Ausgabe 
29.9.1901 Zweites Blatt
 
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«mrcnuvns tut Mn'ern des Burgplatzes nahm die Kom­pagnie Aufstellung mit der Front gegen die Reichskanzlei, den Gemächern des Kaisers gegenüber. Major von Förster kommandierte:Präsentiert das Gewehr!" worauf der Fahnenführer mit der Fahne vortrat, die Musik intonierte die Volkshymne uud unter den Mangen der Hymne wird die Fahne, neben welcher Major von Förster mit gesenktem Säbel schritt, in die Reichskanzlei geleitet, wo sie in dem­selben Saale untergebracht wird, wo der Säbel des Mar­schalls Grafen Radetzky sich befindet. Nach der Rückkehr Des Majors v. Förster ertönt ein neuer Kommandoruf, die Kompagnie marschiert gegen das Kaiser Franz-Denk­mal. Noch einmal wird präsentiert, die Musik intonierte wieder die Volkshymne. Aus dem mittleren Portal der Reichskanzlei tritt der Kaiser, begleitet von einem der Generaladjutanten. Braufenoe Hochrufe ertönen über den weiten Platz. Der Kaiser schritt die Front der Kompagnie üb, und kehrt in die Nähe des Kaiser Franz-Denkmals. Hier spricht er einige Minuten mit dem Major v. Förster. Die Kompagnie ordnet sich zur Defilierung vor dem Mo­narchen. Kolonnenformation erfolgt. Tie Musik spielt den Radetzkymarsch. Mit strammem Schritt marschieren die ein­zelnen Züge an dem Monarchen vorüber. Major v. Förster nahm hinter dem Kaiser Stellung. Tie Kompagnie ordnet sich! in Kolonnen zum Abmarsch und defiliert nochmals vor dem Kaiser. Unter den Klängen des Radetzkymarsches verläßt die Kompagnie die Burg. Erst als der letzte Zug vorüber ist, kehrt der Kaiser unter brausenden Hochrufen in seine Gemächer zurück. Flügeladjutant Tietrichshein begab sich um 1 Uhr in die Albrechtskaserne, um das deutsche Bataillon Namens des Kaisers zu begrüßen.

"Politische Tagesschau. '

Ein Umschwung.

Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 27. September:

Durch die Presse gehen Mitteilungen, wonach Graf Bülow bei seiner Anwesenheit in Berlin sich dahin aus­gesprochen haben soll, eine Revision des Zolltarifentwurfs in wesentlichen Punkten werde kaum zu umgehen sein. An sich ist es ja nicht unwahrscheinlich, daß der Reichskanzler den öffentlichen Kundgebungen in diesem Sinn Berechtigung zumißt. Aber man wird deshalb noch nicht als nahezu ge­wiß betrachten dürfen, daß der Doppeltarif für Getreide be­reits im Bundesrat beseitigt wird. Die Information stammt aus Berliner politischen Kreisen, die nahe Beziehungen zum Reichsamt des Innern unterhalten". Es wäre sonderbar, wenn gerade dies Reichsamt, dessen Chef, Graf Posadowsky, sich für den Doppeltarif am meisten ins Zeug gelegt hat, den Umschwung", also die eigene Niederlage, prophezeite. Die Berufung auf diese Quelle vermehrt erst recht die Zweifel an der Botschaft.

Lord Kitchener.

Man hat sich wohl schon häufig gefragt, ob Lord Kit­chener, der Oberstkommandirende der englischen Truppen in Südafrika, nicht endlich die ganzen Mißerfolge und halben Erfolge satt habe und nach einem Rücktrittsmotiv sich umsähe. Nach einer uns gestern telegraphierten Meldung derDaily News" stände jetzt Kitchener auf dem Punkte, seine Demission zu geben, und zwar wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Kriegsminister Bro dick. Kitchener habe das Ersuchen abgelehnt, eine von ihm, dem Höchstkommandierenden, ge­troffene Entscheidung wieder aufzuheben. Nichts könnte der Sache der Buren mehr nützen, als der Rücktritt Kitcheners. Für sie würde dieses Ereignis eine gewonnene Schlacht auf­wiegen ; die Aussichten auf eine gütliche Schlichtung des mör­derischen Streites könnten sich dadurch nur verbessern. Das Reutersche Bureau erfährt aber schon heute, daß die Meldung betreffend die angebliche Demission Kitchener^ vollständig un­begründet sei. Das war vorauszusehen, denn man weiß, daß Kitchener doch ein zu guter Patriot ist, um Meinungsver­schiedenheiten halber einen Posten im Stich zu laffen, auf dem er trotz des Mißgeschicks, das er in letzter Zeit gehabt hat, doch sehr schwer zu ersetzen sein würde. Schade. Den Buren wäre ein solcher Glücksfall zu gönnen gewesen, und am Ende dem Lord Kitchener auch, von dem Standpunkte aus, daß sein Ruhm als siegreicher Heerführer von Tag zu Tag mehr verblaßt.

