Bestimmungen, über die Umänderung des Tsungli-Vamens in ein eigentliches Departement der auswärtigen Angelegenheiten, das den Vorrang vor den übrigen Ministerien erhalten soll, f oroie die Vorschriften über das Zeremoniell beim Empfange von auswärtigen Diplomaten am chinesischen Hofe. Schließlich werden die Bestimmungen über die Räumung Pekings und einiger anderer Crte aufgestellt unter Offenhaltung der bezüglichen Taten. Jetzt müssen die Herren Chinesen noch unterzeichnen, damit das Protokoll endgiltig Kraft erhalte. Wann das geschieht, ist freilich noch unsicher, Li-Hung-Tschang ist nämlich zur rechten Zeit wieder einmal krank geworden.
Im Kaplande, wo gegenwärtig den Engländern von den Bure n am unangenehmsten zugesetzt wird, hat General French die Ausgabe, das „Säuberungswerk" durchzuführen. Einem seiner Unterbefehlshaber soll es gelungen sein, Kruitzinger mit einer kleinen Truppe aus dem Kaplande hinaus über den Oranjefluß zu drängen. Dafür hatten die Engländer an einer anderen Stelle Pech bei der Stadt Bethesda, wo der Burenführer Theron eine Truppe berittener englischer Schützen gefangen nahm: die. Gefangenen wurden von diesen „Baiiditen" aber wieder lausen gelassen, selbstverständlich nachdem man ihnen das Nötige abgenommen hatt': die Buren sind leider nicht mehr im Besitze irgend welchen Ortes, wohin sie ihre Gefangenen verschicken könnten, anderseits macheil sie es auch nicht, wie gewisse englische Rowdytruppen, die keinen Pardon mehr geben. Ferner haben die Buren eines der vielen Blockhäuser eingenommen, die jetzt durch die Frei- staateii hindurch angelegt werden, um dem Kleinkrieg entgegen zu treten. Die Engländer trösten sich dafür an der Gefangennahme kleiner Trupps, worunter sich der Kommandant Erasmus befand; auch soll die Proklamation Kit- cheners den Erfolg haben, daß täglich Buren sich ergäben und Anfragen kämen, welche Bedingungen man ihnen stelle. Sollten wirklich so viele Bureniührer vorhanden sein? Tenn diesen allein ist doch die Verbannung angedroht worden. Oder sollten so viele Buren sich einbilden, noch eine nennenswerte Habe zu besitzen, für deren Konfiskation wegen des Unterhalts ihrer Familien sie fürchten müßten? Louis Botha hat einige tausend Mann an der Basutogrenze zusammengezogen, um wieder in größerem Stile zu operieren. Im Swaziland hat eine fliegende englische Kolonne die Erfahrung machen müssen, dän die Swazis sich deren Einfall entschieden verbitten; mit Hilfe der Buren wurden die Herren Engländer verjagt, wobei sie eine Anzahl Leute, Proviant und ein Geschütz verloren. Und eine am 24. vom englischen Kriegsamte veröffentlichte Verlustliste läßt ersehen, daß am 20. August ein ziemlich heißer Kamps zwischen den britischen Truppen und den Buren bei Un iondale zwischen Port Elizabeth und Kapstadt stattfand. Der britische Verlust beträgt 4 Tote, 8 Schwerverwundete und 3 Leichtverwundete; 4 Mann werden ver- mitzt. Das 10. Husaren-Regiment war am Kampfe beteiligt und hat schwer gelitten.
Aus Stadt und Land.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden arrgernefserr honoriert.
Gießen, den 26. August 1901.
