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28/12/1901 Erstes Blatt
 
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Nr. 804

Erstes Blatt.

151. Jahrgang

Samstag 28. Dezember 1901

Vrschetut täglich mit Ausnahme des

Montags.

Die Siebener Familien- Plätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt" und den .Blättern für hessische Volkskunde" mermal wöchentlich bei­gelegt.

Rtbaftion, Expedition und Druckerei:

Schnlstraße 7.

vdreste für Depeschen: Anzeiger Gtetzeu.

gernsprrchanschluß Nr.51.

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Annahme van Anzeige» au der für den folgendes Tag erscheinende» Vbc,1 bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigcn-Vermitt- lungSstellen des In-und Auslandes nehmen An­zeigen entgegen.

Zeilenpreis: lokal 12 Pf«, auswärts 20 Psg.

Rotationsdruck u. Ver­lag der B r ü h l'scheu Universitäts - Druckerei! (Pietsch Erben).

Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witiko; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Die Gedenkfeier für Ernst den Frommen in Gotha.

Eine neue Saiserrede.

In Gotha hat am Weihnachtsfeste eine Gedenkfeier für Ernst I. oder den Frommen, Herzog v. Sachsen-Gotha und Altenburg, den Stifter des gothaischen Fürstenhauses, im Beisein des Kaisers und andererFürsllichkeiten stattgefunden. Ernst der Fromme wurde am 25. Dezember 1601 geboren, man beging also seinen 300. Geburtstag. Ernst bewährte als ein eifriger Anhänger von Luchers Lehre eine streng kon­fessionelle Fürsorge für alle Kirchen- und Schulangelegen- heiten seines Landes, überwachte mit ängstlicher Sorgfalt die Erziehung seiner Kinder und suchte den sittlich-religiösen Zu­stand seines durch den 30jährigcn Krieg, in dem er als Feld­herr unter dem Schwedenkönig Gustav Adolf sich durch Tapferkeit und Weitblick hervorgethan hatte, verwilderten Volkes zu heben. Sein weiteres Bemühen als Fürst ging dahin, die dem Lande durch den Krieg geschlagenen Wunden durch eine straffe, geregelte Verwaltung und sparsamen, ge­rechten Staatshaushalt, unter Mitwirkung der Landstände, durch Pflege des Volkswohlstandes zu heilem Auch eine Landesmiliz hat er ins Leben gerufen. Zugleich war er um die Verbreitung der evangelischen Lehre, auch im Auslande, bemüht und durch die manigfachsten Dinge bekundete ser sein Interesse für allgemeine kirchliche Angelegenheiten.

Zu der Gedenkfeier am zweiten Weihnachtslage war der Kais er besuch ganz unerwartet an gemeldet worden. Der Kaiser traf um Mittag in Gotha ein und wurde aus dem Bahnhof von dem Herzog Karl Eduard, dem Regier­ungsverweser Erbprinzen zu Hohenlohe- Langenburg, dem Erbprinzen von Sachsen-Meiningen, dem Oberhofmarschall v. Rüxleben, dem Staatsminister Hen- tig und dem Landtagspräsidenten Oberbürgermeister Liebe- trau empfangen. Der Kaiser fuhr in offenem Zweispänner mit dem Herzog und dem Regierungsverweser nach Schloff Friedenstein. Im Schloßhofe war die zweite Kompagnie des 95. In f anterieregiments als Ehren kompag nie auf ge­stellt, deren Front der Kaiser abschritt, und sodann den Parademarsch abnahm. Hierauf begaben sich die Herr­schaften in das Golelinzimmer, wo die Erbprinzessin von Hohenlohe-Langenburg sie empfing; der Festakt sand im Thronsaal statt. Seine MajestÄ schritt mit der Erbprin­zessin von Hohenlohe-Langenburg voran, dann folgten der Herzog Karl Eduard und der Großherzog von Sachsen- Weimar, hierauf Prinz Ernst von Sachsen-Altenburg, der Regent Prinz Hohenlohe-Langenburg und der Erbprinz von Meiningen. Vor dem Thron nahm der Herzog Karl Eduard Aufstellung, rechts von ihm der Kaiser und die Erbprinzessin von Hohenlohe-Langenburg, sowie der Großherzog von Sachsen-Weimar, links vom Herzog der Regent, der Erb­prinz von Sachsen-Meiningen und der Prinz Ernst von Sachsen-Altenburg. Die Liedertafel leitete die Feier ein mit dem Gesang:Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Hierauf ergriff der Regent das Wort zu einer Rede, in der er auf die Bedeutung Ernst des Frommen als Friedensfürsten hinwies und insbesondere betonte, daß wir eine Vereinigung aller Evangelischen nach dem Beispiel des großen Ahnen erstreben sollten. Mit besonders herzlichen Worten wandte sich der Regent an den Herzog und schloff mit der Bitte, daß der Kaiser dem Herzog auch ferner seine Huld gewähren möge. Hierauf hielt der Kaiser folgende Ansprache:

