nach der Stadt zurück. Nach einem Besuch der Stadthalle in der Gronau begab sich Ihre Majestät zum Frühstück wieder nach der kronprinzlichen Villa und stattete später dein Prinzen und der Prinzessin zu Schaumburg-Lippe in deren Palais einen halbstündigen Besuch ab. Tie Abreise Ihrer Majestät erfolgte gegen 5 Uhr.
Bo chii m , 24. Mai. Eine Konferenz der n a t i o n al- liberalen Parteivorstände von Mülheim, Tnisburg und Essen hat nach der „Bochumer Zig." beschlossen, das durch die Berufung Möllers zum Handelsminister erledigte A b- geordneten Hausmandat dem bisherigen Inhaber wiederum anzubieten. Es wird äbzuwarten bleiben, ob der jetzige Minister das Mandat auch fernerhin auszuüben wünscht.
Stuttgart, 24. Mai. Im Landtage teilte Finanzminister von Zeyer bei Beratung der Matrikularbei- träge mit, daß innerhalb der Regierungen die Hindernisse nunmehr beseitigt seien, welche bisher einer Reichsfi nanzresorm entgegenstanden. Tie Regierungen seien entschlossen, die Reform mit allen Mitteln zu betreiben und hofften, daß auch der Reichstag den Reichsfinanzen die notwendige Ständigkeit und Sicherheit geben werde. Von neuen Reichs steuer Projekten wisse er gar nichts. (Tas sind ja ganz erfreuliche Mitteilungen! D. Red.)
München, 24. Mai. Ter Herausgeber des „Bayrischen Vaterlandes", Dr. Sigl, muß abermals in die Kalt- wa^s er -Heil an statt von Thalkirchen gebracht werden, aus oer er erst vor kurzem entlassen worden ist.
Ausland.
London, 24. Mai. Gouverneur M i l n e r traf heute nachmittag hier ein und fuhr mit Salisbury und Chamberlain nach Marlborough-House, wo er vom Könige empfangen wurde, der ihm die Pairswürde verlieh.
— Tas Unterhaus hat die zweite Lesung der Bill über die Zivillifte des Königs mit 149 gegen 38 Stimmen angenommen.
— Die aus acht Torpedobootzerstörern bestehende Schulflottille von Portsmouth geht unter dem Befehl des Schiffskommandanten Napier am Dienstag zu einem Besuch nach Wilhelmshaven in See.
Paris, 24. Mai. Deputiertenkammer. Mori- naud interpelliert über die Unruhen in Algier. Im Falle eines europäischen Krieges, meint Redner, werde offenbar in Algerien ein allgemeiner Aufstand losbrechen; die Regierung müsse daher schon jetzt die nötigen Maßnahmen ergreifen. Vor allem müsse eine beständige und feste Regierung in Algier eingeführt werden, die sich nicht mit Politik, sondern mit der Verwaltung beschäftige.
— Im heutigen Ministerrat teilte Finanzminister Caillaux mit, daß infolge des Inkrafttretens des Gesetzes über die hygienischen Getränke der Verbrauch von Wein und Apfelwein in den vier ersten Monaten dieses Jahres sich um 50 Prozent erhöht habe; namentlich sei in weitem Umfange der Verbrauch von Weißwein an Stelle desjenigen von Absinth getreten.
— Der vom Kriegsminister heute der Kammer vorgelegte Gesetzentwurf zur Reform des Mrlitär- gerichtsverfahrens empfiehlt, alle in der Friedenszeit außerhalb des Dienstes begangenen Vergehen und Verbrechen der Militärjustiz zu entziehen und der Kompetenz der Z i v i l g e r i ch t e zu überiveisen. Außerdem werden die zum Schutze des Angeklagten während der Untersuchung bestehenden Bestimmungen des Zivilverfahrens auf das militärische Gerichtsverfahren ausgedehnt, ebenso wie die bedingte Verurteilung. Die Dauer der Untersuchung wird zugleich eingeschränkt. Für die Verwaltung der Militärjustiz wird eine dauernde Körperschaft eingesetzt, die unabhängig von dem Oberkommando der Armee aus kompetenten Militär- und Ziviljuristen zusammengesetzt ist, unter dem Vorsitz eines Divisionsgenerals.