** DaS Großh. Regierungsblatt veröffentlicht in Nr. 54, ausgegeben am 23. August 1901, eine Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den Inhaber betreffend : Der Stadt Bingen ist in Gemäßheit des § 795 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und des Artikels 67 des Hessischen Ausführungsgesetzes zu demselben vom 17. Juli 1899 mittels Entschließung des unterzeichneten Ministeriums vom heutigen Tage die Genehmigung zur Ausgabe der nachbezeichneten vierprozentigeu Schuldverschreibungen auf den Inhaber erteilt worden:
100 Stück L 2000 Mk. gez. Lit. T. Nr. 1 bis 100
200 „ „ 1000 M .. „ U. „ 1 M 200
150 M M 500 „ „ 150
125 „ „ 200 „ „ M W. „ 1 „ 125
zusammen 575 Stück im Gesamtnennwerte von 500000 Mk. — Eine Bekanntmachung, die Vornahme außerordentlicher Fahrtrevisioneu hinsichtiich der Schiffsdimpf kessel auf dem Rhein betreffend. Vom 20. August 1901.
** Das Verordnungsblatt für die evan ge- lische Kirche desGrvßherzdgtumsHessen Nr. 11, ausgegeben am 19. August 1901 enthält:: 1. Ein Ausschreiben Großh. Oberkonsistoriums an die evangelischen Pfarrämter (Nr. 19) vom 23. Juli 1901, betreffend
die Starkenburger Missionskonferenz; hier die Missionswoche in Herrnhm. 2. Ein Ansschreiben Nr. 20 vom 14. August 1901 an die evangelischen Kirchenvorstände, betreffend den Eintrag von .Kirchengut ins Grundbuch. 3. Ein Ausschreiben Nr. 21 vom 14. August 1901 an die evangelischen Dekanate und Pfarrämter, betreffend den Verein für hessische Kirchen- geschichte. 4. Eine Bekanntmachung, betreffend Einpfarrung der Evangelischen zu Weiskirchen in die evangelische Pfarrei Dudenhofen. Mit Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Gros,Herzogs werden, vorbehältlich der Zustimmung der Landessynode/ die evangelischen Einwohner von Weiskirchen (seither bei der Pfarrei Groß-Steinheim > der Pfarrei Dudenhofen ungeteilt, unS tritt dies einstweilen in Kraft. 5. Tas Verzeichnis der im zweiten Vierteljahr 1901 genehmigten Schenkungen und Vermächtnisse für evangelisch- kirchliche Zwecke. 6. Tienstnachrichten: Ernannt wurden: Psarramtskandidat ^Tannenberger, zuletzt Pfarrvikar in Ilbeshausen, zum Pfarrverwalter in Hain-Gründau, Te- fanat Büdiygen; Pfarrvikar Chantre zu Raunheim' zum Pfarrvikar in Lengfeld, Tekänat Groß-Umstadt; Pfarrvikar Esche nr öder zu Worms, Tekänat Worms, zum Pfarrverwalter daselbst. Gestorben ist der evangelische Pfarrer Karl Rasch zu Dienheim. Dekanat Oppenheim, am 1. Aug. 7. Eine Aufforderung zur Bewerbung: Zur Wiederbesetzung werden 'äusgeschrieben: die evangelische Pfarrstelle zu Kaichen. Dekanat Rodheim; dem Freiherrn von Leon- hardi zu Groß-Karben steht das Präsentationsrecht zu; die neu errichtete zweite evangelische Pfarrstelle an der Mar- tinsgemeinde zu Darmstadt, Dekanat Darmstadt. 8. Ersuchen um Einsendung des Taufscheines des späteren Geheimen Staatsrats und Generalkassedirektors Ernst Wilhelm Zimmermann, gestorben 19. Dezember 1820 zu Darmstadt, 68 Jahre 9 Monate 20 Tage alt; des Trauscheines des Wilhelm Adolf Hans Heinrich von Below, geboren 1783, mit Christiane Marie Louise Auguste Zimmermann, geboren 1798 an Tetkoff von Behr in Greifswald, Knopfstraße 31.
