Ausgabe 
30.11.1901 Zweites Blatt
 
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Auf bem Friedhof angelangt, gruppierten sich die Leid­tragenden um das Grab, worauf Pfarrer Euler dem Ver­blichenen warm empfundene, zu Herzen gehende Worte widmete. Anknüpfend an den Bibelspruch:Haltet mich nicht auf, der Herr hat Gnade gegeben zu meiner Reise", den man mit Recht seinem Leben zur Ueberschrift geben könne, hob er hervor, wie wir in dem Verblichenen einen der Besten zur Ruhe geleiteten, der ein Vorbild gewesen sei in dem, was den Menschen wahrhaft groß und liebenswert erscheinen lasse. Ein Meister der Wissenschaft, habe der Name dieses Mannes, dessen Leben ein Leben der Mühe und Arbeit, des Forschens und Strebens gewesen sei, einen guten Klang weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus. Freilich habe es ihm auch nicht an ernsten, schweren Stunden gefehlt; da sei sein Heim die Stätte gewesen, wo er immer wieder Kraft zum Wirken gefunden habe. Wer wolle sie zählen, denen er zur Heilung verhalfen habe, in seiner schlichten freundlichen Art, die vielen Leidenden, denen er Heilung gebracht. Und doch sei sein Tod ein schöner gewesen; denn mitten in treuer Pflichterfüllung, nicht gebeugt durch die. Last der Jahre, sondern auf der Höhe des Lebens, in voller Kraft sei er dahingegangen.

Darauf legte im Auftrag des Großherzogs Geh.- Medizinalrat Prof. Dr. Riegel einen Kranz an dem Grab des Heimgegangenen nieder.

Nun widmete der Rektor Prof. Dr. Hansen dem Ver­storbenen einen herzlichen Nachruf, in dem er etwa folgendes sagte: Tief erschüttert von der furchtbaren, eisernen Gewalt des plötzlichen Todes, steht die gesamte Landesuniversität ge­beugt und trauernd an diesem frühen offenen Grabe unseres treuen Kollegen, der herausgerissen wurde aus seinem Lebens­beruf, seiner hilfreichen ärztlichen Thätigkeit. Mit den Kollegen trauert die Wissenschaft, die studierende Jugend, die hilfe­suchende Menschheit. Tief ist unsere Universität getroffen durch den Verlust eines Mitgliedes, dem sie so viel verdankt. Mit ganzem Herzen hat er an ihr gehangen, seine ganze Kraft ihr gewidmet von seiner Berufung als Ordinarius im Jahre 1888 an bis zu seinem letzten Athemzuge. Ein großes modernes Institut, das er einweihte, als er hierher kam, hat er mit allen Kräften zu dem gemacht, was es sein soll, eine gemeinsame Stätte der Wissenschaft und Wohlthat. Er hat an der Universität gewirkt als Lehrer der jungen Aerzte, als Gelehrter und berühmter Gynäkologe, der den Namen Gießens weit hinausgetragen hat über die Grenzen unseres Vater­landes. Mit beneidenswerter Frische hat er die schweren Aus­gaben des Klinikers erfüllt, niemals gedrückt durch die Last des aufreibenden Berufes. Und daneben war es ihm mög­lich, auch den zahlreichen und mannigfachen Interessen unserer Universität, genug zu thun. Im Senat und in der Fakultät hat er ratend und beratend an allen wichtigen Fragen mit größtem Interesse teilgenommen. Zweimal war er Dekan seiner Fakultät; im Jahre 1898 übernahm er das vielseitige und schwierige Amt des Rektors, obwohl er berechtigt gewesen wäre, diese neue Arbeitslast wegen seines schwierigen und arbeitsvollen Berufs abzulehnen. Sein Pflichtgefühl aber be­fahl chm, das Amt zu übernehmen. Er hat es verwaltet in schwieriger Zeit mit Aufopferung seiner inneren Ruhe, der Universität zum Nutzen. Und wenn wir trotz unseres tiefen Schmerzes voll Dank an diesem Grabe stehen, so ist es nicht die Leistung des Universitätsprofessors allein, die uns mit tiefem Dank erfüllt. Schwerer als der Verlust des Gelehrten trifft uns der Verlust eines Kollegen von edelsten, hervor­ragenden menschlichen Eigenschaften. Unsere Körperschaft fühlt sich wie verstümmelt durch den Verlust dieses treuen Freundes aller Kollegen. Wir stehen nicht ohne Danken an dem Grabe auch dafür, daß ihm für diese vielen schönen, großen Eigen­schaften vielerlei Ehren zu teil geworden sind; aber gestrebt hat er nie nach ihnen.