— Vor der Ar m ee kommi ss io n des Senats erklärte sich Waldeck-Rousseau gestern für eine Vertagung der Debatte über die Einführung der zweijährigen Dienstzeit. Bisher genießen 66 000 junge Leute, die studieren, oder die ihre Angehörigen unterstützen müssen, den Vorzug der einjährigen Dienstzeit. Die Einführung der zweijährigen Dienstzeit würde eine solche Verminderung der Präsenzziffer bringen, daß zum Ausgleich jede Bevorzugung fernerhin abgeschafft werden müßte.
— Die Patriotenliga, sowie mehrere andere nationalistische und antisemitische Vereine hielten gestern abend ein von mehreren Tausend Personen besuchtes Meeting ab. Der ehemalige Präsident des Kassationshofes de Beaure- paire hielt eine Ansprache, in der er die Versammlung mit leidensch-aftlichen Worten aufforderte, zur That zu schreiten und sich von der gegenwärtigen Regierung ,zu befreien. Mehrere Manifestanten wurden verhaftet.
— Wie aus Constantine gemeldet wird, wurde der Scheich von Zauia von einem Eingeborenen ermordet, in dessen Behausung er int Auftrage der französischen Regierung nach Waffen und Munition suchte. Der Mörder wurde verhaftet.
Wien, 24. Mai. Im Budget-Ausschusse der österreichischen Delegation verlangt der Jungczeche Kra- marz ein loyales gleichwertiges Verhältnis zwischen Deutschland und Oesterreich, Die Ausweisungen österreichischer Unterthanen widersprechen den Handelsverträgen. Wir inüssen den Mut haben, eine freundliche Behandlung unserer Unterthanen in Deutschland zu erzwingen. Die Unterstützung, die offizielle evangelische Kreise in De u ts chl a n d der Los von Rom -Bewegung in Oesterreich gewähren, sei ein direkter feindlicher Akt gegen Oesterreich Graf Tzieduztsicky fragt, welche Mittel der Minister ergriffen um im Interesse des Fortbestandes der Allianz mit Deutschland den gehässigen Ausweisungen öfter- Unterthanen aus Preußen und der chikanosen Deutung der Veterinärkonvention Einhalt zu thun. Minister Goluchowski entgegnete, er habe die Selbst - standigkeit der Monarchie nie preisgegeben, die Haltung der deutschen Regierung sei stets äußerst korrekt. Die Beschwerden über chikanöse Handhabung der Beterinärkonvention seitens preußischer Behörden seien zum Teile berechtigt. Bei Erneuerung der Handelsverträge werde sich Gelegenheit bieten, auf diesen Gegenstand zurückzukvmmen. Tas Budget wurde angenommen.
Belgrad, 24. Mai. Zahlreiche Verhaftungen werden vorgenommen von Personen, die despektierlich von der Königin Draga sprechen. Man macht auch mit höher
Gestellten keine Ausnahme; so wurde nachts die Gen- ralin Atanakov itsch zur Polizei zitiert und einem Verhör unterzogen, während man in ihrer Wohnung Haus- uchung hielt, nur weil sie im Verdacht steht, der Königin nicht zugethan zu sein.
Jur Nrrsammlullg drs ötrtius mr jörttrung drs vsthr- matifdjrn nni latllrwiffkllschsftliches jlitkirichts.
Man schreibt uns:
Zu Pfingsten, beginnend mit einem Begrüßungsabend am 2. Feiertage hält der deutsche Verein zur Förderung des Unterrichts in der Mathematik und den Naturwissenschaften eine diesjährige Versammlung in den Mauern unserer Stadt ab. Tie allgemeinen Sitzungen beginnen morgens 9 Uhr und zwar am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in den Räumen des Gymnasiums, für die Abteilungsitzungen ist die Zeit von 12—2 Uhr vorgesehen und nachmittags sollen verschiedene Institute und die Gailsche Dampfziegelei besichtigt werden. Zu ernster Arbeit eilen die Pädagogen zu dieser Versammlung, und wir heißen sie in unserer Stadt herzlich willkommen. Hat doch Gießen ein Schulwesen stets mit offenen Händen gefördert und den einzelnen Anstalten fast durchweg neue Schulgebäude geschaffen, die in Anlage und Sammlungen den neuesten Anforderungen Rechnung zu tragen versuchen. Unsere werten Gäste werden diese Anstalten in diesen Tagen besichtigen und hoffentlich bieten wir ihnen des Interessanten genug. Mögen die öerren Teilnehmer aber auch die Ueberzeugung mitnehmen, daß Gießen eine Stadt ist, die es würdigt, olche Gäste empfangen zu dürfen. Darum nochmals: Will- 'ommen!
Aus Stadt und Land.
