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25.1.1901 Zweites Blatt
 
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SJr. 21 Zweites Blatt. Freitag den 25. Januar 151. Jahrgang 1901

Weßener Anzeiger

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Proklamation mit anhörten, betrug über 200. Der Herzog von Devonshire verlas die Proklamation. Nachdem der König die Eidesleistungsformel gesprochen hatte, erklärte er, er nehme den Namen Edward VII. an, gemäß dem Wunsche seiner geliebten Mutter, welche die höchsten häus- lichen fugenden Mit der Paterlandsliebe; einer friedliebenden Monarchin in sich vereinigt habe. Er habe den ehrerbietigen Wunsch, das Andenken an den Namen seines Vaters Albert als den ausschließlichen Schatz seiner geliebten Mutter zu belassen. Mit großem Nachdruck sprach dann der König von der Verantwortlichkeit der hohen Würde, die auf ihn gefallen sei. Erwerbe alle Kräfte ein setzen, um sich seiner hohen Stellung würdig zu zeigen. Der König hatte frei und mit Nachdruck ge­sprochen. Nach der Rede verließen alle, die nicht zum geheimen Rat gehörten, das Gemach, und hierauf traten die königlichen Herzöge einzeln vor, leisteten den Treueid und küßten dem König die Hand, dann alle Mitglieder des geheimen Rates. Wenn die Ankunft des Königs in London sich in aller Stille vollzog, so ließ sich doch schon eine halbe Stunde später, als der König sich nach dem St. James-Palast begab, nicht mehr die patriotische Be­geisterung zurückhalten, unb als der König nach dem Marl- boroughouse zurückkehrte, begleiteten ihn jubelnde donnernde Cheers. Der Kommandeur der königlichen Pacht Alberta hat Jnsttuktionen, sein Schiff in Bereitschaft zu halten um die L e i ch e d e r K ö n i g i n Freitag nach Portsmouth zu überführen. In Portsmouth wird eine imposante mili­tärische Zeremonie beim Landen der Leiche stattfinden. Die Truppen werben an der Landungsbrücke Spalier bilden. König Eduard VII. kehrte heute nach Osborne zurück. Du Leichenfeier wird wahrscheinlich einen militärischen Charatter tragen. Der Tag ist noch nicht festgesetzt, doch wird, wie es heißt, die Beisetzung nicht lange hinausgeschoben werden. Die Szene, als gestern nachmittag die königlichen Be­diensteten und die Gutsbevölkerung von der Leiche Abschied nähmen, war tief ergreifend. Der Ausdruck im Gesicht der entschlafenen Königin ist ruhig und friedlich. Kaiser Wilhelm begab sich heute von Osborne nach Ports­mouth und von da nach Windsor. Es wird hier an­genommen, daß der Kaiser so lange in England bleibt, bis der Kronprinz eintrifft. Letzterer wird heute früh auf der Hohenzollern in Cowes erwartet. \

London, 24. Jan. Die heutigen Morgenblätter stellen fest, daß der neue König die Regierung unter großen Schwierigkeiten beginnt, nicht sehr, weil die allgemeine politische Lage schlecht sei, sondern weil seine Haltung der seiner verstorbenen Mutter entgegengehalten iverden wird. Die Blätter weisen auf die geringe Unterstützung hin, die der neue König und die Königin Alexandra finden werden. Im übrigen sind die Kommentare der Presse für Edward VII. in günstigem Sinne gehalten.

London, 24. Jan. Die Blätter teilen mit, daß man den Wortlaut der Proklamation des neuen Königs, die heute an verschiedenen Stellen der Stadt ausgerufen werden soll, noch nicht kennt. Sie ist von den königlichen Prinzen und dem Lordmajor von London unterzeichnet. Das Parlament wird sich am Freitag versammeln, um die könig­liche Botschaft entgegenzunehmen und sich gleich darauf bis Mitte Februar vertagen. Heute wurde im Schlosse von Osborne ein Gottesdienst abgehalten.

London, 24. Jan. Aus Kopenhagen wird gemeldet: Man glaubt hier, daß die Thronbesteigung Edwards VII. den Einfluß Rußlands am hiesigen Hofe vermindern wird. ,

1 Brüssel, 24. Jan. Der Graf von Flandern begab sich gestern nachmittag in die englische Botschaft und drückte in seinem und der Gräfin Namen sein Beileid zum Ableben der Königin aus.__

Telegramme deS Gieheuer Anzeigers.