Das haben wir besonders empfunden, als ihm ein ehren­voller Ruf 1897 von Königsberg zuging, den er ablehnte.

Er hat nicht gestrebt nach Ehren; freiwillig sind sie ihm zu Teil geworden. Persönlicher Dank und persönliche Zuneigung sind ihm in reichlichem Maße zu Teil geworden.Tief be­kümmerten Herzens lege ich diesen Kranz, die letzte Gabe Deiner Universität und unserer Zuneigung an diesem Grabe nieder; was Du als Dekan einst/inem Kollegen mit schwerem Herzen zugerufen hast, ich rufe es Dir zu als letztes Ab­schiedswort, lebe wohl, lieber Kollege Hermann Löhlein."

Nachdem der Rektor diese letzten Sätze gesprochen, bei denen ihm vor Wehmut und Schmerz fast die Stimme brach, und einen Kranz niedergelegt hatte, widmete auch der Dekan der medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Strahl dem Hingeschiedenen warme Worte des Nachrufs, der wie kein anderer es verstanden habe, auch da Gegensätze auszugleichen, wo es schier unmöglich schien. Mancher seiner Schüler werde dereinst in schwerer, verantwortungsvoller Stunde dieses Mannes gedenken, und dann erst einsehen, was er an ihm gehabt.

Sodann legte Prof. Hofmey er-Würzburg, der Vor­gänger des Verstorbenen in Gießen, als Vertreter der deut­schen Gesellschaft der Gynäkologen einen Kranz an dem Grabe nieder, betonend, daß das Wirken des Heimgegangenen einen Markstein in der Wissenschaft bilde. Mit Genugthuung erfülle es ihn, daß es dem Verblichenen noch beschieden ge­wesen, an jener großen Gynäkologischen Versammlung hier teilzunehmen, auf der er habe sehen können, daß sein Werk nicht vergebens gewesen sei. Kein schöneres Wort könne er ihm nachrufen, als daß er ein treuer Mann gewesen sei, treu seiner Familie, treu seiner Wissenschaft, treu auch seinen Freunden.

Im Namen des Gießener Verbandes alter Burschen- /chafter rief Prof. Haupt dem Verstorbenen, der lange Jahre zu dem Verbände gehört hat, herzliche Abschiedsworte nach. Sodann legten ein Studierender namens der Gießener Bur­schenschaftenAlemannia" undGermania" und ein anderer namens des Gießener 8. C., ferner Med.-Rat Haberkorn namens des medizinischen Kreisoereins und ein Mitglied der Kriegerkameradschaft Gießen Kränze nieder. Auch der Kliniker­verein Gießen ließ am Grabe einen Kranz niederlegen mi der Widmung:Ihrem hochverehrten, teuren Lehrer die dankbaren Schüler vom 8.8. 1901 und W. 8. 1901/2" ge­widmet als äußeres Zeichen der über das Grab hinaus­dauernden Verehrung und Anhänglichkeit." Mit dem von der Regimentskapelle gespielten LiedeWie sie so sanft xuhn" nahm , die ergreifende Trauerfeier ihr Ende.

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Theater, Kunst und Wissenschaft.

Darmstadt, 28. Nov. Gustav Mahlers 4. Sym« pH onie gelangte hier durch das Kairn-Orchester unter Leitung Felix Weingärtners zur Aufführung. Die Sym­phonie enthält 4 Sätze, deren beide ersten einen grotesken Charakter tragen und durch die ans Triviale streifenden Naivitäten, gewagte Harmonik und barocken Wendungen das Zuhörerpublikum verblüffte, das nicht wußte, was es daraus machen sollte, was man ihm nicht weiter verübeln kann, und zum Teil lachte, zum Teil auch nach Beendigung der beiden Sätze zischte; doch blieb die Opposition in der Minderheit. Der dritte (Adagio-)Satz, der am einheitlichsten und stim­mungsvollsten ist, stimmte das Publikum wieder ernst und die Opposition verstummte. Einen merkwürdigen, wieder ins Groteske umschlagenden Schluß bildet der vierte Satz, ein Sopransolo mit Orchesterbegleitung:Wir genießen himm­lische Freuden" usw. ausdes Knaben Wunderhorn", das von der Wiener Hofopernsängerin Frl. Michalek gesungen wurde. In diesem Satze könnte man an eine parodische Ab­sicht des Komponisten glauben, an eine Parodie der Naivetät dieses merkwürdigen Liedes. Die groteske Wirkung tritt in diesem letzten Satze, der bei alledem sehr interessant ist, _ am unmittelbarsten zu Tage, während in rein musikalischer Hinsicht der dritte den ungetrübtesten Eindruck hinterläßt. Opernsänger Emst Kraus aus Berlin gastierte alsL o h en- grin" undTannhäuser" und begeisterte namentlich am ersten Abend das Publikum durch sein prächtiges, heldische Kraft mit lyrischer Weichheit vereinigendes, mühelos aus­gebendes Organ und die Kunst seines Vortrags, während am heutigen 2Ibenb eine stimmliche Indisposition die künstlerische

Vermischtes.

