Ausland.
Loudon, 25. Noo. Die Neuarmierung der Forts, die die Themse, den Kanal von Bristol sowie die Häfen und Wersten an der Südküste schützen, ist soeben vollendet. Wählend der letzten 14 Tage sind 200 veraltete Geschütze durch mächtige in England hergestellte Hinterladergeschütze ersetzt worden. Auch die Arbeiten, die die im Norden besind- lichen Befestigungswerke uneinnehmbar machen sollen, schreiten auf das Schnellste vorwärts. (Das sieht ja sehr ängstlich aus!)
— Nach einem Telegramm aus Meidenhead ist Balfour in Taplow erkrankt.
Paris, 25. Nov. Der Kommandeur der vierten Küras- sierbrigade, General Forsanz, der jüngst in einem Brigade- befehl die Pensionierung des Obersten Ledochowski kritisiert hatte, wurde seiner Kommandos enthoben und General Dewitte zu seinem Nachfolger ernannt.
— Die „Petit Republique" veröffentlicht heute früh einen Bericht des Generals Voyron, der sämtliche mitgeteilten Einzelheiten bestätigt. Nur erscheint die Rolle, die die 2)1 i V sionare bei den Plünderungen m Peking spielten, noch häßlicher. Sie verführten zuerst Soldaten ^zum Diebstahl von Silberbarren, kauften ihnen dann das Silber gegen Checks ab und kauften zuletzt auch diese Checks mit wucherischen Abzügen. Dieser Handel wurde indirekt durch einen Wirt namens Chantot und öfter durch einen Missionsprior betrieben. Der Befehlshaber der Truppen, General Frei), hatte keine Ahnung von diesen Mißbräuchen. General Voyron konstatiert, daß die französischen Soldaten trotz Allem noch eine beffere Haltung bewahrten, als die Truppen der übrigen Nationen.
— Die Deputiertenkammer hat die Regierungsvorlage, durch welche die Höhe der China-Anleihe auf 265 Mill, festgesetzt wird, mit 295 gegen 249 Stimmen angenommen, ebenso den 1. Artikel des Anleihegesetzes.
Bologna, 25. Nov. Hier trat heute ein von Sozialisten veranstalteter erster Bauern-Kongreß zusammen. Es waren 104 Vereine mit 144,178 Mitgliedern vertreten. 13 sozialistische Abgeordnete waren anwesend. Man beschloß, einen Nationalbund aller Landarbeiter, Pachtbauern und der kleinen Landwirte zu gründen, der von einem aus 6 Landarbeitern nnd 5 Pachtbauern gebildeten Rat geleitet wird. 4
Wien, 25. Nov. Abgeordnetenhaus. In der Kongregationsdebatte sagte Baron Morsey (klerikal), es bestehe ein konzentrischer Vorstoß von geheimen Gesellschaften in den verschiedensten Staaten, in Spanien, Portugal, Brasllien, Frankreich und bei uns. Weil Dreyfus verurteilt wurde, sollte an den Orden und Kongregationen Rache genommen werden. Die alldeutsche Bewegung inDeutsch- land sei eine gefährliche Bewegung. Die Proselytenmacherei gehe im größten Maßstabe vor sich. Der evangelische Bund wurde unter dem Motto: Kampf gegen Rom! gegründet. Die Lehrbücher der Protestanten sind angefüllt mit Vorurteilen gegen die Kirche und das Haus Habsburg. Der Redner wurde von den Alldeutschen vielfach unterbrochen. Der Jungczeche Holansky spricht von „ungeheuren Greuelthaten der deutschen Regierung gegenüber polnischen Kindern, und meint, daß nach diesem Vorgehen der preußischen Behörden, das vergeblich bei den wildesten Völkern auf dem schwarzen Kontinent gesucht werde (Den lächerlichen Bruder Böhm hat wohl der „Ruhm" Chamberlains nicht schlafen lassen. D. Red.), die Behauptung Eisenkolbs bezüglich der preußischen Freiheit der Wahrheit nicht entspreche. (Lebhafter Beifall rechts.) Zu einer stürmischen Szene kam es nach der Rede Luegers, der sich der „barmherzigen Brüder" annahm und dem Abg. Malik ein Pfui zurief, in das die Christlichsozialen einstimmten. Malik ruft Lueger zu: Feigling, Frechling, Lump, Kerl! worauf mehrere Christlichsozialen auf ihn los stürz en wollen, was jedoch verhindert wird. Weiter kam es zu einem großen Krawalle, als die Alldeutschen durch einen Zwischenruf die Ehrlichkeit Luegers anzweifelten. Schließlich wurde die Dringlichkeit bei sämtlichen vier Anträgen: Erlcr gegen die Einwanderung von Kongregationen, Eisenkolb gegen die Errichtung von Klöstern, Schuhmeier gegen den Religionsstörungsparagraphen und Klofac gegen die „tote Hand" abgelehnt, da nicht die erforderliche Zweidrittelmajorität erreicht wurde.
