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29.1.1901 Erstes Blatt
 
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«».?4 ^MeA Blatt. Dienstag dm 29. Januar 1S1. Jahrgang 1901

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Kiehener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Alle Anzeigen-Vermittlungsftellen des In- und Aus­landes nehmen Anzeigen für den Eichener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Ps., auswärts 20 Bi.

frfcöeiut tägkich mit Ausnahme deS

Montags.

Die Gießener Aamilieubttttcr werden dem Anzeiger Kn Wechsel mitHess. Landwirt" u.Blätter für Hess. Volkskunde^ »dchtl. 4 mal beigelegt.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieszen.

Redaktion, Expedition und Dmckerei:

Zchnlprahe Nr. 7.

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Adresse für Depeschen: Anzeiger Sietz«.

Fernsprecher Nr. 5L

Amtlicher Wl.

Bekanntmachung,

betreffend: die Luxuswagen.

Nach dem Gesetz über den Urkundenstempel unterliegen Luxuswagen, welche zum persönlichen Gebrauch des Besitzers oder seiner Angehörigen bestimmt find, der Versteuerung. Als Luxuswagen gelten solche Wagen, welche nicht zu einer berufiichen oder gewerblichen Thäligkeit benötigt wcrden. Für Wagen, welche nicht auf Federn ruhen, ist eine Stempelabgabe nicht zu entrichten.

Um irrigen Auffassungen, daß Wagen mit einem Neu- tvert von unter 1000 Mk. der Stempelabgabe nicht unter- I cgen, vorzubeugen, bringen wir zur Kenntnis der In. teressenten, daß nur diejenigen Wagen von dieser Abgabe be sieit find, welche zu der beruflichen oder gewerblichen Thätig- keit ihres Besitzers ausschließlich oder doch vorzugsweise be- silinmt sind und benutzt werden.

Die Höhe des Anschaffungspreises kommt nur bei ob­waltenden Zweifeln darüber, ob der Wagen zu der bezeich veten Thäligkeit seines Besitzers ausschließlich oder doch vorzugsweise bestimmt ist und benutzt wird oder nicht, in Betracht. Nur für diesen Fall, daß noch ein solcher Zweifel besteht, ist von Großh. Ministerium bestimmt worden, daß bei Wagen, deren erster Anschaffungspreis 1000 Mark nicht übersteigt, anzunehmen sei, dieselben seien keine Luxuswagen, während bei Wagen mit höherem Anschaffungspreis bis zum veweise des Gegenteils anzunehmen ist, sie feien Luxus wagen.

Hiernach fordern wir alle Interessenten zur Anmeldung ihrer steuerpflichtigen Wagen mit Frist von acht Tagen ans.

Gießen, den 23. Januar 1901.

.Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Wagner.

Gießen, den 23. Januar 1901.

Betr.: Wie oben.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises und daS Großh. Polizciaurt Gießen.

Wir empfehlen den Großh. Bürgermeistereien, die obige Bekanntmachung in ihren Gemeinden alsbald ortsüblich ver- öffentlichen zu lassen.

Binnen 14 Tagen haben die Großh. Bürgermeistereien "itr Landgemeinden und daS Großh. Polizeiamt Gießen alle diejenigen Besitzer von Wagen namhaft zu machen, welche nach vorstehender Bekanntmachung steuerpflichtig sind. Die

Aus dem AranKfurter Kunstleöen

Originalbericht desGießener Anzeigers".

(Nachdruck verboten.)

Die Januar-Ausstellungen der Frankfurter Kunstsalons Hangen recht Erfreuliches, und es lohnt sich wohl, auch »eitere Kreise darauf aufmerksam zu machen.