"DeutschesReichs

Berlin, 27. Sept. Die Anwesenheit des Kaisers in dem russischen Grenzstädtchen Wyschtyten wird noch immer viel besprochen. Bekanntlich sind aus der Schatulle des Kaisers schon zu Anfang September 10,000 Mk. an die Abgebrannten zur Auszahlung gelangt. Auf ein Dank­schreiben des Komitees antwortete der Kaiser:Ich danke bestens für den freundlichen Segensgruß. Ich habe mich ge­freut, zur Linderung der dringendsten Not der vom Brand­unglück Betroffenen beitragen zu können, und hoffe, daß das Komitee durch reichliche Spenden barmherziger Menschenliebe in den Stand gesetzt werde, den in ihrer wirtschaftlichen Existenz schwer bedrohten Unglücklichen noch weiter Hilfe zu senden." Außer der Geldspende sorgt der Kaiser für die meist jüdischen Abgebrannten noch in anderer Weise, indem er täg­lich 500 Pfd. Brot und koscher geschlachtetes Fleisch durch deutsche Beamte auf dem Marktplatze in Wyschtyten ver­teilen läßt.

Der Staatssekretär des Reichs-Marineamts, Vize- Admiral v. Tirpitz, hat sich am 26. September abends nach Rominten zum Vortrage beim Kaiser begeben.

Prinzessin Friedlich August von Sachsen ist in Wachwitz von einer Prinzessi.n entbunden worden. Das prinzliche Paar ist seit 1891 verheiratet. Die Prin­zessin hat ihrem Gemahl, dem präsumtiven Erben der sächsi­schen Königskrone, jetzt das fünfte Kind geschenkt.

Den Zentrumsführern, die sich in Osnabrück hervor- gethan haben, ist nun der Dank aus Rom geworden. Der Papst hat dem Justizrat Trimborn in Köln die goldene Medaille verliehen und an den Amtsrichter Engel en in Osnabrück ein Handschreiben gerichtet.

DemLok.-Anz." zufolge ist der Vertrag mit dem Reichsmilitärsiskus über die Entfestigung der Südseite der Stadt Metz nach jahrelangen Verhandlungen nunmehr ge­nehmigt und damit die Aussicht auf eine neue Entwickelung der Stadt eröffnet worden. Mit der Niederlegung der Wälle soll im Interesse der Arbeiten sofort begonnen werden.

Wie von zuständiger Seite zu den Vorkommnissen auf derGazelle" mitgeteilt wird, ist eine strenge Unter­

suchung eingeleitet, über deren Verlauf bis auf Weiteres nichts mitgeteilt werden kann. Es soll jedoch nichts vertuscht werden, und eine strenge Ahndung Platz greifen. Die Ex­zedenten sind zum Teil Leute, die im letzten Jahr dienen und deren Enlasiung zur Reserve natürlich bis zum Schluß des Verfahrens aufgeschoben wird. Reservisten, die zu den Uebungen eingezogen waren, sind an der Affaire nicht be­teiligt.

DerEvang. Arbeiterbote", das Organ des Gesamt- verbandeS der evangelischen Arbeitervereine, meldet folgendes:

Wie wir soeben erfahren, hat der jetzt versammelt gewesene Ausschuß des Gesamtverbandes Vorkehrungen getroffen, oaß eine Agitationsreise Naumanns ins Ruhr-Revier nicht wieder vor­kommt, und daß sein Einfluß auf das ihm gebührende Maß be­schränkt wird. Die Wahlperiode Naumanns läuft zudem in einem halben Jahre ab.

Am 1. Oktober wird eine besondere Vermessung S- Kompagnie bei der Flotte gebildet werden.

Braunschweig, 27. Sept. Der Kongreß der deut­schen Rechtspartei hat in betreff der braunschweigi­schen Frage folgende Entschließung angenommen:

Die deutsche Rechtspartei erblickt in der vom Bundesrate verfügten Behinderung des rechten Erben an der Besitzergrei­fung des Thrones eine Versaguna des dem Herzogtum Braunschweig vom Reiche geschuldeten Rechtsschutzes und eine Maßnahme, die in ihrer Begründung mit der Machtherrlichkeit des Reiches in auf­fälligem Widerspruche steht. Die Rechtspartei bält die bald­möglichste Beseitigung dieses rechtswidrigen und befremdlichen Zustandes nicht nur für die Pflicht der verbündeten Fürsten und freien Städte, sondern auch für eine Lebensfrage chrer monarchischen Existenz und Selbständigkeit."

