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25/09/1901 Zweites Blatt
 
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Nr. Ä2S Zweites Blatt.

181. Jahrgang.

Mittwoch 35. September 1901

Erscheint täglich mit Ausnahme de§ Montags.

Die Siebener FamUien. vlatter werden dem An­zeiger im Wechsel mit demHess. Landwirt* und den .Blättern für hessisch» Volkskunde" viermal wöchentlich bei- gelegt.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schnlstratze 7.

Slbtefie für Depeschen: Anzeiger Stehen.

Aernsprechanschluß Nr. Kl.

GietzenerAnzeiger

w General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Annahme von Anzeige« äu der für den folge,wen Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Dermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen An­zeigen entgegen.

ZeilenpreiS: lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen UniversitätS - Druckerei (Pietsch Erben).

Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Volttische Tagesschau.

DaS russische ttaiferpaar auf deutschem Boden.

DaS russische Kaiserpaar traf, wie wir bereits kurz mel­deten, am Sonntag abend um 6.20 Uhr mit Sonderzug in Kiel ein. Die vier GroßfÜrsttnnen-Töchter waren auf dem Bahnhof anwesend. Prinz und Prinzessin Heinrich, die mit ihren Söhnen auf dem Wasserwege am Bahnhof anlangten, empfingen das Zarenpaar im Fürstenzimmer und fuhren mit den russischen Gästen im prinzlichen Salonboot nach dem Schlöffe. Zum Empfang des Kaisers Nikolaus waren ferner erschienen Admiral von Koester, Polizeipräsident von Puft- kamer, der Kommandant der am Vormittag mit dem Herzog und der Herzogin Peter von Oldenburg und Prinz Nikolaus von Griechenland in Kiel eingelaufenen russischen Kaiser-Pacht Zaritza", Kapitän Astachow, der russische Konsul aus Bremen und andere Persönlichkeiten. Der Zar trug Jnfanterieuniform, grauen Mantel und weiße Mütze. Nach zweistündigem Auf­enthalt im Schlosse, während dessen im engeren Kreise Tafel stattfand, begab sich das Zarenpaar, begleitet vom Prinzen und der Prinzessin Heinrich auf dem Wasserwege wieder nach dem Bahnhof. Salut wurde auf Wunsch der Zarin auf der Hin- und Rückfahrt nicht gefeuert. Die Abreise des Zaren- paareS nebst den Großfürstinnen-Töchtern, sowie des Herzog­paares Peter von Oldenburg und des Prinzen Nikolaus von Griechenland erfolgte um 9.20 Uhr abends über Lübeck.

Jetzt tauchen in unserem engeren Heimatlande Gerüchte auf, das Zarenpaar werde nun doch noch mit seinen hohen Darmstädter Verwandten, dem Großherzog und der Groß­herzogin, zusammentreffen, und zwar, wie die Einen sagen, in Mainz, wo gestern aus Anlaß der Anwesenheit unseres HerrscherpaarcS große Festlichkeiten stattfanden, wie die An­deren meinen, in Bingen, wo, wie wir schon gestern mel­deten, besonders große Empfangsvorbereitungen getroffen wer- den. Andererseits kommt aus Berlin die unverbürgte Kunde, die Weiterreise der russischen Gäste von Lübeck, wo gerade jetzt die deutschen Sozialdemokraten tagen, und wo daher besondere Ächerheitsvorkehrungen wahrscheinlich getroffen worden sind, erfolge über Stettin und Alexandrowa nach Spala. Vorläufig sind genauere Auskünfte nicht zu erhalten. Cs ist anzunehmen, daß die Reiseroute zur Erhöhung der Sicherheit der Reisenden geheim gehalten bleibt.

Kaiser Wilhelm als Bote des Zaren.

