schmückten Saal hängt ein lebensgroßes Porträt des Papstes, neben welchem das Bild seines Vaters in französischer Oberstenuniiorm seinen Platz gefunden hat. Beim Betreten der großen Halle glaubt man sich in den Vatikan versetzt. Die tzauptwand schmückt ein großes Gemälde, den Einzug Leos XIII. in die Sixtinische Kapelle darstellend. Neben dem Saale besindet sich das Zimmer, das der Papst in früheren Jahren bewohnte, wenn er nach Earpentto kam, zuletzt im Jahre 1857. Dort wird auch der Bries ausbewahrt, in dem er seinen Brüdern seine Erwählung zum Papste anzeigte. Diesem Zimmer gegenüber liegt die Hauskapelle, in der der kleine Joachim Pecci am 4. März 1810 getauft worden ist und in der er später so oft die Mes,e las. Dort befinden sich Reliquien aller Heiligen, die er im Laufe seines Pontifikats heilig gefproeu hat. Im zweiten Stock liegt sein (Äeburtszunmer, das jetzt in ent Museum umgewandelt wurde. Dort wird auch das alte Jagdgewehr des Papstes, der in seiner Jugend em eifriger Jäger und Alpinist gewesen war, ausbewahrt. Earpineto liegt im Lande der Volsker. Tie Stadt wurde von den Romern zerstört, aber später wieder aufgebaut. Bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts blühte in der Umgegend das Räuber- wefen, und noch die Eltern des Pappes mußten, um den Räubern zu entgehen, nach der Schweiz flüchten.
* Unrichtige Aussprachen des Namens Vir - ch o w. Lord Lister brachte etwas wie „Wirtschau" hervor, die Franzosen tagten „Monsieur Wilhchoff", die bluffen „Wirhoff" oder „Wirchosf", ein den südlichen sarmatischen Steppen entstammender Gelehrter verslieg sich sogar einmal zu „Wirhoffski". Minister Baccelli und die übrigen Vertreter der romanischen Idiome sprachen ausnahmslos „Wirkoss" und die ge]amten deutschen Vertreter ebenfalls grundfalsch „Wircho". Was ist denn nun das Richtige? Rudolf Virchow nennt sich selbst „F ir cho", auch das Dorf Virchow spricht sich Dorf Fircho, und der große und kleine Virchow-See in tzinterpommern wird von der Bevölkerung ebenfalls Fircho-See genannt. Der große Gelehrte Hai früher sich öfter gegen die W-Aussprache seines 'Namens ausgelehnt und das F energisch verlangt. (Auch der jetzt nach Marburg versetzte bisherige Straßburger Historiker Professor Varrentrapp spricht feinen Warnen „Farrentrapp", nicht, wie man es meist hört, „Warrentrapp" aus. Auch das holländische „van" wird häufig wie „wann" ausgesprochen statt „fann". D. Red. d. Gieß. Anz.)
* London, 19. Okt. Seit einigen Wochen macht die Liebesgeschichte des neunzehnjährigen Leutnants Francis Eecil, eines Enkels des dritten Marquis von Exeter, viel von sich reden. Dieser Sprößling des Hauses Eecil war mit seinem Regiment in Irland und lernte in Belfast eine Miß Jessie Bain kennen, deren Reize ihn bestrickten, obschon sie zwei Jahre älter ist als er und nicht, wie er selbst, einen adeligen Stammbaum aufzuweisen hat, der bis in die Tage der Königin Elisabeth zurückreicht. Der Großvater des Leutnants stammte nämlich in gerader Linie von jenem Staatsmann Eecil ab, den man in der Geschichte der Königin Elisabeth als Lord Burleigh kennt, nnb der auch der Ahnherr des Marquis of Salisbury, des jetzigen Ministerpräsidenten von England, ist. Dies jalles mußte der junge Leutnant