Ausgabe 
28.11.1901 Zweites Blatt
 
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jähriger Dienstzeit, 30Iabilaren mit 25jähriger Dienst­zeit, sowie dem der Fabrik-Feuerwehr 25 Jahre angehörigen Mitgliedc August Schmitt aus WormS.

Gerichtssaal.

Hanau, 26. Nov. Vor der Strafkammer stand gestern der hiesige Amtsanwalt, Leutnant a. T. Karl Wentz, unter der Be- ichulbignng, gegen Mädchen unter 14 Jahren Sittlichkeit s- v e r b r e ch e n begangen zu haben. Tas Gericht nahm nur bei einem der drei unter Anklage stehenden Fälle ein versuchtes Sittlich­keilsoerbrechen als erwiesen an und verurteilte W. zu einer, Ge­fängnisstrafe von 5 Monaten. Tie Verhandlungen fanden hinter verschlossenen Thüren statt. Weiter hatte sich der Fahrbursche Wilhelm R ü h l von Sergen wegen fahrlässiger Todt u n g vor der Strafkammer zu verantworten. Rühl fuhr am 19. Sep­tember gegen abend mit einem beladenen Wagen von Vilbel nach Bergen und kam an dem mit seiner Familie neben der Fahrstraße beschäftigten Taglöhner Klein vorüber. Anstatt auf fein Gefährt au achten, sab Rühl nach dem Klein und unterhielt sich mit diesem. So kam es, daß er das mitten ans der Fahrstraße sitzende 3'/« Jahre alle Kind des Letztere«: überfuhr, sodaß es gleich Darauf seinen Verletzungen erlagi Der Angeklagte wurde deshalb ztt einer Ge- fängmsstrafe von 4 Monaten verurteilt.

Handel und Verliehe Volkswirtschaft.

Märkte.

Gießen, 37. Nov. Viehmarkt. Ter gestrige Auftrieb an Rindvieh belief sich ans etwa 1000 Stück und etwa 200 bis 304 Kalber. Es waren außer unseren Landrassen am Markt vorhanden sehr schöne Simmenthaler und Ostfriesen. Der Handel in Milch­vieh war ausgezeichnet, da zur Genüge Käufer vom Main, von der Nahe und von der Sieg anwesend waren, die frischmelkende und tragende Kühe suchten. Dagegen war für Fettvieh wenig Begehr; auch das Geschäft in Kälbern war nicht gut zu nennen und die Preise für diese Ware gingen herunter. Es wurden gebandelt: Milchkühe 1. Oinal. mit 450500 Mk., 2. Oual. mit 350400 Mk., Abmeltkühe, die dieses Mal willige Nehmer fanden, gingen für 160200 Mk. fort. Tragende Friesen wurden für 180220 Mk. verkauft. Junge fette Rinder, die (tm Markt waren, wurden zu 5860 Mk. pro ZenMer Schlachtgewicht tlmgcsetzt. Die Preise für Kälber gestalteten sich pro Zentner Schlachtgewicht wie folgt: Schwere Ware 5860 Mk., Mittelware 5355 Mk., geringere Tiere 4850 Mk. Der Markt wurde bis auf Fettvieh vollständig ge­räumt, von dem ein Teil überständig blieb.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Donnerstag den 28. November, abends 8 Uhr, im unteren Konfirmandensaale (Kirchstraße 9): Bibelftunde. Jac. 2, 18 u. folgende. Pfarrer Dr. Grein.

"Neueste Meldungen"

Originaldrahtmelduugen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 27. Nov. Mit Unterstützung der Reichspartei hat Abg. Arendt folgende Interpellation gestellt: Ist es dem Reichskanzler bekannt, datz Kriegsteilnehmern, denen auf Grund des Gesetzes vom 1. Juli 1899 die jährliche Beihilfe von 120 Mk. bewilligt ist, gegenwärtig wegen Mangel an finanziellen Mitteln die Auszahlung verweigert wird? Welche Maß- regeln gedenkt der Herr Reichskanzler zu ergreifen, um schleu- nigst und endgiltig diesem Mißstände ein Ende zu machen?

