Ausgabe 
25.9.1901 Zweites Blatt
 
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ungefähr 20 Personen aus dem Hinterhalt zahlreiche Schüsse abgegeben! es wurde niemand verletzt. Die monte­negrinische Regierung protestierte energisch gegen diesen An­griff und gegen die Verletzung der montenegrinischen Fahne.

Tientsin, 23. Sept. Deutsche Truppen erhoben am 21. September Anspruch auf ein zur Eisenbahn gehörendes Gebiet in Tongku, grenzten es mit Fahnen ab und stellten dort eine Wache auf. Hauptmann Dunsterville, der mit der Bewachung der Eisenbahn betraut ist, erhob hiergegen Ein­wand, stellte eine Wache auf und berichtete dann über die Angelegenheit an General Creagh, der wahrscheinlich mit dem deutschen General die Sache in freundschaftlicher Weise bei­legen wird.

New-Hark, .23. Sept. Roosevelt wird schnellstens dem Kongreß die Reciprocittät mit Cuba vorschlagen, wobei einer» eits die amerikanischen Maschinen sowie das amerikanische Betreibe, andererseits der cubanische Tabak und Zucker berück- ichtigt werden.

Ausland.

Helsiugör (Dänemark), 23. Sept. Der König und die Königin von England sowie die dänische Königsfamilie trafen heute mittag aus Fredensborg hier ein. Vom Bahn­hofe aus begaben sich die Herrschaften auf die englische KönigsyachtOsborne". Nach dem Frühstück an Bord der Osborne" verabschiedeten sich die königlichen Herrschaften von den englischen Majestäten und verließen um 21/i Uhr dieOsborne". Der Großfürst-Thronfolger von Rußland, der Prinz und die Prinzessin Karl von Dänemark und die Prinzessin Viktoria blieben an Bord derOsborne" und be­gleiten den König und die Königin von England nach Kiel. DieOsborne" segelte um 2% Uhr nordwärts ab, um durch den großen Belt nach Kiel zu gehen.

Paris, 23. Sept. Die hiesigen Blätter besprechen die bei dem Gala-Diner nach der Parade in Betheny zwischen dem Zaren und dem Präsidenten Loubet gewechselten Trinksprüche. DerMatin" sagt: Der Zar hat bei uns das Gefühl des Vertrauens erweckt. Er hat uns stolz und sicher gemacht.Petit Parisien" stellt fest, daß der Zwei­bund eine permanente Einrichtung geworden sei, welche nur friedliche Zwecke verfolge. DiePetite Republique" erklärt, niemals seien edlere Worte gewechselt worden.

Solothurn, 23. Sept. Einen Fortschritt in der Partei­bewegung haben die schweizer Sozialdemokraten soeben voll­zogen. Hier hat sich nach zweitägigen Verhandlungen eine einheitliche schweizerische sozialdemokratische Partei gebildet, welche mit Ausnahme der Gewerkschaften alle Arbeiterorganisationen umfaßt und heute etwa 30 000 Mitglieder zählt. Der schweizerische Grütliverein, bisher streng auf nationalem Boden stehend, ist nach lebhaften Kämpfen ebenfalls in das Lager der Sozialdemokraten hin­übergetreten.

Wien, 23. Sept. Bei dem gestrigen deutschen Fest in Litt au in Mähren wurden auf die Festteilnehmer aus dem Gebüsch sechs Schüsse abgefeuert. Es wurde aber Niemand getroffen. Eine Eskadron Kavallerie ist nach Littau abgesandt.

Budapest, 23. Sept. Graf Apponyi hielt gestern m Jaßbereny eine Wahlrede, worin er seine treue Anhänger­schaft an den Dreibund betonte, gleichzeitig aber hinsichtlich des deutschen Zolltarifentwurfes bemerkte, in Deutsch­land machten sich wirtschaftliche Richtungen geltend, die ge­eignet seien, auf die Stimmung des ungarischen Volkes sehr ungünstige Rückwirkungen auszuüben und die Grundlagen des Bündnisses zu erschüttern.

Gestern erfolgten hier an zwei Stellen Zusammen­stöße zwischen Civil und Militär, die zu argen Straßen- Exzessen führten. Eine Person wurde getödtet, 5 schwer und 20 leichter verwundet. 40 Verhaftungen wurden vor­genommen.

Ceiinje, 23. Sept. Auf einem dem Fürsten gehörigen kleinen Dampfer wurden bei einer Fahrt auf dem.Skutari­see in der Nabe der türkischen Ortschaft Sterebetsch von

au Mk. 1,60.

* Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat dem Oberlehrer an der höheren Mädchenschule zu Mainz Dr. Emil D aub den Charakter als Professor erteilt. Der Groß - Herzog hat den Technischen Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms Dr.August Scheuermann unter Verleihung des Charakters als Professor und den provisori- chen Lehrer an der Oberrealschule zu Darmstadt Heinrich Getrost zu Oberlehrern mit Wirkung vom 1. Oktober an ernannt.

** Gießener Stadttheater. Die Vorstellungen im Stadt- heater beginnen Dienstag den 1. Oktober mit dem reizenden Schönthan'schen LustspielCornelius Voß". Mittwoch den 2. Oktober folgt als zweite Aufführung Lessings Minna von Barnhelm".

8. Ernennungen. (Telephon-Meldung desGieß. Anz." Der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitz in Schotten Richard Krichel wurde zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Langen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers, und der Feldwebel im Jnf.-Reg. Nr. 115 Georg Dietrich zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitz in Schotten mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an ernannt.

* * 46. Stiftungsfest der Gießener Freiwilligen Feuerwehr. Auf Wunsch teilen wir die besonderen Weihworte mit, die bei Uebergabe der Fahne an die Gießener Freiwillige Feuer­wehr am vergangenen Sonntag von Herrn Pfarrer Dr. Naumann am Schluß seiner Weiherede im Cafs Leib ge­sprochen wurden, während die Hauptleute und Obmänner die Hand an die Fahne legten und die Feuerwehrleute nebst allen Gästen sich erhoben hatten:

So sei denn, Du schöne Feuermehrstandarte, geweiht im Glanz des alten, ewig neuen Wahrspruchs:Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr! Sei geweiht zu einem Panier der Einheit und Einigkeit, der Ehre und Kraft des Feuerwehrbundes; um Dill) sammle sich allezeit eine Schaar eifriger pflichtbewußter deutscher Männer! Sei geweiht zu einem Banner edler, opferwilliger Nächstenliebe, Mut und Treue, Zucht und Sitte blühe unter Dir; keine Feigheit soll dich je entweihen, keine Zuchtlosigkeit dich je ver­unzieren ! Sei geweiht zu einem Wegweiser au dem Gott da droben, der die Not schickt, und oer Hilfe, Schutz und Segen verleiht zum ernsten Werk der Feuerwehr!

Gut Wehr! Du schöne Fahne!

Gut Wehr! Du edle Feuerwehr unter Deiner Fahne! ,

In unserem gestrigen Bericht ist eine NamenSverwechse- lung unterlaufen. Den Weihevortrag sprach nicht Frl. Neu­ling, sondern Frl. Strack.

* Der zweite größere Transport Oldenburger Schweine, bezogen von der hiesigen Fleischer-Innung, langte heute im hiesigen Schlachthof an. Die Tiere stehen im Preis den auZ hiesiger Gegend bezogenen gleich, in Bezug auf die Qualitü aber Übertreffen sie die letzteren weit.

* * Ordensverleihung. Der Kaiser hat dem Generalmajor- Kutz en, Kommandeur der 57. Jnf.-Brigade, die Erlaubnis zur Anlegung des demselben verliehenen Komthurkreuzcs 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen

Lust und Liebe ihrer Aufgabe gerecht zu werden suchen. Ties wurde denn auch von dem Hauptlehrer Traber zu Gießen, welcher am Samstag im Auftrage der Gwßh. , entralstelle für die Gewerbe erschienen war, und die Aus- tellung einer eingehenden Besichtigung unterzog, aner­kannt. Gestern nachmittag fanden sich zahlreiche Besucher von hier und aus den umliegenden Orten ein, und es ist erfreulich zu sehen, wie man in immer weiteren Kreisen zur Erkenntnis kommt, daß neben der praktischen auch )ie theoretische Ausbildung unerläßlich ist, wenn der Hand­werkerstand den Anforderungen der Jetztzeit gewachsen sein oll. Tie Beteiligung an der heute hier stattgehabten Äemeinderatsergänzungswahl war sehr schwach Kaum die Hälfte der Wahlberechtigten erschien an der! Wahlurne. Wieder gewählt wurden: Rentner Heinrich Sehrt mit 149, Schuhmachermeister und Landwirt Christoph Trinkaus mit 124 und Landwirt Christian Frank mit 97 Stimmen; neugewählt wurden: Spenglermeister Hein­rich Kaiser mit 122 und Küfermeister Georg Möller mit 84 Stimmet:. Tie Wahl verlief sehr ruhig, wie überhaupt vorher von einer Agitation wenig zu bemerken war.

