treten. Die Regierung unter der Leitung des klugen und wohlwollenden Herrn Waldeck-Rousseau läßt sich aber durch alle derartigen Erklärungen nicht bange machen. Der Arbeitsminister erklärte am Samstag in der Arbeits-Kommission bezüglich des Achtstundentages, es sei schwer, eine einheitliche Arbeitsdauer für alle Bergwerke sestzustellen, du diese von den jeweiligen Verhältnissen bei den Bergwerken abhänge, aber man könne sich immerhin bemühen, diese Frage auf gesetzgeberischen Wege zu regeln. Daraus ist zu schließen, wie die neue Antwort der Regierung aus- sallen wird.
Der dieser Tage bekannt gewordene neue russisch- chiinesische Mandschurei-Vertrag zeigt'sttußland in Verfolgung einer ausgesprochenen Kolonialpolitik. Genau so gehen die Kolonialmächte in ihren überseeischen Besitzungen vor. Um die Mandschurei sofort mit Stumpf und Stil zu verspeisen und zu verdauen, dazu wäre ein bei weitem größerer Aufwand von Truppen und Geldmitteln notwendig, als Rußland gegenwärtig entbehren kann oder will. Es genügt den Russen vorläufig, sich der Naturschätze des Landes zu vergewissern, es wirtschaftlich auS- zubeuten und die Eingeborenen nach russischer Art und in russischen Diensten militärisch zu drillen. WaS habet von der Oberhoheit des Kaisers von Ehina übrig bleibt, ist absolut unerfindlich.
England hat bisher noch immer nicht gesprochen, obwohl außer Frage steht, daß man in England die unaufhörlichen beruhigenden Versicherungen Rußlands, die Mandschurei werde den Chinesen schließlich doch zurückgegeben werden, ebenso nach ihrem wahren Werte schätzt, wie in Japan, wo sich eine wachsende Erregung über die neuen Vereinbarungen kundgiebt. Als Japan nach seinem siegreichen chinesischen Feldzug Korea und einen Teil der Mandschurei besetzen wollte, waren es die Russen, die den Japanern ein „Halt!" zuriesen. Japan mußte sich mit der Insel Formosa begnügen, und Rußland heimste in China alle Vorteile aus den japanischen Erfolgen ein, indem es China zu Eisenbahnkouzessionen sowie zur Abtretung von Talienwan und Port Arthur zwang. Es muß sich zeigen, ob Japan jetzt seinerseits im stände ist, den Russen ein „Hände weg!" zu diktieren.
Die Wirren in Südamerika nehmen ihren Fortgang. Nach den letzten Nachrichten erlitt die Revolution in lÄlumbien einen schweren Schlag. General Rosas, der die Aufständischen ansührte, sei in der Nähe der Grenze von Ecuador geschlagen und Rosas selbst gefallen. Die Vorgänge im venezolanischen Hafen Puerto Cabello, wo bekanntlich Angehörige der deutschen Marine von der Volksmenge mißhandelt wurden, haben eine glatte und uns befriedigende Erledigung gefunden. Unerquickliche Ereignisse aber stehen auch zwischen Chile und Argentinien bevor. Wie Meldungen aus Buenos-iAires besagen, verweigere Chlle Argentinien die geforderte Erklärung über die Anlage strategischer Straßen in den Anden, was in Argentinien große Erbitterung Hervorrufe.
ßyarnverlaius Serteidiguug.
Nach langen: Schweigen hat nun auch Minister Chamberlain, wie wir bereits in unserer Sonntagsnumnrer mitteilen konnten, das Wort ergriffen, um sich und die Regierung gegenüber den immer lauter erschallenden Vorwürfen wegen des südafrikanischen Krieges zu rechtfertigen. Aus den vorliegenden Meldungen über diese Edinburger Rede geht ein Gefühl der Nervosität, der Unsicherheit, der schwer belastenden Verantwortung — um nicht das Wort „Gewissen" zu gebrauchen — deutlich hervor; in Ermangelung stichhaltiger Verteidigungsgründe für die grausame Kriegführung der Engländer verweist Chamberlain auf angeblich noch schlimmere Vorgänge in anderen Kriegen und versteigt sich dabei zu groben Beleidigungen verschiedener Völker, darunter auch der Deutschen.
