Antrag aufrecht und begründet die Zuständigkeit der Kammer.
Nachdem ALg. Diebl (natl.) auch seinerseits Annahme des Ausschußantrags, Sie Vorstellungen für erledigt zu erklären, empfohlen hat, wird der Ausjchußantrag angenommen, womit der Antrag Weidner wegfällt. — Zu der Vorstellung des Rhein-Main-Gastwirt- verbandes, die Revision des Gesetzes über den Urkunden st empel betr., wünscht
Abg. Cramer (so-.), daß man in eine Revision des Stenipellarifgesetzes eintrete.
Ministerialrat Dr. Breidert betont, daß der Staat die Einnahme aus Stempelsteuer der Wirte, die im letzten Jahre 298000 Mk. betragen habe, nicht entbehren könne. Die Regierung könne eben nur Härten mildern, was sie auch schon gethan habe.
Ter Vorstellung wird keineFolge gegeben.
Es kommt sodann zur Besprechung der Anfrage des Abg. Korell, die Entschädigung direkter Verluste der infolge Maul- und Klauenseuche gefallenen Tiere.
Abg. Korell (freie wirtsch Vereinige): Mit Freuden habe er gehört, daß die Regierung Umrisse aufgestellt habe, wonach sie diese Materie in einem Gesetze behandeln wolle. Er wünsche zu erfahren, welches die Absicht der Regier-, ung sei.
Ministerialrat Braun: Im Frühjahr 1900 habe sich das Ministerium mit den Kreisämtern und landwirtschaftlichen Behörden in Verbindung gesetzt wegen Prüfung der Entschädigungsfrage. Es sei dies in einem Schreiben vom 28. Mai 1900 geschehen. Redner verliest dieses Schreiben, dessen wesentlicher Inhalt der ist: Nach, den bisherigen Erfahrungen genügten die polizeilichen Maßnahmen, wie Gehöftsperre usw. nicht mehr zur ausreichenden Bekämpfung der Seuche. Es sei daher gefragt worden, ob nicht die sofortige Anzeige mit einem Entschädigungsansprüche verbunden werden solle. Die Entschädigungsansprüche hätten aber auszufallen, wenn die Anzeigen über 24 Stunden nach Ausbruch der Seuche erfolgt sei, oder Vorschriften übertreten seien. Die Kreiskasse solle die Verluste tragen, die dieselbe dann wieder auf die Viehbesitzer auszuschlagen habe. Es solle also eine Zwangsversicherung auf Gegenseitigkeit eingeführt werden. Die Entschädigungsbeträge könnten jedoch nur geringe sein, weil sonst die Belastung der Viehbesitzer eine zu hohe würde. Den darauf eingelaufenen Antwortschreiben seien zwei Bedenken gemeinsam gewesen. Das eine sei das gewesen, daß bei der vorgeschlagenen Regelung der gute, sorgfältige und vorsichtige Viehhalter zu Gunsten des nachlässigen belastet werde. Das andere Bedenken sei dahin gegangen, daß es unmöglich sei, die Voraussetzungen für den Wegfall des Entschädigungsanspruches festzustellen. Es werde sich namentlich nicht seststellen lassen, wann die Seuche zur Kenntnis der Anzeigenden gelangt sei, und also ob sie innerhalb der 24 Stunden erfolgt sei. Es werde auch praktisch eine Ueberlastung der Tierärzte zur Folge haben, da man in der Hoffnung auf eine Entschädigung rasch zu diesen laufen werde. Manche seien in ihren Antwortschreiben so weit gegangen, daß sie nicht zugesrimmt hätten, selbstj wenn der Staat die Entschädigung bezahlt hätte. Es werde auch gesagt, man mute den Viehbesitzern zu viel zu. Es ließen sich die Antwortschreiben dahin zusammensassen, daß man es für ausreichend erachte, wenn int Rahmen einen allgemeinen Regel nur für Verluste für das Umstehen von Vieh Entschädigungen vorgesehen würden, während der Schaden, der durch Verlust von Fleisch, Milch und Arbeits
kräften sich ergebe, zu Lasten des Viehbesitzers ergehen müßte. Würde man das festhalten, so liege die Sache einfach. Nachdem man nunmehr die Meinung des Ausschusses gehört habe, bestehe kein Anlaß mehr, mit dem Gesetze zu warten. Es solle aber weiter noch besonders ins Auge gefaßt werden die Entschädigung für die noch weiter erwähnten ^äden durch Fleisch", Milchverlust usw. und im Falle der Bejahung der Frage, ob alle diese Fragen auch int Seuchengesetz geregelt werden sollen. Die Fragen der Entschädigung seien sehr schwierig; namentlich herrschten finanzielle Bedenken. Es sei auch noch die Frage, ob der Staat überhaupt einen Zuschuß geben müsse; vielleicht recht- fertige er sich mit Rücksichtnahute auf die Volksgesundheit. Jedenfalls habe die Regierung die Frage keinen Augenblick aus den Augen gelassen.