Iom südafrikauischeu Kriegsschauplätze
Däe Herrschaft über den Südosten des Transvaal scheint den Engländern nahezu völlig aus den Händen gewunden zu sein. Die Fühlung mit General Botha, der sein Hauptquartier bei Ermelo hat, ist ihnen seit der blutigen Niederlage des Obersten Benson offenbar gänzlich verloren gegangen, und jetzt taucht plötzlich Kommandant Grobelaar im Süden von Johannesburg auf, natürlich nicht ohne den Engländern sofort einen empfindlichen Beweis ferner Gegenwart zu liefern. Kitchener hatte kürzlich eines Gefechtes bei Villrersdorp Erwähnung
gethan und darüber berichtet, daß ein Burenkommandant gefangen worden, daß aber über die britischen Verluste noch nichst bekannt sei. Jetzt meldet eine Depesche Lord Kit- cheners aus Pretoria vom 23. d. M.: Aus dem weiteren Bericht über das Gefecht Major Fischers bei Villiersdorp am 20. d. M. geht hervor, daß in der Nacht vom 19. d. M. Patrouillen, die von den Posten Fischers bei Reitfontein nach Kalkspruit ausgesandt waren, um einen Zandsdrift beherrschenden Hügel zu nehtznen, diesen Hügel vom Feinde besetzt fanden. Fischer rückte mit Tagesanbruch nach diesem Hügel vor, und wurde von 9Lorden und Süden gleichzeitig angegriffen, doch gelang ihm, nach und nach eine gedeckte Stellung zu erlangen. Um 9 Uhr morgens flohen seine Pferde plötzlich nahe beim südlichen Ende seiner Stellung in wilder Hast und in Verwirrung und der Feind setzte sich fest. Fischerund Hauptmann Langmore sind lebensgefährlich verwundet. Die ganze Äbte i l u n g F i s ch e r s wurde von dem ungefähr 3 5 0 M a n ni zählenden Feinde gezwungen, sich um 10 Uhr zu ergeben. Pimingtons Kolonne kam um 11 Uhr an, als der Feind mit Ausnahme einer kleinen Nachhut sich bereits zurückgezogen und die Gefangenen zurückgelassen hatte. Der Äurenführer Buys, den Pimington gefangen nahm, war verwundet.
Das war also wieder einmal eine regelrechte Nie -- 4> er läge der britischen Truppen, deren Befehls- hapex auch hier gefallen ist, ebenso, wie kürzlfth Kapitän.
Elliot in der Kapkolonie und vorher Oberst Bens m in dem Kampfe bei Berkenlaagte. Auch sonst sind die englischen Verluste an Offizieren in der letzten Zeit auffallend hohe; man muß annehmen, daß entweder die Buren jetzt in erster Linie die Führer der ihnen entgegentretcnden feindlichen Abteilungen aufs Korn nehmen, oder daß die britischen Soldaten durch ihr Verhalten im Felde die eigenen Offi- jiere zwingen, sich über Gebühr zu exponieren. Wenn man ieht. wie auch in diesem Falle wieder ganze Truppen-Abtell- ungen si'ch von den Buren gefangen nehmen lassen, rann wird man über die Qualität der Mannschaften, die Kitchener noch zur Verfügung hat, allerdings kaum ein günstiges Urteil fällen können.
In einem Telegramm an die „Daily Mail" erklärt, noch einer Meldung aus London, Lord Kitchener die Behauptung, daß die englischen Truppen bei einem Zusammentreffen mit einer stärkeren Burenabteilung in der Nähe von Graspan sich vor deren Geschossen dadurch zu chützen suchten, daß sie Burenfrauen und Kinder zwischen sich und der feindlichen Abteilung aufstellten, als vollkommen unwahr. Ein Kind sei getötet und eine Frau, owie ein Kind-' d»urch Buren verwundet worden. — Wir wollen im Interesse der Menschlichkeit diesmal ausnahmsweise diesem Dementi Kitcheners Glauben schenken.