Vietze», 25. Mai 1901.
** Aus Anlaß der Tagung zweier Kongreffe in den Pfingstl tagen in unserer Stadt, die so viele Gäste beherbergen wird, wird die Bürgerschaft gebeten, ihre Häuser mit Flaggen zu chmücken.
H. Kreislehrerkoufereuz. Freitag fand in „Steins Garten" )te Kreislehrer-Konferenz des Kreises Gießen unter dem Vor- itze des Großh. Kreisamtmannes Boeckmann statt, an der )er Kreisarzt, Medizinalrat Dr. Haberkorn und Dekan Wahl- Hausen, sowie sämtliche Lehrerinnen und Lehrer des Kreises teilnahmeu. Nach Eröffnung der Konferenz und Begrüßung )er Anwesenden seitens des Vorsitzenden, gab der Kreis- chulinspektor Prof. Dr. LaciuS statistische Mitteilungen über das Schulwesen des Kreises im letzten Jahre bekannt. Hiernach reträgt die Schülerzahl des Kreises 11409. Davon sind 5609 Knaben und 5800 Mädchen, 11 070 evang., 153 kath. Konfession, 153 israelitischen und 25 anderen Bekenntnisses. Die Gesamtzahl der Lehrer des Kreises beträgt 191, sodaß auf 1 Lehrer durchschnittlich 59,7 Schüler kommen, und zwar n der Stadt 49,5, auf dem Lande 62,5 Schüler. Bon den 79 Schulgemeinden des Kreises sind 38 einklassig, 23 zwei- lässig, 8 dreiklassig, 6 vier-, und 4 mehr als vierklassig. Die Fortbildungsschule wurde von 1789 Schülern besucht. Davon waren 1729 ev., 15 kath. und 15 israelitisch. Im Kreise bestehen zur Zeit noch 4 Schulen mit über 100 und 3 mit über 90 Schülern. An Lehrpersonal traten 14 Lehrer und 1 Lehrerin neu in den Kreis ein, 17 Versetzungen fanden tatt, 4 Lehrer wurden definitiv angestellt und 3 sind ge- torben. Nachdem die Versammlung der Aufforderung des Vorsitzenden, sich zu Ehren der im letzten Jahre Verstorbenen von den Sitzen zu erheben, nachgekommen, brachte dieser ein Schreiben des KreisainteS, die Haftpflichtversicherung der Lehrer betreffend, mit eingehenden Erläuterungen zur Kennt nis der Versammlung; das Schreiben soll auf Anregung des KreiSschulinsp. Prof. Dr. Lucius mit einem Vertragsentwurf )er Frankfurter Transport-Unfall- rc. Versich.-Aktien-Gesell- schaft dem Vorstand des heff. Landeslehrer-VereinS zugehen. — Hierauf hielt Lehrer Bach-Großen-Linden einen Vortrag: „lieber den Unterricht im zweiten Schuljahre nach Herbart- Ziller." Ausgehend von dem Ziel aller Herbart-Zillerschen Pädagogik: durch den Unterricht zu erziehen, zeigt er, wie speziell der Gestnnungsunterricht besagter Richtung für das zweite Schuljahr, „der Robinson", diesem Zwecke entspricht, indem er sowohl sympathetisches, soziales und religiöses Interesse erweckt, als auch sich als Konzentrationsstoff der drei Sachgebiete: Religion, Geschichte mit Geographie und Naturkunde besonders eignet. Nachdem er noch die Durcharbeitung des erwähnten Lehrstoffes des Näheren behandelt, fand nach Schluß des interessanten Vortrags eine lebhafte Diskussion statt, die, sich allerdings mehr auf das Gesamtgebiet der Herbart-Ziller'schen Methode erstreckend, in Uebereiustimmung mit den Ausführungen des Referenten ergab, daß diese Me> thode in ihren äußersten Konsequenzen wohl unausführbar ist und bleibt. Dagegen hielt Referent an seiner Ansicht fest, daß speziell der Robinson eine in Herbart-Ziller'schem Sinne gedachte Behandlung recht gut zulasse, und er wohl für immer als ein wertvolles und erläuterndes Dokument besagter Methode gelten werde. — Hierauf wurde die Konferenz durch den Vorsitzenden geschloffen und fand nun noch ein einfaches Mittagessen in „Steins Garten" statt.
