Tie diesmalige Reise des russischen Kaiserpaares hatte keinen Aufenthalt in Paris in Aussicht genommen. Weder Präsident Loubet noch, die Regierung haben irgend welchen Anteil an dieser Entschließung des' Kaisers, der für die Kaiserin und sich selbst eine Wiederholung der Anstrengungen des Pariser Besuches vom Jahre 1896 befürchtete. Aber das Kai serpaar wird wiederkommen, und dann wird Paris das offizielle Ziel beß Besuches sein. Der Kaiser hat dem Präsidenten Loubet und den Ministern dieses formelle Versprechen gegeben.
Paris, 22. Sept. Präsident Loubet hat an den Marineminister Lanessan ein Schreiben gerichtet, in welchem es heißt: „Tie Flottenparade bei Dünkircl^en bot ein herzerfreuendes Schauspiel oar. Tas Kanalgeschwader verstand es trotz der ungünstigen See, zu beweisen, daß es stets des Vertrauens der Regierung und des Parlaments würdig ist. Die Marine weiß, welche unentbehrliche Kraft sie der Regierung der Republik leiht, um bis an das äußerste Ende der Welt den Respekt vor unserer Fahne und den Schutz unserer Interessen sicherzustellen. Ihre Hingebung steht auf derselben Höhe wie ihre Aufgabe." Tas Schreiben schließt mit dem Ersuchen an Lanessan, dem Kanalgeschwader die Glückwünsche des Präsidenten und der Regierung zu übermitteln. — In einem Schreiben an den Kriegsminister sagt der Präsident: „Die Manöver, denen wir beiwohnten, waren eine bewundernswerte Kundgebung der Macht Frankreichs. Die Opfer, welche das Lano jjo willig gebracht hat, sind durch dieselbe vergolten. Die Trappen haben trotz der vorausgegangenen Anstrengungen bei oer Schluß-Revue mit bemerkenswerter Strammheit und Lebendigkeit defiliert. Aufs neue hat sich! die Armee die Achtung unserer Lohen Gäste und das Vertrauen der Regierung und des Landes^ erworben." Loubet schließt, indem er den Truppen feinen Glückwunsch und denjenigen der Regierung ausspricht.
Vom südafrikanischen Kriegsschauplätze.
Während die Welt unter dem spannenden Eindrücke der Zarenreise nach Frankreich steht, die, wie wir an anderer Stelle ausführlich berichten, ausging wie ein rührendes Liebesduett eines mittelalterlichen Troubadours — von so bedenklicher Siedehitze sind die gegenteiligen Versicherungen ewiger Liebe und Treue — kommen vom südafrikanischen Kriegsschauplätze heute weniger erfreuliche Nachrichten. Wir erhalten folgende Privat-Meldungen:
London, 23. Sept. Lord Kitchencr meldet aus Pretoria vom 21. September: Oberst Wille ams hat das ganze Kommando Cock, daö westlich von Adenburg operierte, gefangen genommen. — Weiter berichtet Kitchener unterm 22. September: Es gelang den Buren während eines Angriffs bei Marrcscamp, bei Eintritt der Dunkelheit ein Geschütz zu entfernen, das ihnen nach heftiger Verfolgung von den Engländern wieder abgcnommen wurde. Die Buren scheinen dem Kommando Kruitzingrr anzugehören. Sie haben einen Toten und 22 Gefangene verloren. — Aus Bloemfontein wird gemeldet: Seit vier Tagen sind 40 Buren im Oranjefreistaat gefangen genommen worden. Der Weg nach Kimberley steht offen.
London, 22. Sept. Nach einer Meldung aus Pieter- maritzbury verlautet, Louis Botha habe sich vor einigen Tagen mit 1500 Mann nach Ermeloo begeben. Man nimmt an, daß er nach Balanbugo gegangen ist. Er war begleitet von den Kommandanten Meyer und Grobelaar und wie es heißt auch vom Präsidenten Stcijn.
London, 23. Sept. Die gestern Abend veröffentlichten Verlustlisten vom südafrikanischen Kriegsschauplatz beziffern sich auf 2 Offiziere und 26 Mann Verwundete, 6 Offiziere uud 23 Mann sind in Gefangenschaft geraten. 1 Offizier und 9 Mann sind an Krankheiten gestorben.