Der betreffende Passus seiner Rede besagte nach dem heute vorliegenden Auszuge folgendes: „Die Zeit komme jetzt, wo es notwendig sein möge, strengere Maßregeln zu ergreifen, um die Aufständischen und die Guerillabanden zu bekämpfen. Wenn diese Zeit da sei, werde die Regierung Präzedenzfälle für alles, was sie thun werde, in dem Vorgehen jener Nationen finden, welche Englands Vorgehen als Barbarei und Grausamkeit verurteilten; aber sie werde sich doch nie dem nähern, was diese Nationen in Polen, im Kaukasus, in Bosnien, Tonkin und im Kriege von 1870 thaten." — Die Anzapfungen Rußlands, Oesterreichs und Frankreichs brauchen uns nid# weiter zu beschäftigen, wohk aber muß von deutscher Seite entschiedenster Protest dagegen erhoben werden, daß die Maßnahmen, die unsere Truppenführer im letzten großen Kriege gegen die feindlichen Truppen oder die Bevölkerung bisweilen anzuwenden gezwungen waren, mit dem systematischen Morden, Sengen und Brennen der Engländer in Süd
Ei aprice" zum erstenmale aufgeführt und erzielle trotz der flotten Aufführung einen über einen Achtungserfolg nicht weit hinausgehenden Erfolg. Das Publikum schien sich anfangs ganz gut zu unterhalten. Das Interesse an dem Stück erlahmte aber bei dem Mangel an eigentlicher Handlung und mancherlei Unwahrscheinlichkeiten schon im 2. Akte. Die Rolle der „Marion" wurde von Frl. Eichelsheim sehr pikant zespielt.
— In Mainz kam am 24. d. Mts. des Menschenfreundes Tolstoi Drama: „Die Macht der Finsternis" wirkrmgsvoll zur Aufführung und hinterließ einen tiefen Eindruck. Das Publikum wurde gerade durch die krassesten Szenen zu stürmischem Beifall hingeriffen — wie bei uns in Gießen.
— Der Frankfurter Heldentenor A. v. Band- cowsky weilte kürzlich in Wien. Hierher gelangten Nachrichten zufolge bestreitet Bandrowsky den Vorwurf des Kontraktbruchs — Intendant Jensen hat ihn deswegen bei dem deutschen Bühnenverein belangt — und behauptet, den Nach- weis liefern zu können, daß er den „Manru" thatsächlich während seines kontraktlichen Urlaubs studiert und gesungen hat, und daß er wegen schwerer Erkrankung sein Frankfurter Engagement nicht zum Abschluß führen konnte. Das Letztere mag wahr sein, bezüglich der Manru-Premiere am polnischen Nationaltheater beharrt die Intendanz auf ihren, dem Bühnen- oerein unterbreiteten Angaben. — Bandrowsky soll für seine amerikanische Tournee das nette Sümmchen von 80000 Mk. erhalten.
— In Wien ist am 27. Oktober der Schriftsteller /tarl Weiß (C. Karlweis) gestorben. (Kärlweis ist Verfaffer einiger vortrefflicher Volksstückc, wie „Das grobe Hemd", „Goldene Herzen", „Das liebe Ich" :c., die allgemein gekannt zu werden verdienen. Er hat nur ein Alter von 51 Jahren erreicht. D. Red. des Gieß. Anz.)
