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Nr. 122 Erstes Blatt.
151. Jahrgang.
Sonntag 26. Mai 1901
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Amtlicher Teil.
Gießen, den 24. Mai 1901. velr.: Pferdemusterung im Jahre 1901.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
a« die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Zur Beseitigung von Zweifeln weisen wir daraufhin, wie auch in unserem LuSschreiben vom 29. April l. IS. ausdrücklich hervorgehoben, daß, obwohl sich die Musterung der Fahrzeuge nur auf die Orte Gießen, Großen-Livden, Grün- berg, Hungen und Lich beschränkt, auch die Gr. Burger- «eistereteu der übrigen Gemeinden Verzeichnisse der vorhandenen Fahrzeuge aufzustellen uud dem militärischen Musteruugskom- »iffar im Termin zu übergeben haben.
TS sind nur solche Fahrzeuge in die Listen aufzunehmen, die den in der Anlage G zur Pferdeaushebungsvorschrift (Reg.-Blatt S. 541) gestellten Anforderungen entsprechen. Mit Bespannung werden die Fahrzeuge bei etwaiger Mobilmachung nicht gefordert.
I. B.: Dr. Wagner.
Bekanntmachung.
Der nächste Amtstag findet nicht Dienstag den 28. l. M., sondern Mittwoch bett 89. I. M. statt.
Gießen, den 24. Mai 1901.
Großherzogl. Steuerkommifsariat Gießen.
Dr. Metzler.
Bekanntmachung.
Droschkenbefitzer Peter Wagner in Gießen hat die Erlaubnis erhalten, eine Droschke mit der No. 5 nach Maß gäbe der Polizei-Verordnung für das Droschken-Fuhrwerk in der Provinzial-Hauptstadt Gießen vom 15. Oktober 1900 in Betrieb zu setzen.
Gießen, den 24. Mai 1901.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
____________________I. B.: Roth.___________________
Bekanntmachung.
Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird die Abhaltung des auf den 30. Mai d. IS. in Lenn anstehenden Viehmarktes an die Bedingungen geknüpft, welche durch meine den Markt in Leun betreffende Bekanntmachung in No. 42 deS Kreisblattes von 1901 veröffentlicht worden sind.
Der Auftrieb beginnt um 9 Uhr vormittags.
Aus der Provinz Oberheffen des GroßherzogtumS Hessen dürfen Rindvieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben werden.
Wetzlar, den 21. Mai 1901.
Der Königliche Landrat.
Bekanntmachung.
Betr.: Gesuch des Spinnereibefitzers Albert Godosar zu Lauter um Genehmigung zur Errichtung einer Dampfteffelanlage.
Der Spinnereibesitzer Albert Godosar beabsichtigt aus dem Grundstück Flur IV Nr. 162 der Gemarkung Lauter einen Dampfkeffel zu errichten. Pläne und Beschreibung
hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dieses iw Gießener Anzeiger an gerechnet, auf dem Bureau der Groß- herzoglichen Bürgermeisterei Lauter zur Einsicht der In- tereffenten offen.
Etwaige Einwendungen find binnen dieser Frist bei Meidung deS AuSschluffes bei Großh. Bürgermeisterei Lauter vorzubringeu.
Gießen, den 21. Mai 1901.
Großherzogliches Kreisamk Gießen, v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Betr.: Fohlenimport 1901.
Im Anschluß an die Bekanntmachungen in Nr. 2 und 3 deS BereinSorgaaS „Der Pferdezüchter- bringen wir hier- mit zur Kenntnis der Herren Jntereffenten, daß der Termin für die Bestellung auf Zuchtfohlen aus Belgien und Olden bürg bis zum 15. Juni d. I. einschließlich verlängert ist.
Etwaige Anmeldungen nach dem 15. Juni können keine Berücksichtigung mehr finden.
Für den Vorstand des LandeSpferdezucht-Vereins:
v. Westerweller.
Naegels.
Pfingsten.