Lvndon, 24. Jan. Ueber die Zeremonie

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Jan. Neber das Grüßen der Unter» Offiziere und Mannschaften in Zivilkleidung hat der Kaiser folgende Ordre erlassen:

Da sich bei der Ausführung der allgemeinen Bestimmung, daß Unteroffiziere und Soldaten, auch wenn fie fich nicht in Uniform be­finden, jeden Vorgesetzten zu grüßen haben, betreffs der OifisterS- burschen, welchen das Tragen von Livree gestattet worden ist, Schwie­rigkeiten ergeben haben, so ermächtige sich die Gouverneure, Komman­danten und Garnisonältesten, hinsichtlich deS Grüßens auf der Straße für derartige Mannschaften den örtlichen Verhältnisien entsprechend allgemeine Bestimmungen zu geben, durch welche eine Beschränkung des Grüßens statifinden darf. Innerhalb der einzelnen Truppenteile ist die Art des Grüßens der Olfizierburschen u. s. w. durch ihre Kom­mandeure zu regeln.

Aus Cronberg wird gemeldet: Die Kaiserin begleitete heute die Kaiserin Friedrich auf einer Spazier­fahrt im Park, die über eine Stunde dauerte. Um 3 Uhr 15 Min. fuhr die Kaiserin mit ihrer Hofdame Fräulein v. GerSdorf nach Homburg zurück, wo sie bis zur Ankunft des Kaisers verbleiben wird. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, baß hessische Prinzen paar un der Erbprinz von Meiningen, die in den letzten Tagen aoenos

geheimen Rate wirb gemeldet: Die Zahl der wesenden im geheimen Rate, welche die Thronbesteigungs-

Zum englische« Thronwechsel.

Die Beisetzung der Königin wird in acht bis zehn Tagen stattsinden. Bis dahin bleihen sämtliche Theater Englands geschlossen. Als Zeichen der Trauer ist die Lon­doner Börse geschlossen. Alle öffentlichen Gebäude, die Klubs unb Hotels und fast alle Privathäuser in London haben die Fenster nach der Straße verhängt. Viele Personen tragen Trauer. In den Gerichtshöfen eröffneten die Richter mit Trauer-Ansprachen die Sitzungen. V

Die Herzogin von Albany und der Herzog von.Sachsen- Koburg-Gotha sind in Cowes eingetroffen.

Die Leiche der Königin wird einbalsamiert werden.

Daily Mail" schreibt: Das Andenken an die Königin werde immer im Geiste der Engländer weiter leben. Die Geschichte werde sicherlich die Königin Viktoria an die Seite der Königin Elisabeth stellen. Sie habe all das Schlechte, das ihre Vorfahren angerichtet, wieder gut ge­macht.

Die gesamtepreußischeArmee legte auf 14Tage Trauer an, die bei dem 1. Garde-Dragoner-Regiment auf drei Wochen ausgedehnt wird. Alle königlichen und prinzlichen Palais sowie die Militär-Gebäude haben drei Wochen lang halbmast zu flaggen. Der Berliner Hof hat auf vier Wochen Trauer angelegt. Die englische Botschaft, die Kaserne des*l. Garde-Dragoner-Regiments, dessen Chef die Verstorbene war, das Rathaus, das Palais der Kaiserin Friedrich und zahlreiche Privathäuser in Berlin haben halb­mast geflaggt. In der englischen Botschaft zu Berlin gaben alle Minister, die Mitglieder des diplomatischen Korps, zahlreiche Offiziere und andere Personen ihre Karten ab. Der Kommandeur des 1. Garde-Dragoner-Regiments Oberst v. Rauch wird sich mit mehreren Offizieren des Regi­ments zur Teitnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten nach England begeben. Alle deutschen in heimischen Gewässern befindlichen Kriegsschiffe haben bis zum Beisetzungstage der Königin Viktoria Halbstock geflaggt. Der.,Nat.-Ztg." zufolge wird sich der Kronprinz zur Teilnahme an den Leichenfeierlichkeiten nach England begeben.

