Ausgabe 
28.8.1901 Zweites Blatt
 
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3rie Sache nichtabgethau". In der Versammlung des vierten Berliner Wahlkreises wurde in einer Resolution die Leshimmte Erwartung ausgesprochen, der Parteitag werde gegenüber den neuesten Bestrebungen Bernsteins, den im Erfurter Programm niedergelegten Grundsätzen die wissen­schaftliche Grundlage zu entziehen, entschieden und unzwei­deutig Stellung nehmen, und die Art, wie Bernstein Ver­wirrung und Uneinigkeit in die Reihen des kämpfenden ^Proletariats trage, mißbilligen. Alle Parteigenossen müßten lich den auf den Parteitagen festgelegten Grundsätzen fügen; Revisionen müßten in der Partei selbst und auf den Partei tagen errungen, nicht aber in das Lager der Gegner ge­tragen werden. Dieselben Anschauungeii vertrat in der -Empfehlung dieser Resolution des Berichterstatters Adolf Hofsmann.

Im sechsten Wahlkreise beschloß man kurzer Hand eine Erklärung zu beantragen, wonach der Parteitag die Art der Agitation Bernsteins mißbilligen soll, weil dadurch die Ziele der Partei vollständig' unklar würden. Genosse Kiesel, der den Antrag begründete, erklärte, es werde nicht Dei Bernstein allein bleiben dürfen, auch der Genosse Calwer habe sich noch oor kurzem berufen gefühlt, die 9cottoenbigfcit des Schutzzolles zu beweisen, während die Partei in schärfiter Weise gegen den Zollwucher kämpfe. Es soll also nicht bloß über diejenigen, die an den Partei­grundsätzen rütteln, sondern über alle, die in irgend einer Frage nicht mit der Partei gehen, Gericht gehalten werden.

-Ohne Zweifel wird der Antrag, dieBernsteinerei" -auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen, noch von den verschiedensten Seiten gestellt werden. Die Erörterung dürfte also sicher stattfinden; daß sie recht lebhaft werden wird, ist vorauszusehen. Ob das Ergebnis diejenigen be­friedigen wird , die sie veranlaßt haben, ist eine andere Frage. Schweigen wird man ihm schwerlich gebieten, noch weniger ihn aus der Partei ausstoßen; da er gar zu viele Gesinnungsgenossen hat, bedeutete das den Krach in der Partei. Tas weiß auch der Vorstand gan^ genau. Darum ilst für ihn die Sacheabgethan".

Bauhandwerk und Industrie* *).

Von Emil Kruse, Malermeister in Berlin.

Fast alle Kollegen klagen seit Monaten über den Rück­gang oder Stillstand des Geschäfts. Tie industriellen Etab­lissements geben immer weniger Aufträge, und die Bauten, namentlich diejenigen, welche dem Handwerker noch einen zufriedenstellenden Nutzen lassen, werden immer seltener. Beide Thatsachen stehen in einem gewissen Zusammenhang -miteinander, denn die Industrie befindet sich zur jetzigen Zeit in einer Krisis; sie hat nur geringen Absatz für ihre Fabrikate, kann deshalb ihre Arbeiter oft nicht ganz be­schäftigen und übt so auch einen ungünstigen Einfluß auf die Entwickelung der Ban-Un-ternehm ungen aus. Namentlich ist die Industrie aber in einer großen Ungewiß­heit wegen ihrer Zukunft; denn in den nächsten Jahren «gehen die deutschen Handelsverträge mit den wichtigsten Ländern zu Ende, und von deren Neugestaltung ist das fernere Wohl und Wehe unserer Industrie abhängig.

Ta mithin die Handelsverträge auch für uns Hand­werker Interesse haben, so möchten wir uns kurz mit den­selben befassen:

Handelsverträge sind Abmachungen, welche für einen gewissen Zeitraum zwischen verschiedenen Staaten über die Regelung ihrer gegenseitigen Handelsbeziehungen getroffen werden. Sie setzen hauptsächlich die Zölle fest, die von den -einzelnen Staaten erhoben werden, und ermöglichen so unserer Industrie durch die herbeigeführte Ständigkeit der Verhältnisse, in den Vertragsländern den Absatz ihrer Waren sich zu sichern und immer weiter anszudehnen. Für Deutschland sind solche Handelsverträge mit der Zeit äußerst wichtig geworden, da unser Vaterland in den letzten Jahrzehnten aus einem Ackerbaustgate, der hauptsächlich vom Ackerbau lebt, zu einem Jndustriestaate geworden ist, der den größten Teil seiner Einwohner aus der Ausfuhr der Jndustrieerzeugnisse nach fremden Ländern nährt. Wäh­rend nämlich noch im Jahre 1850 65 Prozent der Gesamt­bevölkerung des Deutschen Reiches sich dem Ackerbau wid­meten, lebten im Jahre 1890 nur mehr 35 Prozent ton1 der Landwirtschaft. Was die ausländischen Staaten heut­zutage für unser deutsches Gewerbe bedeuten, erhellt am Vesten ans der einen Zahl : Im letzten Jahre führte 'Deutsch­land für 4 Milliarden 753 Millionen Mark Waren nach dem Auslande aus.

