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«ehmen könne, daß aber die Staatsregierung sich deren gewissenhafte Prüfung angelegen sein lassen werde.
Mai«;, 28. Aug. Der landwirtschaftliche Provinzial verein für Rheinhessen hat die vom hessischen Ministerium gewünschte nähere Stellungnahme zum Zolltari abgelehnt und sich darauf berufen, daß er gemäß seinen Be- schlüffeu vom März für eine Erhöhung der Zölle auf Getreide, Obst, Wein und Gemüse eintrete.
Staffel, 28. Aug. Auf ein Gesuch der hiesigen Land- Wirtschaftskammer um Dispensierung vonSchul- kindern für landwirtschaftliche Arbeiten hat das Kultusministerium eine ablehnende Antwort erteilt. Die LandwtrtschaftSkammer hatte gebeten, den lokalen Schul bchörden die Befugnis zu erteilen, in dringendes Fällen schulpflichtige Kinder zu landwirtschaftlichen Arbeiten vom Schulbesuche zu befreien. Hierauf ist die Antwort ein« gegangen, daß die Regierung diesem Gesuche nicht entsprechen könne, weil derartige Anträge voranSfichtltch in solcher Anzahl an die lokalen Schulbehörden gelangen würden, daß deren Bewilligung für den UuterrichtSbetrieb empfindliche Störungen bedeuten und die Lehrziele beeinträchtigen werde. Eine weitere Folge dieser den größeren Gutsbesitzern zu gewährenden Vergünstigung würde sein, daß auch die kleineren Gutsbesitzer ein gleiches Recht für sich in Anspruch nehmen und um zeitweise Verwendung ihrer eigenen Kinder in gleicher Weise zu landwirtschaftlichen Arbeiten uachfucheu würden, llebrigens seien, bemerkt die StaatSregieruug mit Rücksicht auf die landwirtschaftlichen verhältniffe und die Arbeiternot, genugsam Vorkehrungen bereits getroffen, um nach Möglichkeit die Heranziehung der Schulkinder für landwirtschaftliche Arbeiten zu erleichtern.
Gerichtssaal.
Marburg, 28. Aug. In der gestrigen und heutigen Sitzung der Strafkammer hatte sich wegen Urkundenfälschung und Verleumdung der Lehr« Lhrist. Schlierbach in Kinzenb'ach zu verantworten. .Außerdem waren angeklagt wegen Verleumdung der ledige Landwirt xatl
Vermischtes.
* Ein entsetzliches Fainilien d>ra ma hat sich in bem kleinen Orte Scnn ^Genies bei Nirnes abgespielt. T-er 72 jährige Saintvnge Ferrand hatte sich an dem Fenster seiner Wohnung mit einer Flinte bewaffnet aufgestellt und wertete auf das Erscheinen seines Schwiegersohnes Tustaille, dec zu Wagen mit seiner Frau und seinem Bedienten von einem Fischzuge heimkehren sollte. Als der Wagen heranrollte, icl)ofi Ferrand und traf Tustaille gerade ins Herz. 6in zweiter Schuß siel, und die Frau sank, von ihrem eigenen Vater in die Stirn getroffen, zusammen. Nach- 6a m eilten herbei und wollten sie nach ihrer Wohnung befördern. Ter greise Mörder, der noch immer seine Flinte in der Hand hielt, befahl ihnen, sie liegen zu lassen, sonst Wirde er auf hie Menge schießen. Erfragte bann, ob seine Tochter auch wirklich tat wäre, und rief, als ihm eine bejahende Antwort zuteil geworden war, nach feinen beiden Muffeln Marie und Louis im Alter von 15 und 12 Jahren, um auch sie nlederzuschießen. Mer sie waren glücklicherweise nicht zur Stelle. Ta die Leute Anstalten trafen, den Gkiiden zu packen und bereits in dasHaus drangen, schloß, dieser das Fenster mit dem Rufe: „Ich habe mir selbst Recht verschafft und bin gerächt!" Er zog seine Schuhe aus, steifte sich auf einen Stuhl, legte die Flinte gegen sein Kirn uno- drückte mit seiner rechten großen Zehe ab, bevor die eindringenden Nachbarn ihn Daran zu hindern dennochten. Tie Kugel riß ihm das halbe Gesicht weg und Fstisch- und Gehirnteile spritzten bis zur Decke hinauf. Tiefe ungeheuerliche Thal hat einen ziemlich unbedeutenden Familienzwist Zirm Beweggrund. Ter alte Ferrand hatte von seinem Schwiegersöhne Duftaille, einem Maurermeister, die Anwerbung seiner beiden Söhne für Bauarbeiten zu er- zwimgen gesucht, war aber von Tustaille schroff abgewiesen lvorden. Deshalb hatte der alte Bauer, Der bis dahin als durchaus ruhig und friedlich bekannt war, einen so heftigen staß gegen seinen Schwiegersohn gefaßt, daß er ihn mit seiner ganzen Familie auszurotten beschloßt Frau Tustaille isi ihrer furchtbaren Wunde noch nicht erlegen; es ist tzlcr nur geringe Hoffnung vorhanden, sie zu retten.
