Ausgabe 
24.11.1901 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

23. Nov. Eine Korrespondenz meldet, daß

Berlin,

ammenstoß

2 Schwadronen

zwischen Soldaten und Ausständigen, weshalb Kürassiere dorthin beordert wurden.

Führer irischer Freischärler gegen die Engländer kämpfte, erklärte, daß er erst nach der Einberufung des Parlaments nach Loudon gehen werde, weil er sonst Gefahr laufe, verhaftet zu werden.

Paris, 23. Nov. Aus London wird gemeldet, daß drei französische Handelsleute im südlichen Nigergebiet, die angeklagt find, den Hauptmann Heyes ermordet zu haben, iaZebba zum Tode verurteilt worden seien. Mehrere Blätter ver­langen, daß der Kotonialminister in der Kammer über diese Au» gelegenheit eine Erklärung abgebe.

Leus, 23. Nov. Zu Erre kam es zu einem heftigen Zn-

Vermischtes.

Bochum, 22. Nov. Infolge schwerer Regengüsse traten Ruhr und Lenne aus den Ufern und überschwemmten die Gegend.

* Halle, 22. Nov. Bei einem Kampf mit Wil­derern in der Dülauer Haide wurde ein Förster schwer ver­letzt, ebenso ein Wilderer.

Hamburg, 22. Nov. Der stellenlose Schauspieler Reichmann aus Wien wurde wegen Hochstapeleien und Bril- lantenschwindels verhaftet.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Darmstadt, 24. Nov. Prinzesfin HeiurichvonPreußeu ist heute vormittag hier angekommeu und vom Großherzog am Bahnhof empfangen worden. Sie nahm das Refidenzschloß als Absteigequartier.

Berlin, 23. Nov. Die Nachricht, daß der Direktor der Trebergesellschast, Bolkmann, verhaftet worden sei, bestä­tigt fich demLok.-Anz." zufolge nicht.

Neustadt i. Oberschl., 23. 9loö. Die Strafkammer ver­urteilte den Amts an walt Friedr. Wocke wegen Sittlich- keitsverbrechevs zu 3 Zähren Zuchthaus und zehn Zähren Ehrverlust. Ter Staatsanwalt hatte 6 Zähre Zucht­haus beantragt.

Karlsruhe, 23. Nov. Das Präsidium des badischen Militärvereins-Verbandes veröffentlicht den Beschluß, von einer Protestkundgebung gegen Chamberlain ab- z u s e h e n.

Paris, 23. Nov. Der zum Mitglied des englischen Unter­hauses gewählte Zre Lynch, der im südafrikanischen Krieg als

Augenblick zum Halten au bringen, in dem das Mädchen nur nvch handbreit vor den Rädern der Maschine lag.

e. Bad-Nauheim, 22. Nov. Der hier sehr beliebte Pollzei- Wachtmeister Weiß, ein äußerst tüchtiger Beamter, der früher in Gießen war, hat vor kurzem die Staatsprüfung für Polizeikommissariats-Aspiranten von vier Bewerbern am besten bestanden. Weiß dürste nun bald seiner Anstellung an einem größeren Platz entgegensehen. Bei der Umgestaltung der hiesigen sehr verfahrenen Polizeiverhältnisse hat Weiß vor einigen Jahren energisch Ordnung geschaffen.

Darmstadt, 23. Nov. DerDarmst. Ztg." zufolge ist es gelungen, den steckbrieflich verfolgten Kurpfuscher Schu­macher in der Schweiz zu verhaften. Der Auslieferung des unter der Anklage des Betrugs Stehenden, an die hiesige Behörde wird sich wohl kein Hindernis entgegenstellen. Sch. der wegen ähnlicher Handlungen schon öfters mit dem Straf­gesetzbuch in Kollision gekommen und u. a. auch mit -Zucht­haus vorbestraft ist, betrieb vor einigen Jahren hier em Unternehmen für briefliche Krankenbehandlung unter dem lockenden TitelIsis. Im März befaßte sich die Straf­kammer eine ganze Woche mit der Angelegenheit. Sch. hatte es vorgezogen, eineunaufschiebbare Geschäftsreise" über den Ozean anzutreten. Er war im Anfang der Untersuchung verhaftet gewesen, dann aber in Anbetracht der Dauer der Untersuchung gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Diese Kaution im Betrag von 13 000 Mk. ließ er verfallen. Es konnte deshalb nur gegen die Mitangeklagten, den prak­tischen Arzt Dr. Lang aus Bayern und den Apotheker Kriebel aus Sachsen verhandelt werden. Das auf Frei­sprechung lautende Urteil sah beide, von denen Lang durch Schumacher für Ordinationen hier alsAushängeschild" an­gestellt gewesen war, Kriebel in seinem Wohnort Flöha die Anfertigung mid Versendung der Medikamente an die Patienten besorgt hatte, nicht als Betrüger, sondern als selbst durch Schumacher Betrogene an. Der Verlauf jener Verhandlung führte u. a. auch zu einem Turnier der verschiedenen medi­zinischen Anschauungen unter den damals vernommenen sieben ärzllichen Sachverständigen. Der gewandte Kurpfuscher (ur­sprünglich Fabrikarbeiter) hat nacheinander Oesterreich, Deutsch­land, Holland und Amerika zum Operationsfeld gewählt.

