dem Berge selbst begrüßte Schellengeläute den Wanderer. Auch der Bergführer fehlte nicht, der den Kraxlern die nötigen Erklärungen und Weisungen gab. Einige meisterhaft ausgeführte Marterln vervollständigten das Bild der Alm. Auf dem einen sah man den abstürzenden Bergseppl, auf dem anderen ein durch eine Lawine fortgerolltes Ehepaar, ein drittes stellte die abgeschiedenen Seelen im Fegefeuer dar. Ab und zu erklang das Juchzen des Sennen; dazu kam das herrliche Wetter. Man glaubte sich thalsächlich auf die Alm versetzt. Eine stattliche Zahl von Festgästen hatte sich ein* gefunden. Nach eingehender Besichtigung der Ueberraschuvgen setzte man sich im Saale zu einem Abendbrot zusammen, in dessen Verlaufe eine ganze Reihe von Trinksprüchen teils heiteren, teils ernsten Inhalts ausgebracht wurden. Eine neue Überraschung bestand darin, daß jedem der Gäste ein Kärtchen mit einigen Versen gewidmet wurde, die in humoristischer Weise auf Eigentümlichkeiten, Erlebniffe u. dergl. der einzelnen anspielten. Aus allgemeinen Vorschlag wurden die Verse oorgelesen; manche von ihnen entseffelten förmliche Lachsalven. Ein kleine Sennerin im Nationalkostüm überbrachte einen Festgruß aus Tyrol und erhielt zum Dank ein Almglöcklein mit einer poetischen Widmung. Auch ein Festlied war von einem der Mitglieder eigens sür diesen Tag gedichtet worden. Nach dem Abendessen wurde ein Feuerwerk abgebrannt. Bei dem Zischen der Raketen und dem Ausflammen de- bengalischen Feuers machte das alte Gemäuer gegenüber der Restauration einen gespensterhastschönen Eindruck. Selbst ein Tänzchen mit den Dorfschönen von Gleiberg und Krofdorf wurde riskiert. Unbändige Heiter- eit rief eine von dem urwüchsigsten Humor gewürzte Schilderung der bei der Einweihung der Gießener Hütte im Jahre 1910 veranstalteten Feier und der Hütte selbst hervor. Bei gefülltem Becher blieben die Kraxler noch manche Stunde zusammen.
Konstantinopel, 28. Juli. Wie schon mehrfach« erwähnt, wollte der internationale Sanitätsrat dem Sultan die Kompetenz absprechen, die Dauer der Quarantäne für Provenienzen aus Egypten aus eigener Machtvollkommenheit festzusetzen. Der Sultan ließ dem Sanitätsrat kurzweg antworten, er sei Herr in seinem Lande und wolle es bleiben.
Aden, 28. Juli. Der „tolle Mullah" wurde von den Engländern in einem scharfen Kampf am 17.- Juli geschlagen. Auf englischer Seite fielen ein Offizier und 12 Mann, während 1 Offizier und 20 Mann verwundet wurden. Der Feind hatte 70 Tote.
Haag, 28. Juli. Das neue Ministerium Kuyper wird folgendermaßen zusammengesetzt: Kuyper Vorsitz und Inneres, Melvil van Linden Generalsekretär des Schiedsgerichtshofes und Auswärtiges, Deputierter Loeff Justiz, Vizeadmiral Kruys Marine, der frühere Minister Bergansius Krieg, Marey Oigens Watersteat Handel und Industrie, Deputierter Harte van Tecklenburg Finanzen und van Aschwyk, früherer Gouverneur von Surinam, Kolonien. Der neue Premierminister Dr. Kuyper soll ein persönlicher Freund Krügers und einer der burenfreundlichen Führer in Holland sein. (An eine Intervention der holländischen Regierung zu Gunsten der Buren ist aber trotzdem nicht zu denken. D. Red.)
Paris, 29. Juli. Bei den Stichwahlen für die Genera träte wurden 38 Radikale, 10 Sozialisten, 20 Gemäßigte und 10 Reaktionäre gewählt.
