in der Budgetkommisfion deS Reichstags vom Mai d. Js. bezifferte sich die „Hnterbilcmz" im nächsten Haushalt des Reiches auf 70 bis 80 Millionen Mark. Diese Schätzung ist, wie sich jetzt herausstellt, um ein erhebliches zu niedrig gegriffen. Obgleich der Schatzsekretär die Anforderungen der einzelnen Verwaltungsrefforts an die Reichskasse nach Möglichkeit herabzumindern bestrebt ist, wird in unterrichteten Kreisen das zu erwartende Defizit auf mehr als 100 Millionen berechnet. Eine trübe Aussicht, zumal für die E i n z e l st a a t e n. Denn da die Reichssteuerschraube nicht angezogen werden soll, bleibt nichts übrig, als die „Spannung" im Reichshaushalt durch Erhöhung der Matrikularbeiträge auszugleichen. Die Einzelstaaten werden also wieder in die Lage kommen, das Reich als „Kostgänger" bei sich zu sehen — eine Erscheinung, die bekanntlich den Beifall des Fürsten Bismarck niemals gefunden hat, weil durch solche Anforderungen des Reichs die Finanzentwickelung der Einzelstaaten in Unruhe und Unordnung gerät. Die nichtpreußischen Mitglieder des Bundesrats wiesen ja auch bei Gelegenheit im Reichstag auf das Mißliche dieses Eingriffs in den Haushalt der Einzelstaaten hin. Der Eingriff erfolgt dennoch, die Reichskasse muß aufgefüllt werden, und so dürfte der Winter den einen und anderen Landtag auf der Suche nach neuen Steuern sehen. Der Staatsbürger hat wieder einmal in die Tasche zu greifen, um den Reichsbürger über Wasser zu halten.
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Sept. Aus Anlaß der 550jährigen Jubelfeier der Danziger Friedrich^-Wilhelm-Schützenbrüderschaft, zu welcher der Kaiser als Protektor einen massiv silbernen, innen vergoldeten Ehrenpokal in Form eines Charn- , rassnerkühlers gestiftet hat, wurde dem Monarchen seitens res Festausschusses folgendes Telegramm nach Cadinen ge- andt: Ew. Majestät sendet die Friedrich Wilhelrn-Schützen- brüderschaft mit allen zu ihrer 550jährigen Jubelfeier versammelten Gästen aus Stadt und Provinz ehrfurchstsvollen Gruß und innigsten Dank für das neue Zeichen kaiserlicher Gnade und Huld in unerschütterlicher Liebe und Treue für ihren kaiserlichen Protektor und Herrn. Gott segne, Gott schütze unfern Kaiser zum Heile des Vaterlandes, v. Goßler, v. Heydebrecr, Delbrück, Oouchi, Ehlers, Jllmmrn, Fey." — Hierauf erteilte oer Kaiser von Rominten aus drahtlich folgende Antwort: „Ich spreche der Friedrich Wilhelm- Brüderschaft für den Mrr anläßlich der 550jährigen Jubelfeier übersandten Huldigungsgruß Meinen besten Dank aus und wünsche der Brüderschaft von Herzen auch ferneres gesegnetes Wachsen und Gedeihen bis für alle Zukunft. Wilhelm."
— Die Kaiserin besuchte gestern nachmittag in Begleitung der Gräfin Stolberg und des Kammerherrn Grafen Keller das Kinderheim in Rominten und verweilte eine Stunde daselbst. Die Kaiserin besuchte auch die Arbeiter- Wohnungen.
— Die Absperrungsmaßregeln in der Ro- mintener Haide anläßlich der Anwesenheit des Kaisers sind diesmal fetyr streng. In Jozlandszen und Spitt- kehmen liegt je eine Kompagnie der Infanterie-Regimenter Nr. 33 und 59. Passierscheine nach Rominten Werden nur für solche Personen ausgestellt, die in eigener Angelegenheit zu thun haben. Im Gegensatz ftüherer Jahre erhalten alle diejenigen, die nur der Neugierde wegen nach Rominten Wollen, hierzu keine Erlaubnis mehr. Auch Verhaftungen sind bereits Vorgenvmmen Worden. Dichf an der Haide, am Wysteter See, der die Grenze mit Rußland bildet, liegt das Dörfchen Matzutkehmen. Dort wurden zwei verdächtige Personen verhaftet, und zwar von dem Stallupöner Gendarmerie-Oberwachstmeister, Welcher aus Anlaß des Kaiserbesuches mit seinem Kommando in Nassa- Wen stationiert war. Die Inhaftierten, die in das Stallupöner Gefängnis übergeführt wurden, sind junge Leute und gaben der fKlizei ausweichende Antworten, sodaß über den Zweck ihres Wochenlangen Aufenthaltes in dem Dörfchen nichts herauszubringen war. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnungen fand man eine große Anzahl Schriften (Drucksachen) in russischer Schrift. Sachverständige sind beauftragt, den Inhalt zu prüfen. Gestern wurden vier Einwohner aus Matzutkehmen verhaftet und in das Gerichts- gefängnis in Goldap gebracht, weit sie die beiden Fremden beherbergt und mit ihnen Umgang gepflogen haben. Ferner werden sie beschuldigt, Briese und Geldsendungen, die aus nichtdeutschen Ländern (Schweiz) kamen, unter ihrer Adresse den Angeklagten übermittelt zu haben.