Mit Rücksicht auf die vorgerückte Zeit wird von einer Besprechung Abstand genommen.
Schluß der Sitzung 1.30 Uhr.
Aus Stadt und Land.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befiudlichen Original-Nachrichten ift.mir unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.)
Gießen, den 25. November 1901.
•• Auszeichnung. Der Großherzog hat dem Obersten v. Rothktrch u. Panthen, Kommandeur der 29. Kavallerie- Brigade, seither Kommandeur des 2. Großh. Dragoner- Regiments (Leib-Dragoner-Rcgiments) Nr. 24, das Komturkreuz 2. El. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Vereinigung für hessische Volkskunde. Wie bereits vor einigen Tagen mitgeteilt wurde, beabsichtigt die Vereinigung für hessische Volkskunde, im Laufe des Winters einige Mitgliederabende zu veranstalten, an denen volkskundliche Themata zwanglos zur Erörterung kommen sollen. Der erste dieser Abende soll, wie auch aus der Annonce in heutiger Nummer zu ersehen ist, Dienstag den 26. November, abends 8l/2 Uhr, im oberen Saal des „Cafs Ebel" stattstndcn. Auf der Tagesordnung stehen u. a. interessante Mitteilungen des 2. Vorsitzenden (Prof. Strack) über hessische Volkspoesie. Die Vereinigung hofft auf zahlreiches Erscheinen ihrer Mitglieder und auf eine rege Beteiligung derselben an den Erörterungen. Auch Gäste sind herzlich willkommen.
4- Münster, 23. Nov. Gestern morgen 11 Uhr wurden die Bewohner unseres Dorfes durch Feuerlärm erschreckt. Es stand die Scheuer des Schreiners Wißner in Rauch und Flammen. Glücklicherweise wurde das Feuer, sofort bemerkt, auch war auswärtige Hilfe schnell am Platz. Die Feuerwehr von dem nahen Ettingshausen erschien in ganz kurzer Zeit auf der Brandstätte, da man von dort aus Rauch und Feuer sah. Es gelang ihr, vereint mit unserer Feuerwehr, den Brand auf seinen Herd zu beschränken, wobei sich die neue Saugspritze der Ettingshäuser Pflichtfeuerwehr sehr gut bewährte. Zimmermann Müller, der seine Futteroorräte, Heu und Stroh in der Scheuer hatte, ist nicht versichert und hat einen ganz erheblichen Verlust. Wie das Feuer entstand, ist noch nicht bekannt. Die benachbarte Familie Dörr nahm sich aller Htlfeleistenden freundlich an.
-i- Wetterfeld, 22. Nov. Bei den Erdarbeiten, die zur Rohrlegung in unserem Dorf gegenwärtig vorgenommen
werden, wird manches Interessante aufgefunden. So stieß man in einer Tiefe von ca. 1 Mtr. auf altes Pflaster, das offenbar vor Anlegung der jetzigen Straße bis zu der erforderlichen Höhe aufgefüllt wurde. Darauf deutet auch dis Verschiedenheit der Erdarbciten hin. An einem tief gelegenen Dorfteil findet sich ganz dunkles Erdreich. Hier hat man das sumpfige Land zuerst mit stärkerem Buchenreisig überdeckt, ehe man den Boden auffuhr. Eine lange Strecke sieht man vermoderte, teilweise noch verweichte Holzteile, deren Vor- fonunen in dieser Tiefe kaum anders erklärt werden kann. Auffallend ist die große Menge alter Hufeisen, die gerade hier sehr häufig sind. Deni Schreiber dieses wurde eine Anzahl eingehändigt, die im Verlauf einer Viertelstunde aufgefunden wurde. Vielleicht läßt es sich feststellen, aus welcher Zeit sie stammen.
Darmstadt, 23. Nov. Prinzessin Heinrich von Preußen, begleitet von Hofdame Frl. v. Schwichow nnd Kammerherrn Grasen Hahn, sind heute vormittag hier eingetroffen und von dem Großherzog am Bahnhofe em- pfangen worden. Die Herrschaften begaben sich in das Großh. Residcnzfchloß, wo der Gast Absteigequartier genommen hat und vom Obersthofmarschall v. Westertoeller und Frau begrüßt wurde.
Darmstadt. 24. Nov. Der Großherzog empfing u. A. den Prof. Sturmfels von Gießen.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber: keinerlei Verantwortung.)
