Ausgabe 
28.6.1901 Erstes Blatt
 
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Dem allgemeinen raschen Fortschritt, entspricht eine Zugvermehrung um 26 aus den oberhessischen und 30 auf den Ludwigsbahnstrecken; dadurch wurde selbstverständlich eine Vermehrung der Betriebsmittel und der Beamten not­wendig. Tie Haltestellenau,seher und Weichensteller er­fuhren einen Zuwachs von 4,1, das Stations- und Abfertig­ungspersonal von 80, das Maschinenpersonal von 77, das Zugpersonal von 74, die übrigen Klassen von 16, im ganzen von rund 300 Stellen. Damit ging die Herabsetzung der Dienstzeit Hand in Hand. Bei der Oberhessischen Eisen­bahn hatte die Tienstdauer bis 16 Stunden, bei der Lud- wigsbcü;n bis zu 20 Stunden täglich betragen, während sie jetzt sich zwischen 12 bis 15 Stunden bewegt. (Eine fernere Einschränkung bei dem äußeren Tienste wäre im Interesse des Staates, der Beamten und der Sicherheit des Publikums sehr wünschenswert.) Zu gleicher Zeit fanden Gehaltsaufbesserungen der mittleren und unteren Kategorien statt, die im Tirektionsbezirk Frankfurt jähr­lich über eine halbe Million Mark betragen. Tas jähr­liche Tiensteinkommen der Beamten der Hessischen Ludwigs- Bahn belief sich pro Kopf auf 1336 Mk., das der Hilfs­beamten auf 613 Mk. Beide berechneü^sich am 1. April 1901 aus 1621 Mk. bezw. 989 Mk. Auch die Arbeitskräfte im Stations-, Bahnunterhaltungs- und Zugdienst wurden ver­stärkt und deren Löhne erhöht.

An Wohlfahrtseinrichtungen oder Anstalten sozialer Art waren bei bett beiden Bahnen früher nicht viel vor­handen. Ein Unternehmer und besonders ein unternehmen­der Staat hat seine Pflicht gegen sein Beamtenpersonal nicht ausreichend dadurch erfüllt, daß er hinreichende Löhne zahlt, und dafür glaubt, streng auf Tiensterfüllung sehen und das geringste Versehen scharf ahnden zu dürfen; erst wenn Wohlfahrtseinrichtungen und sozialpolitische Verbesserungen in größtem l'mfange getroffen worden sind, wodurch in' finanzieller, wirtschaftlicher, gesundheitlicher, die allgemeine und Fachbildung fördernder Beziehung für das allgemeine Wohl der Beamten und Unterbeamten ge­sorgt ist, erst dann kann sich der Arbeitgeber beruhigen. Daß für derartige Dinge eine dividendenschneidende Aktiengesellschaft kein Verständnis hat, darf weiter nicht Wunder nehmen; auch die Oberhessische Bahn, die doch staatlich war, konnte zu derlei Veranstaltungen ohne große Verluste nicht die Hand reichen, da ihre Gewinne sich in den allermäßigsten Grenzen hielten. Aber durch diese That- sache lernen wir zweierlei. Einmal daß es höchste Zeit war, daß der das Personal ausnutzenden Aktiengesellschaft durch Verstaatlichung das Lebenslicht ausgeblasen wurde und dann, daß man einsehen muß, daß Wohlfahrtseinrichtungen in großem Stile nur von größeren Unternehmungen mit Erfolg und ohne allzu schwere finanzielle Belastung unter­nommen werden können. Eine Arbeiterpensionskasse ge­währt Witwen-, Waisengelder und Zuschußpension, eine Sterbekasse hilft über die anfänglichen Schwierigkeiten bei dem Tode des Ernährers hinweg. Ter Unterstützungsfonds hat im Etatsjahre 1900 rund 100000 Mk..verausgabt, bei langjähriger Dienstzeit werden Belohnungen von 30 bis 100 Mk. verabreicht. Bahnärzte werden den Betriebs­beamten und deren Familienangehörigen zur Verfügung gestellt, die Leistungen der Krankenkassen sind nach Steiger­ung des lausenden Beitrags von 1 dreiviertel des Lohnes auf 3 Proz., wovon zweidrittel das Mitglied, eindrittel die Verwaltung bezahlt, von 13 Wochen'auf 52 Wochen und »auch zugleich auf die Familienangehörigen ausgedehnt worden. Uebernachtungsgebäude, Badeeinrichtungen und Kantinen sorgen für das leibliche Wohl, Lehrlingswerkstätten, Sta­tions- und Eisenbahnschulen für weitere Fachbildung, gesell­schaftliches Leben blüht in den Eisenbahnvereinen,'die sich durch Spar- und Tarlehnskassen auch den wirtschaftlichen Zwecken ihrer Mitglieder widmen.

