Ausgabe 
30.5.1901 Zweites Blatt
 
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Geschoß. Schoemann wurde sofort getötet, seine Tochter rötlich und seine Frau und zwei andere Personen schwer verwundet. Schoemann bemühte sich in letzter Zeit im Interesse des Friedens. Er wurde, nachdem er sich bei der Besetzung Pretorias durch die Engländer ergab, von den Buren gefangen genommen, jedoch bei der Besetzung von Pieteröburg von den Engländern befreit. Seit dieser Zeit wohnte Schoemann in Pretoria.

Reuter- meldet aus Pretoria: Oberst Coleubrander, welcher eine Schwadron der Kitchener-Jäger kommandiert, nahm über 50 Buren iu der Nähe von PieterSburg ge­fangen.

Aus Detmold wird vom 28. ds. gemeldet: Bei den gestern von den Alldeutschen am Hermanns-Denkmal ver­anstalteten Kundgebungen für die Buren wurde folgende Resolution angenommen:Die am HermanuS-Denkmal am zweiten Pfingstfeiertag versammelten 7000 Deutschen fühlen sich eins mit dem kleinen, heldenmütigen Volk, und verurteilen auf das Entschiedenste die grausame Kriegsführung der Eng­länder. Sie erheben an dieser urdeutschen Stätte entschieden Protest dagegen und geloben, mit besten Kräften für die Sache der um ihre Freiheit und Selbständigkeit kämpfenden Buren einzustehen und nach bestem Können den armen Ver­wundeten, Frauen und Kindern Beistand und kräftige Hilfe zu bringen. Die Versammlung glaubt, daß das ganze deutsche Volk der Hoffnung lebt, daß die gerechte Sache doch noch zum Sieg kommen wird, und bedauert, daß es der deutschen Regierung nicht möglich ist, den Buren kräftige Hilfe zu leisten." Die Resolution soll dem Deutschen Reichstag zugesandt werden.

Deutsches Keich.

Berlin, 28. Mai. Der Kaiser unternahm heute morgen um 7 Uhr einen Spazierritt. Don 9 Uhr ab hörte her Kaiser dje Vorträge des Chefs des Militärkabinetts und des Chefs des Admiralstabes der Marine, empfing um halb 12 Uhr den Intendanten Hülsen-Wiesbaden und um 12 Uhr in Antrittsaudienz den neuernannten brasilianischen Gesandten. Am Pfingstmontag wurde der neue tzandels- minister Möller vom Kaiser empfangen.

Ter Kaiser hat heute mittag im Neuen Palais bei Potsdam den neuernannten brasilischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Baron Rio Branco in Audienz empfangen und aus dessen Händen zwei Schrei­ben des Präsidenten der Ber. Staaten von Brasilien ent­gegen genommen, durch welche der Gesandte in der Eigen­schaft beglaubigt und sein Amtsvorgänger de Azevedo von hier abberufen wird. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Wirft. Geh. Rat Freiherr v. Richthofen, war bei der Audienz zugegen. Die Kaiserin erteilte ebenfalls dem bra­silischen Gesandten Rio Branco die erbetene Antrittsaudienz.

Tas Programm für die Feier der Enthüllung des N a t i n a l d e n k m a l s für den verstorbenen Fürsten Bis­marck am 3. Juni ist folgendes: Ter Kaiser wird durch den Reichskanzler, den Reichstagspräsidenten und das Denk­mal-Komitee empfangen. Nach dem Gesänge der Schnl- finber hält ber Vorsitzende bes Denkmalskomitees Wirkl. Geh. Rat Abg. Tr. v. Levetzow eine Ansprache, in der er das Denkmal dem Reichskanzler übergiebt. Die Ansprache des Reichskanzlers schließt mit einem Hoch auf den Kaiser. Die Musik spieltHeil Dir im Siegerkranz!" Tann bittet Tr. v. Levetzow um die Erlaubnis zur Enthüllung des Tenkmals. Während der Enthüllung spielen die Musikkorps. Im Anschluß daran findet ein Rundgang statt. Beim Ver­lassen des Festplatzes bringt der Reichstagspräsident ein Hoch auf den Kaiser aus.