Die Entschließung soll sämtlichen deutschen Fürsten über­mittelt werden.

Stuttgart, 27.Sept. Der 1. württembergische Handels­kammertag nahm folgenden Antrag betreffs der Ver­einheitlichung des Eisenbahnwesens an:Der Handelskammertag erklärt die Vereinheitlichung des deutschen Eisenbahnwesens und den Anschluß der württembergischen Eisenbahn an die preußisch-hessische Eisenbahngemein- schast aus wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Gründen als vorteilhaft und dringend wünschenswert." Bei der Ab­stimmung über diesen Antrag stimmten 6 Handelskammern dafür und 2 dagegen.

Ausland.

Basel, 27. Sept. Heute konstituierte sich dieIn­terna tionale Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschu tz". Rechtsanwalt Scherrer aus St. Gallen, der auch zum Präsidenten der Vereinigung gewählt wurde, begrüßte die Anwesenden, und Regierungsrat Philippi ent­bot der Versammlung den Gruß der Regierung des Kantons Basel-Stadt. Ter Sekretär der Vereinigung, Tr. Stephan Weber sprach über die Aufgaben des Internationalen Ar­beitsamtes und entwickelte dessen Organisation und Ziele.

Newyork, 27. Sept. Czolgosz wurde gestern abends spät, an Händen gefesselt und von einer Polizeiwache be­gleitet, nach dem Staatsgefängnis in Auburn abgeführt. Als er heute, 3 Uhr morgens, in Auburn ankam, machte die Volksmenge einen Angriff auf die Polizeiwache und versuchte, Czolgosz zu lynchen. Es entstand ein hef­tiger Kampf. Tie Polizei zog Revolver und schlug mit Knütteln auf die Angreifer. Endlich gelang es der Polizei, Czolgosz in Sicherheit zu bringen; er ist j-»tzt im Gefängnis. Czolgosz zeigte große Feigheit und schrie vor Schrecken über das feindselige Vorgehen der Volksmenge. Auf dem Wege zum Gefängnis sagte Czolgosz den Polizisten, er bedaure sein Verbrechen und bemitleide Frau Mac Kinley.

Einer Depesche aus Willemstad (Curaca'o) zufolge, ist dort die Meldung eingetroffen, daß in einem Gefecht auf der Halbinsel Goajira 300 Venozelaner mit vier Ge­schützen gefangen genommen, 600 getötet oder verwundet seien, bezw. vermißt würden. Unter den Verwundeten soll sich ein Bruder des Präsidenten Castro befinden.

Aus Stadt und Iand.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.) Gieß en, den 28. September 1901.

Postkarten mit aufgellebten Briefchen. Die Karten mit aufgeklebten Briefchen sollen, wie das Amtsblatt des Reichs­postamts mitteilt, von jetzt ab versuchsweise zur Ver­sendung gegen die Brieftaxe zugelassen werden, sofern die kleinen Umschläge der ganzen Fläche nach auf den Karten aufgeklebt sind. Nach der Postkartentaxe frankierte derartige Karten sind als unzureichend frankierte Briefe zu behandeln.

* * Konzert. Am morgigen Soyntag findet in der Süd­anlage wieder die übliche von unserer Regimentskapelle ver­anstaltete Promenadenmusik statt. Das Programm besteht aus folgenden Stücken: Ouvertüre z. Op.Die Felsenmühle" von Reißiger. Volksszene a. d. Op.Der Evangelimann" von Kienzl. Venus steig hernieder, Walzer von Lincke. Hochzeitsmarsch a. d. Sommernachtstraum von Mendelssohn.

