Ausgabe 
26.9.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 226 Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Donnerstag 26. September 1601

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Die Siebener Familien- Hütter werden dem An- Beiger im Wechsel mit dem .Hess. Landwirt' und den «Blättern sür hessische Volkskunde' viermal wöchenUich bei­gelegt.

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Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko: für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Bei unterzeichneter Behörde ist die Stelle eines Hilfs- schutzmanneL alsbald anderweit zu besetzen.

Geeignete Bewerber wollen sich bis spätestens 1. k. Ms. anmelden und vorstellen.

Gießen, den 26. September 1901.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

^Verein für Sozialpolitik.

K IL

4 \ München, 23. September.

Die erste Hauptversammlung begann heute Montag vor­mittag. Professor Brentano, der 1. Vorsitzende, hielt eine längere Einleitungsansprache, in der er die Entwickel­ung der wirtschaftlichen Auffassungen seit Gründung des Vereins im Jahre 1872 betrachtete. Zuerst habe der Verein heftig« Kämpfe zu bestzehen gehabt gegen die damals Herr­scheno«» Anschauungen, bis ftch seine Stellung nach und nach immer mehr Anerkennung errungen habe. Er sei kein po­litischer, sondern ein wissenschaftlicher Verein, der jede Richtung zu Worte kommen lasse, der nicht den Triumph einer Parteimeinung, sondern den Sieg der Wahrheit, soweit sie überhaupt erkennbar ist erstrebt. Ein sprechender Beweis dafür sind seine aus 97 Bänoen bestehenden Veröffentlich­ungen. Gegensätze werden auch diesmal bei unseren Ver­handlungen stark aufeinander platzen. Wie groß auch diese Gegensätze sein mögen: eins ist uns doch allen gemeinsam: TaK Interesse des Vaterlandes!

Namens der königlich bayerischen Staatsregierung nahm sodann Staatsminister Frhr. v. F e i l i tz s ch das Wort zu einer Begrüßungsansprache, in der er der Genugthuung und Freude über die Thätigkeit des Vereins Ausdruck gab, die auch, der Gesetzgebung oft zu gute gekommen ist.

Den Gruß der Stadt München überbrachte der zweite Bürgermeister v. Brunner. Unsere Gemeindeverwaltung, sagte er, besteht aus den verschiedensten Parteirichtungen. Sie waren aber einig im Entgegenkommen gegen den Verein und seine Bestrebungen.

