Nr. 25»
151. Jahrgang
Erstes Blatt.
Sonntag 27. Oktober 1901
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Montags.
Die Gießener Zamllien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den „Blättern sür hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt.
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Kas jüngere Reich.
Die Zahl der Heinriche ist in Reuß sehr groß. Auf den Ruf: „Heinrich!" antwortet die Mehrzahl der-männlichen Bevölkerung beider Fürstentümer: „Hier!" Werden doch nach alter Ueberlieferung die Knäblein mit Vorliebe auf diesen sanften Namen getauft. Während jedoch die Bürgerlichen im späteren Leben mit ihrem Zunamen unterschieden werden, wird bei dem Fürstengeschjlechjt derer von Neuß sowohl bei den regierenden Häusern als auch den Nebenlinien diese Unterscheidung durch die römische Ziffer bewirkt. Alle Söhne des Hauses Reuß werden demnach seit uralter Zeit als Heinrich angesprochen und der Reihenfolge nach beziffert. Es waltet ledoch hierbei wiederum eine scharfe Nuance vor. Die ältere Linie zählt bis hundert, während die jüngere mit jedem Jahrhundert neu zu zählen beginnt. Zur Zeit herrscht in Reuß j. L. Fürst Heinrich XIV., der, nachdem er 27 Jahre das Steuer seines Landes gelenkt, fiel), wie wir neulich schon erzählten, durch den Erbprinzen Heinrich XXVII. dauernd in der Regierung vertreten läßt. Für Nachwuchs der regierenden Linie ist reichlich gesorgt; der dereinstige Thronerbe von Reuß j. L. — und nach Aussterben der älteren Linie wohl auch vom Gesamthause — ist der jetzt achtjährigePrinz Heinrich der XLIIL, sein um zwei Jahre jüngerer Bruder Heinrich XLV. ist von einem Vordermann aus der Seitenlinie Köstritz von der Nummer XL1V. verdrängt worden, die der ein halbes Jahr ftüher geborene Sohn des Prinzen Heinrich XXV. für sich beansprucht hat.
Das Fürstentum Reuß jüngerer Linie zäblt 140 000 Einwohner und ist an Bevölkerungszahl etwa doppelt so groß als sein Brüderchen älterer Linie. Beide haben eine im Verhältnis zur Größe des Landes sehr dichte Bevölkerung und starke Industrien. Beide haben eine sehr sorgsame Regierung, deren höchste Spitzen sich eingehend, nach Ansicht einiger Nörgler sogar allzuviel persönlich sür die Geschäfte zu interessieren pflegen. Während der Souverän der älteren Linie, wie bekannt nichts weniger ist als ein Verehrer der Zustände, die sich seit 1866 im deutschen Vaterlande herausgebildet haben, stehen Fürst Heinrich XIV. und sein Sohn, der Erbprinz, in enger Fühlung mit dem Kaiserhause. Erzieher des Fürsten Heinrich XIV., der jetzt im 39. Lebensjahre steht, war kein Geringerer als der Dichter Julius Sturm, der Pastor und Geheimer Kirchenrat in Köstritz war. Mit dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, späteren Kaiser Friedrich, traf Heinrich XIV. aus her Universität Bonn im Jahre 1850 zusammen. Berde fürstliche Jünglinge schossen sich damals eng aneinander; ihr Freundschaftsbündnis aus jenen Tagen hat ungemindert für das ganze Leben bestanden und ist auf die Söhne übergegangen. Jin Jahre 1866 blieb die jüngere Linie im Gegensatz zur älteren neutral. Der jetzt regierende Fürst .ührte damals als Erbprinz die Streitmacht seines Länd- chens zwar kampfbereit na.ch der Bundesfestung Rastatt, brachte jedoch später das ganze Kontingent wohlbehalten wieder nach Haufe. Seit dieser Zeit ist Reuß j. L., das alsbald dem Norddeutschen Bund beigetreten war, ein treues Mitglied des Deutschen Reiches.
