der soll geneigt sein, seiner Mutter alle königlichen Ehren freiwillige Unfallversicherung Lei der staatlichen Versichere einzuräumen und ihr auch aus seiner Zivilliste eine Jahres- ungs-Anstatt. = Hieran reihte sich noch eine längere De-
apanage zu gewähren, falls sie sich mit der Königin Draga versöhnen wollte.
Petersburg, 25. Sept. Ter Zar wird sich dem-
bätte. r-^
Zum Schluß wurde aus der Versammlung der Antraa gestellt, darauf hinzuwirken, daß in Gießen oder Lich eine Beschäl st ation errichtet würde. — An die Ver- ammlung schloß sich ein gemeinsames Mittagessen.
Bürgermeister Köhler-Langsdorf protestiert gegen die gleiche Wahlart bei der Wahl des Ausschusses, besonders gegen die Wahl des in Vorschlag gebrachten Bürgermeisters von Gießen. Er begründet e§ damit, daß die Landwirte Stolz genug haben müßten, um sich zusammen zu schließen und den Fehdehandschuh aufzuhcben, den die reihändlerisch gesinnte Stadt Gießen und deren Presse (? Uns ist von einer freihändlerischen Gesinnung der Gießener Presse nichts bekannt! Der „Gieß. Anz.", und er allein kommt ja hici- in Betracht, ist unausgesetzt bestrebt, wie über alle poli- tim)en Vorgänge, auch in Dingen der Handels- und Agrarpolitik, rein sachlich seine Leserschaft zu orientieren und weder mit der einen noch der anderen Seite zu liebäugeln, wie das andere Blätter in merkwürdiger Zerfahrenheit thun. Für uns haben die Handels- wie die landwirtschaftlichen Interessen genau das gleiche Interesse und wir berichten au§ beiden Lagern stets ohne jede Voreingenommenheit nach einer be- timmten Richtung hin. Herr Köhler weiß das übrigens ganz genau. Gerade der „Gieß. Anz." war es z. B., der einen, wie selbst seine „Dtsche. Volksmacht" s.Zt. ausdrücklich anerkannte, rein sachlichen Original-Artikel von stattlichem Umfange über das Bauernbundesfest in Langd veröffentlichte. Schon daraus werden unsere Leser zu ermessen wissen, welche Berechtigung diese neuerliche Köhler'sche Unterstellung hat. D. Red. d. „Gieß. Anz.") den Landwirten hingeworfen habe. Gegen Herrn Mecum persönlich habe er nichts, aber er sehe nicht ein, warum man den Vertreter der Stadt Gießen in den Ausschuß wählen solle.
Daran schließt sich eine heftige Debatte, in welcher die Ausführungen des Herrn Köhler teilweise heftig zurückgewiesen werden. Vor allem wird auf die noble Haltung der Stadt Gießen und ihrer Einwohnerschaft aufmerksam gemacht, und besonders die finanziellen Opfer der Stadtverwaltung und die eifrige Mitarbeit des vorigen Bürgermeisters, des jetzigen Finanzministers Gnauth, außerordentlich lobend erwähnt. Als die Wahl zur Abstimmung kam, erhob sich kein Widerspruch, Herr Mecum wurde einstimmig gewählt.
Aus Stadt und Kund.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, 26. September 1901.
* PevsoualuachrichUN. Der Großherzog hat dem Musikdirektor Philipp Schmitt zu Darmstadt den Charakter als Professor erteilt und dem Kapitän des Dampfbootes bei dem Großh. Wasserbauamt D?ainz Peter Frank das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver- liehen. — Ernannt wurden die Militäranwärter Adam Scheide! und Wilhelm Ranft in Mainz zu Hilfsgerichts, schreibern bei den Untersuchungsrichtern am Landgericht der Provinz Rheinhessen mit Wirkung vom 1. Oktober 1901 an. — In den Ruhestand wurde versetzt der Gefangenwärter an dem Hastlokale in Friedberg Adam Heck mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers an und unter Anerkennung seiner langjährigen Dienste.