— Der Gouverneur von Straßburg, Generalleutnant v. Sick, erhielt den Charakter als General der Kavallerie. — Aus dem bisherigen Ostasiatischen Expeditionskorps aus- geschsieden und bei nachstehenden Truppenteilen rc. angestellt Wurde vom 1. Ostasiat. Jnf.-Regt. v. Normann, Oberst und Regimentskommandeur, unter Erteilung der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 1. Großh. Hess. Jnf.-(Leibgarde-)Regts. Nr. 115, bei den Offizieren von der Armee.
— Der Marine-Et^ -&c 1902 wird außer den Forderungen für Schiffs-Neubauten auch zwei Titel für Ersatzbauten enthalten und zwar für je einen großen und einen kleinen Kreuzer. Diese Forderungen werden sich auch im Etat für 1903 wiederholen. Ferner wird der neue Marine-Etat eine Ersatzforderung für das bei Malaga gesunkene Schulschiff „Gneisenau" enthalten.
Kiel, 24. Sept. Der König und die Königin von England, die Prinzessin Viktoria und das Prinzenpaar Karl von Dänemark sind am Nachmittag an Bord des „Osborne" hier eingetroffen und haben am Abend unsere Stadt wieder verlassen, und zwar per Bahn.
Saarbrücken, 24. Sept. Von der Krupp'schen Villa Hügel kommend, traf Prinz Tschun heute abend hier ein.
Fürth, 24. Sept. Am zweiten Tage der Verhandlungen des Parteitages der Deutschen Volkspartei bildete den Hauptgegenstand der Tagesordnung das Referat von Prof. Dr. Quidde über den neuen Zolltarifentwurf. Dabei kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen, da Prof. Quidde die gegenwärtigen Zölle für berechtigt erklärte. Er betonte dabei, daß er ihre weitere Erhöhung nicht befürworten könne; die Hauptsache sei, den Abschluß möglichst langfristiger Handelsverträge zu erreichen. Schließlich wurde eine Resolution gegen ben neuen Zolltarifentwurf angenommen. Reichstagsabg. Konrad Haußmann-Balingen erstattete das Referat über die deutsche Bahnpolitik und die Herabsetzung der Bahntarife. Er schlug in einer Resolution für die unterste Klasse einen Tarifsatz von 2 Pfg. pro Kilometer vor, wobei noch Ausnahmen nur für landwirtschaftliche Arbeiter und Soldaten zu
gestatten seien. Er sprach sich ferner gegen das Projekt einer Staatseisenbahngemeinschaft aus und tadelte es, daß die deutschen Parlamente bei der Festsetzung der Tarife kein Wort mitzusprechen hätten. Am Nachmittag wurde der Parteitag geschlossen.
Ausland.
Loudon, 24. Sept. Nach einer Meldung des „Bureau Laffan" aus Tientsin ist am Sonntag die Besetzung der Provinz Tschili durch die Verbündeten offiziell beendet worden. Ungefähr 16 000 Mann Truppen befinden sich in Tientsin und an den Verbindungslinien. Sie werden den Winter hindurch und vielleicht auf unbestimmte Zeit dort bleiben. Möglicherweise kommen frische englische Truppen hinzu. Die Deutsch en sind gegenwärtig stärker an Zahl als die Engländer. — Die Mandschurei wird von den Russen garnisoniert und die Konsulate sind befestigt worden. — Nach einer Shanghaier Meldung wird der chinesische Hof von Singanfu nach Kaifanfu gehen und dort zwei Jahre bleiben.
