Ausgabe 
29.6.1901 Erstes Blatt
 
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berg i. S. eine Arbeitszeit von 11 Stunden mit 2-4J Über­stunden, von Kvsel eine Arbeitszeit von 11 einhalb mit gleichen Ueberstunden, von Antoittenhütte Arbeitszeit von 1214 Stunden mit 45 Stunden Ueberarbeit berichtet. Tie Statistik sagt zwar, das seien nicht die regelmäßigen Zeiten, aber auch in ihrer Unregelmäßigkeit beweisen sie, daß der Arbeitsprozeß allerort mangelhaft organisiert ist. Taß niedrige Löhne damit Hand in Hand gehen, ist nicht eben verwunderlich. Es ist längst bekannt, daß Lohn und Arbeitszeit bei guten Organisationen in umgekehrtem Ver­hältnis stehen, das heißt, daß die besteingerichteten Betriebe kurze Arbeitszeit und hohen Lohn vereinen. Wenn die Statistik bezüglich der Arbeitszeit von Frauen und Jugend­lichen, die gesetzlich auf elf Stunden festgelegt ist, hinzu­fügt, die-Behörden drückten manchmal sogar beide Augen zu, so ist das, wenn es zutrifst, umsomehr zu bedauern, als auch die Behörden nachgerade wissen könnten, daß die Höhe der Arbeitsleistung nicht von ihrer Zeitdauer ab­hängt. Aber es wird sich wohl zumeist um landwirt- schastttche, industrielle und handwerksmäßige Betriebe han­deln, die nicht unter das Scyutzgesetz fallen.

Automobil und Publikum.

Man schreibt uns:

Tie Automobilfahrten ParisBerlin halten alle Welt in Spannung. Es sind nia,t nur die zum Teil vornehmen Gesellschaftskreisen angehörenden Personen, die sich dem pfeilgeschwinden Gefährt anvertrauen, an dem Ausgang dieses Wettstreites interessiert, nicht nur dieKraftwagen"- Fabrikanten, darunter die Inhaber deutscher Firmen ersten Ranges, sondern auch die Militärverwaltungen aller Länder verfolgen mit höchstem Eifer diese starke Probe auf die Leistungsfähigkeit der Automobile. Zweifellos werden diese Wagen noch' eine große Rolle in den Zukunftskriegen zu spielen haben, und es ist wohl mehr noch dieser mili­tärische Gesichtspunkt, als der Sport, der aurfl den deutschen Kaiser veranlaßt, der Erfindung seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Mer es wird noch von einer anderen Seite der Entwickelung des Automobilismus eine wachsende Beachtung gewidmet: von den Juristen. Diese Beachtung ist zwar den kühnen Besitzern und Lenkern der Automobile minder angenehm und erwünscht; sie liegt aber im Interesse des Publikums.

Es handelt sich um den Schaden, den die Tahinsausen­den anrichten können, durch Verletzung oder gar Tötung von Menschen und durch Vernichtung von Sachen. Nun hört man zwar ziemlich häufig, daß irgendwo ein Automo­bilfahrer selbst zu Schaden gekommen ist, seltener aber davon, daß durch solche Fahrer Unglück oder Sachbeschädig­ung in größerem Umfange angerichtet wurde. Tas letztere muß fast als ein Wunder angesehen werden, wenn man die ungeheure Geschwindigkeit von über 100 Kilometern bedenkt, die von den Automobilfahrern keineswegs als etwas Außerordentliches, sondern als Norm auf guten Straßen betrachtet wird. Taß verhältnismäßig wenig Un­fälle passieren, ist wohl darauf zurückzuführen, daß in der Regel das Automobilfahren von besonders geübten Personen betrieben wird, die zugleich, über die nötige Kalt­blütigkeit verfügen, um im Augenblick ein sich darbietendes Hindernis-übersehen und rasch ihren Entschluß fassen zu können. Es ist gegenwärtig gewissermaßen eineElite" von Automobilfahrern unterwegs auf den Straßen. Aber das Automobil wird, ähnlich, wie dies mit den Zweirädern der Fall ist, nach und nach aus einem Luxusgefährt durch Verbilligung ein Verkehrsmittel weiter Kreise werden. In nicht gar so ferner Zeit werden die Straßen innerhalb und außerhalb der Städte und Ortschaften noch weit mehr von Automobilen belebt sein, als jetzt von den Zweirädern. Tie Zweiräder sind bei weitem nicht sv gefahrdräuend für das Publikum, denn einmal hat bei ihnen die Ge­schwindigkeit eine gewisse Mrenze, außerdem sind sie leichter zu dirigieren und nicht den Tücken unterworfen, diel eine durch Tampf, Elektrizität usw. betriebene Maschine zuweilen, und gewöhnlich! im allerungeeignetsten Augen­blick, entfaltet. Nach den Betrachtungen, die ein fran­zösischer Automobilfahrer in Teutschland gemacht hat, ist dort das Schnellfahren gefährlich, weil die Kinderwie die Fliegen umherschwärmen". Jeder Fahrer weiß in der That aus Erfahrung, daß selbst auf scheinbar ganz ver­ödeten Landstraßen, weit und breit keine menschliche Be­hausung, plötzlich die lieblichen Kleinen auftauchen und mit dem denkbar größten Ungeschick dem Fahrer just in den Weg laufen. Tiefe Bevorzugung der Straßen als Tummel­plätze und der Kinderreichtum Teutschlands müssen schon alsberechtigte Eigentümlichkeiten" respektiert werden. Ein allzu schnelles Fahren ist also in der Regel zu vermeiden. Erwachsene Personen, über deren Feindseligkeit den Auto­mobilen gegenüber man Klage führt, werden mit der Zeit sich! auch an dieses Verkehrsmittel gewöhnen.

