Bekanntmachung.
Der Oberhesfische Bienenzüchter-Berein beabsichtigt, mit seiner am 16. September ds. IS. zu Reichelsheim, Kreis Friedberg, stattfindenden 41. Wauderversamluvg eine Ver losung von Bienenvölkern, Bienenprodukten und Bienenzucht gcräten zu verbinden.
Großherzogliches Ministerium des Innern hat die nach gesuchte Erlaubnis zur Veranfiattung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 2600 Lose, zu 50 Pfg. das Stück, auSgegeben werden dürfen, und mindestens 60 Prozent des Bruttoerlöses ans dem Verkaufe der Lose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden find.
Zugleich ist der vertrieb der Lose in der Provinz Ober- heffen gestattet worden.
Gießen, den 22. Juni 1901.
Großherzogliches Kreis amt Gießen.
I. V.: Dr. Heinrichs.
Graf Bülow.
Herr v. Lucanus führt weder Sense noch Stundenglas oder Hippe, und doch hat man sich allmählich daran gewöhnt, in ihm sozusagen einen aristokratischen Vetter des Todes zu erblicken. Er ist ein Aristokrat, weil er nur Minister als Opfer erkürt, und er gleicht dem Sensenmann, weil auch er, wo er erscheint, zur ewigen Ruhe lädt. Nicht immer führen jedoch die beiden ihr Opfer auf den ersten Ruf von dannen. Wie der Forstmann die Bäume erst zeichnet, die er fällen will, so mahnt auch der Königsbote zuvor den, der ihm verfallen, an die Vergänglichkeit des ministeriellen Taseins, und warnend ertönt und feierlich in der Presse der Chor der barmherzigen Brüder: „Rasch tritt der Tod den Menschen an — Bereitet über nicht, zu gehen. Er niuß vor seinem Richter stehen!"
Herr v. Lucanus hat, so berichteten wir bereits, am Freitag dem Reichskanzler Grafen Bülow seinen Besuch gemacht. Er ist nicht als Privatmann, sondern im direkten Auftrag des Kaisers erschienen und hat sich alsbald au das Hoslager zu Kiel zurückbegeben. Tiefer Meldung schloß sich unmittelbar die weitere Nachricht an, daß am Samstag eine Sitzung des preußischen Staatsministeriums statgesunden habe. Welch wonnesames Feld' für Konjekturen, für politische Vermutungen! Herr v. Lucanus, der neue Götterbote, gehört in jede Krise, wie in das alte Schauspiel der erlösende deus ex machina. Und weil nun jede Wirkung ihre Ursache hat, so spähte man eifrig umher und fand, daß vielleicht einzelne schwungvolle Worte in der Tenkmalsrede für den Fürsten Bismarck kein Gefallen fanden au höchster Stelle, daß der Begriff des „Tieners", der in der Inschrift des kaiserlichen Kranzes so deutlich markiert wurde, in den Worten des Nachfolgers nicht hinreichend hervortrat. Und doch will uns dünken, als ob die leisen Gerüchte von einem aus der Rede am Denkmal hallenden Mißklang nicht begründet sein können. Tenn die Worte waren klug und verständig und im letzten Grunde Io gar eine mutige That, die Tank verdient. Hier steht die Lehre des kaiserlichen Enkels und die Auffassung seines ersten Beraters in erkennbarem Widerspruch. Eine Krise aber, die an den denkwürdigen 16. Juni innerlich anknüpfte, würde zu Folgerungen der unwillkommensten Art führen. Tie schroffe Feststellung eines offiziösen Blattes, daß die Rede des Grafen Bülow keineswegs dem Kaiser vorher zur Genehmigung vorgelegen habe, und daß eine Präventivzensur um so weniger geboten sei, als „bekanntlich wohl der Minister unter Umständen für die Reden des Monarchen, aber nicht der Monarch für die Reden des Ministers verantwortlich sei", — diese Feststellung deutet nicht auf reine Harmonien.