Vor allen verdient der Kunstsalon Hermes Be- «chtung, der sich bemüht, das Publikum außer mit an­erkannt bewährten Meistern, auch mit den bedeutendsten jimgeren Kräften bekannt zu machen. Augenblicklich in­teressiert dort wohl I a n T o o r o p aus Java am meisten. Ceme symbolischen GemäldeDie drei Bräute" undDie junge Generation", sind zwar kaum verständlich, zeugen über fcou außergewöhnlich lebhafter Phantasie und Gestaltungs- Ode. In den anderen Bildern entwickelt er teilweise ein tüchtiges Können, doch machen die meisten seiner Arbeiten fcen Eindruck des unsicheren Tastens und Suchens' nach fftiittn, nach Vollkommenerem. Am Besten gefällt uns eine 3n recht warmen, satten Tönen gehaltene Landschaft bei Rvtergh. Es wäre zu wünschen, daß Toorop recht bald tie Technik, in der er am meisten zu leisten vermöchte, Httcrusfände, dann würde er es wohl zu Hervorragendem frin.gen können. Corriolano Vighi aus Bologna ist mit einer Reihe fein ausgeführter Landschaften in eigen- «migger Pastell-Technik vertreten. Leider sind die außer - lvrdemtlich klar und leuchtend gehaltenen Farben etwas zu talt im Ton, so daß sie an ansprechender Wirkung Ver­lierern. Von Thoma sehen wir außer drei älteren Rilb-ern eines seiner letzten WerkeFrühling auf dem ÜebScgssee". Durch ungemein lebhafte, frische Farben und Hie Mgendliche kraftvolle Gestalt eines jungen Mannes ruft bi» Bild in dem Beschauer unwillkürlich die Sehnsucht nG diesem alles verjüngenden, zu neuem Leben er-

Zahl der Wagen ist dabei auzugeben. In Zweifelfällen ist genau zu berichten.

I. V.: Dr. Wagner.

Gießen, 28. Januar 1901.

Be tr.: Die evangelischen Kirchenvoranschläge des Kreises Gießen pro 1901/1902.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die ev Ktrcheuvorstäude des Kreises.

Die definitiv abgeschlossenen rubr. Voranschläge werden Ihnen dieser Tage zugehen. Wir empfehlen Ihnen, das in Ihren Händen befindliche Konzept mit den Ansätzen des Originalvoranschlags in Nebereinstimmung zu bringen, wie auch eine Abschrift der zu den Voranschlägen angenommenen Bemerkungen zur demnächstigen Nachachtung dem Konzepte beizufügen.

v. Bechtold.

Politische Wochenschau.

Der deutsche Kaiser vollendete am Sonntag sein 42. Lebensjahr. Er weilt seit einer Woche auf englischem Boden. In wie rascher Folge bieten doch das menschliche Dasein seine Kontraste! Am Freitag vor 8 Tagen stand der Kaiser im Mittelpunkt der prunkvollsten Festlichkeiten, umgürtet mit der Majestät des mächtigen deutschen Reiches, umstrahlt vom Glanze der Krone, die vor zwei Jahrhun derten seinem Hause zu Teil geworden, umgeben von reich pulsierendem Leben, von Freude und Jubel. Und wenige Tage später befand er sich am Schmerzenslager der Groß- mutter, die ihrem letzten Atemzuge entgegen sah. Es mag auf das leicht erregbare Gemüt des Kaisers einen erschüt ternben Eindruck gemacht haben, als er hier auf's Neue ge­wahrte, daß auch die Herrscher dieser Welt nichts anderes find als sterbliche Menschen, die sich in Demut beugen müssen vor den ewigen, unabänderlichen Gesetzen der Natur, vor der ehernen Hand des unerforschlich waltenden Schicksals.

