Nr. 303 Drittes Blatt.
151. Jahrgang.
Mittwoch 25. Dezember 1901
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen
tF T KF zeigenteil: Hans Beck.
Christentum und Kultur.
»Eine Weihnachtsbetrachtung.
Das Fest der Liebe ist ins Land gekommen, mit Tannen- dnft und Kerzenschimmer, mit dem unvergleichlichen Zauber seiner die Erinnerung und die Hoffnung zu sanfter Harmonie vereinenden Wendstimmung. In winterlichem Dunkel liegt die Welt, erstorben scheint das Leben der Natur — in solche Zeit mußte der Glanz der Heilsbotschaft fallen, der die Ueberwindung des Todes durch die Liebe kündende Strahl des Sternes von Bethlehem.
Es ist immer interessant, zu verfolgen, wie ein geistreicher Mann sich zu dem Mystischen des Weihnachtsevange- ltums stellt. Der geniale Philosoph von Weimar, Friedrich Nietzsche, sah noch nicht das nahende Ersterben seines Geistes, als er, die erstarrte Natur eisigen Winters um sich, dem Christentum seinen Handschuh entgegenzuwerfen sich erkühnte. Der Philosoph erblickte in dem Christentum eine Macht, die nie schaffend, sondern immer nur zerstörend aufgetreten ift|. und faßt in den Schlußparagraphen seiner Streitschrift die geschichtlichen Beweise für seine Auffassung dahin zusammen: das Christentum hat uns um die ganze Arbeit der antiken Kultur gebracht': das Christentum hat uns um die Ernte der Kultur des Islam gebracht; die besondere Form des Christentums, die in der deutschen Reformation Gestalt gewonnen hat, hat uns schließlich auch um die Ernte der Kultirr gebracht, welche die italienische Renaissance geschaffen hat.
Es bedarf in der That nur einer kurzen Ueberlegung, um zu erkennen, daß diese Sätze nicht das Ergebnis einer unbefangenen geschichtlichen Betrachtung, sondern das Erzeugnis eines kranken Geistes sind, der unaufhaltsam seiner völligen Zerrüttung entgegeneilte. Das Altertum har eine Kultur hervorgebracht, vor der wir noch heute bewundernd stehen, aber das Wtertum war nicht im stände, eine Staatsform hervorzubringen, die dieser Kultur auf die Dauer ein schützendes Dach zu gewähren vermochte. An seiner inneren Haltlosigkeit ging der Bau des rörnischen Kaiserreiches zu Grunde und erlag dem Ansturm der Barbaren. Es würde unter seinen Trümmern die gesamte antike Kultur für immer begraben haben, wenn nicht christliche Mönche die geistigen Schätze des Altertums in eine Zeit hinüber gerettet hätten, die wiederum im stände war, diese Schätze zu verstehen und zu pflegen. Der Islam hat für eine kurze Zeit und auf einem beschränkten Raum eine Blüte der Kultur hervorgebracht, aber er war außer stände, diese Blüte zu erhalten und zu pflegen.
Italien ist bis auf den heutigen Dag von dem protestantischen Deutschland völlig unabhängig geblieben und dennoch hat die Kultur, die dort in den Zeiten der Renaissance begründet wurde, keine neuen Sprößlinge treiben können. Dagegen hat die italienische Renaissance, als sie auf deutschen Boden verpflanzt wurde, neue Triebe hervorgebracht in Dürer und in den Humanisten, und wenigstens ein volles Jahrhundert hindurch haben alle führenden Geister der Deutschen dem protestantischen Bekenntnis angehört, bis etwa um den Beginn dieses Jahrhunderts auch der Katholizismus in Deutschland wieder neue Kraft gewann. Eine willkürlichere Geschichtsklitterung als die Nietzsches ist niemals ersonnen worden.