Wie dem auch sei, jedenfalls ist heute ein sachlicher Grund zu Krisen nicht vorhanden. Tie großen Schwierigkeiten, die durch die Behandlung der Kanalfrage in das politische Leben Preußens getragen wurden, sind für den Augenblick durch die Vertagung des Landtags beseitigt. Ob die Wahl dieses Auswegs taktisch richtig war, darüber mag man ja streiten; sicherlich aber ist es stets geschickt, — und auch die jüngste Geschichte des österreichischen Reichsrats hat es erwiesen —, die Zeit als Bundesgenossen zu wählen und die Leidenschaften erst verrauchen zu lassen. So hat Graf Bülow auch in der reichsdeutschen Politik die Taktik erwählt, sich eine Erholungs- und Kräfiigungs- zeit zu verschaffen, ehe er durch die Bekanntgabe des Zo l l- tar i fs den Streit der Meinungen entfesselt und den längst schon lodernden Flammen neue Nahrung zuführt. Tie Zeit, die Probe zu machen auf seine Entschlossenheit und Ueber- zeugungskraft, wird also erst kommen, wenn draußen die Schneeflocken herniederfallen und in Wallots Bau die Männer der Rechten, verstärkt durch klerikale und nationalliberale Fähnlein, die Frage einer konservativen Opposition aufzurollen gezwungen werden. Graf Bülow genießt keineswegs, — so meinen wir mit den „Lpz. N. Nachr." — das allgemeine Vertrauen. Aber noch weniger geht ihm ein allgemeines Mißtrauen zur Seite. Und auch in der äußeren Politik scheint in der jüngsten Zeit sich ihm die Möglichkeit zu bieten, wieder einen deutlichen, sichtbaren Anschluß an die von ihm in Worten so oft gefeierten Traditionen des ersten Kanzlers zu finden. Auf jede Ueberspannustg folgt eine natürliche Reaktion, und die Ueberspannuwg unserer Freundschaftsbekundungen für England hat einer kühleren Auffassung Platz gemacht. Tie Geschichte des Schwarzen Adlerordens für den Lord Roberts und die späte Veröffentlichung seiner Verleihung ist nicht ohne eigenartige Bedeutung gewesen.
Es ist für die Methode des Grafen Bülow charakte- ristisch, daß er die Schwierigkeit, die ihm plötzlich aus dem Schicksal des Konsistorialrats R e i ck e zu erwachsen drohte, sanft aus dem Wege geräumt hat, ohne daß der aufgeregte See ein Opfer verschlang. Graf Bülow hat, wie es scheint, auch hier die Devise „Nur keine inneren Krisen" Vorangestellt, und hat durch die Uebernahme des dichtenden Konsistorialrats in eine anderes Amt überall, wo man nicht aus Grundsatz nörgelt, den Hauptgrund zur Entrüstung beseitigt.
Aber diese Taktik wird dennoch nicht für immer Vorhalten. Es wird die Zeit der Entschlüsse kommen und dann erst wird man prüfen können, welcher Art die Farbe und ob sie echt ist.
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Aus Berlin, 25. Juni, wird uns geschrieben:
Eine Kanzler-Krisis, von der jüngst gemunkelt wurde, ist nicht vorhanden; aber wenn heute eine zu
weilen gut unterrichtete Zeitung zur Bekräftigung dieser Thatsache hinzufügt, Graf Bülow stehe fester als je, so ist das doch wohl zu viel behauptet. Auch Herr v. Bötticher sagte vom Fürsten Bismarck, auf den Sessel des Kanzlers am Bundesratstisch deutend: „Ter Fürst sitzt fester als je" — gar nicht lange vir der Verabschiedung des Altreichskanzlers. Und Herr v. Bötticher konnte, als rechte Hand des Fürsten Bismarck, sicherlich unterrichtet sein. Er wurde aber, wie alle Welt, von der plötzlick>en Zuspitzung der Situation überrascht. Wer hat den Sturz Miquels vorausgesehen? Tenn von einer freiwilligen Demission des für unerschütterlich gehaltenen Ministers, der den Zeitpunkt seines Rücktritts selbst zu bestimmen geglaubt hatte, wird doch wohl nicht zu reden sein. Wie plötzlich erfolgte die Entlassung des Grafen Caprivi, so plötzlich, daß die auf der Rückreise von der Berliner Konferenz („Umsturz-Vorlage") begriffenen leitenden Minister der Bundesstaaten ihren Augen nicht trauen wollten, als ihnen die Extrablätter mit der Meldung des Kanzlerwechsels überreicht wurden. Noch manche solcher Ueberraschungen ließe sich aufzählen, um darzuthun, daß es einigermaßen kühn ist, von dem leitenden Staatsmann zu sagen, er stehe fester als je. Graf Bülow hat einflußreiche Gegner; darüber kann , gar kein Zweifel sein im Hinblick auf die bald hier, bald dort auftauchenden, ersichtlich „lancierten" kritischen Notizen, die sich mit ihm beschäftigen. Auch die Verbreitung der Behauptung, dem Kaiser habe die Bismarck-Rede des Kanzlers nicht gefallen, mag auf ähnliche Absichten zurückzuführen sein. Es heißt wirklich dem Kaiser zu nahe treten, wollte man im Ernst glauben, er fühle sich verletzt dadurch, daß Gras Bülow dem Fürsten Bismarck zuerkannte, was des Fürsten ist.