Aom Krikg in Kerüral-AmenKa.
Das Kanonenboot der kolumbischen Regierung „Pincon" meldet: Das Landen von Truppen am Nordende Colons verursachte dort große Aufregung in den Straßen. Die Leute flüchteten auf die amerikanischen Kanonenboote oder uchten Zuflucht längs der Bahnlinie. Das amerikanische Kanonenboot „Concord" ist vor Panama eingetroffen. Der Agent der Panama-Eisenbahn in Colon telegraphiert, der Kommandant des Kanonenbots „Machias" untersagte das BombardementvonColon und setzte noch mehr Truppen an Land.
Kommandant Perry vom amerikanischen Kriegsschiff „Iowa" telegraphiert, Gouverneur Alban mit 600 Mann ei an der Bahnlinie in der Nähe von Empire mit den ' usständischen im Gefecht. Der Transitverkehr sei gefährdet. Er, Perry, sei mit einer Truppenabteilung an Land gegangen, und mit einem Eisenbahnzuge abgegangen, um die Linie aufzuklären und die Truppenabteilung hier auf- - Ustellen. Kommandant Mc. Crea erbat telegraphisch Jn- trukt-ionen wegen des drohenden Bombardements von Colon. Er erhielt die Instruktion, Schritte zu thun, um die ame- vikanischen Interessen zu schützen. Wre man annimmt, ver- eiht diese Instruktion Mc. Crea diskretionäre Gewalt, das Bombardement zu verhindern.
Der kolumbische Geschäftsträger in Washington erhielt von dem stellvertretenden Gouverneur folgende Depesche aus Panama vom 25. Nov.: H e e r R e b e ll e n bei Culebra Emperada vollständig geschlagen. Gouverneur mar- chierte in vergangener Nacht auf Colon.
Aus Stadl und Knud.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen .Original-Nachrichten istlnttr unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.)
Gießen, den 26. November 1901.
" Als Antwort auf das Glückwunschtelegramm, das die akademische Festversammlung gestern an den Großherzog gerichtet hatte, lief bei dem Rektor der Universität folgendes Telegramm ein:
Darmstadt, 26. Noo., 11 Uhr, 15 Min. Rektor Hansen, Magnificenz.
Seine Königliche Hoheit der Großherzog lassen der gestrigen Festversammlung für aufmerksame Geburtstagswünsche bestens danken. R ö m h e l d, Geh. Kabinettsrat.
* * Geheimerat Löhlein f. Emen schweren, unerwarteten Schlag hat unsere Landesuniversität erlitten. Der Geheime Medizinalrat Prof. Dr. Hermann Löhlein, Direktor der Frauenklinik, ist am Montagabend in seinem Arbeitszimmer in der Klinik von einem Schlaganfall betroffen worden und um 10^3 Uhr in seiner Wohnung verschieden.
* * Auszeichnung. Das Ritterkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen wurde verliehen dem Eisenbahnsekretär Rullmann (nicht Kullmann wie es infolge eines Druckfehlers in unserer gestrigen Nummer heißt.)
* * Französische Vorträge und Rezitationen. Morgen Mittwoch findet der erste Vortrag des Lektors Goetschy, — und zwar in der kleinen Aula des Kollegiengebäudes — statt. Das Thema ist „Voltaire et Frederic II.1“ Die Rezitation am 4. Dezember wird folgende Stücke bieten: Paul Bourget, La journee d’une Parisienne au 19. siede; La Fontaine, Le corbeau et le renard; Pierre Loti, Pecheurs d’ Islands (Hauptscenen); Victor Hugo, Hymerillot; A. Daudet, Les Nieux.
* • Stiftungsfest. Das in den weitesten Kreisen bekannte und sehr beliebte Kronbauersche Quartett begeht, wie wir hören, am Samstag in 8 Tagen, dem 7. Dezember in Steins Garten die Feier seines 25 jährigen Bestehens.
