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27/09/1901 Erstes Blatt
 
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Nr. 227 Erstes Blatt.

151. Jahrgang.

Freitag 27. September 1901

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Die Lietzener Kamillen» blätter werden dem An­

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Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witt ko; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Verein für Sozialpolitik.

ÜL

München, 24. Settt.

Die heutigen Verhandlungen über die deutsche Handels­politik hatten große Teilnehmerscharen angelockt. Man batte aus diesem Grunde den großen Saal des Evangeli­schen Vereinshauses in der Mathiloenstzraße als Lokal ge­wählt, der die Zuhörer bequem aufnahm. Das voll­ständige Thema für heute und morgen lautet:Die Wirk­ung der gegenwärtigen und der künftigen Ziele der Han­delspolitik".

Die ersten beiden Referenten sprachen dazu fast vier Stunden, d. h. die ganze Vormittagsihung hindurch Es ist selbstverständlich daß aus diesen Reden hier nur einige Gedanken gegeben werden können. Ter erste Referent, Professor Dr. Lotz (München) führte u. a. aus: Deutschland teht vor einer großen Entscheidung. Von dieser wird eine künftige Weltmachjtsstellung abhängen, wird viel- eicht das wirtschaftliche und politische Gleichgewicht zwischen den Völkern des europäischen Festlandes und Nord­amerika abhängen. Die führende Rolle der Völker in der Geschichte hat gewechselt; es ist wie ein Verhängnis über sie gekommen, daß sie auf dem Gipfel ihrer Entwicklung oft selbst die Ursache setzten zu ihrem Niedergänge. Steht nun Deutschland auch auf diesem Punkte? Ter Redner wandte sich dann zu der Hauptfrage seiner Ausführungen: Ist eine Erhöhung der Gctreidepreise mit dem Wohle Deutschlands vereinbar? Er schickte dem voraus, daß, wenn diese Frage mit ja zu beantworten wäre, der Doppeltarif das einzig konsequente und vershrndiaste System wäre. Denn bloße papierne Zölle, die bei Handelsverträgen nach Be­lieben herabgesetzt werden können, werden den Landwirt nicht zu befmedrgen vermögen. Das ist sonnenklar. Ein einmal erhöhter Zoll muß vor jeder Möglichkeit der Er­niedrigung bewahrt bleiben. Erstaunlich ist es außer­ordentlich daß nicht auch der Zoll für Mehl im Tarif auf ein bestimmtes Minimum festgelegt ist. Es würde vom schutzzöllnerischen Standpunkte eine sehr ernste Gefahr be­deuten, wenn rnan das verarbeitete Material anders behan­delt, als das Rohprodukt. Wie schon im voraus bemerkt sein rnag, verneinte Professor Lotz die Frage seines Themas. Eine Erhöhung führe auch nicht zur Gesundung landwirt­schaftlicher Zustände, führe auch au keiner Besserung der Lage gegenüber Nordamerika. (Zustimmung.) Die Ge­fahren, wenn der Entwurf Gesetz wird, sind gar nicht ernst genug zu nehmen. Es würde schließlich auch das Koalitions­recht in Gefahr kommen. Professor Lotz glaubt mit seinen Ausführungen bewiesen au haben: 1) daß mit einer Ge­treidezoll-Erhöhung oer Landwirtschaft nicht geholfen wird; 2) daß damit die Jndustriezölle begünstigt und die Kartell­bildungen befördert werden; 3) daß der neue Zolltarif einen Verzicht auf eine friedliche Sozialpolitik bedeutet; 4) daß sehr wohl im Zusammenhänge mit einer freiheitlichen Zoll­politik Die Ausführung eines positiven Agrarprogramms zur Ueberwindung der landwirtschaftlichen Schwierigkeiten möglich sei; 5) Daß die Politik der Sammlung der Hoch? schntzzöllner den Verzicht Deutschlands auf Weltpolitik be- heute; 6) daß durch einen Zollkrieg mit Amerika, vor dem Professor Lotz aufs äußerste warnte, Deutschland seinen Markt in Südamerika, in England, in Ostasien an Amerika ver­lieren würde. Mit Wehmut und Sorge erfüllen uns, so schloß er, nicht die Symptome des Niederganges, der hoffentlich) nur vorübergehend ist, sondern die Symptome eines Geistes der Verzagtheit, die Aeußerungen des Glau­