Ebenso sind, wie man weiß, versteckte persönliche Angriffe auf Staatsmänner geeignet, die Betreffenden nur noch zu erhöhen in der Schätzung des Kaisers. Aber — „der Kaiser ist sein eigener Kanzler". Ta fragt es sich nun vor allem, ob völlige sachliche Ueberemstimmung besteht zwischen dem Herrscher und dem verantwortlichen höchsten Beamten. Diese Frage wird vielleicht nicht ohne weiteres zu bejahen sein. In den letzten Wochen hat sich ein „Ruck nach links" in der Wirtschaftspolitik vollzogen. Nicht nur aus den kaiserlichen Reden, aus den Auszeichnungen, die der Generaldirektor Ballin von der Ham- burg-Amerika-Linie empfing, sondern auch aus anderen Momenten ging hervor, daß die landwirtschaftliche Bewegung, die Agitation für beträchtlich erhöhte Getreidezölle, nicht in gleichem Maße Beachtung fand, wie vordem; daß die Handels-, die Industrie-, die Seeinteressen, und was damit zusammenhängt, mehr in den Vordergrund treten. Die Vertreter der Landwirtschaft sehen, worüber man sich! keiner Täuschung hingiebt in den beteiligten Kreisen, ihre Chancen sinken. Tie Verwerfung der Kanalpläne mag den Kaiser tiefer verstimmt haben, als äußerlich zur Erscheinung gelangt ist; die von konservativen Blättern geäußerten Bemerkungen, die den Ausspruch „Unsere Zukunft liegt auf dem.Wasser", eine vom Kaiser besonders gerne betonte Ueberzeugung, nur mit Einschränkung gelten lassen wollten, diese Bemerkungen in Verbindung mit ähnlichen Aussprüchen konservativer Führer in den Parlamenten mögen ebenfalls den Kaiser zu der Ansicht gebracht haben, daß auf konservativer Seite nicht volle Sympathie herrsche für die Ideen und Ziele dieser Politik. Genug, die Beziehungen sind etwas erkaltet. Graf Bülow hat sich der! Landwirtschaft gegenüber durch Zusicherung höherer Schutzzölle wiederholt engagiert, er steht auch sonst der Rechten am meisten nahe, er gilt nicht gerade als ein begeisterter Freund Englands, endlich Gras Bülow ist nicht wie Fürst Hohenlohe eine zur Nachgiebigkeit geneigte Natur: alles das zusammengenommen, kann in dem Augenblick, wo eine gewisse Aenderung des Kurses sich vollzieht, die Position, des Kanzlers bei der Entscheidung über eine bestimmte Frage unerwartet ins Wanken bringen. Dieser Moment mag noch nicht gekommen sein, aber, wenn auch jetzt keine Kanzlerkrisis herrscht, so kann sie sich doch entwickln, weil bereits die nächste Zeit manche wichtige Entscheidung besonders auf handelspolitischem Gebiete bringen wird, Entscheidungen, die leicht zu Meinungsverschiedenheiten Anlaß geben können.
Zuviel Empfindlichkeit.