Kaiser Wilhelm hat am gestrigen Montag dem Zaren einen persönlichen Freundesdienst geleistet, der, so privater Natur er an sich auch ist, doch als ein sehr be­merkenswertes Zeichen für die demnach fast kordial zu nennenden Beziehungen zwischen den Monarchen der beiden benachbarten Weltreiche aufzufassen ist und in Frankreich jeden­falls mit scheelen Blicken betrachtet werden wird. Der Deutsche Kaiser, der sich bekanntlich z. Zt., wie alljährlich gegen Aus­gang des Sommers, auf seinem ostpreußischen Jagdschlösse Rominten für einige Tage aufhält, wo am Montag auch die Kaiserin eingetroffen ist, begab sich am Montag Nachmittag zu Pferde und in der Uniform seines russischen Grenadier- Regiments nach dem russischen Grenzstädtchen Wysch- tyten, das am 26. August d. Js. zum größten Teile durch Feuer zerstört worden war. An die auf dem Marltplatze zusammengeströmte Bevölkerung hielt er folgende Ansprache: »Seine Majestät Kaiser Nikolaus, Euer erhabener Landes­herr, Mein geliebter Freund, hat von Eurem schweren Unglück ge­hört. Er laßt Euch durch meinen Mund mitteilen, wie sehr ibn die Nachricht betrübt hat, und läßt Euch sein herzliches Mitaesühl aussprechen. Aber noch mehr, er sendet Euch durch mich als Zeichen seiner landesoäterlichen Fürsorge eine Spende von fünftausend Rubel, welche ich meinem bevollmächtigten Forstmeister von Saint Paul übergebe zur Verteilung in Gemein­schaft mit Landrat o. Luck nnd dem Komitee. Ihr erseht hieraus, wie das Auge Eures erhabenen Landesvaters überall bis an die Grenzstädte seines großen Reiches reicht, und wie sein gütiges, warmes Herz für seine, wenn auch noch so entfernten Unterthanen schlägt. Eurer Dankbarkeit und Liebe für Euren Kaiser und Vater werdet Ihr jetzt Ausdruck geben, indem Ihr mit mir ruft:

Na sdorowje jewo welitßchestwo gossudarja imperatora Nikolai! Hurra!

Die Erhöhung des Baukdiskouis.

Am 23. d. M. hat in Berlin eine Sitzung des Zentral­ausschusses der Reichsbank stattgefunden, in der Prä­sident Dr. Koch folgende Ausführungen machte: Me Lage oer Bank habe seit der letzten Tiskontermäßigung sich er­heblich verändert. Allerdings betrage der Metallvorrat noch immer 97 Millionen Mark mehr als im Vorjahre, aber die Wechselanlage, die am 15. Juni die des Vorjahres nur um 7 Millionen überstiegen habe, sei jetzt um 167 Millionen, die Gesamtanlage um 131 Millionen höher und selbst gegen 1899, wo der Zinsfuß von'5 Proz. am 3. Oktober auf 6 Proz. habe erhöht werden müssen, ergebe sich noch ein Unterschied von 36 bezw. 28 Millionen zu Ungunsten des laufenden Jahres. Die fremden Gelder seien um 129 Millionen, aber auch der Notenumlauf um 66 Millionen größer als 1900. Wahrscheinlich stehe zum Quartalsschluß eine bedeu­tende Inanspruchnahme der Reichsbank bevor, da gewöhn­lich der große Herbstbedarf durch das in weiten Kreisen der Privcädiskonteure herrschende Mißtrauen wesentlich ge­steigert werde, obwohl der Preis des Geldes am offenen Markte sich im laufenden Monat nicht sehr gehoben habe und die fremden Wechselkurse noch günstig seien, entspreche doch der Zinsfuß von dreieinhalb Prozent nicht mehr der gegenwärtigen Lage, vielmehr empfehle sich eine mäßige .Erhöhung, um allen Möglichkeiten gegenüber besser gerüstet

zu sein. Mit der hiernach beabsichtigten Erh öhun g des Diskonts auf 4 Prozent, des Lombardzinsfuhes auf 5 Prozent erklärte sich der Zentralausschuß nach kurzer Beratung einstimmig einverstanden. Sodann wurden noch einige Gattungen Schuldverschreibungen zur Be­leihung im Lombcrrdverkehr zugelassen.