Ferner wird aus Middelburg (Kapkoloie) vom 17. September gemeldet: In der Kapkolonie werden die kriegerischen Operationen lebhaft fortgesetzt. Der neueste Einfall einer erheblichen Anzahl von Buren, welche östlich von Alival den Oranjefluß überschritten haben, wurde durch eine entsprechende Vermehrung der britischen Truppen in jener Gegend erwidert. General French hat energische Maßregeln getroffen, um einen weiteren Einfall abzuschlagen. An der Eisenbahnlinie von Vryburg nach Alival sind Blockhäuser errichtet. Die Buren erhalten Unterstützung von den Farmern, während die britischen Truppen Schwierigkeiten haben, Mitteilungen zu erlangen. Die Meinung ist allgemein, daß die Proklamation Kitcheners keine Wirkung gehabt habe.
Das konnte man sich denken. Die englischen Verluste, wie sie sich aus der obigen Veröffentlichung des Kriegsamtes ergeben/ beweisen, daß die Briten außer den letztgemeldeten drei Schlappen bei Dejagersfontein, Elandsriverpoort, Tarka- stad und Blakfontein noch verschiedene andere Unfälle erlitten haben. Außerdem stellen sich die Verluste des von Smuts bei Elandsriverpoort überfallenen Ulanen-Regiments als größer heraus, als zuerst gemeldet wurde.
Die Stimmung in England ist infolge der jüngsten Hiobsposten aus Südafrika ganz allgemein sehr trübe geworden. Die Presse macht ihrem Unmut vielfach durch Angriffe auf die Regierung Luft, weil diese nicht ftir ein ausreichendes Heer gesorgt habe. Unterdessen waltet am Kap der Zensor ganz besonders streng, was auch nicht gerade zur Beruhigung des englischen Publikums beiträgt.
Deutsches Deich.
Berlin, 22. Sept. Aus R ominte n wird gemeldet: Der Kaiser ist heute Abend gegen 7 Uhr im Nominier Jagdschloß eingetroffen.
— In der Presse tauchen die verschiedensten Mitteilungen über geplante Besuche des deutschen und des österreichischen Kaisers bei dem Zaren auf. Ob der Kaiser von Oesterreich den Zaren besuchen werde, ist hier natürlich unbekannt. Ebensowenig weiß man etwas von einem in Aussicht genommenen Besuche des deutschen Kaisers. Eine Einladung soll bisher nicht erfolgt sein.
— Generalleutnant z. D. v. Boguslawski tritt, wie die „Tägl. Rundschau" meldet, am 1. Oktober in den Redaktionsverband dieses Blattes, wo er die militärische Redaktion übernehmen wird. Herr v. Boguslawski ist bereits seit längerer Zeit als externer mllitärischer Mitarbeiter der „Tägl. Rundschau" thätig.
— Zum Gumbinner Mordprozeß wird der „Rat. Ztg." geschrieben: Die Militärbehörden scheinen wegen der
Maßregelung der Gumbinner Unteroffiziere einlenken zu wollen, um den üblen Eindruck ihrer früheren Schritte abzu- chwächen. Gerüchtweise verlautet, der Unteroffizier Domning oll in ein anderes Regiment vom 1. Oktober 1901 ab ver- etzt werden. Mit dem Vizewachtmeister Schneider soll weiter kapituliert werden. Wachtmeister Buckpesch soll bei seinem Ausscheiden am 1. Oktober eine Jnvalidenpension erhalten.
— Das erneute Gesuch des Oberbürgermeisters Kirschner um eine Audienz beim Kaiser in Sachen der Ueberführung der städtischen Straßenbahn über die Linden ist endgiltig ab gelehnt worden. Der Kaiser habe, so wurde ihm bedeutet, nicht die Absicht, irgendwelche Vorstellungen in dieser Angelegenheit entgegenzunehmen.
Bremerhaven, 22. Sept. Der aus Ostasien angekommene Lloyddampfer „Neckar" landete heute die 3. Jnfanteriebrigade (ausschließlich 9. Komp.), Bataillonsstab und 1. Batterie chwere Feldhaubitzen, die Telegraphen-Abteilung, die Feldintendantur, das Trainkommando, die Proviantkolonne 1, 2 und 3, das Feldlazarett 6, das Etappen-Kommando und das Kriegslazarett-Personal, zusammen 55 Offiziere und 2002 Mann.
