— Das italienische Königspaar wird sich, nach Blättermeldungcn, von Zanardelli, drei Ressortministern und von den verantwortlichen Diplomaten begleitet, nach Petersburg begeben. Italien will zum Schutze gegen den Zolltarif einen „Rückversicherungsvertrag" mit Rußland schließen. Italien will mit Dalmatien, Montenegro und Albanien gedeckt im Rücken seinen Einfluß als Nachbar auf dem Balkan zweckmäßig verwerten. (Die Nachricht scheint nicht besonders zuverlässig zu sein. D. R.)
Swatau, 21. Okt. In Hsing-ning ist die Ruhe wieder hergestellt. Es sind 140 Aufrührer hingerichtet worden.
Washington, 22. Okt. Marinesekretär Lang erhielt von dem zurzeit in Cavite befindlichen Contreadnüral Bodgers folgendes Telegramm: „Auf der Insel Samoa herrscht Aufruhr. Dampfer „Newyork" geht heute mit 300 Seesoldaten nach Cathologau ab. Fast die ganze Seestreitmacht ist bei Samoa zusammengezogcn."
Vom Burenkriege.
Eine für die Fortführung des Transvaal-Krieges sehr bedeutsame Meldung kommt heute aus London. Kürzlich wurde gemeldet, König Eduard beabsichtige, dem General Buller den Pairstitel zu verleihen, und ihm außerdem eine bedeutende Dotation zu gewähren. Wer sich gegenwärtig hält, wie General Luller in draufgängerischer Manier bei seinen mrsinnigen Unternehmungen am Lu- igela Tausende seiner Soldaten zwecklos hingeopfert, der wird sagen: der Mann hätte diese Auszeichnungen verdient. 9hin hat sich aber der englische König eines anderen besonnen. General Buller wurde, wird uns heute telegraphiert wird, wegen einer Kundgebung, in der er sich gegen die Angriffe gewisser Blätter vom 10. Oktober verteidigte, des Kommandos des ersten Armeekorps in Aldershot enthoben und zur Disposition gestellt. Zum Nachfolger wurde General Fr en ch , ernannt. Bis zu dessen Rückkehr aus Südafrika übernimmt General Hil- dyard den Befehl in Aldershot.
Sonach verliert also Kttchener seinen fähigsten Untergeneral, der zweifellos von den frohlockenden Buren mit den besten Glückwünschen auf seiner Reise nach England begleitet werden wird. Die englische Regierung aber hat mit dieser Personaländerung wieder einmal einen vielleicht sehr folgenschweren unklugen Streich begangen. Wie von anderer Seite aus London telegraphiert wird, forderte dieser Tage Sorb Kitchener dringend geübte Kavallerie. Alles aber, was im Mutterlande noch zu haben ist, sind 3000 Mann, von denen die meisten Kitchcncrs Wünschen nicht entsprechen dürften. Nach der Entsendung dieser 3000 Mann ist England von Kavallerie entblößt. Darum wurde also der geschickteste Reitergeneral nach London berufen, um Kavallerie-Regimenter aus der Erde zu Stampfen. Kitchener aber wird dem Herrn French, der ihm die besten Dienste leistete, heiße Thränen nachweinen und nun umso dringender tüchtiger Kavallerie bedürfen. — Die Lebensmittelzusuhr macht den Engländern auch große Mühen und Kosten. Nach einer Meldung aus der schlesischen Stadt Sprottau werden in dem dortigen und dem benachbarten Saganer Kreise zur Zeit enorme Mengen Kartoffeln für englische Rechnung aufgekauft, die zur Verproviantierung der englischen Truppen in Südafrika bestimmt sind. Die Kartoffeln werden in Sprottau gleich für den überseeischen Transport verpackt, wozu eine dortige Firma vorläufig 1000 Kisten angefertigt hat.
Das Urteil gegen Johannes Botha, einen unter dem Kommando Lotters stehenden Führer, das auf Dodes- sttafe lautete, wurde in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt.
Jetzt liegt wieder eine interefsante offizielle Stattstik der englischen Regierung vor, die besagt, daß im September dieses Jahres allein etwa 17 000 Männer, 38000 Frauen und 54 300 Kinder, zusammen 109 418 Personen (Weiße), in den Konzentrationslagern interniert waren. Bon diesen starben im genannten Monat nicht weniger als 119 Männer, 328 Frauen und . . . 1054 Kinder, zusammen 2411 Personen. Hieraus ergiebt sich, daß sett dem 1. Juni dieses Jahres von 54 326 unmündigen Buren-Knaben und Mädchen im ganzen 5209 Kinder hingemordet worden sind.
