Donnerstag A7. Juni 1901
Nr. 148
Erstes Blatt
151. Jahrgang
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Für die Unterhaltung sorgen, außer den allbeliebten Gießener Familtevblätteru, im Hauptblatte interessante Feuilletons und erschöpfende Mitteilungen aus allen Gebieten der Künste und t™
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namentlich in der Mittellage und Tiefe sehr an, und ihren Csardas im 2. Akte trug sie sehr hübsch vor. Sie ist eine Künstlerin, die wahrlich nicht allein durch Totletten zu „brillieren- versteht. Darstellerisch war sie — mit dem Operettenmaßfiabe gemessen — von vornehmer Ruhe, wohl um eine Nüanee zu schwer, nicht neckisch und pikant genug. Die liebenswürdige junge Frau ist doch von recht ausgewachsener Durchtriebenheit und Naschhaftigkett in abenteuer, lieben Dingen. Aber das, was sie bot, war entschieden recht wertvoll: eS war der musikalische Kern. Herr Endtresser, der als allzu flotter Lebemann schließlich in eine fest „geschlossene Gesellschaft- gerät, war wieder ganz Temperament und Laune. Er geriet ja wohl 'mal mit der Soufleuse tn Konflikt, zeigte sich aber wie in ..Gasparoue«, als ein echter Schauspieler vom feschen Scheitel bis zur tanzfrohen Sohle. Frl. Tischer war viel frischer als seither. Sie entfaltete als Adele namentlich im Gesänge viel guten Humor, und auch im Spiel gab sie weitaus ihr Bestes. Ihre trotz aller Komik ungekünstelt scheinende Stubenmädchen, grazie hielt sich taktvoll fern von derberer Karikatur, und so gestaltete sich ihre Partie tu jedem Zuge amüsant. Herr Ko Switz koste als wttztger Gefängnts- direktor im Salon des Prinzen OrlofSki mit allen ®$onen, und war so launig wie zumeist, ohne das rechte Maß zu überschreiten. Als der wunderliche Prinz OrlofSki fungierte Frl Durand mit hübschem Erfolge, obwohl diese Rolle ziemlich blaß und farblos ist. Sie spielt resolut und war auch, trotz nicht umfangreicher Stimme, um die mufikaltfche Ausmünzung ihrer Partie nicht verlegen. Frexltch läßt sich darstellerisch aus der Hosenrolle immerhin mehr holen. Recht Qut gesungen und auch munter, wenn auch noch etwas unfertig gespielt wurde der Regisseur der Karnevals Jntctgue Dr. Falke von einem ganz respektablen jungen lyrischen Daitou, Herrn Carlo. Herr Jäger, der vtel ver»
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sprechende, detouationSfeindliche Gesangslehrer Alfred, nahm die Gelegenheit wahr, nicht nur die Vorzüge seiner Stimme, sondern auch seine wohlgezielte Schlagfertigkeit zu zeigen. Wir hatten ebenso an seinem guten Humor unsere Freude wie au seinem dauerhaften Organ, das schier einen Orkan nieoerzutönen vermöchte.
Der Gefängniswärter Frosch deS Herrn Nothmann wird gewiß auch recht gut gewesen sein. Den dritten Akt, in dem der champagnerselige GefäugniSdirektor und der machaudelselige GefänguiSdiener sich wie Kameraden auf gleicher Höhe der Wirkungen des Alkohols begegnen, habe ich mir nicht mehr angesehen. Die beiden Parallelräusche wirken gewöhnlich nicht erquicklich.
Die bunten Szenen des 2. Aktes waren zumeist von gesunder Lebendigkeit, obwohl im musikalisch tadellos sicheren Chor hin und wieder noch mehr individuelles Leben hätte herrschen können. Der flott gesungene und getanzte Schluß- walzer that seine vollste Schuldigkeit. Die Hauptsache ist, daß wieder alles klappte, ein Umstand, der der vortrefflichen Regie des Herrn KoSwitz, der Direktion des Herrn Kapell- meisterS Seifriz und den guten, diskreten Leistungen de« Orchesters zn verdanken ist.
