Ausgabe 
26.2.1901 Zweites Blatt
 
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des Oranjeflusses, nahm eine Kanone, ein Panzergeschütz und 50 Gefangene, sowie einige Wagen. Die Buren zerstreuten sich. Plumer setzte die Verfolgung fort. De Wet soll in einem Boote mit einer Handvoll Leuten über den Fluß entkommen sein.

Pretoria, 25. Febr. Seit einer Woche sind strömende Regengüsse medergegangen. Die Flüsse, welche ausge­treten sind, finden raschen Fortschritt.

London, 25. Febr. Kirchen er telegraphiert aus Middel­burg vom 24. ds.: Plumer berichtet: Oberst Owen er­beutete gestern Dewets Fünfzehnpfünder, ein Pompom Geschütz, 50 Gefangene und einige Wagen. Die Engländer hatten keine Verluste. Der Feind ist in vollem Rückzug und wird heftig verfolgt Dewets Einfall in die Kolonie ist äugen scheinlich vollständig fehlgeschlagen. (?) General French meldet aus Pietretief vom 22.: Das Ergebnis der Be wegungen der das Land säubernden Kolonnen ist, daß die Buren zersplittert sind und in ungeordneten Trupps zurückgehen. Noch etwa 5000 Mann stehen vor der britischen Front. Amsterdam und Pietretief sind besetzt. French will weitergehen, wird aber durch ständige Regengüsse sehr auf gehalten. Die Gesamtverluste des Feindes bis zum 16. Fe ruar find, soweit bekannt: 282 im Kampf getötet und verwundet, 56 Kriegsgefangene, 183 ergaben sich; ein Fünfzehnpfünder, 462 Gewehre, 160000 Patronengürtel mit Kleingewehrpatronen, 3500 Pferde, 74 Maultiere, 3530 Zugochsen, 18 700 Stück Rindvieh, 155400 Schafe, 1070 Wagen und Karren wurden erbeutet. Die Engländer hatten fünf Offiziere, 41 Mann tot, 198 Mann verwundet

China.

Zur Frage der Bekleidung und Ausrüstung de« deutschen ostasiatischen Expeditionskorps veröffentlicht das Armeeverordnungsblatt" nachstehende, an das Kriegsministe- rium gerichtete Ordre:

Im Einvernehmen mit meinen Hohen Verbündeten, Ihren Majestäten den Königen von Sachsen und Württemberg und Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Luitpold, Regenten des Königreichs Bayern, bestimme ich, daß bet dem Ostasiattschen Expeditionskorps überall die Hoheitsabzeichen des Deutschen an-die Stelle derer der Etnzelstaaren treten. Auch soll der Ersatz an Be- kletdungs- und Ausrüstungsstücken für das ganze Expeditionskorps einheitlich nach den von mir bereits genehmigten neuen Proben und den anliegenden Bestimmungen erfolgen. DaS Kriegsmtntsterium hat hiernach das Wettere m veranlassen.

Homburg v. d H., den 9. Februar 1901. Wilhelm.

Dem in Oftrfieu stationierten Kreuzergeschwader hat |ber Kaiser als Schießpreis einen goldenen Aufsatz mit Der Bestimmung verliehen, daß der Preis stets bei Dem Kom Mandanten desjenigen Geschwaderschiffes Aufstellung finden soll, das bei der letzten Hebung im Artillerieschießen die besten Leistungen zu verzeichnen hat.

Generalfeldmarschall Graf Waldersee meldet unter dem 23. ds. Mts. morgens aus Peking: 1) Chinesischer Angriff auf Erkundungs-Abteilungen veranlaßte am 20. ds. bei Kuangtchang (100 Km. nordwestlich Paotingfu) Gefecht zwischen Kolonne Hofmeister und über 3000 Mann regu lärer Truppen. Diesseits 1 Mann tot, 2 schwer, 5 leicht verwundet. Chinesen verloren über 200 Mann und flohen nach Schansi. Fünf Fahnen ge­nommen. Beteiligt am Gefecht waren 1., 6. und 7. Kom pagnie 4. Regiments, 8. Kompagnie 3. Regiments. 1 Zug 1. Eskadron, 8. Gebirgsbatterie, 1 Zug 2. Pionierkompagnie. 2) 1. Kompagnie 3. Regiments und 2. Pionierkompagnie trafen bei Erkundung des Antsuling-Paffes westlich Paotingfu auf Widerstand und erstürmten Paß nach mehrstündigem Gefecht. 1 Pionier tot, 2 verwundet.

