Nr. 351 Zweites Blatt.
151. Jahrgang.
Freitag 35* Oktober 1901
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Politische Tagesschau.
Dr. Müller-Sagan und Herr v. Tirpih.
Ter Streit dauert fort, ob der Marinestaatssekre'tär v. Tirpitz die ihm vom Abg. Müller-Sagan (freis. Volksp.) zugeschriebene Aeußcrung gcthan hat, bezüglich des Zu- sammenhangs zwischen Flottenvermehrung und Freihandel. Herr v. Tirpitz hat persönlich zur Sache noch nicht Stellung genommen; die „genaueste Information", auf Grund deren die „Post" versicherte, der Staatssekretär habe die Aeußer- ung nicht gethan, dürfte aber aus dem Reichsmarineamt herrühren. Nun erscheint Dr. Müller-Sagan aus dem Plane und konstatiert, daß am 25. Oktober 1899 zwischen vormittags 10 Uhr und 2 Uhr nachmittags Herr v. Tirpitz wiederholt und nachdrücklich ihm gegenüber betont habe, daß jeder neue Panzer und jeder neue Kreuzer ein neues, Schwergewicht bedeute in der Wagschale zu Gunsten des Freihandels. Die Zeitangaben sind allerdings überaus präzise, und vermutlich hat Dr. Müller mit Hamlet gesagt: „Schreibtafel her! Ich muß mir's niedcrschreiben". Immerhin kommt doch noch einiges auf den Zusammenhang an, in dem die angebliche Aeußerung gefallen ist, aus den Ton, in dem sie gesprochen wurde. Wie soll sich das alles nach Verlauf von zwei Jahren feststellen lassen? Wir bekennen, daß wir kerne Freunde derartiger „Ausgrabungen" sind. Vollends rätselhaft wird die Sache durch die Hinzufügung Müllers, die Darlegung sei nicht vertraulich geschehen, sondern in der ausgesprochnen Ab- sicht, zur Kenntnis der politischen Freunde des Herrn Abgeordneten gebracht zu werden. Es fällt schwer, einein Manne, wie Herrn v. Tirpitz, die Harmlosigkeit, ja die Naivität zuzutrauen, daß eine solche Begründung verlockend genug sein würde, die Fraktion Richter der Flottenver-- stärkung geneigter zu machen. Die Aeußerung an sich betrachtet: liegt in ihr wirklich so viel Wuchst und Ueber- zeugungskraft, um eine wunderbare Umwandlung von Flottengegnern in Flottenfreunde zu bewirken? Herr v. Tirpitz müßte ganz unerfahren in der parlamentarischen Geschichte sein, wüßte er nicht, daß schon viel stärkere Argumente an der Opposition abgeprallt sind. Der Streit erscheint uns müßig. Wer möchte heute irr eine Erörterung über ein Gespräch sich einlassen, das er vor genau zwei Jahren ge- iführt hat?
Gegen die Arbeitslosigkeit.
Aus Berlin, 23. Oktober, wird uns geschrieben:
Wie die „Nordd. Allg. Ztg." mitteilt, (siehe „Dtsch. Reich"), will die preußische Regierung Erhebungen über die Arbeitslosigkeit und über die hiergegen zu ergreifenden Maßregeln — „Maßnahmen" schreibt das offiziöse Blatt, die Maßnahme ist Sache des Schneiders — anstellen lassen. Der Beschluß des preußischen Staatsministeriums erfolgte auf Anregung des Grafen Bülow. Diese Initiative ist dankenswert und setzt die sozialpolitischen Anschauungen des Grafen Bülow in eine günstige Beleuchtung. Insbesondere aber muß mit Befriedigung erfüllen, daß hier nicht die Methode des Abwartens, wie sich die Dinge weiter entwickeln, in Anwendung kommt, nicht mit der bequemen Redensart von der „vorübergehenden Erscheinung", wie sie seinerzeit bei der Kohlennot, zu beschwichtigen gesucht, sondern sogleich und noch vor Anbruch des Winters die Abhilfe als Ziel ins Auge gefaßt wird. Staat und Gemeinden sollen dabei mitwirken. Es dürfte sich für diesen Zweck manches zur Ausführung bestimmte Projekt, öffentliche Bauten, Kanalisation usw., finden lassen, das beschleunigt fertiggestellt und dann unverzüglich zur Ausführung gegeben werden kann, zumal die Material- preife und die Löhne gesunken sind. Freilich muß billigerweise erwartet werden, daß nicht etwa vom Zaun gebrochene Streiks die gute Absicht, vermehrte Arbeitsgelegenheit zu schaffen, durchkreuzen. Die Erhebungen über die Arbeitslosigkeit durch die Obcrpräsidenten weroen hoffentlich als „Eilsache" behandelt. Es ist anzunehmen, daß seitens der anderen Bundesstaaten, soweit es bisher nicht geschehen, ähnliche Schritte erfolgen.
