Nr. 252 Zweites Blatt.
151. Jahrgang.
Samstag 26. Oktober 1901
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den „Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ZMM
W *r V V3 zeigenteil: Hans Beck.
Politische Tagesschau.
Da8 Abschiedsmahl des chinesischen Gesandten in Berlin.
D. B. Hd. meldet uns heute:
Berlin, 24. Okt. An dem Diner, das der scheidende chinesische Gesandte heute abend giebt, werden dem, &>!.- Anz." zufolge der Reichskanzler Graf Bülow und die Staatssekretäre Frhr. v. Richthosen und von Tirpitz nicht teilnehmen.
, Offenbar hatte Herr Lü Hai Luan gehofft, mit großem Pomp von Berlin sich verabschieden zu rönnen — an alle leitenden Staatsmänner in Berlin hatte er Einladungen ergehen lassen. Aber was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe! Gerade das für ihn bedeutsamste Dreiaestirn am Berliner politischen Himmel verbarg sich vor ihm in undurchdringlichem Nebel. Gegen die chinesische Regierung, nrit der nach Unterzeichnung des Friedensprotokolls das Einvernehmen offiziell heraestellt ist, richtet sich die Ablehnung der Einladung wohl nicht. Auch kaum gegen den Gesandten persönlich, obwohl die Haltung der chinesischen Gesandtschaft während der Wirren, zumal während der Belagerung der Fremden in Peking, an Aufrichtigkeit eben soviel zu wünschen ließ, wie die der Vertretungen Chinas än anderen Hauptstädten, und Veranlassung gab zu der bekannten Zurückweisung in Geheimzeichen abgefaßter Depeschen. Etwaige Folgerungen, daß neue deutsch-chinesische Differenzen irgend welcher Art vorliegen, dürften unbegründet sein. Aber es ist eine Handlung des Taktes, daß unsere Staatsmänner kein Fest besuchten bei dem Vertreter eines Landes, das sich den schwersten Bruch dos Völkerrechts hat zu Schulden kommen lassen. Es entspricht wohl dem allgemeinen Empfinden, daß bei diesem Anlaß die Herren Chinesen unter sich blieben. In der einen und anderen Weife beteiligt war bei dem unerhörten Komödienspiel, das die chinesische Regierung Wochen hindurch vor den Mächten auszuführen wagte, vermutlich jede der Gesandtschaften.
Der bayerische Bauerotag
war, wie der „Köln. Bolkszttz." aus München geschrieben wird, ohne Uebertreibung eine großartige Kundgebung. Bayern hat eine ähnliche einheitliche Kmrdaebung von Bauern aus allen Provinzen ohne Unterschied der Konfession, der Partei und des Besitzes noch nicht gesehen. Wenn man der Bauern Scheu vor Geldausgaben in so geldknapper Zeit in Betracht zieht, dann gewinnt eine Versammlung von mindestens 6000 Bauern, die teilweise von sehr weit nach Regensburg gepilgert waren, den Charakter einer gewaltigen, eindrucksvollen Kundgebung. Noch imponierender als der Massenbesuch war die Einigkeit der verschiedenartigen Gruppen, die zusammenwirkten. Landwirtschaftliche Vereine, Christliche Bauernvereine, Bauernbund und Bund der Landwirte samt den genossenschaftlichen Verbänden hatten fich über die am Schluffe einstimmig angenommene Resolution und namentlich über den gleichen Mindestzoll von 6 Mark für die vier Hauptgetreidearten geeinigt. Auch der Präsident des Bayrischen Bundes der Landwirte, der konservative Abg. Beckh, und der dem Hauptausschusse des Bundes angehörige Abg. Lutz (kons.) stimmten dem Sechsmarkzoll zu, obwohl von der Berliner Bundesleitung noch im letzten Augenblicke alles aufgeboten wurde, die genannten Herren von der getroffenen Vereinbarung abzusprengen. Dr, Dietrich Hahn und Lucke waren persönlich nach Regensburg gekommen, um in der Versammlung eine Diskussion zu erzwingen und den Zankapfel