Barcelona, 28. Juli. Zur Feier des Jahrestages der im Jahre 1837 erfolgten Aufhebung der Jesuiten- und anderen Klöster sand heute hier eine große antiklerikale Versammlung statt. Es wurden Ansprachen gehalten, in denen dem Klerikalismus der Krieg erklärt wird und ein Beschluß gefaßt, durch den die Vertreibung der geistlichen Vereinigungen gefordert wird. Nach Schluß der Versammlung ertönten Hochrufe auf die Republik und die soziale Revolution. Die Polizei zerstreute die Menge und nahm mehrere Verhaftungen vor.
Malta, 28. Juli. Die von China kommende zweite Division des ersten deutschen Geschwaders hat auf dem Wege nach Cadiz heute Malta passiert.
Rom, 28. Juli. Aus Anlaß der morgigen Wiederkehr des Todestages des Königs Humbert empfing der König heute nachmittag den deutschen Botschafter Grafen Wedel, der den Auftrag hatte, die Teilnahme des Kaisers Wilhelm auszudrücken. Aus dem gleichen Anlaß empfing auch die Königin Margherita den Botschafter. Später legte dieser auf dem Grabe König Humberts im Pantheon im Namen des Kaisers Wilhelm einen Kranz nieder mit der Inschrift: Wilhelm, deutscher Kaiser, seinem treuen, unvergeßlichen Freunde."
Wien, 28. Juli. Im Schlosse zu Konopischt fand heute die Taufe der neugeborenen Tochter des Erzherzogs Franz Ferdinand statt. Sie erhielt die Namen Sofie Marie Therese Franzrska. ’ 1
** Verhaftungen. Ein junger Maurer aus Steinbach wurde am Samstag verhaftet, weil er im Verdacht steht, die Einbruchsdiebstähle in dem Baubureau in der Grünbergerstraße begangen zu haben. Der bei dem zweiten Einbruch entwendete Revolver wurde bei ihm gefunden. Der Verhaftete behauptet, ihn von dem großen Unbekannten gekauft haben. — Ein hiesiger der Polizei wohlbekannter Arbeiter mußte am Samstagabend wegen fortgesetzter Ruhestörung auf dem Neuenweg verhaftet werden. Im Arresthaus zertrümmerte er das ganze Inventar seiner Zelle, sodaß er sich nunmehr auch wegen Sachbeschädigung zu verantworten haben wird.
* * Unfall In die hiesige alte Klinik wurde am Samstag ein schwer verletzter Landwirt aus Lehmberg bei Wetzlar gebracht. Man hatte ihn aus dem Felde mit einer Wunde am Kopf bewußtlos ausgefunden. Sein Pferd stand neben ihm.
* * Ausflug. Die Teilnehmer am wissenschaftlichen Fortbildungskursus für Volksschullehrer an der Landesuniversität, die Lehrer aus Gießen und den benachbarten hessischen und preußischen Orten, veranstalteten am Samstag nachmittag einen Ausflug mit Familie nach dem Jagdschlößchen Dutenhofen. Die Feier verlief in der schönsten Weise bei Ansprachen, Gesangs- und Musikvorträgen. Die stattliche Schar der Teilnehmer zerstreute sich erst gegen Mitternacht.
* * Rektoratswahl. Wie wir bereits in unserer Sonntagsnummer auf Grund einer telephonischen Meldung aus Darmstadt mitgeteilt haben, hat der Großherzog den ordentlichen Professor der Botanik Dr. Adolf Hansen zum Rektor der Landesuniversität für das Universitätsjahr 1901/02 ernannt. (Wir wiederholen die Meldung, weil ich in die Telephonnachricht ein störender Druckfehler eingeschlichen hat.