DerReichs-Anzeiger" schreibt an der Spitze des nichtamtlichen Teiles: Mit den vielen fürstlichen Familien, die durch den Heimgang der ehrwürdigen Monarchin m tiefe Trauer versetzt sind, beklagt unser Herrscherhaus den Verlust der erlauchten Großmutter des Kaisers und Mutter der Kaiserin Friedrich. Die deutsche Nation schließt sich der Trauer des britischen Reiches um die von ihrem Volk wahrhaft geliebte Königin an, deren Namen in der Ge­schichte ihrer Staaten immer fortleben wird. Auch die Nordd. Allg. Ztg." widmet der verstorbenen Königin einen Nachruf, der wie folgt schließt: Wenn in den politi­schen Beziehungen des Reiches zu England nach vorüber­gehender Trübung immer wieder das Maß von gegenseitige rUücksicht und von Vertrauen her- gestellt werden konnte, das. zwei Kulturvölker mit vielfach verflochtenen wertvollen Beziehungen in ihrem amtlichen Verkehr schwer entbehren würden, so wird es der ent­schlafenen weisen Fürstin auch von der Geschichte unver­gessen bleiben, daß ihr Einfluß die auf Erhaltung von Frieden und Freundschaft gerichteten Anstrengungen öfters erleichtert, niemals gekreuzt hat. In der Geschichte ihrer Völker ist der Königin Viktoria ein Ehrenplatz ge­sichert unter England bedeutenden Herrschern.

Dieser letztere Nachruf dürfte vom Grafen Bülow her­rühren. Er ist in der schwungvollen Ausdrucksweise des Reichskanzlers gehalten. .

Als Graf Bülow gestern im Reichstag vor Beginn der Sitzung am Bundesratstisch erschien, entnahm man aus seiner feierlichen Haltung, daß er der Königin von England einen Nachruf zu widmen gedenke. Bei den ersten Worten erhoben sich die Abgeordneten von den Plätzen, und nahmen mit anteilvoller Aufmerksamkeit die offizielle Beileidskund­gebung entgegen. Daran schloß sich die Bitte des Prä­sidenten Grafen Ballestrem, dem Kaiser und der Kai­serin Friedrich den Ausdruck der Teilnahme des Reichs­tags übermitteln zu dürfen. Die Ansprache des Reichskanz­lers war bemerkenswert kurz, bei aller Wärme in der Anerkennung der gemeinsamen Interessen Deutschlands und Englands, frei von der sonst bei Leichenreden häufigen ubei> mäßigen Hervorhebung der Verdienste des Toten. Auch inipreußischenAbgeordnetenhause hatte der Prä­sident die Genehmigung zur Kondolenz erbeten.

Die Berliner städtischen Behörden schickten Kondolenz- Depeschen an Kaiser Wilhelm, die Kaiserin Friedrich und den Lordmajor von London ab.

Die Kaiserin Friedrich hatte nach den letzten Aufregungen eine ruhige Nacht. Sie ist gefaßt und erschien morgens zur gewohnten Zeit im Frühstücks-Salon, ^m Schloß in Friedrichshof herrscht tiefste Ruhe. DieKöln. Ztg." meldet dagegen, mit großer Besorgnis blicke man nach Schloß Friedrichshof, wo die Kaiserin Friedrich zu ihrem schweren Leiden nunmehr durch den Tod ihrer Mutter von einem neuen Schicksalsschlage getroffen worden ist. Professor Renvers sei deshalb auch bereits Ende der vorigen Woche nach Cronberg abgereist.

Nach einer Meldung aus Kiel gingen die Kaiseryacht Hohenzollern", der KreuzerNymphe" und das Begleit­bootSleipner" am Mittwoch durch den Kanal nach Eng­land ab. Auf Befehl des Kaisers schiffte sich die Kapelle der 1. Matrosendivision zu den Trauerfeierlichkeiten für die Königin Viktoria auf derHohenzollern" ein.