Hanau, 27. Nov. Baron v. Deines, der Baler des Generaladjutauteu des Kaisers, ist hier im Alter von 84 Jahren gestorben.

Bochum, 27. Nov. Ja Reweriughausen wurde ein Ar­beiter beim Verlassen einer Wirtschaft durch einm Dolchstich ins Genick getötet.

München, 27.Nov. Nach einer amtlichen Meldung stieß gestern früh 5% Uhr auf der Station Marktredwitz ein Persouenzug mit einem Eüterzug zusammen. 2 Reisende

wurden leicht verletzt. Beide Lokomotiven und mehrere Wagen sind beschädigt. Tie Verkehrsstörung ist wieder gehoben. Tie Ursache des Zusammenstoßes ist noch nicht frstgesteüt.

London, 27. Nov. Der DampferAlerta" ist mit 100 Passagieren bei Manila untergegangcn.

London, 27. Nov. Ta Lord Balfour durch Krankheit verhindert ist, auf der konfervativen Konferenz zu sprechen, wurde Chamberlain aufgefordcrt, ihn zu vertreten. Dieser lehnte jedoch ab.

London, 27. Nov. In einem Brief an seine Schwester berichtet Lord Kitchcner, daß er müde sei ttnd das Be­dürfnis habe, sich auszurrthen. Man schließt daraus, daß Kitchcner in kurzer Zeit seine Demission geben wird.

Madrid, 27. Rov. Infolge starken Schneefalls sind die Verbindungen vielfach unterbrochen. In ganz Spanien ist die Temperatur aus 7U unter Null gefallen. Seit 60 Jahren ist Aehnliches hier nicht beobachtet worden.

Lemberg, 27. Nov. Kommandant Pierson, einer der Burendelegierten, ist gestern nach Washington abge- reist, um bei Präsideat Roosevelt zu bewirken, daß die Absend­ung von Maultieren nach Südafrika eingestellt werde und völlige Neutralität beobachtet werde.

Balparaiso, 27. Nov. (Reuter.) Die in Umlauf ge- setzten Kriegsgerüchte werden hier auf Spekulationsabsichten zurückgeführt. Friedensanzeichen find, daß man sich in Chile mit den Vorbereitungen für öffentliche Arbeiten beschäftigt, namentlich mit dem Kanalisationssystem für Santiago, dem Kabel nach Sandypoint, der Bahn nach Carapaca und mit dem Bau von Docks für Balparaiso. Jndeffen wird bemerkt, daß die beste Gewähr gegen den Ausbruch eines Krieges zwischen Chile und seinen Nachbarn in dem ausgezeichneten Zustande seiner Nationalgarde liegen.

tt. Darmstadt, 27. 9!ov. Die Zweite Kammer be­schäftigte sich heute mit der Beratung der Anfrage des Abg. Korell betr- die Entschädigung der bei der Maul- und Klauenseuche gefallenen Tiere. Tie Re­gierung wird ersucht, durch Gewährung von unverzins­lichen Darlehen oder durch eine besondere Vorlage den betroffenen Landwirten zu helfen. Eine Vorstell­ung der Hilfsgerichtsschreiber und zweiten Ge­hilfen bei den Staatsanwaltschaften um Aufbesserung der Gehaltsverhältnisse wird, nachdem der Justizminister ein Eingehen auf das Gesuch abgelehnt hat, trotzdem dem Ausschuß zur nochm a li g en P r ü f u n g überwiesen. Eine Anfrage des Abg. Noack betr- die Gehaltsverhält- nisse derBeamten bei derMain-Neckar-Bahn beantwortet Dr. Gnauth dahin, daß die Verhandlungen der Regierung mit den betreffenden Bundesstaaten zum Abschluß gelangt sind. Dabei seien die Gehalts-Ver­hältnisse der Beamten geregelt worden. Eine Anfrage des Abg. Berthold den Vertrag der Gemeinde Bad-Nauheim wegen Waldaustauschcs wird dahin entschieden, daß der Vertrag an den Ausschuß zurückverwiesen wird, damit er nochmalige Erhebungen über den von Nauheim erzielten Nutzen anstelle.

