Ausgabe 
29.5.1901 Erstes Blatt
 
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Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über da» Nachlaß-Vermögen des verstorbenen Schreiner­meisters Friedrich BouariuS in Gießen, ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Ver­walters, zur Erhebung von Einwendungen gegen . das Schlußverzeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Beschluß« Ostung der Gläubiger über die nicht verwertbaren Vermögens­stücke, sowie zur Prüfung der nachträglich angemeldeten For­derung der Ortskrankenkasse Gießcn der Schlußtermin auf Donuttstagde»20 IumlöOl vormittags 10 Uhr, vor dem Großherzogl. Amts­gerichte hierselbst, Zimmer Nr. 18, bestimmt.

Gießen, den 21. Mai 1901. Großh. Amtsgericht.

gez. Schmidt.

Veröffentlicht: 8818

Orth, Gerichtsschreiber.

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Gerichtssaal.

Bestien in Menschengestalt. DieKob. Ztg." beachtet folgendes über eine dortige Gerichtsverhandlung: Der Schmtzer Lome Wendel, dessen Sohn Emil und der Drucker Räimund Goßtnger aus Melchersberg waren angeklagt, in der Zeit vsrn Oktober 1900 blS Mctte Mär» 1901 gemeinschaftlich den 4«/, jährigen Eduard und bte dre'iährrge Alma Hops körperlich mihhandelt und an der Gesundheit geschäht zu haben. Bei d«m Angeklagten Louis Wendel wohnte feit Oktober 1900 die geschiedene Henriette Hopf aus Truckenthal mit ihren beiden Kmdern und besorgte ihm den Haushalt. Wendel hatte chr die Ehe versprochen; jedoch waren ihm die beiden Kinder bei seinen Heiratsabsichten im Wege, weshalb er und die beiden Angeschuldigten die Kinder fortgesetzt in der grausamsten Weise mißhandelten. Durch das Geständnis des GösWger und die Aussagen der Zeugen ist festgestellt worden, daß die Kinder fortgesetzt ohne Grund in unmenschlicher Weise Schläge bekamen, daß L. Wendel die Alma Hopf an den Haaren gepackt, sie frei in die Höhe ge­hoben und dann mit solcher Wucht auf das Sofa geworfen hat, daß man sich wundern mußte, daß das Kind das Kreuz nicht gebrochen hat. Ferner sind der Alma Hopf die Fußsohlen verbrannt und die Haare all­wöchentlich mit Leim zusammengeklebt worden. L. Wendel hat das Mädchen im Winter barfuß in den Schnee gestellt und dort längere Zett stehen lassen; auch hat er das Kind durch Schläge gezwungen, gegen drer Stunden lang in der rechten Hand eine Blechpfanne und in der linken Hand einen Hammer haltend um einen Lieferkorb herumzulaufen. Gdßinger hatte Holzstücke um den Korb herumgelegt, damit das Kind stolpern und hmeinr f allen sollte, auch ein Holzstück an den Rock gebunden, das es beim Herum­laufen hinter sich her schleppen mußte. Wetter zwang L. Wendel das Kind, ein in den Schmutz getretenes Stück Kloß zu esien und drei halbe Liter Wasier auSzuttinkn. Die Angeklagten haben mehrfach warmes Master in das Bettchen des Kindes geschüttet, auch Eisstücke auf das Sofa getragen, dann das Kind daraus gesetzt, um die Mutter glauben zu machen, das Kind habe sich verumeinigt und müste von ihr deshalb ge­züchtigt werden. Infolge der fortgesetzten schweren Mißhandlungen konnte die Alma Hopf nicht mehr stehen, nicht laufen, nicht sitzen und nicht liegen. Die Mutter Hopf, die diese Grausamkeiten schließlich.nicht mehr mit an» sehen konnte, hat Anzeige erstattet, und daraufhin sind die Angeklagten m Haft genommen worden. Rach dreistündiger Verhandlung verkündete der Gerichtshof folgendes Urteil: Louis Wendel erhielt 2 Jahre 6 Monate, Emil Wendel und Gößinger 2 Wochen Gefängnis zuerkamtt; letztere wurden durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet. Sämtliche Angeklagte haben auch die Kosten des Verfahrens zu tragen.