* Swinemünde, 28. Nov. An der Stelle, Mo ein Kieler Dumpfer im Papenwasser einen Unfall erlitt, stießen heute morgen die DumpferWolgast" undPommern" zusammen und sanken. Der Kapitän und her Maschinist des DampfersWolgast" ertranken.

* Victoria (Britisch^Eolumbia), 27. Nov. Ein aus Honolulu eingetroffener australischer Dampfer berichtet, im )ortigen Ehinesenviertel seien 10 Pest fälle vorge- bmmen. M

* Zu der entsetzlichen Eisenbahnkata. tropheinMichigan in der Nähe von S e n e c a auf der Wabash-Bahn (Dgl. unsere heutige Vormittags-Ausgabe) wird noch gemeldet, daß Farmer die Leichen in langen Reihen ben Bahnkörper entlang legten. Unter den Getöteten be­enden sich viele Deutsche und Schweden, da die Einwan- icrung im Nordwesten fast ausschließlich aus diesen Natio­nalitäten besteht. Das Fahrpersonal beider Züge ist größten­teils getötet. Die Flammen schlagen hoch empor, sodaß eine Rettung der Verletzten unmöglich ist.

Aas Ierorduungsölatt für die evangelische Kirche des Kroßherzogtums Kessen

ouSgegeben am 21. November, enthält folgendes Aus­schreiben des Großh. Oberkonsistoriums an die evangelischen Kirchenvorstände (Nr. 25) vom 6. November 1901:

Wir haben bereits durch unser Ausschreiben Nr. 22 vom 5. Dezember 1898 eingehend dargelegt, wie es sich empfehle, Kirchen-, Pfarr- und Stiftungskapi­talien, sei es bei Neuanlagen, sei es im Umtausch gegen derzeit besessene andere Papiere, in Großh. Hessischen nicht verlvsbaren Staatsschuldverschreib­ungen anzulegen und die betreffenden Forderungen ins Staatsschuldbuch eintragen zu lassen.

Wir begründeten diese Empfehlung, die wir hiermit wiederholen, wesentlich mit dem Hinweis darauf, daß das Bürgerliche Gesetzbuch, die Außerverkehrsetzung von Inhaber- papieren nicht mehr gestatte und die bereits erfolgte recht­lich unwirksam mache. Hierdurch entfalle der Schutz, der seither für kleinere Kirchenfonds, insbesondere auf dem Lande, bestand, welche keine diebs- und feuersichere Kiste oder Kassenschrank zur Aufbewahrung solcher Papiere be­sitzen.

Dieser. Gesichtspunkt gilt nach wie vor. Es tritt aber in gleicher Richtung hinzu die Erwägung, daß der Besitz hessischer Staatspapiere im Vergleich mit anderen Papieren, insbesondere mit Pfandbriefen, immerhin der sicherste Besitz ist und überdies mancherlei 'Arbeit und Kosten der Verwaltung erspart. Bei ins Staats schuld buch eingetra­genen Guthaben können die Zinsen bei der nächsten Bezirks­kasse erhoben werden, und die bei Pfandbriefen und dergl häufig eintretene Nötigung, ausgeloste oder gekündigte Stücke durch Ankauf anderer zu ersetzen, mit ihren Kosten an Porto, Rechnergebühren, Bankiersprovision und dergl., fällt hinweg. Allerdings können diese Vorteile den Nach­teil nicht völlig aufwiegen, der zur Zeit durch einen solchen Umtausch bei dem großen Kursunterschied zwischen den hessischen Staatspapieren und z. B. Pfandbriefen der Kirchen­kassen erwachsen würde. Allein diese Kursverschiedenheit ist nicht notwendig eine dauernde; sie kann sich insbesondere so mindern, daß die anderen angeführten Vorteile eines Umtausches einen mäßigen Kursverluft sehr wohl aufwiegen, zumal die Großh. Staatsschuldenkasse angewiesen ist, bei direktem Bezug von Schuldverschreibungen gewisse Vorteile zu bieten, falls nachgewiesen wird, daß es sich um einen Umtausch von Schuldverschreibungen handelt und daß hierbei dem betreffenden Fond ein Kursverlust erwachsen würde. Insbesondere wird hierdurch die Bynkiersprovision erspart.