)( Merkeusritz, 22. Nov. Der Mühlenbauer Jakob Geier fi-a ch gestern Nachmittag nach einem kurzen Wortwechsel seine Frau mit einem Messer in den Rück en, so­daß Letztere nach einigen Minuten ihren Geist aufgab. Der Mörder wurde verhaftet. Wie es heißt, soll der Mörder die That in angetrunkenem Zustande ausgeführt haben.

om. Frankfurt a. M., 22. Nov. Wie in nichtöffentlicher Sitzung den Stadtverordneten mitgeteilt wurde, hat der Militärftskus dem Magistrat den Vorschlag gemacht, die Katharinenkirche niederzulegen, um an deren Stelle das Kommandaturgebäude des 18. Armeekorps zu errichten. ;2)er Fiskus spricht der Kirche jeden historischen und archi­tektonischen Wert ab. Sämtliche Stadtverordnete sollen bei der Mitteilung fast in Ohnmacht gefallen sein.

löschordmmg er war bei erfolgtem Feueralarm zu spät an- getreten durch Urteil des Schöffengerichts Herbstein vorn 4. Okt. freigesprochen worden. Gegen das freisprechende Erkenntnis hat die Sraalsanwaltichast das Rechtsmittel der Berufung eingelegt, um eine Verurteilung des Angeklagten herbeizuführen. Stach dem Schluffe der Beweisaufnahme beantragt die Staatsanwaltschaft, unter Stattgebung ihrer Berufung auf eine Geldstrafe von 10 2m. au erkennen, wahrend der Verteidiger des Angeklagten auf Frei- prechung plaidiert. Tas Gericht giebt der Berufung der Staats­anwaltschaft statt und verurteilt den Angeklagten in eine GeldUra,e von 10 Alk. unter Znrlastseßung der Kosten der beiden Instanzen. Ter Reisende Friedrich Max Borner in Leipzig-Reudnitz ist be­schuldigt, im August und September zu Gießen in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen der hiesigen Firma Plank u. Schneider um den Betrag von 500 Ml. und zwar durch Aufgabe fungierter Aufträge, geschädigt zu haben. Ter Angeklagte, der 2mal wegen Unterschlagung vorbestraft ist, leugnet die ihm zur Last gelegte Strasthat. Die Vernehmung des Inhabers der geschädigteii Firma bestätigt jedoch den Thatbestand der Anklage. Der Staatsanwalt beantragt gegen den Airgeklagten in Anbetracht seiner Vorstrafen sowie des groben Vertrauensnuß­brauches unter Ausschluß mildernder Umstände aus eine Gefäng­nisstrafe von 6 Monaten zu erkennen. Ter Angeklagte verteidigt sich nicht. Tas Gericht beschließt nach erfolgter Beratung, die Ver­handlung auszusetzen, um nach Vernehmung der angeblichen Cr- garren-Besteller die Sache weiter zu verhandeln. Ter Kaufmann oafln Strauß in Friedberg, 1858 daselbst geboren, steht unter der Anklage, durch eine fortgesetzte Handlung im Laufe der Jahre 1896, 1897 und 1898 zu Friedberg als Schuldner, der seine Zah­lungen eigestellt hatte, und über dessen Vermögen das Konkursve^ fahren eröffnet war, 1. Handelsbücher deren Führung ihm gesetzlich oblag, zu führen unterlassen, ober doch wenigstens so unordentlich geführt zu haben, daß sie keine Uebersicht über seinen Vermögens­stand boten, 2. gegen die Bestimmungen des Handelsgesetzbuchs unterlanen zu haben, die Bllarn seines Vermögens zu den vorge­schriebenen Zeiten zu ziehen. Ter Angeklagte ist nicht geständig; er behauptet, die Bücher so als es ihm bei dem Mangel jeglicher kaufmännischen Bildung möglich war, geführt zu haben, ein Schä­digung seiner Gläubiger sei nicht beabsichtigt gewesen. Aus der Beweisaufnahme ergiebt sich, daß der Angeklagte nicht in betrüge­rischer Absicht, sondern aus Unfähigkeit sich der ihm zur Last ge­legten Vergehen schiildig machte. Die Staatsanwaltschaft beantragt deshalb nur eine Geldstrafe gegen ihn. Die Kammer ertennt jedoch auf eine Gefängnisstrafe von 10 Tagen, in Anbetracht der schwere der Schädigungen.