Taß Nervosität und Empfindlichkeit im politischen Leben chic große Rolle spielen, daß die Parteikämpfe unserer Zeit durch zunehmende Reizbarkeit auf beidenS eiten so manches Unerquickliche und Abstoßende haben, ist bekannt genug, um noch eines weiteren Wortes zu bedürfen. Aber es ist eine, wenn auch nicht neue, Beobachtung, daß die Empfindlichkeit allmähliche auch auf unpolitischem Gebiete sich geltend macht. Wir haben hier die unleugbar sich steigernde Empfindlichkeit in den unteren Beamtenkreisen im Auge, und wir denken insbesondere — ohne dem einzelnen Beamten irgendwie zu nahe treten zu wollen — an die Beamten derjenigen staatlichen Einrichtungen, die mit dem Publikum zu thun haben. Gerade jetzt ist die Jahreszeit, in der erfahrungsgemäß die Presse verhältnismäßig oft von Beamtenbeleidigungen, d. h. den Fällen, in denen sich Beamte gekränkt fühlen, und der meist nachdrücklichen Ahndung solcher Verstöße gegen das Gesetz zu berichten haben. Tie Hitze des Tages bewirkt leicht die „Hitze des Gefechts"; eine kleine Meinungsverschiedenheit, ein Ausbruch der Ungeduld führt zum Wortwechsel, der Bürger wird eifrig, erregt, heftig, vielleicht durch Widerspruch gereizt, und ehe er sich's versieht, ist durch eine unüberlegte Aeußerung der „Thatbestand der Beamtenbeleidigung" klipp und klar gegeben. Solche Szenen ereignen sich täglich allenthalben. Ta hat einer auf wiederholten Anruf die gewünschte Fernsprechverbindung nicht erhalten; ein anderer glaubt den Briefträger wegen angeblich nicht prompter Ablieferung von Postsachen „energisch" zur Rede stellen zu sollen; ein Dritter hat, auf Reisen befindlich, nicht rasch genug die verlangte Auskunfr von einem Eisenbahnschaffner bekommen. Aus solchen, an sich gar nicht tragisch zu nehmenden Vorkommnissen entstehen dann manchmal die verdrießlichsten, Zeit, Geld und Ruhe kostenden Beleidigungsprozesse, wobei dann noch gegen den Beklagten „erschwerend ins Gewicht fällt", daß er als ein „gebildeter Mann" sich hätte beherrschen müssen, oder der Gerichtshof hält ein warnendes Beispiel für nötig, und verfügt strenge Strafe, um die Beamten „wirksam! gegen Ungebührlichkeiten zu schützen."
Nun ist allerdings zuzugeben, daß mitunter gerade Angehörige der unteren Volksschichten etwas darin suchen, Beamten gegenüber einen demonstrativ und absichtlich hoch
fahrenden Ton anzuschlagen, sie vom Standpunkte eines Mannes zu behandeln, der „mit seinen Steuern" das „Beamtenheer unterhält", und was dergleichen großspurige und thörichte Ueberhebungen mehr sind. Solche unerzogene Leute bilden, wohin sie kommen, einen Schrecken für die Beamten, und wenn den gewohnheitsmäßigen Krakehlern, die aus den nichtigsten Gründen Skandal mack>en, nur um sich an den Beamten zu reiben, gelegentlich eine empfindliche Belehrung von Rechtswegen zuteil wird, so ist das gewiß nicht zu beklagen. Anders liegt die Sache, wenn ein gebildeter Mann, der sonst den Ruf der Höflichkeit hat, sich! in momentaner Aufwallung einmal vergißt und von Wendungen oder Worten Gebrauch macht, die ihn nachträglich gereuen, Aeußemngen, die ja keineswegs etwa eine Beschimpfung zu enthalten brauchen, um als eine Antastung der Beamten eh re empfunden und geahndet zu werden. Ta sollte der betreffende Verkehrsbeamte nicht gar zu rigoros in seiner Auffassung fein, nicht gar zu empfindsam gegen den Tadel, denn auch einem gebildeten Menschen kann es passieren, daß er, wie man zu sagen pflegt, „aus der Haut fährt". Und wenn nach geschehener That solchem Bürger die Uebereilung xum Bewußtsein kommt, und er Gelegenheit nimmt, den Gekränkten um Entschuldigung zu bitten, so könnte dies Wiedergutmachen, das ja sonst im bürgerlichen Leben, ausgenommen unter Duellwütigen, als hinreichende Genug- thuung betrachtet wird, audp dem sich beleidigt fühlendem Beamten eine befriedigende Sühne gewähren und ihm von der Anzeige Abstand nehmen lassen. Mancher wird« auch gerne einen wohlthätigen Zweck im Sühnegeld spenden. So hat die ärgerliche Sache auch ihre gute und nützliche Seite.
Die hier und da sich bemerklich machende gesteigerte Reizbarkeit von unteren Beamten ist vielleicht auf Folgenoes zurückzuführen: Früher war der „kleine Mann", dann der Arbeiter das „Schoßkind" der Politiker in dem verschiedenen Partei-Lagern; in neuerer Zeit ist e£ dcij Unterbeamte, dem diese aufmerksame Betrachtung gewidmet wird. Man sucht aufs eifrigste, sei es im Reichstag, fei es in den Landtagen, seine Bezüge aufzubessern, mart nimmt sich thatkräftig seiner an, wo immer er über Zurücksetzung klagt, man hält darauf, daß ihm von feinem Chefs eine möglichst humane und freundliche Behandlung zu teil wird, man nimmt für ihn den Titel „Herr" in Anspruch usw. Sicherlich im allgemeinen sehr anerkennenswerte Bestrebungen. Ganz natürlich aber fangen Bevölkerungsklassen, die stark von den Parteien umworben werden, mit der Zeit an, diese Aufmerksamkeiten als ein wohlerworbenes Recht zu betrachten und gegen Kritik einigermaßen empfindlich zu werden. Aehnliches haben wir erlebt, aP der „Wettlauf der Parteien" der Gunst des „kleinen Mannes" galt. Zum Glück währt die Liebe der Politiker nicht allzu lange, sie wenden sich anderen Schutzbedürftigen zu.