afrika auch nur verglichen, geschweige deirn als noch! verwerflicher bezeichnet werden. Die Deutschen haben 1870 Gefangene erschossen oder gehängt, die sich in Zivilkleidung oder mit sonst deutlick) erkennbarer Avsicht, über ihre Per- on .zu täuschen, am Kampfe beteiligten; sie haben auch Häuser und Dörfer zerstört, deren Bewohner in größerem Maße solche Verbrechen gegen das allgemein anerkannte Kriegsrecht begangen hatten; das alles aber hält sich streng int Rahmen des unzweifelhaft Erlaubten, ja Gebotenen. Es sind auck) gewiß, wie in allen erbitterten Kriegen, Miß- griste und Ausschreitungen einzelner vorgekommcn; ruhig urteilende Franzosen geben übrigens zu, daß solche Fälle relativ sehr selten waren. Demgegenüber betrachte man das Verhalten, das Englands Offiziere und Krieger in Südafrika seit Jahr und Tag systematisch und auf Befehl der Heeresleitung beobachten; die Zerstörung aller Häuser und Verwüstung allen Bodens, deren Besitzer als reguläre Soldaten im Felde stehen, die gewaltsame Fortführung der Frauen und Kinder in „Konzentrationslager", in denen Hunger und Seuchen täglich furchtbare Opfer fordern, die lebenslängliche Verbannung gefangener feindlicher Offiziere, die Erschießung von „Verdäd)tigcn" auf Gruüd höchst zweifelhaften Beweismaterials, die Loslassung der Eingeborenen gegen die Buren und anderes mehr. Hiergegen das Berühren der deutschen Heere von 1870 als womöglich noch grausamer ausspielen zu wollen, dazu gehört eine — Kühnheit, die dem Minister eines uns angeblich befreundeten Staates sehr schlecht ansteht. Zur Kennzeichnung seines Charakters und seiner Umgangsformen ist sie allerdings ein schätzenswerter Beitrag.
Herabsetzung der Zahl der irischen Parlamentsmitglieder und noch „strengere Maßregeln" in Südafrika — darin besteht, nach Chamberlain, die ganze Regierungsweisheit gegenüber der wachsenden Ungunst der Lage in Südafrika ! Was für Maßregeln können denn das noch fein? Mau verwüstet doch jetzt schon das Land, man mordet die Frauen und die Kinder, man hängt oder erschießt die ge- angenen Burenführer und führt die anderen Kämpfer in lebenslängliche Gefangenschaft ab. WaS will man denn noch Strengeres ersinnen! Will man die Gefangenen vielleicht rösten? Die Rede Chamberlauts ist nichts anderes als ein Eingeständnis der völligen Ohnmacht Englands. An die Phrase von den weiteren Opfern, die vom Lande verlangt werden sollen, glaubt in England selbst niemand mehr. Es giebt nichts mehr zu opfern, denn die erwünschten Opfer, die afrikalustigen Streiter, wollen sich nicht ein- tellen. Die angekündigten weiteren Grausamkeiten aber werden nur dazu dienen, auch die jetzt noch ruhigen Elemente in der Kapkolonie sämtlich in die Reihen der Buren zu treiben.
Was man übrigens in England selbst von der jüngsten rednerischen Leistung des Kolonialministers hält, zeigt sich, daß der edle Lord sogar von den Regierungs-Organen „Times" und „Standard" zurechtgewiesen wird. Das liberale Organ „Daily News" erklärt, es sei jetzt zweifellos, )aß Chamberlain allein den Krieg verlängere. Diese Wahrheit klar zu machen, sei Pflicht der liberalen Partei.
Politische Tagesschau.
Ter russische Finauzminister.