Vier unglückliche — Kaiserinnen. Im „Figaro" plaudert Claveau über vier unglückliche Kaiser- Einern: die vor kurzem dahingeschiedene Kaiserin Friedrich, 3he U)on einem italienischen Murmeltiermann ermordete jaiierin Elisabeth, die noch lebende, in Wahnsinn ver- Ätlene Kaiserin von Mexiko und die ebenfalls noch lebende Saiierin Eugenie, die alles verloren hat, Macht, Glanz — ainb den einzigen Sohn, der dort getötet wurde, wo jetzt Äs Blut die einsamen Kopjes hinabrinnt, in Südafrika. Sie Zusammenstellung, nicht nur der Persönlichkeiten, son- totm auch des tiefen Leides, das diese vier auf den Höhen Äi Menschheit wandelnden Frauen erlitten, ist in der That ‘ ton a'inem ergreifenden Interesse. Kaiserin Elisabeth von i Oslerreich verlor, wie Eugenie, den einzigen Sohn, allein Hüntel weit tragischeren Verhältnissen; warum Zlronprinz 'Molls in Meyerling tot gefunden wurde, ist ein psychologi- 1 jdt'b Rätsel geblieben. Kaiserin Charlotte von Mexiko büßte inHt nur den aztekisch-phantastischen Thron ein — bei £ Bueri-taro erschossen die rücksichtslosen Republikaner ihren e täblen Gemahl. Am wenigsten gelungen ist dem Artikelschreiber Ltür Begründung des Leides der Kaiserin Friedrich. Tie ZFiünz«osen stolpern immer über die "deutsche Geographie, ruitt) die deutsche Geschichte bleibt ihnen gewöhnlich ein vieiiiegeltes Buch. Was soll man zu dem Satz sagen: „Ms dem Reptilienfonds bezahlte Journalisten, Bismarcks er sh elf er, redeten den Deutschen ein, daß die Mischung im britischem Blut der Reinheit der teutonischen Rasse könne." Einfach unsinnig, boshaft und vor allem — jaiij französisch, d. h. albern?
i * Raucher wettkämpfe in Belgien. Eine fon- ' b-ttn ore Sitte sind die Raucherwettkämpfe, die in Belgien trÜ21:ad) veranstaltet und neuerdings besonders ausgestattet ictek'Tt. Es handelt sich bei diesen nicht etwa darum, iabüi d'ie meisten Zigarren oder Pfeifen in der kürzesten 1 Rgjrii omfraucht, sondern der Sieg fällt dem zu, der ein kNsstumtes Quantum Tabak in der längsten Zeit raucht.