Die französische Bergarbeiterbewegung.
In der Frage des allgemeinen Bcrgarbeiterausstandes in Frankreich ist die Entscheidung gefallen. Grundsätzlich ist der Aus st and beschlossen worden, thatsä chlich findet er nicht statt. Das ist der Kern der vom Ausschüsse der französischen Bergarbeiter in St. Etienne angenommenen, sehr gewundenen Erklärung. In dem Briefe, den der Bergarbeiter-Ausschuß an Waldeck-Rousseau gerichtet hat, wird die Forderung nach einer neuen Prüfung der Beschwerden der Grubenarbeiter ausgesprochen. Es wird dem Ministerpräsidenten eine nicht genau festgesetzte, aber kurze Frist gestellt, um die endgiltige Entscheidung über die Fragen zu treffen, welche die Bergarbeiter angehen. Diese Drohung mit einer kurzen Frist wird der Regierung wohl wenig imponieren, sie wird mit der nötigen Ruhe und Besonnenheit ihre Maßnahmen treffen. In Pariser parlamentarischen greifen verlautet, daß der Arbeitsminister Bandin einen besonderen Gesetzentwurf betr. die Ruhegehälter der Bergarbeiter ausarbeiten lasse. Der Ministerrat werde den Entwurf erörtern und dem Parlamente vorlegen.
Aus St. Etienne wird gemeldet, daß nach der dort vorherrschenden Anschauung die Gefahr eines Gesamtausstandes als beseitigt anzusehen sei. In Pariser politischen Angstmeier-Kreisen wird die Lage trotz der Vertagung des Bergarbeiterausstandes als sehr ernst betrachtet. Man befürchtet den Ausbruch einer revolutionären Bewegung in Montcean les Mines, deren Folge ein Kabinettswechscl sein würde. Jedenfalls würde Millerand, falls ein militärisches Einschreiten nötig werden sollte, nicht mehr im Kabinett verbleiben können. — So denken die Furchtsamen. Doch
scheint zu solchen Befürchtungen kein rechter Grund vor- zuliegeu. Der Vertreter von k>Nontceau les Mines hat ja freilich im Ausschüsse gegen den Beschluß von St. Etienne Einspruch erhoben und erklärt, daß in Montcean der Ausstand trotzdem am 1. November ausbrechen werde. Das wird, wenn es wirklich dazu kommt, immerhin nur ein Teilausstand bleiben; von einer allgemeinen Arbeitsniederlegung in sämtlichen Kohlengebieten Frankreichs ist bis auf weiteres nicht die Rede. Damit wird der Erfolg, den die Regierung in der Kammer errungen hat, wesentlich erhöht, unal da ganz deutlich zu sehen ist, daß der Berg- arfoeih’ .oschuß — ob willig oder widerwillig, ist einerlei — sich den Gesichtspunkten anbequemt hat, die Waldeck- Rousseau jüngst in seinem Schreiben an den Generalsekretär des Bergarbeiterverbandes niedergelegt und in der Kammer wiederholt hat. Die Forderungen der Bergarbeiter zielen bekanntlich ab auf Einführung des Achtstundentages, Festlegung eines Mindestlohnes und Gewährung einer Tagesrente von 2 Francs nach 2öjähriger Arbeit. Waldeck- Rousseau lehnt jedwedes Eingreifen des Staates in der Lohnfrage von vornherein ab, steht den anderen beiden Forderungen im allgemeinen wohlwollend