sprachkennern gegenüber, auch die Konversation in gutem Altgriechisch, daß man leibhaftig im Symposion PlatoS zu leben glaubte, und er führte die griechischen Gespräche wohl eine Viertelstunde lang sattelfest durch. Er war sprach­lich so reich, daß er sieben Sprachen geläufig lesen konnte. Studiert hat er noch weit mehr, denn neben Griechisch, Latein und den modernen Sprachen trieb er Gothisch und anderes. Er vermochte mit Anmut in fünf Sprachen zu dichten- Man kennt von ihm Gedichte nicht nur in deutscher, sondern auch in englischer, französischer, lateinischer und iciechischer Sprache. Aus diesem Talent sind viele reize-de liebere ehungen herooraegangen; so enthält feineLyra germanicolatina eine Reihe wunderschöner Uedersehungen deutscher Lieder inS Lateinische. Auch englische Lieder übertrug er inS Lateinische, und so war er ge» radezu ein internationaler Ueberfitzer. Ai» Probe seine» Talents sei hier die hübsch klingende Hebersetzung von Goethe»Heideröslein" wiedergegeben:

Puer viait roeulam, Roaulam in prato. Adit jaounditwimam, Spectat amoenisaimam, Corde delootato.

Rosa rubra rutila, Rosula in prato.

Gerichtssaal.

Bayreuth, 29. Mai. Von der Strafkammer wurde heute der Forstamtsassistent Karl Weber von Klingenbrunn wegen Vergehens des Zweikampfes zu 3 Monaten Festungshaft verurteilt. Weber war am letzten Geburtstag des Prinzregenten im Eafü Vogel dahier in vorgerückter Stunde mit dem Rechtspraktikanten und Leutnant der Reserve Emil Rottler von Bayreuth in einen Wortwechsel über die AnstellungS» Verhältnisse der Forst- und Rechtspraktikanten geraten. Als R. dabei eine beleidigende Aeußerung gebrauchte, forderte ihn W. auf, mit ihm hinauS- zugehen, um die Sache beizulegen. R. folgte zwar der Aufforderung, sagte aber draußen zu SB.:Sie HanSwurst verstehen nichts vom studen­tischen Komment". Darauf versetzte W. dem R. eine Ohrfeige. Es kam zu einer Pistolenforderung. Am 15. März standen sich die Gegner gegen­über. Beim ersten Gang erhielt R. eine leichte Verletzung am linken Bein. Nach dem zweiten resultatlos verlaufenm Gang erfolgte eine Ver. söhnung. R. ist bereits am 21. Mai zu 3 Monaten Festung verurteilt worden. Weber gestand heute Alles unumwunden zu und entschuldigte seine Handlungsweise mit hochgradiger Erregung, verursacht dadurch daß er durch die schwere Beleidigung seine» Gegners sehr stark gereizt worden fei.

Leopold HülSner begnadigt. Eine Aussehm erregende Mitteilung bringt dieBohemia". Danach wäre der wegen zwei- fachen Morde» zum Tode oerurtellte Leopold Hülsner vom Kaiser Franz Josef begnadigt wordm, worauf der Oberste Gerichtshof auf lebenslänglichen schweren Kerker erkannt habe.