Ausgabe 
27.10.1901 Drittes Blatt
 
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Nr. 253 Drittes Blatt.

151. Jahrgang.

Sonntag 27. Oktober 19V1

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Die Giehener Samtlien» blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit demHess. Landwirt" und denBlättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei- gelegt.

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Eichener«

General-Anzeiger

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Rotationsdruck u. Ver» lag der Brüh l'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben).

Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wtttko; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Politische Tagesschau.

EinSchmerzenskind"

ist für Holland die Sundakolonie Sumatra. Nicht in wirtschaftlicher Hinsicht; hier laßt die an Naturschätzen reiche Insel nichts zu wünschen. Desto mehr in Bezug auf die politischen Zustände. Der Tod Tuku Umars, des Haupt an führers der Atchinesen, hat, entgegen den Er­wartungen der Holländer, der Aufruhrbewegung unter den Eingeborenen kein Ziel gesetzt. Ein anderer dunkelfarbigerStratege"" ist an die Stelle des gefürchteten Umar getreten und macht den Militärstationen der Nieder­länder viel zu schaffen. Die Aufständischen sind im Besitz holländischer Gewehre ein Zeichen, daß die Zusammen­stöße für die Kolonialtruppe nicht immer günstig verlausen sind. Man süant jetzt eine weitere Vermehrung dieser Truppe, die aus angeworbenen Europäern und Indern gebildet ist. Helfen wird's kaum, solange die Ein­geborenen auf den Guerillakrieg sich verlegen, vor der Ueöermacht in die Sumpfregionen zurückweichen, wohin ihnen kein Weißer zu folgen vermag. Zu den vielen Millio­nen, die der schier endlose Feldzug gegen die unbotmäßigen Atchinesen bereits verschlungen hat, werden sich also neue gesellen, sodaß das Defizit im vstindischen Budget auch für die Folge bestehen wird.

Landwirtschaft.

Bon der Nidda, 24. Okt. Nachdem man jetzt die letzte Creseenz eingethan, zeigt sich vielfach Raummangel; man sucht Keller, um die Kartoffeln und besonders die Drckwurz und das Gemüse unterzubringen. Ein wahrer Segen waren und sind noch die Futtermittel (Erbsen, Wicken u. s. ro.), die man zur Für­sorge gesät hatte; manche Leute haben noch eine zweite Grummet­ernte erzielt. Aus diesem Grunde sind die Gemüter viel ruhiger geworden, als sie im Nachsommer gewesen.

Zum Zolltarif.

In der jüngsten Nummer derHessischen landwirtschaft­lichen Zeitschrift"" polemisiert ein Mitarbeiter dieses Blattes gegen eine Reihe Behauptungen in dem neulich als Beilage zu vielen Zeitungen von Handelsvertragsvereinsseile ver­breitetenAufruf"" in der Zolltarif- und Handelsvertrags- Frage. Er erörtert die Lage der Landwirtschaft- die sich in einem ohne jegliches Verschulden über sie hercinge- brochenen Notstände beftnde und meint, daß das Weiter-- bestehen der jetzigen Verträge auf eine lange Reihe von Jahren mit dem thatsächlichen Ruin einer großen Lüizahl landw. Betriebe auch in unserer Gegend gleichbedeutend sein würde. Der längere Artikel faßt am Schluffe das Er­örterte wie folgt zusammen: Was wir wollen ist: Wieder­herstellung gesunder Erwerbsverhältnisse für die Landwirt­schaft und für die Industrie. Verhinderung spekulativer, ungesunder Entwickelung einer Interessengruppe durch einseitige Begünstigung und demgemäß Vermeidung schwerer Rückschläge.