örügge und Löwen sind diese Rauchwettkämpfe ent- ftWeri, aber sie gewinnen jetzt weitere Verbreitung. Sie lbeÄhem in Belgien schon seit langer Zeit, und die kleine SZaül Löwen zählt nicht weniger als 81 Rauchklubs: bisher ; leigten diese sich jedoch mit Weltkämpfen untereinander, 1 hwUmib nunmehr die Vereine gegeneinander kämpfen, und ' letiQ: i n benachbarten Städten Lorbeeren zu ernten suchen. ■ L^ki einem großen Wettkampf, der in Brüssel während der i QsANa.ge stattfand, gab es nicht weniger als sechs verschie- " hewe Städte auf der der Liste sich beteiligenden Klubs. 1 Tüu Aettkampf findet gewöhnlich in dem Hinteren Saal ’ trjtpb eines Wirtshauses statt. Man kämpft für die Ehre. Tw Neife bestehen meist in kleinen Gegenständen ohne wi-rkiichven Wert. Tie Raucher sitzen um große Tische herum , im einem reservierten Teil, das Publikum wird durch ein : MUSgeipoanntes Seil fern gehalten. Der Eintritt kostet zn»ei '
Sous. Große Plakate an den Wanden verkünden: „Tas Publikum wird gebeten, die Raucher nicht zu stören." Zum Wettkampf bringt man ebenso viele neue Pfeifen als Teilnehmer da sind; es sind weiße Pfeifen aus sehr hartem Thon mit kleinem Rohr, die nach dem Loos verteilt werden. Tie Jury bringt ein kleines versiegeltes Paket mit genau vier Gramm Tabak. Tie Pfeifen werden mit äußerster Sorgfalt methodisch gestopft; an der Art der Vorbereitung scheint man die Konkurrenten zu erkennen, die die meisten Chancen haben. 'Sind alle bereit, so sagt der Präsident feierlich: „Meine Herren, Sie haben zwei Minuten, Ihre Pfeife anzuzünden." Wer keiner rührt sich. Alle wollen ihren Tabak sparen und stecken sie erst an, wenn die zweite Minute beginnt. Ist die Zeit verstrichen, werden schnell die Zündhölzer fortgenommen. Tas ist das Zeichen zum Beginn. Tie Pfeife möglichst lange in Braud zu halten, ist ein schwierigeres Problem, als man gewöhnlich ahnt. Tie ersten Minuten vergehen daher gewöhnlich in tiefstem Schweigen. Wer da es nicht verboten ist, zu sprechen oder zu singen, so lösen sich bald die Zungen. Bemerkungen, schlechte Witze werden von Tisch zu Tisch ausgetauscht, auch Couplets folgen, die oft auf die Gelegenheit Bezug nehmen. Plötzlich ertönt ein kräftiger Fluch. „22 ist tot", ruft einer der Bevollmächtigten, die Pfeife des 22 ist in der That soeben ausgegangen. Fast gleichzeitig werden zehn andere, dann fünf andere Raucher außer Wettbewerb gestellt. Nur die „Champions" führen den Kampf noch fort; es sind die Schweigeirden in der Gesellschaft, sie haben keinen Scherz getrieben, und nicht gesungen. Unbeweglich taub und stumm rauchen sie, den Blick stets auf ihren Pfeifenkopf gerichtet; der mehr oder weniger dichte Rauch, seine tiefere oder hellere Färbung giebt ihnen wertvolle Anzeichen. Allmählich zieht sich ihr Gesicht indessen zu einer bezeichnenden Grimasse zusammen: diese letzten Züge sind abscheulich scharf, das ist nicht mehr Tabak, das ist Nikotinextrakt, den sie dr genießen. Der Sieger bemüht sich daher auch nicht einen Rekord aufzustellen; sobald । der letzte Rivale für „tot" erklärt ist, beeilt er sich, seine Pfeife hinzulegen, deren Kopf er sorgfältig in eine be» ■ sondere Untertasse geleert. Wenn nicht das kleinste Gran * Tabak in der Asche mehr ist, — und das kommt oft vor — , so erklärt man feierlich, daß der Wettkampf „schön" gewesen ist, und die ganze Gesellschaft ist über diesen Ausgang gehörig stolz. Tiefe Raucher-Wettkämpfe sind ein friedliches Vergnügen, scheint es. Und doch geben die Rivalitäten der einzelnen Klubs untereinander oft genug Anlaß zu erbitterten Streitigkeiten. Es giebt in den einzelnen Orten Feindschaften, die nur in diesen Raucherwettkämpfen ihren Grund hoben, und die keineswegs mit den letzten Pfeifen erlöschen.