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Meratur.

Hessisches Dich ter buch. Unverkennbar ist in der modernen Dichtung eine Hinneigung zur Heimatslunff er­klärlich, als Gegenströmung zu jenen Tagesrichlungen, die mehr und mehr in weltentrückten, nebelhaften fernen phantastischer Stimmungen ihr .Heil suchen, solchen Ten­denzen entspricht es, wenn alles, was in einer -andschaft unseres Vaterlandes an poetischen Lebensregungen wert­voll erschien, einmal in einem Gesamtbilde vereinigt wird. So hat denn Tr. W i l h e i m S ch o o f in Marburg das durch Valentin Traudt einst begründete H e s s i s ch c dich­te r b u ch in dritter Auslage neu herausgcgeben (Marburg, Elwertsche Verlagsbuchhandlung, Preis 3.60 Mk). xie Aus­wahl umfaßt 50 Namen, deren Träger und Trägerinnen, denn auch die Frauenwelt ist stark vertreten sich hier in gebundener und ungebundener Rede hören lassen. Es sind manche bekannte Persönlichkeiten darunter, wie Hermann Grimm, Jul. Rodenburg, Sovhie Junghans, Anna Ritter, Gustav Äastropp, auch Natalp v. Eschstruth, der Liebling aller Backfische, fehlt nicht; sonderbarerweise ist

Franz Dingelstedt übergangen. Tie übrigen Autoren sind mehr Loka'ldichter, bekannl und beliebt in ihrer engeren Heimat. Auch unter ihnen giebt es echte Tichlergemuter, denen einmal ein empfundenes Lied, eine kräftige Ballaoi gelungen, freilich fehlt auch Minderwertiges nicht, acu Unternehmen ist sehr verdienstlich und verdient auch pu andere Gegenden nachgeahmt zu werden. ______

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hmalkalden), 27. Mai. W Meisters Kolbe hier kam elektrischen Motor betrie- inen derartigen Schlag sofort starb.

sstn und dtn AchdMrt». tbtlbuntzSfchulwtsen hat bo einen Lehrgang zur Äii* sungSschulen vom 15. Zoli lassen. Der Lehrgang um- idische Vorträge, Mische hen Etablissements unb von smSabeude.

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- Kr<n»,furt.r C»et. Zwischen M.rcella Semit 14, bte foebm em önltixet königttchm Opernhause em längeres Gastfptel ebfolniert, unb btt Opern-JntevdanzIfi. vj* Vereinbarung zu Stande gekommen, wonech das italienische Entemote, baS sich au« erstklafsigm künstlerifchm Kräftm zufammenützt (Sigvora Marcella Sembrtch, Signora Lucca, Signori Arimonbt, Bmiaude, Constantino, be Lara, Tavecchla rc. (Dtrigmt Signor BeviMMi), am Freitag. 7. Juni, eine Aufführung von 9lotftnt6H B^ier® Siviglia und am Montag, 11. Juni, eine folche von Dontzettis ,x)on Pasquale^ veranstaltm wird. _______________

Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus. Mittwoch, 29. Mai, gifchlosfen.Donnerstag, 30. Mai*): -Margarethe-. Freitag, 31.Mat, abends 6Uhr: Gastfpiel des Herrn Kammerfängers AloiS Burgstaller: Die Meistersinger von Nürnberg". SamStag, 1. Juni:Der Waffenschmied -Sonntag, 2. Juni: »Fidelio". Schauspielhaus. Mittwoch, 29 Mat )- Heber unsere Kraft". Zweiter Teil. Donnerstag, Mat, abend« ",8 Uhr:Die rote Robe". Freitag, 31. Mai:Huttenbesitzer . Samstag, 1. Juni:Die Zähmung der WiderspänMgen". Sonntag, 2. Junt:Heber unsere Kraft". Zweiter Teil. Montag, 3. Junt. Rosenmontag".