Christentum und Kultur sind nicht Mächte, die einander
feindlich gegenüberstehen, sondern sie gehen Hand in Hand miteinander. Seitdem das Christentum auf Erden eine Macht geworden ist, sind die Völker, die ihm anhangen, ununterbrochen fortgeschritten auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Kunst und Staatsbildung. Auf dem Gebiete der Musik und der Malerei hat die Kunst, unmittelbar von religiösen Antrieben bewegt, die Leistungen des Altertums tief in den Schatten gestellt.
Christentum und Kulturentwickelung werden auch in Zukunft Hand in Hand gehen. Tas Christentum hat nicht allein die Fähigkeit, jeden Fortschritt, den die Kultur macht, in sich aufzunehmen, sondern es ist dazu berufen. Jeder Angriff auf einen Kulturfortschritt schließt eine Feindseligkeit gegen das Christentum in sich. Es ist müßig, der Wissenschaft zu gebieten, stillzustehen oder gar umzukehren, damit sie mit den Lehren des Christentums nicht zusammenstoße; es ist ein Nonsens, dem wahren Künstler seine Wege zu verschränken, weil er auf den Wegen, die er eingeschlagen hat, das Christentum verletze. Die Wissenschaft hat ein Recht dazu, die.Wege zu gehen, die der Forschungstrieb ihr vorschreibt. Ob sie als Naturwissenschaft uns neue Aufschlüsse über die Entstehung der Arien gebe, ob sie als Geschichtswissenschaft in die Kämpfe und Gewissenszweifel des apostolischen Zeitalters eindringe, die Religion kann ihr freilich keine Hilfe gewähren, aber sie kann ihr ebensowenig ein Hindernis in den Weg legen.
Die Geschichte des Christentums ist eine Geschichte stets fortschreitender Entwickelung. Die Lehren, die es giebt, können und müssen stets tiefer erkannt und stets reiner dar- gestellt werden. Die Gewißheit, daß er berufen ist, wissenschaftlich forschend, künstlerisch bildend, wirtschaftlich handelnd immer weiter und weiter fortzuschreiten, giebt auch unserem sittlichen Sein dasjenige Selbstbewußtsein, das zusammenfällt mit echt religiöser Stimmung. Das Christentum hat sich in achtzehnhundert Jahren nicht in tote Formen bannen lassen; es wird auch in Zukunft solchen Versuchen widerstehen. Es wird eine lebendige Macht bleiben, da jedes geistige und sittliche Streben des Menschen fundiert und aus diesem Streben für sich selbst neue Kraft gewinnt.
Dessen wollen wir uns vor allen Dingen am heiligen Weihnachtsfeste erinnern, an dem der Heiland des Christentums der Welt kam.
Aus Stadt und Sand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, den 24. Dezember 1901.
'* Vortragskurse für praktische Landwirte in Gießen. Als Vortragender für den Vortragskurs, der vom 7. bis 10. Januar vom hessischen Landwirtschaftsrat veranstaltet wird, ist nunmehr auch der Reichstagsabgeordnete Geheimerat Professor Dr. Paa sch e aus Charlottenburg gewonnen. Er wird über folgende Themata referieren: „1. Die Bedeutung und Zukunft der ausländischen Getreidetönkurrenz und 2. Die Bedeutung der Reform der Spiritusste^er für die deutsche Landwirtschaft." Der Kurs findet in der Turnhalle des Turnvereins hier statt. Es sind bereits ca. 80 Dauerkarten ausgegeben.
** Der Männerturnverein hält am zweiten Weihnachts
feiertage in Steins Garten seine Weihnachtsfeier, verbunden mit Verlosung, ab. Das für diese Feier aufgestellte Progranun verspricht einen hübschen Verlauf. Den Teilnehmern dürften wiederum einige gemißreiche Stunden in Aussicht stehen.