htneinzuwerfen. Das ist ihnen nicht gelungen, das vorbereitende Komite und der Präsident Baron Soden blieben fest Dietrich Habn und Genossen hätten nur den Gegnern des Bauernstandes eine Freude bereitet. Im engeren Kreise fielen nicht sehr freundliche Worte über „preußische Eindringlinge" usw. Ein Artikel der „Deutschen Agrarkorrespondenz", der den Abg. Heim wegen der Forderung des Sechsmarkzolles scharf abkanzelte, war das Vorspiel. Die „Münch. Allg. Ztg." hat zwar gemeint, die Regierung werde auf den Vauerntag keine Rücksicht nehmen, während ein liberales Blatt am Rhein die Bedeutung des Zusammenschlusses aller Bauern wenigstens für unser innerpolitisches Parteileben zugiebt Auch auf die Krone dürfte die Kundgebung ihre Wirkung nicht verfehlen. Die Versammlung war vorzüglich vorbereitet. Es ging alles wie am Schnürchen. Jedem der fünf Hauptredner waren 20 Minuten zugemessen. Durch knappste Fassung und Teilung in den Stoff ermöglichte man es, in kaum mehr als zwei Stunden die Tagesordnung ab» zuwickeln. Unter den zahlreichen Abgeordneten aller bauernfreundlichen Parteien waren auch mehrere Landbündler der liberalen Fraktion zu bemerken. Den stärksten Erfolg hatte der Schlußredner Heim, der für den christlichen Bauernverein sprach.
Das Gerstenland Bayern, bemerkte er u. a., dürfe im Zolltarif nicht zu kurz kommen, der gleiche Zoll für die vier Getreidearten, müsse eine ehrliche Parole sein. Die Regierung fürchte für die Kleinbrauereien. Aber gerade unter dem Niedrigen Zoll seien in den letzten zehn Jahren 714 Kleinbrauereien eingegangen und eine Brauergroßindustrie emporgewachsen, während das Bier teurer und schlechter wurde. Der Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Appell an die Krone. Möge nicht das hassenswerte Wort gesprochen werden vom Dank des Hauses Wittelsbach! Es hat Zeiten gegeben, wo weder Roß noch Reisige den Thron der Wittelsbacher schützten. Da sind es nervige Bauernfäuste gewesen, die in der Sendlinger Bauernschlacht die Dynastie retteten. Möge der Bauernstand erhalten bleiben als stärkste Stütze für Thron und Altar.
Brausender Beifall folgte der Rede.
Ein Lichtstrahl.
Man schreibt uns ferner au8 Berlin, 24. Oktober: Die Berliner Börse ist aus ihrer Lethargie erwacht. Heute herrschte eine zuversichtliche, stellenweise sogar feste Stimmung unter den Herren von der Finanz, und dieses schier Unmögliche hatten Berichte aus New-Pock zu Wege gebracht. Darnach brauchen die Vereinigten Staaten Eisen und Stahl in bedeutenden Mengen, und auf deutsche Produkte soll in erster Linie reflektiert werden. Eine Lieferung von 10000 Tonnen deutschen Spiegeleisens ist, wie es heißt, bereits abgeschlossen. Die Wirkung dieser Botschaft war eine merkliche Aufbesserung der Kurse fast sämtlicher Hüttenaktien. Nun, ein wenig „Sonnenschein" ist der seit Monaten in hoffnungslosem Pessimismus verharrenden Börse wohl zu gönnen, und es wäre auch aus allgemeinen wirtschaftlichen wie sozialen Gründen zu wünschen, daß die Vereinigten Staaten als Auftraggeber der deutschen Industrie Beschäftigung und Verdienst gewährten. Geht doch deutsches Geld seit Jahr und Tag in bedeutenden, stetig steigenden Mengen über den Atlantischen Ozean, und tritt doch Deutschland neuerdings auch in die Reihe der Abnehmer amerikanischer Kohle. Eine Liebe ist der anderen wert. So genügsam fteilich wie die Börse, die sich an dem Honig der bescheidensten Blüthe erquickt, kann die deutsche Industrie nicht sein. Sie braucht große Aufträge, nicht zuletzt im Interesse der Arbeiter.