Naturalien-Ankauf. Das Königliche Proviant­amt in Hanau giebt bekannt, daß dasselbe Roggen, Hafer, Heu, Roggen-Flegel-, Roggen-Maschinen-, Weizen- und Haferstroh gegen Barzahlung ankauft. Die Lieferungen

haben frei Magazinhof auf Gefahr des Verkäufers zu er­folgen. Die Getreidearten müssen gesund, trocken, ohne Staub oder Sand, möglichst frei von Besatz und gründlich gereinigt sein. Die Einsendung von ungeschmeichelten Proben von reichlich ein Viertelliter nebst Mitteilung, wann und wieviel geliefert werden kann, ist^erfordcrlich. Wenn bei großer Entfernung die Lieferung mittelst Land­fuhre unmöglich ist, dairn empfiehlt es sich, daß mehrere Landwirte sich zu einer gemeinsamen Lieferung per Waggon vereinigen und aus ihrer Mitte einen Vertrauensmann (Bevollmächtigten) wählen, der dann mit dem Proviantamt in Verhandlung tritt. Hierbei ist es vorteilhaft, wenn die Herren Bürgermeister selbst die Sache in die Hand nehmen und sich der kleinen Mühe unterziehen. Den Produzenten wird in jeder dienstlich zulässigen Weise entgegengekom­men, auch werden auf Wunsch Magazinsäcke zur Verfügung gestellt. Bei Bahnsendungen wird die Bahuftacht veraus­lagt, sowie die Abfuhr von der Bahn überrrommen; letztere kostet 6 Pfg. pro Zentner Roggen oder Hafer und 15 Pfg. pro Zentrver- Heu oder Stroh. Die Adresse für den Fracht­brief ist: Hanau Bahnhof Nord. Auch hat der Ankauf von Hülsenfrüchten und Zwiebeln seitens der Konservenfabrik in Mainz begonnen. Etwaige Angebote sind an die genannte Fabrik oder an das Proviantamt Hanau zu richten. Jede weitere Auskunft wird bereitwilligst von dem genannten Amte mündlich wie schriftlich erteilt.

Vermischtes.

* Daskr etes und Indiskretes aus der Fa­milie der Königin Draga. Die Belgrader Blätter bringen allerlei Andeutungen über einen argen Skandal, der sich kurz vor der Abreise des Königspaares aus Nisch in einem dortigen Kaffchause zugetragen hat. Die Haupt­helden find der vielgenannte Th ro n so l g er ka n d idat Leutncmt Nikodem Lunjeviza und sein Neffe, ein zwei Käse hoher, neugebackener Leutnant, Petrowitsch, der Sohn der ältesten Schwester Frau Dragas. Die beiden jungen Herren, letzterer zählt kaum 19 Lenze, machten sich den Spaß, in angeheitertem Zustande vor ihren Vorge­setzten in Hemdärmelu Billard zu spielen. Ein Hauptmann machte sie auf das Unschickliche ihres Benehmens in einem öffentlichen Lokal aufmerksam, erhielt jedoch statt jeglicher Antwort vom hoffnungsvollen Nikodem mit einer vollen, schweren Bierflasche einen derartigen Schlag auf die rechte Brust feite, daß ihm zwei Rippen brachen. Da erhöbet: sich mit einem Male sämtliche Offi­ziere, und bei dem, was nun geschah, soll dem mutmaßlichen Thronfolger u. a. mit einem Säbelhiebe eine Zehe abgehauen worden sein. Zwei Tage vorher sprach man gleichfalls sehr viel von den Brüdern Lunjeviza. Sie hatten bei der Belgrader Nationalbank einen Wechsel auf 180 000 Francs eingereicht. Der Verwaltungsrat der Bank fand je­doch, daß die jungen Herren gar kein Vermögen besitzen, daher kreditunfähig seien, und wies den Wechsel in aller Form zurück. Das hat im Konak böses Blut gemacht, und seither muß sich der Vicegouverneur der Bank, der die Sache verschuldete. Tag für Tag allerlei kleine Nadelstiche