Sodann hielt Professor Dr. Schrnoller-Berlin eine bemerkenswerte Gedächtnisrede auf Johannes v. Miquel. Ein großer Staatsmann und Minister sei mit ihm dahingegangen. Das Bild seiner Persönlichkeit steht im Lichte der Geschichte und der Oeftentlichkeit im ganzen a klar. Dennoch werden nur die iyn richtig beurteilen, ne ihn näher, in intimem Umgänge gekannt haben. Jeden- älls er war und ist einer der größten Finanzminister ge­wesen, den der preußische Staat je gehabt hat; nur Motz und Maßen ließen sich ihm an die Seite stellen. Er war reich an Kenntnissen, an idealistischem Schwünge, an allgemeiner wissenschaftlicher Bildung. Noch, in den letzten Jahren z. B- laS er bis in die Nacht hinein van Dahlens Französische Geschichte. Man muh zugeben, daß dazu ein reger (seist gehört. Er war ein Mann der historischen Schule und dennoch zum praktischen Leben außeroroentlich befähigt. Es rollte in ihm eine glückliche Mischung von französischem und nieder­sächsischem Blute. So praktisch und findig in den Mitteln uno in der Auswahl der Situationen daß man oft nicht begriff wie alle diese Eigenschaften in einer Seele wohnen konnten. In seiner Nüchternheit hat er manchmal seine Ideale in die Ecke gestellt, ohne daß er geglaubt hat, sie damit zu verlassen. Er besah eine unglaubliche Feinfühligkeit, eine Beweglichkeit des Geistes, die ihn bis ins hohe Alter befähigt hat, jede Richtung des öffentlichen Lebens zu ver­stehen. Er verstand es, verwanote Saiten in seinem Partner anzuschlagen, so, daß man schließlich, zu der An­sicht kam:Ja, der ist ja ganz Deiner Meinung" während es garnicht der Fall war! (Heiterkeit.) Damit hing zusammen seine außerordentliche Beredsamkeit. Er war einer der glänzendsten Redner. Ich habe bei keinem ötebncr, außer Bismarck, eine so andächtige Stille im Parlament bemerkt, wie bei Miquel. Seine Redegabe zeigte sich auch in fieinem Kreise glänzend. Uns Gelehrten gegen­über hat er oft gesagt: daß an ihm eigentlich ein Pro­fessor verdorben sei. Noch kürzlich sagte er: wenn er einmal fern Amt niederlege, wolle er auf einem Ka­theder in Berlin stehen ! Es war ihm nicht mehr vergönnt. Zwei Ideale beseelten ihn: das nationalstaatliche und das soziale. Daß wir als Verein für Sozialpolitik heute einen Kranz auf sein Grab legen, hat seinen Grund in seiner Stellung zu den sozialen Fragen, in seiner starken Teil­nahme an den sozialen Aufgaben der Gegenwart. Er hat ja als Politiker immer immer soziale Gesichtspunkte mitvertreten. Als Oberbürgermeister von Frankfurt hat er jahrelang nahezu den Mittelpunkt unseres Vereins ge­bildet. In den Staatsratssitzung en, die ich mit ihm er­lebt habe ich darf es heute wohl sagen war er der kühn vorwärtsdrängende Referent über die Arbeiterftage. Er hat manch kräftiges Wörtlein über eine möglichst freie Ausgestaltung des Arbeiter-Vereins- und Koalitionsrechtes gesprochen. Als Minister hat er in jenen glücklichen Jahren des Aufichwunges der Sozialpolitik von 18901895 regsten Anteil genommen. Sein wichtigstes Werk ist aber die große preußische Finanzreform. Sie ist "freilich nicht bloß ein Werk sozialer Gerechtigkeit. Manche Bestandteile lassen sich sogar vom sozialen Standpunkte angreifen; aber sie waren -nötig, um das Schift der Reform aus dem Parlament 'schwimmen zu lassen.

Tie Versammlung erhob sich zum Gedächtnis der Ver- fftorbenen von den Sitzen. Hierauf trat man in die Tages­ordnung und zwar in die Beratung der Wobnungs- Srage. Hierzu wurden drei sehr eingehende Berichte er- Mattet. Zuerst sprach Prof. Dr. Fuchs (Freiburg i. B'.),

der auf Grund der ausführlichen Veröffentlichungen des Vereins einen umfchsenden Ueberblick über die Wohnungs­frage in den verschiedenen Ländern gab, mit denen er den Stand der Angelegenheit in Deutschland verglich. Aus seinen mehr als anderthalbstündigen Ausführungen ging hervor, daß am wenigsten in der Wohnungsftage geschehen ist in Italien, Rußland, in Frankreich, das das eigentliche Land des Manchestertums in der Wohnungsftage sei, und im großen und ganaen auch Oesterreich. Am meisten ist geschehen in England, in den Vereinigten Staaten, in Belgien und in der deutschen Schweiz. Auf einer mittleren Linie stehen Schweden, Dänemark, die französische Schweiz und Deuftchland. In Deutschland aber ist' theoretisch in der Wohnungsftage ganz ungeheuer viel geschehen; ja theoretisch ist sie hier geradezu als gelöst zu be­trachten. Professor Fuchs überblickte in langen Darleg­ungen dann alle die praktischen Maßregeln in Deutschland, lieber das einst von Miquel zur Lösung der Wohnungs­frage aufgestellte Programm ist man mit wenigen Aus­nahmen kaum erheblich hinausgekommen. Was geschehen ist, sind nur gute Ansätze und hoffnungsvolle Keime. Für die Zukunft aber ist not, und zwar bitter not eine Wohn­ungspolitik, eine Wohnungsreforni im großen Stile, wie sie Miquel im Jahre 1886 vorgezeichnet hat: ein Reichs- wohnungsgesetz.

