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25.7.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 172

Erscheint täglich mit DuLllahme deS Montags.

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Zweites Blatt.

Donnerstag 25. Juli 1901

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151t Jahrgang

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GietzenerAnzeiger

** General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

DMische Tagesschau.

Der Rücktritt des Staatssekretärs v. Puttkrmer hat zu einer ganzen Reihe von Vermutungen über die Gründe des für die Oeffentlichkeit allerdings überraschenden Schrittes Anlaß gegeben. Mißhelligkeiten zwischen Herrn v. Puttkamer und Statthalter Fürst Hohenlohe, Verstimmung wegen unterbliebener Auszeichnung beim 70. Geburtstag Puttkamer's wurden u. a. als Motive genannt. Jetzt giebt dieKreuzztg.- «tue einfache Lösung des ».Rätsels-, die man wohl als zu­treffend ansehen kann. DaS Blatt schreibt, es erinnere sich, schon vor länger als Jahresfrist von dem bevor stehenden Rücktritt des Staatssekretärs reden gehört zu haben, eS fei doch nicht allzu selten, daß ein hoher Beamter, der das 70. Lebensjahr bereits überschritten, sich nach Zurück- -ezogenheit sehne für den Rest seines Lebens. Weiterhin macht dieKreuzztg.- die ganz iutereffante Bemerkung, daß Herr v. Puttkamer, der vomVorwärts- alsJunker- mit der Engherzigkeit des feudalen Ostelbiers charakterisiert worden war, Zeit seines Lebens sich als echt national- liberaler Politiker geführt habe. So kann jemand falsch klassifiziert werden, nur weil er v. Puttkamer heißt! Als Nachfolger für Herrn v. Puttkamer scheint in der That der gegenwärtige Oberpräsideut von Schleswig-Holstein in Aussicht genommen zu sein. Auch Herrn v. Köller's Charakterbild schwankt, durch der Parteien Haß und Gunst verwirrt, in der Geschichte. Aus den Reichslanden klängen dem ehemaligen Unterstaatssekretär nicht eben Fanfaren ent­gegen. Als preußischer Minister hat sich Herr v. Köller viel Antipathien verschafft. In Parlameutskreisen gilt er als jovial und umgänglich. Sein Fortgang aus Schleswig würde dort die deutsche Agitation der Abg. Johannsen und Hanffen zu neuen Hoffnungen führen. In den national- preußischen Teilen Deutschlands, im Elsaß, in Schleswig, in Posen kommt alles darauf an, daß der oberste Verwaltuugs- beamte der Provinz, resp. des Landes möglichst lange seinen Posten behält, daß er, einmal bekannt geworden mit den Verhältnissen seines Verwaltungsgebietes, die erworbenen Kenntnisse auch ausnütze. Das aber ist unmöglich, wenn diese wichtigsten Posten einem Taubenschlage gleichen. Die Klagen in den genannten drei doppelsprachigen Landesteilen gipfeln in dem fortwährenden Systemwechsel. Dem letzteren ist es auch zuzuschreiben, daß in den 30 und mehr Jahren der preußischen Verwaltung das Deutschtum in den Reichs­landen und in Nordschleswig so geringe Fortschritte gemacht hat und daß die Polen seit einem Jahrhundert und mehr unter preußischer Herrschaft ihre national-politischen Streif, züge bis ins Herz von Rheinland-Westfalen bereits aus- dehnen können.