* Das Hohenlohesche Militär. Ter fränkische Kreis hatte seit dem spanischen Erbfolgekrieg zur Reichsarmee zwei Regimenter, und zwar ein Kürassier- und ein Dragoner-Regiment, und drei Regimenter Fußgänger zu stellen. Tie fränkischen Reiter-Regimenter hatten je zehn Kompagnien oder fünf Schwadronen, die Kompagnie ftüher zu 96, seit 1735 zu 80, seit 1757 zu 70, also die Schwadron zu 140 Pferden. Hohenlohe hatte hierzu 52 Reiter zu stellen, welche „leicht bewafsnet" waren und den Namen „hohenlohesche oder Ansbachische Kreisdragoner" ftihrten. Die Garnison derselben war Schillingsfürst. Im Mobilmach- nngsfall kam zu dieser hohenloheschen Kompagnie noch das Militärkontingeict, welches Castell und Schwarzenberg zu stellen hatten. Die Uniform war: weißer Rock mit kleinen Aufschlägen, Klappen, Halskragen, und Futter in blauer Farbe, weiße Knöpfe, strohfarbenes Kamisol, gelbe lederne Beinkleider, steife Stiefel, Hut ohne Borten mit weiß und schwarzem Federbusch. Die Bewaffnung des Regiments bestand in Karabiner mit Bajonet, Pistolen und Pallasch. Von den Regimentsfahnen befindet sich heute noch jene in Schillingsfürst, die in der Schlacht von Ulm mitgetragen wurde. Sie hat ein ziemlich defektes Aussehen und kommt alftährlich an der Fronleichnamsprozession an die Oeffent- lichkeit. Die drei Fuß-Regimenter des fränkischen Kreises führten die Namen „Hohenlohe, „v. Kerpen" und „von Schertel". Kontingente hierzu hatten die sächsischen Häuser, der Graf Schönborn, die Stadt Rothenburg a. T., dann Lohr und Rieneck zu stellen. Ter Kasernenbau ist in Schillingsfürst in seinen äußeren Umrissen noch wohlerhalten. Er dient dem fürstlichen Oekonomiepächter als Viehstall. Der letzte hohenlohesche Hauptmann der Garnison Schil- lingsfiirst strar Franz von Bosch, bet nach der Mediatisierung der Hohenlohe in bayerische Kriegsdienste übernommen wurde, und als höherer Militär zu Anfang der vierziger Jahre in München starb.
* Eine hübsche Napoleon-Anekdote erzählt im „Gaulois" einer der kenntnisreichsten Geschichtsschreiber der napoleonischen Epoche. Es war am 20. Mai 1800, als Bonaparte den St. Bernhard überschritt, um Italien zu erobern. Als die Kolonne einmal plötzlich auf dem Wege Halt machte, wurde der erste Konsul aus seinem Sinnen aufgeschreckt, und fein Blick fiel auf den Führer seines Maulesels. Es war nämlich in der That ein Maulesel, auf dem er die Alpen überschritt, während der Maler David ihn auf dein berichmten Bilde auf einem Schlachtroß, das sich am Rande des Abgrunds bäumt, reitend bargeftellt hat. Der Führer war ein junger Dorfbewohner von etwa zwanzig Jahren, den eine tiefe Traurigkeit zu bedrücken chien und der große fThränen, die über feine Wange tollten, ab wischte. „Was hast Tu denn?" sagte Bonaparte gütig zu ihm. „Erzähle mir Deinen Kummer. Ich will ver- uchen, ihn zu cheilen." „Ach> Herr General, da können Sie nichts machen", antwortete der Führer. „Sage es nur immer", redete der General ihm zu. Da erzählte ihm der Mann, daß er-ein junges Mädchen im Val d'Eutromont Hebe, und daß seine Liebe erwidert würde, daß aber der Vater, der einige Morgen Land besitze, seine Tochter nicht einem armen Maultiertreiber geben wollte. Bonaparte war durch die Naivität dieser Erzählung gerührt. Als er im Quartier an kam, und den Fuß zur Erde setzte, gab er einem jungen Führer ein Stück Papier, auf das er einige Borte mit Bleistift geschrieben hatte. „Geh zur Vorhut", agte er zu ihm, „frage dort nach dem General Berthier und gieb ihm dieses Billet." Wie groß war das Erstaunen des Maultiertreibers, als der General Berthier, nachdem er einen Blick auf den Zettel geworfen hatte, ihm zweihundert Goldstücke von feiten des ersten Konsuls auszahlen ließ Einige Wochen später heiratete der Maultiertreiber seine Geliebte, während jenseits der Wpen, in der Ebene von Marengo, Kanonendonner ertönte.