•• Zur Staufenberger Gemeinderattwahl. Gestern veröffentlichten wir eine Korrespondenz aus Staufenberg über die am 23. d. M. dort erfolgte Gemeinderatswahl. Heute teilt uns der in den Gemeinderat gewählte Herr Bureaugehilfe Heinrich Becker NI. von der Main-Weser-Hütte mit, daß er keineswegs, wie in jener Korrespondenz gesagt worden ist, der Sozialdemokratie angehört, daß er vielmehr dem politischen Parteiwesen überhaupt völlig fern steht; es scheine hier die Absicht vorzuliegen, ibn persönlich zu verdächtigen. Wir geben diese Erklärung des Herrn Becker gern wieder und werden keinen Anstand nehmen, den Einsender dieser
werden können. Gras Ballestxem wie die katholischen Magnaten Schlesiens überhaupt erscheinen nämlich« den dortigen Polen allzusehr „wm deutschen Geiste durchdrungen". Selbstverständlich nehmen die Polen hier den Mund voll, um im Zentrumslager Bestürzung hervorzurufen. In Wirklichkeit ist an eine Erschütterung des „Zentrumsturmes" in Oberschlesien nicht zu denken, solange die dortige Geistlichkeit ihn stützt. Tie polnische Presse bellt, doch die polnischen Parlamentarier beißen nicht. Sie sind bisher mit oem Zentrum gegangen und werden es wohl auch in Zukunft thun, wenn sie nicht der Bedeutungslosigkeit anheunsallen wollen. Die polnische Bevölkerung nimmt an diesen Dingen übrigens nicht derart Anteil, wie die polnische Presse glauben zu machen sich bestrebt.
Deutsches Deich.
Berlin, 25. Sept. Aus Rominten wird gemeldet: Wie alljährlich, so besuchte das Kaiserpaar auch in diesem Jahre die von chm erbauten Arbeiterwohnungen und unterhielt sich eingehend mit den Bewohnern. — Die Jagdbeute des Kaisers beträgt bisher zwei kapitale Achtzehnender. — Auch die Kaiserin wird sich demnächst nach dem benachbarten Grenzstädtchen Wyschtyten begeben, um die Brandstätte dort in Augenschein zu nehmen.
— Wie aus gut unterrichteten militärischen Kreisen mit- geteilt wird, ist demnächst zu erwarten, daß der Groß- herzog von Baden, sowie der Prinzregent Albrecht von Braunschweig von ihren Stellen als Armee-Inspekteuren zurücktreten. Als Nachfolger des badischen Fürsten wird General-Oberst Graf v. Haeseler, der kommandierender General des 16. Armeekorps in Metz ist, genannt, und für den Prinzen Albrecht soll General v. Lentze, der kommandierende General des 17. Korps in Danzig, die Armee- Inspektion in Berlin erhalten.
— Ein Exzeß auf dem Kreuzer „Gazelle", deffen Kommandant der vielgenannte Korvettenkapitän Neitzke ist, fand, während das Schiff auf der Danziger Rhede lag, statt. Die Mannschaften begingen Unbotmäßigkeiten, die gegen da8 Kommado gerichtet waren. Die an dem Exzeß Beteiligten warfen Verschlußstücke der Geschütze und Schiffsinventarstücke über Bord. 15 Mann wurden bereits in Untersuchungshaft genommen. Die Reservisten des genannten Kreuzers find bisher nicht zur Enlassung gelangt.
— Am 1. Oktober feiert der General der Infanterie z. D. Alexander v. Spitz sein bOjähriges militärisches Dienst- fubiläum.
— Der Aufenthalt des Prinzen Tschun in Deutschland geht seinem Ende entgegen. Der Prinz wird in den letzten Tagen dieses Monats seine Rückreise nach China antreten, und zwar fährt er direkt nach Genua, wo seine Einschiffung am 1. Oktober erfolgen soll.
— Nach einer Meldung aus Rudolstadt verbot die Regierung 14 von den Sozialdemokraten einberufene Versammlungen, in denen über die Versammlungs- und Vereins-Freiheit im Fürstentum Rudolstadt referiert werden sollte, weil die einberufenen Versammlungen als eine Demonstration gegen den Staat zu erachten seien.
— Entgegen der^Mitteilung einiger Börsenblätter, daß die Regierung sich beeilen werde, dem Reichstage bei seinem Wiederzusammentritte eine Novelle zum Börsengesetze vorzulegen, die den Wünschen der Börse in einigen Punkten entgegenkommt wird „von kundiger Seite" versichert, daß weder die preußische Regierung noch die Peichsregierung über die sogen. Börsengesetzrefornr bisher irgend welchen Beschluß gefaßt haben. Es wird im Gegenteil angenommen, daß die Regierung keine Neigung haben werde, vor Erledigung des Zolltarifs und des Zolltarifgesetzes die Abänderung des Börsengesetzes ihrerseits in Angriff zu nehmen.