Der zweite Referent, Professor Dr. v. Philippo- vich (Wien) behandelte das Verhältnis der Boden- frage zur Wohnungsfrage. Bekanntlich wird von vielen Seiten die Bodenfrage als die Quelle der Wohn­ungsfrage angesehen. Dem gegenüber verfocht Prof, von Philippovich die entgegengesetzte Anschauung. Er legte sehr eingehend dar, daß nicht der Bodenpreis den Mietpreis, sondern, etwas scharf ausgedrückt, der Mietpreis den Bodenpreis bestimme. Die Quelle des Bodenwertes liege im Innern der Stadt, wo die historische Gewöhnung des Wohnens und die Anhäufung des Geschäftsverkehrs eine Steigerung der Mieten veranlasse. Es muß schließlich eine Abwanderung nach der Peripherie stattfinden und zu gleicher Zeit schlägt auch die Bodenwert-Welle nach außen. Die Folge ist dann eine Steigung der Mieten.

In der Nachmittagssitzung wurde die Erörterung der Wohnungsfrage fortgesetzt. Sie zog sich recht in die Lange. Erst sprach noch als dritter Berichterstatter Landrat Brandts aus Düsseldorf (als praktischer Verwältungs-^ beamtet) über die Aufgaben oer Gesetzgebung auf dem Ge­biete der Wohnungsfrage.

Dann begann eine lange, lebhafte Besprechung. Schon zu Beginn waren 14 Redner zum Worte gemeldet! Tie Frage wurde von den verschiedensten Seiten beleuchtet, zuerst sprach Dr. Eberstadt (Berlin), dann Dr. Voigt (Frankfurt a. M.), der in feinen Untersuchungen u. a. auch zu dem Ergebnisse gekommen ist, daß die Wohnungsftage eine Baukostensrage fei, bann Professor G. o e Liagre (Leipzig), der im Gegensatz zu Professor Philippovich auf den großen bestimmenden Einfluß bes Bodenpreises auf den Mietspreis Hinweis. Oberbürgermeister Beck (Mannheim) trat für eine Zonenbauordnung ein. Ober­bürgermeister Zweigert (Essen): Den Zweifel, ob es möglich fei, hierin mit ber sozialbemokratischen Arbeiter­bewegung zusammenzugehen, habe ich ausgesprochen, und ich mutz ihn nach meinen Erfahrungen aufrecht halten, nachdem man mich und Bestrebungen, die ich seit 10 bis 20 Jahren vertrete, beschmutzt hat. Im übrigen hielt Redner ein Reichsgesetz zur Regelung ber Wohnungsftage für ausgeschlossen. Die jetzigen Gesetze reichen aus.

München, 24. Sept. Heute wurde über Handelspolitik verhandelt. Professor Lotz entwickelte fortschrittliche Ge­sichtspunkte, Prof. Schum ache r (Köln) sprach stark schutz- zöllnerisch und Pros. Pohle (Frankfurt a. M.) erllärte sich für die Regierungspolitik des Zolltarifentwurfes.

Vom Bureukriege.

Lord Kitchener meldet vom Dienstag: Nach den letzten Nachrichten aus Natal sind die Burenabteilungen, die dort eingefallen waren, offenbar nach Norden und Nordosten wieder abgezogen. Herr Kitchener dürfte sich, wie so häufig, gründlich täuschen. Die Buren werden sich! vielmehr vortrefflich verborgen zu halten wissen, um dann durch unaufhörliche Chikanierungen den Engländern die Lage unleidlich zu machen.