Lübeck, 22. Sept. Der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie wurde heute abend hier eröffnet. Von Mittag an sind die etwa 220 Delegierten angekommen. Unter ihnen befinden sich Bernstein und Kautsky. Zu Präsidenten werden Singer und Schwarz gewählt. Singer teilte mit, daß der Vorstand beschlossen habe, außer den schon bekannten Punkten einen neuen auf die Tagesordnung zu setzen: den Zolltarif mit Bebel als Referenten. Sodann erklärte er, der Vorstand habe den Antrag, von der Erörterung der Parteipresse die Oeffentlichkeit auszuschließen, dahin modifiziert, daß sich das nur auf die finanzielle Seite beziehen solle. Trotz mehrfacher Opposition auch hiegegen geht die Versammlung auf den so geänderten Antrag ein. Auch über die Akkordmaurerfrage wird gestritten. Auer wird, was nach langem Kampf festgestellt wird, darüber als Korreferent prechen. Die Tagesordnung ist sehr belastet und dürste wohl die ganze Woche in Anspruch nehmen.
Posen, 21. Sept. Der Kaiser hat dem Grenadier- Regiment Graf Kleist von Nollendorf (1. westpr. Nr. 6) die Büste des General-Feldmarschalls Grafen Kleist von Nollendorf, seines verewigten Chefs, überwiesen.
Magdeburg, 21. Sept. Das zum Andenken an die in dem Kriege 1870/71 gefallenen Angehörigen des Feldartillerie- Negiments Nr. 4 errichtete Artillerie-Denkmal in der Friedrichstadt ist heute feierlich enthüllt worden.
Fürth, 21. Sept. Heute begann hier der 21. ordentliche Parteitag der Deutschen Volkspartei. Die erste Versammlung leitete Dr. Rößler-Frankfurt. Den Parteibericht erstattete L. Sonnemann, der die Ansicht vertrat, die Volkspartei brauche nur auf dem eingeschlagenen Wege zu beharren, um ruhig der Zukunft entgegensetzen zu können. Parteikassirer Haurand erstattete hiernach den Kaffenbericht, der ein relativ günstiges Bild bot. lieber den Reichstag und dessen Thätigkeit sprach Kammerpräsident Payer. Als Vorort wurde wieder Frankfurt gewählt. Die Beratung der Abänderung des Parteistatuts wurde verschoben und eine Kommission gewählt, die dem Ausschuß, den Volksvercinen und dem Parteitag des nächsten Jahres neue Vorschläge unterbreiten soll. Rechtsanwalt Dr. Zirndorfer referierte über die Wohnungsfrage.
Ausland.
London, 22. Sepl. Während des letzten Herbstes beschloß die verstorbene Königin Viktoria, dem Hier zog AlfredvonSachsen-Koburg-Gothain den Garten von Balmoral ein Denkmal zu setzen. Die Königin suchte selbst den Platz, und zwar in der Nähe der Bronzestatue des Prinzgemahls aus. Tie Statue ist jetzt an Ort und Stelle aufgestellt worden und soll im Laufe der nächsten Woche von dem König selbst enthüllt werden. Die Figur steht auf einem Piedestal, und das ganze Denkmal, das ungefähr 16 Fuß hoch ist, ist aus weißem Granit angefertigt. Die verstorbene Königin hatte bereits angeordnet, daß das Standbild die folgende Inschrift trauen sollte: „Errichtet dem Andenken ihres Sohnes, Alfred Ernst, Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha, Herzog von Edinburg, von seiner trauernden Mutter Viktoria, R. I. Treu und fest." Die beiden letzten Worte in deutscher Sprache.
Budapest, 21. Sept. Gestern ereignete sich! bei einer Jagd, an welcher Erzherzog Friedrich teilnahm, ein aufregender Vorfall. Der Erzherzog vürschte mit zweien seiner Forstbeamten in den zu seiner Besitzung bei Mohacs gehörenden Wäldern. Bei dieser Gelegenheit wurden mehrere Wildschützen aufgescheucht, die in einem Dickicht auf der Lauer lagen. Einer der Wildschützen gab auf den in Begleitung des Erzherzogs besindlichen Oberförster einen Schuß ab, der aber das Ziel verfehlte. Der Oberförster schoß hierauf aus den Wilderer, fehlte aber gleichfalls. Die Wildschützen entkamen. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Die Nachricht von einem Attentat auf den Erzherzog ist völlig unbegründet.
Aus Stadt und Land.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.
Gießen, 23. September 1901.