Paris, 24. Sept. Der ehemalige Deputierte Roux, der die Probefahrt des Dampfers des Norddeutschen Lloyd „Kronprinz Friedrich Wilhelm" mitgemacht hat, rühmt im „Journal des Debats" in enthusiastischer Weise die in jeder Beziehung vollkommenen Einrichtungen des Schiffes und schreibt bei diesem Anlaß: Ich zögere nicht, wieder einmal zu erklären, daß die Deutschen uns in maritimer, industrieller und kommerzieller Beziehung um hundert Längen voraus sind, und daß wir viel zu thun haben werden, um das verlorene Terrain wieder zurückzugewinnen. Ich glaube, daß man in Frankreich die Bedeutung der gegenwärtig in Deutschland herrschenden inanziellen und industriellen Krisis übertreibt. Einzelne Jn- dustrieen leiden unter einer zu eiligen Entwicklung, und einzelne Banken, die diese Industrien begünstigt haben, sind krank, aber die Gesamtheit des Handels gedeiht darum nicht weniger und hat das Bewußtsein ihrer Stärke und Lebenskraft.
Triest, 24. Sept. Der Dampfer des österreichischen Lloyd „Erzherzog Franz Ferdinand" ist mit dem 2. Bataillon des deutschen 2. ostasiatischen Infanterie-Regiments heute ftüh 6 Uhr hier eingetroffen und hat sich auf der Rhede an einer Boje vertäut. Der Schiffskommandant begab sich mit den Schiffspapieren zum Gesundheitsamt, wo alles in Ordnung befunden wurde. Der Präsident des österreichischen Lloyds, Becher, begab sich mit den anderen Direktoren des Lloyd zur Begrüßung an Bord des Schiffes. Um 11 Uhr vormittags fand militärischer Empfang im neuen Hafen statt.
Petersburg, 24. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin mit den kaiserlichen Kindern sind in Begleitung des Prinzen und der Prinzessin Peter von Oldenburg in Spala angekommen. Auch der Minister des Auswärtigen Graf Lams- dorff ist hier eingetroffen. (Damit fallen die Vermutungen, daß man in Mainz oder Bingen in diesen Tagen das Zarenpaar werde begrüßen können, zusammen. Das russische Herrscherpaar hat also den deutschen Boden verlassen, ohne dem Großherzoglichen Hofe einen Besuch abzustatten. D. Red.)
Konstantinopel, 24. Sept. Gegenüber den Behauptungen türkischer offizieller Kreise wird von zuständiger französischer Seite versichert, daß das Arrangement der Pforte mit Tubini von der französischen Regierung noch nicht genehmigt sei.
Ain-Sefra-Buasnama (Algerien), 24. Sept. Einer der Häuptlinge au der südalgerischen Grenze, der bisher die fran- z ösische Herrschaft hartnäckig bekämpfte, hat dem Kommandanten von Ain-Sefta-Buasnama seine Unterwerfung angezeigt.
Bussallo, 24. Sept. Czolgosz wurde durch denSchieds- pruch gemäß dem amerikanischen Gesetz zum Tode verurteilt. — Heber den Verlauf des Prozesses gegen den Mörder des Präsidenten Mac Kinley wird gemeldet: Czolgosz war vor dem Richter sehr kleinlaut. Der Staatsanwalt ac- ceptierte sein Geständnis nicht, um der Verteidigung di« Möglichkeit zu lassen, auf Geisteskrankheit zu plädieren. Die Geschworenen-Wahl nahm zwei Stunden in Anspruch. Die Anklage des Staatsanwalts dauerte nur 7 Minuten. Als Zeuge erschien Dr. Gayland. Heber den Leichenbefund auf Grund der Autopsie berichteten die Aerzte Mynter und Mann. Der Verteidiger stellte durch die Aussagen von Dr. Mann :eft, daß der Befund der Autopsie außergewöhnlich gewesen ei und daß Mac Kinley durch Heberarbeitung geschwächt sei. Das trug zweifellos dazu bei, die Sache zu dem bekannten Erfolg zu führen. Aerztliche Kunst hätte den Präsidenten sonst retten können. Andere Zeugen wiederholten bereits bekannte Thatsachen. Der Gerichtshof erkannte nach halbstündiger Beratung dahin, daß Czolgosz des Mordes im ersten Grade schuldig sei und fällte sodann das Todesurteil.
Chicago, 24. Sept. Emma Goldmann wurde aus der Hast entlassen.
Aus Stadt und Sand.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, 25. September 1901.
** Aus dem Bureau des Stadttheaters wirb uns geschrieben: Nachbem bie für bie am Dienstag ben 1. Oktober beginnenbe Spielzeit engagierten Mitglieder vollzählig eingetroffen sind, haben die Bühnenproben am gestrigen Tage ihren Anfang genommen. Die Theaterlokalitäten sind vollständig neu hergerichtet und machen nunmehr von innen und außen einen recht freundlichen Eindruck.
