Kandidatur brachte es auf nicht ganz 3000 Stimmen, dagegen der Sozialdemotrat auf rund 15 000 Stimmen. Tie Freisinnigen mit ihren 1000 Stimmen fallen in dem Riesenwahlkreise kaum ins Gewicht. Es sind etwa 64 000 Stimmen abgegeben worden bei 82 869 Wahlberechtigten; also gut drei Viertel der Wähler haben sich zur Wahlurne begeben. Im Jahre 1898, als der nationalliberale Kandidat und jetzige .Handelsminister Möller gewählt wurde, erhielt dieser bei der Stichwahl 29 476 Stimmen gegen 27 831, die au den Zentrumsbcwerber fielen. Sehr bedeutsam ist, daß die Stimmen der Sozialdemokratie sich gegen 1898 ungefähr
Die königliche Postverwaltung weiß aber ganz genau, daß sie in vielen Fällen sich mehr auf die Frauenarbeit verlassen kann, als auf diejenige männlicher Beamten, da die Frauen, wenn einmal eingearbeitet, fast durchweg zuverlässigere und ruhigere Arbeiter abgeben, als ihre männlichen Konkurrenten. Es giebt in Großbritannien sogar unzählige weibliche Postmeister, und die Anzahl der Damen und Frauen, die in ihrem Ladenloka gleichzeiiig nach englischem alten Usus ein „Königliches Postamt", wenn auch immer so winzig, installiert haben, ist einfach Legion. Die ersten Versuche mit weiblichen Postbeamten wurden im Jahre 1870 gemacht, al- die englische Postverwaltung von den Privatgesellschaften auch das Telegraphie- System übernahm. Im Jahre 1871 betrug dann die Zah der angestellten Frauen bereits weit über 1000, und heute sind in ganz Großbritannien und Irland nicht weniger als ca. 35000 weibliche Beamte jeden Grades mit dem besten Erfolge thätig. Die höheren Vorgesetzten behaupten, daß sie mit diesem Amazonen-Heer viel weniger Schwierigkeiten haben, als mit den Männern, und daß die „Post-LadieS fast immer- gelehriger, fügiger und billiger find.
Im AdM in Futter- »ud Wirtschsstsuit.*) Mittheilung der Ackerbau-Abteilung durch Geh. RegierungS- rat Professor Dr. Orth.
I.
Viele landwirtschaftlichen Kulturgebiete unseres Vaterlandes sehen infolge der verheerenden Wirkung der Winterkälte und der anhaltenden Sommerdürre einer schweren Zeit entgegen. Die Winterhalmfrüchte wurden durch Mach- frost in großem Umfange stark beschädigt, oder sie sind eingegangen, was sich in der Stroherzeugung sehr bemerklich machen wird, ebenso haben gelitten Klee, Luzerne, auch sonst winterharte Gräser.
In einer Jahreszeit, welche für die Futtererzeugung ausschlaggebend ist, und in welcher unter normalen Verhältnissen die kleeartigen Feld-Futterpflanzen und die Wiesen reichlichen Ertrag zur Ernährung des Viehstandes und zur Füllung der Vorratsräume für die Winterzeit liefern, ist gegenwärtig durch die anhaltende Dürre in großen Teilen Deutschlands, insbesondere in den preußischen Provinzen Westpreußen, Posen, in Teilen von Ostpreußen, Pommern, Brandenburg, Schlesien und in einigen anderen Teilen Deutschlands, für die Viehhaltung ein Notstand so bedenklicher Art ein getreten, daß es für den Staat in vielen Gegenden zu den schwerwiegendsten Aufgaben gehört, rechtzeitig die Maßregeln zu treffen, welche nach menschlichem Ermessen und unter Voraussetzung der Wiederkehr günstigerer klimatischer Verhältnisse eine wenn auch nur teilweise Abhilfe zu schaffen imstande sind. Es ist dabei nicht blos der Viehstand in Gefahr, welcher zum Teil zu Schleuderpreisen verkauft wird, in einem andern Jahre aber zu unerschwinglichen Sätzen wieder erstanden werden muß, sondern es muß naturgemäß die gesamte Düngerwirtschaft und der nachfolgende Ertrag des Feldbaues durch derartige Mißverhältnisse für die Zukunft aufs nachteiligste beeinflußt werden.