Indem gerade auf den „Bettelfiudenten- die „Fledermaus- unmittelbar folgte, hatte man beste Gelegenheit, die geniale Feinheit und bedeutende Ueberlegenheit der „Fleder- mauS"-Mllfik des Meisters Strauß über seinen Kollegen Millöcker zu empfinden. So hatte denn auch der Beifall, der gestern den Sängern und Sängerinnen in reichem Maße gespendet wurde, einen weit höhere» Wert als der Befall int „Bettelfiudenten-.
vor allem auch den Jntereffen der engeren Heimat, der ganzen Provinz Oberhessen, nachdrücklich zu dienen bestrebt ist.
Um dieses Programm zu verwirklichen, hat der Gießener Auzeiger den Kreis seiner Mitarbeiterschaft in der letzten Zeit sehr erheblich erweitert. Die Redaktion hat ihren eigenen Vertreter in Berlin und die vorzüglichsten Verbindungen mit Darmstadt. Unsere Darmstädter Mitarbeiter haben die mannigfachsten Beziehungen in allen Kreisen unserer Landeshauptstadt, und unser politischer Mitarbeiter in Berlin erhält seine wertvollen Informationen in den verschiedenen Reichsämtern nnd Ministerien. Der Leser des politischen Teiles des Gießener Anzeigers wird über alle Vorgänge von Wichtigkeit innerhalb der vaterländischen, der Reichs- und der Weltpolitik auf'S beste unterrichtet.
Gleiche Sorgfalt wie der Politik wendet der Gießener Anzeiger der Rubrik Aus Stadt und Land zu. Unausgesetzt wird der große Stab von Mitarbeitern aus ganz Oberhesien, aus den anderen hessischen Provinzen und aus den naheliegenden preußischen Ortschaften vermehrt, sodaß die Redaktion in der Lage ist, den Lesern alles auch nur einigermaßen Bemerkenswerte aus Stadt und Land schnell und iu einzig dastehender Vollständigkeit zur Kenntnis zu bringen. Mitteilungen aus dem Publikum in der Stadt Gießen selbst wie aus dem Lande sind uns stets willkommen und werden in angemessener Weise honoriert. Vorschläge aus unserem Leserkreise zur Aus- gestaltung unseres Blattes nach irgend welcher Richtung hin werden immer mit Dank entgegengenommen; sie werden stets gründlich geprüft und wenn irgend möglich, zur Ausführung gebracht werden. Aktuelle Frage», die Oberhesseu besonders augeheu, Fragen des Berufes, des Erwerbs und aus jedem anderen Gebiete des öffentlichen Lebens erfahren sachliche Beleuchtung durch berufene, tüchtige Männer unseres Großherzogtums, und immer darf darum der Leserkreis des Gießener Anzeigers erwarten, Aufklärung und Belehrung über alle Dinge in unserem Blatte zu finden, die auf allgemeines Interesse
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Gießener Stadtthealer.
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Operette von Johann Strauß.