Zu der kürzlich hier bekannt gewordenen Veröffent­lichung des nordamerikanischen MissionsblattesDer Frie­densbote" schreibt die BielefelderNeue Wests. Volksztg.":

Es geht eine Mitteilung durch die Zeitungen über den Versuch einer Einwirkung seitens Pastor v. Bodel- schwinghs auf den Kaiser in Sachen der Buren. Wie wir "von maßgebender Stelle wissen, beruht diese Mit­teilung auf vielfachen Unrichtigkeiten und wesentlichen Entstellungen der Thatsachen. Sie trägt in allen Fällen den Stempel eines großen Vertrauensbruches. Darum versteht .es sich für jeden Vaterlandsfreund von selbst, von der Mitteilung keine weitere Notiz zu nehmen.

Diese Auslassung ist jedenfalls von Pastor v. Bodel- fchwingh selbst veranlaßt worden. Sie muß aber ihren Zweck verfehlen, solange nicht gesagt wird, worin die Unrichtig­keiten und wesentlichen Entstellungen bestehen.

Eine kaiserliche Anordnung über das Ver­halten der Ortsbehörden bei vorübergehenden Besuchen des Kronprinzen wurde den Landräten und Bürgermeistern der Städte über 10 000 Einwohner durch ein Telegramm des Oberpräsidenten der Rheinprovinz zur Beachtung über­

mittelt, in dem es heißt, der Kaiser und König habe ange- orbiict, die Bürgermeister und Ortsvorsteher anzuweisen, daß dem Kronprinzen bei Ausflügen keinerlei Ovationen gebracht werden, damit er feine Jugend ungestört genießen könne. ,,

TerReichsanz." meldet: Die Minister Freiherr v. Hamm er stein und Möller und Staatssekretär Kr ätke find zu Bevollmächtigten zum Bundesrat ernannt.

TieNordd. Allg. Ztg." meldet: Das durch die Ernennung des bisherigen Konsuls Rosen zum Vortragenden Rate im Auswärtigen Amte erledigte Konsulat Jerusalem wurde dem bisherigen Vorsteher des Vizekonsulats in Jaffa, Konsul Schmidt, übertragen. Zum Konsul in Jassy wurde der bereits mit der Verwaltung des Konsulats betraute Legationsrat Flügel und zum Konsul in Hankau Konsul Grünewald ernannt.

Eine Meldung, nach welcher der Ministerbe- sprechung am 4. Juni im ReichDamt des Innern ein ausgearbeiteter Entwurf mit 31 Doppelpositionen zu Grunde gelegt wird, stellt sich als falsch heraus.

In Vallendar ist der Reichs- und Landtagsabge­ordnete Bender (Zentrum) gestorben.

Ter Verband deutscher Vogelhändler hat gestern hier seinen ersten Kongreß abgehalten. Es wurde u. a. eine Resolution beschlossen, die Reichsregierung möge 1) den zahlreichen von Seiten der Kanarienzüchter-Vereine ausgehenden Petitionen, den Handel mit einheimischen Vögeln und das Halten solcher zu verbieten, nickst statt­geben und eventuell einem dasselbe Ziel verfolgenden Be- chluß des Reichstages die Zustimmung versagen. 2) baldigst eine Revision des Vogelschutzgesetzes vornehmen, um den Massenfang der geschiützten Vögel zu verbieten, sowie den Handel mit toten Vögeln zu Speisezwecken und den mit Vogelbälgen zu Modezwecken, 3) den Handel mit lebenden Vögeln, sowie das Halten solcher in keiner Weise zu be­schränken, 4) Geldmittel bereit zu stellen, um praktischen Vogelschutz treiben zu können; Schaffung künstlicher Nist­stätten, Ankauf von Gelände zur Errichtung von Vogelschutz­gehölzen und dergl.

lieber eine unglaubliche Verhöhnung eines preußisch,en Beamten durch, Polen wird aus Danzig folgendes berichtet:

Eine Versammlung des polnischen VereinsJednosc", dessen Versammlungen schon mehrfach durch den Polizei- lommissar Maurach aufgelöst worden waren, wurde wieder von diesem Beamten überwacht und aufgelöst. In der Debatte erhob sich ein Mitglied und drückte seine Freude darüber aus, daß diese Versammlung so überaus zahlreich besucht wäre. Man habe diesen zahlreichen Besuch den wiederholten Auflösungen des Kommissars zu danken und deswegen gebühre ihm einHoch". Der Redner brachte auch einHochi" auf den Beamten ans, in das die Ver­sammlung dreimal lebhaft einstimmte. Darauf löste der Polizeikommissar Maurach die Versammlung auf.