Ein gelegentlicher Mitarbeiter schreibt uns aus Petersburg:
In hiesigen politischen Kreisen ist man seit längerem der Ueberzeugung, daß die Sonne der Hofgunst dem viel- gewandten Leiter des Finanzwesens, Serg. Jul. Witte, nicht mehr mit dem früheren Glanze leuchtet. Die Lage der Staatsfinanzen hat sich in den letzten zwei Jahren in der That sehr erheblich verschlechtert. Ter Geldbedarf Rußlands erfuhr eine außerordentliche Steigerung durch die Chinakampagne, in die das Zarenreich ja mit weitergreifenden Absichten hineingegangen ist, als die anderen Mächte. Die Beschlagnahme der Mandschurei — darauf richtete sich die Chinapolitik des Petersburger Kabinetts — durch diplomatische Schachzüge war ziemlich wohlfeil; aber thatsächlich dort Fuß zu'fassen, sich häuslich einzurichten — durch Unterhaltung russischer Garnisonen, Bau von Eisenbahnen, Ansiedelung russischer Kolonisten: das er- ordert Geld und immer wieder Geld. Auf dem Papier, n den fein säuberlich gebundenen Budgetberichten, die der Minister Witte alljährlich am Neujahrstage dem Zaren zu überreichen pflegt, ist dieses Geld vorhanden. In Wirklichkeit aber nicht. Die'Steuererträge bleiben weit hinter dem Voranschlag zurück. Anstatt Abgaben zu entrichten, wartet die durch Mißernten und Teuerung verarmte Bevölkerung ganzer Gouvernements aus Staatshilfe. Die verzweifelnden Bauern vertrinken ihre letzten Kopeken in den Branntweinschänken, und in dem Budgetbericht des Finanzministers paradieren dann die stolzen Zahlen der Mehreinnahmen aus dem Branntweinmonopol. Gelegentlich hat der Zar aber wohl doch von dem wirklichen Stand der Dinge Kenntnis erhalten, worauf dann an Herrn Witte unverzüglich .die Anweisung ergangen sein mag, eine Aenderung herbeizuführen, die sich anders als durch Anleihe nicht bewerkstelligen läßt.
Es ist kürzlich offiziös nicht in Abrede gestellt worden, daß die Reise des Zaren nach Frankreich mit Finanzprojekten zusammenhing, und die Pariser amtliche Presse beeilte sich, dieses Dementi zu bekräftigen. Gewiß, es mag dem Zaren wie der französischen Regierung unangenehm sein, die politische Besuchsreise hartnäckig im materiellen Sinne gedeutet zu sehen. Doch man geht vielleicht nicht fehl in der Annahme, daß hinter den Kulissen noch anderes gespielt hat, daß beispielsweise Minister Delcasse Herrn Witte verständigte, nach seiner — Delcasses — Beurteilung der Situation werde kein goldener Quell dem französischen Felsen entsprangen, wenn ihn Witte in naher Zeit mit seinem Stabe berühren würde. Man weiß, daß der Verlauf des Zarenbesuches in Frankreich enttäuscht hat, besonders die „feinnervige" haute finance. Zudem steht es um Frankreichs eigenes Budget nichts weniger als gut, ein beträchtliches Defizit heischt Deckung.
All das hat freilich Herr'Witte nicht verschuldet, aber er ist dadurch überrascht worden, und das steht einem Staatsmanne nicht wohl an. Rußlands Finanzminister berücksichtigte bei seinen Konferenzen mit Delcasse im Mai dieses Jahres offenbar die Möglichkeit nicht genügend, daß die Fähigkeit oder auch die Neigung oes französischen Geldmarktes, russische Renten aufzunehmen, vorzeitig, das heißt, ehe die volle Milliarde der jüngsten Transaktion begeben ist, versagt. Nun steht Minister Witte vor der verdrießlichen Thatsache des teilweisen Fehlschlagens seines Anleiheprojekts, und der Verdruß erstreckt sich auch aus den Hof, die Spannung zwischen Herrscher und Minister naturgemäß vertiefend. Ob Herrn Witte's Stern wieder emporsteigen wird, wenn der von ihm geplante Appell an den amerikanischen Geldmarkt Erfolg hat, bleibt toarten. .