** Wissenschaftlicher Fortbildungskurs»« für Volksschullehrer. Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, daß im Laufe dieser Woche und zwar nächsten Samstag, 28. September, Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel von 4 bis 6 Uhr in der großen Aula des Universitätsgebäudes zwei Ergänzungsvorlesungen halten wird über „Personennamen" und über „Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit".
** Der evangelische Arbeiterverein (gemischter Chor) hatte gestern nachmittag auf der Liebigshöhe eine Festlichkeit veranstaltet. Die Beteiligung war so groß, daß viele wieder umkehren mußten, da sie kein Plätzchen mehr fanden. Der Chor trug einige Lieder vor, die den ungeteilten Beifall aller Anwesenden fanden. Und in der That muß man den guten Vortrag und die tüchtige Schulung der Mitglieder des Vereins loben. Auch ein Theaterstückchen „Ein neuer Hausarzt" wurde aufgeführt. Der von Schmerzen, die aber mehr in seiner Einbildung bestehen, arg geplagte Landgerichtsrat wird von einem Doktor kuriert, den er für den bestellten Arzt hält, der aber in Wirklichkeit ein Assessor mit dem Doktortitel ist und um die Tochter des Landgerichtsrats an
halten will. Weil nun aber seine erste Kur solchen Erfolg hatte, erhielt er auch von dem wieder in gute Laune versetzten Landgerichtsrat die Hand der Tochter zugesagt. Die Mitspielenden gaben sich die größte Mühe, die Personen, die sie darstellen sollten, recht naturgetreu wieder zugeben. Und dafür, daß ihnen dies gelang, ist der beste Beweis der geradezu stürmische Beifall, der sich am Ende des Stückchens erhob. Am Schluß wurden noch zwei lebende? Bilder aufgeführt, „der aus China heimkehrcnde Krieger, der den Hinterbliebenen eines verstorbenen Kameraden als letztes Andenken deffen Uhr überreicht", und „der Empfang des heimgekehrten Chinakriegers". Auch diese Darbietungen fanden reichen Beifall. Daran schloß sich ein Tänzchen, dem Alt und Jung in eifrigster Weise huldigte. Und nur das eine bedauerte man, daß es zu schnell zu Ende ging.
** Entsprungen. Ein zur Beobachtung seines Geisteszustandes in der hiesigen psychiatrischen Klinik untergebrachter Verbrecher namens Gustav Jäckel, der seinerzeit hier einen Einbruchsversuch verübte, ist am Samstagabend aus der Klinik entsprungen. Er sollte heute morgen der Staatsanwaltschaft wieder zugeführt werden. Jäckel ist zirka 1,78 Meter groß, kräftig gebaut, blond, hat blaue Augen und einen ganz schwachen Schnurrbart. Er war bekleidet mit blaugestreifter Leinenjacke und Weste, brauner Hose und hatte keine Kopfbedeckung, sowie keine Fußbekleidung an.
• * Verhaftung. Ein in der Lahnstraße wohnhafter Taglöhner verübte, wie schon oft, am Samstagabend in seiner Wohnung und außerhalb derselben durch lautes Schreien wiederum ruhestörenden Lärm. Auch ängstigte er, da er mit einem offenen Messer in der Hand umherlief, die Paffanten. Den ihm Ruhe gebietenden Schutzleuten leistete er keine Folge, sodaß er ins Haftlokal gebracht.werden mußte.
* * Diebstahl. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde einem hiesigen Einwohner ein Weinstock an seinem Hause in der Bergstraße abgerissen. Auch wurden ihm Trauben davon entwendet.
* * Plötzlicher Tod. Ein pensionierter Eisenbahnbeamter wurde gestern auf einem Spaziergang in Begleitung seines Sohnes am alten Steinbacherweg von einem Schlaganfall betroffen und auf der Stelle getötet. Die Leiche wurde in das Leichenhaus gebracht.
* * Ein Raufbold. Heute Nacht gegen 12 Uhr wurde in der Grünbergerstraße ein Studentendiener von einem berüchtigten Raufbold angerempelt und mit einem Stock auf den Kopf geschlagen, so daß der erstere eine blutende Wunde davon trug. Der Raufbold wurde zur Anzeige gebracht.