In Krefeld wurde in den Pfingsttagen in der Unitas der dritte Kongreß der christlichen Gewerk- schäften Deutschlands abgehalten. Als im Jahre 1898 in Mainz der erste Kongreß stattfand, schenkte ihm die Oeffentlichkeit weniger Interesse. Dies wurde aber anders, als sich die christliche GewerkvereinS-Bewegung in verhältnis­mäßig kurzer Zeit machtvoll entwickelte. Als im vorigen Jahre in Frankfurt a. der Kongreß abgehalten wurde, zählten die christlichen Arbeiter-Verbände bereits 152000 Mitglieder. In dem letzten Jahre ist diese Zahl auf nahezu 165000 angewachsen. Auf dem Kongresse waren 19 Ge­werkschaften durch 54 Delegierte vertreten; eS waren aus­schließlich Arbeiter, die den Kongreß leiteten und die Ver­handlungen führten. Eingeleitet wurde der Kongreß durch eine am Sonntagnachmittag in der Stadthalle stattgefundene öffentliche Gewerkschafts-Versammlung, in der die bekannten Arbeiterführer Brust-Altenessen, GiesbertS-M.-Gladbach und Ellerkamp-Lage (Lippe) referierten. Am Abend folgte noch eine Zusammenkunft des Gewerkschafts-Ausschusses, in der die Geschäftsordnung rc. festgestellt wurde. Der erste Ver­handlungstag wurde durch die Berichterstattung ausgefüllt. Eine längere interessante Debatte entwickelte sich über die Neutcalitätsfrage. Eine von den Delegierten des Metall- arbeiter-VerbandeS beantragte Resolution, daß die Gewerk­vereine ihr Wirken auf dem Boden des positiven Christentums aufbauen sollten, daß eine Neutralität der Berufsvereine überhaupt niemals erfolgen könne, wurde abgelehnt. Dagegen wurde die Resolution des Ausschusses, die sich für eine Er- strebung neutraler Gewerkschaften ausspricht, angenommen. Die Abstimmung war eine namentliche. 40 Stimmen erklärten sich für die vom Ausschuß beantragte Resolution, 10 dagegen. Nachmittags folgte noch ein Referat von dem Vorsitzenden des Holzarbeiter-Verbandes, Stegerwald-München über die Stellung der Kartelle und Arbeiterschutzverbände zu den

Zentral-Organisationen. Es wurde hier eine Resolution angenommen, die sich für die Zentralisation der Berufs» Vereine erklärt, insbesondere wandte man sich gegen die VereinigungenArbeiterschutz". Am Dienstag vormittag hielt Wndebrrg-Berlin ein Referat über das Unterstützungs­wesen in den christlichen Gewerkschaften. Die Debatte hier­über war gleichfalls recht ausgedehnt. Zum Schluß wurde eine Resolution, die sich für den weiteren Ausbau der Unter­stützungskassen ausspricht, angenommen. Nachmittags fand eine General-Versammlung des Gesamtverbandes statt, und zwar unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Es folgten noch Referate über die Verleihung von Korporationsrechten an die Berufsvereine von Aug. Brust und über die Reform des Gesetzes betr. die Krankenversicherung und die Gewerbegerichte von Ellerkamp und GieSberts.

Karlsruhe, 28. Mai. In unterrichteten Kreisen ver­lautet, Baden befürworte eine Getreidezoll-Erhöhung um 50 Pfennige.

Donaueschingen, 28. Mai. Der ReichSkanzl er nebst Gemahlin trafen auf Einladung des Fürstenpaarrs Fürsten­berg gestern hier ein- und stiegen im Schlosse ab. Der Reichskanzler kehrt am 29. Mai nach Berlin zurück.

Ausland.

Paris, 28. Mai. Tem Vernehmen nach giebt Ma­rokko Frankreich in allen Punkten Genugthuung^ sowohl in der Angelegenheit der Ermordung des Franzosen Pouzet und der Angelegenheit Boncampas, als auch hin­sichtlich der schwebenden algerischen Fragen., Ein Mi­nister des Sultans ist nach Mazagan abgereist, von wo» ihn der große KreuzerPothuau" nach Tanger führen wird. Der Minister hat den Auftrag, die Erfüllung der angenommenen Bedingungen seitens Marokkos sicher zu. stellen. Eine außerordentliche Gesandschaft, an derer» Spitze ein Minister des Sultans stehen soll, wird nach Paris entsandt werden.