Mainz, 22. Nov. Eine Entscheidung von provinzieller Traa- roeitc hat die erste Zivilkammer des hiesigen Landgerichts gefällt. Ein früheres Mitglied der hiesigen freien christlichen Gemeinde war nach feinem rechtsgiltig erklärten Austritt aus der Gemeinde tu feinem Üebertritt zur katholischen Kirche aus nicht mehr festzu- stellenben Gründen noch zehn Jahre lang zu den Kirchensteuern jener Gemeinde herangezogen worden. Nach der erst jetzt er­folgten Entdeckung dieses Umstandes hatte jenes Mitglied die Ge- membe auf Rückzahlung ber zu Unrecht erhobenen Steuer im Be­trage von annähernb 500 Mk. verklagt, unter der Behauptung, es sei wissentlich trotz seines Austritts zu den Steuern ber freien christlichen Gemeinde herangezogen worden. Die Klage wurde ostenfällig abgewiesen, weil in diesem Falle der Rechtsweg aus­geschlossen und nur das Verwaltunasstreitversahren zulässig sei, m dem aber die Beschwerdefristen für den Kläger längst abgelaufen fei. Auch sonst sei die Klage unbegründet.

Mainz, 22. Nov. Der Kreisansschüß verurteilte den Rrimi- nalschutzmann Juncker, der die Frau Oberleutnant Richter bei ihrer.Verhaftung geküßt haben soll, zu 50 Mk. Geldstrafe.

Gerichtssaal.