Wir wollen keineswegs behaupten, daß die Empfindlichkeit-viele Unterbeamten ergriffen hat — im großen und ganzen herrscht ein vortreffliches Verhältnis zwischen ihnen und den Bürgern — aber wir sprechen die Ansicht aus, daß diejenigen, die allzu feinfühlig im einzelnen Falle Kränkungen wittern, durch die Aufmerksamkeiten der Politiker verwöhnt worden sind. Hoffentlich ist das nur eine vorübergehende Erscheinung. Don den leitenden Behörden wird man erwarten können, daß sie zu ihrem! Teile dazu beitragen, vorkommenden Falles allzu penible Auffassungen der Beamtenehre auf das rechte Maß zurück- zuführen. Das Publikum freilich muß auch nicht unnötiger Weise den Beamten, mit denen es in Berührung kommt, das Leben sauer machen. Je gewaltiger der Verkehr sich entwickelt, um so zahlreicher sind die Gelegenheiten zu Differenzen. Mit einer ruhigen und sachlichen Erledigung, Kleinigkeiten als solche betrachtend, werden beide Teile, Bürger und Beamte, am besten miteinander auskommen.
Politische Tagesschau.
Tie „nationalliberale Korrespondenz" schreibt:
Letzter Tage hat die Erste Hessische Kammer das von der Zweiten an die Regierung gerichtete Ersuchen beraten, baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher eine feste Entschädigung für die zu Unrecht Verhafteten vorsieht. Tie Erste Kammer in Darmstadt war der Ansicht, daß es sich hierbei um eine durch das Reich zu lösende Frage handele und beschloß, die Regierung zu er? suchen, im Bundesrat für eine möglichst baldige Vorlegung eines Gesetzentwurfs betreffend die Entschädigung unschuldig Verhafteter an den Reichstag zu wirken. Tie Frage hat den Reichstag bereits Anfang der Achtziger Jahre beschäftigt. Sie wurde dann in Verbindung mit der Frage der Entschädigung unschuldig Verurteilter immer, wieder in Anregung gebracht, mit der Lösung der letzteren aber nicht auch entschieden. Speziell der Abg. Beckh- Koburg nahm sich der Sache Jahre hindurch mit Nachdruck an. In der Kommission zur Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Entschädigung unschuldig Verurteilter stellte er den Antrag, eine Resolution zu Gunsten der Entschädigung unschuldig Verurteilter zu fassen. Tiefe Resolution wurde einstimmig in der Kommission, wie demnächst auch im Plenum am 22. März 1898 angenommen. Im folgenden Jahre brachte er diese Resolution von neuem ein. Der Reichstag nahm dieselbe am 23. Februar 1899 abermals mit großer Mehrheit an. Darüber, daß sachlich die Forderung ebenso begründet sei, wie diejenige der Entschädigung unschuldig Verurteilter, herrschte auf keiner Seite ein Zweifel. Ter konservative Abg. v. Buchka sagte seinerzeit sogar, daß diese Frage für ihn noch dringender sei, als die der Entschädigung unschuldig Verurteilter. Wie vom Staatssekretär des Reichsjustizamts am 4. Februar 1901 mitgeteilt wurde, machte sich der Bundesrat nach längerer Erwägung dahin schlüssig, daß den bezüglichen Anträgen des Reichstags keine Folge zu geben sei. Es verstehe sich aber ganz von selbst, sagte der Staatssekretär, daß, wenn der Bundesrat einen solchen Beschluß fasse, dies soviel heiße, als: zurzeit sei er nicht in der Lage, sich näher mit der Sache zu befassen; die gegenwärtigen Vorarbeiten genügten ihm nicht, um zu einer gesetzlichen Regelung zu gelangen.
Durch Erlaß des Präsidenten Loubet vom 11. Juni ist auf Antrag des französischen Kriegsministers die Zusammenfassung der in Frankreich befindlichen Teile der K o l o n i a l - A r m e e zu einem „Kolonial-Armee- Korp s" mit einem kommandierenden General an bei'


