tiantämter kauften das Korn möglichst bald nach der Ernte, >as Stroh möglichst bald nach dem Drusch. Die Kartoffel- beschaffung sei Sache der einzelnen Truppenkörper. Meistens würden die Lieferungsverträge für ein ganzes Jahr abgeschlossen.
Generalmajor v. Einem erklärt, die Einberufung der Reservisten geschehe so zeitig wie möglich, es wurden auch immer eine Anzahl mehr einberufen.
Abg. Jazdzewsky (Pole) führt Klage, daß es den polnischen Soldaten verboten sei, bei polnischen Kaufleuten einzukaufen.
Kriegsminister v. Goßler erklärt, das Vorgehen der polnischen Bevölkerung gegen die deutschen .«Handwerker «nd Kaufleute war derartig, daß wir bestimmte Maßnahmen ergreifen mußten. Die Existenz vieler deutscher Gewerbetreibender war durch die polnische Agitation geschädigt. Deshalb erging eine Verfügung von dem Kommandierenden des 5. Armeekorps, daß, soweit es möglich sei, bei deutschen Kaufleuten die Bedürfnisse der Armee befriedigt werden sollten. Wir fingen den Zwist nicht an; er wurde uns aufgedrängt.
Abg. Jazdzewski bezweifelt, daß die Polen gegen die deutschen Kaufleute agitieren.
Der Kriegsminister erwidert, diejenigen Polen, die bei Deutschen kauften, würden durch die Nennung ihres Namens in polnischen Blättern aufgeführt.
Abg. Tr. Bachem (Ztr.) kann sich nicht die resignierte Auffassung des Abg. Dr. Oertel über die Duellfrage zu eigen machen. Es sei die Aufgabe des Reichstags, die Duell-Frage zu behandeln. Die Antwort des Ministers sei völlig ungenügend; er müsse ihm schärfstens widersprechen. Zufrieden sind wir nur mit der Antwort in der Kölner Angelegenheit. Tie königliche Kabinettsordre non 1873 stehe im Widerspruche mit dem Strafgesetzbuch, und sie seien bessere Freunde des Königs, wenn sie dies hier zum Ausdruck brächten.
Präsident Graf B a l l e st r e m ersucht den Redner, die Person des Kaisers nicht in die Debatte 'zu ziehen.
Abg. Dr. Bachem: Ich habe die Person des Kaisers 31 «r. erwähnt, als zahlreiche Enunziationen im „Reichsanzeiger" die christliche Gesinnung des Monarchen zum Ausdruck gebracht haben. Wenn das Christentum im Munde des Monarchen, wie es wiederholt auch im „Reichs- anzeiger" zum Ausdruck gekommen ist, ertrft genommen werbe» muß, so muß es auch dem Duell gegenüber ernst gemeint sein. Christus hat gesagt: Von meinem Gesetz soll kein Komma und kein Jota hinweggenommen werden. Dieser Standpunkt muß auch hier befolgt werden gegenüber dem Strafgesetz, das das Duell verbietet und unter Strafe stellt. (Lebhafter Beifall im Zentrum.)
rertcM™^ toeitere Beratung auf Mittwoch 1 Uhr
Sympathiekundgebung für die Buren.
. P. Gießen, 26. Februar.
^Die, vom Alldeutschen Verband, Ortsgruppe Gießen, in Steins Garten gestern abend einberufene zahlreich besuchte öffentliche Versammlung wurde vom Vorsitzenden des Verbandes, Oberlehrer Alten dor f eröffnet. Ter Alldeutsche Verband, so sagte der Redner, habe nicht falsch gerechnet, als er die Burenversammlung einberufen, die Kundgebung beweise, daß unser Gießen auf Seiten der Buren stände. Der Alldeutsche Verband würde seit einiger Zeit diel von Zeitungen angegriffen, die die Thätigkeit des Verbandes „Bierbankpolitik" nennen, besonders die „Norddeutsche Allgemeine" bis herunter zu der „Kölnischen Zeitung". Ter Alldeutsche Verband aber wolle nur die Meinung des Volkes vertreten. England wolle die Buren vernichten, dieses tapfere kleine Volk aber wehre sich aufs äußerste. Es kämpfe für Freiheit, .Haus und Hof, (Bravo!) mährend England aus schmutziger Habsucht sich des Burenlandes bemächtigen möchte. Welche riesigen Opfer aber der Krieg koste, habe die Welt jetzt gesehen. Es bewahrheite sich das Wort des Präsidenten Paul Krüger, der vor Beginn des Krieges gesagt hat: die Welt wird staunen, wie teuer Transvaal seine Freiheit verkaufen wird! Die Greuel, die der Krieg von den Engländern gezeitigt hat, wären nicht zu beschreiben, Augenzeugen würden einige Erlebnisse erzählen. Leider sei der junge De Wet noch immer wegen Krankheit an das Zimmer gefesselt, aber .Kommandant I o o st e (Lebhaftes, anhaltendes Bravo! nnd Heil!) und der Burenkämpfer Oberlehrer Henckel .aus Eisleben (Heil!), der ein Jahr unter den Buren focht, seien erschienen.