— Wie die „Staatsbztg." mitteilt, ist der Verlagsbuchhändler Dewald heute Mittag aus der Haft entlassen worden, nachdem Gesinnungsfteunde desselben die Strafe von 100 Mk. bei Gericht eingezahlt hatten.
— Der fünfte Kongreß der durch Vertrauensmänner zentralisierten Gewerkschaften Deutschlands hat hier gestern getagt; tiefbetrübt teilte der Bäcker Klammeck mit, daß die Bäcker ihren Verpflichtungen nicht nachkommen konnten, weil der Kassierer der Organisation die ganzen Gelder unterschlagen hat. (Es muß eine wunderbare Kontrolle gewesen sein, wenn der Kassierer die ganzen Gelder unterschlagen konnte.)
Danzig, 25. Sept. Von den in Thorn verurtellten bezw. freigesprochenen 15 polnischen Abiturienten wurden sieben zu der mündlichen Abgangsprüfung zugelassen, acht wegen mangelnder sittlicher Reife zurückgewiesen und wegen Teilnahme an einer unerlaubten Schülerverbindung von ihren Anstalten verwiesen. — Der Kaiser sprach in einer KabinetS- ordre an General v. Lentze seine besondere Zufriedenheit mit der Haltung und den Leistungen des 17. Korps aus.
Ausland.
• t Llondott, 25. Sept. Ein Telegramm der „Times" aus Tokio enthält den Wortlaut des vom Kaisern onChina an den Kaiser von Japan gerichteten Entschuldigungsschreibens. Ter Kaiser von Chma druckt hierm sein tiefstes Bedauern aus, daß der japanische Gesandt- chaftssekretär Sugiyama das Opfer wüder Leidenschaften wurde. Ter Kaiser von Japan sprach rn fernem Antwortschreiben die Ueberzeugung aus, daß die Beziehungen beider Länder in Zukunft immer enger würden, und druckte die ernste Hoffnung aus, daß der Friede durch das vom Karfcr von China zu erwartende große Reformwerk dauernd ge- ^bHÄ^i^25. Sept. In Le Haye du Puits veranstalteten die Truppen gegen den General Houry eine Kundgebung, weil der General nach, den Manöver» emen größeren Marsch angeordnet hatte, obgleich die gruppen total ermüdet waren. Die Reservisten sangen revolutionäre Lieder und verweigerten den Weitermarsch
— Wie aus halbamtlicher Quelle verlautet, ist die Ausnahme einer bedeutenden russischen Anleihe rn Frankreich bei dem Zarenbesuch zwar erwähnt, auf Verlangen einer bedeutenden französischen Persönlichkeit aber vertagt worden. Dieselbe dürfte nickst vor Mitte nächsten »Jahres zum Abschlüsse gelangen.
Belgrad, 25. Sept. Ein Vetter der Königin Natalie, Fürst Demeter Murussi aus Odessa, ist hier eingetroffen, wie es heißt, auf Ersuchen des Königs Alexander, um zwischen diesem und Natalie zu vermitteln, damit die letztere ihren L.egW. fcte Königin Draga einstM, König Alexan-
falschen Nachricht wegen groben Unfugs zu belangen.
— Rattmpia-e. Die Anwohner der Wieseck können sich in diesem Jahre vor Ratten nicht retten. Die Tiere laufen am hellen Tags auf den Höfen der Grundstücke der Südanlage umher. D'as Aufftellen von Füllen hat wenig Wett, da nur wenige Ratten dumm genug sind, hinein zu gehen. Zur Vertilgung des Ungeziefers empfiehlt eS sich, wenn hier gründlich vorgegangen werden soll, Gift zu legen, was nur, wie eine Zuschrift an uns meint, die Stadt, die Eigentümerin der Ufer der Wtzseck ist, kann. Ratten sind ja bekanntlich die Träger und Verbreiter vieler Krankheiten und schon um deswillen sollte man behördlicherseüs diesen energisch den Garaus machen.
•’ Jubiläum. Heute begeht der Schneidermeister Georg Bingel in Gambach die 25jährige Wiederkehr de8 Tages, an dem er für die Firma I. Schmücker in der Marktstraße hier die erste Arbeit fertigte. Er hat diese Arbeit als Lehrling seines Vaters hergestellt, dessen Geschäft er nach beendeter Militärzeit übernahm. 25 Jahre war er der Finna ein treuer Mitarbeiter. Herr Siesel, der jetzige Inhaber von Schmücker Nachfolger hat den Gambacher Meister auS Anlaß des seltenen TageS mit einer Dedikation bedacht.