Die Modernisierung der Kreuzerflotte schreitet in derselben Weise vor, wie die der Lmienschiffs- zeschwader. Nur in Bezug auf die Vermehrung der Fahr­zeuge sind bekanntlich die letzeren durch das neue Flotten- gesetz besser gestellt. Deshalb überwiegen bei diesen die Neubauten, während die Auffrischung der Kreuzerflotte zu­meist auf dem Wege des Ersatzbaues bewerkstelligt wird. Lm Marine-Etat für 1902 werden erste Bauraten für einen -roßen und einen kleinen Kreuzer gefordert werden. Der erstere ist bestimmt, wiederum ein Schiff derDeutsch­land-Klasse" zu ersetzen. An Bord derDeutschland" ehemals als Panzer erster Klasse, später als großer Kreuzer in den Schiffslisten figurierend unternahm Prinz Hein­rich. vor einigen Jahren seine erste Chinafahrt. Das Schiff war nicht geeignet, die deutsche Marine zu repräsentieren; es erfuhr, wie erinnerlich sein dürfte, auf der Fahrt manches Mißgeschick. Die großen deutschen Werften sind jetzt auf den Kriegsschiffsbau vollständig eingerichtet, so daß die Bauzeit meist kürzer ist, als vertragsmäßig ver­einbart. Was die Frage d5r Vermehrung der Auslands- kreuzer anbetrifft, so ist dem Vernehmen nach an maß- zebender Stelle die Entscheidung in Bezug auf den Zeit­punkt des Einbringens der Vorlage noch nicht getroffen.

Dem Engländer scheint das südafrikanischeAbenteuer" noch nicht kostspielig genug zu sein. Es streift in der That im Hohn, wenn jetzt aus London gemeldet wird, die eng­lische Nation plane eine Schi e n k u n g von 10 0 0 0 0 P f d. ün Earl Roberts .für seine Verdienste in Südafrika und um ihm zu ermöglichen, seinem neuen Range ent­sprechend zu leben." Feldmarschall Roberts ist ein alter und dazu ein schlichter Mann. Er wird seine Lebensgewohn- heiten wahrscheinlich auch als reicher Man.? ' t ändern. M was die militärischen Verdienste anbetrif, . >q muß «s dem Feldmarschall zur Ehre nackMesagt werden? daß er btese selbst nicht übermäßig hoch veranschlagt. Wenn den Irrten das Geld so locker in der Tasche sitzt, dann eröffnen M sogar dem Lord Kitchener, dem die Buren gar manche Mafiose Nacht bereiten mögen, angenehme Aussichten. Doch im Ernst sagen sich denn die Engländer nicht, daß, wenn schon einmal Geld ausgegeben werden soll, dieses ungleich Lesser zur Linderung der Not unter den britischen Soldaten, den zurückgekehrten, verwundeten wie den noch kämpfen- Len, verwendet werden könnte? Vielleicht beschämt Earl A'oberts die Spender, indem er die Dotation einem ähn­lichen humanen Zweck überweist. Roberts erhielt bereits nach dem Feldzug in Afghanistan 12 500 Pfund und eine Pension von 100 Pfund, Lord Wolseley erhielt nach dem Ashänti-Feldzug 25 000 und nach dem egyptischen Krieg 30000 Pfund, die gleiche Summe erhielt Kitchener nach der endlichen Besiegung des Khalifen. Die Masse der Libe­ralen wird für die Schenkung stimmen, dagegen sind die

irischen Nationalisten und eine kleine Anzahl der extremen Liberalen.

Dem Lord M i l n e r wurde am Dienstag der Londoner Ehrenbürgerbrief in einem goldenen Kasten über­reicht. Der Lordmayor rühmte Milners Hervoragende Leist­ungen in Südafrika.