bens an die allein fördernde Macht konkurrenzfernhaltender staatlicher Eingriffe! Und das alles in dem Augenblicke, wo wir glauben, an der Spitze der Sozialpolitik zu mar­schieren! Möge der bevorstehende Kamps luftreinigend und seelenbefreiend wirken! Wir stehen thatsächlich an einem Wendepunkte, wo es sich entscheiden wird, ob die Gene­ration des 20. Jahrhunderts für Sonderinteressen preis­geben will, was die Männer des 19. Jahrhunderts in heißem Ringen um Deutschlands Größe erreicht haben. Dringt der Widerstand gegen den Tarif und seine Bestrebungen durch, so dürfen wir hoffen, zu neuen großen Aufgaben tüchtig und stark zu sein! (Sehr anhaltender Beifall.)

Nach einer kurzen Pause nahm der zweite Referent, Professor Dr. Schumacher (Köln) das Wort. Er sprach sicl) int Gegensätze zu seinem Vorredner für eine mäßige Zollerhöhung aus, und zwar im Sinne der Ausführungen des Generalsekretärs des deutschen Landwirtschaftsrates Dr. Dade für Sätze von 5.50 Mk. bezw. 6.50 Mk. Der vor­liegende Zolltarif, obwohl im einzelnen noch verbesserungs­bedürftig und verbesserungsfähig, entspreche doch im großen und ganzen seiner Aufgabe. In langen, theore­tischen Auseinandersetzungen sprach er über das Tarifsystem. Der Doppeltarif verdiene schwerlich die auf Grund franzö­sischer Erfahrungen gefällte Verdammung, aber es komme ihm auch nicht jene große Bedeutung zu, die man heute vielfach ihm zulegt. Am besten sei der Minimaltarif, der viele Schwierigkeiten beseitige, der auch die Kaufkraft der eigenen Zugeständnisse erhöhe. Man solle nicht ver­gessen, daß das Interesse an dem Abschlüsse von Handels­verträgen doch nicht einseitig deutsch ift 9hir eine all­gemeine prinzipielle Abneigung gegen Handelsverträge könnte zu einer Ablehnung seitens anderer Staaten führen. Es wäre allerdings eine ungeheure Unterlassung der Re­gierung gewesen, wenn sie sich nicht darüber vergewissert hätte, daß eine solche Abneigung auch in der That nicht besteht. Die Furcht vor einem Zollkrieg ist übertrieben. Sollte er dennoch kommen, so bleibt uns der freilich trübe Trost, daß wir ihm nicht entgehen konnten! (Heiterkeit.) Es kann eben der beste Mensch nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. (Sehr richtig!) Deutschland kann auch unmöglich jedes Ansinnen Amerikas erfüllen. Es wäre auch thöricht; denn in Amerika macht nur der Geist des Selbstbewußtseins Eindruck! (Zustimm­ung.) Aber es bleibt uns bann auch der sachliche Trost, daß die Reaktion nicht ausbleiben würde. Dafür bürgt uns schon die Verfassung der Vereinigten Staaten. Wenn wir die Verhandlungen mit Amerika hinter uns haben, dann gestaltet sich die Sache mit den europäischen Staaten viel leichter. Die Schwierigkeiten mit Rußland werden über­schätzt. Rußland hat ein sehr großes Interesse daran, zu uns in ein festes Handelsvertragsverhältnis zu kommen. Schwieriger ist schon die Lage England gegenüber, das sich am Anfänge einer handelspolitischen Auflösung in Einzelstaaten befindet. Wir werden in Zukunft voraussicht­lich es nicht mit einem Vertrage, sondern mit vieler: hier zu thun haben. Dann wird die Regelung fteilich noch schwieriger fein. Heute müsse die Parole fein: Spezial- tarif-Verträge auf Grund eines autonomen Tarifs. (Leb­hafter Beifall.)

