halten, und war in diesem Irrtum umsomehr bestärkt worden, als just an derselben Stelle ein Rehwechsel fest- gestellt worden war. Glücklicherweise ward die Durchschlagskraft der Schrotkörner durch die Kleidung der Frau erheblich abgeschwächt. Die Jäger brachten die Frau nach Hause und holten ärztliche Hilfe. Doch konnten nicht alle Schrotkörner entfernt werden. Von einer Anzeige wurde abgesehen.
Stockhausen, 26. 9coo- Große Aufregung herrscht gegenwärtig in unserem Dörfchen über einen in der Nacht vom 23. zum 24. November verübten (Linbruchsdieb- st a h l bei Gastwirt Jochem. Ein Tisch wurde aus dem .vause mitgenommen, in einiger Entfernung davon erbrochen und eines darin aufbewahrten ansehnlichen Geldbetrages beraubt. Das Dienstmädchen, das im unteren Stocke schlief, erwachte, und sah zwei Männer mit einer brennenden Laterne vor sich; es gelang ihr, zu entwischen und die Dienstherrschaft herbeizurufen. Inzwischen waren die Diebe jedoch spurlos verschwunden.
Hof heim, 26. Nov. Das Landeshospital hier wurde durch einen weiteren Bau, der die Frauenabteilung enthält, vergrößert. Ferner wurden für die Einrichtung von elektrischem Licht in sämtlichen Räumen der Anstalt, sowie für die Heizung des Neubaues und andere Neueinrichtungen eine neue Dampfkessel- und Maschinenanlage errichtet. Diese Erweiterungsanlagen wurden durch einen offiziellen Akt am Freitag und Samstag voriger Woche eröffnet. Anwesend waren Geheimerat Emmerling, Freiherr v. Biegeleben, Provinzialdirektor Freiherr v- Grancy als Regierungsvertreter; ferner u. a- Oberbaurat Klingel- Höffer und Geh. Obermedizinalrat Dr- Neidhart, sowie als Vertreter der Großh. Dampfkesselinspektion Regierungsbaumeister Dofflein. Geheimerat Prof. Dr. Kittler, der Schöpfer der Anlage, erklärte während des Rundganges in einem längeren, sehr interessanten Vortrage die Neueinrichtungen, bestehend aus dem elektromotorischen Teil von der Firma Lahmayer ui Frankfurt a. M., den beiden Dampfmaschinen von je 140 Pferdekrästen, geliefert von den Vereinigten Maschinenfabriken Augsburg und Maschinenbau-Aktiengesellschaft vorin. Klett u- Co. Nürnberg, und den vier Dampfkesseln von 360 Quadratmeter Heizfläche, System Cornwall, von der Dampfkesselfabrik vorm. Rodberg, A.-G. in Darmstadt, sowie der Akkumulatorenanlage von den Akkumula- torenwerken Pollak in Frankfurt a. M.
Mainz, 26. Nov- Die von unserer Theaterdirektion verheißungsvoll mit dem Vorspiel „Rheingold" jüngst inaugurierte Nibelungentetralogie von Richard Wagner erhielt in der letzten Freitag mit einer wirkungsvollen Steigerung inszenierten „Walküre" eine entsprechende Fortsetzung. Wenn vielleicht begeisterte Wagnerianer anfangs bedauern mochten, daß der für die Rolle des Wotan in Aussicht genommene Hofopernsänger Bertram, der wiederholt im „Fliegenden Holländer" Triumphe gefeiert, wegen Unwohlseins hatte absagen lassen, so konnten sie mit dem Ersatz unseres hiesigen Baritonisten H. Rünger sehr wohl zufrieden sein. Sowohl die ganze Auffassung des Göttervaters, als auch die kunstverständige und klangsichere Durchführung in Beherrschung und Nüanzierung einer reichen Stufenleiter von Empfindungen zeigten den denkenden und verständnisinnigen Darsteller und Sänger. Ergreifend und sympathisch namentlich erschollen die Töne tragischer Wehmut im Austausch der Gefühle mit seiner geliebten Tochter Brunhilde, der auch unsere Primadonna, Frl. Materna würdigen und packenden Ausdruck verlieh. Für den männlich kräftigen Siegmund hätten wir uns im Aeußeren eine ge- reiftere Maske gewünscht, als Herr Holm sie annahm, wenn er auch darstellerisch und stimmlich; den Anforderungen genügen mochte. Als Siegelinde stellte sich diesmal für die unpäßliche Frl. Cora ein Gast von Mannheim, Frl- Hilda Schöne dar, die durch ihre gewinnende Erscheinung, sowie durch ihren technisch geschulten und von warmer Empfindung durchfluteten Gesang sofort aller Herzen eroberte. Recht lebendig und wirkungsvoll gebärdete sich die Walkürenschar, aus deren neunsdimmigem Kamönengesang die Stimme eines zweiten Mannheimer Gastes Frl. Fiora besonders hell hervorklang.