Aus Stadt und Kand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ■ift mir unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.)
Gießen, den 23. Oktober 1901.
* * Aus dem Theaterbureau. Auf das morgen beginnende Gastspiel von Karl Schönfeld sei hiermit nochmals aufmerksam gemacht. Der Künstler hatte mit der Rolle des „Shylock" im „Kaufmann von Venedig", welche derselbe am ersten Abend spielt, überall einen durchschlagenden Erfolg. — Kommenden Sonntag, nachmittag 4 Uhr, wird „Die Dame von Maxim" auf vielfachen Wunsch nochmals aufgeführt.
* * Das Amtsblatt des Ministeriums der Justiz Nr. 18 vom 21. Oktober enthält ein Ausschreiben an die Großh. Amtsgerichte bett, die freiwillige Versteigerung von Grundstücken.
* * Zur Stadtverordnetenwahl. Die Sozialdemokraten sind die ersten, die mit ihren Kandidaten auf dem Plane erscheinen. Am Samstag hat der Wahlverein eine Versammlung abgehalten, in der er u. a. seine Kandidaten aufstcllte.
* * Von der Post. Wie wir hören, hat die Ober-Postdirektton in Darmstadt den Beamten und Unterbeamten der Postämter im Großherzogtum Hessen cs streng untersagt, auf Anftagen des Publikums, in welchen Geschäften die von der Ober-Postdirektton empfohlenen Gummistempel (Namenstempel) erhältlich seien, ein bestimmtes Geschäft zu empfehlen oder auch nur zu bezeichnen. Es soll vielmehr überall den in Bettacht kommenden Geschäften selbst überlassen werden, sich znr Beschaffung solcher Stempel den Interessenten zu empfehlen.
* * Vortragsabend des Kaufmännischen Vereins und des Ortsgewerbevereins. Gestern abend veranstaltete der Kaufmännische Verein und der Ortsgewerbeverein den ersten der angekündigden Vortragsabende. Welches Interesse unsere Bürgerschaft diesen Vorträgen allgemein bildenden Inhalts entgegenbringt, beweist der Umstand, daß der Saal von Steins Garten, trotz des eingetrctcnen Regenwettcrs, das gewiß noch manchen vom Besuch zurückgchalten hat, schon ehe der Redner, Hofschau- ifpieler Otto Ewald aus Kassel, über sein Thema „Eine MLise zum Ober-Ammergauer Passionsspiel"
zu sprechen begann, dicht gefüllt war, Jo daß mancher Nachzügler Mühe hatte, ein Plätzchen zu bekommen. Der Redner gab, ehe er zu dem Kernpunkt seines Themas überging, eine Skizze des historischen Hintergrunds und der Entwickelung der Oberammergauer Passionsspiele. „Passronsspiele" nannte man die dramatischen Spiele des Mittelalters, soweit sie religiöse Stoffe behandelten. Bereits im 9. Jahrhundert gab es in Freising geistliche Spiele. Besonders wirksam erwies sich für diese Spiele die Leidensgeschichte. Als eigentlicher Schöpfer gilt hier der Augsburger Meistersinger Sebastian Wild, dessen Tragödie vom Leiden und Sterben Christi auch die ursprüngliche Fassung des Oberammergauer Festspieles bilden soll. In der Umgegend von Oberammergau giebt es große Waldungen. Deshalb wandten sich feine Bewohner schon früh der Schnitzkunst zu, insbesondere wurden Heiligenbilder ge- chnitzt. Auf diese Weise wurde schon früh der religiöse Sinn bei ihnen ausgeprägt, so daß allmählich selbst ihr Aeußeres einen gewißen Änsttich biblischer Würde erhielt. Die geistlichen Spiele fanden hier also einen besonders günstigen Boden. Eine int Jahre 1630 ausgebrochene Seuche dachte man dadur'ch zu bekämpfen, daß man alle 10 Jahre in großem Maßstade die Passion au,führen wollte. Von den Benediktiner-Mönchen des benachbarten Klosters wurde der Text dazu bearbeitet. In diesen ersten Passionsspielen waren freilich neben hoch dramatischen Momenten auch läppische bis zur Unflätigkeit ausartende Szenen, so daß 1810 die Spiele sogar verboten wurden und es nur mit vieler Mühe den Vorstellungen einer nach München gc- ändten Deputation gelang, die Aufhebung des Verbots zu erwirken unter der Bedingung, daß der Text gereinigt würde. Ein Benediktiner besorgte dies abermals. Die,e veränderte Fassung gefiel so, daß die Spiele.bereits 1815 einmal wiederholt werden mußten. Seit 1820 wurde der zehnjährige Zeitraum innegehalten. Bald erfreuten sich die Oberammergauer Spiele eines ungeheuren Zudrangs, so daß schon 1830 die Bübne notgedrungen außerhalb des Ortes aufgeschlagen tocroen mußte. 