♦♦ Umbau des alten Schlaffes am Kauzleiberg. Von fach verständiger Seite wird uns geschrieben: Der Umbau ist als eine Restaurierung bezw. Rekonstruktion im engeren Sinne des Wortes nicht zu betrachten. Denn es fehlt einmal schon an sicheren Anhaltspunkten; über die frühere Gestaltung der Dächer und sonstiger verschwundener Bauteile aber fordert auch die zukünftige Bestimmung des Gebäudes eine freiere Gestaltung der neuen' Zuthaten. Der Architekt hat sich aber dabei zur Aufgabe gestellt, diese Neuerungen ganz im Geiste der ursprünglichen Burg zu gestalten und soweit dabei ausgesprochene Architekturformen Vorkommen, diese aus der heimatlichen Schatzkammer der oberhesfischen Baudenkmäler zu entlehnen. So dürfte der bisherige Denkmalswert das Gebäude auch nach seinem Umbau nicht allein erhalten, sondern sogar erhöht werden. Bauteile, welche vollständig erhalten und konserviert werden, sind in erster Linie der hohe Burgfried, ein vertrautes Wahrzeichen in unserem Städtebild; ferner, der malerische Treppenaufgang desselben mit dem darunterliegenden Brunnenhäuschen, das interessante Verließ in dem linken Gebäudeflügel und der daneben liegende Kellereingang, der das anziehende Hofbild belebt. Auch alle ursprünglichen Fensterumrahmungen und die kräftigen originellen Holzsäulen bleiben erhalten. Der erwähnte Gebäude flügel an dem Botanischen Garten wird im Erdgeschoß und im ersten Stock die Räume des Großh. Absteigequartiers umfassen. Außer der zugehörigen Küche, welche im gegenüberliegenden Flügel am Kanzleiberg und zwar hier im Erdgeschoß liegt, sind sämtliche übrigen Räume den Sammlungen des oberhessischen Geschichtsvereins zugedacht. Hier wird also das Gebäude als historisches Bau denkmal sich mit seiner Bestimmung aufs engste verbinden und so voraussichtlich in Zukunft ein besonderer AnziehungS- ort werden für alle, denen die Pflege uud Erhaltung deffen, was wir von unseren Vorfahren ererbt haben, am Herzen liegt.
Rücksichtslosigkeiten auf der Straße. Bei einem Spaziergang durch die Straßen der Stadt kann man die ver schiedensten Rücksichtslosigkeiten des Publikums wahrnehmen. Mehrere Personen stehen auf dem Trottoir und versperren den Paffanten den Weg. Ein junger Herr geht an einer jungen Dame vorüber und starrt ihr in aufdringlicher, die Dame offensichtlich höchst peinlich berührender Weise ins Ge sicht. Ein Landmann trägt einen Stock wagrecht unter dem Arm und belästigt dadurch jeden, der hinter ihm hergeht.
Bei Regenwetter sieht man häufig Leute so ungeschickt ihre Schirme tragen, daß das Wasser ihrer Schirme auf andere fließt. Ein andermal beobachtet man, wie ein stattlicher Herr eine alte Frau in dürftiger Kleidung vom Trottoir drängt, um selber bequem weiter gehen zu können. Ein paar Schritte weiter will jemand einem Entgegenkommenden links, statt rechts, ausweichen und kommt dadurch natürlich mit ihm zu einer lächerlichen Kontusion. Eine ältere Dame läßt ein kleines Päckchen fallen und ein junger Herr geht an ihr vorüber, otne dienstfertig beizuspringen. Ein Herr begegnet einem ihm be kannten Paare und geht an ihm ohne Gruß vorüber, weil er dünkelhaft glaubt, »etwas Besseres" zu sein. Unterschiede beim Grüßen zu machen gegenüber ferner stehenden Bekannten, ob sie nun sozial anders gestellt sein