A. £. Gimbsheim (Kr. Worms), 27. Nov. Während dieses Jahres ließ Professor Weckerling-Worms auf dem des zum Wohnhause der Frau F. A. Beny gehörenden Gebiete Ausgrabungen vornehmen, wobei verschiedene kleinere Altertümer zum Vorschein kamen, die bereits ins Paulus- museum nach Worms gebracht wurden. Vor wenigen Tagen fand auf demselben Gebiete ein hiesiger Lehrer beim Graben einen hellen Krystall, den am Samstag Professor W. mit über 1000 Mk. bezahlte. Gestern wurden unter der Kontrolle des Ministerialrats jSol d an-Darmstadt wieder Ausgrabungen vorgenommen. Man entdeckte drei Gräber, in denen
je ein Skelett lag. Das eine Skelett hatte an der Kopfseite silberne Ohrringe mit Edelsteinen. Auf den Brustknochen lag eine 1 Meter lange Bronze-Kette mit einer eiförmigen Kapsel. An dem linken Zirmknochen war ein Bronze-Armband und an einem Fingerknöchel ein silberner Ring mit blauem Stein. Ein anderes Skelett, und zwar das eines Kindes, hatte ein etwa 15 Zentimeter langes Messer neben sich liegen. Die Knochengerüste wurden wieder mit Erde bedeckt, während die gefundenen Schmucksachen usw. ins Paulusmuseum nach Worms kommen. Auch während des heutigen Tages werden Ausgrabungen vorgenommen, da man wieder auf Gräber gestoßen ist. Die Graber sollen aus dem 5. und 6. Jahrhundert stammen. Man entdeckte vier Gräber, in denen gut erhaltene Skekctte sich befanden. In dem einen Grab fand man das Skelett eines etwa 20 jährigen Mannes. Ein Oberschenkel des Skeletts war gebrochen. Ein Teil desselben lag zur Kopfseite. Jedenfalls gab es im 5. oder 6. Jahrhundert noch keine Aerzte, die einen solchen Bruch einrichten konnten. Ebenda lag em Topf mit wertvollen Münzen. In einem anderen Grab wurden Perlen, Gold-Spangen und sonstige wertvolle Gegenstände gefunden. Wieder in einem anderen Grab lagen zwei zweischneidige Schwerter. In der nächsten Woche sollen die Ausgrabungen fortgesetzt werden.
Gerichtssaal.
— Eine neue Verurteilung iufolgc Duells. Das Kriegsgericht der 18. Division verurteilte den Assistenzarzt Bergmann vom 4. Feldartillerie-Regiment in Flensburg wegen Herausforderung des Zahnarztes Bolten in Husum zum Zweikampf mit tätlichen Waffen zu 3 Monateu Festung. Tas Duell hatte am 26. Oktober bei Kiel stattgefunden, wobei beide Gegner Verwundungen davontrugen. Das Gericht lehnte ein Begnadigungsgesuch ab.
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Arbeiterbewegung.
Großwardein, 27. Nov. Die beim hiesigen Rachausbau streikenden Arbeiter versuchten die auf anderen Bauten be- schäfttgten Arbeiter an der 9lrbeit zu hindern, was zu argen Straßencxzessen und Schlägereien führte. Die Polizei mußte einschreiten und nahm 40 Perhaftungen vor.
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