Rom, 28. Mai. Ein Blatt Norditaliens verbreitet eine Aufsehen erregende Meldung von einer angeblichen an» archistischen Verschwörung gegen eine Reihe europäischer Staatsoberhäupter. Nach der VeroneserArena" machte ein achtzehnjähriger, aus der Schweiz zurückgekehrter Schlosser in Schio einen Selbst­mordversuch und gestand im Hospital, er sei Anarchist und durchs Los bestimmt worden, den deutschen Kaiser umzubringen. Er bezeichnete andere Genossen, denen dis Ermordung des Kaisers von Rußland, der Königin Helena, des Präsidenten von Frankreich und bcC Schweiz obliege. Angeblich wichtige Schriftstücke wurden bei ihm gefunden. Bis jetzt konnte jedoch die Wahrheit feiner Angaben nicht seftgestellt werden.

Wien, 28. Mai. In Poisdorf fand gestern die feier­liche Denkmalsenthüllurig für die im Jahre 1866 dort ge­fallenen und beerdigten preußischen Soldaten statt. Der Feierlichkeit wohnten Vertreter der Behörden und zahl­reiche Kriegervereine bei. Bei dem sich anschließenden Festbankett wurden Trinksprüche auf die Kaiser Wilhelm! und Franz Josef ausgebracht.

Warschau, 28. Mai. Neuerdings kommen aus Ruß­land immer mehr drohende Nachrichten von Revolu-i tionsbestrebungen und von Aufruhr. So hat man vor einigen Tagen auf der Zollkammer in Petersburg zwei Pakete beschlagnahmt, welche aus London stammten und Dynamitbomben enthielten. Unter den Studierenden fängt es auch wieder an zu gähren. In Petersburg wird ein Aufruf verbreitet, welcher die Nachriclst enthält, daß zwölf Studenten zum Militärdienst in Sibirien verurteilt sind und worauf dieselben sich das Leben genommen haben.

Tanger, 28. Mai. Tie marokkanische Gesandtschaft, welche sich nach England begiebt und von der anfänglich angenommen wurde, daß sie ihre Reise von Mazagan aus direkt antritt, geht erst nach Tanger, wohin oer Groß- vezier und der Kriegsminister ebenfalls kommen, vermut­lich, um sich in Mission nach Frankreich zu begeben.

Washington, 28. Mai. Tie bereits gemeldete Ent­scheidung des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten über die Rechtsverhältnisse der neuen Jnselbesitz- ungen bestimmt noch, daß der Kongreß die Befugnis hat, Einftihren aus diesen Besitzungen mit Zöllen zu belegen und daß die kraft eines derartigen Kongreß-Beschlusses erhobenen Zölle gesetzlich sind. Eine andere, gestern ge­troffene Entscheidung des Obersten Gerichtshofes lautet dahin, daß Zölle, welche von Einfuhren aus den neuen Jnselbesitznngen nach dem Cessionsvcrtrage, aber vor der Einführung bezüglicher gesetzlicher Bestimmungen (Foraker- Akt) erhoben worden sind, Ungesetzlich und daher zur ück- zuerstatten sind, weil die Inseln nad) dem Cessionsver- trnge nicht mehr Ausland waren und ihnen bis zur Ein­führung anderweiter Bestimmungen gleiche Rechte, wie dem übrigen Unionsgebiet, gewährt werden mußten.

Zweites Hessisch-Pfälzisches Musikfest.

Worms, 28. Mai.

Das zweite Hessisch-Pfälzische Musikfest ist vorbei. Mo­nate sind vergangen, seitdem ein engerer Kreis von Männern mit oem Plane dazu hervortrat. Unermüdlich waren die verschiedenen Ausschüsse in Thätigkeit, um die Vorbedingungen zu schaffen. Mit derMusikgesellschaft und Liedertafel" hatten sich zum Mufikfest vereinigt: der Musikverein Darmstadt, der Damen- und Männergesang­verein in Alzey, der Musikverein in Landau, der Cäcilien­verein in Neustadt a. H. Tamit war ein Chor von 375 Stimmen gewährleistet. Tie meisten dieser Vereine über­nahmen durch ihre Teilnahme eine ganz gewaltige Arbeits­last. Denn allein die Einübung des OratoriumsTie Zerstörung von Jerusalem" setzt eine emsige Thätigkeit und gute musikalische Vorbildung der Chöre voraus.