* * Aus der Bürgermeisterei. Eine interessante Entscheidung haben unsere Stadtverordneten in der letzten nichtöffentlichen Sitzung getroffen. Es wird uns darüber olgendes mitgeteilt: Es handelte sich um die definitive Wiederbesetzung des Sekretärpostens für den städtischen Arbeitsnachweis, die Abfertigung der Jnvaliditäts- und Altersversicherung, womit gleichzeitig eine Auskunstsstelle für die Arbeiter über Fragen der Gewerbeordnung rc. verbunden ist. Der Stadtverordneten-Versammlung war der Vorschlag gemacht worden, diese gut dotierte Stelle mit einem Militäranwärter zu besetzen, der allerdings während seiner aktiven Dienstzeit Bureauarbeiten zu verrichten gehabt hat. Als Grund wurde u. a. angeführt, daß der Betreffende besonders zu repräsentieren verstehe. Trotzdem er von seinen früheren militärischen Vorgesetzten der städtischen Verwaltung ganz besonders warm empfohlen war, wurde doch aus der Mitte der Stadtverordneten erklärt, daß es bei der Auswahl eines Beamten zur Besetzung gerade dieser Stelle weniger darauf ankomme, ob jemand die besondere Gabe der Repräsentation besitze; wohl aber müsse man in erster Linie darauf sehen, daß der Anzustellende jedermann zuvorkommend und höflich sei. Es wäre daher zu empfehlen, einen der jüngeren Beamten der städt. Verivaltung in diese Stelle einrücken zu lassen, der sich bewährt habe. In der sehr lebhaften Debatte kam seitens einzelner Redner unzweideutig zum Ausdruck, daß man nicht etwa prinzipiell gegen die Anstellung von Militäranwärtern im städtischen Dienst sei, wenn solche sich für vakante Stellen melden,, man müffe aber verlangen, daß diese Bewerber von
unten herauf in die besser bezahlten Stellen, wie jeder andere Beamte der Stadt, einzurücken suchen sollten. Es würde einer Bevorzugung der Miiitäranwärter, gegenüber andern städtischen Beamten, die aus dem Civilstand heroorgegangen sind, gleich kommen, wenn man den ersteren die gut dotierten Stellen gebe. Die Mehrheit der Versammlung lehnte die Anstellung der vorgeschlagenen Militäranwärter ab und gab der Verwaltung anheim, von zwei namhaft gemachten jüngeren Beamten einen in die Stelle vorrücken zu lassen.
** Für Geländespekulatiou hat sich gestern hier eine stille Gesellschaft von Kapitalisten gebildet und zu diesem Zweck i/2 Million Mark zur Verfügung gestellt. Die Genossenschaft hat sich als Feld ihrer Thätigkeit nicht etwa unsere Stadt auserschen, sondern sie will ihre Landspekulationen in der Ferne unternehmen.
** lieber schlechte Geschäfte klagen in diesem Jahre unsere Kaufleute wie nie zuvor. Die Inhaber von Lagern mit Nahrungs- und Genußmitteln klagen über den geringen Umsatz und behaupten, daß der Konsumverein für Eisenbahnbeamte und der neuerdings von Arbeitern ins Leben gerufene Konsum- Verein ihnen' viel Kundschaft wcgnehme. Hierzu komme, daß auch besser gestellte Beamte vielfach einen großen Teil ihres Bedarfs von außerhalb kommen lassen.
B. Laug-Göns, 25. Nov. Hier wurde eine Sammlung für die Buren veranstaltet, die 340 Mk. ergab. Die Summe wird durch den Kirchen- und Ortsvorstand abgesandt werden.
-i- Nidda, 24. Nov. Der Großherzog hat dem Gendarmerie- Wachtmeister Schmidt hier das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
it. Friedberg, 25. Noo. Dieser Tage hielt Rektor L P. Lang aus Frankfurt a. M., ein geborener Friedberger, hier ■einen Vortrag über „einen Besuch im Vatikan". Der geräumige Saal des Hotels „Trapp" war bis auf den letzten Vlatz besetzt, und die Zuhörer folgten mit großer Aufmerk- amkcit den interessanten Ausführungen des Redners. Er entwarf zunächst ein Bild von den um den Vatikan gelegenen ärmlichen Stadtteilen mit ihrem Leben und Treiben, und kam dann auf den herrlichen Petersplatz und die großartigste Kirche der Welt, die Peterskirche, zu sprechen. Alsdann schilderte er den Vatikan in seiner ganzen Pracht und verbreitete sich besonders eingehend über die herrlichen, kostbaren Kunstschätze, die diesen berühmten Palast zieren. — Gelegentlich der letzten hier abgehaltenen Kontrollversammlung wurde von einem Reservisten in der Wirtschaft „zur Schillerlinde" die Büchse für arme Kinder der Stadt erbrochen. Dem frechen Dieb wurde jedoch sofort von Kameraden sein Raub abgenommen und er selbst durch die Polizei hinter Schloß und Riegel gebracht. — Zeichenlehrer Roth am hiesigen Gymnasium hat einen neuen Zeichenblock konstruiert und hat ein Patent darauf erhalten. — Das im Oktober eröffnete Technikum erfreut sich eines starken Besuches. Die Schülerzahl beträgt gegenwärtig 80. Der Direktor der Anstalt hofft, daß ihre Zahl in den nächsten 2 Jahren auf 2 bis 300 steigen wird. Es haben sich auch bereits zwei Verbindungen aufgethan; Tanzlehrer Noack erteilt den jungen Leuten Fechtunterricht.