In der Nachmitlagssitzung lag zunächst ein An­trag vor, die Redezeit für die Debatte auf 15 Minuten festzusetzen. Ministerialdirektor Dr. Thiel beantragte 20, morgen könne man neu beschließen! Professor Brentano: Es ift nur recht und billig, daß wir heute so verfahren

wie morgen! Ministerialdirektor Dr. Thiel: Ich ziehe meinen Einspruch zu Gunsten des Vorschlags meines Freun­des Brentano zurück, und freue mich- daß er dieselbe Politik verfolgt, wie ich: Minimal- und Maximaltarif, Bindung! (Große Heiterkeit.) Professor Brentano: Ich habe 15 Minuten beantragt, weil ich für Minimaltarif bin! (Schal­lende Heiterkeit. Ruf: Reden ist zollfrei!) Tie Nedezeitj wird auf 20 Minuten festgesetzt. Tie Rednerliste ist von einer geradezu unheimlichen Länge.

Sodann begann der dritte Referent, Professor Dr. Pohle (Frankfurt a. M.) seinen etwa zweieinhalbstündigen Vortrag. Er trat für eine Erhöhung der Zölle ein. Hinter der Frage nach der Erhöhung der Getreidezölle verberge sich die Frage nach der zukünftigen Struktur der deutschen Volkswirtschaft. Er legte dar, daß es das Ziel der Handels­politik sein müsse, nicht die einseitige Entwicklung Deutsche lauds zum Jndustriestaate au befördern, sondern die rechte Mischung herzustellen zwischen Agrar- und Industriestaat.

Bis jetzt habe die Handelspolitik seit 1879 das Ziel: die Landwirtschaft zu erhalten, d. h. einen Rückgang zu ver­meiden, erreicht, wenn auch zu verschiedenen Zetten in nicht demselben Maße. In der Caprivischen Periode ist dieses Ziel nur ganz mit Ach und Krach erreicht worden. In Zukunft ist es aber ohne eine Erhöhung der Zölle nicht mehr zu erreichen. Tie Rentabilität ift zu stark zurück­gegangen, sodaß ein Rückgang der Landwirtschaft unaus­bleiblich folgen muß. Beweis dafür sind die Aufstellungen Conrads, die Zahlen über die ungeheure Hypothekenschuld der Landwirtschaft, die Thatsache, der der ganze Bevölker­ungszuwachs (der sich doch, immer dorthin wendet, wo er am besten bezahlt werden kann), der Industrie zu gute gekommen ist usw. Tie Industrie hat alles, die Landwirt­schaft nichts bekommen. (Sehr richtig! Lachen.) Es ist zwar in Der Caprivischen Periode ein Aufschwung in wirt­schaftlicher Beziehung eingetreten. (Ruf: Aha! Gelächter.) Professor Pohle: Lachen Sie nur! Nachher lache ich und wer zuletzt lacht, lacht am besten! (Lebhafter Beifall!) Ge­wiß ist der Aufschwung eingetreten. Aber ein klares Bild darüber wird man doch erst haben, wenn man einen Durch? schnitt gezogen haben wird von den fetten Jahren und den mageren, auch von denen, die noch kommen! Zu dem ist es immer sehr gewagt, ein einziges Moment, also etwa die Caprivische Politik, für eine so komplizierte Erschein­ung wie ein wirtschaftlicher Aufschwung ift, verantwortlich zu machen. Es kommen da immer eine Reihe von tief­liegenden Ursachen zusammen, von denen die Wissenschaft noch immer sagen muß: ignoramus, wenn auch nicht igno- rabimus. Was soll nun das Ziel der künftigen Handels- politik fein? Wirtschaftliche Abschließung durch außerordent­lich hohe Getreidezölle, oder unbedingte Rückkehr zum Frei» handel? Keines von beiden! Professor Pohle begründete eingehend die Notwendigkeit, einen mittleren Weg einzu­schlagen, nämlich: das wahre Ziel der bisherigen Handels­politik weiter zu verfolgen und den Stand der einheimischen Landwirtschaft nicht zu gefährden, sondern sie au erhalten und ferner: die Entstehung solcher Exportinoustrien zu verhüten, die ihre herrschende Stellung auf dem Welt­märkte nur der Minderwertigkeit ihrer Arbeitsbedingungen verdanken! Läßt man die deutsche Landwirtschast ohne die genügenden Zölle, so verfällt sie dem Schicksale der eng­lischen Landwirtschaft, nur mit dem Unterschiede, daß Deutschland aus physischen Gründen nicht die Heilmittel anwenden kann, wie etwa die dänische Lanoirtschqjt. (Ueber- gang zur Viehwirtschaft rc.) Die nächsten beiden Aufgaben