mögen oder nicht, widerspricht einem vornehmen Taktgefühl! Zwei Personen gehen mit einander, werden von einem Dritten gegrüßt, und einer nut von den beiden erwidert, allen Regeln des Anstandes zuwider, den Gruß. Ein andermal sieht man einen Herrn rechts von einer Dame gehen. Hier spricht man laut, daß die Vorüber- gehenden in ihrer leisen Unterhaltung gestört werden, dort horcht einet auf daS Gespräch vor ihm Gehender. Alles das und tausenderlei andere Dinge find Rücksichtslosigkeiten, die man häufig beobachten kann. Doch es kommen noch unangenehmere Dinge vor. Am letzten Samstagmittag, etwa um V* vor 12 Uhr, sah man auf dem Neuenweg, ungefähr da, wo dieser mit den Neuenbäuen, der JohanneSstraße und der Diezstraße zusammenstößt, einen städtischen Sprengwagen in voller Thätigkeit, während eine ältere Frau eia Handwägelchen mit eben getrockneter Wäsche vor fich her- schob; hinter ihr kam ein Radfahrer. Statt daß nun der Lenker des Sprengwagens für den Augenblick das Wasser abstellte, beobachtete er mit sichtlicher Schadenfreude, wie die Wäsche im Wägelchen, die alte Frau, der Radfahrer und deffen Rad von seinem Sprengfasse von oben bis unten gründlich durchnäßt wurden. Das ist eine so unerhörte Rück- sichtslosigkeit, daß jener Wagenlenker wohl einen öffentlichen Verweis verdient.
Roch einmal die Eisenbahnen im Bolkshumot. Herr Bürgermeister Köhler in Langsdorf schreibt UNS:
Bezüglich der in Ihrem Blatt veröffentlichten humoristischen Eisenbahn- Bezeichnungen (in Nr. 191 und 192) hinsichtlich der Oberhessischen Bahnen (O. H. B.) gilt — besonders wegen der läutenden Nebenbahnen und ihres lässigen Betriebes das Wort „O Heiliger Bimbam". Außerdem mache ich Sie darauf aufmerksam, daß der Name „Gog" d. t. „Gießener OmnibuS-Gesellschaft" schon in der Bibel (Prophet Ezechiel Kap. 38 u. 39 und Offenbar. Johs. 20,8) vorkommt.
*• Zur Sonderfahrt des Haupt-AuSschuffes des Deutschen Flott en-DereinS nach Bremerhaven, Holland und Belgien vom 1. bis 9. September wird bemerkt, daß der Reichspostdampfer „Kiautschou", auf dem die Fahrt von Bremerhaven bis Antwerpen zurückgelegt wird, zu den neuesten und besteingerichteten Schiffen gehört. Er hat eine Größe von fast 11000 Tons. Während des Aufenthalts in Holland und Belgien werden außer den Hafenanlagen und sonstigen Sehenswürdigkeiten auch die berühmten Gemäldegallerieu im Haag und Antwerpen in Augenschein genommen. An- Meldungen sind bis spätestens zum 28. ds. Mts. an den Haupt-AuSschuß des Deutschen Flotten Vereins Berlin W, Wilhelmstraße 91 I zu richten. — Da die Sonderfahrt mittelst RundreisebilletS zurückgelegt wird, so kann die Anfang- und Endstation je nach den Wünschen der Teilnehmer beliebig gewählt werden.
** Die letzte Feldpost nach China geht von Berlin am nächsten Freitag, 30. August, ab uud soll etwa am 3. Oktober in Shanghai zur Auslieferung gelangen. Diese letzte Feldpost befördert nur Briefe und Feldpostkarten. Anfang September hört die Feldpost und damit auch die Portofreiheit des Briefverkehrs der ostafiatischen Truppen auf. Briefsendungen an die Besatzbrigade und die Besatzung von Kiautschou, sowie an die Angehörigen der Marine in Oft« asien müssen daun wie Briefsendungen nach unseren Schutzgebieten, d. h. nach den inländischen Sätzen frankiert werden.