Tie nun in Kraft getretene Erhöhung des Reichsbank­diskonts hat bisher auf die Börse keinen Eindruck gemacht. Tas will nicht etwa viel besagen, denn was macht auf den kleinen Kreis von Bankiers und Spekulanten, die mehr aus Gewohnheit, als zur Ausführung von Ordres zur Börse gehen, überhaupt noch Eindruck? Fest steht, daß die Er­höhung des Bankdiskonts der Geschäftswelt überraschend gekommen ist. Die Nähe des Quartals, ein Termin, an dem stets bedeutende Ansprüche an das Zentralinstitut ge­stellt werden, konnte ja eine Erhöhung des Diskonts er­warten lassen, wenn man nicht andererseits angenommen hätte, daß der Reichsbank in den letzten Monaten bedeu­tende Summen zugeflossen wären, und zwar von Seiten der Privatkapitalisten, die, beunruhigt durch die Finanz­katastrophen, ihr Geld allein in den Tresors der Reichsbank sicher glauben. Diese Annahme scheint nicht zuzutreffen; oie Bankleitung rechnet im Gegenteil damit, daß Depositen in größerem Umfange zum Quartal abgehoben werden. Jedenfalls wird durch die Erhöhung des Diskonts die Ge­samtlage des Geldmarktes als gespannt gekennzeichnet. Das Mißtrauen hat auch im Privat-Geldverkehr Platz gegriffen, sodaß dort die Diskonteure Zurückhaltung beobachten. Eine Aenderung dieser Sachlage und damit eine Ermäßigung des Bankdiskonts erscheint für geraume Zeit ausgeschlossen.

Der Berliner Milchring

wird demnächst in feinen Kamps.gegen die Milchhändler eintreten. Wie der Ausgang sein wird, läßt sich bei der Stärke der beiden streitenden Parteien nicht Voraussagen. Von sozialdemokratischer Seite wird jetzt die Boykottunz der agrarischen Milch-Zentrale verlangt. Ebenso bereitet sich die als einer der Hauptabnehmer zu betrachtende Bäcker­innung zum Kampfe gegen die Milch-Zentrale vor. Maß- aebend für dieses Vorgehen ist wohl weniger die Abneigung, Den Landwirten höhere Milchpreise zu zahlen, als viel­mehr die Ueberzeugung, daß ein Sieg des agrarischen Milchringes wenn auch nicht sofort, so doch in cw seh bar er Zeit zu einer ganz wesentlichen Heraufschraubung der Preise sichren wird, und daß der Milchring dem Beispiel anderer Ringe folgend, feinen Sieg rücksichtslos ausbeuten und die Preise dann selbstherrlich feststellen wird. Ist aber einmal die Organisation der Milchhändler gebrochen, so wird man allerdings die Preisfestsetzungen des Milchringes wider­standslos über sich ergehen lassen müssen. Auf der einen Seite sind die Landwirte durchaus in ihrem Rechte, wenn sie für die Milch den bestmöglichen Preis erzielen wollen, auf der andern ist es aber begreiflich, wenn die Ver­braucher sich gegen eine Organisation wehren, von bereu Siege sie nichts Gutes für sich voraussehen.

Der Prozeß Hegen den Präfideutenmörder Czolgosz hat am 23. d. M. in der amerikanischen Stadt Buffalo be­gonnen. Tas Gerichtsgebäude war scharf bewacht, nur In­haber von Einlaßkarten wuroen zugelassen. Czolgosz wurde von dem Gefängnis durch einen unter der Straße befind­lichen Tunnel nach dem Äerichtsgebäude gebracht. Einer der Anwälte des Angeklagten sagte in einer Ansprache an den Gerichtshof, es fei die Hauptaufgabe der Anwälte, dar­über zu wachen, daß an der Anklage alle Formen des Ge­setzes genau beobachtet werden. Wie verlautet, werden sich die Verteidiger darauf beschränken, auf Irrsinn zu plädieren. Ter Attentäter erklärte sich für schuldig; indessen wird bei Kapitalverbrechen kein Geständnis accep- tiert, sodaß der Prozeß seinen Fortgang nimmt. Entgegen anderweitigen Berichten wird gemeldet, daß bei der chemi­schen und bakteriologischen Untersuchung weder an den Kugeln, noch in der Kammer oder im Lause von Czolgoszs Revolver Gift gefunden ist.