" Verlegung deS Ctadtbauamts. Wie wir hören, rotrb das Stadtbauamt Anfang Oktober seine Diensttäume auS dem Bürgermeistereigebäude nach dem gemieteten Hause deS Prof. Thaer in den Neuen Bäuen verlegen.
•* Heimkehr unseres Regiments. Gestern kehtte das Jn- fantette - Regiment „Kaiser Wilhelm" Nr. 116 aus den Manövern in seine Garnison Gießen zurück. Die ursprünglichen Bestimmungen, nach denen die Rückkehr des Regiments, wie wir mitteilten, kurz vor Mitternacht erfolgen sollte, hatte insofern eine Aenderung erfahren, als es mit zwei Extrazügen hierher befördert wurde, von denen der erste, der das 1. und 2. Bataillon beherbergte, schon gegen halb 10 Uhr hier ein* traf. Mit klingendem Spiel marschierten die Bataillone w die Kaserne. Gegen halb 12 Uhr kam daS 3. Bataillon hier an. — Morgen vormittag findet die Entlassung der ausgedienten Mannschaften zur Reserve statt.
- Wittwenkaffe der hessischen Volksfchnllehrer. Die Sterbe- kasse der hessischen Volksschuttehrer, die zu Ehren des früheren aroßh. Paares den Namen „Ludwig- und Alicestistung" führt, wird vom 1. April 1902 ab, durch eine Wtttwen- pensionskasse erweitert werden. Die Kasse wird gegründet,
in der vorgezeigten Richtung damit ein Anfang gemacht werden, daß man an Den Fortbildungsschulen landwirt-j schaftlichc Buchführung betreibe, doch warne er davor, daß? man durch Volksschullehrer auch landwirtschaftlichen fach^ wissenschaftlichen Unterricht erteilen lasse. — Auf Antrag des Vorsitzenden stimmt die Versammlung den Ausführungen zu," und beauftragt Oekonomierat Leithiger, etwa1 mögliche Schritte in dieser Richtung zu thun.
Negierungsrat Boeckmann betont, daß die Volksund Fortbildungsschule ihren allgemeinen Charakter behalten müsse, und daß man sich höchstens durch eine Jnsatz- stunde helfen könne.
Tie weiteren Posten der Rechnung nebft Erläuterungen werden debattelos erledigt. Am Schluß wird noch einmal । auf den großen Nutzen des gemeinsamen Bezugs von Futterartiteln und künstlichem Dünger aufmerksam gemacht.
Tie Amtsperiode des Vorstandes und des Ausschusses ist abgelaufen, und cs mußte deshalb Neuwahl stattfinden. Der seitherige Vorstand wurde durch Zuruf wiedergewählt, ebenso der Ausschuß. In den letzteren wurden neu gewählt Fülbert und Schneider-Utphe, Klein und Heller- Lich, Dr. Schmidt-Gießen und als Vertreter der Stadt Gjicfjcn Bürgermeister Mecum. Die Versammlung giebt darauf ihre Zustimmung dazu, daß Georgi- Gießen zum Ehrenmitglied ernannt wird.
Dann erhält Bürgermeister Heller-Lich das Wort zu seinem Vortrage über seine Studienreise nach Ober-Baden. Er schildert die Art der Viehhaltung, die von den hiesigen Zuchtzielen verschieden fei, die dortige Fütterungsart und verbreitet sich ganz besonders über die dortige Bullenhaltung. An die klaren und sehr lehrreichen Ausführungen schließt sich eine Debatte, an der sich hauptsächlich« Dr. Schmidt-Gießen, Oekonomierat Leithiger, Regierungsrat Boeckmann und T«r. Fülbert beteiligen.
Sodann hält Regierungsrat Boeckmann einen Vortrag über Lebensversicherung, in dem er für Landwirte, sofern es nur einigermaßen möglich ist, den Abschluß einer solchen Versicherung am besten auf abgekürzte Dauer empfiehlt. Als gute Versicherungs-Anstalt wird der Stuttgarter Versicherungs-Verein empfohlen. Agenten aus den landwirtschaftlichen Kreisen sollen sich melden, die die Abschlüsse besorgen können. Nach kurzer Diskussion giebt dann - Regiermigsrat Boeckmgn.v, noch LZr.lMeMNg.eu üher die
nächst von Spala zu den im Warschauer Militärbezirk stattfindenden großen Manövern begeben.
New York, 25. Sept. Ter Anarchistenschrecken bewirkt, daß vereinzelte Sozialisten Verfolgungen ausgesetzt sind. So wollten beispielsweise in Sedalia (Missouri) die Bürger die Abhaltung des sozialistischen Staatskonvents verhindern und in Camden hat der Mayor Reden von Sozialisten in der Wahlkampagne für die Staatswahlen verboten.