*’ Wintersemester der Kaufmännischen Fachschule. Wie aus einer Annonce in unserer heutigen Nummer ersichtlich ist, beginnt mit dem 1. Oktober an der kaufmännischen Fachschule bas Winter-Semester. Laut Verfügung der Großh. Regierung muß der Hnterricht in den obligatorischen Fächern bei Tage gehalten werden, während der fakultative Hnterrich abends ftattfinben kann. Nach § 120 b. Gew.-O. u. § 76 b. H.-G. sind bie Prinzipäle gehalten, ihren Lehrlingen bie zum Besuche der Schule nötige Zeit zu gewähren, und man hegt die berechtigte Hoffnung, daß jetzt der Staat diese Schulen unterstützt, und weiter auszubauen sucht, auch der Handelsstand unserer Fachschule wie seither volle Sympathie entgegen bringen wird.
** Befihwechsel. Das frühere Klein'sche Haus Asterweg Nr. 12 „Zum Sächsischen Hof" das erst vor kurzem von Herrn Wilhelm Hofmann, Ederstraße Nr. 4, käuflich »r-
roorben wurde, und in dem eine flottgehende Gastwirtschaft durch den seitherigen Besitzer betrieben wurde, ist für 36 000 Mark in den Besitz des Herrn Beppler aus Dorlar übergegangen, der darin mit dem 1. November den Wirtschaftsbetrieb übernehmen wird.
* * Ta s Großh. Ministerium, Abteilung für Bauwesen, hat eine Verfügung erlassen über den Arbeits» betrieb in den Strafanstalten. Es wird den dieser Ministerialabteilung unterstellten Behörden mitgeteilt, daß )ie Gefängnisverwaltungen auf eine Verwertung der Erzeugnisse der Gefangenenarbeit bedacht sein müßten; es erscheine daher das Bestreben der Justizbehörde, für die Gesangenenarbeit ein entsprechendes Absatzgebiet zu schaffen, wohl berechtigt. Ein Preisdruck zum Nachteil des Handwerks sei aber nicht erwünscht. Ebenso ollen an Wiederverkäufer und Händler keine Waren ge- iefert werden, um nicht die Wettbewerbsfähigkeit der selb- kündigen Handwerker zu beeinträchtigen. Unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß die anzuschaffenden Waren von entsprechender Güte sind und ein dieser entsprechender angemessener Preis vereinbart wird, sollen deshalb die Strafanstalten zu Lieferungen für Staatsgebäude in höherem Maße als seither heran- gezogen werden. Ms Fabrikate, welche hauptsächlich in den Strafanstalten angefertigt werden, sollen in Betracht kommen: Kokosmatten und Thürvorlagen aus Rohr und Kvkosgarn; Mobiliargegenstände für Bureauausstattungen, wie Tische, Stühle von Holz und mit Rohrsitz, Schränke, Gestelle u. dgl. Nach Ablauf von zwei Jahren verlangt das Ministerium Bericht, ob sich das mit den Gefangenew arbeiten einzuschlagende Verfahren bewährt hat und welche Beobachtungen dabei gemacht worden sind.
* * Die Manöver der 25. Division nahmen am 17. ihren Anfang. Auf der einen Seite (Abteilung „Blau") tauben, Wie die „N. H. Volksbl" mitteilen, die Jnfanterie- Reaimenter 115, 116, 168, das Feld-Artillerie-Regiment 61 und das Dragoner-Regiment 24, auf der andern Seite (Abteilung „Rot") die Infanterie-Regimenter 117 und 118, bas Felb-Artillerie-Regiment 25 unb bas Dragoner-Regiment 23. Bei etwas günstigerem Wetter setzte sich die blaue Armee in der Richtung auf Worms in Wiarsch, über» chritt den Rhein, besetzte die Brückenübergänge durch kleinere Infanterie-Abteilungen und nahm beim weiteren Vormarsch Aufstellung hinter den Höhen bei Herrnsheim- Pfeddersheim. Tie rote Armee hatte unterdessen die Höhen in der Linie Mörstadt—Abenheim besetzt und ging später offensiv der blauen Armee entgegen. Tas Gefecht entwickelte sich anfangs langsam, die Stellung der blauen Armee War vorzüglich gewählt. Die rote Armee konnte deshalb ihren Angriff nicht zur Durchführung bringen und mußte sich in ihre alte Stellung unter großen Verlusten zurückHiehen, und wurde später über diese hinaus nach Norden abgeorängt. Am 18. nahm das Gefeclft feinen Fortgang und zwar in günstigster