Es erscheint deshalb angezeigt, daß nachstehend auf dre wichttgsten, praktischen Maßregeln kurz aufmerksam gemacht wird, welche im einzelnen Falle dem Ermessen des denkenden Landwirts im eigenen Interesse empfohlen werden können. Es wird dabei die größere Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit des Erfolges auch bei fortdauernd wenig günsttgem Wetter besonders berücksichtigt werden müssen.
Wenn es überhaupt möglich ist, durch künstliche Wasserzufuhr die Pflanzenentwickelung mehr zu sichern, so ist zu prüfen, wie weit dies wirtschaftlich ausgeführt werden kann. Aus der Gegend der Fulda ist bekannt, daß durch einmaliges gründliches Unterwassersetzen einer Wiese von 18 Hektar Fläche durch Dampfpumpe im Frühjahre 1893 bei noch nicht 20 Mark Unkosten für 1 Hektar eine vollständige Heuernte erzielt ist, wie sonst fast nichts geerntet worden wäre.*)
Beim Verpflanzen der Hackfrüchte wird namentlich in >er Kleinwirtschaft ein wiederholtes Begießen der Pflänz- inge zur Sicherung derselben in trockner Zeit jedenfalls tattfinden müssen. Durch Ueberdüngen mit Stallmist und organischen Streumitteln läßt sich dem Austrocknen des Bodens entgegenwirken, und unmittelbar das Wachstum ördern. Die umfangreiche Verwendung von Ersatzstoffen ür die Strohstreu, sowohl von Waldstteu, welche der Wald nicht regelmäßig, wohl aber in Fällen der 9tot hergeben muß und kann, wie von der so wichtigen, stark aufsaugenden Torfstreu, wird für die Viehhaltung und zur Erhaltung der Jauche um so notwendiger beachtet werden ryüssen, je mehr in Verbindung mit wenig Rauhfutter und Wurzel- und Knollengewächsen neben dem erforderlichen eiweißreichen Kraftfutter sämtliches Stroh für die Viehernährung zurückgelegt, der Verwendung zu Streu entzogen werden muß. Der Schreiber dieser Zeilen hat in- olge des futterarmen trocknen Jahres 1865 es selbst in eigener Wirtschaft durchgeführt, daß unter Benutzung des ämtlichen Strohes als Futter und wenig Heu und Hack- rucht, unter Ersatz des notwendigen Eiweißes durch Kraft- utter (durch Aufbrühen mit kochendem Wasser 12 Stunden vorher zurecht gemacht) erreicht wurde, daß der gesamte Viehstand von zwei Gütern wirtschaftlich erhalten werden bunte, während viele Güter zwei Drittel ihres Viehstandes verschleuderten und in der Düngerwirtschaft sehr zurück- ' amen. Die zur Einführung gekommene Torfstreu erleichtert dies, sowie die Erhaltung der Jauche und einer guten Düngerwirtschaft in ganz anderer Weise, als es rüher möglich war. Mit täglich 3 Kilogramm guter Torf- treu auf das Haupt Großvieh, wie sie von den großen Werken in Hannover, Oldenburg, Ostpreußen, Bayern und anderen Orten abgegeben wird, kann das Streusttoh voll- tändig ersetzt ober seine Verwendung auf ein geringes Maß beschränkt werden. Wenn 100 Kilogramm Torfstreu zu 3 Mark gerechnet werden, so macht dies 9 Pfg. im Tag, während das Stroh jetzt schon vielfach über das Doppelte kostet. Die diesjährigen hohen Strohpreise, wodurch manche natürlich auch größere Geldeinnahmen haben können, begründen in hohem Grade die Notwendigkeit des Haltens von Stroh- und Futtervorräten, um so mehr, je mehr )ie Futtererzeugung in einer Wirtschaft je nach den phy- ikalischen Bodenverhältnissen wenig gesichert ist. Wie rasch die Verhältnisse wechseln können, beweisen die im vergangenen Jahre im Anschlüsse an die Hauptversammlung
*) Vorliegende Anregung entspricht einer ähnlichen Veröffentlichung aus dem Jahre 1893.