* * Patente. Folgende Patente wurden für Hessen angemeldet: Gewebe aus Darmfäden. G. Pirazzi u-Co. in Offenbach. Verfahren zur Verwertung von Linoleum- Abfällen. A. Hoffmann in Wo r ms- In ein zweischläfriges Bett zu verwandelndes Sopha. I. B. Rößner in Mainz. Verfahren zur Herstellung festhaftender glatter und galvanischer Niederschläge. Fr. Darmstädter in Darmstadt- Bügelverschluß für Geldbehälter mit ^wei vder mehr Taschen. Jung u. Dittmar in Salzungen und Rieth u. Kopp in Ofenbach. Räder-Vorgelege an Hobelmaschinen. L. Hey- igenstaedt in Gießen. Vorrichtung zum Einstellen der an schwenkbaren Stahlhaltern sitzenden Schneidstähle bei Facon- und- Schraubenbänken. Gebr. Hau in Bürgel bei Offenbach a. M. In ein Bett zu verwandelnder Divan oder dergl. I. B- Rößner in Mainz. Klappenventil der durch Patentanmeldung G. 14 919 geschützten Art in einem Einsatzkörper; Zus. z. Anm- G. 14 919. M. F. Gutermuth in Darmstadt. Verfahren zur elektrolytischen Darstellung von reinem Eisen aus Eisenchlorür. Firma E. Merck in Darmstadt.
* * Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großh. Hessen Nr. 9, ausgegeben am 20. Juli, enthält:
1. Ein Ausschreiben des Großh. Oberkonsistoriums an die evangelischen Dekanate und Pfarrämter (Nr. 16) vom 5. Juli 1901:
Der Vorstand des Rauhen Hauses in Hamburg, der bekannten Mutteranstalt der Inneren Mission, hat sich sowohl an die Staatsbehörde als auch an uns mit der Bitte um Bewilligung einer Landes-Hauskollekte gewandt, da die Anstalt dadurch, daß die von ihr ausgegangenen zahlreichen Tochteranstalten die Opferwilligkeit des evangelischen Deutschlands zum größten Teil für sich in Anspruch nehmen, in eine Notlage gekommen sei, aus der sie ohne eine außerordentliche Beihilfe der Glaubensgenossen allein nicht herauskommen könne. Da also der Bestand des Rauhen Hauses in Frage steht, so war es llar, daß die Bitte des Vorstandes nicht ohne weiteres abgewiesen werden dürfe. Die Staatsbehörde, welche dies mit Rücksicht auf die vielen unserem Lande
israelitische Ackerbauverein mit Unterstützung der Regierung großangelegte jüdische Ackerbaukolonien schaffen.
— Der deutsche Zolltarif-E ntwurf wird hier sehr abfällig beurteilt und man glaubt in politischen Kreisen, daß auf der Grundlage desselben der Abschluß eines Handelsvertrages mit Deutschland für Ungarn unmöglich ist. Selbst die agrarischen Kreise, welche die Erhöhung der Getreidezölle als eine Förderunc ihrer Prinzipien freudig begrüßten und weil unser Getreideexport nach Deutschland kaum in Rechnung kommt, werden jetzt stutzig, weil die geplanten Erhöhungen auf Wein, Vieh, Geflügel und ganz besonders auf Holz beinahe einer Exportverhinderung gleichkommen und unsere Land- und Forstwirtschaft bedeutend schädigen würden. Ter „Pester Lloyd" erklärt, daß es angesichts solcher protektionistischer Zölle undenkbar sei, daß Deutschland uns in einem Vertrage etwas zu bieten vermöchte.