wissen, als er der Tochter des Börsenmaklers Bain den Hos machte. Ein Eecil ist immer hoffähig, ein Börsenmakler aber nicht. Der jugendliche Leutnant setzte sich über die gesellschaftlichen Vorurteile hinweg und trug der Tochter des Börfenmaklers seine Hand an. Als seine Frau Mama, Lady Francis Eecil, von der Verlobung und bevorstehenden Heirat ihres Sohnes hörte, geriet sie in hochgradige Entrüstung, wie dies bei einer Dame, die den altadeligen Warnen Eecil trägt, sehr begreiflich ist. Ihr Zorn wurde noch durch den Gedanken gesteigert, daß auch ihr väterliches Vermögen durch diese plebejische Heirat Gefahr liefe, in unadelige Hände zu gelangen. Lady F. Eecil ist nämlich die Tochter des verstorbenen Sir William Brookes, der seinem Enkel sein großes Vermögen von 8000 Lstr. vermacht hat, sodaß der Leutnant nicht nur als Adeliger, sondern auch als Erbe eine
gute Partie ist. Lady Cecil reifte nach Irland, um die Heirat zu hintertreiben. Als Minderjähriger steht nämlich der Leutnant noch unter dem Kanzleigericht, das sein großes väterliches Vermögen verwaltet. Nach dem englischen Gesetz, das auch in Irland gilt, können Minderjährige ohne Zustimmung der Eltern keine Ehe eingehen, und daß Lady Eecil die Verheiratung ihres Sohnes mit der Tochter des Börsenmaklers verbieten ließ, verstand sich von selbst. Aber das mehr oder weniger Vereinigte Königreich von Großbritannien und Jrlano schließt auch Schottland ein, wo das englische Gesetzbuch nicht gilt und die Drohungen des Londoner Kanzleigerichts wirtungslos sind. Als die wütende Frau 9Jiama den jungen Leuten in Belfast das Heiraten unmöglich machte, packte der Leutnant seine Koffer und fuhr mit feiner Braut hinüber nach Schottland, nicht nach Gretna Green, wo bis vor hundert Jahren flüchtige Liebespärchen sich von dem Dorsfchmied jenseits der englischen Grenze als Mann und Frau zusammenfchmieden ließen, sondern geradenwegs nach Edinburg, um sich dort vor aller Welt in der Kirche trauen zu lassen. Das junge Liebespärchen hätte sich nach altschottischem Brauch auf schottischem Boden durch eine öffentliche Erklärung vor zwei Zeugen verheiraten können. Solche Eheschlü,fe kommen noch hier und da vor, und das engiifche Gesetz hat in einem berühmten Falle im vorigen Jahrhundert einen von einem englischen Adelegen in solcher Weist geschlossenen Ehebund anerkennen müssen. Aber Papa Bain ist nicht nur ein guter Vater, sonmrn auch ein guter Geschäftsmann; er wollte von einem derartigen Eheschluffe nichts wissen. Er reifte selbst mit den jungen Leuten nach Edinburg; dort hielten sie sich vierzehn Tage auf und nach Ablauf dieser für kirchliche Eheschlüsfe vom Gesetz vorgcschriebenen Frist ließ der Leutnant in der prächtigsten Kirche der schottischen Hauptstadt, in der Auld Kirk des heiligen Euthbert, seine Verlobung und bevorstehende Heirat von der Kanzel herab verkündigen, obgleich das englische Kanzleigericht an alle schottischen Standesbeamten und Geistlichen Mitteilungen von dem Verbot des Eheschlusses hatte gelangen lassen. In der dichtgedrängten Kirche erwartete das Publikum Radau; aber der Geistliche wurde durch keine Einsprache unterbrochen, als er die Verlobung verlas; die Trauung kann nunmehr in wenigen Tagen stattfinden.