fl. Londorf, 23. Sept- Die Strolche, von denen wir in der letzten Sonntagsnummer berichtet haben, tauchen nun auch anderwärts auf. Zwischen hier und Allertshausen wurde vergangenen Samstag am Hellen Tage mittags gegen 12 Mr eine Frau angefallen, die ihrem Manne das Mittagessen gebracht hatte. Im sog. Ampel bei Rüddings- hauscn griffen die Gauner einen Zimmermann und später einen Schneidermeister an. Tie beiden letzteren suchten ihr Heil in der Flucht. Tie Räuber sollen anständig gekleidete Leute sein, die sich vielleicht darin gefallen, vorübergehend eine Rinaldo Rinaldini-Rolle zu spielen. Tas dürfte ihnen übel bekommen, da die Gendarmerie schon auf ihren Fersen ist.

k. Büdingen, 23. Sept- Nächsten Donnerstag den 26. ds. ftndet in Sommerhausen bei Würzburg die Ver­mählung des Erbprinzen Wolfgang zu Isenburg und Büdingen mit der Gräfin Adelheid von Rech- teren-Limpurg statt. Am 2. Oktober werden die Neu­vermählten ihren Einzug in Büdingen halten. Von Seiten der Bewohner sollten festlicher Empfang, am Abend ein Fackelzug und nach demselben Illumination veranstaltet werden. Welche reges Interesse die früheren Schüler an ihrem Gymnasium und an Büdingen selbst nehmen, bekunden die Ergebnisse ihrer bisherigen Sammlung für die S t i f t u n g, die sie dem Gymnasium zugedacht haben. In der kurzen Zeit von noch nicht zwei Monaten sind, wie derBüd. Allg. Anz." mitteilt, für die Stiftung bereits über 4300 Mark eingegangen, teilweise in Summen von beträcht­licher Höhe. Tie Stiftung soll nun für die Schaffung eines Spiel- und Eisplatzes verwendet werden. Zu dieser Verwendungsart als etwas wirklich Gymnasialem haben viele alten Schüler bereits Währeno des Festes ihre Zu­stimmung gegeben, und seitdem die Verwendung bekannt geworden ist, laufen fortgesetzt mündlich oder schriftlich, neue Zusttmmungserklärungen, ebenso Beiträge, ein, na­mentlich auch von solchen, die in Unkenntnis, des Zweckes der (Stiftung ihre Gabe einstweilen noch zurückgehalten hatten. Auch die heutige Versammlung von in Büdingen wohnenden ehemaligen Gymnasiasten hat gleichzeitig in Vollmacht für viele auswärtige Stifter jene Art der Ver­wendung lebhaft und einstimmig gut geheißen.

8. Darmstadt, 24. Sept. (Telephon-Meldung desGieß. Anz.") Gestern Abend kurz vor 9 Uhr wurde der praktische Arzt Dr. Münch aus Erthausen in der Heidelberger Straße von einem Schlaganfall betroffen und war sofott tot.