Aus Stadt und Kauö.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen.' und werden angemessen honoriert.
Gießen, 28. Oktober 1901.
LU. Von der Landesuniverfität. Der Privatdozent der Ohrenheilkunde Dr. E. Leutert in Königsberg hat den an ihn ergangenen Ruf als außerord. Professor und Direktor der Ohrenklinik nach hier angenommen und wird seine Thätigkeit dabier im Lauf der nächsten Monate aufnehmen.
** Semester-Anfang. Die Hallen unserer alma mater, die so lange verödet dalagen, beleben sich allmählich wieder; auf den langen Korridoren hallt wieder der Schritt der Studenten, vor dem „Schwarzen Brett" drängen sich wieder die Musensöhne. Das Semester hat begonnen! Freilich bis ; um eigentlichen Beginn der Vorlesungen vergehen noch ein paar Tage. Das wissen auch die älteren Semester ganz genau und pflegen noch im Schooße ihres Heimathauses der wohlverdienten Ruhe nach den Anstrengungen des Sommer- semesters. So sieht man denn in diesen Tagen hauptsächlich die jüngeren Semester im Universitätsgebäude, auf der Straße und in den Lokalen. Eifrig studieren sie in dem mit alter Regelmäßigkeit erschienenen Universitäts-Taschenbuch der Frees'scheu Hof- und Universitätsbuchhandlung die Vorlesungsankündigungen der Professoren und im Gießener Anzeiger die zahlreichen Anpreisungen von freundlich möblierten Zimmern rc. Daneben erblickt man auch Vertreter der ver- chiedenen Verbindungen mit ihren schmucken bunten Mutzen und ihren Dreifarbenbändern. Diese Vertreter haben vor dem Beginn der Vorlesungen den heimischen Penaten Valet gesagt, um unter dem neuen Nachwuchs der akademischen Bürger Umschau zu halten, wen sie davon für ihre Verbindungen gewinnen können. Sie wollen „Füchse kecken". — Seit einem Jahre hat sich das Bild in unserer Universität insofern geändert und in gewissem Sinne belebt, als einige weibliche Studenten sich unter die männlichen Kommilitonen auf den Korridoren mischen. Sie werden heute nicht mehr, wie das wohl am Anfang geschah, von ihren männlichen Studiengenossen mck gar so neugierigen und herausfordernden Blicken betrachtet. Flirt und Tändelei verbieten sich wie von selbst in dem ernsten und ehrwürdigen Raume der alma mater. Aber auch außerhalb der eigentlichen Stadt, im Südviertel, dem Quartier medicin Gießens, macht sich der Semesteranfang bemerkbar. Die Zahl der weißen Plakate mck der bekannten Inschrift: „Hier ist ein möbliertes Zimmer zu vermieten!" hat sich verdoppelt und verdreifacht. Es giebt so manche Wirtin, die es für unter ihrer Würde hält, an einen anderen, als einen filius almae matris zu vermieten. Lieber läßt sie während der studentischen Ferien die „Bude" leer stehen.