So lange und insoweit hiernach noch andere Papiere als hessische Staatspapiere im Besitz kirchlicher Lokalfonds sein werden und es an der Möglichkeit ihrer sicheren Aufbewahr­ung mangelt, sich auch eine solche ohne erhebliche Schwierig­keiten und Kosten nicht beschaffen läßt, können wir eine gewisse Sicherung dadurch schaffen, daß die Erneuerungs­scheine (Talons) solcher Papiere bei uns aufbewahrt werden, während die sogenanntenMäntel" und die Zinsscheine (Kupons) nach wie vor, unter Beobachtung der Vorschriften der Verordnung vom 30. April 1833, in Verwahrung der Kirchenvorstände bleiben. Die Hauptgefahr, nämlich die Ent­wendung solcher Wertpapiere, wird hierdurch sehr gemin­dert, daMäntel" ohne die dazu gehörigen Erneuerungs- scheine nicht gehandelt werden und ohne solche keine Ab­nehmer finden.

Die Kirchenvorstände, die von dieser Aufbewahrungsart Gebrauch machen wollen, haben die betrefffenben Papiere berichtlich mit spezialisiertem Verzeichnis auf Kosten ber Kirchenkasse, bezw. ber betreffenben Stiftung an uns ein­zusenden, worauf wir entsprechende Bescheinigung durch Vermittelung Großh. Kreisamts Ihnen zugehen lassen. Die Verwaltung der Kapitalien, insbesondere der An- und Ver­kauf der Wertpapiere, die Kontrolle ber Auslosung, Kün­digung oder Konvertierung und dergl. liegt nach wie vor den Kirchenvorständen nach Maßgabe der hierfür bestehen­

Aus Stadt und Sand.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, 29. November 1901.

Ernennungen. Ernannt wurden die Steueraufseher­aspiranten Karl Haselhuhn aus Weißensee und Wilhelm Rossel aus Laubach (Kr. Ober-Taunus) mit Wirkung vom 1. Dezember an zu Steuerauffehern.

Die erste Kammer her hessischen Stände wird, rote unS gestern bereits aus Darmstadt telegraphiert wurde, Dienstag den 17. Dezember d. I. zusammentreten.

* Städtisches Gas- und Wasserwerk. Wir machen auch an dieser Stelle auf die heutige Bekanntmachung des städtischen Gas- und Wasserwerks aufmerksam, wo­nach heute eine größere Reparatur an der Hauptgasleitung vorzunehmen ist, die eine geringe Druckverminderung in der Gasbeleuchtung heute Abend zur Folge haben könnte.

** Eine unerhörte Rohheit wurde in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in der Steinstraße verübt. Man hob den steinernen Verschlußdeckel einer Senkgrube in einer dort befindlichen Hofraite ab und warf ihn in den Garten. Eine Frau, die morgens in die Waschküche ging, wäre, wenn sie nicht zufällig ein Licht bei sich gehabt hätte, sicher in die Grube gestürzt.

* * Aversionieruug des Portos. Das hessische Ministerium macht unter Bezugnahme auf die den Behörden im August iibermittelteInstruktion, das Verfahren bei Feststellung einer

den Bestimmungen ob.

Im Bedarfsfälle werden wir die bei uns hinterlegten Basiere an den Kirchienvorftand aus dessen Antrag auf Kosten der Kirchenkasse, bezw. der betreffenden Stiftung zusenden.

Das Verordnungsblatt enthält ferner Ausschreiben Nr. 26 vom 8. November, betreffend Anstellung eines Vereins­geistlichen für die Innere Mission, eine Bekanntmachung vom 13. November, derzufolge mit Genehmigung des Groß­herzogs vorbehaltlich der Zustimmung der Landessynode eine evangelische Kirchen gern ein de Ober-Olm gebildet wird, wohin die Evangelischen Klein-Wintemheims eingepfarrt ind und die Filiale von Essenheim ist. sowie folgende Dienstnachrichten:

Ernannt wurden: Pfarrassistent Kraus zu Gießen zum Pfarrverwalter in Essenheim, Dekanat Mainz; Pfarr- tiertoaüer Sell zu Wald-Michelbach zum Pfarrvcrwalter in Erbach, Dekanat Erbach (zweite Pfarrstelle); Pfarrvikar Römheld zu Grünberg, Dekanat Grünberg zum Pfarr­verwalter daselbst (zweite Pfarrstelle). Gestorben sind: der evangelische Pfarrer Adolf Krauß zu Bisses, Dekanat Nidda, am 18. Oktober; der Oberkonsistorialbuchhalter i. P. Rechnungsrat Emil Gerhardt zu Darmstadt am 22. Ok­tober; der evangelische Pfarrer Karl Koch zu Grünberg, Dekanat Grünberg, am 11. November.