1850 fand eine nochmalige Revision des Textes statt. Die Gestalt, die er damals erhielt, hat er zum größten Teil noch.heute. Die Musik ist zwar edel; wenn sie aber die dramatischen Vorgänge Vorgänge unterstützen soll, bleibt sie unbeholfen und schüchtern, und doch dürfte sie nicht anders sein. In der Fassung des ganzen Dramas liegt der Hauptreiz. Auch die Jn- zenierung ist musterhaft. Dabei verschmähen die Spielleiter jede Mitwirkung von fachmäüNischer Seite. Man muß dabei aber berücksichtigen, daß die Dorfbewohner bereits von Kindesbeinen an mit dem Spiel vertraut find. Auf einer Uebungsbühne spielt man Komödie. Die Proben beginnen mindestens ein halbes Jahr vor der Spielzeit. Der Eindruck der Spiele auf den Besucher wird verschieden sein. Die meisten aber dürften mit Befriedigung, ein Teil sogar mit Begeisterung von bannen ziehen; sonst wäre der immer zunehmende Andrang nicht zu erklären. Der oft gemachte Einwand, es sei eine Profanation, Gott auf die Bühne zu bringen, ist nicht stichhaltig, denn.Christus hatte doch während seines Erdenwandels sich seiner Gottheit entkleidet. Ein weiterer Borwurf ist der, daß es kein Bauerntheater ei und daß die Darsteller nach Vervollkommnung stteben. Aber von einem Bauerntheater kann keine Rede sein. — Im zweiten Teil seines Vortrags gab der Redner eine Be- chreibung der Reise nach Oberammergau. In formgewandter, von mannigfachen interessanten Erläuterungen begleiteter Rede führte er den Zuhörer von München nach dem reizend gelegenen stillen Dörfchen Oberammergau, immer die wunderbaren landschaftlichen Reize der durchfahrenen herrlichen Gegend eingehend schildernd. Unterstützt wurde er dabei durch eine große Anzahl trefflich gelungener Lichtbilder, dtt dem Beschauer die schönsten und wichtigsten Punkte des Weges vor Augen führten. Es würde zu weit führen, wollten wir hier eine ausführliche Besprechung davon bringen. Dann gab Ewald eine kurze Beschreibung Oberammergaus und seiner Bewohner. Oberammergau ist ein Ort von 15—1600 Einwohnern, von denen fast die Hälfte am Spiele beteiligt ist. Der Redner führte die Bilder der hervorragendsten jetzigen Spieler teils in der Eigenschaft, in der sie auftreten, teils als einfache Handwerker u. s. w. in ihrer schlichten Häuslichkeit vor. Weiter beschrieb er, wiederum an der Hand einiger schöner Lichtbilder, das imposante Spielgebäude und das Spiel selbst. Von der Größe des Musentempels kann man sich eine Bor- stettung machen, wenn man bedenkt, daß der Zuschauer- raum 4500 Personen faßt. Das Spiel zerfällt in drei Abteilungen. Diese sind in 17 Vorstellungen gegliedert, die sich aus Prolog, Chorgesang und der eigentlichen Handlung zusammensetzen. Das erste Bild ist die Vertreibung aus dem Paradies. Die eigentliche Handlung beginnt mit dem Einzug Jesu in Jerusalem, die sofort den ganzen ungeheuren Bühnenraum zur Verwertung bringt Hervor- gehoben zu werden verdient, daß die Darstellung durchaus nicht konfessionell gefärbt ist. — Die Zuhörer folgten den anschaulichen Darlegungen des Vortragenden mit größter Aufmerksamkeit, und der reiche Beifall, den sie ihm am Schluß spendeten, beweist, wie sehr sie davon befriedigt waren.
• * Zur Leichenschau in Hessen. In einer vor einigen Tagen in Bingen abgehaltenen Versammlung rheinhessischer Aerzte kam die von dem Großherzoglichen Ministerium in Darmstadt bekundete Absicht der Einführung der obligatorischen Leichenschau in Hessen zur Sprache. Besonders lebhaften Widerspruch erfuhr der von der Regierung verlangte Eid, da die Leichenschau gegenüber den großen und viel wichtigeren Standes- und Gewissenspflichten des Arztes eine unbedeutende Amtshandlung sei, die bisher auch Laien überlassen worden wäre. Eine Notwendigkeit, nunmehr gerade diese Tätigkeit durch einen Eid besonders hervorzuheben, bestehe nicht. Die Versammlung sprach sich einstimmig dahin aus, daß zur Vornahme der Leichenschau alle Aerzte berechtigt und speziell die Armenärzte verpflichtet sein sollen.