** Das Negierun gsblatt veröffentlicht, wie wir mitteilten, in Nr. 65 eine Bekanntmachung, die Ausführung des Gewerbegerichtsgesetzes in der vom 1. Januar 1902 ab geltenden Fassung betreffend. Danach sind als „Weitere Kommunalverbände" die Kreise und Provinzen anzusehen. Zur Beschlußfassung über die Statuten der zu errichtenden Gewerbegerichte sind zuständig: 1) in den Stadtgemeinden die Stadtverordnetenversammlung, 2) in den Landgemeinden der Gemeinderat, 3) in den Kreisen der Kreistag, 4) in den Provinzen der Provinzialtag. Die der „höheren Verwaltungsbehörde übertragene Entscheidung über die Genehmigung des Statuts zur Errichtung eines Gewerbegerichts steht dem Ministerium des Innern zu. Im übrigen gelten als „höhere Verwaltungsbehörden" im Sinne des Gesetzes: 1) die Kreisausschüsse, insofern es sich handelt um Ent-» scheidung über Beschwerden gegen die Rechtsgiltigleit von Wahlen zu Gewerbegerichten und um Enthebung von Mitgliedern der Gewerbegerichte vom Amt, sofern die Gerichte von einer oder mehreren Gemeinden oder einem Kreis errichtet sind; 2) die Provinzialausschüsse in den unter Ziffer 1 vorstehend erwähnten Fällen, wenn das Gewerbegericht von einer Provinz errichtet ist; 3) die Kreisämter in Bezug auf die Bestätigung der Wahl der Vorsitzenden und deren Stellvertreter, die Anordnung zur Vornahme von Wahlen nach Maßgabe des § 18 Lit. a, die Ernennung von Mitgliedern der Gewerbegerichte im Falle des § 18. Lit. b, die Zuständigkeit zu dem Antrag auf Amtsentsetzung von Mitgliedern der Gewerbegerichte, die Bestellung desjenigen Beamten, der den Vorsitzenden und dessen Stellvertreter eidlich zu verpflichten hat, wenn das Gewerbegericht von einer oder mehreren Gemeinden oder einem: Kreis errichtet ist; 4) das Ministerium des Innern in den unter Ziffer 3 erwähnten Fällen, wenn das Gewerbegericht von einer Provinz errichtet ist; 5) die Kreisämter in Fällen des § 79. Unter „Ortsbehörden" im Sinne des § 7 Absatz 2, sowie unter „Gemeindevertretung" sind Stadtverordnetenversammlung oder Gemeinderat, unter „Vertretung der weiteren Kommunal- verbände sind die Kreis- und Provinzialausschüsse zu verstehen. Als „Gemeindebehörden" kommen die Bürgermeistereien, als „Polizeibehörden" sowie als „Ortspolizeibehörde" kommen die Bürgermeistereien oder die an deren Stelle besonders eingerichteten staatlichen PolizeiverwalL ungen in Betracht. — Die Wahl des Vorsitzenden des Gewerbegerichts und dessen Stellvertreters erfolgt für Gewerbegerichte, die von Gemeinden errichtet sind, durch, die Stadtverordnetenversammlung, beziehungsweise dem Gemeinderat, sofern das Statut nichts anderes hierüber bestimmt. Ist das Gewerbegericht von einem Kreis ober der Provinz errichtet, so steht die Wahl dem Kreis-, beziehungsweise Provinzialausschuß zu. — Gegen die Entscheidungen der Kreisausschüsse kann Beschwerde an den Provinzialausschuß und weitere Beschwerde an das Ministerium des Innern verfolgt werden. Beschwerden gegen Entscheidungen der Provinzialausschüsse werden von dem Ministerium des Innern endgiltig entschieden.
** „Die Hoffnung", das vieraktige Seestück Heyermans', ist nun auch vom Frankfurter Schauspielhause zur Aufführung angenommen morden. Die hiesige Aufführung' im Theaterverein erfolgt bekanntlich schon an diesem Donnerstag den 31. d. M. Seit einigen Tagen hat die Frees'sche Hofbuchhandlung Bilder der Darstellerin der Frau' Kniertje, der Frau Teller-Habelmann aus Cöln ausgestellt.
** Gelinder Winter. Herr Falb hat bekanntlich einen Konkurrenten in einem in Gotha ansässigen Wetterpropheten. Dieser sagt einen gelinden Winter voraus, den wir bei den teueren Kohlenpreisen rc. allerdings brauchen' könnten.
**■ Eislauf. Ter Vorstand des Elsverems hat bereits die Eisbahn Herrichten und die nötigen Vorkehrungen zur Inbetriebsetzung treffen lassen. Dienstag den 29« NM»!
der im Be