Bauschsumme für die von den Großh. Behörden rc. franEier^ abzusendenden portopflichtigen Sendungen betreffend," noch­mals darauf aufmerksam, daß nach Abschluß der zurzeit statt­findenden Aufzeichnungen, mithin vom 1. Dezember ab, die Kontierung des Portos bis auf weiteres in der nämlichen Weise, wie dies vor dem 1. September der Fall war, wieder aufzunehmen ist.

() Grimberg, 28. Nov. lieber den jungen Llpotheker, der, wie wir berichteten, am Dienstag abend auf einer Bank in der Nähe der Stadt Selbstmord beging, wird uns noch folgendes mitgeteilt: Der Vater feiner Braut stand in Unterhandlung wegen Ankaufs der hiesigen Apotheke für einen Schwiegersohn. Letzterer war nun mittags von Alsfeld hierhergekommen und erfuhr in der Apotheke, daß die Ver­handlungen abgebrochen seien. Abends fand man dann den jungen Mann als Leiche. Er soll hochgradig nervös geroefen ein und früher bereits in einer Nerven-Heilanstalt Linderung eines Leidens gesucht haben.

? Beltershain, 27. Nov. Unser seitheriger Bürgermeister Bast wurde mit 52 von 58 abgegebenen Stimmen wieder- gewählt. Es ist dieses Ergebnis gewiß ein sprechender Beweis ür das in unserer Gemeinde herrschende gute Einvernehmen, zwischen den Wählern und dem Gewählten.

el. Schotten, 28. Nov. Bei der heutigen Kreistags» wähl wurden neugewählt: Beigeordneter Cellarius- Schotten und Verwalter S ch w e r e r - Friedrichshütte bei Laubach. Laubach hat dadurch einen Sitz mehr im Kreistag gekommen. Dieser Ausfall der Wahl ist auf die mangelhafte Beteiligung der Stimmberechtigten Schottens zurückzuführen.

Darmstadt, 28. Nov. Die Großherzogin läßt in der amtlichenDarnist. Ztg." für die ihr zum 25. November dargebrachten Gratulationen herzlichst danken.

Darmstadt, 28. Nov. Am Mittwoch abend ertönten Feuersignale. Gemeldet wurde Groß feuer in der föinft* er-Kolonie. Es brannte jedoch nur eine Holzbaracke, die zur Zeit von Bildhauer Habich als Werkstätte benutzt wurde und jetzt als Lager- und Packraum Verwendung indet. Das Feuer wurde mit zwei Schlauchleitungen ür ürzer Zeit ab gelöscht. Es sind verschiedene wertvolle Bilder, die in dem Packraum standen und heute zum Versand kommen sollten, vom Feuer vernichtet worden.

b. Mainz, 28. Nov. Der in der letzten Zeit oft er­wähnte Kriminalschutzmann Junker, der bei der Ver­haftung der Frau Oberleutnant Richter versucht hatte, diese zu küssen, und deshalb zu einer Disziplinarstrafe von 50 llstk. verurteilt worden ist, wurde jetzt aus dem Polizeidienst ent- ernt und findet für die Folge Beschäftigung bei der Central­verwaltung der Bürgermeisterei. Das Vorkommnis hat die Bürgermeisterei veranlaßt, im Allgemeinen gegen das städ­tische Polizeipersonal strenger wie seither vorzugehen. So wurden gestern drei Schutzleute, von denen einer bereits 12 Dienstjahre hinter sich hat, entlassen. Einer der gestern ent­lassenen Schutzleute machte vor 2 Jahren schon einmal un­angenehm von sich reden, als er grundlos eine durchreisende russische Dame verhaftete, die später, wie sie in einem hinter­lassenen Briefe angab, aus Scham Selbstmord verübte.

Bingen, 28. Nov. lieber das Vermögen der Firma August Römer (Inhaber Philipp Fischer) Buch-, Kunst-, Musikalien- und Schreibmaterialienhandlung hier wurde das Konkursverfahren eröffnet und Rechtsanwalt Rech in Bingen zum Konkursverwalter ernannt Ferner ist die Firma Nicola Brück, Fahrrad- und Jagdwaffenhandlung in Kon­kurs geraten. Auch in dieser Sache wurde Rechtsanwalt Rech von hier zum Konkursverwalter ernannt.