** ) Vergl. C. Hubach, Bewässerungen an der Fulda und Eder in „Mitt. d. D- L. G." vom 15. Nov. 1893.
verdoppelt haben.
Von den Beziehungen Deutschlands zu Rußland war dieser Tage häufig die Rede aus Anlaß des Besuches des deutschen Schulschiffes auf der Newa in Petersburg. An Bord dieses Schiffes befindet sich der preußische Prinz Adalbert. Dieser besichtigte Petersburg eingehend und machte dem Zarenpaar einen Besuch, wobei wenigstens deutsch gesprochen wurde, was bekanntlich der Franzosenfreund Alexander III. nicht liebte. Ter Zar machte dann dem Prinzen an Bord des Schulschiffes einen Gegenbesuch, wobei er ihm den Andreasorden übergab. Ter Aufenthalt des Zaren an Bord dehnte sich so lange aus, daß man von einer bloß formellen Höflichkeit nicht reden kann. Tie Aufnahme, die die Offiziere und Mannschaften in Petersburg fanden, war recht freundlich) allerdings trat dabei das deutsche Element durchaus in den Vordergrund, unb in Paris braucht man nicht zu zittern, als ob Mütterchen Rußland vielleicht sein Herz abgewendet hätte.
Die Serben, die in dem ihrem lieblichen Lande südwestlich benachbarten türkischen Gebiete um Pristtna leben, sind neuerdings heftigen Verfolgungen ausgesetzt; namentlich werden die Städte Mitrovitza und Kolaschin als Orte von blutigen Ueberfällen genannt. Die serbische und türkische Diplomatie befindet ft chdarob in großer Aufregung, a6er auch Rußland maßt sich eine Rolle dabei an, insofern es einen Konsul in den unruhigen Gegenden herumreisen läßt.
Das Friedenswerk in C h i n a ist, soweit die Beratungen der Gesandten unter sich in Bettacht kommen, so gut wie beendet, was aber die Chinesen selbst angeht, so sprechen in Asien angesiedelte Europäer die ernste Befürchtung aus, daß es bald nach dem Abzug der fremden Truppen wieder „losgehen" werde. Graf Waldersee schwimmt jetzt auf dem Mittelmeer; der König von Italien hat ihm den Annun- ciatenorden zugedacht, der ihn zu seinem „Vetter" macht.
Wenn auch anderwärts als in Afrika vor sich gegangen, steht doch ein Ereignis in naher Beziehung zum Burenkriege. Der Oberkommissar für Südafrika und Generalgouverneur der Burenstaaten, Milner, erhielt von der Londoner City für seine Verdienste um die Unterdrückung der Freiheit der Buren den Ehrenbürgerbrief. Wenn Politiker bei einer Cityfestlichkeit etwas zu sagen haben, so pflegen sie sich um einen mehr oder weniger bedeutsamen Inhalt ihrer Ansprachen zu bemühen. Das thun regelmäßig die Premierminister, das that diesmal auch Milner. Die Zuhörerschaft, unter der sich auch sein Gesinnungsgenosse Chamberlain befand, setzte sich aus konservativen ^rngos zusammen; darauf stimmte Milner denn auch seinen L.on; er fiel aus gegen die Liberalen, die eine weniger brutale persönliche und politische Behandlung der Buren verlangen, was er als antinationalei^ (5inn und Verleumdung Großbritanniens nannte. Auch wärmte Milner den alten, selbst vom verbissensten englischen Antiburenblatt preisgegebenen Unsinn auf, daß die Presse des Auslandes von den Buren bestochen werde. So ein verbohrter Gewaltpolitiker kann sich nun einmal nicht zum Verständnis der Thatsachen erheben, daß jemand aus rein idealen Gründen Englands Verfahren gegen die Buren verurteilt. Komisch war es, wie Milner einen Unterschied machte zwischen denjenigen Buren, die noch auf ihrem Gebiete weiter kämpfen, und denen, die ins Kapland eingefallen sind. Letztere sind nach Milner nicyts weiter wie Raufbolde, jene aber wackere Bürger. Nun sind aber viele unter diesen „wackeren Bürgern" gelegentlich ins Kapland eingefallen. Milner muß diese also wohl interimisttsche Raufbolde nennen.