Johann M o st, der bekannte Anarchistenführer ist in Newtown (Song Island) wieder verhaftet worden, während er vor einer aus 500 Köpfen bestehenden Menge spracht Neun Chikagoer Anarchisten wurden dagegen entlassen, da keine Verdachtsmomente betreffs ihrer Verbindung mit dem Attentat nachweisbar waren. Die Entlassung von Emma Goldmann ist ebenfalls bevorstehend. In der französi­schen Stadt Troyes wurde in einem Gasthause ein Handels­mann Namens Tels verhaftet, der die Ermordung Mac Kinleys und Carnots verherrlichte. Er erklärte dabei, wenn er wüßte, daß der TodLoubcts den anarchistischen Ideen zu gute käme, würde er nicht zögern, dem Präsidenten einen Dolchstich ins Herz zu versetzen.

Der Anarchistengefahr rüstet man sich nun in Amerika mit allerhand Heinen Mitteln zu Begegnen. Vorläufig ver­langt der Schatzsekretär im übrigen im nächsten Etat 150000 Dollars zur Ueberwachung der Anarchisten, und infolge der Entdeckung, daß Anarchisten und andere unliebsame Ein­wanderer auf gefälschte Pässe nach den Vereinigten Staaten gekommen sind, sollen die Einwanderungsgesetze weit schärfer als bisher durchgeführt werden. Die aus dem Auslande zurückkehrenden Amerikaner müssen im stände sein, sich über ihre Persönlichkeit auszuweisen. Bei den Zwischendeckspassagieren soll der Nichtbesitz eines Passes oder Ausweises, daß die Inhaber amerikanische Bürger sind, als genügender Grund zur Zurücksendung angesehen werden.

Vom Bnreukriege.

Wenn die Buren, wie wir gestern gesehen haben, auch keineswegs plötzlich wieder unbesiegbar geworden sind, so sind A)ch die Zustande in der Kapkolonie für die Eng­länder derartig, daß sie erhebliche Besorgnisse in London fortgesetzt erregen. Die englischen Blätter erscheinen immer

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Sept. Der Kaiser hörte gestern in (Sabinen ben Vortrag bes Vertreters bes Auswärtigen Amts, ber Gesanbten von Tschirschky und Böggeudorff.

Eine Kabinettsordre des Kaisers vom 20. September ordnet eine von den Offizieren des 14. Armeekorps und des Grenadierregiments Nr. 4 anzulegende dreitägige Trauer an, veranlaßt durch den Tod des Generals v. Obernitz.

DieBerliner Korrespondenz" erklärt: Die beun­ruhigenden Nachrichten über das Auftreten von Krank­heiten, insbesondere der R^threpidemien auf den Truppenübungsplätzen stehen nicht mit den that- men Vorgängen im Einklang. Die Ruhr werde nur auf lebungsplatze bei beritz in epidemischer Ver­breitung beobachtet. Sie trat dort in sehr ernster Form auf, sodaß mehrere Todesfälle zu bellagen sind. Trotzdem die Militärverwaltung nichts versäumte, um ben Ursprung ber Seuche zu ermitteln, und trotz Heranziehung wissen- schastlicher Autoritäten ließ sich die erste Ansteckungsquelle nicht nachweisen. Ende Auaust hatte die Epidemie ihren Höhepunkt überschritten, und jetzt ist sie im Erlöschen be­griffen. Auf anderen Uebungsplätzen kamen ernstere Er­krankungen nicht vor. Darmkatarrhe werden alljährlich zur Zeit der Truppenübungen beobachtet, um solche Fälle han­delte es sich auf den anderen Uebungsplätzen. Wie die Heeresverwaltung sich die Verhütung von Epidemien an­gelegen fein läßt, zeigen die umfassenden Vorsichtsmaß­regeln anläßlich der Rückkehr der Chinatruppen. Schon im Frühjahr wurde ein Barackenlazarett in Bremerhaven aufgeschlagen, wo die Rekonvaleszenten ärztlich beobachtet werden. Vor der Auflösung auf dem Truppenübungsplatz in Münster werden sämtliche Transporte einer Ueberwachung unterzogen. Niemand wird entlassen, der nicht nach ärzt­licher Beobachtung für gesund befunden wurde. Bei der Ankunft in Münster erhalten Offiziere und Mannschaften Bäder und neue Kleidung. Mitgebrachte Gepäcksäcke und Uniformen werden desinfiziert.