§§ Geiß Nidda, 24. August. Unter reger Beteiligung fand heute hier die Wahl von 3 Gemeinderäte« statt. Von 147 Stimmberechtigten machten 88 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. ES erhielten Kour. Ludw. Lind II. 72, Wilhelm Troß 63 und Hermann Schellmann 43 Stimme«.
§ Butzbach, 25. August. Heute Nachmittag fand im Beisein des KreiSamtmannS v. Bechtold eine Besichtigung und
Flotte gelegt worden, zum Norddeutschen Lloyd und zur Hamburg-Amerikalinie. — „Freuen wir uns", sagt der ehemalige Marineminister Tuckwitz, „daß in Preußen, nachdem das Werk von 1848 untergegangen, ein so schöner Grund für den Wiederaufbau einer deutschen Flotte gelegt ift; auf diesem Grunde läßt sich weiter bauen, an diesen Kern kann sich getrost alles anschließen; denn in ihm ruht die Zukunft deutscher Wehrhaftigkeit auf dem Meere."
Längst ist B r o m m e dahingegangen, der erste Admiral, längst auch Duckwitz, der erste Marineminister; noch aber lebt in Frankfurt a. M. Wilhelm Jordan, der erste Unterstaatssekretär des Marineamtes. — Als mit dem 18. Mai 1898 der Jahrestag der Eröffnung der deutschen Nationalversammlung wiedergekehrt war, versammelte sich eine Reihe überlebender Abgeordneter zur Halbjahrhundertfeier in Frankfurt. Unter Beifall bestieg der fast 80jährige Wilhelm Jordan die Tribüne und fi'chrte unter anderem pus:
„Nach dem ersten und einzigen Seegefecht unserer jungen Flotte in der Nähe des englischen Helgoland fand sich Lord Palmerston veranlaßt, eine Note an uns zu richten, daß Schiffe unter schwarz-rot-goldener Flagge es gewagt hätten, in den Gewässern von Helgoland mit den Dänen herumzukanonieren, und int Wiederholungsfälle drohte er, diese Schiffe als Piraten zu behandeln. Wer, wie ich, diese Unverschämtheit grimmig hinunterschlucken und sich mit ohnmächtigem Zähneknirschen begnügen mußte, der allein weiß es recht, welche ungeheure Strecke zurückgelegt worden ist von anno dazumal bis zum deutschen Helgoland?"
So ist Frankfurt am Main recht die Geburtsstadt des deutschen Flottengedankens. Keine passendere Oertlichkeit konnte gewählt werden für die Versammlung der Abgesandten der verschiedenen Landesausschüsse und des Präsidiums des Deutschen Flotten-Vereins am 20. und 21. April 1901. In der Frühe um 10 Uhr am 21. April sollte die Hauptsitzung beginnen. Also Zeit genug, um noch vorher die denkwürdigsten Plätze aufzusuchen. — Tort in der Eschenheimer Gasse wurde in den Jahren 1816
und 1817 erstmals, vorsichtig und schüchtern, die Möglichkeit und Nützlichkeit einer Kriegsflotte erwogen, um wenigstens gegen die Seeräubereien der Barbaresken geschützt zu sein. Vergebens; das Meer war dem Deutschtum noch eine ganz fremde, unzugängliche Bahn.
Inzwischen schloß sich der Deutsche Zollverein zusammen; Friedrich List begann mit dem Meere vertrauter zu machen; mit immer größerer Zuversicht blickte man seewärts; im Jahre 1847 fuhr der erste Dampfer von Bremerhaven nach New-York, um die neue Posthampferlinie zu eröffnen. Als der Boden so vorbereitet war, muß es als natürliche Erscheinung angesehen werden, daß, mit dem Jahre 1848 deutsche Größe und Einheit unfertig erschienen, wenn nicht zugleich eine deutsche Flotte hinzukam.