* Zn der nächsten Schwurgerichtsperiode kommen folgende Sachen zur Verhandlung: Es wird verhandelt am Montag den 30. September, vormittags O1/^ Uhr, gegen Emma Erb aus Flensungen wegen Kindesmords. Vertreter der Staats­anwaltschaft ist GerichtsassessorDr. Hetzel. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt W eidig. Am Dienstag den 1. Oktober, vormittags 9 Uhr, gegen Marie Schneider, Just. Heinrich Biermann und dessen Ehefiau, sämtlich aus Gießen, wegen Meineids und Anstiftung hierzu. Vertreter der Staatsanwalt­schaft ist Staatsanwalt Reuß. Die Verteidigung führen Rechtsanwalt Mendelsohn, Römheld und Grünewald. Am Mittwoch den 2. Oktober, vormittags 8 Uhr, gegen August Gollhofer aus Kreuzbergerhof bei Trier wegen Notzucht. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Ober-Staats­anwalt Dr. Güngerich. Die Verteidigung führt Rechts­anwalt H o o s. Am Donnerstag den 3. Oktober, vor­mittags 9 Uhr, gegen Ludwig Böckner aus Maulbach wegen Meineids. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Ge­richtsassessor Dr. Hetzel. Die Verteidigung führt Rechts­anwalt Römheld. Am Freitag den 4. Oktober, vor­mittags 9 Uhr, gegen Johann Debus aus Damm wegen Brandstiftung. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Staats­anwalt Reuß. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Leun. Am SamStag den 5. Oktober, vormittags 9 Uhr, gegen Emilie Kirsch mann aus Ranstadt wegen Kindesmordes. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Staatsanwalt Reuß. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Arnold. Am Mon­tag den 7. Oktober, vormittags 9 Uhr, gegen Konr. Chr.

Emil Storch aus Schotten wegen Meineids und SittllchkeÜS? verbrechens. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Staats' anwalt Zimmermann. Die Verteidigung führt Rechts^ anwalt Grünewald. Am Dienstag den 8. Oktober vormittags 9 Uhr, gegen Friedrich Kaut II., aus Lauterbach wegen Meineids. Vertteter der Staatsanwaltschaft ist Ge- richtsasseffor Dr. Hetzel. Die Verteidigung führt Rechts anwalt Engi sch. Am Mittwoch den 9. Oktober, vor­mittags 9 Uhr, gegen Friedr. Wilh. H e b e r e r aus Homberg a. d. Ohm wegen Verbrechens im Amt. Vertreter der Staats­anwaltschaft ist Dr. Hetzel. Die Verteidigung führt Rechts­anwalt Raab. Am Mittwoch den 9. Oktober, vormittags 11 Uhr, gegen Hermann Stahl aus Halle a. Saale wegen Notzuchtsversuchs. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Staats­anwalt Reuß. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Spohr. Am Donnerstag den 10. Oktober, vor­mittags 9 Uhr, gegen I. K. Re u s ch aus Langgöns wegen Not- zuchtsversuchs. Vertteter der Staatsanwaltschaft ist Oberstaats­anwalt Dr. Güngerich. Verteidiger Rechtsanwalt Grünewald. Am Donnerstag, 10. Okt., vorm. 11 Uhr, gegen Konrad Büttner aus Höckersdorf wegen Sittlichkeitsverbrechens. Der Vertteter der Staatsanwaltschaft ist Ober-Staatsanwalt Dr. Güngerich. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Rosen­berg. Am Donnerstag, 10. Okt., nachm., gegen Balduin Traub aus Herbstein wegen Sittlichkeitsverbrcchens. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Ober-Staatsanwalt Dr. Güngerich. Der Verteidiger ist noch unbekannt. Am Freitag den 11. und Samstag den 12. Oktober, jedes­mal vormittags 9 Uhr, gegen Witwe Lisette Schneider und Aygust Schneider, beide aus Stammheim, wegen Mordes. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Staatsanwalt Zimmermann. Die Verteidigung führt Rechtsanwall Raab.

P. Die Verbesserungen der Turnhalle an der Nordanlage gehen ihrer Vollendung in einigen Tagen entgegen. Der Turnverein hat seine Absicht, die vorderen Räume des Hauses zu unterkellern und int Erdgeschoß eine Restaurationsküche anzulegen, weaen der damit ver­bundenen großen Kosten nicht zur Ausführung gebracht. Tie elektrische Beleuchtung und Die Anlage der Bedürfnis­anstalten jedoch ist ausgeführt. Meister Euler hat die große Halle zwar einfach, aber vornehm neu gemalt. Die Holzarchitekturteile des weiten Raumes sind in Reseda­farbe gehalten und die Wandflächen weiß mit grünen Um­randungen gestrichen. Tie Decke ist ebenfals in lichten Farben hergestellt, so daß das Ganze den Eindruck eine­vornehmen Gesellschaftssaales macht. Sehr praktisch ist eine neu hergestellte Verbesserung der Verbindung zwischen dem Garderoberaum und der Halle, indem statt der früheren engen Thür eine die ganze Breite des Vorraums ein- nehmende zusammenlegbare Flügelthür den Garderoben- taui:: mit dem Saal zu einem Raum verbinden läßt. Wir hören üorigens, daß der Konzert-Verein beschlossen ha.', Mitte Dezember in der Turnhalle ein Konzert zu veranstalten. Es soll das vom Universitäts-Musikdirektor Wolfrum in Heidelberg komponierte Weihnachts- Oratorium mit großem Orchester aufgeführt werden, das mit mimischen Darstellungen verbunden ist, welche sich auf der neuen Bühne des Turn-Vereins mit den Effek­ten des elektrischen Lichtes vorzüglich, und künstlerisch voll­endet bringen lassen werden.