gefallen lassen. Den wackeren Brüdern wurde inzwischen geholfen. Frau Draga wies ihnen aus des Königs Eivilliste allmonatlich 2000 Francs Taschengeld an. Einen gleich hohen Betrag bezieht die verheiratete Schwester der Königin, Frau Petrowitsch, seitdem sie von ihrem Mann, einem ganz gewöhnlichen Bankdirektor"", seit Dragas Heirat, von Tisch und Bett geschieden lebt. Die Söhne der Frau Petro­witsch (den Bankdirettor hört man nicht mehr nennen), beziehen gleichfalls namhafte Unterstützungen, ebenso die zwei jungen Schwestern der Königin, für deren Mitgift eifriggespart"" wird. Daneben wird auch für allerlei Jugendfreundinnen der Frau Draga gesorgt. Die gewesene Hofdame erhielt 40 000 Francs als Mitgift. Sie ist eine Vertraute der hohen Frau, der die Erlebnisse ihrer Witwen- schäft genau bekannt sind, und soll wie noch eine ganze Reihe anderer Freundinnen für ihr diskretes Walten ge­hörig belohnt iverden. In Belgrad meint man nun, di« ohnehinerblich belastete"" serbische Zivilliste werde ball aufgehen.

* Von der kleinen Prinzessin Dolanda von Italien erzählen italienische Blätter, daß sie bereits ihre erste Gunst vergebet: und den WM."L gezeigt hat, gutes zu thun, wie es sich für eine königliche Prinzessin gebührt. Eine alte Offizierswitwe, die Jahre lang Minister, Deputierte und Kammerherren mit ihren Bitte,: um eine bessere Pension verfolgt hatte, kam auf die Idee, eine Bittschrift an die Prinzessin Aolanda abzufassen, die auch an Ihre Königliche Hoheit in gebührender Form adressiert war. Natürlich siel das Schriftstück dem König in die Hand, der einen Scherz und eine gute That aus der Sache machte. Er sagte zu dem dienstthuenden Kammerherrn) Tragen Sie dieses zu der Prinzessin und machen Sie sie mit dem Inhalt bekannt."" Die Königin machte große Augen, als der Marquis ins Kinderzimmer kam, sich vor dem Bettchen ihres Baby verbeugte, die Bittschrift in ernstem Tone verlas und dann mit tiefer Reverenz wieder davonging.Nun, was hat die Prinzessin gesagt?" fragte der König. >,Nichts, Majestät"", war die Antwort.Stilb schweigen bedeutet Zustimmung"", entgegnete Viktor Emw nuel III.;die Frau soll ihre Pension erhöht haben."

* Der Geburtsort des Papstes. Tie immer wiederkehrenden Nachrichten von dein ungünstigen Befinden des Papstes Leo XIII. lenken in letzter Zeit die Augen der Welt mehr als je nach Rom, und mit Sorge ftagt man sich, wie lange noch der greise Kirchenfürft dem Allbezwinger Tod widerstehen wird. Vielen unserer Leser ist nun wohl Rom mit dem Vatikan, der päpstlichen Residenz, nicht aber der Geburtsort Leo XIII., die kleine Stadt Earpincto bekannt. Earpineto ist ein weltvergessenes italienisches Bergnest, das aus Furcht vor räuberischen Ueberfällen auf einem hohen Felsen gebaut, für Fuhrwerke absolut unzugänglich ist. Die Straßen sind eng, oft kaum zwei Schritte breit, steil und treppenartig angelegt. Earpineto verdankt dem Hei­ligen Vater viel. Es besitzt fünf Kirchen, die er fast alle von Grund auf hat erbauen lassen, zwei Krankenhäuser, ein Kinderasyl, ein allgemeines Waschhaus und eine Wasser­leitung, sämtlich Geschenke des Papstes. Das schönste Ge­bäude ist der Palast Pecci. In oem mit Ahnenbildern ge-

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Kießener -Leben und Treiben.