Und da stehe ich auf meinem Rundgang zu den Frankfurter Sehenswürdigkeiten gerade vor der an sich unbedeutenden Panlskirche. Es ist ja Sonntag und die Leute strömen eben hinein; ich gehe auf einen Augenblick mit ihnen. Tas ist also d ie Rotunde, in der so warm von der deutschen Flotte gesprochen worden ist vor mehr als 50 Jahren, von der Schöpfung, die im Sehnen und Träumen des deutschen Volkes lag. Hier wurden zum ersten Male Gelder — nach unseren heutigen Begriffen eine bescheidene Summe — für die Flotte bewilligt; von hier ging die Mahnung an das deutsche Volk, es solle seiner Flotte gedenken als des wertvollsten Bürgen für seine Größe und Einheit.
Von hier ging auch der Aufruf ins deutsche Land hinaus, man solle Vereine bilden und Beiträge sammeln zum Besten der entstehenden deutschen Flotte. Und das brachte mir die Erinnerung daran zurück, daß ich schon einmal, und zwar in frühester Jugend, Mitglied des Deutschen Flotten-Vereins gewesen bin. — Ich befand mich noch in jenem zarten Alter, in welchem man außerordentlichen Wert auf Semmeln legt, auf solche mit Butter und ohne Butter. Arn Sonntag gab es in unserer Unterrichtsanstalt deren mehrere. Auf eine aber leisteten wir Verzicht zum Besten der deutschen Flotte. So wurde ich damals Flotten
Vereinsmitglied. Ohne Flotte keine nationale Größe, das war uns Buben ganz geläufig, und wenn nicht höhere Mächte eingeschritten wären, so würden wir alle ausgerissen sein, um Schiffsjungen zu werden.
Heute sind unsere Ziele schärfer umgrenzt und große artiger geworden, was vor einem halben Jahrhundert noch kindlich auftreten mußte, das ist ins Mannhafte gewachsen; aber geblieben ist doch das Gefühl: jeder Verzicht auf eine mächtige Flotte kommt gleich dem Verzicht aüf nationale Größe und Weltstellung. Verständlich ist zugleich geworden, was genau vor hundert Jahren Friedrich Schiller in die Welt hinausgerufen hat in feiner „Braut von Messina".
Wer das grüne krystallene Feld
Pflügt mit des Schiffes eilendem Kiele,
Ter vermählt sich das Glück, dem gehört die Welt-
Lttteratur, Wissenschaft und Kunst.
Der «e«e Ster» im Pers««-, soll sich anscheinend im Nebel auflüsen. Diese Entdeckung sollte, einer Korrespondenz zufolge, Direktor Archenbold, der Leiter der Treptower Sternwarte, gemacht haben. 3* Wirklichkeit verhält es sich damit wesentlich anders. Danach hatte die Astronomische Zentralstation in Kiel an die Sternwarten einen Berrcht versandt, wonach Flammarion, der große stanzösische Astronom, die erwähnte Entdeckung gemacht haben wollte. Wenigstens zeigte die photographische Platte, mit der Flammarion den Stern ausgenommen, diesen von einem ringförmigen Rebel umgeben- Darauf hat Direktor Archenholv den Stern beobachtet, aber nichts von jenem Nebel wahrgenommen. sah ihn vielmehr in festumgrenztem Licht und in roter Farbe erstrahlend. Archenhold will übrigens auch erkannt haben, daß die Lichtschwankun^er». denen der neue Stern bisher ausgesetzt gewesen war, in der letzten 3” aufyehört haben. — In derselben Nacht, in welcher auf dem Treptow« Institut der Gelehrte diese Forschungen anstellte, war von ihm auch v« Enkesche Komet beobachtet worden, und er gelangte zu dem daß die Leuchtkraft jenes Kometen der Helligkeit deS RingnebelS m v« Lei« entsprach.
Bttlip, 25. August. Der Verlag von W. Hertz (Beffer'sche Buchhandlung) Berlin ging an die Lotta'sche Buchhandlung- Stuttgart üb«. Derselbe wird in Berlin, verbunden mrt d« Fr""- deS Cotta'schen Verlags, weitergeführt werden.