Berlin, 27. Nov. Wie dieNat. Korr." hört, hat sich her Kriegsminister v. Go ßler bereit erklärt, die Inter­pellation Bassermann über das Jnsterburger Duell sofort zu beantworten. Von feiten einiger Mitglieder des Zentrums werden Anregungen zur Aenderung der Ge­schäfts-Ordnung des Reichstages behufs Verhütung einer etwaigen Obstruktion gemacht. Tiefe Anregung dürfte indes keine Aussicht auf Erfolg haben. Präsident Graf Ballestrem hat sich auch höheren Anregungen auf Aender­ung der Geschäfts-Ordnung gegenüber ablehnend verhalten.

Tie Abgg. Dr. Pachnicke und Rosicke-Dessan Huben mit Unterstützung der fr eis. Vereinigung einen Jni- tiativ-Antrag im Reichstage cingcbracbt dahingehend, eine Kommission aus Regierungsvertrctern, Rcichstags-Mit- gliedern und anderen auf diesem Gebiete erfahrenen Mäu* nern zu bilden, welche die bisher geacn die Folgen der Arbeitslosigkeit geschaffenen Versicherungs- Einrichtungen prüfen und Vorschläge über eine zweckmäßige Ausgestaltung dieses Zweiges der Ver-, sichcrung inachen Zollen. Tie sozialdem. Reichstags- Fra ltion hielt gestern nach Beendigung der Plenarsitzung eine Fraktivnssitzung ab, in der zunächst beschlossen wurde, bei der heutigen Wahl des ersten Vicepräsidenten den Abg. Singer in Vorschlag zu bringen und Zettelwahl zu fordern. Für die Besprechung der Duell-Interpellation wurden die Abgg. Haase und Bebel als Redner bestimmt. S-odann wurde beschlossen, eine Interpellation über die Völkerrechts- Widrigkeiten Englands im Burenkriege, ins- bcsondere über die Konzentrations-Lager nicht einzu- brmgen, sondern diese Frage bei der Spezialberatung des Etats umfassend zu erörtern. Endlich wurde mit Ein­stimmigkeit eine Interpellation an den Reichskanzler über die herrschende Arbeitslosigkeit beschlossen. Heute wird die Fraktion zum Zolltarif Stellung nehmen. Auf Grund zuverlässigster Informationen darf mit Bestimmtheit an­genommen werden, daß als Folge des Jnsterburger Duells eine präzisere Fassung der ehrengerichtlichen 93 c ft i m m ungen, soweit sie sich auf den Zweikampf beziehen, in Erwägung gezogen ist. Außerdem haben wir Grund, anzunehmen, daß von dem bisher in der Armee üblichen Brauch auch diesmal nicht abgewichen wird, nämlich besonders krasse Fälle nicht zu duldender Vorkomnmisse in einer belehrender! und ermahnenden Kabinettsordre, die durch die Generalkommandos den Kommandeuren der selb­ständigen Truppenkörper zur Mitteilung an ihre Offiziere zugeht, zu beleuchten. Wie dieDisch. Tagesztg." mit­teilt, hat der Bund der Landwirte Materialien zum Zolltarif in 12 Heften herausgegeben, unter denen sich als Doppelheft die Anträge des Bundes der Landwirte zum neuen Zolltarif als Eingabe an den Bundesrat und Reichstag befinden.

München, 27. Nov. Nach derN. Fr. Vztg." hat die Geliebte des Kneißl, eine Schwester seines Freundes und mitverhafteten Genoßen Vüst, dem Kneißl fast zur gleichen Zeit, in der er zum Tode verurteilt wurde, einen Knaben geboren.