Oberlehrer Alten dorf erteilte alsdann Oberlehrer Henckel das Wort; dieser führte in etwa einstündiger, von bitterem Sarkasmus durchsetzter Rede folgendes aus: der Freiheitsdrang und die Gerechtigkeitsliebe der Buren feien groß und stark. Das kultivierte Europa könne sich daran ein Beispiel nehmen. Alsdann schilderte der ^Redner seine Fahrt durch portugiesisches Gebiet bis nach Pretoria, wo er sich mit einigen Freunden dem Präsidenten Krüger zur Verfügung gestellt habe. Krüger 'Habe sich über die Sympathie der Fremden (Deutschen, Franzosen, Holländern rc.) gefreut, und ihnen gesagt, sie möchten mit Gott gegen den Feind kämpfen, aber nicht das Christentum vergessen, wenn sie einem Wehrlosen gegen- üderständen. Es sei rührend gewesen, so erzählt ber Redner, der manchmal selbst vor schmerzlichen Erinnerungen nicht sprechen kann, es sei rührend, zu sehen, wie Kinder, Jünglinge, Männer und Greise ins Feld zogen. Die Opfer, die der Einzelne bringe, seien ungeheuer; während die englischen Soldaten für Geld ins Felo zögen, dekäme der Burenkrieger nichts, vielmehr müsse er sich nod) Kleidung, Pferde und Wagen stellen. Unsere Opfer ™ einem Kriege seien mit denen der Buren nicht zu ver- 3'eichen. Alle Opfer bringe der Bur mit Freuden, wenn es sich um Freiheit und Recht handle. Mann für Mann
-st .'*£• Prusten habe »'ährend des Befreiungskrieges Dozent der Bevölkerung als Kämpfer ins Feld cJzT* ^aprenb bie Buren jetzt über dreimal soviel, nämlich 16 Prozent in Waffen hätten Wenn der südafrikanische Freistaat auch augenblicklich zerstört und die Städte in den Händen der Engländer seien, so bestehe aber doch noch die ungebrochene Volkskraft. Der Redner habe einmal zu einem alten Bur gesagt: „Eure Freiheit ist dahin", da habe der alte Manzn "bedächtig erwidert: „Aber die kleinen Kinder". De Wet habe erklärt: „Wir müssen so lange kämpfen, bis unsere Kinder groß sind". Freiheit und Recht gehe dem Buren über alles, selbst über die Familie. Auch die Frauen hätten allen auferlegten Entbehrungen der Engländer widerstanden, und niemals ihre Männer
aufgefordert, sich zu ergeben. Trotz ihrer großen Tapferkeit hätten die Buren sich niemals grausam gezeigt, die Sympathien der Deutschen gehören ihnen, aber niemals den Engländern. (Bravo!) Ter Redner glaubt nicht daran, daß die Engländer den Krieg glücklich zu Ende führen können, Südafrika sei dann erst recht für sie verloren. Durch die fortschreitende Kultur wären sie vielleicht einstens in den Besitz des Landes gekommen, aber jetzt sei das für immer vorbei, da die Buren das Andenken an ihre gefallenen Väter und Brüder niemals vergessen. Deutschlands Sympathie und werkthätige Hilfe möge den Buren verbleiben. (Tosender Beifall, Bravo- und Heilrufe.)
Stürmisch begrüßt, bestieg sodann der Burenkomman- ban Jooste, ein blonder, spitzbärtiger, eleganter Herr, die Tribüne. Vikar Schowalter-Ludwigshafen übersetzte die Rede ^Abschnitt für Abschnitt. Augenscheinlich war eine Ueber- setzung des in der Burensprache gehaltenen Vortrages nicht notwendig, denn der stetige Beifall bewies, daß der Redner vollkommen verstanden wurde.