Feuilleton.

Kaus Htosenhagen*).

Drama in 8 Auszügen von Max Halbe.

(Originalbericht des «Gieß. Anz." Nachdruck verboten.)

Berlin, 25. Sept.

Auf das Widmungsblatt seines neuen Dramas, das meiner Heimat in treuer Erinnerung" dargebracht wird, hat Max Halbe die folgenden Verse gesetzt:

Euch grüß' ich bunte Felder, blaue Weiten, Euch dunkle Wälder, fern am Horizont, Fremd seid ihr mir seit Knabendämmerzeiten Und gabt mir alles doch, was ich gekonnt."

Eh hat beinahe den Anschein, als sollte der Dichter der Jugend" mit dieser Schlußzeile Recht behalten, als gehöre sein Können wirklich der Vergangenhett an. Max Halbe, der von den Modernen am verheißungsvollsten begann, hat die auf ihn gesetzten Hoffnungen nur teilweise erfüllt. Es giebt verschiedene Dichter, die mit einem Werke in die Litteratur- geschichte gekommen sind: Max Halbe scheint dazu bestimmt, deren Zahl künftig zu vermehren. Nach mehreren Anläufen zur halben Höhe gelang ihm dieJugend", ein großer Wurf. Er errang wie der ihm schicksalverwandte Georg Hjrschfeld, der Verfasser derMütter", so schnell den allzu willig gespendeten Ruhm, daß ihm die überschwere Aufgabe zusiel, die einmal erworbene Stellung zu behaupten. Daraus wuchs für ihn eine gewiße Tragik des Geschickes hervor. Wollte er fortan Höheres geben, wie imEroberer" und im Tausendjährigen Reich", so verkannte das Publilum seine Absichten und verhielt sich ablehnend, widerspenstisch, weil das Theatralische nicht genügend bedacht war; stieg er anderer­seits zu der Menge hinab und schrieb ein im landläufigen Sinne brauchbares Theaterstück, wieDie Heimatlosen" ober jetztHaus Rosenhagen", so -ging leider die Kunst mehr ober

) Buchausgabe bei &eorg Bondi, Berlin.

minder leer aus. Bis jetzt hat Halbe aus diesem Zwiespalt zwischen Dichter und Macher keinen Ausweg gefunden; er zwang seine Kunst in den Dienst des Massengeschmacks, und es ist einstweilen nicht abznsehen, ob sie nicht im sicheren Hafen der Theqttalik landen und versanden wird. Glück­licherweise blickt vorderhand der Poet dem Stückeschreiber bei der Arbeit noch über die Schulter.

Gleichzeitig ist in den Widmungsversen das Bekenntnis niedergelegt, daß der heimatliche Boden (Westpreußen) seiner Kunst ständige Anregung bietet. Hier sind die festen Wurzeln seiner Kraft. Solange er die Berührung mit Mutter Erde nicht verliert, ftrömt seinen Werken frischer Erdgeruch zu. Die sog. Milieukunst umfaßt zwar nur einen verhältnismäßig engen Bezirk im grenzenlosen Reiche der Kunst, aber sie ist erst in unserer Zeit zur Blüte gelangt und hat uns die schönsten Früchte der modernen Dramatik geschenkt. Haupt­mann, Sudermann und auch Halbe um nur die Größten zu nennen sind Vertreter dieser Milieukunst.