gegenüber, erhärt aber, daß er sich unter keinen Umständen drängen lasse, daß die Dinge sehr eingehend erwogen werden müssen, und daß daher eine bestimmte Frist für deren Durchführung nicht dekretiert werden könne. Nun verlangte der sozialistische Abg. Basly in der Kammer die sofortige Beratung seines die Wünsche der Grubenarbeiter enthaltenden Dringlichkeitsantrages. Die Mehrheit der Kammer hielt jedoch zu Waldeck-Rousseau, in dem sie die sofortige Erörterung ablehnte und den Antrag dem Arbeitsausschüsse zuwies. Freilich war die Majorität nicht gar groß; sie betrug nur 290 gegen 245 Stimmen. Jedenfalls haben sich Regierung und Kammer den Drohungen des in St. Etienne versammelten Bergarbeiterausschusses nicht gefügt, und jetzt weiß der Ausschuß in seiner Enttäuschung nichts «anderes anznfangen, als sich durchs seinen Beschluß, das Ergebnis der Beratungen der parlamentarischen Kommission abzuwarten, dem Ministerium und der Kammer zu fügen. Seine gleichzeitige Verkündigung, daß die Abstimmung der Grubenarbeiterschaft eine Mehrheit für den Gesamtausstand ergeben habe, ist eitel Geflunker. Wäre dem wirklich so, dann hätte er sich nimmermehr mit der lahmen Beschlußfassung begnügt, die einem Rückzüge ähnlich sieht, wie ein Ei dem anderen. Er befand sich eben in der gleichen Verlegenheit wie schon einmal in diesem Jahre, er fühlte keinen sicheren Boden unter sich und konnte nicht darüber Hinwegkommen, daß auch diesmal, gleichwie im letzten April, sein Versuch, durch eine allgemeine Absttmmung der gesamten Grubenarbeiterschaft Frankreichs Klarheit über die Gesinnung der Arbeiter zu gewinnen, gänzlich sehlgeschlagen war. Im April waren von den 125 000 stimmberechtigten Männern und Frauen blos ungefähr 46 000 an den Urnen erschienen, und von diesen hatten sich kaum 29 000 für die allgemeine Arbeitsniederlegung ausgesprochen. Angesichts solchen Ergebnisses wurde damals von den Führern der Bewegung verkündet, daß es sich empfehle, noch einige Monate mit dem Beginn des Gesamtausstandes zu warten: wenn die Kammer bis zum 1. November nicht alle Forderungen klipp und klar bewilligt haben würde, dann würde der große Plan unbedingt und ohne Aufschub verwirklicht werden. Nur noch eine neuerliche Abstimmung erschien notwendig. Diese ist inzwischen erfolgt. Es haben sich daran 56 000 Arbeiter beteiligt, von denen 44 500, also noch immer weit unter der Hälfte aller Stimmberechtigten, für den Ans stand eingetreten sind. Nun liegt von früher her ein Beschluß vor, die Sttmmenthaltungen der Mehrheit zuzuzählen, was der Bergarbeiterausschuß zu St. Etienne ohne Rücksicht auf den gesunden Menschenverstand offenbar gethan hat. Auf diese Weise ist er dazu gekommen, auf Grund der Abstimmung den Ausstand als eine prinzipiell beschlossene Sache hinzustellen, doch hütet er sich wohl, daraus auch die thatsächf- lichen Folgerungen zu ziehen.