Weise für bie blaue Armee. Diese schob sich mit ihrem rechten Flügel durch eine ge» chickte Flankenbewegung zwischen den linken feindlichen zlügel und den Rhein und Warf diesen Flügel somit auf die Mitte zurück. Dadurch sah sich die rote Armee gezwungen, sich nordwestlich zurückzuziehen. Eine eigentliche taktisch vollgiltige Entscheidung konnte jedoch nickt erreicht werden. Der Großherzog Wohnte mit seinen fremd- ländischen Gästen diesen beiden Manövertagen bei. — Die letzten Biwaks am 17. gestalteten sich für die Truppen recht schwierig. Schon gegen Abend fing es an zu regnen und bald glichen die Biwaksplätze großen Wasserlachen, und es ereignete sich neben der unangenehmen Situation manch heiteres Stückchen, denn sobald das Wasser einen Weg in eines der Zelte gefunden, stürzten die aus der Ruhe gestörten Schläfer zähneklappernd aus dem Zelt hervor und suchten Wärme und Schutz am Biwaksfeuer. Dort wußte man nun nichts Besseres zu thun, als sich mit Gemütsruhe in die verwünschte Lage zu fügen, und so wurden denn Witze gerissen, und militärische ©djnurren erzählt, trotz Wetter und Regen bis zum Morgen. Am 19. war Ruhetag. Doch wer da glaubt, daß ein Ruhetag im Manöver ein Laa voller Niclftsthun ist, der ist im Irrtum; Wohl bringt derselbe keine größeren körperlichen Anstrengungen, aber in allen Ecken und Winkeln findet man unsere Krieger fleißig und geschäftig: schusternd, schneidernd, putzend, waschend und ausklopfend, sich abmühend und plagend, damit beim Appell keine Anstände vorgefunden werden. Läuft letzterer gut ab, so sind in der Regel die Nachmittagstunden frei; doch auch jetzt denkt der deutsche Soldat nicht an Ruhe. Müßiggang ist ihm ein fremdes Ding, freudig und dienstbeflissen zieht er mit seinem Quartierwirt hinaus in die Weinberge, faßt kräftig mit zu, und läßt sich Essen und Trinken recht gut schmecken. Und tritt auch mancher den Heimweg etwas schwankend an, so steht am andern Morgen die Kompagnie doch sauber nud blank geputzt in Reih und Glied und nun kann's wieder los geh'n, ob Wind und Wetter, ob Regen und Biwak, das bleibt sich gleich.
* * Diebstähle. In der letzten Zeit wurden in hiesigen Obst- und Gemüsegärten und auch auf ben Feldern in der Umgebung Diebstähle ausgeführt. Einige Diebe wurden nunmehr abgefaßt, bezw. ermittelt. Durch eine empfindliche Strafe wird ihnen hoffentlich für immer bie Lust zur Fortsetzung ihres Handwerks genommen.
* * Verpachtung. Das am Bahnhof in Grünberg gelegene^ Anwesen bes Baurats i. P. Dr. Di essend ach wurde an bie Aktienbrauerei Gießen auf eine Reihe von Jahren verpachtet. Das Haus soll zu Wirtschaftszwecken ein- gerichtet werben. Der Wirt, Herr Allenborf auS Ortenberg, hat bereits um Erteilung ber Konzession nachgesucht und der Grünberger Stabtvorstand hat in seiner letzten Sitzung die Bebürsnisftage für Errichtung einer Wirtschaft am Bahnhofe bejaht. t m
Laubach, 23. Septbr. Unter dem Vorsitz bet Gräfin Emma werben bie Damen Laubachs in nächster Zeit wieder zu gemeinsamer Handarbeit zusammenkommen. Die gefertigten Sachen werben zur Weihnachtsbescherung im Stift oerwenbet.
Selzen, 23. Sept. Heute begannen bie Korpsmanover. Nach vorhergegangenem Nachtgefecht ber Vorposten fanb im Beisein bes Großherzogs unb seines Gefolges ein prächtiges Gefecht statt, bas auf ber Höhe vor Dexheim enbigte. »ie Truppen begaben sich in bas Biwak. Dasjenige der höfischen Division befinbet sich bei Wörrstabt, bas der preußischen zwischen Hahnheim unb Hnbenheim.
A. Nidda, 24. Sept. Das in den Tagen vom 15. bi8 17. Juni hier veranstaltete 28. Turnfest bes Gaues Hessen hat nach ber jüngst erfolgten Rechnungslegung em rech günstiges finanzielles Ergebnis gehabt. Die Gesamteinnahmen betrugen Mk. 4815.90, denen Mk. 4031.73 Ausgaben ent