M a i n z, 23. Sept. Provinzialdirektor Geheimrat Frhr, v Gag ern gab gestern nachmittag eine größere Thee- Gesellschaft. An derselben nahmen teil der Grvßherzo g, die G r o ß h e r z o g i n, Prinzessin Beatrice, Großfürst Cyrill und Prinz üon Eonnanght, sowie das Gefolge. Weiter waren als Gäste anwesend die Spitzen der staatlichen, städtischen und militärischen Behörden. Gegen 7 Uhr ver­ließen der Großherzog und die Großherzogin mit ihren Gästen und dem Gefolg'e die Gesellschaft. Heute früh begaben sich das Großh erzo-g s p aar. Prinzessin Bea­tri ce von Sachsen-Coburg und Gotha und Prinz Arthur von Connaught mit Gefolge mit dem Dampfer Hassia" nach Oppenheim zu der in der Nacht gebauten Brücke über den Rhein, um dem Uebergang der Truppen daselbst beizuwohnen. Auf dem Bahnhof von Oppenheim fand Begrüßung durch Kreisrat und Bürgermeister statt. Der Landesfürst ritt mit dem Prinzen zum Manöverfeld, die Großherzogin kehrte mit der Prinzessin mit Dampfboot zurück. Gestern nachmittag 1 Uhr fand im Großh. Palms eine Offiziertafel statt, zu der die hiesige Generalität, die Regiments-Kommandeure, die Kommandeure selbstän­diger Truppenteile, die Stabsoffiziere und Hauptleute des Leib-Regintents Nr. 117 geladen waren. Im ganzen lleaen 64 Gedecke auf. Tie Tafelmusik hatte die Kapelle des! Regiments Nr. 117 gestellt. Gegen 3 Uhr hob der Groß- Herzog die Tafel auf. Bei dem Mahle wurde das gwfri herzogliche Paar und die geladenen Gäste durch eine ori­ginelle Aufmerksamkeit überrascht. Der jugendliche Niko­laus Göbel, der durch die kunstvolle Herstellung wn 'Alt-Mainz im Gutenbergs-Museum sich bereits rühmlichst bekannt gemacht, verfertigte zur Tafel eine Schüssel mtt Marzipanobst der er gleichzeitig eine andere Schussel mit denselben natürlichen Früchten beifügte. Das künstliche Obst war so naturgetreu angefertigt, daß, es von der wirklichen Frucht nicht zu unterscheiden war. Beim Abfahren oer Bagage des von Mittwoch bis gestern morgen in Cronberg einquartierten Regiments- und Abteilungsstabes, fttzne eine Batterie des 63 Feldartillerie-Regiments hat sich ein unfaii ereignet. Die Gepäckstücke des hochgeladenen Wagens mit der Regimentsbagage gerieten durch schnelles Fahren an einer abschüssigen Wegstrecke in's Rutschen, nx>t>urd) drei von den daraufsitzenden Begleitmannschaften absturzten uno erhebliche Verletzungen davonttugen. Zwei wurden m oas nahe liegende Cronberger Hospital verbracht, wahrend der Tritte die Fahrt fortsetzen konnte. Der zu Konstanz ver­storbene Weinhändler Gustav Hirsch, der zu Gunsten ver­schiedener hiesiger Wohlthätigkeitsanstalten eine Summe von 100 000 Mark stiftete, hat auch in hochherzigster Werft seinem seitherigen Personal Rechnung getragen. Semecheiven ältesten Angestellten erhielten das prachtvolle Haus des Verstorbenen in der Wallpodensttahe,^außerdem erhiett diese beiden Herren mit noch einem dritten An gesellten das Weingeschäft, samt dem bedeutenden ine AusstMde ic. zum Geschenk, um.

betreiben zu können. Der langiahmge KeNermesiter oe Firma erhielt eine Summe von w 000 Mark. Grn sch Denkmal, das sich der Verstorbene auf diese Werft tzes tz

f c. Frankfurt °. M , 23. Sept. Auf dem Grabe Mrquels beabsichtigt die Stadtverwaltung eme Portrat-Buste des Verstorbenen in Lebensgröße aufzustellen.

Mitte zu sehen. Dieser antwortete mit einer Ansprache, in der er die Hoffnung ausdrückte, daß seine engeren Lands­leute durch ihre Anhänglichkeit an ihn auch fernerhin be­weisen würden, wie das Wort von dem Propheten, der nichts in seinem Lande gelte, auf die Altona-Pinneberger nicht zutreffe. Er lobte den Landrat, daß er das eigentlich! poli­tische Gebiet unbedingt nicht berührt habe. Wenn er auch nicht behaupten wolle, daß die Politik unbedingt den Cha­rakter verderbe, was für ihn und seine politischen Berufs­genossen zu betrübend sein würde, so trinfe man in gegen­wärtiger Zeit sein Glas Wein doch! in größerer Ruhe, wenn man die Politik zu Hause lasse. Er fügte hinzu, er sei überzeugt, sich in allen wesenllichen Puntten mit seinen Tischgenossen zu verstehen. Im Pinneberger Kreise wären die drei großen Zweige des Erwerbslebens bertreten: die La nd wirt schäft, die sich vielfach in bedrängter Läge befindeund der wir helfen müssen und werden", die Industrie, die jetzt leider eine Zeit der Depression durchwache und deren Interessen dir ge­wissenhafteste und ernsteste Berücksichtigung verdienen, der weltumspannende Handel, dessen Hauptver­kehrsader an dem Pinneberger Kreise vorüberfließe. Darum werde gerade dieser Kreis Verständnis für die Wirtschafts- Politik der Regierung haben, welche jedem das Seine geben wolle getreu dem alten Hohenzvllem'schen Wahlspruch Suum cuique! Die Ausführungen des Reichskanzlers wurden mit großem Beifall ausgenommen. (So hat sich also der Reichs­kanzler wieder einmal deutsch, gewandt und schlangenglatt durch die Gegensätze hindurch gewunden, und die Welt ist so fing wie vorher über die An- und Absichten des obersten deuffchen Staatsmannes.D. Red.)