Was echt und gut anHaus Rosenhagen", ist an die heimatliche Scholle gebunden. Hier wuchs der agrarische Konflikt des Dramas hervor. Die Rosenhagens sind die größten Grundbesitzer der Gegend. Rasch sind sie zu Macht und Ansehen gelangt. Der Großvater fing klein an; der Vater dultete schon keinen Ebenbürtigen mehr neben sich, die zähe Erwerbsucht ließ ihn die Nachbargebiete ankaufen; der Enkel will noch höher hinaus. Seinem sterbenden Vater hat dieser Karl Egon Rosenhagen, wiewohl er aus anderem Holze als seine Ahnen geschnitzt ist, das Versprechen gegeben, von dem ererbten Boden nicht zu weichen.Sehen Sie, Herrchen läßt sich ein Winkelagent über diese Ländergier aus, Ihr Papa, der hat so wien großer ausgewachsener Hecht hier im Hohenauer Dorfteich gesessen, und wir andern Besitzer, wir sind die kleinen Stintchens geivesen, wo er so einen nach dem andern aufgeschluckt hat." Der letzte Stint ist der Thomas Voß, der Einzige, der von seinem Bauernhof n'cht läßt, ein König auf seiner Scholle, doch auch ein ehr-

! kicher Hasser, ein Hartschädel. Mit Rosenhagen dem Vater hat er in Feindschaft gelebt; der Sohn bietet die Hand zur Versöhnung.

Zwei üonflifte hätten sich auf dieser agrarischen Grund­lage gewinnen lassen. Einmal hätte der Verzewiflungskampf des Schwächeren um feinen Grundbesitz dargestellt werden können, Thomas Voß gegen Karl Egon Rosenhagen. Halbe schätzte sich vielleicht richtig ein, als er auf diesen Konflikt mit seinen wuchtigen dramatischen Accenten verzichtete oder doch ihn in den Hintergrund drängte. Zum anderen konnte sich an diesem aus der Art geschlagenen Karl Egon, an dem modernen Menschen, der die Grundsätze der Väter verwirft, ein tragisches Geschick erfüllen.Weh' dir, daß du ein Enkel bist": so etwa hätte dann das Thema gelautet. Halbe giebt von beiden etwas und doch von dem Ganzen fast nichts. Er schlägt einen Seitenweg ein und hetzt die feindlichen Parteien durch eine Liebesleidenschaft aufeinan­der So biegt er das Problem um und öffnet sich dadurch ein Hinterpförtchen, durch das er fein Steckenpferd einlafsen kann: ein Mann zwischen zwei Frauen. .

Schon inMutter Erde" war Paul Warkentin in dieses Doppelfeuer gerückt. AmManschen", der verlassenen Jugendgeliebten, hatte Sudermann sein Heimchen im Jo- hannisfeuer erwärmt, und dieses strahlt nun wieder auf Haus Rosenhagen" zurück. Wenn irgendwo, so tritt an Lesern abgedudelten Thema die Armut der Motive bei den neueren 'Dramaschreibern zu Tage: Einer lehnt sich immer an den andern an. Hier äußert sich ein Mangel des Selbsterlebten oder Selbstbeobachteten; nicht das Leben, sondern der Abklatsch des Lebens dient als Vorlabe. Gerade in diesem Punkte, im Zurückgreifen auf die erste Quelle, ist Gerhart Hauptmann allen seinen Mitstreitern überlegen; man denke, wie selbständig, wie meisterlich frei er dieses Verhältnis in denEinsamen Menschen" behandelt hat. Halbe läßt also plötzlichein Mädchen aus der Fremde" auftauchen; die Mutter war Zirkusreiterin, die Tochter ist stolz auf diese Abstammung. Hermine - so heißt sie wird Karl Egons Verhängnis. Sie krankt an ungestillter Reiselust. Entführen will sie ihrenPhilister", fort von Haus und Hof, weit weg in die Welt hinaus. Wohin? sie