Und wieder hüpfte, innerhalb acht Tagen »um vierte», aber leider auch schon zum vorletzten Male F^u Musika, sonnig heiter, wonnig wärmend, wie em milder, wolkenloser Junitag, im Gegensatz zum trüben und gewttterdrauendev Tage da draußen, übermütig, im keck geschürzten Kleidchen mit einem wohlbekannten Füllhorn voll Walzerrhythmen, mit Champagnersprudel und Geigengegtrre tn unsern uufestüchen Theatersaal. DaS reizende Dtng mit dem häßlichen Namen Fledermaus", dieses lieblichste Stiefkind der großen Oper, die erste gangbare deutsche, richtiger Wiener Operette machte ihre Aufwartung. Dieser so ausgelassene als, tat besten Sinne artige Wildfang ist heute noch, trotz seines verhalt- Mmäßig hohen Alters von 27 Jahren, von berückender A-?/n«mürdiakeit In der Gewandkammer der Operette kämt?^die Fledermaus - vorne an im FesttagSschrank, und Len» sie 'rmil wieder hervorgeholt wird, ergötzt man fich weidlich an ihrem Staat. Flott, adrett, voll SangeSlust und Walzerfreudiqkeit ging der neckische Kobold über unsere Bühne vom feinfühligen und sorgfältigen Kapellmeister Herrn Seifriz an strammen Zügeln gehalten, von reger Lach- und BeifallSthätigkeit der sehr
lung angefeuert. Selbst sauertöpfische Verächter der Karikatur- und Parodiemusik würden gestern dem Walzerkonige
±re fangen Frl. Penne undHerr -nd.resser dar leichtlebige Ehepaar v. Eisenstein. Wieder erfreuten rotr un« an der Sommerfrische ihrer Stimmen. Bet Frl. P. ist Temperament in «eder Note. Ihr volltönendes Organ spricht
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Abonnements - Einladung.
Am 1. Juli tritt der Gießener Anzeiger in das dritte Viertel seines 151. Jahrganges.
Der Gießener Anzeiger bemüht sich unausgesetzt, allen Anforderungen zu entsprechen, die an eine erste Provinzialzeitung gestellt werden können.
Der Gießener Anzeiger ist ein nationales Blatt, das von den großen Gesichtspunkten der nationalen Politik geleitet wird und in der Wahrnehmung nationaler Interessen,
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Form sorgsam verzeichnet. Die Ausstellung der Darm-I Geeignete Bewerber mit sehr schöner Handschrift, guten tädter Küustlerkolouie erfährt die ausführlichste Be- Schulkenntniffen und tadelloser Führung wollen fich unter prechung. Die Musikkritik ist in bewährten Händen und Vorlage eines selbstgeschriebenen Gesuch» nebst Lebenslauf 6er das Theater und die bildenden Künste orientieren wir alsbald hier melden. .... „ . „
mit besonderem Interesse. Junge Leute, welche später kapitulieren wollen, erhalten
Der Handelsteil, der. wie unsere Leser 6c« ben Vorzug.
merkt ha6en werden, erheblich vergrößert worden ist, bringt Gießen, den u.. Juni • .
die wichtigsten Nachrichten auf finanziellem und Volkswirt- . ^o^rzog ich B z _ Sommanbcur
chaftlichem Gebiet Kursdepescheu und televbouische Detring, Oberstleutnant und Bezirks-Kommandeur.
KÄ "Us Rrantfur. machen biefen Test be BekaNNtMüchUNg.
Die Gestaltung der land wirtschaft- Betr.: Ankauf von Simmenthaler Zuchtvieh durch den
ichen Verhältnisse in neuerer Zeit veranlaß. " lanbwirtfchastl. Provinzialverein von Oberheffen un«, unser Augenmerk immer mehr und mehr den .agrarischen- Der lanbw Pravinzialverein beabsichNg. um die ^ett Dingen zuzuwenden. „Bauer, patz aus!" Dieser Warn- von Ende August bi« Mitte September durch eine Kommission ungSruf 8be« verstorbenen ivestsAischen Bauern. „KduigS". von Sachverständigen. Zuchtvieh der Simmenthaler Rindvieh, erschallt auf’« neue von allen Seiten, rechts und link«, raffe und Saaner-Ziegen au« den betreffenden Original- Auch wir bemühen uns nach besten Kräften, Klärung in die zuchtgebieten einzuführen. Der Import erstreckt stch nur au, gegenwärtige Situation zu bringen und da« Unsere für die wirklich gute« Zuchtmalerial von Bullen, langer> Kühen, Aufrechterhaltung, be«| bäuerlichen BefitzstandeSs zu thun. Kalbinnen, Ziegenböcken und Z egem Der Darch^nittSpee « Wer uns dabei unterstützen will, der ist un« al« dürfte fich in der Schwei, für Bullen auf Mk. b, Mitarbeiter hochwillkommen. - Unsere MonatS.900 Mk., sittKühe undKulbmnen aus 600 M'-bisS00M deilaae „Der praktische Laudwirt" wiffen unsere Leser für Ztegenböcke auf 40 Mk. bis 60 Mk. uud'ür Ziegen aas dem Lande längst zu stützen"" I aus 30 Mk. bi« 50 Mk. stellen. Die Ankaufskosten, die der
Unsere Abonnenten sind gewiß davon Überzeugt, daß Verein trägt, find hierbei außer Betracht Sofien. Durch wir, trotz der bisher bereit« erreichten respektablen Fülle den event. Vereinsnachlaß dürste fich der Preis noch etwa« besten Lesestoffes, auch für die Folge bemüht sein werden, niedriger stellen. g,.