Eine Reuter-Meldung lautet: Mehrere Hundert kaiser liche Truppen griffen eine 50 Mann starke deutsche Ab teilung westlich von Paotingfu an. Die Deutschen wurden hart bedrängt, trieben aber schließlich die Chinesen zurück. Deutscherseits wurde einer getötet, 7 verwundet. Der chinesische Verlust wird auf 200 Tote und Verwundete geschätzt.

Der Gesandte der Vereinigten Staaten in Peking, (Songer, tritt auf seinen Wunsch sofort einen 60tägigen Urlaub an; er wünschte schon seit längerer Zeit nach Iowa zu reisen, doch bot sich bisher keine paffende Gelegenheit hierzu. Der Kommissar Rockhill hat Vollmacht, die Verhandlungen während der Abwesenheit des Gesandten fortzusetzen.

Sir Robert Hart richtete ein scharfes Protestschreiben an die fremden Gesandten gegen die geplante Aneig­nung der kaiserlichen Zollgebäude seitens einiger auswärtiger Gesandtschaften, namentlich der italienischen, welch letztere beabsichtigt, von Land Besitz zu nehmen, das Hart selbst gehört.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Febr. Der Kaiser hat der katholi­schen Gemeinde in Kro losch in als Beihilfe zu den Kosten für den Bau eines neuen Schulhauses einen Beitrag von 70000 Mark aus seinem Dispositionsfonds überweisen lassen.

Der Generaladjutant des Kaisers, General v. Werder, ist gestern abend nach Petersburg abgereist.

Ter General der Kavallerie, Generaladjutant Karl Graf von der Goltz, ist am Donnerstag in Nizza im 86. Jahre gestorben.

77 TerReichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Roten Udlerorden-s zweiter Klasse mit Eichenlaub und Schwertern an den Generalmajor v. Hoepfner, bisher Kommandeur^ der 3. ^stasiatischen Jnfanteriebrigade^ . ~ ,'^taatsanz." veröffentlicht eine BekanntmacMng

der Mrnlsterialbautommrslwn vom 28. Dezember vom 18 d Mts., welche bte Bedingungen für die Vergebung von Arbeiten und Lieferungen im Bereiche der Allgemeinen Bauverwaltung und der Staatseisenbahn- und Berae - Ver­waltung enthält.

Vom 1. April 1900 bis Januarschluß 1901 gelangten in Deutschland folgende Einnahmen, einschließlich kreditier­ten Beträge, zur Ausschreibung. Zölle 422 972 339 Mark, gegen Vorjahr plus 942391. Tabaksteuer 10 123 499, plus 188971. Zuckersteuer nebst Zuschlag 104 233 108, plus 91 .">48. Maisbottisch und Branntwein Materialstener 10821 068, plus

1 086 982. Verbrauchsabgabe von Branntwein nebst Zuschlag Zuschlag 112 221210, minus 980 013. Brennsteuer 1553 261, minus 202 452. Brausteur 27 480640, plus 804 433. Ueber- gangsabgebe von Bier 3 440 850, minus 1070. Summa 731 841 764, plus 12 277 081. Stempelsteuer für Wertpapiere 18 318 153, plus 2 991 920: für Kauf, sonstige Anschaffungs­geschäfte 11 747 456, minus 436 198; für Lose zu Privat­lotterien 3 546 305, minus 26 320; Staatsloterien 15163 386, Spielkartenstempel 1 320625, plus 33392; Wechselstempel­plus 2 821 231; Schiffsfrachturkunden 495 716, plus 495 716; steuer 10941978, plus 978 191; Post- und Telegraphen - Ver­waltung 332 542 465, plus 17 726 238; Reichseisenbahnver- lvaltung 75 799 000, plus 3 515 000.