Wenn ich manchmal am Biertisch eine politische Ansicht mit voller Sachlichkeit, wenn auch in bestimmter Weise ver­trete, so gerät darüber mancher meiner Mitbürger der­maßen in Harnisch, daß er sich vor offenbaren Jnvectioen wieSchwätz doch so kein Blech"" nicht scheut. Dabei ist seine Ansicht unhaltbar, manchmal geradezu blödsinnig, aber dennoch .fällt mir bei solchen Gelegenheiten nur höchst selten der eigentlich naheliegende Spruch ein, der gegen eine ge­wisse Unterbilanz der menschlichen Verstandeskräfte selbst Götter vergeblich kämpfen läßt, sondern ich sage mir in der Regel nur mit wohlwollendem Herzen;" Oberhaut giftig, sonst harmlos und bekömmlich, Doch was ich eigentlich be­richten wollte: Treffe ich da neulich wieder meine Corona vot: ehrsamen Bürgern'am Krteiptisch, die sich gerade über den neuen Nordbahnhof, das Regierungsgebäude, das alte Rathaus unterhielten, und dabei ganz heidenmäßig auf unserteures" Bauamt loshieben. Was dies sich eigentlich dächte, meinte der eine und stieß den Humpen'markig auf die Tischplatte, das alte Rathaus und jetzt das Regierungs- gebäude so zerreißen, so daß es doch klüger gewesen wäre, von Grund und Boden dasselbe auszubauen. Seit Jahren liege das Geld schon da, bewilligt von Staat und Gemeinde, und doch seien weder die Pläne fertig noch ein Anfang gemacht.' 9hm frage ich dich, freundlicher Leser, was kann unser unschuldiger Baurat dafür, da die Pläne ja in Herborn von dem Kirchenbaumeister Hoffmann angefertigt wurden. Das sei twd) gar nichts, sagte der dicke Kaufmann Eisenlos mit fettiger Stimme, das Schlimmste sei, daß man damals den Markt nach der Bahn verlegen wollte und da dies nicht ging, einen Markt für 300000 schäften wollte. Das sei ja ein Meisterstück fortschrittsfeindlichen Bureau- kratismus! Anstatt einen festen Bauplan für die ganze Gemarkung vorzulegen, der doch niemals fertig würde. Das ist net zum Lachen!, setzte der Dicke hinzu und trank sein Glas mit einem Zuge aus, was er immer that, wenn er sein. Gift hinunterspülen wollte Alles stimmte ihm zu. Der Papierhändler Neistmann meinte, der schönste Tag feines Lebens wäre, wenn er die Altertümer seiner Vater­

stadt mal wohlgeordnet im neuen Museum am Brand finden würde, und er begreife nicht, daß ein solcher Plan hierfür noch nicht ausgearbeitet sei. Ebenso berühre es ihn peinlich, daß der Durchbruch der Goethestraße nach dem zukünftigen Schisfenbergerweg noch nicht in Angriff ge­nommen fei, das komme aber nur von der Ueberlastung des Stadtbauamts. Was?, sagte ein dritter, der berühmte und starke Fechtmann. Was Ueberlastung! Respekt vor unserm Stadtvater Ludwig, der mal einen starken Griff in dies Wespennest gethan; wir verlangen, daß die mit unserm Schweiß bezahlten Steuern auch richtig verwendet werden. Und nun ein Vierter, der renommierteBau­meister"" Sägspähnstürzler, der die öffentlichen Zustände überhaupt miserabel findet und fortwährend dem Gesetz und Polizei Räder schlägt und in bewußter verdienstlicher Thätig- keit seiner Person sagte: Wir berufen demnächst eine Protest- Versammlung eilt! Dieser Vorschlag sand ungeteilten Bei­fall. Schon wollte man ein Komitee bilden, als der Groß­kaufmann Max Speculatius einen neuen Weg empfahl: Kinder, sagte er Pfiffig, das mit der Protestversammlung hat noch Zeit, Wenns net anders wird, dann sage mir's noch emal dem Wilhelmus, daß deren noch emal richtig verhohnepipelt. Das wirkt vielleicht noch besser! Nun aber machte sich meine giftige Oberhaut bemerkbar. Ich erklärte zvrnglühend, diese Zumutungaufs allerentschiedenste"" zu­rückweisen zu müssen. Die Herren vom Bauamt seien mir als Menschen viel zu lieb und wert und als erste Männer der Straßen und Chausseen viel zu ehrfurchtgebietend. Ist es denn seither nicht immer noch gut gegangen? Die Reinig­ung vom Schmutz und Staub durch Gießfaß und Kehr­maschine. Die Fortschaffung der Kaldaunenabfälle nach dem Norden der Stadt. Die Herstellung der Elektrizität durch Wasser und Gas und die Omnibusgesellfchaft. Warum denn auf einmal uferlose Ansprüche erheben? Warum Nordbahn­hof? Daß das vtele Fahren höchst nachteilig und nur ge­eignet ist, die Großstädte zu degenerieren, läßt sich nicht leugnen. Warum wird denn der Schlag der Großstädte immer kleiner an Körperwuchs? Weil sie ihre Beine nicht ordentlich brauchen. Än Glied des Körpers aber, das ge­deihen und sich entwickeln soll, will geübt, gebraucht sein, wie der klassische Wilhelm sich ausdrückt. Geschieht das nickt, so schrumpft es allmählich ein und verschwindet schließlich ganz, wie Mikosch II. drastisch sagt. Man bedenke! Hat da nicht eine weitsichtige Verwaltung die Pflicht, dafür zu sorgen, haß die unteren Extremitäten ihrer Bürger, die