Saint Etienne, 23. Ort. In der Arbeitsbörse fand abends eine vom autonomen Bergarbeiterbundsau s s ch n ß für den allgemeinen Ausstand veranstaltete Versammlung statt. Der Vertreter von Montceau-les-Mines unterzog die Thätigkeit des Bnndeskomites einer un- günsttgen Kritik und forderte zur Unterstützung der Arbeiter in Atontceau auf, die sich in einer traurigen Lage befänden, aber entschlossen seien, sich mit allen Mitteln zu wehren.
Bom Burenkriege.
Eine Brüsseler Depesche der „Morningpost" vom 22. ds. besagt: Aus Lourenzo Marques sind Nachrichten eingelaufen, denen zufolge in der vorigen Woche an der Grenze von Swaziland mehrere scharfe Kämpfe zwischen einem starken Burenkommando und englischen Truppen stattgefunden haben. Die Buren machten etliche Gefangene und erbeuteten eine große Menge Munition. Angeblich befehligte Botha die Buren.
Wie holländische Arbeiter den Krieg Englands gegen Transvaal beurteilen, geht aus folgender Nachricht aus Brüssel deutlicher hervor, als es dem englischen Handel lieb sein kann: Die Amsterdamer Vctreter der Dockarbcitcr Barens und Kladder sind in Brüssel eingetroffen, um mit den bergischen Dockarbeitern bezüglich des Boykotts der englischen Frachtdampfer zu verhandeln. Sie wurden im Volks- hause empfangen und erhielten dort die schriftliche Zusage, daß alsbald eine Sympathieadresse in diesem Sinne von den Brüsseler Arbeitern angenommen werden würde. Die De
legierten reiften alsdann noch spät abends nach Gent, wo sie die gleiche Zusage erhielten. Andere Vertreter der Amsterdamer Dockarbeiter sind nach Bremen, Hamburg, Marseille, Havre, Genua und Newyork abgereist, um auch dort die Zusage bezüglich des Boykotts einzuholen. Sobald diese Zusagen im Prinzip erteilt sind, wird das Komitee der Amsterdamer Dock- arbeiter der englischen Negierung hiervon Mitteilung machen, mit dem Bemerken, daß der Boykott am 1. Januar 1902 in Kraft treten werde, falls bis dahin der südafrikanische Krieg nicht beendet sei.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Ott. Der Kaiser nahm heute die Meldung des Militärattaches der großbrttannischen Botschaft, Obersten Waters, entgegen, der ihm die englische Chinamedaille zu überreichen hatte.
— Der neue Bischof von Metz, Bonzler, wurde nach Potsdam berufen zur Ablegung des Homagial-Eides in die Hände des Kaisers, (derartige Vereidigung pflegt der Kaiser persönlich vorzunehmen. D. Red.)
— In der „Dtschen Tagesztg." lesen wir;
Die Festlichkeiten bei Reisen des Kaisers im Lande erregen nicht selten Kopüchütteln. Wohlmeinende Leute äußern unverhohlen ihre Ansicht, oaß darin oft des (Suten zu viel gethan werde. Und in der Thal: es muß fast eine Plage für den Kaiser sein, wenn er allenthalben, aber auch allenthalben Fahnenmaste, Guirlanden, Ausschmückungen, ost im Uebermaß findet. Sollte darin nicht etwas weniger gethan werden können? Der Kaiser selbst hat schon öfter den Wunsch geäußert, daß ihm zugedachte Ehrungen möglichst cinzuschränken wären oder mit wenig Gcld- aufwendungen ausgesührt werden sollten. Jetzt scheint der Kaiser noch einen Schritt weiter gegangen zu sein. Das kaiserliche Ober- hosmarschallamt hat verschiedenen Krieger- und Gewerkschaftsverbänden, die bei den Jagdreisen des Kaisers diesem Ovatwnen darbringen wollten, geantwortet, daß bei den kleinen privaten Reisen des Kaisers Begrüßungen und Empfänge zu unterbleiben hätten.
— Prinz Eitel Friedrich wurde heute bei der Leib- Kompagnie des 1. Garde-Regiments zu Fuß in den aktiven Dienst eingefteüt. Gestern Abend bezog der Prinz das Kadettenhaus, wo er ständig Wohnung nehmen wird.