Die Auskuuftsstelle für Auswanderer.
Die „Deutsche Kolonialztg.-" teilt die vorläufige Vereinbarung zwischen. der ReicHregierung und der deutschM Kolonialgesellschaft über die Errichtung einer ReiclMus- kunftsstelle für Auswanderer mit. Die Auskunftsstelle bildet eine Verwaltungsabteilung der Kolonialgesellschaft, aber unter Oberaufsicht des Reichskanzlers und unter einem Vorstand, dessen Anstellung der Genehmigung des Reichskanzlers unterliegt. Die Auskunfterteilung erfolgt kostenlos entweder unmittelbar durch die Auskunftsstelle oder mittelbar durch Vertrauensmänner, oder durch innerhalb der Reichsgebiets zu errichtende Zweigstellen. Das Reich! stellt einen jährlichen Kostenzuschuß in Aussicht. Das Auswärtige Amt bringt Berichte oer kaiserlichen Vertreter im Auslande, die für Auswanberungswillige von Interesse sind, zur Kenntnis der Auskunftsstelle und wird auch Anträgen der Letzteren wegen Beschaffung weiteren Materials nach Möglichkeit entsprechen.
Erfreulicherweise sind die Verhandlungen zwischen der „Deutschen Kolonialgesellschaft" und der Negierung also nunmehr zu einer „vorläufigen Vereinbarung" gediehen. Die Hauptpunkte derselben sind, daß die Oberaufsicht über die Tbätigkeit der Auskunftsstelle vom Reichskanzler ausgeübt wird; daß das Reich einen angemessenen jährlichen Zuschuß in Aussicht stellt; endlich, daß das Auswärtige Amt Berichte der kaiserlichen Vertreter im Auslande, die für das Auswanderunaswesen von Interesse sind, zur Kenntnis der Auskunftsstelle zu bringen beabsichtigt Der erste Schritt zur langerstrebten Organisation ist geschehen. Die „Nat.- Ztg." hebt aber zutreffend hervor, daß das Ziel der Zukunft die Gewährung materieller Vorteile an die Auswanderer sein müsse. „Kann man dem Auswanderer ermäßigte oder freie Ueberfahrt, billige Landpreise oder Freiland und sonstige Vergünstigungen gewähren, so gewinnt die Sache mit einem Schlage ein anderes Gesicht." Immerhin ist auch das unseres Erachtens wertvoll und in gewissem Sinne auch eine materielle Unterstützung, daß die Auswanderer durch zuverlässige, von Schönfärberei freie, kostenlose Auskünfte vor manchem Schaden bewahrt werden.
Deutsches Keich.
Berlin, 24. Okt. Der Kaiser hörte heute die Vorträge des Kriegsministers v. Goßler und des Chefs des Militär- kabinets Grafen Hülsen-Häseler.