Die Hoffnung Indiens, England werde zum Dank für die von indischen Soldaten in China und Südafrika geleisteten Dienste Anstalten machen, dem durch Hungers­not und Pest schwer bedrückten Lande zu Hilfe zu kommen, sei es auf dem Wege des Steuernachlasses oder des Staats­zuschusses, erfüllt sich nicht. Es scheint im Gegenteil, als sei nach dem Tode der Königin Viktoria das Mitgefühl für die Leiden des indischen Volkes bei den Engländern geringer geworden. Von öffentlichen Sammlungen, wie sie früher im Vereinigten Königreich zur Linderung der Not der indischen Eingeborenen veranstaltet wurden, hört maw nichts mehr. Auch die Politiker schweigen. Für sie hat offenbar nur das Budget dieser Kolonie Interesse, die Höhe der Summe, die England aus seinem indischen Besitz herauswirtschaftet, und das giebt ihm zu Bemerkungen keinen Anlaß. Die Aussaugungsmaschinerie arbeitet in Indien flott weiter, und größere Ausgaben z. B. für die so notwendige Sanierung der Bewä'sserungsverhältnisse hält die englische Regierung für unnötig. Inzwischen aber versinkt das indische Volk immer tiefer in Elend und Armut, wachst die Sterblichikeitszifter fortgesetzt. Das Ende kann kein gutes sein, auch im politischen Sinne. Die Lehren der Geschickte lassen sich nicht in den Wind schlagen, und die Geschichte Indiens bietet solcher Lehren wahrlich genug.

China.

Am Dienstag ist in Bremerhafen der Reichspostdampfer Hamburg" aus Ostasien mit 10 Offizieren, 599 Mann von der Munitionskolonnen-Abteilung eingetroffen; unter den Zurückgekehrten befinden sich 60 Rekonvaleszenten. Nach Mitteilung des Kriegsministeriums ist der DampferGera" (mit Graf Waldersee) am 23. Juli in Suez angekommen, und wird voraussichtlich am 30. Juli Algier anlaufen. DampferSachsen" 23. Juli Port Said an und ab; vor­aussichtlich 8. August Bremerhaven. DampferBayern" 22. Juli Foochow an, 23. weiter. DampferWittekind^ 20. Juli Südspitze Portugals, DampferBahia" am 20. Juli Lissabon passiert.

Im englischen Unterhause erwiederte auf eine Anfrage der Unterstaatssekretär des Aeußeren Cranbörne, die zeit­weilige, mit den jüngsten Unruhen in Verbindung stehende Anwesenheit fremder Truppen in Shanghai bedeute in keiner Weise eine Entäußerung chinesischen Gebiets oder eine Verletzung der England von China bezüglich des Vangtse-Gebietes gegebenen Zusicherungen.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Juli. Aus Hellesylt wird mitgeteilt: Der Kaiser traf gestern abend in bestem Wohlsein nach einer selten schönen Fahrt um 11 einviertel Uhr in Merok ein. Heute etwas Regen. An Bord alles wohl.

König Oscar von Schweden-Norwegen wird als Gast des deutschen Kaisers den Manövern bei Danzig bei­wohnen.

Die sozialdemokratischeReichstagsfrak- tio n hat ihren üblichen Bericht über ihre parlamentarische Thätigkeit veröffentlicht. Darin heißt es u. a.:

Bei der Gesamtabstimmung über den Etat stimmte unsere Fraktion so wie stets gegen denselben, nicht nur weil die Reichseinnahmen hauptsächlich durch indirekte Steuern gedeckt werden, die auf der ärmeren Bevölker­ung am schwersten lasten, und nicht nur, weil die Sozialdemokratie dem kulturfeindlichen Militarismus jeden Mann und jeden Groschen verweigert, sondern auch, weil wir durch die Ablehnung des Budgets den grund- scchlichen Gegensatz zum Ausdruck bringen, in dem sich Die Arbeiterklasse gegenüber dem kapitalistischen Klassen­staat und seiner Regierung befindet."

Danzig, 23. Juli. Heute fand hier eine Konferenz zn-ecks Besprechung der wirtschaftlichen Lage der Industrie und des Handels Westpreußens statt. Handels­minister Möller versprach wohlwollendste Erwägung der von der Handelskammer gemachten Vorschläge.