so wichtig sind, nicht degenerieren? Hat es Dir, schöne Leserin, schot: einmal wirklich geschadet, daß Du vergeblich aus einen Omnibus nach Schifsenberg oder der Bahn ge­wartet hast, und schließlich kurz entschlossen per pedes hinaus-^ gepilgert bist? Wenn Du ehrlich fein willst, mußt Du mir zugeben, daß Du es nicht zu bereuen brauchtest. Na also! Und wenn nun einer als letzten Trumpf einwendet, wenn die Sache so liege, dann brauchten wir ja nicht den zweiten Bahnhof, so erwidere ich darauf, daß wir denselben einfach deshalb haben möchten, weil ihn andere bekannte Städte auch haben und hinter denen nicht zurückstehen wollen.

Aber und jetzt hochverehrter Herr Bürgermeister und Baurat, setze ich doch ein bischen Amtsmiene auf eine andere Klage, die ich nicht so leicht von der Hand weisen kann. Ta hinten, ^wo unverbürgtet: Gerüchten zufolge, Gießen mit Brettern zugenagelt fein soll, am Nordeno, wohnen auch noch Bürger unserer guten Stadt, die es sich partout in den Kopf gesetzt haben, eine Haltestelle zu erhaltem Da sie wissen, daß der preußische Fiskus dem guten alten Gruichsatz hul­digt:Für nischt is nischt", so traten sie an die Stadtverord­neten heran, und diese beschlossen einmütig unter unseres Oberbürgermeisters Gnauth' sinanzpolitisch-fiskalischemGenie die Sache zu befürworten und die Kosten zu übernehmen.; Aber ' nachdem nun endlich dem immerwähren­de:: Druck des Stadtkollegiums und seines jetzigen Bürger^ Meisters und nicht zum wenigsten der Unterstützung des Moltke der Stadtverordnetenversammlung nachgegeben, und das Bedürfnis anerkannt ist, soll uns die Kostenrechnung der Bebauung zugehen und wir sollen die eventuelle Deck­ung der Betriebskosten übernehmen.

Seit Mai warten wir auf die Rechnung, die man in 8 Tagen machen kann. Man führt uns, scheints, wieder an der Nase herum, trotzdem der Bürgermeister um die Kosten-, rechnung ersucht hat. Darin liegt ja nun eigentlich für die Nordoststation eit: Vorzug, denn ihr allein ist es Vorbehalten, stets mit Extraem bedacht zu werden. Aber Spaß bei Seite! Hier muß ich denn doch mit meinen Freunden vom Nordost ausrufen:Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo!"

Also:Sprechen wir einmal ruhig über die Sache! Die Nordoftstadt ist doch auch ein Teil von Gießen, gerade so gut wie die übrigen Stadtteile, die so ziemlich alle ihre Straßenverbindungen haben oder noch bekommen und zwar ohne Extrabeitrag zu den Kosten der Gesamtstadt an die Omnibusgefellschaft rc. Seien wir doch gerecht! Warum sollen die Nordostler, die doch sowieso mit ihren Steuer-