Die Juristen nun wollen Ordnung in diesen wichtigen Verkehr bringen. Sv ist auf die Tagesordnung des nächsten Deutschen Juristentages, der in Berlin stattfindet, die zeit­gemäße Frage zur Diskussion gestellt:Die Haftpflicht bei Benutzung von Automobilen". Bei dem internationalen Charakter des Automobilismus ließe sich vielleicht daran denken, gewisse leitende Grundsätze in BeZug auf die Fahr- vrdnung wie auf die Haftpflicht zum Gegenstand einer internationalen Uebereinkunft zu mach.en. Auch darauf wird Bedacht zu nehmen sein, daß zweifellos unzweck­mäßig gebaute und schon durch die Art ihrer Konstruktion gefährliche für den Fahrer wie das Publikum Auto­mobile dem Verkehr entzogen werden können. Nach, einer Pariser Meldung sieht man unter den Automobilen, die an der eigentlichen Wettfahrt am Donnerstag teilnehmen, die unglaublichsten und abenteuerlichsten Typen". Tas ist nicht gerade vertrauenerweckend.

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Leipzig, 27. Juni. Von einer vieltausendköpfigen Menge lebhaft empfangen und von den Mitgliedern des Cmpfangsausschusses begrüßt, liefen die Teilnehmer deri Automobilfernfahrt im Vorort Schönau ein, wo Tribünen errichtet waren und eine Militärkapelle konzertierte. Ob­wohl der erste Wagen frühestens 11 einviertel Uhr erwartet wurde, traf Katzenstein 10 Uhr 47 einhalb Minuten ein; er legte die Strecke in 3 Stunden 46 Min. zurück. Ihm folgte als zweiter Roussy 10 Uhr 54 Min., als dritter De- backer 11 Uhr 11 einhalb Minuten, als vierter Reymond- Woog 11 Uhr 24 Min., als fünfter Plattier 11 Uhr 32 Min., als sechster folgte Keser 11 Uhr 42 Min. Die anderen folgten in kurzen Pausen. Ueber Unglücksfälle ist nichts bekannt geworden. Die ankommenden Fahrzeuge wurden mit den

Insassen photographiert. Mends ist Kommers im Kry- tallpalast. Ueberall wurden die Fahrer freudig begrüßt.

Paris, 27. Juni. Automobil-Rennen Paris- Berlin. Beim Startplatz hatte sich heute von einhalb 4 Uhr ab eine große Menge von Zuschauern eingefunden, wodurch die Abfahrt ein wenig behindert war. Zahlreiche Automobilisten waren mit ihren Wagen erschienen und bildeten längs der Straße bis Fontenay förmlich Spalier. Bis 7 Uhr morgens waren 103 Wagen abgegangen, dar­unter 42 schwere, 41 leichte, 13 kleine Wagen, 4 Motor­dreiräder und 3 Mvtorzweiräder. Davon sind deutschen Ursprungs 5 schwere und 4 leichte Wagen und 2 Motor­fahrräder. Dem Zuge schloß sich der Wagen des Grafen Chasseloup mit einem Arzt und Mechanikern zur even­tuellen Hilfeleistung an. Tie Menge begrüßte insbesondere die durch frühere Siege bekannten französischen Wettfabrer mit lauten Zurufen. Der Berliner Vogel Fonnt-e an dem Rennen nicht teilnehmen, weil ihm sein bereits ange­meldeter Eondor-Wagen heute nacht gestohlen wurde.