Stuhm, (Westpr.), 23. Juli- Wie die Polen Hetzen, erfährt man u. a. aus einem Vorgang, der sich bei der Einweihungsfeier einer Schule im Kreise Stuhm ab­spielte, zu deren Bau aus dem Allerhöchsten Verfügungs­fonds ein Geschenk von 11000 Mark gespendet war. Bei der Einweihungsfeier ergriff der Ortslehrer das Wort, um den Kindern zu Herzen zu führen, daß sie alle Veranlassung hätten, dem Kaiser dankbar zu sein, denn ohne das große Gnadengeschenk des Landesherrn wäre es der armen Ge­meinde nicht möglich gewesen, sich ein neues Schulhaus, und noch dazu ein so schönes, zu erbauen. Da erhob sich der Pfarrer und sagte, der Lehrer befinde sich im großen Irrtum in der Annahme, daß der Kaiser der Ge­meinde zu einem neuen Schulhause verhülfen habe; das seil unwahr. Nicht der Kaiser, sondern der liebe Gott habe das große Werk vollbracht; der liebe Gott habe den Kaiser angewiesen, das Geld zu zahlen. Also nicht dem Kaiser, sondern dem lieben Gott seien wir zu Dank verpflichtet.

Insterburg, 23. Juli. Bei den Vernehmungen im Gumbinner Mordprozeß wurden sämtliche Mann­schaften des.Dragonerregiments Nr. 11 verhört, ohne daß ein Ergebnis erzielt wurde.

Memel, 23. Juli. Nach dem amtlich festgestellten Wahlergebnis erhielten bei der Reichstags-Ersatz-

wahl im Wahlkreise Memel-Heydekrug am 20. d. M- Mattschull (Lithauer) 7016, Braun (Sozialist) 4941, Schaak (freisinnige Volkspartei) 2925 Stimmen. Tie Stichwahl zwischen Mattschull und Braun ist auf den 27. d. M. fest­gesetzt.

Ausland.

Kopenhagen, 23. Juli. Der König genehmigte heute folgende von Professor Deuntzer vorgelegte Ministerliste: Ministerpräses und Minister des Aeußern: Deuntzer, Justiz: der Anwalt beim höchsten Gericht Alberte, Kultus: Staats­revisor I. C. Christen, Finanzen: (Großhändler C. Hage, Ackerbau: Landwirtschaftsftimmissar Ole Hansen, Oeffentliche Arbeiten: Redakteur Hörup, Marine: Kontreadmiral Jöhnke, Krieg: Oberst W. H. C. Madsen, Inneres: Redakteur Ensvold Soerensen. Sämtliche Minister gehören der Partei der Linken an.

Madrid, 23. Juli. Äus Tanger wird telegraphiert: Ein spanisches junges Mädchen und ihr junger Bruder, die seit zwei Monaten Gefangene eines wilden Mauren­stammes waren, seien jetzt nach Martern und Schändungen ermordet worden. Wenn Spanien nicht mit aller Energie die Bestrafung der Schuldigen und die Einziehung von Schadenersatz durchsetze, werde auch der Rest seines An­sehens verloren gehen.