Mainz, 25. Noo. Die wegen des Diebstahls bei Hoftat Börkel von hier in Brüssel erfolgte Verhaftung des Gauners Harm hat st'ir einen hiesigen jungen Kaufmann, der Sohn einer angesehenen Familie, große Unannehmlichkeiten zur Folge gehabt. Bei der Vernehmung wurde Harm gefragt, ob er Komplicen bei dem Einbruch in Mainz gehabt habe. Der Gauner bejahte die Frage und nannte den Namen des jungen Kaufmanns mit dem Hinzufügen, daß er mit dem Betreffenden noch einen Einbruch in dem bekannten belgischen Badeort Spa verübt habe. Das Resultat der Brüsseler Vernehmung wurde der Mainzer Polizeibehörde übermittelt, worauf zunächst bei dem Kaufmann eine Haussuchung vorgenommen und er selbst verhaftet wurde. Der junge Mann teilte jedes Mitwissen an der Sache entschieden in Abrede, und räumte nur ein, daß er mit Harm in guter Gesellschaft, in Brüssel bekannt geworden sei. Bezüglich des angeblich in Spa gemeinschaftlich verübten Diebstahls war der Kaufmann in der Lage, sein Alibi sofort nachzuweisen. Nichtsdestoweniger wurde er in Haft behalten. Inzwischen hat sich die völlige Unschuld des jungen Mannes herausgestellt und zu mitternächtlicher Stunde öffneten sich ihm die Gefäng- nisthüren und zwar wurde durch den Ersten Staatsanwalt felb|t die Freilassung des Inhaftierten bethätigt.
Hanau, 25. Nov. Zum Amtsanwalt an dem hiesigen Amtsgericht wurde der Hauptmann a. D. Euger aus Eberswalde ernannt. — Der von dem Schwurgericht zum Tode verurteilte Ziegelarbeiter Johann Gläser hat durch seinen Verteidiger Revision einlegen lassen.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Wormser Zeitung (Nr. 263) entnimmt der „Köln. Ztg." einen Artikel über Lesbos, in dem es heißt: „Im Westen, fast an der Ecke der Insel, unweit des Dorfes Erissos, führt der Weg über das von Asphodelos durchs wachsene Trümmerfeld der alten Stadt, wo Sopha, die be^ rühmteste Lesbierin, geboren wurde." Berühmt ist sie ja, aber einen so ordinären Namen hat sie nicht geführt. — Dr. Marx aus D a r m st a d t wurde zum Provinzialrabbiner- in Westfalen, mit dem Sitz in Dortmund, durch einstimmige Wahl berufen. — In der Hanauer Zeitung vom 18. Nov. ist zu lesen: „Es sind gerade fünfzig Jahre her, daß Helmholtz den Eulenspiegel gefunden hat." Ein Eulenspiegel scheint sich unter die Setzer der „Han. Ztg." eingeschlrchm zu haben._________________
Vermischtes.
• Mädchenmord. Wie aus Königshütte gemeldet wird, wurde in einem Abflußgraben das 19 jährige Hausmädchen Anna Rudsky aus Königshütte ermordet aufgefunden. Das Mädchen war vorher vergewaltigt worden. Der Körper der Ermordeten wies zahlreiche Spuren äußerer Gewalt auf.
* Hannover, 24. Nov. Vor einigen Tagen ging durch die Blätter die Nachricht von einem Duell zwischen dem Oberleutnant v. Stockhausen und dem Chemiker Dr. phil. Schütt, bei welchem letzterer durch cmen Schuß in die Brust schwer verletzt sei, während ersterer einen Schuß in den Arm erhalten habe. Jetzt hat sich herausge-. stellt, daß weder eine Forderung überreicht ist, noch ein Dueb, stattgefunden hat. lieber den Vorfall, der das Duell herbei-, geführt haben sollte, .erhält die ,Jrkf. Ztg." .jolgende Dar-j