* Von Männern, die ihre Frauen ausgetauscht haben, erzählt ein englisches Journal: Aus Luton, Bedfordshire, wird ein seltsamer Fall berichtet, in dem ein älterer Mann einem Freunde anbot, die Frauen gegenseitig auszutauschen. Da die letzteren seltsamerweise auch gewillt waren, dem sonderbaren Handel zuzustimmen, wurde ein Tauschdokument aufgesetzt, unterzeichnet, durch Zeugen bestätigt und gestempelt. Ein ähnlicher Fall ereignete sich vor einiger Zeit bei Jnverneß. Ein Farmer in mittleren Jahren, der bemerkte, daß seine Frau sür einen seiner Nachbarn eine Vorliebe hatte, schlug diesem scherzend vor, er möge feine Frau in Besitz nehmen, während er selbst des letzteren Ehefrau dafür eintauschen wollte. Dieser scherzhafte Vorschlag aber machte einen tiefen Eindruck auf die Frau des Landmannes; sie teilte es dem andern mit, und innerhalb sechs Wochen nach dieser Anregung war die Angelegenheit durchgeführt und der Austausch vollzogen. Ein Aussehen erregender Fall der Art ereignete sich vor kurzem in einem westlichen Staat Amerikas, wo ein älterer Handwerker seine Frau und seine vier Kinder gegen die Gattin und die entsprechende Anzahl Kinder eines Bekannten, der in derselben Fabrik beschäftigt war, austauschte. Ob die Kinder den Wechsel billigten oder nickst, ist nicht bekannt geworden; aber die Frauen waren von dem Geschäft entzückt und erklärten sich für mehr als befriedigt. Nachdem der seltsame Tausch vor sich gegangen war, besuchten sich beide Familien wie vorher und zeigten keine Zeichen der Schüchternheit oder Verlegenheit in ihrem gegenseitigen Verkehr, obgleich die Situation sich wie eine groteske Possenszene ausnahm. Ein russischer Landarbeiter vertauschte feine junge und anziehende Frau gegen eine im mittleren Alter stehende Frau eines Nachbars, aber nur
unter der Voraussetzung, daß letzterer auch seine Schwieger- mutter „übernehmen" sollte, bei ihm das Leben zur Last gemacht hatte. Nach einiger Zeit seufzte der Nachbar unter den wiederholten Angriffen der Mutter feiner neuen Gattin und wünschte den Handel rückgängig zu machen, aber der andere weigerte sich, dem Vorschlag zuzustimmen, und der Unglückliche führte ein elendes häusliches Leben weiter, bis, das aggressive Weib starb.
Gerichtssaal.
Mainz, 24. Okt. Eine für den Wei nh andel der Provinz Rheinhessen wichtige Entscheidung wurde in einer Sache des Weinhändlers Siegmund Vogel vor der hiesigen Strafkammer gefällt. Vogel, der früher in Nieder-Saulheim seinen Wohnsitz hatte, und jetzt hier wohnt, hatte von der Steuerbehörde Wörrstadt einen Strafbescheid in Höhe von 169 Mark erhalten, weil er ohne im Besitz eines Gewerbepatents als Weinhändler im großen den Weinhandel betrieben. Vogel, der bisher nur ein Patent als Weinhändler im kleinen hatte, trug aus richterliche Entscheidung zunächst beim Schöffengericht Nieder- Olrn an und legte seine sämtlichen Geschäftsbücher vor. Es ging daraus hervor, daß er einen jährlichen dnrch- schnittlichen Umsatz von 40—50 000 Mark hat und daß er feine Weine in kleinen Gebinden an Wirte und Private absetzte. Einer der Söhne reifte zu diesem Zwecke. In Nieder-Saulheim hatte Vogel einen Kellerneubau für 21000 Mark ausführen lassen, das Weinlager bestand aus 80—120 Stück Wein. Das Schöffengericht erkannte auf Freisprechung, da es in dem Geschäftsbetrieb des V. keinen Wein- Handel im großen erblicken konnte. Die Staatsanwaltschaft hat gegen das freisprechende Urteil Berufung erhoben. Der Weinhändler machte geltend, daß er nur kleine Gebinde abgebe, wie dies in so vielen Fällen von Produzenten und Weinhändlern in der Provinz geschehe, ohne daß diese das Patent als Großhändler hätten. Der Steuerkommissar von Wörrstadt führte aus, daß es gesetzliche Bestimmungen über die Erkennung des Großhandels nicht gebe, dies vielmehr dem fachmännischen Ermessen des Steuerkommissars überlassen bleiben müsse. Der Umsatz, das Lager und das Reisen sei ein Beweis, daß ein Weinhandel im Großen vorliege. Die Strafkammer erklärte die Berufung der Staatsanwaltschaft für begründet, erklärte den Angeklagten für schuloig und verurteilte ihn zur Zahlung von 169 Mark und in die Kosten beider Instanzen.