In Kopenhagen, dem Geburtsort der jetzigen Kö­nigin, rief die Todesnachricht bei der Bevölkerung allge­meine Teilnahme hervor. Der König war von der Nach­richt tief bewegt. Er beschloß, wenn die Aerzte es erlauben, nach England zu reisen, um an den Beisetzungsfeierlich- feiten teilzunehmen. Auch in Rom erweckte bei den engen politischen und historischen Beziehungen zwischen Italien und England der Tod der Königin die tiefste Teil­nahme. In Petersburg hat der Tod der Königin von England, der Großmutter der Zarin, ebenfalls Trauer erweckt. Sämtliche Blätter widmen der Verstorbenen ehren­volle Nachrufe. Nach einer Pariser Meldung weht vor einigen Kaufläden, die Engländern gehören, die britische Fahne in Trauerflor. Die Pariser englische Handelskammer centralisiert alle Kundgebungen der Kolonie. Sie veran­staltet auch die am Tage des Leichenbegängnisses stattfinden­den Feierlichkeiten. Wie aus Budapest telegraphiert wird, widmete im Abgeordneteuhause der Vorsitzende der verstorbenen Königin einen warmen Nachruf. Das Haus beschloß, eine Beileids-Adresse an das englische Parlament zu senden und setzte die Sitzung für eine halbe Stunde aus. In London liegen aus Indien, Australien, vom Kap, aus Kanada und anderen Teilen des britischen Reiches lange Drahtberichte vor über den Eindruck, den der Tod der Kö­nigin gemacht hat. Der Kaiser von Oesterreich fuhr gestern zur englischen Botschaft und sprach dem englischen Botschafter persönlich fein Beileid aus. Für die verstorbene Monarchin wird eine vierwöchentliche .Hoftrauer angelegt werden. Erzherzog Franz Ferdinand wird den Kaiser Franz Josts bei den Beisetzungsfeierlichkeiten in Windsor vertreten. König Leopold von Belgien wird jedenfalls zur Bei­setzung der Königin von England nach London reisen.

Der neue König empfing BeileidA-Bezeugungen von allen gekrönten Häuptern Europas und den Präsidenten der französischen Republik unb der Vereinigten Staaten. Gestern vormittag 10 Uhr schiffte er sich mit den Herzögen von Connaught und York und dem Earl of Clarendon an Bord derAlberta" nach Portsmouth ein, um sich von dort nm 11 Uhr nach London zu begeben. Als der König das Deck betrat, wurde die königliche Standarte gehißt. Dem in der Nähe liegenden KriegsschiffAusttalia" wurde von derAlberta" signalisiert, daß kein Salut gefeuert werden soll. Die Mannschaften derAustralia" unb die königlichen Yachten stanben in Parabestellung, als bieAlberta" vor- überbampste.

In Lonbon traf der König mit den Herzögen, dem Prinzen Ludwig von Battenberg sowie Balfour mittags ein. Der König begab sich in geschlossenem Wagen, ohne Eskorte, nach Marlbouroughhouse und grüßte die in den Sttaßen angesammelte Menschenmenge, die schweigend das Haupt entblößte. Von hier fuhr der König, begleitet von einer kleinen Abteilung Leibgarbe, nach dem St. James- Palast, wo die Proklamation stattfand. Eine große Anzahl Pairs, die Minister, Richter und Mitglieder des Unterhauses, die dem Geheimen Rate angehören, waren ver­sammelt. Alle trugen Hofkleiber ober Uniformen. Der Lorbmayor unb bie Schöffen kamen in ihren 20 Galawagen von ber City. Der König teilte den Versammelten bei? Entschluß mit, den Titel Eduard VII. anzunehmen, und leistete den Eid, daß er die Gesetze aufrecht erhalten unb ber Verfassung gemäß regieren werbe. Der König trug Militär-Uniform. Er verlas bie Ansprache nicht, son­dern sprach sie frei mit großem Nachdruck. Die An­sprache wird wahrscheinlich später in amtlicher Form ver­öffentlicht werden. In dem Augenblick, als der 'König zu sprechen begann, gaben die im St. James-Parke auf­gestellten Geschütze, zum Zeichen der erfolgten Uebemahme ber Regierung, Salven ab.

Die Proklamation bes neuen Königs wurde gleichzeitig auch an der Börse und anderen Stellen Londons duxch einen Herold verlesen und die Thronbesteigung in allen Hauptstädten der Kolonien proklamiert. Die Bischöfe unb Richter wurden zum Handkuß im St. James-Palast em­pfangen.

Bis zu dem Momente der Proklamation hatte sich der König noch Prinz von Wales genannt. Als Prinz von Wales notifizierte er dem Lordmayor von Lonbon ben Tod der Königin und per Lordmayor adressierte ihn in feiner Bei- leibsdepesche auch Prinz von Wales. Als Prinz von Wales unterzeichnete er auch ein Danktelegramm für bas Beileid bes Kaisers von Japan. Erst feit gestern nachmittag regiert König Ebuard VIL