Bremen, 23. Sept. Einige Blätter haben falsche Meldungen über den Zwiespall gebracht, der sich durch die Stellungnahme der Bremer Kriegervereine gegen die den Bremer Zwischenfall behandelnoen Reden des General­leutnants z. D. v. Spitz, des Vorsitzenden des Deutschen Kriegerbundes, entwickelt hat. Danach! soll die Beschluß­fassung des Kyffhäuser-Verbandes den Bremer Senat zu der Erklärung veranlaßt haben, er werde sein Protektorat nieberlegen, falls die bremischen Kriegervereine die Forder­ungen des Kriegerbundes nickst erfüllten, ferner soll es den Offizieren nahegelegt sein, aus den bremischen Ver­einen auszutreten, falls die verlangte Abbitte nicht ge­leistet werden sollte. Alle diese Behauptungen sind aus der Luft gegriffen. Der Senat weiß nun doch! am allerbesten, daß die von General v. Spitz in seinen Reden gebrauchten Wendungen wegen des Zwischenfalls völlig haltlos sind, wie ja auch! der Verlauf der reichsgerichtlichen Unter­suchung bewiesen hat. Und in Bremen freut sich jeder, daß die Händ, die das Eisenstück gegen den Kaiser schleuderte, keinem bewußten Ver­brecher gehörte, sondern einem krankhaft veranlagten Menschen, der ja auch jetzt im Irrenhaus weilt. Ter Senat würde doch der hiesigen öffentlichen Meinung ins Gesicht schlagen, wollte er darum sein Protektorat nieder­legen, weil die bremischen Kriegervereine eine Ansicht ver­treten haben, die auefy er selbst haben muß, weil es gar nicht anders möglich! ist.

Dresden, 23. Sept. Wie dasDresd. I." hört, haben im Ministerium des Innern mehrtägige eingehende Be­sprechungen über den Entwurf des Zolltarifgesetzes und den Zolltarif selbst stattgefunden, bei denen be­schlossen worden ist, Über einzelne, hauptsächlich durch die Interessenten neu hervorgehobene Punkte geeignete Sach? verständige zu vernehmen. Mit der Vernehmung derselben ist bereits begönnen worden.

erteilt.

w. Friedberg, 23. Sept. Die Spar- und Leihkasse für Friedberg-Butzbach, das Mathildenstift, hat 7 0 Dienst­boten des Bezirks, die mehr als fünf Jahre bei ihrer Herr­schaft in Diensten standen, eine Geldprämie von je 10 Mk. überwiesen.

() Stangenrod (Kreis Gießen), 23. Sept. Elend umgekommen ist hier ein in den zwanziger Jahren stehen­der Bursche. Der Bedauernswerte war epileptisch und wurde auf dem Wege von Grünberg hierher von einem Anfall betroffen. Er stürzte zu Boden, wobei er auf das Ge­sicht fiel und infolge dessen erstickte.

§ Grünberg, 23. Sept. Seit Inkrafttreten der Be­stimmungen des neuen Handwerkergesetzes steht die Aus­bildung der Lehrlinge im Vordergrund des Inter­esses unserer Handwerker. So widmen besonders die Ge­werbevereine den Handwerkerschulen in erster Linie ihre Aufmerksamkeit, und man ist bemüht, auch die noch fern stehenden Gewerbetreibenden, deren Zahl sehr beträchtlich ist, für die Sache zu gewinnen. Aus diesem Grunde und um den Mitgliedern des Ortsgewerbevereins ein Bild von den Leistungen der hiesigen Sonntagszeichenschule zu geben, veranstaltete die Schule gestern eine Ausstellung der Schülerzeichnungen und Gesellen stücke, die im abgelaufenen Jahre von den Zöglingen gefertigt wurden. Der Turnverein hatte in entgegenkommendster Weise die Turnhalle zur Verfügung gestellt, so daß möglich war, die Zeichnungen in übersichtlicher Weise zu gruppieren, und so dem Besucher das stufenweise Fortschreiten vom grund­legenden Freihand- und geometrischen Zeichnen zur dar­stellenden Geometrie bis zum Fachzeichnen vor Augen zu führen. Wenn man bedenkt, unter welch schwierigen Ver­hältnissen die Schule zu arbeiten hat, kann man sich nur wundern, daß sie derartige treffliche Seiftungen auf- weisen kann. Sämtliche Zeichnungen waren sauber aus- gcführt und ließen erkennen, daß Lehrer und Schüler mi:

Aus Stadt und Land.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, 24. September 1901.

** Keine Familie, d'e den Gießener Anzeiger hält, sollte sich die günstige Gelegenheit entgehen laffen, die Anfang Oktober erscheinende Karle von Heffen zu beziehen. Die Karte kostet, durch die Geschäftsstelle, sowie die Zweigstellen bezogen, nur 1 Mk., im Postversand Mk. 1,35 in der 1. Zone, von der 2. Zone