* Der GesangvereinHarmoni e", bekanntes einer der ältesten Vereine unserer Stadt, feiert am 5. Ok­tober sein 55 jähriges Stiftungsfest im Festsaale des Cafe Leib, und mit einem Ausflug auf die Liebigshöhe am Sonntag den 6. Oktober. (Vgl. Inserat.)

Gesellenprüfung. Otto Adolph (nicht Adolf Otto) hat jüngst die Gesellenprüfung als Eisendreher mit Auszeich­nung bestanden.

** Ueberfahren. Gestern abend wurde am Riegel­pfad ein Kind von einem Radfahrer überfahren. Tas Kind spielte m/. mehreren andern dort und wollte von der einen auf die andere Seite der Straße laufen, als gerade der Radfahrer daherkam. So lief es ihm direkt vor das Rad. Anscheinend hat es keine großen Verletzungen davon- getragen.

u. Lauggons, 28. Sept. Der Verkauf des Frankfurter HofeS, der zwischen Kath. Mohr und I. Metzger in Butzbach bereits abgeschlossen war, ist wieder zurückgegangen.

? Langgöns, 27. Sept. Nächsten Mittwoch den 2. Ok­tober findet hier Gemeinderatswahl statt. Es sind vier Kan­didaten aufgestellt worden. Bis jetzt hat sich noch keine sonderliche Auftegung aus Anlaß der Wahlen bemerkbar ge­macht.

? Gambach, 26. Sept. Es dürste nicht viele Orte geben, die ein Gsmeinderatsmitglied aufiveisen können, das schon so lange für das Wohl der Gemeinde thätig ist, wie unser Ort. Es ist Gastwirt Müll von hier, der demnächst sein 50 jährigeS Jubiläum als Gemeinderat feiern kann.

Lollar, 27. Sept. Bei der heute stattgehabten Ge­meinderatswahl wurden die ausscheidenden Mitglieder H. Riehm II. und H. Schön wiedergewählt und Philips Schmidt. V., sowie Heinr. Rohrbach VI. neugewählt.

(ff) Lich, 27. Sept. Bei der heutigen Gemeinde­ratswahl wurden Joh. Heinr. Jhring, Brauereibesitzer, mit 196, Hermann Heller mit 167, Philipp Zimmermann mit 143 und Konrad Zimmer mit 125 Stimmen gewählt. Es wurden 246 Stimmen abgegeben.

Büdingen, 27. Soptbr. Die Firma Siemens in Berlin, die vor einiger Zeit die hiesige Glasfabrik übernommen hat, hat auch die Braunkohlen-ZecheHedwig" von der Mittel- deutschen Kreditbank käuflich erworben.

)!) Friedberg- 28. Sept. (Telephon-Meldung des Gieß. Anz.") Ein schrecklicher Unglücksfall er­eignete sich gestern auf der Eisen-und Manganerz- Gewerkschaft in Oberros bb ach. In einen unter Wasser stehenden Schacht wurde ein Taucher hinabgelassen, um die Sachlage festzustellen. Als er sich außergewöhnlich lange in der Tiefe aufhielt, ohne ein Zeichen zu geben, daß er wieder an das Tageslicht befördert werden wolle, versuchte man ihn in die Höhe zu ziehen. Als man eine Zeit lang gezogen hatte, gewahrte man zum größten Schrecken, daß das Seil gerissen war; denn man brachte nur einen Teil davon und ebenso nur einen Teil des Luft- schlauches an die Oberfläche. Der Unglückliche hat rn Der Tiefe ein schreckliches Ende gefunden. Es wurden sofort Versuche zur Bergung der Leiche unternimm men, die aber bis jetzt noch keinen Erfolg hatten.

e. Bad-Nauheim, 27. Hept- Ter hiesige große Teich, in dem sich erst vor 14 Tagen, wie wir damals ausführlich gerichteten« £iu LiMeMärche^ aus VadeLE-