Wie wir oben anführten, ist der jetzige flaue Geschäfts­gang unseres Gewerbes größtenteils durch das Darnieder­

*) Aus Nr. 24 der Berliner Maler-Zeitung.

liegen der Industrie bedingt. Ebenso aber wird auch wieder das Aufblühen und der stetige Aufschwung der Industrie unserem Handwerkerstände genügende Arbeit und guten Verdienst bringen. Denn wenn die Fabriken viel zu thun haben, dann werden auch wir von denselben mit den ver­schiedensten Arbeiten beschäftigt. Die Fabrikgebäude wer­den erweitert, die Verkehrsanlagen, wie Eisenbahnen usw., ausgedehnt, und überhaupt viele EinrickMngen geschaffen, die unter mißlichen wirtschaftlichen Verhältnissen niemals entstanden wären. Die Blüte der Industrie bringt bei der ganzen Bevölkerung eine Steigerung der Lebensbedürfnisse hervor, und ermöglicht einen gewissen Luxus, der den .Hand­werkern lohnende Arbeit zuführt. Der industrielle Unter­nehmer ist geneigt, mehr Geld wie sonst auf sein Haus und seine Wohnung zu verwenden: namentlich aber strebt er darnach, die verdienten Kapitalien in Immobilien an­zulegen, und belebt dadurch die Baulust. Tie industriellen Arbeiter sind bei der vollen Beschäftigung und dem ge­steigerten Arbeitslohn in der Lage ausgedehntere und komfortablere Wohnungen als sonst zu beziehen.

Ter Handwerker und speziell der Bauhandwerker hat also ein großes Interesse daran, daß die Industrie sich einer günstigen Entwickelung erfreut, und diese ihr durch die Erneuerung der Handelsverträge im Jahre 1903 er­halten werde. Die Fortführung dieser Handelsverträge stellen sich nun einige wenrge aber sehr einflußreiche in­dustrielle Hochschutzzöllner und die Agrarier direkt oder indirekt entgegen. Die industriellen Hochschutzzöllner wün­schen ungebührliche Zölle -mf Rohmaterialien für die In­dustrie, namentlich auf Blei, Kupfer, Eisen und Stahl, und würden dadurch die Rohfabrikate (auch z. B. Bleiweiß) bedeutend verteuern, namentlich aber der Metall ver­arbeitenden Industrie die Konkurrenz gegen das Ausland, das über billigeres Rohmaterial verfügt, unmöglich, machen. Die Agrarier, welche sich von den Großgrund­besitzern im Osten Deutschlands ins Schlepptau nehmen lassen, erstreben eine ganz unbescheidene Zollerhöhung auf Getreide, wodurch die Lebensmittel bedeutend verteuert, die Arbeitslöhne unserer Gesellen in die Höhe getrieben und das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeit­nehmern verschlimmert würde. Beide Parteien, die in­dustriellen Hockfichutzzöllner und die Agrarier würden aber durch die Verwirklichung ihrer Wünsche erreichen, daß die .Handelsverträge nicht erneuert würden, da die fremden Staaten sich auf so hohe Zölle nicht einlassen können.

Wir sehen also, daß überall die Interessen des Hand­werks und der Industrie in handelspolitischer Beziehung gemeinsame sind, da das Handwerk in erster Linie von der Kundschaft der Industrie und nicht von derjenigen der Landwirtschaft abhängig ist. Unsere Vertretungen, nament­lich die Innungen und Handwerkskammern, sollten daher diese Anschauung bei jeder Gelegenheit, namentlich den Behörden und der Oeffentlichkeit gegenüber auch zum Aus­drucke bringen, und sich mit jenen nationalen Männern solidarisch erklären, denen wirklich an der Blüte des Hand­werks und der Industrie, überhaupt an der Wohlfahrt unseres Vaterlandes gelegen ist.

Aus Stadt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ip nut unter genauer Quellenangabe: Nnz." gestattet.)