W. Reichelsheim, 23. Dez. Gestern lunrbc hier die Generalversammlung unserer Molkereigenossenschaft abgehalten. Es wurde ein anderer Auszahlungsmodus für die gelieferte Milch beschlossen. Die Grundtaxe für das Liter Milch beträgt bei einem Mindestfettgehalt von 2,60 Prozent vom 1. Januar 1902 nämlich 3 Pfg., für jedes Prozent Fettgehalt werden noch 2 Pfg. mehr gezahlt. Milch, die den angegebenen Mindestfettgehalt nicht hat, wird zur Untersuchung abgeliefert. Man hat diesen Zahlungsmodus angenommen, weil man das weitere Anschwellen des genügend hohen Reservefonds, dem gesetzlich l/10 des Reingewinnes zugeschrieben werden muß, vermeiden will. In den Vorstand wurde Bürgermeister Stoll von Heuchelheim für den früheren dortigen Bürgermeister Krug, der seine Oekonomic abgegeben hat, gewählt. An seine Stelle trat in den Aufsichtsrat Landwirt Weitz von da. Die übrigen satzungsmäßig ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglieder wurden wiedergewählt. Sämtliche Wahlen wurden durch Akklamation vollzogen.
X Burkhards, 22. Dez. Gestern wollte der' hiesige Gastwirt R., der, von seinem Hunde begleitet, nach Gedern eine Fußwanderung unternommen hatte, auf dieselbe Weise zurücktehren. Unterwegs scheint er von: Wege abgetömmen zu sein, blieb im Schnee liegen und schlief ein. Heute morgen fand zufällig ein hiesiger Bürger den halb Erstarrten schlafend, seinen treuen Hund zur Seite. Die Angehörigen brachten den Verunglückten nach Hause und riefen sofort einen Gedener Arzt zu Hilfe. _____________________________________________________
Spielplan der vereinigten Frankfurter Ztadtthcater. Opernhaus.
Donnerstag den 26. Dezember, nachmittags 3'/, Uhr: Aschenbrödel ob. Der gläserne Pantoffel. Abends*): Das Streichholzmädel. Hieraus: Feuersnot. — Freitag den 27. Dezember, nachmittags 3*/2 Uhr: Aschenbrödel oder Der gläserne Pantoffel. — Samstag den 28. Dezember, nachmittags 3'/? Uhr: AschenbrödA oder Ter gläserne Pantoffel. Abends: Die Hugenotten. — Sonntag den 29. Dezember, nachmittags 31 r Uhr: Aschenbrödel oder Der gläserne Pantoffel. Abends: Das Streichholzmädel. Hierauf: Der polnische Jude. _____
Schauspielhaus.
Donnerstag den 26. Dezember, nachmittags 3*/r Uhr: Hosgunst. Abends: Der böse Geist Lumpaei Vagabundus. — Freitag den 27. Dezember: Wallensteins Lager und die Piccolomini. — Samstag den 28. Dezember, nachmittags 3'/a Uhr: Hosgunst. Abends: Das große Licht. — Sonntag den 29. Dezember, nachmittags 3Va Uhr: Im weißen Rößl. Abends: Das große Licht.
*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
Schiffsmichuchlen.
Ter Postdampstr „Nederland" der Red Star Line, in Antwerpen, ist laut Telegramm am 20. Tezembcr wohlbehalten in Philadelphia angekommen.
Der ästhetische Henuß
von Prof. K. Groos.
Schluß.