— Die Ablegung de8 Homagialeides deS Bischofs Benzler von Metz vor dem Kaiser (unsere gestrige Klammerbemerkung ist leider arg verstümmelt worden. Sie sollte lauten: der Kaiser pflegt solche Vereidigungen sonst nicht persönlich vorzunehmen. D. Red.) erfolgte in feierlicher Weise. Königliche Hofwagen holten den Bischof ins Neue Palais ab, wo der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Reichskanzler Graf Bülow, der Statthalter von Elsaß- Lothringen Fürst von Hohenlohe-Langenburg, Staatssekretär Köller, Unterstaatssekretär Petri, der Metzer Bezirkspräsident' Graf Zeppelin, sowie die obersten Hofbeamten erschienen waren. Der Kaiser, in der Uniform des Garde-du-Corps mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens, saß auf dem Throne. Der Bischof trat vor den Thron und hielt eine Ansprache, welche lautete:
„Ew. Majestät wollen geruhen, unterthänigften Dank entgegen- mnehmen für die hohe Auszeichnung, daß ich den Eid der Treue beim Antritt meines bischöflichen Amtes in allerhöchst Ihre Hände ablegen darf. Ew. Majestät haben mir schon so viele Beweise gnädigsten Wohlwollens zu Tell werden lassen, und auch in der Uebereinstimmung Ew. Majestät mit dem apostolischen Stuhle in meiner Sendung auf den bischöflichen Stuhl in Metz muß ich dankbar ein Zeichen unverdienten Vertrauens Ew. Majestät erkennen. Es ist ein schwieriges Arbeitsfeld, das mir überwiesen wurde, und nur in dem Gedanken, daß ich dem heiligsten Willen Gottes folge, der mir durch die Träger seiner Autorität kund ward, finde ich den Mut, es zu betreten und zu bebauen. Mit ganzem Herzen werde ich das Gelöbnis, daS ich in diesem feierlichen Augenblicke in die Hände Ew. Majestät niederlegen darf, treu halten, das Gelöbnis, als katholischer Bischof das Hell der mir Anvertrautcn treu zu fördern, indem ich in ihnen den Glauben und die Gottes» furcht hege und pflege, welche bte festesten Grundlagen sind für bic ganze Staatsordnung und die sicherste Bürgschaft treuer Ergeben
heit gegen den erlauchten Landesherrn. Wie bisher, soll auch fürderhin mein innigstes Gebet sein: Gott erhalte unb schirme Eure Majestät, Ihre Majestät die Kaiserin und da8 ganze königliche Haus."
Hierauf erwiderte der Kaiser, es sei das erste Mal, daß ein Bischof von Metz in dieser feierlichen Weise den Eid der Treue hier im kaiserlichen Hoflager ablege. Er, der Kaiser, habe in Maria Laach die stille, regsame Thätigkeit des Abtes kennen gelernt. Er hoffe, daß der Bischof in seinem neuen schwierigen Amte die Gläubigen zur Ehrfurcht vor der well- lichen Obrigkeit und zur Liebe zum deutschen Vaterlande erziehen werde. Dafiir gebe ihm Bürgschaft die bisherige Wick- samkeit des Abtes, dem er Glück und Segen wünsche für fein Amt. Dann reichte der Kaiser dem Bischof die Hand und damit hatte die Ceremonie ihr Ende erreicht, lieber die Verhandlungen wurde ein Protokoll aufgenommen und von dem Statthalter Fürsten Hohenlohe und Bischof Benzler unterschrieben. Bei der darauf folgenden Frühstückstafel saß der Bischof rechts vom Kaiser. Zur Linken des Letzteren saß Statthalter Fürst Hohenlohe. Heute Abend verließ der Bischof Potsdam und kehcke nach Maria Laach zurück, um am Samstag seinen Einzug in Metz zu halten.
— Dem Komitee zur Errichtung des Lortzing- Denkmals ging auf sein Danktelegramm anben Kaiser folgendes Telegramm zu:
Dem am hundertsten Geburtstage Albert Lortzings zur Enthüllung seiner Gedenktafel festlich versammelten Komitee spreche Ich Meinen wärmsten Dank für die freundliche Begrüßung aus. Ich habe Mich sehr darüber gefreut, daß dem großen Tondichter, welchem wir so vieles Schöne und Gemütvolle verdanken unb dessen Werke sich wohl für immer im Herzen des deutschen Volkes einen Ehrenplatz erworben haben, an der Stätte seiner Geburt nun auch ein äußeres Denkzeichen gewidmet ist, und beglückwünsche Ich das Komite zur würdigen Durchführung dieses dankenswerten Unternehmens.
Wilhelm.