Gießen, den 27. August 1901.

* Fahnenflucht. Die Musketiere Eugen Hotel von der 3. Kompagnie und Wilhelm Kappler von der 4. Kompagnie des Inf.-Regiments Nr. 116 haben sich ohne Urlaub vom Regiment entfernt. Es ist gegen sie wegen Verdachts der Fahnenflucht Steckbrief erlassen worden.

-m. Ostheim b Butzbach, 24. August. Im nächsten Früh­jahr wird man hier mit dem Bau eines neuen Schul­tz aus es, das zwei Klassensäle und zwei Wohnungen enthalten soll, beginnen. Eine Wiese vor dem Dorf an der Straße nach der Haltestelle zu ist als Bauplatz in Aussicht genommen. Nach Vollendung des Neubaues wird die jetzt einklassige Schule in eine zweiklassige verwandelt werden. Obwohl die Zahl unserer schulpflichtigen Kinder erst 75 beträgt, hat sich doch der hiesige OrtSvorstand zur Teilung der Klasse ent schlossen, was umsomehr anzuerkennen ist, als die meisten Gemeinden sich erst dann zur Errichtung neuer Klasse verstehen, wenn die gesetzlich höchste Schülerzahl überschritten ist. Die Fertigstellung des Neubaues dürfte nicht vor 1903 erfolgen.

e. Friedberg, 25. August. Wie wir bereits berichtet haben, findet die Wahl der Stadtverordneten am 2. September statt. Der neue Stadtrat wird alsdann einen Beigeordneten ernennen, der die Geschäfte der Verwaltung bis zur Be­

setzung der Bürgermeisterstelle zu führen hat. Letztere dürf t bald nach den Wahlen zur Ausschreibung gelangen, mög­licherweise aber nicht vor dem 1. Januar definitiv besetzt werden.

Offenbach, 26. Aug. Zu der, wie wir gestern meldeten, am Samstag vollzogenen Eröffnung des Großschjfs, fahrtweges auf der Mainkanalstrecke von der Frankfurter alten Brücke bis Offenbach, sei noch folgendes nachgetragen: Von einer besonderen Feierlichkeit war abgesehen, es sollte lediglich eine gemeinsame Strombefahrung der preußischer und hessischen Beamten zur Besichtigung der neuen Schleusen- und Wehranlagen stattfinden. Die Schiffsgesellschaften, Rheder und Interessenten hatten es sich aber nicht nehmen lasten, oem Tage ein festliches Gepräge zu verleihen. Schon an frühen Morgen kleideten sich die im Hafen und an den Main- ufern liegenden Schiffe in Flaggenschmuck. Aus Hessen wäre» zur Teilnahme an der Feier eingetroffen: Ministerialrat Frhr. v. Biegeleben, Geheimer Oberbaurat Jmroth, Baurat Schmitt, Baurat Weihrich, Oberfinanzasseffor Frhr. v. Schenk zu Schweinsberg und Bauinspektor Becker; aus Preußen: Regierungsrat Kantel, Regierungsrat Schickert, RegierungS- und Baurat Rasch und Wafferbauinspcktor Baurat Hahn. Zur Aufnahme der Beamten lagen der hessische Reg -Dampfer Hassia" und der preußische Reg.-DampferDelphin" bereit. Als dieHassia- sich in Bewegung setzte, zog derDelphin" zu Ehren der hessischen Beamten am Maste die hessische Flagge und gab Böllersalut. Die Befahrung begann erst dem Hafen entlang, dann drehten die Schiffe bei und fuhren zurück stromauf, an der SpitzeHassia- mit den Gästen, im Kielwaffer derDelphin". Bon dem Bootsplatz der Frankfurter Rudergesellschaft auf der Insel donnerten Salut, schüffe, die von einem der Schwanheimer Boote aufgenommev wurden. Letzteres Boot und ebenso ein solches der Ruder« gesellschast folgten den Regierungsdampfern. Unter Böller- schüffen dampften die Schiffe in der neu hergestellten Fahr­rinne bergwärts, von den am Ufer versammelten Zuschauern lebhaft begrüßt. Kanonendonner empfing sie an der neuen Schleuse bei der Gerbermühle. DieHassia- Passierte als erstes Schiff die Schleusenthore, ihr folgten die anderen. Die Schleuse war damit eröffnet; ohne alle Förmlichkeiten hatte sich ein für den Verkehr auf dem Main bedeutsames Ereignis vollzogen. Einer eingehenden Besichtigung der Bau- anlagen folgte dann die Durchlaffung eines FloßzugrS durch die Floßrinne auf der preußischen Seite, sowie die Schleusung eines auf der Bergfahrt begriffenen Schleppzuges durch die auf hessischer Seite gelegene Schleuse. Während bis jetzt nur Schiffe bis zu 0,90 Meter Tiefgang (bei Mittelwaffer) gehen konnten, ist heute Fahrzeugen bis zu 2,30 Meter Ein­tauchung der Verkehr ermöglicht.