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, um 7 Hhr.

SlWsuachrichle«.

Rorbdeutscher Lloyb. tn Gießen oertreten durch bin baenten 8°®e- -* Bremen, 24. Mat. sPer ttansatlanttschen Telegraph-l Dn PostbampferBorkum", Kapitän P. Albrecht, vom Norddeutsche-' Lloyb in Bremen, ist gestern 3 Uhr nachmittags wohlbehaltm tn (Saloeston angekommen.

Darmstadt. Den Darmstädtern werben tn diesem Jahre beide Ohren klingen. So viel wie Heuer wird wohl selten von ihnen und von ihrerAusstellung der Künstlerkolonte 1901" geredet werden. Namentlich tn den Sommerfrischen in den Schweizer und Tiraler Bergen. ES ist ja so ungemein bequem, diesemerkwürdigste aller Ausstellungen" auf der Südmretse mitzunehmen, die ja ohnehin an der hessischen Vestdenz vorüberführt. lind wo sieben Künstler in ihrer eigenen, modernen Sprache zu unS reden, von der wir schon so viel gehört unb so wenig gesehen haben, da wird man wohl nicht Doruber geben wollen. Es ist in der That eine eigenartige Kunstsprache die da gesprochen wird, und ob man sie billigen könne oder nicht, baS wird wohl in diesem Jahre einen bei H«uptgesp.achsstoffe der Enden unb sommerfrtschelnden Welt abgebm. Etnstwellm Haden sich die Darmstädter gerüstet, die etnkebrenden AuSstelluugSfrrmden zu empfangen, wie sich« für eine Residenzstadt gehört.__

-- .. zur Notiz, dass meine Kar von^Aaerbach nach

Nervösen Bemagen am «hein verlegt ist.

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Bekanntmachung.

Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen wird, beginnend mit i

Mittwoch, den. Mai

im Jmpflokale Gewerbeschule, Asterweg 25 für die uächsteu 56 Wocheu jeden Mittwoch uach- i mittags 56 Uhr, abgehalten werden. Jmpfpflichtig im laufenden Kalenderjahre sind die im vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren Jahren.

Wir laden die hiesigen Einwohner, welche tmpfpflichtige : Kinder haben, zur Benutzung dieser öffenllichen Termine mit dem Bemerken ein, daß olle in denselben vorgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seiner pfltchtigm Kindes bis -um Jahresschluffe auf seine Kosten bewerkstelligen kaffen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchent- liche Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gefttzt wird. t ,, ,

Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufeuden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft.

Alle in einem Termine geimpften Kinder müffeu in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen. t

Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls dem Jmpf- arzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt werden.

Die Impflinge müffen mit reiner Wäsche und rein ge­waschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es wird nur au einem Arme mit Lymphe aus dem Laudestmpf- institut geimpft.

Gießen, den 20. Mai 1901. 8705

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: Wolftfi____________________

Bekanntmachung.

In dos hiesige Vereinsregister wurde heute eingetragen: LandwirtschaftlicherVerein für die Provinz Ober- Hessen- Sitz: Gießen. Die Satzung ist am 8. November 1900 errichtet. Mitglieder des Vorstandes sind: 1. Oekonomie^ rat Karl Schlenke M Hardthof; 2. Kreisrat vr. Eduard Wallau zu Lauterbach; 3. Oekonomierat Ludwig Leithiget zu Alsfeld. Der Präsident vertritt nach § 14 der Satzung den Verein gerichtlich und außergerichtlich und hat die Sttlltmx eines gesetzlichen Vertreters int Sinne de» § 26 des B. G. B». Diese Rechte werden im Falle der Verhinderung von dem Vizepräsidenten, und im Falle der Verhinderung beider Präsi­denten von dem Sekretär des Verein» au»geübt.

Gießen, den 24. Mai 1901. 3820

Grosiherzogliches Amtsgericht.______________

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