DdngeS und die Hebamme Christ. Elisabeth Ttrackbein, beide art Rodheim. Schlierbach hatte im November v. I. ein Schriftstück, unterzeichnet mit dem Namen Karl Schmidt, an die Negierung nach WteSbad« gesandt und darin behauptet, der brüte Lehrer Maxetner in Rodheim züchtige öfter die Kinder in übermäßiger Weise. So habe er ein Mädchen, nämlich die Katharina Klatt, in solcher Weise geschlagen, daß et lungenkrank geworden sei. Maxeiner sei Dirigent drS GesaugoereinS üt Rodheim, mit besten Mtgliebern er bc8 Abenbs in bet Wirtschaft fitze, Seche und fich über Gemeinbeangelegenheiten streite. Weim er dann eine« schweren Kopf habe, wisse er nicht, waS er thue, und das müßten dann andern Tags die Kinder in der Schule aubftestcn. Der angeklagte Lehrer Schlierbach räumte bei seiner Vernehmung in heutiger Straskammerfitzuxt ein, den Brief geschrieben zu haben. Was die 3ramen2sälschung unter seinem an die Regierung in Wiesbaden gerichteten Schreiben betrifft, so «tett Lehrer Schlierbach an, er habe die Mitteilungen betreffend die Züchttgungsüberschreitungen MaxeinerS von Döngeö in einer Wirtschaft zu Rodheim eines SonnlagS erhalten mit dem Auftrag, fie an die vorgesetzte Behörde zu berichten. So habe er fich alß Bevollmächtigter bet *)^nBe8 angesehen, dessen Namen er aber nicht gekannt habe. VielmeWc habe er angenommen, Dönges heiße thatsächlich Schmidt, weil er in einem Hause wohne, das man als „Schmidt'-" bezeichnete. Es sei ihm mit* geteilt worden, Lehrer Maxeiner springe auf die Bänke und schlage von den Kindern auf die Köpfe. Er habe eS daher für feine Pwcht gehalten, der vorgesetzten Behörde Maxeinets von diesem Verfahren Kenntnis zn geben, damit derselbe wenigstens einen Verweis bekomme. Als er (Angekl.) wegen des Schreibens eine Vorladung zu einer Vernehmung nach Wetzlar erhalten habe, hätte ihn die« sehr beunruhigt und er hätte sich zu seinem vorgesetzten Ortüschulinspektor nach Dudenhofen begeben dem er alles mttgctcUt habe. Dieser habe gesagt, er soll- nur sehen, baß DöngeS dabei bleibe, ihn beauftragt zu haben. Letzterer habe ihm bieS auch schriftlich zugeftanden. DöngeS giebt an, er habe von der Hebamme Strackbein ble Geschichte von bet gezüchtigten Katha« rina Klatt gehört. Die habe ihm erzählt, bas Mädchen sei krank nach G'.eßen tn die Klinik geschafft worden, wo eS bet behanbelnde Arzt gefragt habe, ob cs benn viel Prügel von seinen Eltern bekommen hätte. AlS die» bas Kind verneint habe, hätte der «rzt es gefragt, ob eS etwa vom Lehrer viel geprügelt worben sei, was bann von bem Rinbe bestätigt worben wäre. Außerdem machte der Angeklagte noch mehrere Fälle namhaft, in denen Maxeiner K-.nder übermäßig gezüchtigt habe. Dünge» gesteht, daß er dem Lehrer Schlierbach den Auftrag gegeben, die Sache an die Behörde zu berichten. Die Angeklagte Strackbein, Schwester der Mutter der Katharina Klatt (die inzwischen verstorben ist) giebt an, da» Kind habe ihr selbst erzählt, daß es vom Lehrer Maxeiner sehr geprügelt worden fei. DöngeS sei dabei anwesend gewesen, als sie es ihrem Manne mitteUte. Lehret Maxeiner, als Zeuge vernommen, giebt in sehr erregter Weise an, daß sein verstorbener Schwiegervater, Gastwirt und Bürgermeister Schlierbach von der Verwandtschaft und Bekanntschaft des LehrerL Schlürbach auf daö tötlichste gehaßt worden sei. Man hätte ihn immerfort bei seiner vorgesetzten Behörde benunztert, aber nichts gegen ihn ausrichten können.