Wir sind im Verfolg des v. Heylschen Berichts am Schlüsse angekommen. Doch bleibt uns daraus die nötige .Schlußfolgerung zu ziehen noch übrig. Tie hessisch-preu­ßische Eisenbahngemeinschaft kann sich bis jetzt der un­geteilten Popularität noch nicht erfreuen. Alle wirtschaft­lichen Vorteile, die zum besten der Staatskasse bis jetzt bekannt geworden sind, konnten die Vorurteile nur in sehr geringem Maße zerstreuen, indem stets darauf hin­gewiesen wurde, daß unsere Autorität und Selbständigkeit in dem Eisenbahnwesen fast gänzlich verloren gegangen. Allerdings reichte die staatliche Autorität in der Mscn- bahnverwaltung in früherer Zeit auch nicht weit. Sie be­wegte sich außer einigen Nebenbahnen nur auf die beiden größeren Strecken GießenGelnhausen und GießenFulda. Auf dem ganzen übrigen Gebiete der jetzigen Gemein­schaft soh sich die Regierung einer Aktiengesellschaft, die stets das Ihre suchte, machtlos gegenüber. Sie konnte in der Kammer laut gewordenen Klagen auch nicht begegnen. Ter innere Betrieb war ihr aus der Hand genommen. Bei dem heutigen einheitlichen Betriebe ist die Herrschaft eines einheitlichen Willens unvermeidlich, und dies^x Wille ist der Preußens. Tas ist zweifellos unsererseits ein Uebelstand. Hessische Wünsche, sofern sie speziell hessiches Interesse ver­folgen, bleiben stets unerfüllt. Es ist aber einzusehen, daß unser Land seiner geographischen Lage nach dem Turch- gangs- und internationalen Verkehr sich nicht länger ver­schließen konnte, andererseits aber zur richtigen Ausge­staltung eines solchen Verkehrs und zu einem selbständigen, fruchtbringenden Betrieb zu klein ist. Und so tritt uns immer aufs neue der Gedanke, daß das Reich das ganze Eisenbahnwesen in eigene Rechnung übernehme, entgegen. Aber wir haben bereits an dieser Stelle mehrfach aus- gcführt, welche kaum übertoindlichen Hindernisse sich ihm heute in den Wetz legen. Darum blieb uns doch wohl nichts anderes übrig, als die Gemeinschaft mit Preußen.

Wir hoffen nun, daß die preußische Eisenbahnverwalt­ung auch bei uns jene in Süddeutschland längst beliebten Vergünstigungen sür das reisende Publikum eintreten lassen wird, wie die in Baden so überaus freudig aufge- nommeneu Kilometerhefte, die Rückfahrkarten mit zehn- läger Giltigkeitsdauer und ähnliches.

Nach dem Tschadsee.