Der Thronwechsel in England hat sich nach dem Herkommen konstitutioneller Staaten glatt vollzogen. Der neue König ist feierlichst in seine Würde eingeführt worden, und er hat im Geheimen Rat die Erklärung abgegeben, daß er den Fußstapfen seiner Mutter folgend ein verfassungs­treuer Herrscher im strengsten Sinne des Wortes sein werde. Niemand wird an der Aufrichtigkeit dieser Versicherung zwei­feln. König Eduard ist in einem Alter, wo man zu um­wälzenden Thaten zu kühl und zu weise zu sein pflegt. Die Dinge werden jenseits des Kanals ihren Gang gehen, wie es bisher nach dem Willen der Parlamentsmehrheit der Fall war. Die Ereignisse in den beiden Buren-Republiken reden eine ernste Sprache«. Trotz ihrer gewaltigen Armee sind die Engländer nicht einmal im stände, die Minen von Johannesburg gegen die Angriffe der unermüdlichen Burghers

zu schützen. Es wäre sonach kein Wunder, wenn selbst die englischen Kapitalisten den baldigen Abschluß der Aera Kitchener ersehnten. Ein Friede mit Ehren ist aber für England heute viel schwieriger als vor elf Monaten.

Während man in China über die Einzelheiten der Friedensbedingungen unterhandelt, mehren sich die Reibereien zwischen England und dem Zarenreich. Die Eisenbahn von Shanhaikwan nach Tientsin ist jetzt dem deutschen Ober­befehlshaber zur vorübergehenden Verwahrung überlaffen worden, während die Linie Shanhaikwan-Peking in russischen Händen verbleibt. Ein neuer, bedenklicher Konflikt ent­stand aber wegen der Elliot- und Blonde.Inseln. Der englische Admiral Seymour sandte ein Kanonenboot dahin, um ein Räubernest auszurotten. Hiergegen erhob der russische Admiral Alexejrff energisch Protest, da jene Inseln zu dem von Rußland okkupierten Gebiete gehören sollen. Seymour erkannte diese Auffassung nicht an und erstattete darüber Bericht an seine Regierung. Auch in Japan erhebt sich lebhafter Widerspruch gegen das Vorgehen der Russen. Die Situation im fernen Osten ist also nichts weniger als wolkenfrei.

politische Tagesschau.

König Eduard VII. von England, Großbritannien und Irland, heiratete im Jahre 1863 am 10. März die Prinzessin Alexandra von Dänemark, die Tochter König Christian IX., also eine Prinzessin ans dem Hause Schleswig Holstein- Sonderburg-Glücksburg. Die unmittelbaren Verwandtschafts» beziehungen, die sich anS dieser Ehe ergaben, sind mannich- faltig. Großmutter der Prinzessin war Lüste von Hessen- Kassel. Die Gemahlin des ältesten Bruders der Prinzeß Alexandra, des Kronprinzen Friedrich von Dänemark, eben­falls eine Luise, ist eine geborene Prinzessin von Schweden- Norwegen. Der zweite Bruder ist der König Georg von Griechenland, dessen Gemahlin Großfürstin Olga ist, eine Tochter des Großfürsten Konstantin von Rußland. Eine noch nähere Verwandtschaft mit der regierenden Linie der Romanoffs entstand durch die Heirat der Schwester der Prinzessin von Wales, Dagmar, die sich mit dem Zaren Alexander III. vermählte. Die dritte Schwester, Thyra, heiratete den Herzog von Cumberland, Sohn des Königs Georg von Hannover. Ein anderer Bruder, Prinz Waldemar von Dänemark, vermählte sich mit Marie, Prinzessin von Orleans. Das find die nächsten Anverwandten, welche dem jetzigen König durch die Heirat mit der dänischen Königstocher nahetraten. Noch mehr ver­wickelt fich das Familienbild, wenn man die durch die in­zwischen erfolgten Heiraten der Kinder entstandenen Verwandt­schaften berücksichtigt. Der jetzige Thronfolger, Georg, Prince of Wales, ist feit dem 6. Juli 1893 vermählt mit Mary, Fürstin von Teck. Sie ist die Tochter der Prinzessin Mary