Was unser Gießen für eine Stadt wäre, so begann der Redner, habe er gefragt Als man ihm mitgeteilt habe, Gießen sei Universitätsstadt, sei er sehr erfreut gewesen. Wie gerne hätten die Buren in Prätoria auch eine Universität gehabt. Präsident Krüger wollte eine solche vor Beginn des Krieges errichten. Ihr Schulwesen habe ja bekanntlich auf der Pariser Weltausstellung zwei erste Preise bekommen. Die Engländer, die nicht prämiiert worden wären, hätten stets gesagt, sie wollten schon die Zivilisation nach Südafrika bringen. Transvaal hätte geblüht und wäre gewachsen, hätte im Frieden gelebt, bis zu dem Tage, an dem die Goldfunde gemacht wurden. Habgier hätte die Engländer ins Land gelockt, und immer mehr hätte die Fremden- Mißwirtschast um sich gegriffen. Die Frage bezüglich des Stimmrechtes sei ein Vorwand zum Kriege gewesen. Hätte Krüger damals nachgegeben, so hätten die Engländer kraft des ihnen gewährten Stimmrechtes innerhalb weniger Monate Cecil Rodes oder Millner oder sonst einen Engländer zum Präsidenten gewählt und großes Unglück wäre ins Land gekommen. Früher hätten sie sehr hoch von den Engländern gedacht, wären sie doch der Meinung gewesen, mit einer hohen Stufe der Zivilisation in Berührung zu kommen. Heute aber könne England nicht mehr sagen, daß es nach Afrika gekommen, um Kultur dorthin zu bringen. (Lebhafter Beifall.) Die Burenfrauen hatten, so fuhr der Redner fort, die verwundeten Engländer gepflegt, zum Dank dafür wären sie von Haus und Hof vertrieben worden. (Pfuirufe.) England sei eine ganz wunderliche Nation, sie glaubten für Geld alles haben zu können. Den Buren- Generälen wären große Summen geboten worden, wenn sie das Vaterland verraten würden. Nachdem der Redner bann die Waffen- und sonstige Materiallieferung an England besprach und sagte, daß es tiefbedauerlich sei, daß Europa an England Waffen und Pferde liefere, fetzte er hinzu, daß dieses auch seine guten Seiten habe, denn die Buren bekämen dann Waffen, ohne zu zahlen, Pferde zu reiten, wenn sie auch aus Oesterreich stammen. So lange die Engländer in Afrika wären, ging ihnen (den Buren) die Munition, die Waffen, die Pferde, und auch das Gelb nicht aus. (Bravo!) So viel aber sei gewiß, möge es kommen, wie es wolle, Afrikasei das Grab des englischen Ruhmes. (Stürmischer Beifall!) Nach einigen Augenblicken fährt der Redner fort: Von Deutschland käme so vieles in die Welt, auch nach England und Afrika, das den Stempel trüge „Made in Germany", es wäre auch wohl aller Wunsch, wenn in Sachen des schrecklichen Krieges eine Aenderung einträte, die den Stempel trüge „Made in Germany". (Tosendes langanhaltendes Hurra, Heil und Bravo!) Zum Schluß bedankte sich der Redner beim Alldeutschen Verband für die Sympathie, er dankte den zahlreich erschienenen Damen und Herren und insbesondere den Studenten. Unter fortwährenden Heil-Rufen verließ der Redner die Tribüne. Einige kurze Worte wurden noch gesprochen.
Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen :
A n den deutschen Reichstag !
Die weitesten Kreise des deutschen Volkes sind aufs tiefste erschüttert durch das furchtbare Elend, welches der Krieg des britischen Reiches gegen die Buren- staaten heraufbeschworen hat. Sie bedauern aufsleb- I) a f t e ft c, daß eine dem deutschen Reiche befreundete Großmacht gegen ein kleines, dem deutschen Volke stammverwandtes Volk mit der Absicht kämpft, es seiner Freiheit und Unabhängigkeit zu berauben. Sie sind aufs äußerste entrüstet über die allen Grundsätzen der Menschlichkeit Hohn sprechende Art der Kriegführung Englands, die auf eine Ausrottung des Burenvolkes hinauS- läuft. Die am 25. Februar in Steins Saal bau anwesenden Frauen und Männer Gießens bitten daher den hohen Reichstag, dieser im deutschen Volke herrschenden Gesinnung Ausdruck zu verleihen und an den Herrn Reichskanzler das Ersuchen zu richten, alle friedlichen Mittel zur Beendigung des Burenkrieges anzuwenden.