Petersburg, 28. Juli. Mehrere Blätter äußern sich über den neuen deutschen Zollarifgesetzentwurtz. Die „yiowoje Wremja" betont den agressiven Charakter desselben und kommt zu dem Schluß, daß die Urheber des neuen Tarifs den Zollkrieg mit allen Ländern herbeiführen wollten, die Deutschland bisher mit Getreide versorgt. Die jetzige große deutsche Einfuhr nach Rußland müsse eingeschränkt werden, indem man die betreffenden Waren in Zukunft aus anderen Ländern beziehe; Deutschland werde es jedenfalls schwerer fallen, sich Getreide aus anderen Ländern zu verschaffen. Dem Deutschen Reiche stünden nicht wenig Sorgen in Bezug auf die Aufrechterhaltung der guten politischen Beziehungen zu den Mächten bevor, mit denen Deutschland den Zollkrieg zu führen sich vorbereite. Die künftigen deutschen Getreidezölle verschließen nach Ansicht der „Birschewija Wjedomosti" den russischen landwirtschaftlichen Produkten den deutschen Markt fast völlig. Rußlands Antwort könne nur in Erhöhung der Einfuhrzölle auf deutsche Importartikel bestehen und däe unausbleibliche Folge sei der Zollkrieg. Auf eine Ermäßigung der jetzt bekannt gegebenen deutschen Zollsätze sei nicht zu hoffen, da im deutschen Reichstag Preußen vorherrsche. Bei dem festen Entschluß des Grafen Bülow, die Getreidezölle zu erhöhen, könne von Verhandlungen über den Handelsvertrag keine Rede fein. Tas Blatt führt alsdann aus, daß Rußland von Deutschland finanziell unabhängig sei und genug Zeit habe, um seiner Landwirtschaft neue Absatzmärkte zu sichiern. Niemand wünsche in Rußland den Zollkrieg mit Deutschland. Ein solcher Krieg werde aber unvermeidlich sein. „Nowosti" sehen nicht s«o schwarz. Sie halten zwar einen Zollkrieg für ein großes Unglück, glauben aber, daß der Bundesrat vielleicht nur die Minimalsätze annehmen werde. Dem Reichstag werde es nidjt schwer fallen, sie noch mehr herabzusetzen. Andernfalls sei der Boden für alle möglichen Konflikte vorbereitet und beide Nachbarstaaten ernsten Gefahren ausgesetzt.
Ans Sta-1 und Land.
J* untct Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist UWt unter genauer Quellenangabe: „(Biefc «rrz^ gestattet.) . . Aus der Gleiberg-W«. „Auf der Gleiberg-Alm?" wird manch« Leser verwundert fragen und den Kopf dazu Mttelu. Hätte er aber am Samstag gegen Abend einen ©pasiergang zum Gleiberg gemacht, so würde er die Be. rechtignng der Bezeichnung für diesen Tag zugegeben haben. In der That hatte der alte Gleiberg am Sam-taa fein all* tägliches Gewand abgelegt. Die Sektion Gieß « des d.-tsch.n und äfterreidjifdjen «lp-nv-r.in». di- Feier ihre« IS.öhrigen Bestehen» beging, batte chn in ein alpine» Festgewand gehiMt. Aas dem Wege rum «leiberg waren in gewissen Zwischenräumen Takeln anae. brach«, aus denen unlerhalb eine« Prächtigen Bullen ei» Pfeil den Kraxlern den richtigen Weg zur «im zeigt«. Au
hierfür besonders geeignet fein) in den Kirchen des' Landes zu erheben, und beauftragen die Dekanate, den Betrag an Herrn Oberkonsistorialbuchhalter Otto Rother- mel hier, und gleichzeitig an uns ein alphabetisches Verzeichnis der Beiträge aus den einzelnen Gemeinden einzusenden, indem wir noch anfügen, daß Brüder aus dem Rauhen Hause öfters im Dienste der Inneren Mission innerhalb unseres Landes thätig waren und zum Teil noch thätig sind.
2. Ein Ausschreiben Nr. 17 vom 11. Juli 1901, betreffend Eintrag von Kirchengut ins Grundbuch.
3. Ein Ausschreiben Nr. 18 vom 12. Juli 1901, betreffend die auf Einholung höherer Genehmigung bezüglichen Vorschriften.
4. Dietistnach richten: Ernannt wurde Pfarrverwalter Wolf zu Langsdorf zum Pfarrverwalter in Lehrbach, Dekanat Alsfeld. Gestorben ist der evangelische Pfarrer Wilhelm Fuchs zu Wixhausen, "Dekanat Darmstadt, am 1. Julü 5. Eine Aufforderung zur Bewerbung:
Zur Wiederbesetzung wird ausgeschrieben: die zweite evangelische Pfarrstelle zu Laut erba ch, Dekanat Lauterbach.