-i- Das Burschenhaus der Burschenschaft Alemannia am Schiffeubergerweg (Ecke der Gutenberg- straße) geht seiner Vollendung entgegen und soll am 7., 8. und 9. Juni' eingeweiht werden. Es ist ein schmuckes Heim, das die alten Herren der Alemannia ihren Aktiven geschaffen, schön und^ praktisch in seiner Anlage, kunst- und stylgerecht in seiner Durchführung. Mit der Einweihungsfeier soll zugleich die Feier des 40. Stiftungsfestes verbunden werden. Am 7. Juni soll ein Gartenfest in Steins Garten, am 8. Juni, morgens 11 Uhr, Einweihung und Uebergabe, abends Fackelzug und Kommers stattfinden.
-i- Stenographie. Der diesjährige Stenographentag des Verbandes der Gabelsberger Stenographen des Main-Rheingaues und von Hessen-Nassau findet am 13. und 14. Juli in Heppenheim statt. Der Bundes-Vorsitzende, Dr. Güster, Stralsund, hat sein Erscheinen zugesagt.
(!) Als ein Hamster schlimmster Sorte entpuppte sich ein Bäckergeselle von hier, der es verstanden I hatte, seinem Meister den Kassenschlüssel zu entnehmen und
aus dem Kassenschrank einen größeren Betrag zu stehlen. Von dem so billig erworbenen Kapital kaufte er sich u. a. ein Stahlroß und lebte herrlich und in Freuden. Doch das Unglück schreitet schnell. Gestern wurde der Patron verhaftet. In seinem Besitze fanden sich noch 442 Mark bar vor; auch hatte, er eine größere Summe auf das Rad bezahlt. Ten größten Teil dieses Geldbetrages entdeckte man nicht in seiner Wohnung, sondern in einem Koffer, den er bei einer befreundeten Familie untergebracht hatte.
(!)-Ein wahrer Gemütsmensch ist ein hiesiger Radfahrer, der am Donnerstag in scharfem Tempo durch den Riegelpfad fuhr und ein fünfjähriges Mädchen umrannte. Allerdings wurde auch er etwas unsanft von Mutter Erde angezogen, er sprang jedoch wieder sofort auf sein Rad und fuhr, ohne sich um das am Boden lieaende verletzte Kind zu bekümmern, weiter. Ter Name des Fahrers wurde ermittelt und.Anzeige erstattet.
(!) Zwei Arbeitswillige, die am Bahnhofs-Gebäude ihre Tienste anboten, gerieten in Streit, wobei sie ich gegenseitig die Gesichter zerkratzten.
B. 8. Noch einmal die Licher Fensterinschrist. Man schreibt uns von geschätzter Seite: „Die Inschrift am Rehe'schen Haus in Lich, allerdings ein Distichon, wie in Nr. 121 fest« gestellt, lautete nach sicherer, wenn auch etwas schwieriger Lesung:
Non est, crede mihi, insignes qui possidet aedes Dives, sed dives cui satis una domus.
Der Baumeister hieß nicht Spengel, sondern Sprenger. — Schade nur, daß das zierliche gemalte Fenster aus dem Hause und sogar aus Heffen verschwindet; es hätte verdient, im Museum unseres Geschichtsvereins seinen Platz zu finden. Aber über bewegliche Denkmäler privaten Besitzes hat leider auch das neue Denkmalschutzgesetz keine Macht." — (Vor« Lufig ist der Gesetzentwurf betr. den Denkmalschutz noch nicht Gesetz. Es dürfte sich also empfehlen, in ihm eine Be- timmung in dem hier angedeuteten Sinne aufzunehmen. Kach der gestrigen Version würde der VerS zu deutsch auten:
„Nicht ist, glaube eS mir, wer viele Häuser besitzt, Reich, nein, vielmehr nur der, der sich mit einem begnügt." Der obenstehende VerS bedeutet zu deutsch:
„Nicht ist, glaube e8 mir, wer Prunkgebäude besitzet, Reich, nein, vielmehr nur der, dem sein HäuSchen genügt."
fc. Darmstadt, 24. Mai. Wie das „Mainz. Journ." mitteilt, hat Oberbürgermeister Morneweg als Präsident des Schulvorstandes und als Mitglied des Kuratoriums der Biktoriaschule gegen die über dem Eingang zur Ausstellung angebrachten Plakate beim Ministerium Protest erhoben. Nach dem genannten Blatt „sprechen die Plakate allem Sitt- ichkeitsgefühl Hohn," (Sollte sich diese Meldung des katho- ischen Mainzer Blattes bestätigen, dann wird man auch rarauS ersehen, wie wenig Verständnis man in Darmstadt ür künstlerische Werte hat. Herr Baron v. Perfall, der Feuilleton Redakteur der „Köln. Ztg," (!) meinte neulich, bei der männlichen Koloffalfigur vor dem Ernst Ludwig Hause vermiffe man eine kleine Hülle. DaS käme auf dasselbe stnaus, wenn man dem Apoll von Belvedere Badehosen an« ziehen wollte. Unsittlich ist allein das Gefühl aller derer, ne etwas Unsittliches bei derartigen Kunstwerken erblicken. Mit altjüngferlicher Zimperlichkeit erzieht man unser Volk nicht zu lauterem Kunstempfinden. D. Red.)