Zunächst spreche ich meinen herzlichsten, tiefgefühl­testen Dank aus für die meisterhafte Rede, mit der Du mich begrüßt, und in der Du in markigen Strichen ein Bild des groffen Fürsten gezeichnet hast, dessen Andenken wir heute feiern. Deiner Aufforderung, hierher zu kommen, bin ich bewegten Herzens um so lieber gefolgt, als ich <ms dieser deutschen Stadt hier meine Frau geholt habe, den Edelstein, der anmeinerSeiteglänzt, der mir ermöglicht, das s ch w er e Am t zu füb r en, das mir der .Himmel aufgebürdet hat. Wer Die Gefilde Thüringens besucht und, wie ich, jahraus, jahrein Gelegen­heft gehabt hat, das thüringische Volk zu beobachten, der wird von seiner Poesie, von seinem sttllen Walde und vor allen Dingen seiner unerschütterlichen treuen Anhänglich- keft an seine Fürsten tief gerührt. Ich begrüffe es mit großer Freude, daß der heutige Gedenktag, würdig des großen Fürsten und schöner, wie man ihn sich nicht wün­schen kann, uns hier zusammengeführt hat. Dieser Tag fälft in ein Fest, welches die Menschen auffordert, sich wftder in die Kindeserinnerungen zurückzuversetzen, wo d<is Geschenk der Liebe Gottes, die Erlösung der Menschheit gegeben wird. Dieses Fest ist wahrlich besonders geeignet, für die Gedanken des Friedens und die Gedanken der Einigung unsere Herzen zu erwärmen. Niemand unter uns, die wir hier stehen, und die wir stolz darauf sind, die Nachkommen dieses großen Fürsten zu jein, wird vergessen, daß nur wenige Meilen von hier die Wartburg steht, von der aus das Lied:Ein' feste Burg ist unser Gott" seinen welterobernden Zug un­ter n a h ui, und daß alle die Fürsten, die als einzelne Pfeiler in der damaligen furchtbaren Zeft der vom Himmel über unser Vaterland verhängten Prüfung mit Aufbietung aller ihrer Kräfte zu halten gesonnen waren, was sie halten konnten, ihre Kraft nur schöpften von oben aus dem felsenfesten Vertrauen, daß die Verheißung, die 'Gott uns in seinem menfchgewordenen Sohne gegeben hat, ihnen helfen werde. Die Anregung, die Du uns heute gegeben hast, entspricht den Gedanken, die auch mich schon lange bewegen. Wenn ich nicht damit hervorgetreten bin, so liegt der Grund nur darin, daß ich fern davon bin, avck f -i -r in Wünschen und Hoffnungen der