So kam denn Pfingsten heran, und dem Feste lange vorauf eilend, das langersehnte, sonnige, klare Frühlings­wetter.

Am Samstagvormittag bereits waren die Straßen unserer Stadt festlich geschmückt. Ter Empfang der mit­wirkenden Vereine von halb 9 bis halb 10 Uhr fand pro­grammmäßig statt. Im Saale des Festhauses angekommen, begrüßte der erste Vorsitzende des allgemeinen Festaus­schusses Freiherr Heyl zu Herrnsheim sämtliche Gäste Namens beti Festausschusses. Namens der Stadtvertretung sprach Beigeordneter Tr. Kayser, die Gäste ebenfalls will Jommen heißend.

Das erste F e st k o n z e r t am Sonntagnachmittag um I 4 Uhr fand vor gut besetztem Hause statt. TieZerstör­ung von Jerusale m", Oratorium in zwei Abteilungen von Aug. Klughardt, füllte das Programm. Ter Verlauf der ganzen Aufführung war sehr gut. Taß bei den wenigen gemeinschaftlichen Proben nicht überall die feinsten Schattierungen, nicht stets die genaue Stimmung zum Aus­druck kam, braucht nicht besonders betont zu werden, denn auch die Kritik muß die Grenzen des Möglichen achten.

Waren die Chöre, so berichtet dieWorms. Ztg.", von Erfolg gekrönt, von Glanz umgeben, so darf von den So- sisten gesagt werden, daß sie ihre Ausgaben hervorragend lösten und zur festlichen Stimmung ganz erheblich bei­trugen.

Ten wundervollen Rahmen für die Solisten und den Chor gab das Orchester von 75 erlesenen Künstlern. Den Stamm hatte das Stadt-Orcyester von Mainz gestellt.

Musikdirektor Kiebitz, dem das Hauptwerk des Musik­festes einzustudieren und zu dirigieren oblag, waltete seines Amtes mit Umsicht und Sicherheit.

Nachdem das erste Festkonzert beendet war, begaben sich alsbald viele Teilnehmer zum Gartenfest in den Festhausgarten, der sich dann in der neunten Stunde so füllte, daß alle Tische und Stühle besetzt waren. Tie Kapelle des Jnf.-Regts. Nr. 118 konzertierte unter Leitung des Herrn Schneider.

Am Montag nachmittag war in Erwartung des Be­suches unseres Großherzogspaares die Straße vom Bahnho i

bis zum Festhause dicht mit Menschen gefüllt. Von Frei­herrn .Heyl zu Herrnsheim und den Spitzen der Behörden am Bahn Hofe empfangen, ging der Wagenzug unter brau­enden Hochrufen zur Feststätte, wo Herr Trumpler die Allerhöchsten Herrschaften mit herzlichen Worten bewill­kommnete. Alsbald begaben sich die hohen Gäste in die festlich geschmückte Laube, wo ihnen ein Hoch aus gebrackst wurde, sämtliche Festteilnehmer stimmten die National­hymne an. Professor Gernsheim leitete das herrliche Vor­spiel zu denMeistersingern" von Richard Wagner.

Es folgte das Konzert für Violine in T-dur mit Or­chester von Jvh. Brahms. Das Finale aus der unvollendeten OperDie Loreley" machte den Schluß des ersten Teiles dieses Konzertes. Nach der Pause erfolgte die Wiedergabe der Sinfonie (in G-moll opus 32) von Friedr. Gernsheim. Eine wirksame Abwechslung bot eine Szene für Alt und Bariton ausKonstantin" von Vierling. Ten Abschluß des Konzertes machte die Fantasie für Pianoforte, Chor und Orchester von Beethoven.

Die ganze Last des zweiten Tages als Dirigent hatte Herr Professor Gernsheim getragen und deshalb war es vollauf berechtigt, daß ihm alle Festteilnehmer am Schlüsse nochmals eine herzliche Kundgebung bereiteten.

Um 9 Uhr abends fand in den Räumen des bürger­lichen Kasinos ein Festball statt, der das zweite Hessisch" pfälzische Musikfest schloß.