** Zu viel des Guten. Eine Taglöhnerftau, die erst kürzlich geheiratet hat, geriet gestern auf der Suche nach ihrem Manne in eine Wirtschaft, wo es ihr so gut gefiel, daß sie darin sitzen blieb. Hier sprach sie fleißig dem Alkohol zu, wodurch sie sich nicht nur ein Räuschchen, sondern sogar einen großen Rausch zulegte. Gegen 7 Uhr abends wurde sie im Neuenweg total betrunken von einem Schutzmann aufgefunden. Sie mußte mittelst Karren ins Arresthaus befördert werden.
ha. Heuchelheim, 29. Juli. Der Verkehr während des gestrigen ersten Tages unseres Kirchweihfestes war ungemein lebhaft. Alle Lokale waren überfüllt. Sämtliche Eisenbahnzüge waren dicht besetzt, und jeder brachte neue Besucher aus der Umgegend. Ein nicht geringes Kontingent dazu stellte Gießen. Ganz ohne Zwischenfall ging es freilich nicht ab. Es entwickelte sich eine Schlägerei, bei der einew hiesigen Arbeiter ein Arm zerschlagen wurde.
** Friedberg,29. Juli. Die Handelskammer Friedberg hat in ihrer letzten Sitzung am 23. Juli u. a. beschossen: Beim Amtsgericht den Antrag zu stellen, eine Reihe von Filialgeschäften in das Handelsregister aufzunehmen; eventuell sollen die weiteren Instanzen angegangen werden. Weiter beschloß die Kammer einstimmig gegen jede Erhöhung des Zolles auf Leinöl vorstellig zu werden. Ferner nahm sie Stellung zu dem Ersuchen des Verbandes kath. kaufm. Vereinigungen Deutschlands, seine Eingabe an den Reichstag betr. das Ausverkaufs- und Auktionswesen zu unterstützen. Die Eingabe verlangt insbesondere die gesetzliche Festlegung des Begriffes „Ausverkauf" und das Verbot des NachschiebenS von Waren bei Ausverkäufen. Die Kammer sprach sich einstimmig für diese Eingabe aus. Gelegentlich der Beantwortung der an die Wahlberechtigten versandten Fragebogen find der Kammer folgende Wünsche und Beschwerden zugegangen, die sie den einschläglichen Behörden zwecks Abstellung der betr. Mißstände unterbreiten rvirdr a. Eisenbahnwesen: Späterlegen des Zuges 8,18 Uhr Abends von Gießen nach Frankfurt. Besserer Anschluß der Züge in Nidda, durchgehender Betrieb der Züge Laubach, Hungen, Friedberg, Homburg, — Einlegung eines Frühzugs Hungen—Laubach, — Aufstellung eines Automats für Bahnsteigkarten in Friedberg, Erweiterung der Bahnsteigen und Ueberdachung derselben, — Späterlegung der Abendzüge von Gießen nach Fulda und Gelnhausen, — Anhalten des Nachtschnellzuges 11,15 Uhr ab Frankfurt in Butzbach, — Schalterverhältnisse in Bad Nauheim, tägliche Beförderung des Zuges ca. 10 Uhr abends ab Gießen nach Friedberg, — Versetzung von Benzin in Spezialtarif I, — Eilgutbeförderung von Obst- veiuen zu gewöhnlichen Frachtsätzen, — Verletzung von Möbel n Spezialtarif II, — Einstellung von geheizten Güterwagen ür Mineralwässer im Winter, — andere Tarifierung von Leimleder, b. Post- und Telephonwesen: Mangelnde Paketbeförderung von Schotten nach Nidda und umgekehrt, — Mangelhafte Postbestellung durch die Posthilfstellen in llendel, Okarben und Petterweil, — Ungenügende Brief- lestelluug in Bad-Nauheim und Butzbach, — Mangelnde Fahrpost Nieder-Erlenbach—Vilbel, — Mangelnde Telephonverbindung der