Selbständigkeit Anderer nahe zu treten. Daß aber ein hohes Ziel meines Lebens eine Einig- una der evangelischen Kirchen Deutschlands in den für sie gedachten Grenzen wäre, brauche ich nicht zu betonen. Ich meine, daß wir auch ein Bild dafür finben können. Wie der uns gesandte Gottessohn und Heftand das Wort gebraucht hat, und der Einzige auf Erden ge­wesen ist, der es gebrauchen konnte:Ich bin der Wein­stock und ihr seid die Reben", so können wir uns einzeln als selbständige Reben an dem Weinstock ent­wickeln und, so Gott wftl, gemeinsam Frucht bringen. In diesem Geiste unserer Vater wollen wir wirken! Möge von diesem Tage ein Strom des Segens über das ganze Deutschland und seine Fürsten ausgehen! Die Gedanken, die mich hier be­wegen, umschließen auch das feste Versprechen, daß mein Interesse, meine Liebe und mein Schutz für den Heran­wachsenden Landesherrn nie Nachlassen soll, und ich jeder­zeit bereit bin, ihm mit Rat und That zur Seite zu stehen. Wir aber, die wir hier zusammengekommen sind, um dieses herrliche Fest zu feiern, wollen einstimmen in den Ruf:Der Prinzregent und Herzog hurrah! hurrah! hurrah!"

Alsdann gab der Direktor des Museums, Geh. Re­gierungsrat Purgold, eine kurze Uebersicht über die Ent­wicklung der Denkmalsfrage für den Herzog Ernst den Frommen, nannte die Namen der mit den Preisen aus der Konkurrenz hervorgegangenen Künstler und schloff mit der Bitte, die Ausstellung der Modelle in der Weimarischen Gallerte des Schlosses für eröffnet zu erklären. Darauf begaben sich die höchster: Herrschaften dorthin und besich­tigten die Modelle. Der Kaiser begab sich um 1 Uhr 30 Min- mit den anderen Herrschaften und dem Gefolge nach dem Bahnhof zurück, von wo die Rückfahrt nach Wildparkstatton um 1 Uhr 45 Min. erfolgte- Mft dem Kaiser fuhr der Herzog Karl Eduard nach Potsdam zurück, während kurz darauf .der Regierungsverweser nach Koburg zurückkehrte.

»

Diese neueste, von poettschem Hauche durchwehte Kaffer- rebe wird von der gesamten christlichen Bevölkerung des Reiches mit inniger Dankbarkeit entgegengenommen werden. Wie bei ähnlichen Anlässen hat der Kaiser hier seiner tief wurzeln­den, echten und herzlichen chttstlichen Ueberzeugung in schönen Motten Ausdruck gegeben. Auch der unbefangene Katholik wird nichts in dieser Rede finden, was ihm von seinem konfessionellen Standpunkte aus beftüblich erscheinen könnte.

Zunächst wird man den Wortlaut der Rede des Regenten Erbprinzen von Hohenlohe abzuwatten haben, auf die der Kaiser direkten Bezug genommen hat. Der Prinz scheint, nach den obigen Andeutungen, dem Plane der Einigung der evangelischen Kirchen Deutschlands sein besonderes Interesse gewidmet zu haben. Eine alte deutsche Hoffnung schemt also nun, unter kaiserlichem Protektorat, sich endlich erfüllen zu wollen.

Von besonderer Bedeutung sind dann die Kaiserworte von der Achtung der Selbständigkeit Anderer. Man wird sie mit Genugthuung in den deutschen Bundesstaaten aufnehmen.

Die Rede wird für die nächsten Tage den Hauptunter­haltungsstoff in der Presse bilden, und auch wir wollen uns morgen mit ihr ausführlicher beschäftigen.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Dez. Die Weihnachtsfeier am 24. wurde im Neuen Palais bei Ihren Majestäten in herge­brachter Weise begangen. Am frühen Nachmittag wurde der Dienerschaft bei der Kaiserin beschert. Der Kaiser begab sich nach dem Kasernement des 1. Garde-Regts. z. F. und wohnte dort um 3 Uhr der Bescherung bei der Leib- Kompagnie und der 2. Kompagnie bei. Um 4 Uhr fand im Neuen Palais Tafel statt, zu der die Umgebungen geladen waren. Hieran schloff sich die Bescherung ftn Muschelfaal für die kaiserliche Familie und dre Damen und Herren der Umgebungen. Der Tannenbäume für die Prinzen Söhne und die Prinzessin Tochter waren in diesem Jahr nur sechs, da Prinz Adalbert im Auslande weilt. Am Nachmittag hatte der Kaiser seinen Spaziergang durch die Straßen Potsdams und den Park von Sanssouci gemacht. Kurz vor dem Eingang des Parkes begegnete dem Kaiser ein Geschwisterpaar von 5 und 3 Jahren, das vor dem Kaiser einen Knix machte. Der Kaiser gab jedem ein blankes Fünf-Markstück. Auch die ihm begegnenden Ar­beiter und Arbeiterinnen erhielten Geldgeschenke. Am zweften Feiertage reifte der Kaiser nach Gotha (vgl. beson­deren Artikel) und kehrte am Abend mit Gefolge und Dem Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha wieder in Wildpark ein.