Petersburg, 23. Juli. Kaiser Nikolaus stattete heute vormittag an Bord des deutschen Schulschiffes Charlotte" einen Besuch ab. Als die Kaiseryacht das Schul- schiffCharlotte" passierte, wurde von den Mannschaften auf den Raaen paradiert und drei Hurras ausgebracht. Die Charlotte" hatte über die Toppen geflaggt, die russische Kriegsflagge im Großtopp; desgleichen hatten alle übrigen im Hafen liegenden Kriegsschiffe Flaggengala angelegt. Die Kapelle derCharlotte" spielte den Marine-Präsentier- marsch und darauf die russische Hymne. DieAlexandria" legte an der Nikolai brücke an. Alsdann begab sich Kaiser Nikolaus, der deutsche Marineuniform trug, im Salon­boot, begleitet von dem Großfürsten General-Admiral Alexei Alexandrowitsch in deutscher Admiralsuniform, dem Großfürsten Michael Nikolajewitsch in der Uniform des preu­ßischen ersten Garde-Feldartillerie-Regiments mit den Feld­mars challsabzeichen, dem Minister des kaiserlichen Hofes, Baron Fredericks, dem Chef des Marinehauptstabes, Vize­admiral Avellan, dem Generaladjutanten Vizeadmiral Lo- men, dem Hosmarschall Grafen Benckendorff u. a. an Bord derCharlotte". Unten am Fallreep empfing Prinz Adalbert den Kaiser, während zugleich die Standarte des Kaisers am Großmast gesetzt wurde. An Deck erstattete der Kommandant derCharlotte", Kapitän ^ur See Büllers, dem Kaiser den Frontrapport, worauf der Kaiser den gleich­falls an Bord anwesenden deutschen Botschafter begrüßte. Nach der Vorstellung des Offizierkorps schritt der Kaiser die Front ab und begrüßte die einzelnen Divisionen mitGuten Morgen, Kameraden!" Hierauf besichtigte der Kaiser ein­gehend das Schiff. Danach besuchte der Kaiser den Prinzen Adalbert in dessen eigenen Räumen und überreichte ihm persönlich den Anderas-Orden. Später ließ der Kaiser sich noch die Seekadetten v. Schweinitz, Sohn des langjährigen, ehemaligen, kürzlich verstorbenen deutschen Botschafters, unb Freiherrn v. Maltzahn vorstellen. Nach dreiviertelstündigem Aufenthalt verabschiedeten sich der Kaiser und die Groß­fürsten vom Prinzen und begaben sich auf dieAlexandria" zurück. Als der Kaiser das Schulschiff verließ, hatte die Besatzung abermals in den Raaen Paradeaufftellung ge­nommen und begrüßte den Kaiser mit Hurrarufen. Der Kommandant des Schiffes und der Gouverneur des Prinzen, Kapitänleutnant v. Ammon erhielten Ordensauszeichnungen.

Wien, 23. Juli. Eine Verfügung des Reichskriegs­ministeriums ordnet an, daß von nun an die Präsidenten und Vizepräsidenten sämtlicher Militär-Kasinos nicht mehr gewählt, sondern von dem jeweiligen Korps-Kom­mando aus dem Aktivstand des Offizierkorps bezw.'der Ge­neralität ernannt werden. Eine außerordentliche Gene­ral-Versammlung des Wiener militärwissenschaftlichen und Kasinovereins acceptierte einstimmig diese Verfügung und beschloß eine diesbezügliche Aenderung der Statuten.

Konstantinopel, 23. Juli. Es verlautet, der Ad­jutant des Sultans, Onori Bey, der nach Tibra (Dibre?) entsandt war, sei dort von Arnauten ermordet worden. Die That wird als Akt der Rache für die im Juni erfolgte Gefangennahme des Arnautenführers Hamdi Bey angesehen.

Dar SYUrigk Stiftangsftß der BurschenschaftGermania".

Gießen, 24. Juli.

(Schluß.)

Am Wend des zweiten Tages versammelten sich die Festteilnehmer, mit Einschluß der Damen weit mehr als 300 in dem schön geschmückten Stein'schen Saale zum Kommers, der einen würdigen Verlauf nahm.

Nach dem kraftvollen Arndt'schen Eröffnungslied:Sind wir vereint zur guten Stunde", erhob sich Direktor Brand, um in beredten Worten dem Kaiser, und dem Großherzog zu huldigen. Den anwesenden Gästen rief Pfarrer Bv- litsch ein herzliches Willkommen zu, und der Burschen- chaft gedachte Justtzrat Schm e e l in warm empfundenen Worten. In längerer Rede schilderte er die Entwickelung der burschenschaftlicheu Sache in Gießen, insbesondere seit dem Jahre 1848; er betonte dabei die Richtigkeit der bur- chenschaftlichen Ziele und Ideale und schloß mit einem Hv»ch suf die Burschenschaft, das beifällig aufgenommen und bekräftigt wurde durch das Burschenlied:Schwörts bei dieser blanken Wehre". Der nächste Redner, stud. math- Waldeck, stattete noch einmal den Dank der Aktiven an die alten Herren ab, und gelobte namens seiner jungen