Aachen, 27. Juni. Automobil-Wettfahrt Paris-Berlin. Wagen Nr. 4 (Fournier) kam als erster durch das hiesige Ziel um 1 Uhr 2 Min. 27 Sek. (deutsche Zeit), als zweiter Nr. 7 (de Knyff (Panhards um 1 Uhr 14 Min. 29 Sek., als dritter Nr. 6 (Giradot) (Panhards um 1 Uhr 40 Min. 22 Sek., als vierter 19 (Voigt) sPanhards um 1 Uhr 43 Min. 39 Sek., als fünfter Nr. 12 Farman Panhards um 1 Uhr 49 Min. 19 Sek., als sechster Nr. 5 Charron sPanhardj um 1 Uhr 54 Min. 39 Sek., als siebenter Nr. 17 Comte de Perigord (Panhards um 1 Uhr 54 Min. 56 Sek., als achter Nr. 15 Georges Leys fPanhards um 2 Uhr 8 Min., als neunter Nr. 9 Pinson sPanhardj um 2 Uhr 17 Min. 49 Sek., als zehnter Nr. 13 Jarrott fMotocycles 2 Uhr 13 Min. 14 Sek., als elfter Nr. 21 de Crawhez sPauhardf 2 Uhr 34 Min. 54 Sek., als zwölfter Nr. 16 Andree Axt . (Panhardj 2 Uhr 34 Min. 54 Sek., als drei­zehnter Nr. 33 C. Rolls sMorsj 2 Uhr 38 Min. 26 Sek., als vierzehnter Nr. 2 Gilles Bourgieres fMoress 2 Uhr 39 Min. 34 Sek., als fünfzehnter Nr. 1 Giraud (Panhards 2 Uhr 45 Min. 4 Sek., als sechszehnter Nr. 40 Mercedes (Mercedes) 2 Uhr 57 Min. Der letztgenannte Wagen passierte als erster Wagen deutschen Fabrikates um 2 Uhr 45 Min. unter den Klängen der Nationalhymne. Auf die Straße nach Mont- joie wogt eine ungeheure Menschenmenge. Alle Wagen werden mit großem Jubel begrüßt. Bis 5 Uhr nachm. waren offiziell folgende Fahrzeiten festgesetzt: Nr. 4 Four­nier 8 Stunden 28 Min., Nr. 7 de Knyff 8 St. 34 Min., Nr. 6 Girardot 9 St. 10 M., Nr. 19 Voigt 8 St. 41 M., Nr. 12 Farman 9 St. 11 M., Nr. 5 Charron 9 St. 24 M., Nr. 17 Comte de Perigord 9 St. 6 M., Nr. 15 Georges Leys 9 St. 14 M., Nr. 9 Pinfon 9 St. 33 M., Nr. 13 Jarrott 9 St. 28 M., Nr. 21 Crawhez 9 St. 23 M., Nr. 16 Andree Axt 9 St. 38 M., Nr. 33 C. Rolls 9 St. 32 M., Mr. 2 Gilles Hourgieres 10 St., Nr. 1 Giraud 10 St. 15 M., Nr. 40 Mercedes 1. 9 St. 35 M. >

Aachen, 27. Juni. Im Laufe des Nachmittags traf General v. Kleist auf der Kontrolstation ein und stellte auf Wunsch des Komitees eine Anzahl Hornisten zum Signal­geben zur Verfügung. Unter den Änwesenden befanden ich u. a. Regierungspräsident Hartmann, sowie viele Offi­ziere der hiesigen Garnison und zahlreiche Honoratioren. Infolge des Gedränges wurde der 64jährige Wirt For- manns aus Aachen von der Kleinbahn überfahren und ofort getötet. In den Straßen und am Startplatz hat sich das Gewoge der Menschenmenge gegen Abend noch ver­mehrt.