In der Entsendung von Expeditionen nach dem Inneren Afrikas sind die Franzosen besonders rüstig. Ihr Hauptaugenmerk richteten sie in den letzten Jahren auf die Erreichung des Tschadsees und die Erschließung der angrenzenden Gebiete für den französischen Handel. Nicht weniger als drei Expeditionen drangen von ver­schiedenen Seiten gegen diesen See vor, und es ist ihnen nach harten Kämpfen mit oen arabischen Wüstenstämmen gelungen, sich zu vereinigen und das Ziel zu erreichen. Die Trikolore hat also bisher den größten Erfolg im

Wettbewerb um die Tschadseegebiete aufzuweisen, ob­gleich von einer Unterwerfung der gewaltigen Länder­strecken durch die ftanzösischen Waffen noch keineswegs gesprochen werden kann.

Auch Deutschland hat in jenen Gegenden bekanntlich wichtige Interessen. Turch den die Grenzen im Kame­runer Hinterland regelnden Vertrag vom Jahre 1894 ist ihm der größte Teil von Adamaua zugefallen. Am Tschad­see selbst schneidet die den Franzosen zuerkannte Inter­essensphäre ziemlich tief in deutsches Gebiet ein, was umso weniger erwünscht ist, als schon von Westen her die eng­lischerseits beanspruchte Zone das deutsche Terrain ein- engt. Doch daran läßt sich wohl nichts mehr ändern. Uebrigens ist das der deutschen Flagge unterstellte Gebiet noch groß genug, um den deutschen Handel im Tschadsee­lande konkurrenzfähig werden zu lassen. Mit der Pionier­arbeit auf deutscher Seite will es aber nicht recht Dort t alten gehen.

Ter Gedanke, eine Reichsexpedition nach dem Tschadsee zu entsenden, ist wiederholt gefaßt, aber immer wieder aufgegeben worden, weil die Zustände im Kame­runer Hinterland gefahrdrohend erschienen, und die zur Verfügung stehenden eigenen Streitkräfte nicht entfernt genügten. Tie EnMendung einer Handelsexpedition nach dem Benuä ist durch ein vor geraumer Zeit unter dem Vorsitz des Konsuls Vohsen seitens der Teutschen Kolonialgesellschaft gebildetes Konnte vorbereitet worden. Tie Gesellschaft selbst habe eine Beihilfe von 25000 Mark in Aussicht genommen. Man mußte aber auch dieses Projekt wieder vertagen, weil die Handelsexpedition nur im Anschluß an eine militärische ausgeführt werden kann. Eine Verstärkung der Kameruner Schutztruppe wird sich!, nach der Auffassung von Kolonialpolitikern, nicht umgehen lassen, da erwiesen ist, daß die Anwerbung farbiger Sol­daten wachsenden Schwierigkeiten begegnet. Auch Frankreich ann die am Tschadsee gewonnene Position nur dadurch liehaupten, daß es eine Reihe fester Militärstationen längs der Straße errichtet, auf der sich, voraussichtlich! der Waren­austausch zumeist abwickeln wird.

Der frühere Kolonialdirektor v. B u ch k a hatte in den Verhandlungen mit der Kolonialgesellschaft die Entsendung einer Expedition zunächst bis Gerna und die Errichitung einer Alilitär- und Zollstation daselbst als Regierungs- irogramm bezeichnet. Im Etat für 1901 wurden dann 50000 Mark gefordert und bewilligt als Reichsbeihilfe zu den Kosten einer Tschadsee-Expedition. Ohne Reichtz- unterstützung wäre nämlich an ekn Zustandekommen der Expedition überhaupt nicht zu denken. Nun hat man aber seitdem von der Expedition nichts mehr gehört. Es wäre deshalb wünschenswert, daß sie bei den heute (Donnerstag) beginnenden Verhandlungen des Kolonial­rats zur Sprache gebracht würde. Tie Regierung ist ja jetzt an dem Unternehmen direkt beteiligt. Insbesondere wäre eine Mitteilung darüber von Interesse, ob nach dem Tode des Araberhäuptlings Rabah die erhoffte Be- ruhigung der Wüstenstämme eingetreten ist._____________

Aus Stadt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original«Nachrichten ist nut unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.)