v. Gieße«, 22. Nov. (Strafkammer.) Der Landwirt Jakob Kitz in Eichen war unter ber Anklage vor das Schöffen­gericht Friedberg gestellt worden, zu Ockstadt in den Jahren 1900 und 1901 in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermogensvor- teil zu verschaffen, das Vermögen des Georg Wilhelm Jüngling von Eichen um den Betrag von etwa 175 Mk. durch Vorspiegelung falscher Thatsachen beschädigt zu haben. Das Gericht erster Instanz hielt jedoch den Beweis für den Thatbestand der Anklage für un­bewiesen und erkannte auf Freisprechung wegen Mangels an Be­weisen durch Urteil vom 22. Oktober. Gegen die freisprechende Entscheidung verfolgte die Staatsanwaltschaft das Rechtsmittel der Berufung. Ein großer Zeugenapparat ist heute in Bewegung ge­setzt wordeii, um oen schwierigen Thatbestand festzustellen. Die Rechtsverhältnisse, an die die Anklage anknüpft, sind in der Haupt­sache zivilistischer Natur, sodaß die. Zeugenvernehmung sehr ins Einzelne zu gehen hat. Die Staatsanwaltschaft beantragt nach teilweiser Vernehmung der Zeugen Verurteilung des Angeklagten in eine Geldstrafe von 50 Mk. und die Koste,i des Verfahrens. Der Verteidiger beantragt unter Verzicht auf verschiedene seiner­seits geladenen Zeugen Freisprechung. Die Kammer setzt die Ver­handlung aus. Dem Anzeigenden wird aufgegeben, innerhalb emes Monats im Wege des Zioijprozesses die Feststellung seines angeb­lichen Sozietätsverhältmsies um das es sich dreht zu unter­nehmen. Die Privatklagesache Walter gegen Volp wird ausge­setzt. Der Schlossermeister Georg Hofmann von Oder-Eschbach, beschuldigt, am 23. August d. I. den Beischützen Heinrich Beft von da, einen Beamten, öffentlich beleidigt zu haben, war durch Ent- fcheibung des Schöffengerichts zu Vilbel vom 16. Oktober in eine Gefängnisstrafe von drei Wochen und in die Kosten des Verfahrens verurteilt worden. Der Angeklagte hat wegen der Höhe des Straf­maßes Berufung verfolgt. Nach erfolgter Vernehmung des als Zeugen gelabeneit Beischutzen beantragt sowohl der Verteidiger als ber Staatsanwalt Einstellung bes Verfahrens, ba eine Beamten­beleidigung nicht vorliege. Die Begründung dieser gemeinsamen Ansicht ist allerdings verschieden. Das Gericht erläßt jedoch Urteil und zwar dahingehend, daß an Stelle ber Gefängnisstrafe von 3 Wochen eine Geldstrafe von 20 Mk. (zwanzig) tritt. Die Staats­kasse trägt die Kosten zweiter Instanz. Die beiden Brüder Phllipp und Christian Walter von Nieber-Mörlen werden be­schuldigt, daß sie in gemeinschaftlicher Ausführung der That zu Nieder-Mörlen am 4. August oder um diese Zeit, um sich ober einem Tritten einen rechtswibrigen Vermögensoorteil zu verschaffen, ben Schmieb König vou ba burch Drohung zu einer Hanblung genötigt unb baß sie durch bieselbe Hanblung ben Engelbert Balling zuBurg-Willbach wiberrechtlich mit bemVerbrechenberKörperverletz­ung genötigt batten zu teuer Hanblung einem schriftl. Schulbversprechen. Die Angeklagten leugnen. Es entwickelt sich eine umfangreiche Beweisaufnahme. Die Staatsanwallfchaft häll ben Beweis für bie Anklage erbracht und beantragt gegen ben Phllipp Walter eine Gefängnisstrafe von 8 Wochen, ben Christian Waller eine solche von 6 Wochen, unter Verurteilung in bie Kosten bes Verfahrens. Dte Verteidigung beantragt unter Nichtschuldigsprechung Frei­sprechung von Strafe und Kosten. Tas Gericht erkennt beide An- getlagte ber Nötigung für schulbig unb verurteilt ben Angeklagten Philipp Waller tn eine Gelbstrafe von 25 M., ben Christian Wcllter m eine solche von 15 Mk. Freisprechung erfolgt wegen bes Delikts ber Erpressung, bas bie Anklageschrift enthält. Für bie Kosten Haven, die Angeklagten solibarisch zu haften. Der Landwirt Christian Gred^U. von Steinfurt war ber Uebertretun". der Feser-

Heute abeud die allgemeine Begründung zum Zoll­tarif an die Reichstagsabgeordneten zur Versendung ge­langt. -Die Vorlage selbst sowie das übrige Material dazu kommen erst am Montag zur Verteilung, da sich die Druck­legung nicht früher bewerkstelligen läßt. Es besteht dte Absicht, am 2. Dezember mit der Lesung der Zolltarif-Vor- lage zu beginnen. Das Befinden des Ministers v. Thielen hat sich derart gebessert, daß er die Amts­geschäfte in vollem Umfange wieder aufnehmen tonnte.

Berlin, 23. Nov- Die Krankheit des Abg. Singer ist, wie derVorwärts" meldet, wieder behoben.