An den Staatspräsidenten Krüger, Utrecht, wurde folgendes Telegramm-gesandt:
„Eine durch die Ortsgruppe Gießen des Alldeutschen Verbandes berufene Versammlung sendet Euer Hochedlen ehrfurchtsvollen Gruß. Möge Ew. Hochedlen Bemühungen um eine ehrenvolle Beendigung des ungerechten Krieges in Südafrika mit Erfolg gekrönt fein. Heil und Sieg den Buren!"
Nach einem dreimaligen Heil auf die Buren löste sich langsam die Versammlung auf.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 27. Februar 1901.
Gedenket der hungernden Vögel!
-u- Der Verband der hessischen Zimmer- meister hielt am Sonntag hier eine Vorstandssitzung ab, die von fast sämtlichen Vorstandsmitgliedern besucht war. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Verteilung der Vorstandsümter, die statutengemäß dem Vorstände überlassen ist. Es wurden einstimmig gewählt: Zum 1. Vor- sißenden Herr Philipp W i t t m a n n - Da r m st a d t, 2. Vorsitzenden Herr Philipp Spieß-Darmstadt, Kassierer Herr Anton W e i n r e i ch - D a r m st a d t und zum Schriftführer Herr Adam Kr i ck s er - Da r m sta d t Weiter wurde beschlossen, daß die Vorstandsmitglieder einer jeden der drei hessischen Provinzen Oberhessen, Rheinhessen und Starkenburg einen Obmann wählen sollen, der die Ver
bandsgeschäfte für die betreffende Provinz zu leiten hat. Ihm zur Seite stehen außer den übrigen Vorstandsmitgliedern der betreffenden Provinz noch die Vertrauensmänner, die für die einzelnen Kreise zu ernennen sind, und zwar für jeden Kreis ein Vertrauensmann. Zum Obmann für die Provinz Oberhessen wurde Herr Balthasar Nuhn-Lollär ernannt. Ferner faßte der Vorstand den Beschluß, zu den abwechselnd in den drei Provinzen stattfindenden Vorstandssitzungen jeweils die Vertrauensmänner dieser Provinz einzuladen. Die nächste Vorftandssitzung findet am Sonntag, 21. April, in Worms statt. Der Borstandssitzung schloß sich eine zahlreich besuchte Zimmermeisterversammlung für die Provinz Oberhessen an, in der Herr Ph. Wittmann-Darmstadt über die Ziele und Bestrebungen des Verbandes referierte, die gegenwärtig im Zimmerhandwerk herrschenden Mißstände besprach und in lichtvollen Ausführungen die Mittel und Wege zur Abstellung dieser klarlegte. Sämtliche Anwesende ließen sich, soweit sie dem Verbände noch nicht angehörten, als Mitglieder einschreiben. Als Vertrauensmänner wurden von der Versammlung für die einzelnen Kreise gewählt: für den Kreis Gießen: Friedrich Schmidt- Lich, für den Kreis Alsfeld: Heinrich Bücking II- L au ter b ach, für den Kreis Schotten: Heinrich August Langlitz-Steinbera, für den dir eis Büdingen: August Diehl-Berstadt in der Wetterau, für den Krei» Friedberg: Johannes Euler-Butzbachs
r. Reiskirchen, 25 Febr. Vor dem hiesigen Kriegerverein, sowie vor Mitgliedern eingeladener Kriegervereine der Nachbarorte hielt gestern nachmittag im Gasthaus zum Hirsch Lehrer Volk von Burggemünden im Auftrag der „Hasfia" einen Vortrag über „die Armee, ein Segen des Volkes". Am 9. März wird Herr V. voraussichtlich vor dem Kriegerverein in Großen-Buseck über „Deutschlands Erhebung" sprechen.