** Auszeichnungen. Der Groß Herzog hat zum 26. Juni die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen dem Tirektor des Pre­diger-Seminars zu Friedberg D. Wilhelm Weiss en buch; das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Tienste" dem Steinmetzpolier Georg Seeger in Sandbach, dem Maurerpolier Karl Schwalm in Friedberg, dem Zimmerpolier Ernst Z ö l l in Friedberg, dem Techniker Wilhelm Sch u t t in Dorheim; das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Arbeit" dem Steinmetz Mel­chior Linden st ruth in Beuern, dem Steinmetz Philipp Sommerlad I. in Beuern, dem Maurer I. Adam S ch o r g e in Friedberg, dem Maurer Ludwig Helwig in Torheim verliehen, und dem evangelischen ersten Pfarrer und Tekan Ludwig Meyer zu Friedberg den Charakter als Kirchenrat" erteilt.

** T as Großh. Regier ungsblattNr. 43, aus­gegeben am 25. Juni 1901, enthält: Bekanntmachung, die Ausführung des Reichsgesetzes über die privaten Ver- icherungsunternehmungen vom 12. Mai 1901 betreffend.

** Zum Lehrermangel in Hessen. 35 pfälzische Lehrer sollen sich laut Mitteilung derPfälz. Lehrerztg.", der besseren Gehaltsverhältnisse wegen, bereits der hessi- chen Regierung zur Verfügung gestellt haben und zum Teil in Hessen auch schon angestellt worden sein.

§§ Ruppertenrod, 25. Juni. Gestern weilte hier eine Kommission zur Prüfung der Jnvaliditätsrenten empfänger. Aus dem ganzen Bezirk kamen die Invaliden der landwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaft zu Wagen und zu Fuß, je nach dem es ihr Zustand ihnen ermöglichte. Die Kommission bestand aus fünf Herren, worunter zwei Aerzte. Die Anzahl der Rentenempfänger ließ darauf schließen, in welchem Maße die Ansprüche an die Rentenkaffe gemacht werden und welche große Summen im ganzen zur Befrie digung der Berechtigten zur Auszahlung gelangen muß. Die Erhöhung der Beitragspflicht findet demgemäß die Erklärung.

D. Dorf Gill, 26. Juni. Unsere Gemeinde steht vor einer Entscheidung, die von tief einschneidender Bedeutung werden kann. ES dreht sich um die Erneuerung der Grundbücher oder um Feldbereinigung, und es soll in diesen Angelegenheiten demnächst zur Abstimmung kommen. Erstere würde ungefähr Kosten von 300 Mk., letztere dagegen von mindestens 2030 000 Mk. verursachen. Die Haupt sächlichsten Gründe nun, die für eine Feldbereinigung sprechen, dürften für unsere kleine Gemarkung von etwa 1200 Morgen nur wenig in Betracht kommen. Wir haben eine fast hin« reichende Anzahl von Feldwegen, ziemlich große Grundstücke, von denen jedes durch Steiue abgegrenzt ist. Wozu also die Gemeinde in eine solche Schuldenlast zu stürzen, zumal die Landwirtschaft nicht so glänzend gestellt ist, um noch eine solche Belastung ertragen zu können? Dazu kommt auch noch, daß uns ein andere« Schreckgespenst vor Augen steht, der Bau eines neuen Schulhauses, der bereits am 1. Apri d. I. begonnen werden sollte, jedoch wegen der schlechten pekuniären Verhältniffe der Gemeinde verschoben wurde.