Nachdem die Gemahlin des regierenden Fürsten, geborene Herzogin von Württemberg, 1886 gestorben war, bermählte sich dieser einige Jahre später mit einer Schauspielerin „Friedevike von Saalburg", die er sich morganatisch antrauen lieh. In den engen Verhältnissen des reußi- schen Kleinstaates wurde, wie wir schon neulich erwähnten, dieser Schritt schmerzlich empfunden, da die verstorbene -Fürstin außerordentlich verehrt worden war und mit einer neuen Eheschließung des Landesherrn, der sein 25jähnges Regierungsjubiläum bereits gefeiert hatte, nicht mehr ge
rechnet wurde. Der Fürst zog sich mit der Erwählten seines Herzens nach seinem sächsischen Gute Thallwitz zurück und ubertrug seinem Sohne, dem Erbprinzen, die Regentschaft. Wie jedoch versichert wird, behält er als Ebef des Hauses alle Familienangelegenheiten, insbesondere das Verhältnis zu Reuß ä. L., selbst in der Hand. Vom Fürsten Heinrich XIV. wird in seinem kleinen Reiche mit der größten Verehrung gesprochen. Er hat für alle Angelegenheiten des Landes stets das größte Interesse gehabt, und jedem seiner Unter- thanen, der sich an ihn wandte, nach Möglichkeit geholfen. Die patriarchalischen Gepflogenheiten des Kleinstaates sind nach dieser Richtung lediglich vorteilhaft in die Erscheinung getreten.
Der Erbprinz residiert mit seiner Gemahlin Elise, geborenen Prinzessin Hohenlohe-Langenburg, auf dem Schlosse Osterstein bei Gera, das hoch über der Stadt auf dem bewaldeten Hainberg gelegen wie eine echte Zwingburg ausschaut, in seinem Innern aber mit dem behaglichen Komfort eines englischen Landhauses eingerichtet ist. Er führt dort mit seiner Gemahlin, einer Cousine unsever Kaiserin, und den beiden aus der Ehe hervorgegangenen Töchtern und zwei Knaben ein harmonisches Familienleben, immer in Fühlung mit seiner getreuen Stadt Gera, wo die Herrschaften oft bei Festlichkeiten ohne besonderen Eeremonien- zwang erscheinen. Wie eng das Verhältnis zum Kaiserhause ist, beweist der Umstand, daß die .Kaiserin zur Taufe des ältesten Sohnes des erbprinzlichen Paares erschien. Der Erbprinz hat bei den Gardehusaren in Potsdam gestanden, deren Offizierkorps er nun als Oberst a la suite angehört. Er hat in Bonn studiert, ist dort aktiver Borusse gewesen und ' gilt seiner ganzen Anschauung nach als schneidiger Offizier, der jedoch auch für nichtmilitärische Angelegenheiten gutes Verständnis hat, wie er thatsächlich oft genug eigene Initiative bei der Leitung der in bewährten Händen liegenden Geschäfte zeigen soll. Die Führung des Ministeriums hat Staatsminister Engelhardt, der im Dienste der jüngeren Linie ergraut und im Drange der Geschäfte Junggeselle geblieben ist. Der Verkehr mit der Exzellenz, die in jedem Augenblick für jedermann aus dem Volke zu sprechen ist, wird allseitig angenehm empfunden. Verwalter der Fürstlichen Kammer ist Präsident Patz, ein Jugendfteund des Fürsten Heinrich XIV., der zusammen mit ihm erzogen wurde und sein größtes Vertrauen genießt. Neben den politischen Interessen findet der Erbprinz jedoch auch Zeit, der schönen Künste zu gedenken. So will er jetzt die Einrichtungen des neuen Staüttheaters in Aachen studieren, um die Fortschritte der Technik für das Theater seiner Landeshauptstadt Gera nutzbar zu machen, denn die aufstrebende Mittelstadt, die sich in dem letzten Jahrzehnt außerordentlich verschönt hat, wünschet auch ihre geistigen Interessen in erhöhtem Maße wahrzunehmen. Das Vereinsleben steht zwar in voller Blüte; eine erschreckende Ziffer aller möglichen Vereinigungen ist festgestellt, aber die Verstärkung der Fürsorge für Kunst und Wissenschaft ist in dem großartigen Jndustrieort, der einen der hauptsächlichsten Versandplätze Deutschlands für Fabrikate aller Art darstellt, mit Genugthuung zu begrüßen.