Leipzig, 27. Juni. Touri st en-Automobil- - a h r t. Am Ziel in Schönau bei Leipzig hatten sich heute Hunderte von Zuschauern einaefunden. Es war dort eine Tribüne erbaut, die mit deutschen und französischen Fahnen geschmückt war. Tas Wetter war prächtig. Als erster traf ein Wagen Nr. 210 (Katzenstein), um 10.46 Uhr, als zweiter 226 (Roussy) um 10.53 Uhr, als dritter 246 (De- backer) 11.10 Uhr. Tann folgen 234 (Woog) um 11.18 Uhr, 216 (Plattier) um 11.31 Uhr. 222 (Tr. Keser) um 11.40 Uhr. 212 (d'Arenberg) 11.45. 227 (Boissaye) 11.46. 213 (F. Vernes) um 12.9 308 (Baron Klop stein) um 12.19.

Reims, 27. Juni. Tas Automobil 163 überfuhr ;eute vormittag in der Nähe von Reims ein lOjähriges rind. Tas Kind, dem das Rückgrad gebrochen wurde, starb bald darauf.

Vermischter.

* B remerhaven, 27. Juni. (Falscher Verdacht.) Musiksteward Magers, der unter dem Verdachte, den G o l d diebstahl an Bord desKaiser Wilhelm der Große", begangen zu haben, verhaftet worden war, wurde gestern abend aus der Haft entlassen. Der Verdacht gegen ihn erwies sich als unhaltbar.

* Die Touristen Max Stein, Beamter der städtischen Sparkasse München, und Eugen Denzl, Kaufmann in München, die am SamStag eine Tour nach der Benediktenwand machten, sind als Leichen aufgefundeu worden. Sie dürften jedenfalls schon beim Aufstiege verunglückt sein.

Gegen die Schleppe. Nach einer Bestimmung in der gegenwärtig zur Beratung stehenden neuen Posener Straßenpolizeiverordnung wird mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. bestraft,wer auf oder an der Straße Handlungen vornimmt, mit welchen eine lästige Stauberregung verbunden ist". DaS könnte sich allerdings ebenso gegen die Schleppe, wie gegen allzu eifrige Straßenfeger richten.

* Zweikampf. Wegen eines Wortwechsels in der Sitzung des Staatsgerichtshofs zu Paris kam es zu einem Pistolenduell zwischen den Senatoren Aucoin und Leprovost- Launay, das natürlich unblutig verlief.

# Die französische Duell-Wut und die Operetten hafte Ungefährlichkeit dieser Zweikämpfe wird durch folgendes Geschichtchen illustriert, das ein französisches Blatt erzählt. In den Duellprotokollen liest man bekanntlich höchstens von einem Stich an der äußeren Fläche des rechten Zeigesingers oder von einer ein Zehntel Millimeter tiefen Wunde am oberen Gliede des Daumens derVerwundete" stirbt aber nicht daran. Vor Kurzem stieg einer der bekanntesten PariserLebemänner", der als Langschläfer beinahe berüchtigt ist, bei Tagesanbruch aus feinem Bette und sagte zu seiner Frau, die ganz erstaunt war, ihn so früh aufstehen zu sehen, mit feierlichem Ernst:Erschrick nicht, liebes Kind, ich habe heute im Bois de Boulogne ein Pistolenduell."Ach so!" entgegnete die junge Frau und athmete erleichtert auf,Du

hast ein Pistolenduell! Na, dann sei nur recht vorsichtig und hol Dir keinen Schnupfen, und wenn Du nach Hause kommst, gehst Du wohl zu Lalique heran und bringst meine neue Brache mit."