— Reichskanzler Graf Bülow empfing gestern abend den österreichisch-ungarischen Botschafter in London Grafen Franz Doym und hatte heute Vormittag mit dem sächsischen Gesandten Grafen Hohenthal und dem württembergifchen Gesandten Frhrn. von Varnbüler längere Besprechungen.
— Dr. Georg v. Siemens ist heute um 11 Uhr abends sanft entschlafen. (Dr. v. Siemens war seit 48 Stunden nicht mehr in der Lage, Nahrung aufzunehmen, und befand sich auch nicht mehr bei voller Besinnung. Am 21. d. M. war der Geburtstag des Verstorbenen, der im Jahre 1839 geboren ist und somit 62 Jahre alt geworden ist. Dr. Georg v. Siemens ist in Torgau geboren, er trat im Jahre 1870 in den Vorstand der Deutschen Bank ein, deren Direktor er bis vor etwa Jahresfrist blieb. In den Deutschen Reichstag wurde er 1874 gewählt und gehörte ihm mit kurzen Unterbrechungen bis heute an. Er war bekanntlich Mitglied der freifümigen Vereinigung. Seinem Vaterlande hat Dr. von Siemens auch mit dem Schwerte gedient; er hat die Feldzüge von 1866 und 1870 mitgemacht und wurde mit dem eisernen Kreuz dekoriert. In den letzten Monaten noch widmete Herr v. Siemens den Arbeiten des Handelsvertragsvereins, dessen Vorsitzender er war, seine Kräfte, und erst die Verschlimmerung seiner Krankheit veranlaßte ihn, den Vorsitz an Geheimrat Herz abzugeben. D. Red.)
— Die Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses Bandemer-Selesen, v. Colmar-Meyenburg und Kasch (konservativ), Hansen- Oldenburg, V o p e l i u s und Zedlitz (freit.) und Fuchs (Zentrum) feiern am 27. ds. Mts. die 25. Wiederkehr des Jahrestages ihrer erstmaligen Wahl.
— Ueber die Befugnisse des Kommandeurs der Ost- asiatischen Besatzungsbrigade hat der Kaiser durch Kabinetsordre nachstehende Bestimmungen getroffen: „1. Der Kommandeur der Ostasiatischen Besatzungsbrigade ist Mir unmittelbar unterstellt. 2. Ich verleihe dem Kommandeur der Besatzungsbrigade den Rang, die Disziplinär- und Urlaubsbefugnisse eines Divisionskommandeurs, die einem Armeeoberbefehlshaber zustehenden gerichtsherrlichen Befugnisse und in ehrengerichtlichen Angelegenheiten solchen eines Divisionskommandeurs und kommandierenden Generals. 3. Der Kommandeur erhält für die Dauer des Aufenthalts außerhalb Europas die Befugnis, erforderlich werdende Erhöhungen und Erweiterungen der vorgeschriebenen Gebührnisse anzuordnen, soweit nicht auf Transportschiffen freie Verpflegung gewährt wird. 4. Der Befehlsbereich des Kommandeurs der Ost- asiatischen Besatzungsbrigade erstreckt sich nicht auf das Schutzgebiet Kiautschou einschließlich dessen Interessengebiets. 5. Für die Besetzung erledigter Stellen von Offizieren, Sanitäts- Offizieren und Beamten sind die Bestimmungen des Mobilmachungsplanes maßgebend. Ihre vorläufige Besetzung, mit welcher die widerrufliche Zahlung der Stellengebührnisse verbunden ist, wird von dem Kommandeur der Besatzungsbrigade, wenn erforderlich, selbständig verfügt. Die endgiltige Be- ftätigung behalte Ich Mir vor." Die Kabinetsordre ist vom Staatssekretär v. Tirpitz gegengezeichnet.
— Die „Nord. Allg. Ztg." schreibt: Der neuerdings eingetretene Mangel an Aufträgen für eine Reihe von Industriezweigen hat naturgemäß die Arbeits-