London, 23. Nov- Die sozialistische Arbeitergruppe beschteß einstimmig, die Boykottbewegung gegen die englischen Handelsschiffe auf dem Festlande nicht zu unterstützen. Dieser Beschluß wurde dem internatio­nalen sozialistischen Bureau in Brüssel mitgeteilt. Die englischen Blätter fahren fort, die E n g l a n d f e i n d l i ch e Bewegung in Deutschland zu besprechen. Sämt­liche Blätter erkennen an, daß dieser Zwischenfall eine große Bedeutung habe. Auch ixte ministeriellen Blatter erklären, Chamberlain täusche sich, wenn er annehme, daß diese Bewegung erkünstelt sei. Die vom Kriegsamte veröffentlichte Verlustliste von gestern beläuft sich auf 3 Tote, 6 Verwundete und 9 an Krankheit Verstorbene. Hier wird behauptet, die Ver­einigten Staaten hätten beim Sultan die Erlaubnis nach­gesucht, eine amerikanische Flotte durch die Dardanellen fahret: zu lassen. Die amerikanische Regierung beabsichtigt nämlich eine Flvttetu-Kundgebung gegen Bulgarien im Zu­sammenhang mit der Angelegenheit der Miß Stone. Tas Kriegs-Departement kündigt die Einschiffung von zw ei In­fanterie-Bataillonen in Bombay für Süd? afrika an. Aus Caracas wird gemeldet: Die 23er» Haftung des Generals Guerra hat im ganzen Lande den Haß gegen den Präsidenten gesteigert. Die Verhaftung mehrerer einflußreicher Kaufleute trägt zur Vermehrung der Mißstimmung noch bei. Nach einem Telegramm aus Colon ist der Gouverneur von Panama mit 125 Mann nach Panama zurückgekehrt. Seine Truppen sind vom General Lago geschlagen worden. 400 Mann gingen zu den Libe­ralen übet;

Haag, 23. Nov. Die geheime Sitzung des Friedens-, Ausschusses, in der das ErsuchenderBurenumFrie- dens-Vermittelung verworfen wurde, dauerte genau fünf Minuten. Der Vorsitzende Baron Melville er­klärte, die Buren hätten durch den beleidigenden Ton die diplomatische Etikette verletzt. (!?!) Hierauf ging die Versammlung zur Tagesordnung über. Tie Buren wollen jetzt absolut feine Schritte zur Herbei­führung des Friedens mehr unternehmen.

Haag, 23. Nov. Der Buren-General Viljoen hatte vor einiger Zeit in dem Fort Het Lage Veld bei Krokodil- River 23 weiße Soldaten überwältigt, unter deren Führung eine größere Anzahl bewaffneter Kaff ern gegen ihn gekämpft hatten. Er ließ die Kaffern nach dem völkerrecht­lichen Brauch erschießen und fragte darauf bei Lord Kitchener an, ob er die Weißen, mit denen die Käftern Schulter an Schulter gefochten, für Msarodeure halte ober als seine Soldaten reklamiere. In letzterem Falle würbe er sie als Kriegsgefangene behandeln. Die schriftliche Antwort Kitcheners lautete, daß er sie als Soldaten der regulären englischen Armee anerkenne. Damit ist die volle Bestätigung der immer wieder geleugneten Thatsache gegeben, daß die englische Heeresleitung die Kaffern nicht nur bewaffnet, sondern sogar unter die regulären Truppen einge­reiht hat. Das Schreiben Kitcheners befindet sich als Be­weisstück in den Händen der Buren-Regierung.

Teplitz, 23. Nov. Das Teplitzer Eisenwalzwerk wird infolge der ungünstigen Geschäftslage nur eine Woche voll arbeiten, die darauf folgende Woche aber gänzlich feiern.

Budapest, 23. Nov. Zwischen dem Redakteur des liberalen Blattes ,Magyar Szo" und dem Universitätshörer Desider Koepoesdy fand gestern ein Pistolen-Duelh statt, das mit einer lebensgefährlichen Verwund­ung des Redatteurs endete. Die Vorgeschichte des Duells! steht mit dem Defraudationsfalle Keoskemetys, der bekannt­lich zum Schaden der Hauptstadt nahezu 600000 Kronen de- fraudierte, in engem Zusammenhang.

Krakau, 23. Nov. An knüpfend an die P rvzes se in Thorn und Gnesen erläßt Heinrich Sienkiewicz einen Auftuf zu Sammlungen für die Kinder der Verurtellten. Er selbst eröffnet die Liste mtt einer Spende von 200 Kr. Der Aufruf enthält heftige Angriffe gegen die preußische Regierung.

Bukarest, 23. Nov. Die bulgarische Grenzwache schoß an der bulgarisch-rumänischen Grenze auf türkische Emi­granten, welche sich flüchten wollten, wobei mehrere Emi­granten getötet wurden. Da die Bulgaren hierbei die rumänische Grenze überschritten, wird die Regierung in Sofia Protest Theben.

Atheu, 22. Nov. Bei der Trauerfeier für die beiden Studentenunruhen Getöteten hielt der ehemalige Minister Levidis eine Rede, worin er die Regierung angriff und verlangte, daß sie den aus dem Volke als Opfer ihrer Pflichterfüllung gegenüber dem Vaterlande Gefallenen ein Mausoleum errichte. In der Stadt herrscht Ruhe. Die Studenten halten die Universttät noch besetzt und erklärten, daß sie dieselbe nur räumen, wenn die gerichtlichen Ver­folgungen niedergeschlagen und die Uebersetzer der Evangelien exkornmuniziett würden.