Das dritte Kapitel behandelt die „reproduktiven Faktoren", und zwar sind es nunmehr die geistigen im Gegensatz zu den unter den sinnlichen Faktoren genannten reproduktiven Organempfindungen. Ter Verfasser meint zwar, mit der „einfachen Sonderung sinnlicher und geistiger Faktoren sei es nicht gethan, weil die allgemeinpsychologischen Begrifse das ästhetische Erlebnis in anderen Schnitten zur Darstellung bringen." Thatsächlich aber ist diese Scheidung im ganzen Werke leicht genug zu erkennen, auch wenn die Ueberschriften der Kapitel nur der einen Seite, den „sinnlichen" Faktoren ihr Recht widerfahren lassen. Es ist die gleiche Scheidung, die Fechner macht, wenn er dem direkten (sinnlichen) Faktor den tttdirekten (assoziativen) entgegengestellt. Wie jener so wird auch dieser bei Groos weiter- entwickelt. Der offenbar viel zu weite Ausdruck Fechners wird in der nötigen Weise präzisiert. In der Meinungsverschiedenheit zwischen Groos und Lipps, ob man Verwachsungen von Assoziationen unterscheiden müsse oder nicht, können wir hier nicht Stellung nehmen. Ganz sicher aber ist, daß mit dem Ausdruck „Assoziationen" noch herzlich wenig über den geistigen Gehalt eines Kunstwerks gesagr ist. Können sie doch ebenso gut zerstreuen oder geradezu stören, wie förderlich sein. Vor einer Ueberschätzung Fechners, wie sie z. B. der „Kunstwart" beliebt, muß im Interesse scharfer Begriffsbestimmungen daher wohl etwas gewarnt werden. „Der reproduktive Faktor muß mit dem zugehörigen direkten Faktpr eine Einheit bilden." Und wie eine solche Einheit in organischer Weise zu stände kommen könne, gerade das ist die von Fechner noch nicht beachtete Frage. Gewiß tonnen auch zufällige Assoziationen den Genuß u. a. erhöhen. Aber das ist ein Umweg, den man nicht jedem vorschreiben kann, weil jedes Individuum mit anderen Erfahrungskreisen an ein Kunstwerk herantritt. Es giebt nur ein Erfahrungsgebiet, in welchem unbedingt alle dem Wesen der Sache nach übereinstimmen: das ist die eigentümliche Art, wie sich ein inneres seelisches Leben in unserer äußerlichen körperlichen Existenz zum Ausdruck bringt. In analoger Weise nun kann auch ein Kunstwerk als äußere Erscheinungsweise emes seelischen Inhaltes betrachtet werden. Es wird dies häufig als „sym
bolisch" bezeichnet, wofür Groos lieber von „ästhetischer Personifikation" spricht, weil der Ausdruck „Symbol" thatsächlich vieldeutig ist. Er könnte z. B. auch Darstellung eines Allgemeinen durch ein Einzelnes bedeuten, womit das Wesen der; Kunst natürlich nicht genügend bezeichnet wäre. Gegenüber denjenigen aber, welche in jener Personifizierung ober Symbolisierung das ganze Wesen der Kunst begriffen glauben, wie etwa Siebeck, Volkeli u. a. glaubt Groos die „innere Nachahmung" noch als selbständigen zweiten Hauptfaktor neben jene stellen zu müssen, und widmet ihr daher noch ein besonderes, das fünfte Kapitel. Diese Trennung will uns jedoch unmöglich scheinen. Groos selbst sagt am Schlüsse seines Buches: „Beides, Personifikation und Miterleben ist im intensiven Genuß gewöhnlich eng verbunden; betrachtet man aber die Fälle, wo ein Leihen ohne Miterleben stattfindet, so wird man erkennen, daß erst im Spiel der innern Nachahmung das Innerlichste und Köstlichste des ganzen ästhetischen Verhaltens erschlossen ist." Dagegen müssen wir fragen, wie sollte es denn möglich sein, einem Gegenstände Gefühle zu leihen, wenn man diese nicht selbst hat? Wenn man sie aber selbst hat, wodurch unterscheidet sich denn ein solches Fühlen etwa noch vom inneren Nacherleben? Wenn Ausdrücke wie „ästhetische Personifikation" ober „Symbol" oder „Auffassung nach Analogie der erscheinenden Persönlichkeit" nicht genügen, so mag das „innere Nacherleben" dafür setzen. Und im Hinblick aus den ästhetisch Genießenden, Empfangenden scheinr das in der That höchst empfehlenswert.