Die Beziehungen zu dem Nachbarstaate Reuß älterer Linie find, wie männiglich bekannt, gespannt, ohne daß jedoch dieser Streit bisher zu der ultima ratio von Kanonenschüssen geführt hat. Die Reußen jüngerer Linie erachten ihre älteren Vettern ersichtlich als rückständig und als im Wandel der Zeiten überzählig geworden, und diese revanchieren sich, indem sie ihre Widersacher als freudwillige Hurraschreier hinstellen. Ein solches Geplänkel von Haus zu Haus, zwischen Gera und Greiz, ist an der Tagesordnung und überträgt sich auf alle Kreise der Bevölker
ung. Was sich neckt, liebt sich auch; man braucht daher diesen in Wahrheit lustigen Krieg nicht tragisch aufzufassen. In Greiz weiß man sehr gut, daß die ältere Linie einst von Gera als . ;,c Frucht mit gutem Appetit nach dem Beschluß des Schick.als und den bestehenden Verträgen verspeist werden wird/ Man ziert und sträubt sich aber gegen diese Umarmung und meint, daß es noch nickst aller Tage Abend ist. Die jüngere Linie aber lächelt und spricht das, klassisch gewordene Wort: „Ich kann warten!"
Komische Tagesschau.
Vom Berliner „Milchkrieg".
Man schreibt uns aus Berlin, 24. Oktober:
Im Berliner „Milchkriege" scheint der Sieg nickst den Milchwirten zusallen zu sollen. Die Gründung der Milchs- Zentrale durch die Agrarier versprach mehr, als sie gehalten hat. Der Gedanke war ja nicht schlecht, daß die Milch- produzcmten ausschließlich dieser Zentrale die Verwertung der Milch übertragen sollten gegen einen angemessenen^ d. h. einen höheren Preis, als die Milchhändler Berlins den Produzenten bewilligen wollten. Aber um auf die Dauer Abnehmer für kolossale Quantitäten zu sein, darf es mit dem Absatz der Ware nicht hapern. Hier hatte die Rechnung ein Loch. Man hoffte zuversichtlich,, die Berliner Hausfrauen würden in Scharen herbeiströmen, um die Zentrale-, Milch zu kaufen, auch loenit sie eine Kleinigkeit mehr loste. Ganz Berlin werde schließlich noch, zur reinen Milch der Zentrale sich bekehren und die „Händler" im Stich lassen. So wurde noch vor wenig Wochen zur Belebung des Mutes behauptet. Berlin jedoch zeigt sich recht störrisch gegen die Wohlthat und kaust noch immer da, wo es gekauft hat. Mit den dreihundert eigenen Läden, welche die Zentrale am 15. Oktober ohne Gnade und Barmherzigkeit eröffnen wollte, falls bis dahin nicht der Widerstand der Händler gebrochen sei, ist es auch nichts geworden. Die Strategen auf Seiten der Milchproduzenten haben die finanziellen Ansprüche eines solchen wirtschaftlichen Kampfes doch wohl unterschätzt, vor allem unterschätzt die Macht der Gewohnheit. Auch solche Kriege ziehen sich in der Regel länger hin, als man berechnet. Es kommt zuletzt daraus hinaus, wer es am längsten aushält. In dieser Situation sind anscheinend die Milch-, wirte nicht, wennschon bisher die übernommenen Verpflichtungen von der Zentrale erfüllt wurden. Unter den Häno-, lern sind sehr kapitalkräftige Leute; außerdem erhält der Handel von auswärts, z. B. von Hamburg aus, durch Lieferung Unterstützung. Eine Niederlage im Milchkrieg ist nicht nur an sich fatal für die Milchwirte und ihre Führer, sondern sie drückt noch weiter die Preise herab, die den Milch- wirten von den Wiederverkäufern gezahlt werden.