Johannesburg, 22. Nov. Es fft den englischen Behörden gelungen, eine V erschwörung im Keime zu ersücken, welche hier angezettelt war. Am letzten Dienstag um Mitternacht wurden etwa zwanzig Verhaftungen in verschiedenen Teilen der Stadt vorgenommen. Als die Nachricht hiervon gestern bekannt wurde, rief sie große Aufregung hervor. Für den Prozeß pegen die Verhafteten ist noch kem Termin festgesetzt.

Universitäts-Nachrichten.

An Theodor Mommsen ist, wie dasHeidelb. Tagebl." meldet, aus dem Lehrkörper der Heidelberger Un i d e r f i t ä t die nachstehende Zustimmungsertlärung ergangen: Heidelberd, dm Stiftungstag ber Unioerfität 1901. Hochgeehrter Herr Professor! Sie haben Ihre wärnenbe Stimme erhoben gegenüber neueren Eingriffen, welche bas kostbare Gut der voraussetzungslosen Wahr- heitsforschung bebrohen und für die Gestaltung unserer UnioerfitätS- einrichtungen Gesichtspunkte geltend zu machen suchen, bie bem Wesen ber Wissenschaft unb des wissenschaftlichen Unterrichts inner­lich fremd sind. Ungebeugt von ber Fülle ber Jahve, treten Sie mit jugenblicher Geistesfrhche unb unerschrockenem Mannesmut auf ben Plan als unser Vorkämpfer im Geistesstreit. Wir, bie unter­zeichneten Professoren unb Dozenten der Ruperto-Carola, bie alle­zeit ein Hort unb Sitz' ber freien Forschung zu sein sich rühmte, stehen gern an Ihrer Seite unb scharen uns um bas Banner, bas Sie entrollen. Unser Tank gebührt bem hochverdienten Forscher, bem wackeren Manne unb Kollegen, ber uns aufruft zum Kampfe für ein unveräußerliches Gut, bas wir uns nicht antaften lassen wollen. In ausgezeichneter Hochachtung G. AnschützI. Amolb H. Saffermann I. Bekker K. Bezolb S. Branbt W. Braune G. Brebig H. Buhl SD. Crusius V. Czerny A. Teißmann A. v. Tomaszewski F. o. Duhn W. Erb M. Fürbringer K. Gegenbaur R. Gottlieb I. Hatschek P. Hensel A. Hettner I. Hoops P. Jannasch G. Jel-- linek B. Kahle O. Karlova F. A. Kehrer K. Kinder­mann A. v. Kirchenheim F. Knauff I. Kneucker E. Knöoenagel A. Stoffel E. Kräpelnr Th. Leber S. Lef- mann E. Leser K. v. Lllienthal E. Marcks A. Merx Fritz Neumann H. Ofthoff A. Passow $L Rachgen W. Salomon D. Schäfer E. Schneegans F. Schöll K. Schröder A. Schuberg L. Sütterlin H. Thode E. Tröltsch W: Valentiner G. Vierordt I. Wille M. Wolf K. Zangemeister.

Handel und Verkehr. Volkswülschasl.

Gießen, 23. November. Marktbericht. Auf bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfunb 1,101,20 Mk., Hühner­eier pr. Stück 8 Pf., 2 Stück 0000 Pf., Käse pr. Stück d-8 Pf., Käsematte 2 Sttick 00 Pfa., Erbsen pr. Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Pfa., Tauben pr. Paar 0,701,20 Mk., Hühner pr. Stück 1,001,20 Mk., Hahnen pr. Stück 0,701,20 All., Enten pr. Stück 1^02,50 Mk., Gänse pr. Pfb. 5464 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Kuh- unb Rinbfleisch pr. Pfunb 6064 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfunb 6480 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfunb 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfb. 6066 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kar. 3,003,50 Mk., Weißkraut per Stück 0000 Pfa. Zwiebeln pr. Zentner 4,005,00 £01!., Mllch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfb. 913 Pfg., in Körben 1215 Pfg. Trauben 3550 Pfg., Tomaten per Pfb. 182OJ3fg^