— Wie die Blätter melden, sandte der Kaiser der verw. Frau Dr. v. Siemens ein Beileidstelegramm. Der Reichskanzler Graf v. Bülow sandte ein Telegramm, in dem er bedauert, daß ein Mann so hervorragenden erfolgreichen Schaffens zu früh seinem Wirkungskreise und dem Vaterlande entzogen sei. Die Depesche des Staatssekretärs Krätke gedenkt der unermüdlichen Thätigkeit zur Förderung der allgemeinen Kultur wie des Wohles des Vaterlandes. Telegraphisch sprachen auch Finanzminister Möller und Staatssekretär Dr. Nieberding ihr Beileid aus. Persönlich erschienen Staatssekretär von Thielmann und der Präsident der Aeltesten der Kaufmannschaft Herz. Die Leiche wird in Gotha ein geäschert werden.
— Die Gratulationsadresse der Berliner an die Kaiserin hat 18 000 Unterschriften erhalten. (Da Berlin mit den Vororten über 2 einviertel Millionen Einwohner zählt, so hätte man mehr Unterschriften erwarten dürfen.)
— Der Reichskanzler Graf Bülow empfing den vom Urlaub hierher zurückgekehrteu italienischen Botschafter Grafen Lanza und den Statthalter Fürsten Hohenlohe in längerer Unterredung.
7- In der Neubewaffnung unserer Infanterie war seit einem Jahre eine Unterbrechung eingetreten. Nachdem zunächst die Marine, sodann die ost- asiatischen Jnfanterieregimenter und int vorigen Herbst das Gardekorps mit dem neuen Gewehr Modell 98 ausgerüstet worden, hat seitdem eine fernere Ausgabe der neuen Waffe nicht stattgefunden. Jetzt soll indes wieder damit vorgegangen werden, und zwar so zeitig, daß bei denjenigen Truppenteilen, welche diesmal das neue Gewehr erhalten, sogleich die Rekruten damit ausgebildet werden können. Die in den drei Gewehrfabriken zu Spandau, Erfurt und Danzig, sowie in der Mauserschen Fabrik zu Oberndorf in Jahresfrist hergestellleu Gewehre reichen aus zur Ausrüstung von fünf bis sechs Armeekorps; es ist noch nicht genau bekannt, welche Korps das Gewehr demnächst erhalten. Indes erfahren wir von zuverlässiger Seite, daß zuerst jetzt das 3. (brandenburgische) Armeekorps damit ausgerüstet wird.
— Die Stadtverordneten nahmen mit großer Mehrheit in der Angelegenheit der Entscheidung des Oberpräsidenten in Potsdam zur Wiederwahl Kauffmanns zum zweiten Bürgermeister den Antrag des Ausschusses an, an den die Angelegenheit in der vorigen Sitzung verwiesen war. Der Ausschuß beantragte: In dem Paragraphen der Städteordnung, der das Bestätigungsrecht der Krone für Bürgermeisterwahlen ausspricht, ist eine Ausnahme für den Fall einer Wiederwahl nicht vorgesehen. Aus dem Schreiben des Oberpräsidenten geht bervor, daß die königliche Entscheidung über die Wiederwahl nicht eingeholt ist. Die Stadtverordneten sind daher an diese Wahl gebunden, und lehnen eine Neuwahl ab bis zum Eingang der Entscheidung des Königs über die Bestätigung. Ferner ersucht die Versammlung der Stadtverordneten den Magistrat, über den Bescheid des Oberpräsidenten beim Minister des , Innern Beschwerde zu führen. In der Debatte traten lediglich juristische Momente hervor. — Zu der Affaire Kauffmann schreibt die „Köln. Ztg.": In Sachen Kauffmann ist die Entscheidung des Königs gefallen und kein Protest, keine Beschwerde wird den Minister bewegen, dieselbe Angelegenheit, in der sich nicht das Mindeste geändert hat, dem König nochmals vorzutragen. Das Vorgehen des Oberpräsidenten, der die Weitergabe der Wahl ablehnt, ist danach gerechtfertigt und gesetzmäßig. In Negieruugskreisen haben die Beschlüsse des Stadtverorbiteten-Ausschusses vom 19. d. Mts. großes Befremden .hervorgerufen, und das war insbesondere her