Tas lieblichste der Feste ist ins Land gekommen, lieber lenzgeschmückte Thäler und Höhen ziehen Glockenklänge, das Maiengrün rauscht an den Pforten der Häuser, und durch die Welt weht der Geist der Freude, der Freiheit, des Friedens. Wahrlich, das Herz sehnt sich darnach^ einmal des Sorgendruckes, wie • ihn der Kamps ums Dasein mit sich bringt, ledig zu sein. Vielgestaltig, wie das Leben selbst, ist die Mühsal des Tages- Der quälende Zweifel läßt Frohsinu und Freude nicht ungetrübt zur Geltung kommen. So ist der Optimismus wohl ein seltener Gast am Tische des Lebens, des privaten wie des öffentlichen. Das Pfingstfest aber, an dem sich das tiefste Thal, die ärmste Trift mit Blumen schmücken, beut seinen lichten Zauber auch der bescheidensten Hütte, dem bängsten Herzen. Ter Strom sieghafter Freude, der heute die Natur durchi- ilutet, rauscht allen ohne Unterschied der sozialen Stellung, der Nationalität.
lind auch von der Freiheit bringt er Kunde. Freiheit! Tieses Wort lenkt den Blick mit zwingender Gewalt zum dunklen Erdteil hin, wo Männer einen beispiellosen Kampf um Haus und Herd kämpfen. In der That: Der Geist der Freiheit, der seinen Ursprung in Gott hat, lebt im Burenvolk und stärkt seine Widerstandsfähigkeit einem überlegenen Feinde gegenüber in geradezu wunderbarer Weise. Als im vorigen Jahre die Pfingstglockenklänge durch die Lande zogen, schien der Untergang der Buren besiegelt. Doch das Kriegsglück hat sich gewendet, der große Alliierte verläßt die gerechte Sache nicht, der Geist der Freiheit triumphiert über den Dämon schnöder Goldgier. Möchte dieser Geist, der rechte Geist der Pfingsten, jeden mit Mut und Zuversicht erfüllen, den widerwärtiges Geschick, unverschuldetes Unglück zu Boden zu drücken droht!
Und wie mit der Freiheit, so ist es mit dem Frieden, den uns das Fest des Lichtes und des Lebens kündet. Gar sehr bedarf die Welt dieses Friedens. Er ist des Kampfes besserer Teil. Von Oesterreich her ertönte erst in diesen Tagen aus kaiserlichem und staatsmännischem Munde unzweideutiger Friedensruf, und ähnliche Versicherungen kommen audji von anderen sehr bemerkenswerten Seiten. Nun scheint's auch am gelben Meere bald dem Kriegsgotte nicht mehr sonderlich behaglich zu sein. Es waren keine
besonders erhebenden Gefühle, die das deutsche Volk zur vorigen Sommerszeit beseelten, als es eine Anzahl seiner Söhne hinaussandte, zum fernen Osten, um vergossenes! deutsches Blut zu rächen. Der Chinafeldzug war nie hervorragend populär. 9hiu tränkt endlich) wenn auch z. Zt. noch! Halo verstohlen, der Friede, und die Seeligkeit, die teure Heimat, die lieben Angehörigen wiederznseheu, darf kühnlich ihren Platz behaupten neben all den bangen Gefühlen, die beim Ausbruch und Verlauf der wunderlichen Expedition in den Herzen wogten.
Hallt aber nicht auch daheim jeder Tag von Zank und Streit wieder? Glaubt nicht heute der, morgen jener sich übervorteilt, hintangesetzt? Wer baut die Brücke, die die immer tiefer gähnende soziale Kluft überspannt? Nur der Geist des Friedens vermag es, der Geist friedlicher Weltkultur. Er hat uns die ungewöhnliche Blüte jeglicher Kunst und Wissenschaft gebracht, der wir uns heute erfreuen. Kunst und Wissenschaft gehören zu den zuverlässigsten Friedensträgern. In diesem Sinne führt auch das deutsche Volk gleichsam ein Apostelamt. Was es verkündet in Wort und That in den weltveredelnden Werken des Friedens auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft, das ist nicht nur eine Selbstdarstellung eigener Herzens- und Geistesmacht, sondern! zugleich ein Bekenntnis zu den höchsten Gütern der Menschheit, Gesittung, Wahrheit, innerer Freiheit und innerer Schönheit. Kunst und Wissenschaft blühen in allen deutschen Landen, insbesondere auch in dem! unseren. Während sich die Kunstfreunde aller Welt rüsten zu einem Besuche der in ihrer Art bisher einzig dastehenden Ausstellung der Darmstädter Künstler-Kolonie, um dort in der Höhenluft neuzeitlicher Kunst sich zu erfrischen und zu erheben, schmückt sich unsere Stadt festlich, zur Begrüßung hochwillkommener und hochverehrter Gäste, der Teilnehmer an dem Kongreß der Gesellschaft deutschjer Gynäkologen und dem Verein zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichtes, denen wir nur wünschen können, daß es ihnen hier gefallen möge.