8 B u tz b a ch , 26. Juni. Zu Ehren des von hier scheiden­den Majors Tommerich veranstaltete das hiesige Offi­zierkorps, unter ^Beteiligung von auswärtigen, dem hiesigen

Bataillon aggregiert gewesenen Offizieren, heute eine große Abschieds feier im HotelHessischer Hof", wobei die Regimentskapelle von Offenbach konzertierte. Tom­merich hat das hiesige erste Bataillon des Jnf.-Regts. Nr. 168 seit dessen Errichtung kommandiert und sich in Militär- wie in Zivilkreisen große Sympathien erworben.

D. Bad Nauheim, 25. Juni. Heule hat die Zahl der abgegebenen Sprudelbäder unserer drei Quellen 1000 an einem Tag überschritten, eine Zahl, an der der Sprudel 12 mit 673 Sprudelbädern allein beteiligt ist. Füllt roch dieser jetzt in 5 bis 6 Minuten sechs Badewannen. Lährend die Gäste für Sprudelbäder in früheren Jahren chon nach 4 Uhr morgens sich einfanden, füllt sich heute erst ;egen 7 Uhr das BadehauS im Vertrauen auf die schnellere Beförderung. Insgesamt werden jetzt an einem Tag 2600 riS 2900 Bäder aller Art bereitet.

Groß Eichen, 26. Juni. Gestern mittag zogen wieder- lolt schwere Gewitter über unsere Gemarkung. Einmal uhr ein Blitzstrahl mit gewaltigem Donnerschlag in daS hiesige Pfarrhaus. Der Blitz hatte die Giebelspitze de« Hauses getroffen, zertrümmerte dann zwei Dachsparren und ief, mehrere Löcher in die Hauswände schlagend, an der Giebelwand entlang zum Erdboden. Der Verputz dieser Wand wurde abgerissen, und dabei entwickelte sich eine solche Rauchmenge, daß die Feuerwehr alarmiert wurde und sofort serbeieilte. Der Strahl hatte jedoch glücklicherweise nicht gezündet. Der Pfarrer befand sich zu der Zeit in einem Zimmer des oberen Stockwerkes, durch das der Blitzstrahl uhr, ohne indessen größeren Schaden anzurichten.

§ Von der Ohm, 26. Juni. Im oberen Laufe der Ohm war früher die Forelle eine große Seltenheit trotz de« vorzüglich geeigneten Wassers. Da versuchte man es behörd- icherseits vor einigen Jahren mit der Einsetzung von Forellen- >rvt. Die Erwartungen wurden übertroffen, seit dieser Zeit bevölkerte sich da« obere Ohmgebiet mit Forellen. Die künftigen Resultate gaben die Veranlaffung, daß auch in liefern Frühjahre wiederum Forellenbrut zum Einsetzen ge° ommen ist. Dadurch ist wiederum eine Befferung des Fisch- beftandeS im Ohmwaffer zu erwarten, wenn nicht die Fisch­otter den Bestand zu stark dezimiert. In dem benachbarten Lause der Ilsbach bemerkt man in letzter Zeit viele tote Fische. Ob die Ursache auf eine Erkrankung der Fische oder auf Vergiftung zurückzuführen ist, konnte noch nicht festgestellt werden.

Darmstadt, 26. Juni. In seiner letzten Sitzung be- chloß der Vorstand der Alice-Schule unter dem Vorsitz der Großherzogin den seit 34 Jahren bestehenden Alice-Bazar" mit Sckfluß dieses Jahres eingehen zu lassen. Maßgebend für diesen Beschluß war, tote die Tarmst. Ztg." berichtet, die Erwägung, daß der Bazar seine ihm ursprünglich gestellten Aufgaben im Laufe der Jahre erfüllt habe und ein Weiterbestehen dieser Anstalt heute kein Bedürfnis mehr sei. ,