Tas Hauptverdienst des Buches von Groos aber möchten wir darin sehen, daß es in die feinen Zusammenhänge zwischen den körperlichkn und geistigen im ästhetischen Spiele sich betätigenden Kräfte so tiefe Einblicke gewährt, wie kein andres. Hier werden die Früchte der früheren Arbeit an den Aufgaben der „genetischen Aesthetit" geerntet. Wie bedeutsam diese Untersuchungen für die Aesthetik sind, lehrt vor allem das siebente Kapitel, nach welchem die Wirkungen der Kunst nun nicht mehr in vorübergehender: Erhebungen zu einem Wölkenkuckucksheim, nicht mehr in interesselosem,, b. i. lebensarmen Wohlgefallen bestehen, sondern bircfi aus dem Trieb- mib Willensleben der Menschheit hervor- gehen und in dieses auch wieder hineinwirken. 2er ästhetische Genuß dient zur Erhaltung und Förderung der individuelllen wie der sozialen Lebensfähigkeit.
Das sechste Kapitel beschäftigt sich in sehr einbringender Weise mit dem Problem der ästhetischen Illusion. Es handelt sich dabei um die Schwierigkeit, welche Grillparzer in der Bemerkung ausspricht: „Ter Zuschauer muß hingerissen werden, er muß, was er sieht, in einem gewissen Grade für wahr halten . . . aber seinen Zustand muß ein dunkles (ich hätte bald gesagt bewußtloses) Bewußtsein begleiten, denn wo bliebe sonst das Vergnügen an tragischen Begebenheiten und die Idee der Kunst."
Auf ein völlig selbständiges Gebiet führt uns bas vierte Kapitel über das ästhetische Urteil. Ter Verfasser möchte hier zwischen W e r t h a l t u n g e n und Werturteilen unterscheiden. Ter Unterschied ist aber doch wohl kein anderer, als daß ersteres die wertenden Gefühle, Lust oder Unlust sind (beim Wertung unb Gefühl muß man wohl gleichsetzen) während letzteres der Ausdruck jenes Gffühls- thatbeslanbes in Worten ist. Gewiß können »vir bann eine Stufenfolge von ästhetischen Wertungen konstatieren, bie uns eben eine genetische Aesthetik leimen lehrt, von ben Wertungen an, wie sie bas primitive Gefühlsleben des Kinbes vernimmt, bis zu denen, welche im fein bisf^renzierten Fühlen bes geistig völlig ausgereiften Kulturmenschen liegen. Nicht genügenb hervorgehobcn scheinen mir in diesem Kapitel zwei P-imtte von durchgreifender Wichtigkeit. Nämlich einmal der, daß uns diese Stufenordnung der Wertungen doch nie zu einem absoluten ästhetischer: Maßstabe führen kann. Denn welcher Mensch steht schließlich auf dem Givselpunlte der Kultur? Ter Katholik wird einen Katholiken, oer Philosoph einen Philosophen dort oben suchen und dementsprechend seine Forderungen formulieren. Und der zweite Punkt ist der, baß auch unsere sittlichen Maßstäbe keine absoluten finb. Auch auf diesem Gebiete giebt es eine Entwicklung. Wer hat da nun Recht, der Monarchist oder der Demokrat, jener, der im „Si pli-, Fimus" heilige sittliche Gefühle verletzt findet, ober dü>.r, der in ihm ben luftigen Vorkämpfer der sittlichen Freiheit sieht? Wir möchten mit zwei Bemerkungen bes Verfasser di se Betrachtung schließen: Nämlich einmal, baß die c.gene Bewertung stets die Grundlage des Postulierens bildet. Sodann, daß diese Beivert- ungen schließlich von der gesamten Weltauffassuna eines Individuums, vor allem auch von deren metap. fischen Bestandteilen abhängig sind. S.