Buffalo, 25. Sept. Czio lgosz blieb während der ganzen Verhandlung gestern bewegungslos mit verschlungenen Armen auf dem Stuhl sitzen und starrte unverwandt auf dem Boden; selbst während die . Jury sich zurückgezogen hatte, erhob er weder sein Haupt noch seine Augen, noch schien er sich bewußt, daß er der Gegenstand des allgemeinen gespannten Interesses war. Die Gespräche und Geräusche ringsum störten ihn nicht, und kein Zeichen verriet, daß er sie wahrnahm. Auch der Wahrspruch ließ ihn absolut unberührt. Ezolgosz' Rechtsanwalt erklärte, zwei hervorragende Irrenärzte hätten den Angeklaaten für zurechnungsfähig erklärt. Dieses Gutachten habe den Ver- uch der Verteidigung, den Beweis des Gegenteils zu unter» nehmen, vereitelt.
Generalversammlung des landwirtsch. Bezirk Vereins.
(Originalbericht des „Gieß, Anz.")
** Lich, 25. <Sep' mbcr.
Im neuerbauten Lokale des Gasthauses z« n Löwen wurde heute die von ungefähr 90 Teilnehmern besuchte General-Versammlung des landwirtschaftlichen Bezirks-Vereins für den Kreis Gießen abgehalten.
Nach einer vorausgegangenen Ausschußsitzung eröffnete Provinzialdirektor Geheimerat v. Bechtold um 10 Uhr die Versammlung, begrüßt die Versammlung und veranlaßt dieselbe, sich zu Ehren des verstorbenen Ausschuß- Mitgliedes Bopp von den Plätzen zu erheben. Sodann verließt Regierungsrat Boeckmann die vorher geprüfte Rechnung. Einzelne Punkte werden zur Diskussion geteilt. Die Unterstützungen, die Besuchern der landwirt- chaftl. Winterschuleu und der Kurse für Obstbaumwärter gewährt werden, sollen in anderer Weise zur Verteilung kommen, so daß die Besucher der Winterschulen tarier unterstützt werden können und durch Verteilung von Prämien die Jugend zum Besuche dieser Anstalten angereizt werden. Für Unterstützung minderbemittelter Be- ucher sollen alle möglichen Mittel flüssig gemacht werden. Dem in letzterer Form von Regierungsrat Boeckmann ge- tellten Antrag redet besonders Oekonomierat Leithiger das Wort, der feststellt, daß gerade aus dem Kreise Gießen eine sehr geringe Anzahl der jungen Landwirte die Als- elder Schule besuche, ein Umstand, der nicht auf die geringen Leistungen der Schule, sondern auf die Interesselosigkeit in den dem Kreise Alsfeld benachbarten Gemeinden des Kreises Gießen zurückzuführen fei.
Bürgermeister Köhler-Langsdorf meint, dieses Interesse fei zu heben, wenn schon in der Volksschule und hauptsächlich in den Fortbildungsschulen der Unterricht mehr für die Landwirtschaft zugeschnitten würde. Es ließen sich wohl vorbereitende Kurse halten, in denen die Volkschullehrer die allgemeinen Fächer, ein Landwittschafts- lehrer aber die fachwissenschaftlichen Disziplinen zu lehren hätten. *
Weil-Langgöns wünscht, daß in den landwirtschastl. Winterschulen der Abendunterricht auf den Tag verlegt werde, damit die Schüler wenn möglich noch mit der Bahn ihren Heimatsort erreichen könnten; denn gerade durch die Wohnungs- und Verpflegungstosten würde mancher vom Besuch der Winterfchule abgehalten.
Lehrer Leid ig-Langsdorf empfiehlt auch die Vor- bereitungskurfe, damit außer dem Jntereffe für die Fachschulen auch« diejenige für Fachzeitschriften geweckt würde.
Nachdem darauf aufmerksam gemacht worden, daß man in Friedberg den Besuchern die tägliche Heimfahrt ermöglicht habe, ergreift Oekonomierat Leithiger das Mort zur Ausführung über den Wert der Vorbereitungskitrse.
Eine fakultative Fortbildungsschule mit landwirtschastl. Charakter könnte wohl einen Zweck haben. Mit Wandcr- schulen habe man in verschiedenen Gegenden Nord-Deutschlands keine guten Erfahrungen gemacht. Jedenfalls könne