Präsident Krüger hat den Schmerz erleben müssen, daß ihm plötzlich seine Frau starb. Frau Krüger hielt sich in Pretoria auf; früher war mehrmals die Rede, daß sie nach Europa reisen wolle, um sich mit ihrem Manne zu vereinigen, jedoch sollte ihr Gesundheitszustand ihr nickst erlauben, die Ansttengungen einer Seereise zu ertragen. । Jetzt? ist sie binnen drei Tagen einer Lungenentzündung
RoMihhe Tagesschau.
In einer Rede auf dem 11. Bayerischen Turnfest in Landshut hat Prinz Ludwig von Bayern sich über das Halten von übernommenen Pflichten ausgesprochen, indem er darlegte, warum er nicht gleich die Zusage zum persönlichen Erscheinen beim Turnfest gegeben habe. „Ich konnte keine bestimmte Zusage machen," sagte Prinz Ludwig, „ich mußte diesen Sommer nach Ungarn, um meine persönlichen Geschäfte 1 zu besorgen, und ich glaube, niemand wird mir das Übelnehmen, den jedermann, der sich um seine persönlichen Angelegenheiten annimmt, und insbesondere der Landwirt, der um die Güter, die er zu verwalten hat, sich auch kümmert, muß wissen, wie es mit seinen Geschäften geht, und schließlich ist doch jedermann verpflichtet, für seine eigenen Angelegenheiten zuerst zu sorgen, und wenn er seine eigenen Geschäfte in Ordnung gebracht hat — erst dann ist «in der Lage, für die Allgemeinheit zu sorgen. Ich bitte, muh mcht mißzuverstehen, ich gehe nicht soweit, den eigenen Geschäften die öffentlichen hintanzusetzen. Ich glaub, jeder, der im öffentlichen Leben steht, wird gut daran thun, ohne ^aCnndtftcn öffentlichen Interessen zu vernachlässigen, «nE a *°r®Cn' b?$ blc eigenen Angelegenheiten in Ordnung , das nicht beachtet, der sich in das politische Oeffenllickk-U nirfLUnb ?abei zugrunde ging, so hat er der ^schadet.^ * fienü6t' Indern sich selbst und anderen , . ft^tersbe? Berufszweigen, in benen sich die Frauen m England bereits em sicheres und großes Gebiet erobert Jaben, nimmt der Dienst in den verschiedenen Zweig n der Post eine hervorragende Stelle ein, und »war finb hi «Rnft bewürben mit den bisher in dieser Hinsicht ^i-U-n (EtÄ in jeder Hinsicht durchaus zusriedengest llt (obafi immer Ä weibliche Beamte Anstellung und gut-B-.MunannbE ftrderung finden. Natürlich wird dieser Umstand v°n den münnlichen Bewerbern tm Postdicnste mit sehr mifiaünftiaen unb neidischen Augen betrachtet, unb eine L afeffi «'g-n di- .W-iber-Konkurren,- ist an der Tag°«°?dnnng
der T. L. G- in Posen eingebrachten Klagen, daß das durch verbesserte Düngerwirtschaft reichlich, vorhandene Preßsttoh kaum zu 1.20 Mk. für 100 Kilogramm verwertet werden könne, während in diesem Sommer in der Provinz Posen bereits das Sechsfache dafür bezahlt ist.