Kassel, 20. Juni. Heute nachmittag fand die feier­liche Beisetzung des Generals v. Schweinitz mit allen militärischen Ehren statt. An der Trauerfeier nahmen teil: Als Vertreter des Kaisers der Kommandant des kaiserlichen Hauptquartiers General v. Plessen, Erbprinz Wilhelm von Hohenzollern, General v. Werder. Eine Abordnung des 1. Garderegiments war auch anwesend. Husaren eröffneten den Zug, Infanterie und Artillerie folgten. Das gesamte Ofsizierkorps der Garnison sowie die Spitzen der Behörden befanden sich im Zuge.

ftkint iVttneüuugeu aus Hessen unö den Aach-arfiaarea. Der Großherzog hat am 22. Juni dem Pfarrer Friedrich Walter zu Engelstadt die evangelische Pfarrstelle an der Friedrichsgemeinde zu Worms übertragen. Die Stadt­verordneten von Rheydt wählten den Oberbürgermeister Dr. Tettenborn in Hvmburg v. d. Höhe zum Oberbürger­meister von Rheydt. In Seligenstadt schlug der Blitz in den Rathausturm und tötete den 20jährigen Sohn der Thürmerswitwe.

Vermischtes.

* Berlin, 25. Juni. Tas Opfer eines «mörderischen U e b e r f a l l e s ist Montag abend der Arbeiter Karl Haber - stzroh zu Neu-Weißensee geworden. Haberstroh, ein Munn im Anfang der dreißiger Jahre, wohnte mit dem etwas älteren Arbeiter Otto Huve am selben Flur. Während die Männer sich gut vertrugen, gerieten ihre Frauen öfter aneinander, fast immer der Kinder wegen. Auch Montag abend zankten sich die Frauen wieder. Haberstrohs,Kinder hatten sich mit denen Huves geprügelt und den Kürzeren gezogen. Darüber erbosten sich erst die Frauen und schließ­lich auch die Männer. Im Verlaufe des Streites' gab Haber­stroh seinem Gegner eine Ohrfeige. Auf Rache sinnend ging Huve, ein gewaltthätiger und wegen Körperverletzung schon mehrfach bestrafter Mensch, mit der Trohung weg, daß er Haberstroh zu Hause erwarten werde. Sofort legte er sich auch mit einem Beil auf dem Korridor auf tue Lauer. Seine Frau nahm ihm das gefährliche Werkzeug toeg und versuchte ihn zu beruhigen. Huve nahm jedoch nun einen Knüppel und xin langes Tranchirmesser. Als Haberstroh um halb zehn Uhr nach Hause kam, fiel er sofort mit dem Knüppel über ihn her. Der Angegriffene setzte ein kleines Kind, das er auf den Armen trug, auf den Fußboden und wollte sich auf Huve stürzen. Dieser zog nunmehr fein Messer und stieß es dem Gegner in das Herz, sodaß er blutüberströmt zusammenbrach. Ws der Gestochene am Boden lag, ergriff Huve wieder seinen Knüppel und schlug unbarmherzig auf ihn ein, bis ihm der Schädel zertrümmert war und er sich nicht mehr rührte. Ter Wüterich drohte, daß er jeden niederstechen werde, der ihm in den Weg komme. Viele Leute flohen aus dem Hause, weil sie sich ihres Lebens nicht sicher fühlten, einige be- uachrichtigten einen Gendarmen. Als dieser kam, hatte sich 5)uve scbon zu Bett gelegt, während sein Opfer tot auf dem Flur lag. Ter Beamte ließ die Leiche nach der Halle bringen und führte den Verbrecher nach dem Amtsgefangnis ab. Von dort wurde er Diensttag vormittag der Berliner Kriminalpolizei zugeführt, die ihn nach einem eingehenden Verhör der Staatsanwaltschaft beim Landgericht II über­lieferte. . z

* Ein gräßliches Drama spielte sich am Freitag in Gr.-Oldendorf (Hannover) ab. Der Sohn eines dortigen Oekonomen tötete durch einen Steinwurf den Hund seines Lehrers. Ter Vater des Knaben versuchte die Sache