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groschen zu Abfindungssummen beitragen, immer und immer noch' Stiefkinder bleiben oder wohl gar speziell blechen? Genügt es nicht, daß Häuser und Gelände dieses StadtteUs entwertet und von Bauunternehmern, Privaten und sogar dem eräug. Arbeiterverein zur Erbauung billigerWohnungen achselzuckend betrachtet werden. Dies alles würde anders werden, wenn die Stadt Ernst machte mit Offenlegung des Bauplans, der Erbauung von Straßen und Errichtung der Haltestelle. Die Bahn spricht von Deckung der Betriebsaus- sälle. Ja warum soll sich die Stadt dies nicht leisten im Interesse ihres Schmerzenskindes. Und diese Ausfälle werden gar nicht einmal so stark fein, denn die Nordostler und umliegenden Dörfler werden fahren, daß es eine Art hat, und diordost wird sich in ungeahnter Weise ausbauen und einen natürlichen Rückhalt geben den toten Straßen der nördlichen Altstadt. Soll denn der Gesichtspunkt des Verkehrs gar nichts wiegen? Darf man solche Dinge von großer wirtschaftlicher und sozialer Wichtigkeit mit dem fiskalischen Zollstock messen? Nein, Herr Bürgermeister, ich weiß, Sie geben mir recht! Sie sind ja im Grunde genommen gar nicht jo! Und wenn wir beide dann und unser Finanzminister vielleicht auch, später mal nach Nordoft kommen und in einem der dort infolge der Bahnverbindung entstandenen Gasthäuser ein gutes Glas Gießener trinken, im nördlichen Südost-Park' ein schönes Konzert hören, dazu die herrliche Aussicht auf das spätere Villenviertel und den Friedhof genießen uni) die gute Nordostluft einatmen, dann werden wir unferm Finanzminister auf feine breiten Schultern klopfen und jagen: Sehen Sie, Exzellenz, die Haltestelle gereicht doch Nordost zum Nutzen und uns altgießener .Bürgern zur Freude. Prost! —
Da ich übrigens von unferm Herrn Bürgermeister spreche, fällt mir wieder der Stadtrat ein, der mir überhaupt immer einfällt, wenn ich über sonstige Dinge nichts mehr zu berichten weiß. Die noch im vorigen Monate so gelichteten Reihen haben sich geschloffen. Und wie hübsch braun so Mancher von ihnen geworden ist l Welch Feuer der Thatkraft aus ihren Augen sprüht, welch erstaunliche Elastizität der Bewegungen die erfrischende Wiedergeburt ihres inneren und äußeren Menschen verrät! Manchem merkt man es an: er hat da draußen was erlebt, etwas Gutes, Reizendes! Besonders ist mir Herr Sägemüller ausgefallen. Während er vor den Ferien doch etwas unter der Last seiner Amts- und Geschäftsthätig- keck zu seufzen schien, was auch die Flüssigkeit seines Vortrags in einer für den Berichterstatter allerdings angenehmen Weise beeinträchtigte, steht er jetzt rote ein verjüngter Faust auf dem Plane und der eilfertige Sprudel seiner Worte verrät den rapiden Flug seiner Ideen. Daß das Beispiel auch auf manchen Stadttat übergreifeu kann, scheint mir nicht unwahr
scheinlich zu fein. Manche haben so wie so die besten Anlagen, das ohnehin kümmerliche Leben der Berichterstatter um i/i zu verkürzen, sei es durch das Allegro ihrer Ausführungen, oder durch die fleißig betätigte Ansicht, daß man seinen Speech in den Bart hineinmurmelt, falls man einen hat. Ich will hier keinen Namen nennen, ich wünsche den Herren vom Rat alles Gute, ebenso den übrigen Herren.
Und wirklich ist es mein Ernst mit diesem Worte, denn wie gesagt, es ist kein Kinderspiel, sich als Stadtrat in den Sorgenstühlen des Sitzungssaales aufzureiben. Es gehört viel, sehr viel dazu! Neulich dachte ich mit Schaudern daran, daß eines Tages auch bei mir eine Deputatton respektabler Mitbürger erscheinen und mich wegen meiner Verdienste um die öffentlichen Angelegenheiten um die Annahme eines Stadtverordnetenmandats bitten könnte. Am andern Morgen dachte ich weiter darüber nach und erwog in einem langen Monolog die Frage, ob ich der besagten Deputation von Bürgern ein verschämtes Ja lispeln oder ein entschlossenes Nein entgegenschleudern sollte. Ich bin zu einem Nein gekommen und zwar unter folgenden Erwägungen; ich glaube die Erwägungen meinen Lesern nicht vorenthalten zu sollen, obwohl sie in Jambenform angestellt worden sind, deren ich mich nämlich bei schwierigen Monologen stets zu bedienen pflege, weil mir dann viel erleuchtetere Gedanken kommen als in Prosa. Man stelle sich also in Positur, flehe den Geist Shakespeares aus der allerersten Periode auf sich herab und spreche mir nach:
. . . Stadtrat! Hm! Großes Wort, das man gelassen Ausspricht wie viele hundert andre Dinge, Die fortgesetzt des Alltags Deiükreis kreuzen.