Aus Stadt und Kund.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.)
Gießen, den 26. Oktober 1901.
** Auszeichnung. Der Großherzog hat dem städtischen Förster Valentin Weber zu Heiligkreuz das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen.
** Kündigungsrecht der Beamten für ihre Mietwohnungen Das Bürgerliche Gesetzbuch hat eine Vergünstigung hinsichtlich des Kündigungsrechtes bei Mietwohnungen für versetzte Staats- und Reichsbeamte eingeführt, die vielfach noch unbekannt ist. Beamte können nach §§ 565, 570 des Bürgerlichen Gesetzbuches im Falle der Versetzung nach einem anderen Orte das Mietverhältnis'
Gießener Stadttyeater.
Die zärtlichen Verwandten.
Lustspiel von B e n e d i x.
Wieder einmal ein recht luftiger Theaterabend l Die Zuhörer größer und der Beifall reicher als gewöhnlich. Der alte gemütliche Komödienonkel Benedix feierte mit den „Zärtlichen Verwandten", die nach des Verfassers launig ironischer Definitton sich als solche dadurch legitimieren, daß sie sich von morgens früh bis abends spät zanken, posthume Triumphe. Man erfreute sich wieder an dem harmlosen Humor, der durch die Verschiedenartigkeit der Wünsche, Hoffnungen und Neigungen alter „junger Damen" herbeigeführt wird, die doch nicht allzu sehr der Wahrscheinlichkeit ins Gesicht schlagen, so sonderbar sie auch zum Theil sind. Man überhörte gutmütig im behaglichen Genießen das Knarren deL verrosteten Angelwerkes der veralteten theatralischen Mache.
Trotz des guten Benedix Philisterhastigkeit aus einer schier verschollenen Zeit, einer Philisterhastigkeit, die die des braven L'Arronge — man sollte es kaum für möglich halten — noch um em sehr Erhebliches übertrifft und sich selbst aus das Schloß vornehmer Leute verirrt, ist die alte Gevatter- Komödie von den „Zärtlichen Verwandten" bei aller Einfachheit der Form ausgestattet mit einer Traulichkeit des Empfindens und einer Liebenswürdigkeit des Herzens, die sie der Gegenwatt doch um einiges näher rückt. Und besonders ist es eine Figur, die das Stück hat lebensfähig bleiben lassen.