In Nr. 272 Ihrer gesch. Zeitung bringen Sie eine Ausführung eines Gießener „Büraers und Handwerksmeisters." Gestalten Sie mir dazu einige Bemerkungen: Es ist nicht wahr, daß die sozialdemokratische Partei die Genossenschaften (Konsumvereine rc.) als Partei protegiert. Einzelne Parteigenossen sind Genossenschafter, genau wie es solche in allen Parteien und Berufsständen giebt. Aber unsere Partei bekümmert sich grundsätzlich nicht um derartige Gründungen. Ebenso unwahr ist die Behauptung, die Partei habe in ihrem jüngsten Flugblatt die Förderung des Genossenschaftswesens als einen unserer wichtigsten Anträge ftipuliert. Kein Wort ist darüber geschrieben worden und es istunbcgreiflich, woherder Einsender seine Weisheit hat. Daß es uns gleichgültig ist, ob ein solcher „Wahrhejtssreund" die Ausstellung unserer Kandidaten als Schmach zu bezeichnen wagt, wird jedem ehrenhaften Menschen einleuchleu.
Ed. Krumm.
Märkte.
Grüuberg. 23. November. Fruchtmarkt. (Durchschnitts- preis pro 100 Kilo.) Weizen 16.00 bis 16.30 Mk., Storii 13.50 bis 00.00 Mk., Gerste 12.30 bis 13.80 Mk., Laser 13.00 bis 14,00 Mk., Erbsen 17.00 bis 00.00 Alk., Linsen 00.00 Alk., Lein 00.00 Alk., Wicken 00.00 Mk., Samen 00.00 Mk., Kartoffeln 0.00 bis 0.00 Mk.
Störende Hautleiden, wie Finnen, Röte, Ausschlag, Pusteln u. s. w. beeinträchtigen das schönste Gesicht und werden durch Anwendung scharser ©elfen noch verschlimmert. Alle, die zu Hautstörungen neigen, sollten deshalb
den Kat erfahrener Aerfte befolgen, und nur die „Patent-Myrrholin-Seife" zum täglichen Gebrauch benutzen. Der Gehalt an Myrrolin, und dessen antiseptischen, heilenden, neubildenden und konservierenden Eigenschasten machen diese Seife zu einer, nur einzig in ihrer Art existierenden Gesundheitsseife. Man verlange überall, auch in den Apotheken nur die „Patent-Myrrholin-Teife" und nehme keine andere. 7244
LhrißbkschemgderKleinkillder-Bkivilhrllllstlllt
Am 4. Advents-Sonntag, den 22. Dezember d. I., soll die Ehristbeschcrung sür die Kinder unserer Anstall stattfinden. Wir haben in diesem Jahre für 220 Kinder die Bescherung herzurichten und den Weihnachtstisch mit Gaben zu decken. Um dies zu können, wenden wir uns wieder an die Liebe und den wohlwollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder. Wir bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn und dergleichen, besonders aber auch Geldgabe», die uns die gleich- mcchigste Bescherung für unsere Kleinen ermöglichen, zuwenden zu wollen.
Eine Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgehen. Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lasten: Frau Dr. Brüel, Mollkestraße 3, Frau Amlsgenchtsrat Gebhardt, Bergstraße 3, Frau Rechtsanwall Grünewald, Liebigstraße 21, Frau Rechnungsrat Kalbfleisch, Ludwigstraße 7, Frau Bürgermeister Mecum, Löberstraße 23, Frau Pfarrer Naumann, Südanlage 8, Frau Luise Ottens, Bismarckstraße 11, Frau Fabrikant Lina Schmall, Ostanlage 36, Fräulein Luise Wortmauu, Asterweg 16. Auch die Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben in Empfang zu nehmen.
Gießen, den 9. November 1901.
Der Vorstand der Kleiukiuder-Bewahranstalt.
Dr. Naumann. 7363
MMH. folialotttin Gieße».
Sitzung:
Dienstag den 26. November, nachmittags 5 Uhr, auf dem Leuz'schen Felsenkeüer in Gießen.
Tages-Ordnung:
1. Vorführung eines Apparates zur Verarbeitung von Milch für bäuerliche Wirtschaften durch die Haushaltslehrerin Frau Ho sch. Daran anschließend: Mitteilungen über Kälberaufzucht und Fütterung.
2. Geschäftliche Mittellungen.
Zu dieser Versammlung sind auch Nichtmitglieder ein- geladen. 7675 Der Vorstand.
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OrdentL Urradug Mtmlh den 27. Nov. 1901, abends S'|2 Uhr, im Lony'schen Bierkeller.
Tagesordnung: 1. Ersatzwahl des Vorstandes und der Ersatzmänner.
2. Wahl der Rechnungsprüfungskommission.
3. Antrag der Ortskrankenkasse Darmstadt betr. Petition gegen die Getreidezölle. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 7540
Der Vorstand: G. Dahmer, 1. Vorsitzender.
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