Nach einer Londoner Blättermeldung wird Kaiser Wilhelm wahrscheinlich im nächsten Monat auf einen kurzen streng privaten Besuch nach England kommen, da er lebhaft wünscht, dem Gedächtnis-Gottesdienst im Mausoleum Frogmore am Todestage der Königin Victotta beizuwohnen. Er würde alsdann voraussichtnch am 20. Januar eintreffen um bis zum 24. Januar zu bleib em

Nach demMarine-Verordnungsblatt"' bestimmt ein Kaiserlicher Befehl, daß zur besseren Durchführung der Aufgaben der Arttllerieschulschiffe baldmöglichst ein besonderes Artillerie-Versuchskommando zu bilden, und diesem ein modernes großes Schiff als Ar­tillerieversuchsschiff zur Verfügung zu stellen ist. Soweit die Versuchsaufgaben es zulassen, ist das Versuchsschiff zu artilleristischen Ausbildungszwecken nutzbar zu machen.

Sein 2 5. Präsiden ten-Jubiläum feierte am 24. ds- Mts. der Kammergerichts-Präsident v. Drenk- m ann.

Graf Arnim hat Genugthuung für seinen bedauer­lichen Zwischenruf im Reichstage gegeben. Aus Köln, 23. De­zember, wird gemeldet:

Laut derKöln. Volksztg." ließ Graf Arnim nach Erkundigungen über die Kölner Arbeiterfamilie, welche ihm Anlaß zu dem bekannten Zwischenfall im Reichstag gab, durch eine bekannte Persönlichkeit in Köln dem be­treffenden Arbeiter die Erklärung ab geben, es berühre ihn schmerzlich, einem armen, seine von Krankheit heimgesuchte Familie ernährenden Manne, wenn auch ohne ihn zu kennen und unabsichtlich ft n r e ch t gethan zu haben; er fühle sich gedrungen, ihm sein aufrichtiges Bedauern darüber auszusprechen. Graf Arnim will auch die kränk­liche Frau des Arbeiters zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit in einer Lungenheilanstalt verpflegen lassen oder anderweitig in nachhaltigerer Weise ihr helfen.

DerReichsanz." meldet die Verleihung der Schleife zum Roten Adlerorden britter Klasse an den bekannten konservativen Reichstagsabg. Grasen Klinckowstroem-

Zur Jnsterburger Duelläffaire wird einem ostdeutschen Blatte mitgeteilt, daß der zur Disposition ge­stellte Oberst v. Reiß Witz im Falle Blaskowitz Jmrauf hingearbeitet hat, daß der Zweikampf mit dem Säbel ausgefochten werde, diese Bemühungen seien aber daran gescheitert, daß die beiden Artillerieoffiziere von ihrer For­derung auf Pistolen nicht abgingen.

Der Fall Kaufs mann wird im preußischen Land­tag von den Freisinnigen in Form einer an den Minister des Innern gerichteten Interpellation zur Erörterung gebracht werden.