Den an Geld und Dummheit reichen Kaspar Anatol Schummrich gab unser Gast, Herr Schönfeld. Das war eine Gestalt von höchst gelungener Schattierung der komischen und dummen Wirkung auf der Grundlage dickgeschmmkter Natürlichkeit. Es ist etwas Köstliches um den Humor unseres Gastes. Er giebt sich so ungezwungen, so selbstoersländlich, obwohl man tausendmal dagegen einwenden könnte: so dumme
Kerle giebt's ja gar nicht! Der könnte ja einem Arzt von der psychiatrischen Klinik Interesse einflößen! DasAnatölchen des Herrn Schönfeld hat aber doch noch viel mehr Normales als andere Anatöle. Herr Bolz in Frankfurt z. B. erscheint als Anatol in blendender Weißheit mit knallroter Kravatte, der Anatol des Herrn Schönfeld dagegen in ganz menschlicher Toilette, in schwarzem Bratenrock und ganz gebildeten Unaussprechlichen, allerdings mit einem Scheitel von beunruhigender Glätte, einer Stirn von zwei Zentimeter Spannweite und einer Visage von überwältigender Thor- heit. Serenissimus im „Sünplicissirnus" würden vor Neid darüber zerplatzen. Und die Manieren l Der freche Commis voyajeur Keßler in Sudermanns „Schmetterlingsschlacht" könnte wirklich viel von ihm lernen. Namentlich in feiner Unterhaltung mit dem ledernen Herrn Barnau leistete Herr Schönfeld Unnachahmliches. Wie er in froschattiger Aufgeblasenheit seinen Rock mit dem Seidenkragen stolz auseinander schlägt, wie er in seinen Hosentaschen die Fäuste ballt im Vollgefühl seiner Unwiderstehlichkeit, das ist wert, durch einen Kinematographen vervielfältigt zu werden, damit die Herren Weinreisenden sehen, wie das Muster ihrer Kärri- katur sich im lebenden Bilde ausnimmt. Geistesärmliche Leute nennen so etwas kurzerhand „großartig". Nun, es ist so wenig groß als artig, und noch weniger großattig, aber es ist lustig. Im Fratzenschneiden findet Herr Schönfeld auch nicht leicht seines Gleichen, allenfalls kommt Büller ihm darin nahe. Von den alten, abgebrauchten Mätzchen hielt übrigens Herr Schönfeld sich fern. Als Benedix vor etwa einem halben Jahrhundert den famosen Patentknaben Anatol in die Welt setzte, da stattete er ihn nur mit einer wirklich schätzenswetten Eigenschaft aus, mit „Geld wie Heu". Etwa vierzig Jahre später, ein Leipziger Sommersemester. Da „kommt mich ein guter Freund besuchen", nach der alten Melodie, und sagt, ebenfalls nach der alten Melodie: „Komm mit nach
Lindenau, da ist der Himmel blau". Und ich kam mit nach Lindenau, und der Himmel war blau, und auf der Sommerbühne der „Drei Linden" wurden „Die zärtlichen Verwandten" gegeben. Damals hatte zu seinem „furchtbar vielen Gelde" der alte Schummrich schon einen „großen Springbrunnen vor der Thür" dazu. Später habe ich wiederholt den göttlichen Anatol renommieren hören, daß sein Herr Papa einen Springbrunnen vor dem Hause und einen hinterm Hause habe; außerdem badete die so ehrenwette als reinliche Familie Schummrich, nach manchem obendrein mit einem Sprachfehler behafteten Anatol - Darsteller, zu Hause. Nach Schönfeld machen sich die lieben Schummrichs nicht so leichtsinniger Verschwendung von Wasserstoff schuldig. Dafür aber essen sie jetzt nur echten Kaviar und lassen sich Ansichtspostkatten aus Italien schicken. Das war früher nicht der Fall. Man sieht, die Familie Schummrich liebt die Abwechselung — das Publikum nicht minder! — Selbstverständlich gab wiederholter lebhaftester Beifall bei offener Szene der Freude des Auditottums über den erfolglosen Brautzug des Anatol bezeichnenden Ausdruck.
Die männettolle, hochehrbare Jungstau Irmgard gab Frl. Ungar. Dame Irmgard hat es sich vorgenommen zu heiraten en tont cas — wen ist nebensächlich. Frl. U., die wir gestern zum ersten Male in einer größeren Partie sahen, stattete sie mit einer Unmenge von arg verwitterter Grazie, mit der immergrünen schämigen Mädchenhaftigkeit eines kugelrunden alten Schächtelchens gar lieblich aus. Manchmal sind die Männer wirklich blind, der stättste Farbenaustrag nützt zuweilen nichts; die armen alten Mädchen! In den beiden letzten Mten war Frl. U. so etwas wie eine lebendige Reklame für ein Weißzeuggeschäft, oder, um im Tone des seligen Tl)eodor Fontane zu reden, der sprechendste Ausdruck von Weißzeug mit einem blauen Bündchen um die Mitte.
Die dtttte in diesem unvergleichlichen Bunde lächer-