den Inhalt des Wietzener Anzeiger- immer weiter au« | Beteiligen können fich am Bezug. Eiuzelzüchter, ©e jubauen. Wir werden in diesem Bestreben nie erlahmen. meinben und Zuchtoereine, und find d'-Bestellungen schr-slUch
Wir laden nun zum Abonnement für daS 3. Vierte,jahr biS zu» 15. August d«. IS., an « »nßabe be« »e- (Juli bi« September) ein mit dem Bemerken, daß sämtliche schlecht« und der sonstigen Wünsche.bei ben' 3“*'“"; Postämter jetzt schon Bestellungen entgegennehmen. ober birekt der ber Geschäftsstelle be« lanbtn. SBetetn« ,
®er Siebener Anzeiger kostet vierteljährlich I bie Provinz Oberhesseu in Alsfelb anzumelden. Die an Mk 2 20 monatlich 75 Vfa., frei in« Sau«, sür gekauften Tiere werden Unter den Bestellern versteigert. Er« bi- Voftabonueuteu Mk 2 - pro Vierteljahr!"eicht der S.eigerlö« nicht die Höhe ber «ntaufsfumme, (o □bnc Bestellgeld" wird der Fehlbetrag prozentualisch dem Steigpreis der ein-
Tiere zugeschlagen. Ueberfletgt der Steigerlös die
«<• < ‘< I Summe der Ankaufspreise, so erfolgt eine Rückvergütung nach
Umituyer \w= *iBetein toie WoM gefaflt, We
Gießen, den 21. Juni 1901. sämtlichen allgemeinen Kosten des Kaufs (alle Kosten abzüg- Betr.: Die land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaft tjch der Ankaufspreise). Außerdem kann, soweit die vor- für das Großherzogtum Hesien. handenen Mittel reichen, auch auf Antrag der Besteller cre
Meisamt Gieren Teil des Steigerlöses, und zwar bis zu 20 Prozent für ' Ifere, die von Zuchtvereiuen und deren Mitgltedern au die Großh. Bürgermeistereien deS Kreise-. 0Dn @emeinben bestellt sind, an einen einzelnen Besteller Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom - bo$ ni(^t ^ehr als für 1 Stück, nachgelaffen werden.
14. Mai l. IS. (Gießener Anzeiger Nr. 114) noch mcht ent ort unt> Tag der Versteigerung der angekauften Tiere sprachen haben, werden aufgefordert, bis zum 5. Juli l. Js. untcr ben Bestellern wird später mitgeteilt.
ihren Bericht einzureichen. Hardthof, den 15. Juni 1901.
__v. Bechtold._____________________ Der Präsident
öeim diesseitigen Kommando find zum 1. Oktober d. Js. des landwirtschaftl. Vereins für die Provinz Oberhessen, der Wissenschaften. Die die Stellen von 2 zweijährig.freiwilligen Schreibern zu toajmnc.
Welt werden in fesselnder I besetzen. • _______________________________