* Die jüngste Tochter Zar Alexanders II. aus einer morganatischen Ehe mit der zur Fürstin Jurjewskaja erhobenen Prinzessin Dolgorukowa, Prinzessin Katharina Jurjewskaja, hat sich soeben in Paris mit dem Bruder der Herzogin von UzöS, dem Herzog Amanuel von ChaulueS und von P-cquigny. Marquis von Dangeau verlobt. Die Braut besitzt eine Schwester und einen Bruder, die ebenfalls der erst 1880 legüimierten Verbindung des Zaren mit Prinzessin Dolgorukowa entsprossen. Am 19. Juli 1880, nach dem Tode seiner ersten Gemahlin, der Zarin Maria Alexandrowna, geborenen Prinzessin von Hessen und bei Rhein, vermählte sich Kaiser Alexander morganatisch mit der Prin­zessin, mit der ihn ein langjähriges Band verknüpfte. Der einzige diesem Bund entsprossene Sohn, Prinz Georg, zählte >amals acht, Prinzessin Olga, die ältere der beiden Schwestern ieben und Prinzessin Katharina, die Braut dcs Herzogs von Chaulnes, zwei Jahre. Nach dem im Jahre 1881 erfolgten Tode Kaiser Alexanders, der bekanntlich einem an ihm ver­übten Bombenattentat zum Opfer fiel, siedelte die Fürstin Jurjewskaja mit ihren Töchtern nach Paris über, während ihr Sohn, Prinz Georg, der sich im Vorjahre mit Gräfin Alexanora von Zarnekau, einer Tochter Herzog Konstantins von Oldenburg, vermählte, in Petersburg verblieb, wo er gegenwärtig als Leutnant dem Leib Garde-Husaren Regiment angehört. Prinzessin Olga wurde vor sechs Jahren die Gemahlin des Grafen Georg von Merenberg, des einzigen Sohnes des Prinzen Nikolaus von Nassau aus dessen mor­ganatischer Ehe mit der Tochter des Dichters Puschkin.

* Salzburg, 27. Juni. Der seit einigen Tagen vermißte Kurgast von Bad Gastein, Dr. Eduard Karsten, Arzt aus Hallstadt in Hannover, wurde gestern im Koetschach- rache tobt aufgefunden.

Sport.

Rad-Rerrrren am 28. Juni. Gegenüber den in manchen Kreisen der Stadt umlaufenden Gerüchten, daß die bei dem letzten Tandem-Rennen im Endspurt leider zu Fall gekommenen Fahrer schwer verletzt in Krankenhäusern untergebracht seien und Arm- oder Beinbrüche erlitten hätten, können wir aus das Bestimmteste versichern, daß nichts hiervon den Thatsachen entspricht. Die Rennleitung empfing von den am meisten verletzten Herren Henry Mayer aus Hannover, Michael Hertz aus Kleinsteinheim, Otto Meyer aus Ludwigshafen und Willy Koch aus Main­aus direkte Anfrage die persönlich geschriebene Nachricht von den Herren, daß sie keinen Bruch erlitten hätten und die vorhandenen Fleischwunden im schnellen Verheilen begriffen seien, Dank der von dem hiesigen Arzte und der Frankfurter Sanitäts-Mannschaft vorzüglich angelegten Lerbände, ür deren Thätigkeit sie ebenso wie für die entgegengebrachte Anteilnahme danken. Der Unfall war hervorgerufen durch das Platzen eines Pneumattc- Reifens, was weder vorherzusehen noch zu verhindern war ein an sich gewiß bedauerliches Vorkommnis, das aber leider nicht vereinzelt dasteht und auch stets wieder ab und zu sich ereignen wird, so lange Fahrräder mit Gummimänteln überhaupt benutzt werden. Ueber die Thätigkeit der von dem Frankfutter Samariter Verein gestellten Wache möchten wir bei dieser Gelegenheit uns ganz besonders lobend aussprechen. Wer mit unS zu beobachten in der Lage war, mit welcher Umsicht und Sachkenntnis die drei Herren ihres gewiß nicht leichten Amtes gewaltet haben und mit welcher Sorgfalt sie die Verletzten bei größter Schonung behandelten, ohne ich irgendwie in der vorschriftsmäßigen Art der Anlegung der nötigen Verbände beirren zu lassen, der muß mit uns dankbar anerkennen, daß dieser allezeit hilfsbereite Verein, deffen Thätigkeit freiwillig und vollkommen uneigennützig ist, die höchste Anerkennung in jeder Beziehung verdient. Rur von idealen Gesichtspunkten geleitet materielle Entschädigung der guten Dienste wird niemals angenommen bietet der Frankfutter Samariter-Verein das herrlichste Bild treuer Nächstenliebe.