-h- Burkhards, 24. Febr. Heute hielt die „Sektion Gedern" des evangelischen Dekanats Schotten in der hiesigen Kirche eine Missionsversammlung ab. Missionspredigten hielten die Pfarrer Keller-Herchenhain und Repp- Mittel-Seemen. Ersterer behandelte als Thema: „Die Not der Buren und ihrer Angehörigen", Letzterer: „Fritz Oberlin, sein Leben und Wirken." Zur Verschönerung der erhebende« Feier trug der hiesige Kirchengesangverein zwei gemischte wohlgeschulte Chöre unter Leitung des Lehrers Mohr vor. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurden beim Ausgange aus dem Gotteshause eine Anzahl Missionsschriften verkauft; der Reingewinn ist für die äußere Mission bestimmt. — An der Kreisstraße, unweit Kaulstos, ist der Stamm einer uralten Linde bei der strengen Kälte der Länge nach aufgesprungen.
k. Büdingen, 25. Febr. Gestern veranstaltete der im Herbst gegründete evangelische Kirchengesangvereiu in der hiesigen Stadtkirche vor zahlreich erschienenem Publikum sein erstes Kirchenkonzert. Die Chorgesänge wie Solo- partieen wurden mit großer Präzision vorgetrageu, und der Verlauf des Konzertes hat in jeder Beziehung befriedigt. Sodann fand im Rathaussaale noch ein Familienabend statt, der die Mitglieder des Vereins und ihre Angehörigen zu einigen Stunden gemütlich vereinte. Der Verein besteht au- ungefähr 70 aktiven Mitgliedern und steht unter der vorzüglichen Leitung des Lehrers Pepler. — Das geplante Elektrizitätswerk zu Melbach kommt nicht zu stände. Wie die Gesellschaft den beteiligten Bürgermeistereien mittetlt, hat sie die Errichtung des Werkes aufgegeben, da eine Einigung über den Vertragsabschluß mit dem Großh. Ministerium des Innern nicht zu stände gekommen ist.
Marburg, 25. Febr. In der hiesigen „Hess. LandeSztg." wird seit längerer Zeit eine Polemik geführt gegen de« antisemitischen Abg. Dr. Böckel, weil er für den jüdischen Journalisten Dr. Hamburger gegen gute Bezahlung Korrespondenzen auS den Reichstagskommissionen bezw. der Budgetkommission liefert. Dr. Böckel hat nun diese Thätigkeit zugestanden und dafür wird ihm in der „Hess. LandeSztg." der Kopf gewaschen.
Gerichtssaal.
D—. Gießen, 26. Febr. Strafkammer. In bei Strafsache gegen den Förster Kurth in Salzschlirf und den Hotelbesitzer Wüstenhof daselbst wegen Jagdvergehens wird die Verhandlung nach erfolgter Vernehmung der erschienenen Zeugen bis auf weiteres vertagt, und zwar zum Zwecke der Einnahme eines von dem Verteidiger der Angeklagten beantragten Augenscheins an Ort und Stelle. — Gegen den 33jährigen Friedrich Weidling von Büdingen, der zurzeit eine Zuchthausstrafe wegen Betrugs, ein Delikt, wegen dessen er vielfach vorbestraft ist, verbüßt, wird wegen verschiedener ihm zur Last gelegten, im vorigen Jahre begangener Betrugsfälle, deren erster in idealer Konkurrenz mit Urkundenfälschung steht, sowie wegen Unterschlagung und Betrugsversuchs, verhandelt. Ten Großh. Amtsanwalt in Büdingen suchte der Angeklagte durch Vorlage einer verfälschten Urkunde zur Anlveisung einer größeren, ihm nicht zustehenden Zeugengebühr zu veranlassen. Die Firma August Schwarz Söhne in Friedberg schädigte er durch Vorspiegelung falscher Thatsachen um den Betrag von 10 Mark, den Wilhelm Hofmeister zu Büdingen um die Summe von 12 Mark, den Wilhelm Neumann in Büdingen beschwindelte er um den Betrag von ungefähr 60 Mark. Außerdem ließ er sich noch verschiedene anderer Delikte gegen das Eigentum ihm vertrauender Mitmenschen zu schulden kommen. Die Großh. Staatsanwaltschaft beantragte, gegen den in der Hauptsache leugnenden Angeklagten eine Gesamtzuchthausstrafe von zwei Jahren drei Wochen zu erfemien. Das Urteil lautete unter Einbeziehung einer gegen den Angeklagten in Aschaffenburg erkannten Zuchthausstrafe auf eine solche von insgesamt zwei Jahren drei Monaten und drei Wochen. — Zur Verhandlung standen außerdem noch drei, die Einziehung falscher Einmarkstücke betreffende Straf- fadjen. Dem Antrag der Staatsanwaltschaft gemäß wurde g er i chtss eitig auf Einziehung der Falsch stücke erfannt___
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