Es kann auch die Konservierung des Stalldungs durch Aufbringen guter humoser lehmiger Erde auf der Dung^ ftätte nicht eindringlich genug empfohlen werden. Viele Landwirte sind in der Lage durch Aufpflügen und Trocknen vom eigenen Boden Torfstteu zu gewinnen. Es ist zu er- tuarten, daß sowohl der Staat wie die Privatbesitzer einem Notstände gegenüber, wie er gegenwärtig in manchen Gegenden herrscht, für reichliche Waldstteu-Abgabe zur Unterstützung der schwer heimgesuchten Landwirtschaft mit eintreten werden. Seitens des Staats und der Provinzen wird in manchen Gegenden vielleicht durch billige Kredite und Eisenbahntarife, wie es zum Teil bereits geschehen ist, eine noch viel weiter gehende Unterstützung eintreten müssen. Es ist weiter die Verwertung des Baumwuchses dadurch heranzuziehen, daß Laubheu gewonnen wird. Es können die Aeste von Eichen, Pappeln, Birken usw. bis auf 1 Meter abgeschnitten, in Bündel gebracht, getrocknet und im Winter wie Heu verwendet werden. Zunächst wird sich jeder Landwirt, welcher in Futternot ist, klar machen müssen, in welcher Weise die beste Ausnutzung vorhandener Futterquellen in Anwendung zu bringen ist- und ob nicht sofort die Sommerfütterung auf eine ganz andere Grundlage gebracht werden muß, als es sonst der Jahreszeit und den Gewohnheiten entspricht. Namentlich sollte einer gewissen Verschleuderung des Grünfutters, die sich vielfach eingebürgert hat, Einhalt geboten werden. Ich wiederhole, das Schlimmste ist, wenn es dahin kommen sollte, daß der Viehstand, ein so wesentlicher Teil des Volkswohlstandes, durch diesen Notstand, wesentlich beschränkt und später zu den höchsten Preisen wieder gekauft werden rniWe. Es sollten überall, wo es erforderlich ist, und namentlich auch in den Gebieten des Kleiu- besitzes alle Vertreter des landwirtschaftlichen Gemeiu- wesens, alte landwirtschaftlichen Vereine, Wanderlehrer usw. alsbald in ernstere Beratung treten und überall möglichst zur Klarstellung beittagen helfen, was in so schwerer Zeit im Interesse des Einzelnen notwendig zu geschehen hat. Der vorgeschrittene Standpunkt der wissenschaftlichen Landwirtschaft gestattet zur Zeit auch- die Abhilfsmittel in der Ernährung des Viehes, sowie der Pflanzen besser zu übersehen, als es in früheren Zeiten möglich war. Es ist dabei nicht zu verkennen, daß der säumige Wirt, welcher die kräftige Düngung seines Bodens und die entsprechende Vertiefung seiner Krume vernachlässigt hat, in der gegenwärtigen Notlage am meisten zu leiden hat, während der tüchtige Wirt, welcher seine Zeit und Aufgabe versteht, schon wegen der Strohvorräte, welche ihm die bessere Bewirtschaftung in früheren Jahren eingevracht hat, sowohl unter der Dürre weniger leidet, als auch leichter Abhilfe schaffen kann. Von besonderem Interesse ist die infolge der diesjährigen Winterfröste nicht selten gemachte Erfahrung, daß die Kleepflanzen und Futtergräser erhalten geblieben sind, wo der Boden sich in gutem Düngungszustande befand, daß also das Eingehen zum Teil eine Folge der mangelhaften Pflanzenernährung gewesen ist Auch die ungenügende Kalk- und Mergelzufuhr hat sich in dieser Hinsicht empfindlich bemerklich gemacht. Wiederholte und stärkere Gaben von Kainit und Carnallit haben auch auf das hygroskopische Verhalten des an Dürre leidenden Sandbodens! günstig eingewirkt und so die Schäden gemindert.