Seit dem 16. September sind, so wird von Lord Kit­chener telegraphiert, 29 Buren gefallen, 16 verwundet, 350 gefangen, 48 haben sich ergeben. Ferner wurden 17 800 Patronen, 1000 Pferde und 55 Wagen erbeutet. Infolge der Bewegung der Buren im Distrikt Vryheid wurden Ver­stärkungen nach Natal entsandt, wo General Lyttelton Vor­kehrungen getroffen hat, welche die Verhältnisse erfordern. Tie englischen Truppenkörper verfolgen den Feind in der Nähe von Dewetsdorp. Myburgh und Fouche sind in der Nähe von Ladygrey. Smuts wandte sich, nachdem er die englische Umzingelung durchbrochen, nach Süden in die Nähe von Bedford, wohin ihm Oberst Goringe und Toran folgen, während Haia andere Trupven gegen ihn entsandte. Scheepers und Theron weichen den englischen Truppen mit_ großer Beharrlichkeit aus. Amt­lich wird gemeldet, daß die Kolonne Gough bei dem Gefecht am 17. Sept. 230 Mann vermißte.

Es liegen jetzt eingehende Berichte über die Niederlage eines Teils des 17. Lancier re gim ents vor. Eine 100 Mann starke Patrouille wurde, während sie unweit Torkastab lagerte, plötzlich von 400 Transvaalburen unter Smuts angegriffen. Die Buren ritten durch die Lager, rechts und links feuernd, bann schwenkten sie zurück, wo­bei sie ihr Feuer wiederholten.

In London wird behauptet, baß bie Werbe- Offiziere augenblicklich eine große Thätigkeit an den Tag legen. Der Kriegsminister soll nicht genügend ge­

schulte Truppen zur Verfügung haben; sogar die Lücken in den Reihen der in Südafrika kämpfenden Regimenter können augenblicklich nicht gestopft werden.

In der Zweiten niederländischen Kammer erllärte der neue Premierminister Tr. Kuyper, es sei n i ch t beabsichtigt, die Perspektive auf eine Aktion der Regierung oder anderer Kreise zu Gunsten der Buren zu eröffnen! die Re­gierung übernahm die vom vorigen Kabinett hinterlassene Lage. Er hahe aber damit nicht etwa erklärt, daß die gegen­wärtige Regierung niemals mehr etwas zu Gunsten der Buren thun wolle.

Tie Gesandtschaft der südafrikanischen Republik in Brüssel veröffentlicht folgende Mitteilung: Tr. Leyds hat vor einigen Tagen bei der österreichischen Regierung Wider- svruch erhoben gegen die Lieferung von Sätteln an die Aeomnary. Diele Lieferungen fanden statt gerade in dem Augenblick, als die Militärbehörde ihrer dringend bedurfte, und bildet, wie offiziell in dem englischen Blaubuch aus­drücklich anerkannt wird, eine Vergünstigung von Seiten Oesterreich-Ungarns. Vor dem Jahre 1900 legte Dr. Leyds Protest ein gegen die Lieferung von Pferden und Kanonen durch die österreichische Regierung an England. Aber un­beachtet ber wiederholten Proteste, auf welche Tr. Leyds niemals eine Antwort erhielt, fuhr Oesterreich-Ungarn fort, die Neutralität in dieser Weise zu brechen.

Politische Tagesschau.

Berlin in Ungnade.

Wir meldeten dieser Tage, daß dem Berliner Oberbürger­meister Kirschner die erbetene Audienz beim Kaiser wegen Ueberführung der städtischen Straßenbahn über die Straße Unter den Linden" verweigert und das Straßenbahnprojekt ebenso endgiltig abschlägig beschieden worden sei. Diese Nach­richt wird jetzt von der einer Seite dementiert, von anderer dagegen mit großer Entschiedenheit aufrecht erhalten.