Die Budgetkommission des Reichstags be­gann die Beratung des Etats der Zölle und Ver­brauchssteuern. Ter Referent Abg. Speck (Ztr.) äußerte Bedenken über die Höhe der Ansätze, Bedenken, die von dem Abg. Dr. Paasche (nl.) und dem Unterstaatssekretär Ascheuborn als berechtigt nicht anerkannt wurden. Auf die Frage des Abcs. Speck, ob beabsichtigt ist, in dem neuen Zolltarifgesetz die in der Budgetkommission im vorigen Jahre geäußerten Wünsche hinsichtlich der Steuerfreiheit der Schiffsbaumaterialien zum Ausdruck zu bringen, er­widerte Geheimrat v. Fischer, daß der Zolltarif zwar fertig sei, er über die einzelnen Sätze aber bestimmte Mitteilungen nicht machen könne. Auf eine fernere Anfrage des Abg. Speck bezüglich des neuen Mühlenregulativs erklärt Ge­heimrat v. Fischer, daß derselbe insoweit seinen Zweck voll erfüllt habe, als die feineren Mehle mehr zur Ausfuhr gelangt seien, während die geringeren im Jnlande zu­rückblieben. In dem neuen Zolltarif habe man sich be­müht, die kleineren Mängel nach allen Richtungen hin zu beseitigen. Sodann wünscht Abg. Speck die Vorbildung des Zollabfertigungsbeamten in allen Bundesstaaten auf gleichen Anforderungen begründet zu sehen. Zum Titel T a b a k st e u e r" bringt Abg. Dr. Müller-Sagan Wünsche der Tabakbauern vor, die auf die schweren Rippen des deutschen Tabaks gegenüber dem Auslandstabak eine Rückvergütungg des Zolles zu erhalten wünschen. Abg. Bassermann tritt den Ausführungen des Vorredners bei. Die Rippen können gar nicht mehr verwendet werden, weil der Konsum des Rauchtabaks soweit zurückgegangen sei, daß der Verbrauch der Auslandsrippen genügt. Ge­heimrat Raeschnick weist darauf hin, daß diese Sache nur gesetzlich geändert werden könne. Die Erfüllung dieses Wunsches bedeute einen Rückgang der Tabaksteuer und dafür seien die verbündeten Regierungen nicht zu haben. Beim TitelZuckersteuer" fragt Speck an, ob in dieser Session noch ein Saecharingesetz an das Haus kommen werde. Staatssekretär Frhr. v. Thielmann erklärt, das Saecharingesetz werde in allernächster Zeit dem Bundes­rat zugehen, lieber das fernere Schicksal könne er aller­dings bestimmte Erklärungen nicht geben.

In der Bndgetkommission des preußischen Land­tags wurde das Kapitel Universitäten erledigt, wo­bei berichtet wurde, daß bisher amtlicherseits die Er­weiterung der Akademie in M ü n st e r durch Anglieder-, ung einer russischen Fakultät nicht in Aussicht genommen sei.

München, 23. Febr. Das Verordnungsblatt des Kriegsministeriums veröffentlicht eine König!. Verfügung, nach der vom 1. Oktober d. Js. ab eine Neuorganisa­tion der bayerischen Feldartillerie-Regimenter dahin ein­tritt, daß 6 Feldartilleriebrigaden, statt bisher 3, mit 12 Artillerie-Regimentern, statt bisher 8, errichtet werden.

Ausland.

London, 24. Febr. Die AachtViktoria and Albert" hat heute früh 6 Uhr mit dem König Eduard an Bord die Reise nach Vlissingen angetreten.

Durch eine heute erschienene königliche Verordnung wird die Bildung eines neuen Regiments vorgesehen, das den NamenRoyal Gaicon-Regiment" führen und in den englischen Besitzungen im Mittelmeer Dienst thun soll. Das Regiment wird aus Soldaten bestehen, die nach Ablauf ihrer Dienstzeit sich aufs neue anwerben lassen.

P a r i s, 23. Febr. .Wie mehreren Blättern aus Laghouat in Südalgerien gemeldet wird, wurde am 8. Februar die von 160 französischen Soldaten besetzte Ortschaft Ti- m i m u m von etwa 1000 Angehörigen des Barabosstammes angegriffen. Nach einem blutigen Kampfe zogen sich die Barabos, die 100 Tote und über 100 Verwundete hatten, zurück. Auf französischer Seite wurden 9, darunter 3 Offi­ziere, getötet, 21 verwundet.

Madrid, 24. Febr. TerLiberal" veröffentlicht ein Telegramm aus Oporto, welches meldet, daß eine Volks­menge die Fenster des Hauses der katholischen Zeitung Palavra" mit Steinen einwarf. Die Polizei wurde schließ­lich zum Einschreiten gezwungen. Tie Häuser der geistlichen Gesellschaften werden durch die Polizei bewacht.