Wir freuen uns der Blüte geistigen Lebens in unseren^ deutschen Vaterlande, wir freuen uns voller Stolz, daß in der ragenden Höhe, auf der in deutschen Landen Kunst und Wissenschaft thronen, unser Anspruch befestigt liegt auf eine noch unerfüllte Weltmission, daß wir im Aufschauen zu jener Höhe das Recht des Glaubens empfinden, daß noch einmal am deutschen Wesen die Welt genesen werde.
Hegischer Kandtag.
Zweite Kammer der KILvde.
G. Darmstadt, 24. Mai.
Die Sitzung wird um halb 10 Uhr eröffnet. Am Ministertisch: .Finanzminister Gnauth und Ministerialrat Ewald. Vor Eintritt in die Tagesordnung giebt
Abg. Reinhardt eine Erklärung ab, zu der in der „Wormser Ztg." veröffentlichten Rede des Freiherrn von Hehl, gehalten in der Ersten Ständekammer am 28. März über die Verwendung von staatstreuen Arbeitern in Staatsbetrieben betr. und seine (R.'s) Stellung hierzu. Er stellt fest, daß sein Standpunkt in dieser Sache der gleiche gewesen sei wie der des Finanzministers Gnauth. Er legt vor dem ganzen Lande Verwahrung dagegen ein gegen die Unterstellung, als habe er mit den Sozialdemokraten ge- liebäugelt.
Präsident Haas dankt hierauf der Großh. Regierung für das freundliche Entgegenkommen bei dem gestrigen Ausflug in den Odenwald. Auch den Eisenbahnbehörden spricht der Präsident den Tank der Kammer aus.
Eine Regierungsvorlage auf Anstellung eines zweiten Veterinärarztes in Mainz und Bewilligung von 900 Mk. hierfür werden ohne Debatte genehmigt.
Feuilleton.
Zu unserer Breslauer Notiz über Ludwig Wüllner in Nr. 118 unseres Blattes wird uns von gut unterrichteter Seite geschrieben: „Als Wüllner kürzliche in Breslau den Tannhäuser sang, waren, wie Robert Ludwig in der „Schlesischen Zeitung" in seiner Besprechung der Aufführung erwähnt, schon lange vorher alle Billets vergriffen, das Haus war vollständig ausverkauft. Nach jedem Akt wurde W. drei- bis viermal begeiftert hervorgerufen. Derselbe Kritiker bemerkt: „Ncoch nie iah ich einen Darsteller, der den Tannhäuser mit )o viel Phantasie, mit so großer, verzehrender Leidenschaft verkörpert hat. Wüllner spielte nicht die Rolle, er durchlebte sie, imb zwar ijrit allen Fasern seines Seins." Weiterhin nennt er W.s Tannhäuser „eine ganz eigenartige, in ihrer gütigen Potenz unvergleichliche KinsHeistung, von der gewöhnliche Äeldentenöre gar viel lernen könnten". Tas Publikum in Seiner überwiegenden Mehrheit bedachte den Künstler, wie emch ein anderes Breslauer Blatt betont, „mit stürmischem Applaus", gerade so, wie dies neulich in Darmstadt geschehen ist, wo W. ebenfalls den Tannhäuser sang. Wäh- emb aber die Darmstädter Kritik einstimmig mit warmer Weaeisterung die glänzende Leistung W.s bewunderte, war die Behandlung, die ein Teil der zünftigen Breslauer Beurteiler dem Künstler angedeihen ließ, eine derartige, daß Weser mit Recht darüber entrüstet war. lieber den „Ko n i g Lear" den er dem Tannhäuser folgen ließ, schreibt der
„Bresl. Generalanz." am 15. Mai: „,Wer als Darsteller des König Lear, wie es gestern Dr. Wüllner gethan, die grandiose Malerei des Innenlebens mit künstlerischester Verteilung von Licht und Schatten, mit elementarer Ausdrucksfähigkeit nachzuschpsfen vermag, hat den schönsten Lorbeer verdient..... Wir nahmen die Gesamt-