* * Militärdienstnachricht. Leutnant Fiebelkorn im 5. Gr. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168 wurde zu den Reserve- Offizieren übergeführt.
* * Besitzwechsel. Die Seltershöhe wurde für 70.000 Mark von dem seitherigen Besitzer Bahlert an Herrn Ruth aus Fronhausen verkauft, der z. Z. in Wiesbaden wohnt.
* * Sänger-Jubiläum. Heute sind es 25 Jahre, seit Schreinermeister Friedrich Rosenbaum dem „Bauer'schen Gesangverein" als aktives Mitglied angehörte. Der Verein ehrte den Jubilar in Anerkennung seiner Verdienste, die er sich als langjähriges Vorstandsmttglied erworben, gestern Abend durch em Stündchen.
* * Ruhestörer. Mehrere Personen, die heute Nacht nach 12 Uhr auf dem Seltersweg, in der Frankfurter- uttd in der
Liebigstraße durch lautes Singen und Schreien die Bewohner in ihrer Ruhe störten, wurden von einer Schutzmann- Patroille verfolgt und notiert.
b. Leihgestern, 23. Okt. Bei der am Samstag stattgehabten Bürgerineist erwnhl wurde Joh. Heß XVI. wiedergewählt und zwar mit 188 von 195 abgegebenen Stimmen. Herr Heß verwaltet nun schon seit 1871 das Bürgermeisteramt zur allgemeinen Zufriedenheit der Gemeinde, wofür ein neuer Beweis die große Majorität ist, mit der auch diesmal seine Wiederwahl erfolgte.
•’ b. Mainz, 22. Okt. Der in dem Kohlenlager der Firma Harleff aus der Gustavsburg ausgebrochene Brand nimmt immer größere Dimensionen an. Gestern mußte man aus den umliegenden Fabriken die Feuerwehren requirierten, um wenigstens ein Ucbcrgreifen des Feuers auf die Nachbargebiete zu verhüten.
Bingen, 22. Okt. In ziemlich allen Otten des Kreises Bingen ist die Weinlese seit einigen Tagen beendet, so daß ein Rückblick auf den Verlaus angebracht erscheint. In Bezug auf die erzielte Quantität läßt sich sagen, daß das Ergebnis durchschnittlich einem Mittelherbst gleichkommt. Klemberger und Riesling, wo solche gebaut werden, lieferten den meisten Ertrag. Es ist bedauerlich, daß durch das Platzen und in Fäulnis übergehen der Trauben soviel vettoren ging und ein längeres Hängenlassen der Trauben nicht möglich war; die Qualttät des zu erwartenden Weines mußte unter der Ungunst der Witterung naturgemäß leiden. Daher mußte die Lese sehr ftühzeitig vorgenommen werden, ftüher als sie in den letzten Jahren jemals notwendig wurde. Trotzdem siel der neue Wein in der Qualität recht gut aus, so daß die Winzer mit derselben sehr zufrieden sind.
he. Frankfurt a. M., 22. Okt. Der Buchhalter einer hiesigen Kohlen-Großhandlung wurde wegen Unterschlagungen verhaftet. Er hat seine Firma um mehrere tausend Mark gebracht.
Frankfurt a. M., 22. Okt. Ein eigentümlicher Fall erregt in hiesigen Lehrerkreisen berechtigtes Aufsehen. Der durch seine Thätigkeit auf dem Gebiete der Volksbildung bekannte Professor Mannheimer ist auf Veranlassung seines Schulvorstandes um seine Entlassung eingekommen und hat diese auch erhalten. Abgesehen von seiner sozialen Thätigkeit, soll die Thatsache die Entscheidung beschleunigt haben, daß Prof. M. bei verschiedenen Mitgliedern des preußischen Landtages sich der Sache der an der Frankfurter jüdischen Realschule angestellten Lehrer angenommen habe. Bestätigt sich diese Nachricht, so würde damit ein neuer Beweis für die Abhängigkeit des Lehrerstandes erbracht sein.
fc. Kassel, 22. Okt. Ein Rekrni des 14. Husarenregst ments starb an Unterleibstyphus.
•* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Bisses starb nach kurzem, aber schwerem Leiden nach eben vollendetem 70. Lebensjahre Pfarrer Adolf Kraus. — Im Winterhafen in Mainz wurde die Leiche des seit dem 13. ds. Mts. vermißten Kaufmanns Hans Ritter aus Worms geländet.
Vermischtes.
* Zu demUeberfall auf den Gerichtsassessor Dr. BernhardLadenburger, der, wie wir meldeten, inzwischen bereits den Tod des Bedauernswerten zufolge hatte, werden aus Riva noch folgende Einzelheiten gemeldet: Assessor Dr. Ladenburger aus Mannheim der Sohn einer Frau Johanna L. geb. Kauffman, wohnte seit 14. d. M. im „Hotel du Lae". Am 18. d. M. morgens machte er einen Spaziergang von Riva zum Ponalfall. Bei der zweiten Gallerie trat plötzlich ein Mann auf ihn zu, mit dem er sich, da der Fremde offenbar ein Deutscher war, in ein Gespräch einließ. Plötzlich hieb der Fremde auf Dr. L. so heftig mit seinem Stock ein, daß der Stock zerbrach. Dr. Ladenburger, ein Mann von kräftiger Statur, setzte sich energisch zur Wehr, und nun begann ein Ringen auf Leben und Tod. Der Fremde versuchte, sein Opfer über die Brüstung der Gallerie in die See zu werfen, und als dies nicht gelang, zog er einen Revolver und gab auf Dr. L. drei Schüsse ab, von dennen der erste ihm durch den Leib ging. Dr. L. brach zusammen. Jetzt schoß der Attentäter noch zweimal auf den wehrlos Daliegenden; einer dieser Schüsse ging durch das Schulterblatt in die Brust, so daß die Kugel im Brustkorb stecken blieb. Der Attentäter floh beim Herannahen von Leuten auf der zur Zeit stark begangenen und befahrenen Straße unter Zurücklassung seines Hutes und des Stockes. Dottor Ladenburger wurde im Blute liegend auf der Straße gefunden. Trotz der tödtlichen Verletzung war er bei Besinnung und gab an, daß der Attentäter wahrscheinlich ein Deutscher, groß und stark fei und einen braunen Schnurrbart habe. Dr. Ladenburger wurde in das Spital nach Riva gebracht, wo ihn der Tob von seinen Schmerzen erlöste. Wie bereits gemeldet wurde, gelang es, des Thäters, eines Konditors Müller aus Inster' bürg in Ostpr., iu Arco habhaft zu werden.________
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Märkte.
w. Gießen, 23. Okt. Der gestrige Rindviehmarkt hatte einen Austrieb von 12—1300 Stück. Der Handel war bet hohen Preisen überaus flott. Frankfurter, Wiesbadener, Hanauer uno Aschaffenburger Einkäufer trugen sehr dazu bei, das Markt- geschäst zu beleben, sodaß der Vorrat mit geringen Uederstanden gleich nach 11 Uhr geräumt war. In schwerem Milchvieh war wieder, wie stets bei guten Markten die Nachfrage stärker wie das Angebot, sodaß die Preise in dieser Ware außergewöhnlich hoch waren und für einzelne schöne Exemplare über 500 Mk. bezahlt werden mußten. Kühe fttfchmelkend und tragend, hiesige tun*)- raffen beste Qualität wurden mit 380—420 Älk. gehandelt, geringere Ware fand mit 260—300 Mk. willige Abnehmer, wahrend ältere Abmelktiere, so klein auch der Borat war, wohl tfolge in der hohen Futterpreise schwer an den Mann zu bringen waren. Auch der Kälberhandel war dieses mal belebter als an den beiden letzten Märkten, womit ein Steigen der Preise für diese Ware em- irat Frankfurt kaufte einen ganzen Transport schwerer natber zusammen und wirkte damit auf eine günstige d. t). Ijogcce^^ei^’ fteigerung ein. Kälber schwerste Ware wurden mit 60—62 Mk., Mitl-lwar- 66-58, leicht- Ware 50-52 Mk pro C-ntn-r Schlacht- gewicht vertäust. Das aufgetriebene Fettvieh gmg nur zu weichenden Preisen fort, woran zweifellos, das um diese Jahreszeit m den Handel gelangende Oldenburger und HolUemer Weidenvieh die Schuld trägt. Fette Rinder wurden mit 60 Mk., fette Ochsen 1. S mit 68—70 Mk., 2. S. mit 64—66 Mk. pro Centner Schlacht- gewicht bezahlt, wahrend allere Kühe zmn Schlachten nur sehr