Darmstadt, 26. August. Der Herzog von Tam- bridge stattete heute dem Großherzogspaar einen Be­such auf Schloß Wolfsgarten ab.

Mainz, 26. August. In Mainz besteht seit der Er­öffnung des Schlacht- und Viehhofes die sonst nicht bekannte Polizeiverordnung, daß das zum Privatgebrauch in die Stadt gebrachte frische Fleisch einer gesundheitlichen Nach, kontrole auf dem Schlachthofe unterzogeu werden muß, auch wenn das Fleisch an seinem Herkunftsort bereits untersucht ist. Neulich erhielt am Sonntag ein höherer Offizier dx Stück frisches Fleisch von auswärts zugesendet, er bezahlte das fällige Oktroi, unterließ aber die angeordnete Unter­suchung des Fleisches, die Übriges wegen des sonntäglichen Schluffes des Schlachthofes erst am Montag hätte geschehen können, er aber die Sendnrg für die Küche sofort holen mußte. Wegen der Nichtbeachtung der Polizeiverordnung wurde der Offizier in die gesetzlich zulässige Strafe genommen. Dagegen richtete er eine Beschwerdeschrist an das Großh. Ministerium unter Berufung auf die in Preußen bestehenden Bestimmungen. Das Ministerium entschied zu Gunsten de» Offiziers, trotzdem es s. Zt. der provisorischen Pollzet- verordnung feine Zustimmung erteilt hat. Mit dieser Tot- scheidung ist nun die betr. Polizeiverordnung gefallen; in nächster Stadtverordnetenfitzung wird die Bürgermeisterei einen diesbezüglichen Antrag stellen.

Vermischt«. ~~

Hamburg, 26. Aug. Bei dem Juwelier Sllber« berg in den Alsterarkarden wurde in der letzten Nacht durch

denn geschlossen sey, alle herzlichen Segnungen wiederholt hinzufügend in treuer Anhänglichkeit

I. W. Goethe."

Weimar, den 12. August 1830.

Den Namen der Witwe, an die der Brief gerichtet ist, nennt das Schreiben selbst nicht. Das Goethe-Schiller- Archiv zu Weimar, besitzt aber den ersten Entwurf des Briefes, und hier ist Frau Sartorius von Woltershausen, die Witwe des als Geschichtsforscher und Staatswirtschafter bekannten Göttinger Professors Sartorius, als Adressatin vermerkt. Der Brief ist diktiert, doch mit der eigen­händigen Unterschrift Goethes versehen.

Frankfurter Schauspielhaus. Man schreibt aus Frankfurt a. M. unterm 24. August: Unser Schauspiel­haus war gestern abend der Schauplatz begeisterter Ova­tionen für die scheidende Irene Triesch, welche un­serem Ensemble drei Jahre lang angehört hatte. Sie trat als Klara in HebbelsMario Magdalena" dahier zum letzten Male aus, und wenn audji die Rolle nicht in allen Punkten ihrer künstlerischen Persönlichkeit entspricht, so war das Publikum, empfindsam gestinimt durch die Scheidestunde, dennoch bemüht, der Künstlerin seine Sympathien mehr­mals recht warm und herzlick zum Ausdruck zu bringen. Tie Bühne füllte sich- nach den Aktschlüssen mit Blumen .und Kränzen, und die Gefeierte mußte immer wieder vor die Rampe treten. Von Rührung übermannt, wußte sie nichts hervorzubringen, als ein gestammeltesAuf Wiedersehen", das im dicht besetzten Hause eifrigen Wider- Zastd. Nach der Vorstellung spannten junge Enthusiasten der Künstlerin die Pferde aus, und zogen sie im ^.rinmphe und unter dem Jubel einer zahlreichen Menge durch die Straßen. Was Theo d o rBe r t r a m in Bayreuth versprockMn, scheint er der deutschen Oper zu halten. Im Frankfurter Opernhause sah man ihn als ,Holländer" unb stand im Banne seltener künstlerischer Vollkommenheit und Großzügigkeit. Tas herrliche Organ des Sängers prädestiniert ihn für die tragischen, helden­haften Bariton-Figuren des neudeutschen Tondrama^- die

tiefe Beseelung, die er seinem Holländer z-i leihen wußte, im Verein mit der hochintelligenten und so überaus natür­lichen und charakteristischen Zeichnung hinterließen eine nachhaltige Wirkung, die sich in ungewöhnlich herzlichen Ovationen äußerte.