Friedrichshütte und Hirzenhain, von Gedern nach Frankfurt, her oberhesfischen Orte mit Barmen, Elber- eld, Krefeld, Chemnitz, Görlitz, — mit den bayerischen Plätzen, nit Hamburg und den Fischereihäfen, mit Berlin und dem lluhrrevier, — Ungenügende Ausbildung des Personals, und chlechtes Funktionieren der Telephonapparate. — Sodann prach sich die Kammer auf Veranlassung des Bezirksvereins reider Hessen und Nassau im Deutschen Fleischerverband im Interesse sämtlicher Interessenten gegen die Forderung aus, den Handel bei Schlachtvieh obligatorisch nach Lebendgewicht einzuführen. Dem Antrag der Handelskammer Gießen betr. Ausprägung von Fünf-und Dreimarktücken hat sie sich nicht angeschlossen, da ein Bedürfnis ierfür nicht vorliegt. Dagegen erneuert sie den Beschluß lber den Antrag der Schwesterkammer Gießen betr. Ein- ührung einer weiteren Briefbestellung mit Empfangsbescheinigung. Ferner beschloß die Kammer, auf Anregung des Vereins Berliner Butterkaufleute und nach Um- rage bei den Molkereien des Bezirks, für die Beförderung von Weichkäse als Eilgut zu Frachtgutsätzen für die Sommer^ monate einzutreten, und dem Antrag der Schwesterkammern Gießen und Mainz betr. den Entwurf eines neuen Zolltarifs entsprechend wiederholt bei dem Ministerium wegen Veröffentlichung des Zolltarifentwurfes vorstellig zu werden.
S. Lauterbach, 28. Juli. Mehr als tausend Teilnehmer von hier und aus der Umgegend hatten sich zu dem von dem hiesigen Turnverein gestern auf dem Hügel „Hainig" veranstalteten „Hainigfest" eingefunden, em Beweis dafür, welcher Beliebtheit sich gerade dieses Fest bei allen Schichten der Bevölkerung erfreut. Das Fest wird aber auch an einem überaus anziehenden Plätzchen gefeiert. Der prächtige Hain mit feinem saftigarünen Teppich; und einen uralten Eichen ist eine der sehenswürdigsten Partien der Wälder weit und breit. Turnübungen des Vereins und die Vorträge einer Musikkapelle schafften den Gästen eine angenehme Abwechselung. Auch, ein Festzug wurde veranstaltet.
fc. B i n g e n, 28. Juli. Unter starker Beteiligung wurde • heute hier das Bundesfest der katholischen Jünglings- vereine Hessens abgehalten. Ms nächstjähriger Festort wurde Worms bestimmt.
Frankfurt a. M., 28. Juli. Die hier begründete Aka-
ans dem Rauhen .Hanse erwachsenen Segnungen anerkannte, glaubte statt einer Hauskollekte, gegen welche gewichtige Gründe sprachen, zu einer Kirchenkollekte raten zu sollen. Wir konnten uns im Bewußtsein dessen, was die gesamte evangelische Kirche der Schöpfung Wicherns verdankt, und in der Erwägung, daß es Pflicht fei, deren übele Lage zu erleichtern, der Einfuhr nicht verschließen, daß die Bewilligung einer einmaligen Kirchenkollekte trotz der beträchtlichen Anzahl der bereits bestehenden Kollekten der Lage der Singe entspreche, und beantragten eine solche bei Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog. Nachdem die nachgesuchte Genehmigung von Allerhöchster Stelle erfolgt ist, weisen wir Sie nun an, die Kollekte nach vorheriger Ankündigung und Empfehlung an einem dazu geeigneten Sonntage dieses wahres (unter Umständen dürfte etwa das Erntedankfest