Und doch — welch eine ungründbare Tiefe Und welche Höhe liegt in dlesem Wort!
Stadtrat! — Zwei Silben nur, doch was für Silben!
Zwei Silben, die so schwer wie Bleierz wiegen, Die, Sonnen gleich, hinab zum Abgrmrd leuchten Der unermeßlich tiefen Bürgerpflichten!
Stadtrat — sehr schön! Da wäre erst die „Stadt", Zum Zweiten wäre da — merk' auf — der „Rat", Der, Rat erteilend, mit des Geistes Kraft Und eines ganzen, wahren Mannes That Den sinnverwirrend weiten Kreis der Dinge, Alls denen eine Stadt sich fügt, erfaßt, Ter ihren Wunsch, ihr Wesen treffend schätzt, Tas gegenwärtige Bedürfnis kennt
Uni) richtig wägt nach der Vergangenheit Und weise abgrenzt für die ferne Zukunft. Toch als Staotvater! Was müßt' ich nicht wissen, Was nicht durchdringen, wägen und beschließen! Bald braust mein Geist an Alltagsniederungen, Wenn ich Parzellen kundig abtaxiere, Das Pflaster zum Belag der Straße wähle d mich bemühe, sorgsam festzustellen
Wie man, mit Rücksicht auf die Nachbarschaft, Am besten wohl das Häuslein klein erttchtet, Das Barnaß und sein Troß ja doch nicht will. — Doch höher schon muß mich mein Fällig tragen, Soll eine neue Schule ich beschließen, Wie sie nach Wllhelms Wunsch errichtet werden soll. Doch stärker als der Wunsch ist hier des Schwarzen Macht, Am Wall da will er eine große Schule wissen, Dieweil der Wasserkopf des Schuletats Fast größer toon, als die Frequenz der Klassen. Allein was hilft's? Ich stimme kühn mtt Ja Und denke bei mir: Wissenschaft ist Alles!
Doch wenn ich denke: Kriegers Denkmal mag Hübsch zwischen Rathaus und dem Cäsar stehen — Damr wüßt' ich nicht, wie ich beschlossen hätt'l Denn ob es gleich der Stadtrat so beschlossen, Dächt' ich mir doch in meinem Unverstand: Was hat der Kttegsgott, dieser Rabenvater, Denn zwischen Pillen und Musermr wohl zu thun? — Man sieht, 's ist nicht so leicht, im Stadttat sitzen; Besorrders als noch der Venvaltung mut’ge Sonnenrossen Sieghaft gelenkt vom hehren Phöbus-Gnauth In donnerndem Halloh zur höchsten Höh' Der Tbaten mit verhängten Zügeln ftürmen! Was chun, wenn heut nun der Verwaltung Feldgesch Begeisternd tönt: Her mit den Millionen! Wenn Dr. Egid, unser Stern am Himmel, An Thatendursl ein junger Herkules, An innerem Drang ein flammender Vulkan, Mit feiner Rede heißem Lavastrom Das zitterrrde Pompeji meiner Skepsis Im tosend-wilden Glutenstrom begräbt, Millionen für Kanal und Blitzlicht fordernd?
Was thun, wenn er, des Staottats großer Sohn, Des Norderrds unwürdige Misöre Mit sehnenslraffem Götterarm verrrichten will? Wie soll ich Aermster mrch verhallen, wenn Der hohe, oildungsdursl'ge Geist der Zeit Ein neu Konzerthaus unabweislich heischt. Unb völlig rat- und sprachlos ständ ich da, Wenn's hieße: Zwanzigtausend Märker Sind baldigst fur's Regierungshaus Als kleine Ueberraschung auszuzahlen.
Wohlan, ich bin mit mir im Reinen! Nie, So lang' auf Gießens Wappen Die Mauertürme prangen, niemals, So lang’ der doppüschwänzige Löw' so schnöd die Zunge reckt, Niemals, so lang' der Bauausschuß Mit Künstlergleichmut etwas „überschrellet , Sei's nur em Friedhof oder der Etat, Will ich — die Hand d'rauf! — Giepner Stadtrat werden! Ich geb' es zu, verlockend finb die Ehren, Die als Stadtvater zu erringen waren, — Doch sei es, wir es sei — mich kann's nicht rühren — Ich will den Stadtrat lieber krittsieren!
WilhelmuS.