Darstellung Wüllners als eine der hochwertigsten künstlerischen Gaden. — — — Tas bis auf den letzten Platz gefüllte Haus würdigte die treffliche Darstellung nach Verdienst und rief die Hauptdarsteller, insbesondere Herrn Dr. Wüllner, nach jedem Aktschluß vor den Vorhang." Aber die verständnislose Kritik, gegen die sich zahlreiche Stimmen aus dem Publikum erhoben, hatte beh Künstler so verstimmt, daß er, allein von sich aus, trotzdem das Haus wiederum ausverkauft war, und trotz den flehentlichsten Bitten des Direktors sich weigerte, den Manfred zu spielen, gerade diejenige seiner Rollen, an der auch Die Leute von der Zunft jetzt nicht mehr zu mäkeln wagen. — In der „Schles. Ztg.", die uns vorliegt, wendet sich eine Dame entrüstet gegen das Gebühren Der Breslauer Kritik und spricht den dringenden Wunsch aus, Wüllner möge danach nicht das Publikum beurteilen und sich nicht vom Wiederkommen abhälten lassen."
Soweit die Zuschrift an uns. Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir wenige Tage nach dem hiesigen Wüllner- Konzerte ein enthusiastisches Lob über den Wüllnerschen Tannhäuser aus Mainz veröffentlichten. Später fiel uns dann jene abfällige Breslauer Notiz in die Hände. Man sieht hieraus roieoer einmal, wie verschieden die Urteile selbst Kunstverständiger und Berufener in Dingen der Kunst
sind. Als der französische Dichter Victor Hugo Mitglied der Akademie wurde, da führte ihn der Akademiker Sal- vanbi) mit folgenden Worten in oen Kreis der 40 „Unsterblichen" ein: Voub avez introduit l'art scenique dar 8 notre ütterature (Sie haben die scenische Kunst in unsere Litte- ratur eingeführt). Tie Akademie, also die Elite dcs geistigen Frankreichs, wollte mit diesen Worten den Dichter preisen. Andere aber urteilten anders über Victor Hugo und sagten Salvandy nach, er habe sehr recht gehabt, von „arsenique“ (statt: art Bceniqae gleich scenische Kunst» Arsenik) bei Victor Hugo zu sprechen. Was die Einen für gesund und schön erachten, sehen andere als giftig und unschön an. Wie über die u. E. außerordentlich nützliche und schöne, von anderen arg verfehmte Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie, so wird auch einst über Wüllner die allen Haß und alle Liebe ausgleichende Geschichte das rechte Urteil fällen. T. Red.
Aus Frankfurta M. wird berichtet: „Unser Schauspiel-Personal erfährt als Eraebnis der in der letzten Zeit stattgehabten zahlreichen Gastspiele eine starke Auffrischung. Neu engagiert wurden die Herren Reimann, Pfeil unb Bohrhammer unb bie Damen Sangora und Rott- mann. Fräulein Marie Laue hat in ihren beiden weiteren Gastspielen Beweise einer starken unb vielseitigen Künstlerschaft gegeben unb wird wohl eine willkommene Bereicherung des Ensembles bilden. Wir würden sowohl^für ihr Engagement als für das des Fräulein Vilma Illing plaidieren, die als Francillon auf trat, xie Künstlerin ist ganz etwas anderes, als Fräulein Driesch, zu deren Ersatz