Wien, 23. Febr. Die heutige Sitzung des Abgeord­netenhauses wurde ausgefüllt durch Lärmszenen und eine Geheimsitzung. Die Deutschradikalen Eisenkolb und Stein hatten eine Interpellation eingebracht, worin einige das Verhältnis zwischen den Ehegatten behandelnde Beicht­fragen aus Der Moraltheologie des Alfonso von Liguori zitiert wurden. Das Präsidium hatte gestern diese Inter­pellation ohne Zensur zugelassen, so daß die Stellen bereits im stenographischen Protokoll gedruckt sind. Nach langen Verhandlungen zwischen den Radikalen und den Kleri­kalen willigten heute vor Beginn der Sitzung die Deutsch- radikalen ein, die Interpellation zurückzuziehen, unter der Feststellung, daß es sich um Zitate handle. Als jedoch der Präsident die Sitzung mit einer entsprechenden Er­klärung begann, veranlaßte Wolf sogleich einen Tumult, indem er laut ausrief: Ich konstatiere hier vor der ganzen Oeffentlichkeit: Es ist wahr, daß das in der Moraltheologie des heiligen Liguorius steht. Solche Fragen werden an Frauen und Mädchen unserer deutschen Bauern im Beicht­stuhl gerichtet! Der Zentrumsobmann Kathrein ruft laut dagegen: Ich protestiere im Namen meines ganzen Klubs gegen diese abscheuliche Verdächtigung. Es ist in keiner Weise richtig, daß diese Interpellation eine genaue oder nur annähernd richtige Uebersetzung der Moraltheologie des heiligen Alfonso von Liguori enthalte. Ich muß im Warnen Der katholischen Kirche entschieden Dagegen pro­testieren. Wolf macht Gegenrufe. Beiderseits stürmischer Lärm und unflätige Schimpfworte. Wolf brüllt unablässig: Los von Rom! Tas Zentrum, die Christlichsozialen und die Polen klatschen Kathrein Beifall und wüten gegen Wolf. Ter Präsident ordnet eine Geheimsitzung an, in der die

Tumulte sich wiederholen. Wolf ruft von der Präsiden ten- bühne brüllend: Los von Rom! in den Saal. Der Pole Graf Komorowski will ihn herunterreißen. Tie langdauernde Verlesung der Liguori-Zitate wird beiderseits mit wilden Ausrufen begleitet, bis die Polen und die Klerikalen unter Protest den Saal verlassen. Nach der Verlesung sprechen viele Redner. Ter Teutschradikale Eisenkolb erklärt, man müsse die katholische Kirche auf ihr religiöses Gebiet zurück­drängen, wozu auch die Tschechen helfen sollten. Alles liebel komme von Rom. Stürmische Protestrufe und Schimpf­worte der- Christlichsozialen folgen. Schließlich wird die Interpellation Eisenkolb aus dem Protokoll gestrichen. Jedoch bleibt im Protokoll eine Interpellation Schönerer, die eine Zusammenstellung von Unsittlichkeitsakten katho­lischer Geistlichen in Tabellenform enthält.

Budapest, 23. Febr. Abgeordnetenhaus. Unterrichtsminister v. Wlässics erklärt auf eine Bemerkung des klerikalen Abg. Rakowsky bezüglich Anbringung von Kreuzen in den Hörsälen der Universität, daß eine dahingehende Petition einer Anzahl von Univer­sitätshörern durch den Senat abgewiesen worden sei. Er, der Minister, sei mit dieser Entscheidung vollständig einver­standen, da die Anbringung von Kreuzen in den Hör­sälen den geheimen Zweck verfolge, den katholischen Cha­rakter der Universität zum Ausdruck zu bringen, während der staatliche Charakter der Universität von allen seinen Vorgängern gegenüber dem Einspruch der Bischöfe auf das Entschiedenste verfochten und aufrechterhalten worden j#i- (Stürmischer Beifall rechts.) Tie Anbringung eines Kreuzes int Hörsaal habe mit der Ehrfurcht vor dem Kreuze, die alle bekennen, gar nichts zu schaffen. Man habe ver­sucht, das heilige Symbol zu parteipolitischen Zwecken aus­zunützen. Der Minister bittet, die akademische Jugend durch konfessionelle Agitation nicht aufzuhetzen. Ein solches Unter­fangen diene nicht zum Wohle des Landes, nicht zur Förderung wahrer Religiösität. Nicht jeder, welcher Der katholischen Volkspartei nicht angehöre, sei deswegen ein schlechter Christ. (Neuer stürmischer Beifall auf allen Bänken mit Ausnahme der katholischen Volkspartei.)

Petersburg, 23. Febr. DieRufs. Telegr.-Agentur" meldet: Wie wir aus vollkommen vertrauensvoller Quelle erfahren, enthalten die Grundsätze des Artikels, den die Handels- und Industrie-Zeitung" unter dem TitelOb sich Rußland zu den Handelsverträgen vorbereitet" veröffentlichte, die Ansichten des russischen Finanzmini steriums.