Das Ehristenbuch, lVerlag der Buchhandlung für Innere Mission Stuttgart), herausgegeben von A. v. Bil­finger, Prälat in Stuttgart, T-r. R. Psleiderer, Stadt- psarrer in Ulm, Dr. R. Weitbrecht, 'Pfarrer in Wimpfen, willein christlicher Hausschatz" im vollen Sinne des Worts sein, eine Schatzkammer für alle Lebenslagen und Lebens­stufen, dazu angethan, um in stillen Stunden die Herzen nach innen und oben zu leiten, und aus dem unerschöpf­lichen Born des Gotteswortes zu speisen. Das Ehristen­buch setzt sich die praktische Brauchbarkeit für die Bedürf­nisse des täglichen Lebens aller Stände und Volksklassen zum Hauptziel; es nimmt Rücksicht auf die Fragen der Gegenwart und die Zeitverhältnisse, unter denen der Ehristen glaube sich bewähren muß und reiht die einzelnen Betrachtungen nicht zufällig, sondern nach einem, das ganze Jahr mit den Kirchenfesten umfassenden, wohldurch­dachten Plan aneinander. Das Ehristenbuch vereinigt die gesamte Hausandtuhi: also Morgen- und Mendsegen, An­dachten und Predigten, sowie Unterweisung des Lesers über den christlichen Glauben in einem Werke und all' dies' zu einem Preise, für welchen bisher kaum ein gutes An- dachts- oder Predigtbuch allein zu erhalten war. Die Namen der Herausgeber bürgen für eine gediegene Durch­führung des groß angelegten Werkes. Das Ehristenbuch ist berufen, in jedem evangelischen 5^aufe alsFamilien- schvtz" sich einzubürgern. Tas Werk ist, in 25 Lieferungen a 40 Pf. durch die meisten Buchhandlungen zu beziehen.

Der Tanz.

Der Schritt der letzten Gäste klang im Flur, Dann wurde dumpf die Hausthür zugrschlagen, Und in die Sturmnacht fuhr der letzte Wagen.

De8 HaufeS junge Töchter blieben nur Allein im Saal, im traumhaft aolbnen Glanze Herabgebrannter Kerzen, deren Duft Wie Weihrauchqualm durchzitterte die Lust, So fchwül und schwer noch von dem wilden Tanze. Die älteste der schlanken Schwestern stand An dem Klavier, und ihre Lippen sangen Die Walzerweisen, die ihr Herz durchklangen, Bis Ton auf Ton die schmale Rechte fand. Die müden, blonden Zwtlltngsschwestern kamen Langsam herbei und sangen leise mit, Und wiegten lächelnd sich im Walzerschritt, Als ihre LtebltngSweise sie vernahmen, Die jüngste aber zog aus ihrem Strauß Langsam der roten Nelke Glut heraus Und steckte sie in ihre Gürtelspange, Und raffte schweigend wie im tiefen Traum, Ihr weißes Kleid und schien's zu merken kaum, Daß sie schon tarzte nach der Schwestern Sange;: Mit großen Augen schwebte sie dahin, Langsam und feierlich, als ob sie lauschte, Wie schwer und starr die weiße Seide rauschte Bei jedem Schritt der blaffen Tänzerin. Sie gab nicht acht, daß allgemach verhallten Der Schwestern Stimmen, und sie sah es nicht, Wie leise quelmend auSlosch Licht um Licht, Vor ihren Ohren tausend Geigen hallten, Auf ihrem Scheitel lag der Schönheit Glanz, Strahlend und heiß, bis rot wie Apfelblüten Die weichm, runden Mädchenwangen glühten.

Und immer schneller ward der stille Tanz Und immer wilder. Ihre Arme hoben In Seligkeit und Sehnsucht sich nach oben, Um ihre heiße Ktndersttrne flog Das langgelöste Haar in blonden Strähnen, In ihren Auaen brannten heiße Thränen, Und tief ihr Haupt sich in den Nacken bog.

Lautknisternd los» die letzte Kerze aus. Die Schwestern riefen fern auS ihrem Zimmer Hoch atmend aber stand das Kind noch immer Und horchte, wie der Nordsturm fuhr um« ©r