Eine im letzten Vereinsheft des Volksvereins für das kathol. Deutschland enthaltene Statistik ergiebt, daß Ende 1901 im ganzen Reich auf 1000 Katholiken (groß­jährige Männer) etwa 34 Volksvereinsmitglieder kommen. Geringer ist diese Ziffer in den Provinzen Brandenburg und Westpreußen (4), Pommern (6), Ostpreußen, rechtsrhein. Bayern und Elsaß-Lothringen (9), Braunschweig (11), Schlesien (18), Königreich Sachsen (25), Provinz Sachsen (28), Baden (30); höher dagegen in Hessen-Darmstadt (44), Hessen-Nassau (51), Oldenburg (53), Pfalz (55), Rheinland (62), Lippe-Detmold (75), Westfalen (80), Mecklenburg- Schwerin (80), Hohenzollem (83), während Schleswig-Hol­stein und Die Hansestädte (113 bezw. 133), sowie Württem­berg (125) und Hannover (174) vorangehen.

Braunsberg, 25. Dez. Der Kaijerhat dem Bischof Dr. Thiel das von Professor Manzel geschaffene Relief­bild der Madonna zum Geschenk gemacht. Das Bildwerk trägt die Widmung:Wilhelm II. Deutscher Kaiser und König von Preußen dem Bischof von Ermeland Dr. Thiel."

Ausland.

Brüssel, 26. Dez. Der Senat stimmte in letzter Lesung dem Verbot aller Spielhöllen, Ostende und Spa mit einge schlossen, zu.

Paris, 24. Dez. Der Senat nal)m nach mehrtägiger Debatte den Gesetzentwurf betreffend die zeitweilige z o l l- freie Zulassung von Getreide an.

Deputiertenkammer. Bei der Beratung des Budgets des Innern wird von mehreren Deputierten ge­rügt, daß Karikaturen fremder Souveräneun- g e ft r a f t veröffentlicht wurden. Ministerpräsident Wal- deck-Roussean erklärt, die Regierung mißbillige durchaus solche Karikaturen, aber er halte sich an das Gesetz, wonach eine Strafverfolgung in solchen Fällen nur auf Antrag der in Frage kommenden Personen eintreten könne. Zu großer Eifer könnte nur Unzuträglichkeiten im Gefolge haben. (Beifall.) Im Laufe der Sitzung kommt es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen den Deputierten Allemane und Bernard, welche in Thätlichketten aus­arteten.

Ba sei, 26. Dez. Zu dem heute beginnenden fünften Z i onistenkongreß haben sich ca. 300 Delegierte hier eingefunden. In der heutigen ersten Sitzung, die durch den Präsidenten des Aktrons - Komitees Dr. Theodor Herzel eröffnet wurde, waren über 2000 Personen an­wesend. Zum Präsidenten des Legitimations-Ausschusses wurde Dr. Herzel und zum Vizepräsidenten Max Nordau gewählt. Die bisherige Geschäftsordnung wird angenom­men. In der Vormittagssitzung erfolgte die Verlesung des allgemeinen Teiles vom Rechenschaftsberichte des Aktions- Komitees durch Zarborec. Der Kassenbericht wurde von Dr. O. Kokesch erstattet.

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Kom südafrikanischen Kriegsschauplätze

liegt heute eine erfreuliche Weihnachtsbotschaft vor. Wir erhielten heute vormittag folgendes Telegramm ans London, das wir alsbald durch Anschlag in unseren Kästen bekannt gaben:

London, 27. Dez. Lord Kitchener meldet: Dewet er­stürmte am 24. ds. das Lager Firmans bei Troeefontein, wo 4 Kompagnien Beomaury mit 2 Geschützen standea. Zch fürchte, die Verluste fiud beträchtlich.

Kitchenerfürchtet" das genügt; nun weiß man, daß Dewet am Weihnachtsvorabend den Engländern eine er­hebliche Schlappe beigebracht hat. Selbstverständlich hat der englische Oberfeldherr seine Drahtnachricht so harmlos als möglich abgefaßt, um das Weihnachtsfest in England nicht allzusehr zu stören. Tie nächsten Tage werden ja dann abe~ nähere Nachrichten bringen.

Das Pariser BlattRappell" berichtet, Botha habe in seinem Lager 5 englische Offiziere zurückgehalten und Kitchener durch eine Botschaft benachrichtigt, daß er die­selben standrechtlich erschießen lassen werde, falls Kruitzinger von den englischen Behörden zum Tode verurteilt werden sollte. -Daily Mail" berichtet aus