Die Sttackbein habe den Fall mit der Katharina Klatt dem Schul- inspektot angezeigt und ihn (Zeugen) als den Urheber ihrer Krankheit bezeichnet. Er habe sich hierauf sofort nach Gießen begeben, um dort in der Klinik Erkundigungen einzuziehen über den Tod bet kleinen Klatt, wo er erfuhr, daß bad Gerücht nicht wahr wäre. Außerbem sei die Züchtigung im Zahte 1897 bereits erfolgt, also drei Jahre vor dem Tod oer Kleinen. ES sei durchaus nicht anzunehmen, baß bet Lehrer Schlierbach den Namen bes ihm verwanbten Dönges nicht gekannt haben solle. Sin Arzt der Gießener Klinik, alS Zeuge und Sachverständiger vernommen, bekundet, daß die Katharina Klatt in die Klinik krank eingeliefert worden sei. Bei der Untersuchung habe man den Verdacht erhalten, daß sie die Scharlachkrankheit überstanden hätte. Sie starb an einer Lungenerkrankung, die aber nicht von Schlägen herrühren konnte. ES seien in dieser Beziehung auch bei der Einlieferung der Klatt keine Angaben gemacht worben. Aus den übrigen Zeugenaussagen ist noch hervorzuheben, daß der Lehrer Maxeiner in der Wirtschaft seiner Schwiegermutter sich mit dem Wirtschaftsbetrieb befaßt und auch Gäste hinausgeworfen hat.
Der Angeklagte Schlierbach wird sreigesprochen, weil seine Schutzbehauptungen nicht als widerlegt anzusehen seien. Die wegen Verleumdung des Lehrers Maxeiner angeklagien Landwirt Karl Dönges und Hebamme Strackbein zu Rodheim wurden dagegen in eine Geldstrafe von 50 resp. 25 Mk. und in die Kosten verurteilt.
Handel nud Uerkrhr. Kolkswirlschast.
Märkte.
r. Limburg a. d. Lahu, 28. Aug. (Fruchtmarkt.) (Durchschnittspreis pro Malter.) Roter Weizen Mk. 13.90, weißer Heizen Mk. OO.OO, Korn, Mk. 10.30, Gerste Mk. 00.00, Hafer Mk. 7.00.
Arbeiterbewegung.
Nordhause«,, 27. Aug. Aus Anlaß deS AuSstandeS der Tabakarbeiter sind, wie mitgeteilt, bedauerliche Straßenkrawall« oorgekommen. Infolgedessen sind jetzt 20 Gendarmen teil* vom EichS- selbe, teils aus den benachbarten thüringischen Kreisen hierher beordert worden. Wie eS heißt, ist von der Berliner Zentral-Streikeleituvg für Nordhausen die Parole auSgegeben worden, baß auch die Maurer, Zimmerleute, Schlosser und Tischler die Arbeit nieberlegen sollen.
PUtSburg, 28. Aug. Shafser richtete ein Schreiben an bi« Mttglieder deö Exekutivkomitees des vereinigten Stahlarbeiter-Ver« bandeS, worin er sie auffordert, dem Plan zur Beilegung bei Auk» standeS, über den sich am letzten SamStag die Vertreter der natio» nalen Arbeiteroereinigung und deS Stahlarbeiter-VerbandeS einigten. imufHmmrn.
Universität-Nachrichten.
— Der Prioatdozent der Philoloaie Dr. Wentzel in Göttingen ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen FokuULt der Universität Marburg ernannt worden.
Schisssnachrichlen.
Der Postdampfer .Southwark" der .Red Star Etat* in Antwerpen ist laut Telegramm am 26. August wohlbehalten in Newyork «ngekommev.
Krieskasten der Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleibe« unberÄLfichtigt.) , n
M. e. Nach S 263 bc« Str.-G -B. tritt eine Gefängnisstrafe ein, deren Länge au« den näheren Umständen der Falles bemessen wird. ES kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, eoent. aber auch nur, wenn mildernde Umstände vorhanden sind, auf eine Geldstrafe erkannt werben.
Gr. BockenheimerStr. 30. nahe derOper.
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