DieNat.-Ztg.", die sich an leitender Stelle mit den Beziehungen zwischen der Krone und der Reichshauptstadt beschäftigt, meint, es könne nicht überraschen, wenn die Ablehnung mit der Wiederholung der nicht bestätigten Wahl bes Stadtrats Kaufs mann (Mitglied der Freisinnigen Volkspartei) in Verbindung gebracht werde. Dieser Auf­fassung widerspricht die hälftig aus Berliner Magistrats­kreisen informierteVoss. Ztg." Man unterstelle durch eine solche Behauputug der Krone, sich von Gründen leiten zu lassen, die nicht in der Sache liegen. Tas braucht nicht der Fall zu sein. Thatsache ist, daß der Kaiser von vornherein seiner Abneigung gegen eine neue Straßenbahnverbindung über dieLinden" Ausdruck gegeben hat eine Kreuzung derLinden" besteht bereits und zwar mit Rücksicht dar­auf, daß der Charakter dieser großartigen Straße durch die Durchquerung empfindlich beeinträchtigt würde. Nicht allein das: auch der so überaus lebhafte Personen- und Wagenverkehr erlitte fast unausgesetzte Unterbrechungen. Daher bestimmte der Kaiser, die Verbindung solle unter­irdisch ausgeführt werden. Wie dasBerl. Tagebl." mit­teilt, hätten der preußische Minister des Jnnerli und der Polizeipräsident von Berlin bereits weitgehende Konzessio­nen bezüglich der zweiten Durchquerung derLinden" ge­macht, und an der Zusage des Kaisers keinen Augenblick gezweifelt. Ob dies zutrifft, mag dahingestellt bleiben. Sehr wahrscheinlich klingt aber die Meldung nicht. Wie dem auch sei, das kann keinensalls beftritten werden, daß die Wieder­wahl des nicht bestätigten Stadtrats Kaufsmann zum Bürgermeister Berlins im engsten Zusammenhang steht mit dem Nichtempfang des Oberbürgermeisters Kirschner. Die von Herrn Kirschner nachgesuchte Audienz war wegen der Reisedispositionen des Kaisers hinausgeschoben worden. In­zwischen erfolgte bann die Wiederwahl Kaussmanns. Ter Schluß aus eine Versttmmung des Kaisers infolge dieser nun einmal alsDemonstration" aufgefaßten erneuten Prä­sentation drängt sich jeoem Unbefangenen auf. Möglicher­weise wäre es dem Dbcrbürgerrmeifter durch mündliche Tarlegungen gelungen, die Bedenken des Herrschers gegen das Straßenbahnprojekt zu beseitigen, zumal unter Hinweis aus die ganz enormen Kosten einer unterirdischen Linien- Verbindung. TieVoss. Ztg." erklärt diese sogar für technisch undurchführbar. Indessen die Technik hat in Berlin bei­spielsweise beim Bau der Untergrundbahn größere Schwierigkeiten zu lösen gehabt und glänzend gelöst Die Hoffnung auf eine andere Entscheidung des Kaisers ist aufgegeben, ein neuerliches Gesuch der Berliner Behörden, demBerl. Tagebl." zufolge, ausgeschlossen. Man will eine andere Verbindung auf einem noch zu findenden Wege in Ueberlegung ziehen. Mb er es bleiben vorläufig die Gegen­sätze zwischen der Krone und der Reichshauptstadt. Die Nationalztg." schreibt:Solche Gegensätze zwischen der Krone und der Reichshauptstadt müssen ausgeglichen werden." Wir glauben eher, daß die Differenzen sich verschärfen werden, und daß sie zu einem Konflikt sich gestalten können, der auf die Entwickelung der Reichshauptstadt nicht ohne Einfluß bliebe. Denn das wird nicht zu leugnen fein, daß das Interesse des Kaisers an Berlin, sein Bestreben, die Stadtzur schönsten der Welt" zu machen, von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist und vielfachen Ausdruck in Schenkungen usw. gesunden hat.

DerKostgänger,, der Einzelstaaten.

Unser Berliner parlamentarischer U.-Mitarbeiter schreibt unterm 24. September:

Die Regierung denkt nicht an die Einführung neuer Reichssteuern. Das hat die offiziöseNordd. Allg. Ztg." bereits vor zwei Wochen feierlich verkündet. Ueber die Höhe des im nächsten Reichshaushalt zu erwartenden Defizits war dem Blatt eine Information anscheinend nicht zugegangen. Eine Schätzung des Staatssekretärs Frhr. v. Thielmann.