Kiel, 27. Juni. Die heutige Wettfahrt der Sonderklasse hatte olgende Ergebnisse:Charly" ersten,Arcachon" zweiten,Meergreis" dritten,Drauf" vierten,Samoa 2" fünften,Samoa 1" sechsten und Felix" den 7. Preis. Wegen Havarie gaben die YachtenMinerva 3", Odin" undTilly" die Wettfahrt auf. Die Ergebnisse der heutigen Binnenregatta sind folgende: Klasse 5a (Rennyachten)Henny 3" ersten undRakete" zweiten Preis. In Klasse 5b lRennyachten) erhieltBlitz 6" den DouglaSpreis,Windspiel 2" zweiten Preis,Mishe Nahma" dritten undElse" den vierten Preis. Im Rennen der 5. Klasse erhieltElse" den ersten Preis. In der Wettfahrt der Klaffe 6a (Rennyachten) erhielt »Butt 2" den ErmunterungSpreis. In Klasse 6b (Rennyachten) erhielten Nickelmann" den ersten undBajazzo" den zweiten Preis. In Klaffe 6 (Kreuzeryachten) erhieltTilly" den ersten Preis. Die RennyachtFrifia* kenterte beim Rennen der Klasse 5a; die Besatzung ist gerettet.

Von dem bekannten großen Mittelbach'scherr Kartenwerke für Radfahrer von Deutschland und Oesterreich, das unter der Mitarbeit der Gaue des Deutschen Radfahrerbundes und der Konsulate der Rad- ahrer-Union geschaffen wurde, liegen uns in neuen schönen, biS auf die jüngste Zeit ergänzten Ausgaben die Blätter 47. Frankfurt-Koblenz und 48. Fulda-Hanau vor. Die längst als ganz vorzüglich anerkannten, für den praktischen Gebrauch unübertroffenen und auf der Hamburger Ausstellung 1901 als einzige mit der Goldenen Medaille ausgezeichneten Karten sind im Maßstabe 1 : 300 000 bearbeitet und enthalten alle«, waS für den Radtouristen von Wert ist: die fahrbaren Wege und ihre Be­schaffenheit, die wesentlichen Steigungen, die Entfernungen von Ort zu Ort, gefährliche Stellen, die nur irgendwie nennenswerten Orte, die Effenbahnen, Flüsse, Wälder u. s. w. Beide Karten sind in Landkarten, und Profil. Manier zu haben, sodaß man sich hiervon also die am besten gefallende Art der Ausführung wählen kann. Die prächtigen Karten seien allen Radlern sehr empfohlen; jede kostet 1.50 Mk. Man erhält sie in jeder Buchhandlung.

Theater, Kunst und Wissenschaft.

Frankfurt, 26. Juni. Gestern abend eröffnete Rosa Retty, die anmutige Naive der Wiener Hofburg, eine Reche oon Gastspielen. Sie spielte als Antrittsrolle die feinfühlige, scharfgeistige Beatttce in Cavalottis einaktigem Lustspiel:Jephtas Tochter", und hatte hier vollauf Gelegenheit, dem Frankfurter Publikum ihre natürliche Kunst zu zeigen. Soll man sagen: chre natürliche Kunst oder die Kunst ihrer Natürlichkeit? Der Unterschied fällt wirklich schwer. Alles an ihr ist E'Nfachheit, Lebenswahrheit und ansprechendste Natürlichkeit, deren feine Nüancen die Übergänge zur Kunst fast verschwinden lassen. Ein unge­teilter stürmischer Erfolg war das Resultat dieser anmutigen Probe ent­zückendster Manierenlosigkeit. Als Cedttc imkleinen Lord" schlug Rosa Retty ergreifende Gefühlstöne an und erfreute durch die fein abgewogene Mischung von Burschtkosität und kindlicher Einfalt. Der monumentale Neubau des Schauspielhauses nahe der Kaiserfiraße inmitten des herrlichen Promenaden-Gürtels reift langsam seiner Vollendung entgegen. Der Rohbau des Schauspielhausneubaues ist innerlich und äußerlich vollendet; fünfviertel Jahre bleiben noch für die archüektonischen Klein- arbeiten und für die technische und dekorattve Ausrüstung des Jnnem und für den bildlichen und plastischen Schmuck. Die mächtige Kuppel, die von der Maschinenbau-Aktiengesellschaft Humbold-Köln ausgefühtt wurde, ist bis auf die Bekleidung fertig und wird von einer an sich wohl mächtigen, im Vergleich zum ganzen aber doch etwas puppenhaft wirken- den Francofurtia gekrönt, die von Bildhauer Herold-Frankfurt geschafim wurde. Der Gesamteindruck des Bauwerks, soweit e8 sich bis letzt präsentiett, ist künstlerisch-vornehm. Für die innere Ausstattung deS Bühnenraumes, Anschaffung von Requisiten und Kouliffen, überhaupt für