weckenden Frühling, wach. Von besonders reizvoller Wirk­ung ist auch Schönleber'sWehr" im Schnee. Es liegt ein ganz eigener Zauber in den, in allen Nuancen von weiß gehaltenen, so fein abgestimmten Tönen. Be­merkenswert sind ferner ein Studienkopf von Leibl, Strandszene von Liebermann,Gestörter Schlummer von Jose Beu11iure, yGil. Außerdem ist! an Landschaften noch Bedeutendes von Professor W. Trübner, Paul Mathieu und Viktor G i l s o u l ausgestellt. Wir dürfen auch nicht versäumen noch einer ganz eigenartigen Post- fartenfammlung Erwähnung zu thun, die durch Frau Baronin v. Podewils, die Gattin des bayerischen Gesandten in Wien, zu stände gekommen ist. Zu einem wohlthätigen Zweck bat sie hundert der bedeutendsten Künstler um eine selbstentworfene Ansichtskarte und es ist dadurch eine- in ihrer Art wohl einzig dastehende, un­gemein fesselnde Gemälde-Gallerie en miniature, geschaffen worden.

Im K u n st v e r e i n finden wir einige Kollektiv - Aus­stellungen, von denen wohl diejenige von Eugen Bracht ans Berlin mit ihren nur auf Stimmung berechneten wirkungsvoll realistischen Landschaftsausschnitten am in­teressantesten ist. Wunderbar fein sind die verschiedenen Farbentöne zu einander abgestimmt, und doch wirkt das Ganze nie gesucht, so einfach und natürlich, oft fast verblüffend wahr. Hervorragend in dieser Beziehung sind seinErlenbruch^,Birkenhang" undWaldfee". Nur ein Genie vermag mit so wenig Mitteln so viel zum Ausdruck zu bringen. Professor Brütt's Kunst nimmt daneben einen liebenswürdigeren Charakter an. Auch er versteht es, die Natur scharf zu beobachten und zu erfassen, doch ist bei ihm alles mehr zusammengestellt, nicht so ganz frei von Zwang, besonders bei jenen Bildern, in denen er zu viel Wert auf die Details legt, so daß der

packende Gesamteindruck verloren geht. Sein Hauptkönnen liegt wohl mehr in der Zeichnung und Charakteristik der einzelnen Personen. Für besonders wertvoll halten wir seine Komitee-Sitzung, Golgatha, sein Selbstporträt und einige landschaftliche Skizzen. Professor L. Donzetto in Barth hat eine Anzahl Landschaften ausgestellt, die uns durch ihren kühlen, harten Ton, wenig ansprechen. Am natürlichsten wirken nochVorfrühling",Herbstwald" und Blick aufs Meer von den Dünen" M. Pisch on in Berlin, bringt eine Reihe Pastellporträts, die nicht ohne Geschick und Geläufigkeit der Technik entworfen sind, doch vermißt man die Individualität der Persönlichkeit. Am Besten gelangen der Künstlerin einige Kinderbildnisse, die recht zart und auch dem Charakter entsprechend, behandelt sind. Erwähnenswert ist noch W. H e r 11 i n g aus München mit verschiedenen, sehr lebendigen feinfarbigen landschaft­

lichen Aquarellen.

Der Schneidersche Kunstsalon weist augenblicklich, von ein paar Ausnahmen abgesehen, nicht viel Bedeutendes ans. Professor Brütt ist mit einem vorzüglichen Porträt des Cronberger Malers A. Burger vertreten. W. Altheim stellt zwei farbenfteudige Landschaften, die aber nicht auf der Höhe seines Könnens stehen, ans. Wucherer bringt eine feinfarbige stimmungsvolle Landschaft, Taunuswiese benannt. Arthur Mendel aus München zeigt uns in 13 Bildern und 40 Radierungen manches recht Gute und Charakteristische. Außerdem sehen wir noch von Pro­fessor Hans Meyer eine Anzahl wirkungsvoller land­schaftlicher Aquarelle und einen Totentanz, der aber wenrg neue Ideen zum Ausdruck bringt. -

Auf die hier noch nicht besprochenen Gemäldesäle be­halten wir uns vor, ein anderes Mal SU^ckzukommen.