London, 27. Nov. Campbell Bannermann hielt gestern in Lancaster eine Rede, in der er die bekannte Rede Chamberlains berührte, und sagte: Was sollen wir sagen über das Benehmen eines Ministers, welcher eine fremde Nation nach der anderen beleidigt, und die Entrüstung aller Einwohner der größten Militärmo n ar chie des heutigen Tages erweckt. Es ist kein Zweifel, daß das auf diese Weise geweckte Empfinden ein überreiztes Empfinden ist, aber das wird die Verant­wortlichkeit des Mannes nicht aus der Welt schaffen, der in solch heiklen Zeitumständen Worte gebraucht, die mög­licherweise einen so gefährlichen Aus schlag geben können, Worte, die leicht dazu angethan sind, den Krieg zu verlängern.

Paris, 27. Nov-Echo de Paris" meldet über Wie n: König Alexander von Serbien beabsichtige sich von der Königin Draga scheiden zu lassen, und deren jüngere Schwester zu heiraten. Diese hält sich schon seit einiger Zeit im Palaste auf, begleitet den König überall hin, und ist bei allen seinen Spielen seine Partnerin. Wie aus London gemeldet wird, soll der König sogar die Ehescheidung bereits eingeleitet haben.

Donnerstag den 9. Januar 1902, nachmittags 2'/, Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die Liegenschaften der Peter Worch Eheleute

Flur 25,74M/100 291 qm Hof- raite an der Chaussee auf der Warte,

Flur 25/7468/ieo 362 qm Grab­garten daselbst

öffentlich meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 26. Nov. 1901.

Großh. Ortsgericht Gießen. __________Gros._______7741

Donnerstag den 9. Januar 1902, nachmittags 2l/, Uhr, werden auf hiesigem Orl'sgericht die Liegenschaften des Wilhelm Steinbach öffentlich meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 26. Nov. 1901.

Großh. Ortsgericht Gießen.

__________Gros._______7742

Donnerstag den 9. Januar 1902, nachmittags 2*/, Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die Liegenschaften des Wilhelm Steinbach öffentlich meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 26. Nov. 1901.

Großh. Ortsgericht Gießen.

_________Gros._______7743

Die Lieferung der für die hiesige Bäuerische Stiftung in 1902 erforderlichen Fleisch-, Back- und Spezereiwaren, sowie der Milch, soll im Sub­missionswege vergeben werden. Offerten sind bis zum 7. De­zember l. F. Gartenstraße 11, pari., abzugeben, woselbst auch die Bedingungen eingesehen werden können. 7764

Gießen, 27. Nov. 1901.

Ter Administrator.

Bekanntmachung.

Donnerstag den 28. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, sollen da­hier, Neuenweg 28, mehrere Sophas, Kleiderschrärcke, Kom­moden, Spiegel, Bilder, eine Ladentheke, 17 Bände Brockhaus Lexikon und vieles andere zwangs­weise gegen bar versteigert werden.

Gießen, den 27. November 1901. 7756 Seipel, Gerichtsvollzieher.

Versteigerung.

Donnerstag den 28. d. MtS., nachmittags 2 Uhr, sollen da­hier im Lust'fchen Saale, Neuen­weg 28:

1. 15 silberne Taschenuhren, 19 Uhrkctten, 35 Anzüge (alles neu),

2. 1 Kassenschrank, 1 Schreib­tisch, 2 Vertikows, 1 Sofa, 12 Regulateure, 5 Kleider­schränke, 1 Divan, 1 Tru- mcaux, 1 Waschkommode, 2 Nachtschränkc, 1 Kommode u. v. a.

zwangsweise gegen bar versteigert werden. 7725

N.B. Die Versteigerung der Taschemchren, Uhrketten und An­züge findet bestimmt statt.

Gießen, den 26. Novbr. 1901. Seipel, Gerichtsvollzieher.

Statt. Schlachthaus.

Freibank.

Heute und morgen: Nchsevürilch 56 {Jfg. Stitrfleifdj 54 Pfg. KirhÜkisch 50 Kfg.

Sämtliche

Wallthorstrasse 29,

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National-sozialer Verein. Freitag den 29. November 1901, abeudS 9 Uhr, im CafL Ebel: 04805

Vortrag des Herrn Dr. Maurenbrecher aus Berlin über

K Wust der deutschen Laudmrtschast.

Freie Diskussion. Gäste willkommen.

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