Washington, 23. Febr. Im Repräsentantenhause brachte der Republikaner Mann einen Gesetzentwurf ein, nach dem der Abschnitt der Tarifakte aufgehoben wird, durch den der Präsident ermächtigt ist, den gezahlten Prämien gleichkommende Zuschlagszölle auf solche eingeführte Waren zu legen, für welche eine Ausfuhrprämie ge­zahlt ist. Präsident Mc Kinley hat den Senat zu einer besonderen Tagung unmittelbar nach Auflösung des gegen­wärtigen Kongresses am 4. März einberufen zur Erledigung von Angelegenheiten der Exekutive.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 25. Februar 1901.

** Jubiläum. Am 13. Februar waren 25 Jahre ver« floffen, settDem Der 1. Maschinenmeister der BrÜhl'scheu Druckerei, Herr Alwin Andreas, in dieselbe eingetteten ist. Am Samstagabend fand sich das gesamte Personal der BrÜhl'scheu Druckerei zusammen, um dtese seltene Feier zu begehen. Herr Andreas ist nicht der älteste Mitarbeiter der Brühl'schen Druckerei. Der älteste ist der Stereotypeur und Galvanoplastiker Herr Georg Hoß, der zweitälteste in der Druckerei ist der Schriftsetzer Herr Theodor LooS. Beide werden noch im Laufe dieses Sommers ihr 30jährigeS Dienst- jubiläum in der BrÜhl'scheu Druckerei feiern.

P. Vom Wetter. Innerhalb zweier Tage ein Tempe­raturunterschied von 25 Grad Celsius, wer hätte das gedacht! Vorgestern noch hoher Schnee, die Straßen in ein weißes Kleid gehüllt, und heute welch ein Schlammfeld in unserer Stadt! Mit hoch gehobenen Kleidern, umgeschlagenen Hosen watet man durch den Schneeschlamm. Wir haben Tauwetter, von den Dächern strömt es, dazu rieselt ein feiner Regen oom wolkenbedeckten Himmel. Hoffentlich werden durch eine gründliche Reinigung Gießens Straßen wieder sauber werden.

* Theater-Verein. Die auf Freitag festgesetzte Vor­stellung wird wegen Verhinderung der Gäste bis auf weiteres vertagt.

* Aus dem Bureau des Stadttheaters wird geschrieben: Diesmal heißt Blumenthals Mitverfasser Bernstein, und sie schrieben zusammen Den prächtigenMathias Bollinger." Wir werden ihn morgen abend sicher sehr zahlreich kennen lernen, denn unsere beliebte Naive, Frl. Henny Wohl- brück hat diese Neuheit zu ihrem Benefizstück erwählt. Die gemütliche Münchener Bierstuben-Philosophie kämpft da eine» halb lustigen, halb ernsten Kampf gegen den praktischen Sinu Berliner Großindustrieller, bis die Liebe, die die verehrte Benefiziantin repräsentiert, zum alles versöhnenden Schluß kommt. DaS Stück, reich an humorvollen Szenen, gefiel allerorts sehr, und reiht sich jedenfalls würdig den Neuheite» Der letzten Jahre an. Aber ein morgiges volles HauS Dürften wir vor allem der allseitigen Beliebtheit des Frl. Wohlbrück zuschreiben."

** Die Aufführung der Jshauuespasfion von Heinrich Schütz muß aus oerschledeuen Gründen auf den 10. März verschoben werden. Als Solisten sind die Herren August Leim er (Bariton) und Richard Fischer (Tenor) aus Frank­furt a. M., sowie Rechtsanwalt Dr. Spohr von hier ge­wonnen. Diese Namen bürgen dafür, daß das Werk eine würdige Wiedergabe finden wird.

-o- Buren Versammlung. Es wird, um verschiedentlich aufgetretene Zweifel zu beseitigen, hier nochmals betont, daß zu der heute Abend ya9 Uhr stattfindenden Versammlung auch die Eintrittskarten zu 50 Pfg. für einen (un- nummerierten) Sitzplatz berechtigen. Sollte jedoch »ach Be­setzung sämtlicher vorgesehenen Plätze noch Raum vorhanden sein zur Unterbringung von Tischen und Stühlen, so wird auch noch insoweit (allerdings ohne Gewähr) Ernlaß gewährt werden. Nach einer gestern abend bet der hiesigen OrtS> gruppe des Alldeutschen Verbandes eingegangenen Draht-

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