Prinz Tschun gedenkt noch in dieser Woche Deutsch­land zu verlassen. Er weilt z. Z. als Krupps Gast in Essen, um sich dessen Werke anzusehen.

DemWests. Merkur" zufolge begiebt sich ein Be­gleiter des Prinzen Tschun nach Münster, um in dessen Auftrag am Grabe desFreiherrn v. Kettelerdrei Ktränze niederzulegen.

Das Reichspostamt soll beabsichtigen, 4000 neue etatsmäßige Assistentenstellen für das Rechnungsjahr 1902 zu beantragen. Demnach würden in der Zeit vom 1. April 1902 bis 1. April 1903 etwa 1700 Militäranwärter als Post- oder Telegraphenanwärter einberufen werden. Die etatsmäßigen Affistentenstellen werden bei der Post- und Telegraphenoerwaltung nämlich zu s/7 mit Militär- und zu </7 mit Cioilanwärtern besetzt. Während des Probedienst­jahres erhalten die Anwärter 8/* des Einkommens der etats­mäßigen Stelle.

Im preußischen Handelsministerium finden heute Zollbesprechungen über Fragen der Papier-In­dustrie statt.

Altona, 23. September. In dem bei Klein-Flottbeck gelegenen Park-Hotel veranstaltete ber zur Zeit tagenbe Pinneberger Kreistag gestern ein Diner zu Ehren bes jetzt dort weüenben Reichskanzlers. Der Lanbrat brachte bas Hoch auf den Kaiser aus und gab ber Freube ber Kreis- tags-Äbgeorbneten Ausbruch den Grafen Bülow in ihrer

noch mit Trauerrand, ber natürlich eigentlich dein Tode Mac Kinleys gift, aber heute auf den Krieg größeren Bezug zu haben scheint. Ein Brief an denDaily Expreß" aus Kapstadt schildert den Zustand in der Kapkolonie wie folgt: Tas ganze holländische Element in der Kap-Kolonie sei in Aufruhr. Kapstadt selbst ist voller Rebellen und bereits seit Wochen in Verteidigungszustand versetzt. Man erwartet jeden Augenblick, daß die Buren Kapstadt selbst an greifen werden. Milner erwägt die Aus­dehnung des Krieasrechtes über die ganze Kolonie. Die Stabtwachen von Kapstadt mußten ihre Magazin-Gewehre ausliefern, da man ihrer Loyalität nicht traut. Der Feind ist an beiden Küstenlinien und drang bis 40 englische Meilen von Kapstadt vor. Der.Hafen von Mosselbucht muß durch britische Kriegsschiffe beschützt werden. Alle irgenq entbehrlichen Truppen, wurden von Kapstadt requiriert, um die Bahn südlich von Matjesfontein zu schützen. Tie Delegierten ,welche dem Herzog von Cornwall in Kapstadt huldigten, wurden 25 englische Meilen von ber Ädosselbucht auf chrem Heimwege nach Oudtshoorn von Scheepers Koin- manbo in Empfang genommen.

Diese Schilderung scheint ja nun freilich etwas über­trieben, giebt aber doch ein Bild von der Stimmung eines Teiles der Kapshäbter Bevölkerung.

Wie aus London depeschiert wird, erfährt dieDaily News" aus dem Haag: Bothas und Dewets neuer Plan schließe die Annexion der Kap-Kolonie und Natal ein, worauf ein allgemeiner Aufstand in beiden Kolonien er* folgen werde.

Im Haag hat inzwischen eine Besprechung des Minister- bräfioenten Kuyper mit den Burendelegierten Fischer, Wessels und Wolmarans shattgefunden. Sie diente dem Zweck eines ersten amtlichen Zusammentreffens des neuen Kabinetschefs mit den anerkannten Vertretern der südafti- kanifchen Republiken. Mit Bezug auf das von den Buren­vertretern dem ständigen Verwaltungsrat des internatio­nalen Schiedsgerichts unterbreitete Ersuchen um Herbei­führung eines Schiedsspruchs wird in gut unterrichteten niederländischen Kreisen als sicher angenommen, daß diese Körperschaft, die eine bloße Verwaltungsbehörde ist, sich werde für unzuständig erklären müssen.