Mainz, 24. Mai. Heute nachmittag fand in Gegenwart des Baurats Riese von Frankfurt a. M. eine Sitzung des Bau-, Finanz- und juristischen Ausschusses und der Straßenbau-Kommission oer Stadtverordnetenversammlung "tatt, um über das fernere Schicksal der Mainzer Straßen- >ahn zu entscheiden. Tie verschiedenen Kommissionen be- chlossen einstimmig, bei der Stadtverordnetenversammlung zu beantragen, den Vertrag mit der Sütstreutschen Eisenbahngesellschaft auf das Jahr 1904 zu kündigen. Baurat Riese empfahl den Kommissionen ferner, das Unternehmen anzukaufen und die Umwandlung in einen elektrischen Betrieb vorzunehmen. Ter Wert des Straßenbahn-Unternehmens und die Umwandlung desselben in elektrischen Betrieb wurde von Herrn Riese auf etwas über 3 Millionen Mark geschätzt. — Bei einer polizeilichen Revision wurde gestern eine aus den Eltern und zwei Knaben im Alter von fünf und sechs Jahren bestehende auswärtige Familie in einem hiesigen Gasthause, wo sie schon zehn Tage logiert hatte, als des Diebstahls verdächtigt verhaftet. Die beiden Knaben wurden in das Waisenhaus gebracht. Ter Ehemann ist der Heizer Christian Gaiser, 27 Jahre alt, ans Reutlingen, die Frau ist 30 Jahre alt und in Erlahain geboren. — Von dem Garnisonlazarett aus fanden heute vormittag drei militärische Leichenbegängnisse statt. Um acht Uhr heute vormittag wurde ein Gefreiter des 87. Jnf.- Regts. beerdigt, der vor einigen Tagen mit einem Fahrrad verunglückt war. Tie Leiche wurde mit allen militärischen Ehren nach 57ockcheim, der Heimat des Verstorbenen, geleitet. — Um 9 Uhr heute vormittag wurde der Soldat beerdigt, der vor einigen Tagen in Kastel bei einem Sprung aus dem Eisenbahnwagen überfahren wurde; auch hier fand die Beerdignng mit allen militärischen Ehren statt. — Um 11 Uhr heute vormittag wurde dann unter der Beteiligung fast des ganzen dienstfreien Osfizierkorps und der Mannschaften des Fuß-Artillerie-Regiments General-Feldzeug- meister (Brandenburgisches) Nr. 3 der im besten Mannesalter verstorbene Arthur Warnke beerdigt.
fc. Bingen, 24. Mai. Der in der Sonntagnacht i« Walde bei Bingerbrück schwer verletzt aufgefundene Spengler Johann Marx aus Malstatt-Burbach, ist an der Schußwunde, die er sich in selbstmörderischer Absicht beigebracht hatte, gestorben.
Worms, 24. Mai. Von dem Hofmarschallamt in Tarmstadt ist die Nachricht hierhergelangt, daß der Groß- Herzog und die Großherzogin voraussichtlich Montag kurz vor 4 Uhr in Worms eintreffen werden, um das zweite Konzert des hessisch-pfälzischen Musikfestes anzuhören. -7 Außer den Allerhöchsten Herrschaften werden zum Besuck der Konzerte eintreffen: der Prinz Franz Joses von Battenberg und die Prinzessin von Battenberg, sowie deren Schwester Prinzessin Xenia von Montenegro, ferner der Staatsminister Rothe, der Regierungspräsident der Pfalz, Freiherr von Welser mit Frau Gemahlin aus Speyer, der Tivisionskommandeur General v. Perbandt und Frcui mahlin aus Tarmstadt, der könunandierende General von Lindequist Exz. hat sein Erscheinen ebenfalls in Aussicht gestellt, die Angabe des Tages seines Besuches aber noai Vorbehalten.