Es könnte hierbei auch in Frage kommen, ob nicht die Festlegung von Strohvorräten für den Verkehr, wie sie vielfache durch das Verkaufsverbot von Stroh in den meisten Pachtverträgen vorgesch^rieben ist, vielleicht nur für dieses Jahr sofort aufgehoben werden könnte. Auf vielen Pachtgütern findet sonst eine durch Ueberfluß herbeigeführte Verschwendung von Stroh statt, während an anderen Stellen hiervon der nützlichste Gebrauchs gemacht und eins übermäßige Preissteigerung begrenzt werden könnte. Der Staat und die Großgrundbesitzer als bedeutendste Verpächter sollten hier den Anfang machen.
Es sollten in jedem landwirtschaftlichjeu Vereinsbezirk, Überall, wo Futternot vorhanden ist, sich besondere Anschüsse bilden, um aufs eingehendste und fortlaufend zN geraten, was gemeinsam und für den Einzelnen zu ge- chehen hat, damit möglichst nichts versäumt werde. In >en größeren Vereinsbezirken sollte aber später auf Grund dieser Beratungen möglichst bald eine Uebersicht zusammengestellt werden, wie groß das Bedürfnis anzunehmen ist, um es aus denjenigen Gegenden, wo Ueberschuß ist, be- riedigen zu können. Die Ausschüsse würden sich auch möglichst bald darüber schlüssig machen müssen, ein wie großer Viehstapel in den Gegenden mit Futternot voraus- ichtlich zu erhalten fein würde und auf welche Weise di« Verwertung des Ueberschusses am besten zu bewerkstelligen ist, damit keine Schleuderpreise vorkommen. Es ist uu-i zweifelhaft, daß das genossenschaftliche Zusammentreten auch für diese Frage von besonderer Wichtigfeit ist. Gerade oen kleinsten bäuerlichen Besitzungen, in welchen die Viehhaltung einen so erheblichen Teil des gesamten Besitzes ausmacht, sollte nach dieser Richtung eine besondere Für- orge zugewandt werden. Wo die Futternot besonders groß ist und alles Sttoh zur Fütterung Vorbehalten werden muß, ist es wichtig, sich früh'genug eiweißreiches Kraftfutter zu nicht übermäßigem Preise zu sichern, da es auf dessen Beigabe zum Stroh zur wirtschaftlichen Erhaltung des Viehs in hohem Grade an kommt. Die genannten Ausschüsse sollten den Bedarf an Kraftfutter unb den zweckmäßigsten gemein» amen Bezug, bei Streumangel auch den Bedarf und Bezug von Torfstreu feststellen.
Es jollte sämtliches Rauhfutter, alles Gras und Heu nur zu Häcksel verschnitten verfüttert werden, um mit großen Anteilen von Sttohhäcksel, Spreu, Rapsschoten und bergt vermengt vorgelegt zu werden. Es muß in diesem Jahre die Annahme aufgegeben werden, daß Sttoh überhaupt nicht verftittert werden soll, im Gegenteil, das Stroh; ist in diesem Jahre ein wesentliches Hilfsmittel, um das Trockengewicht der Futtergabe und den Gehalt an den stick- tofffreien Nährbestaudteilen hoch genug zu bekommen.
Wenn sämtliches Stroh, das die neue Ernte in den ütterarmen Gegenden bringen wird, zur Verfütterung geäugt, so wird dadurch hinsichtlich der stickstofffreien Nähr- toffe wahrscheinlich der größte Teil des Viehs gedeckt sein. Es wird die Frage sein, wie weit für die stickstoffhaltigen Nährstoffe (Eiweiß) noch Ersatz durch! Zukauf geschaffen werden kann. Wenn die Oelkuchen als Rückstände der Oel- getoinnung aus europäischen und außereuropäischen Samen dem Bedürfnis der Kulturländer seit langer Zeit gedient haben und in diesem Jahre stark in Anspruch genommen werden, so wird zu prüfen sein, ob nicht zur Zeit anbete Quellen noch in größerem Umfange in Anspruch genommen werden müssen. Es mag in dieser Hinsicht besonders auf das eiweißreiche Fleischfuttermehl und auf das Fischfutter-