* * D a s 46. Stiftungsfest der Gießener Freiwilligen Feuerwehr nahm am Sonntag mit einer Uebung auf Oswalds Garten seinen Anfang. Ter Hebung wohnten Vertreter des Kreisamts, der Stadtverwaltung, der Branddirektor, mehrere benachbarte Feuer- wehren und die freiw. Gail'sche Feuerwehr bei. Als Objekt eines darauffolgenden Brandangriffs diente ein dreistöckiges Wohnhaus in der Steinstraße; es wurden hierbei sämtliche Lösche und Rettungsgeräte in Thätigkeit gesetzt, die städtische Wasserleitung stand unter Hochdruck, so daß ausgiebiger Gebrauch von den Hydranten gemacht werden konnte. — Um 3 Uhr nachmittags bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Stadt nach dem Gießener Festsaal. Der 1. Kommandant der Korps, Wiegand, begrüßte hier die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, sowie die Kameraden der einzelnen Feucrwchrn, wünschte dem Feste einen guten Verlauf und bradyte auf den hohen Protektor der hessischen Feuerwehren, den Großherzog Ernst Ludwig, em dreimaliges „Gut Wehr"' aus. — Kreisamtmann Boek mann überbrachte die Grüße und Glückwünsche des Kreisamts und erklärte, daß die Regierung es sich stets angelegen sein lasse, das Feuerlöschwesen zu unterstützen, das Kreisamt habe eö immer gethan und werde es auch ferner thun; der von der Wehr ausgeführte Brandangriff habe gezeigt, was sie leisten könne, die Bevölkerung könne sich in Stunden der Gefahr auf sie verlassen. Redner wirft einen kurzen Rückblick auf die Zeit seit Bestehen der Wehr, sowie die Neuerungen und Verbesserungen in den Löscheinrichtungen und die Neu- KHrganjif,atiiJo{ni K>esl Löschwesens, fordert zum Zusammenhalten und treuer Pflichterfüllung auch für die Folge auf, er wünscht der Wehr noch viele Jahre des Bestehens und bringt schließlich auf sie ein „Gut Wehr" aus. — Hierauf fand die feierliche Uebergabe der von der Bürgerschaft Gießens der Feuerwehr gestifteten Standarte statt. Dem unermüdlich/en Eifer einiger junger Damen (Frl. Neuling und Strack) war es, dank dem Opfersinn unserer Einwohnerschaft, gelungen, die Mittel zu einer in prachtvoller Stickerei ausgeführten Standarte zusammenzubringen, die Frl. Neuling in poetischen Worten überreichte. Tie dazu gehörige Schleife überreichte im Namen der Frauen und Jungfrauen des Korps Frl. Faber. — In der nunmehr folgenden Weiherede gab Pfarrer Tr. Naumann zunächst der Freude darüber Ausdruck, daß der sehnliche Wunsch der Feuerwehr, auch eine Fahne zu besitzen, sich erfüllt habe. 46 Jahre lang habe die Wehr ohne Fahne ihr Werk treu gethan, jetzt solle ihr das Zeichen werden, das sie verdient. Tie Fahne bringe und bedeute den Tank der Bürgerschaft. Gar manchmal habe die Wehr ihr Werk gethan, ohne Anerkennung, jetzt könne sie empfinden, daß die Bürgerschaft ihrer gedenke. Die Fahne bedeute das Zeichen der Einheit und Einigkeit. Ter Korpsgeist werde durch die Fahne dargestellt; die Fahne bedeute Ehre und Kraft, unter ihr werde die Wehr als geachtete Gemeinschaft marschieren bei ihren Festen und bei denen anderer Vereine, trauerumflort werde sie nachgetragen, wenn ein Mitglied der Wehr der unerbittliche Tod gefordert hat; die Fahne werde die Wehr höher stellen in den Augen der Behörden, die ihr nichts mehr versagen werden, wenn sie die im Interesse des Dienstes notroenoige Unterstützung fordert. Tie Fahne sei aber auch eine Erinnerung cm Gott: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" stehe auf dem Banner geschrieben; aus alter Zeit sei der Wahlspruch gekommen, Gott sei der Schutz und Schirm and) der Feuerwehr. Tie Fahne rede auch ein ernstes Wort: sie mahne zur Einigkeit, zum festen Zusammenstehen auch in Stunden der Not und Gefahr, zur Pflege des Korpsgeistes, zu Gehorsam, Zuckst und Ordnung, zu rechtschaffenem Wandel. Der Beruf oes Feuerwehrmannes sei schwer, wer ihn freiwillig übernehme, müsse auch pflickstgetreu sein. Gott und der Fahne treu, fest im Glauben, der zum Mute führt. Ter Redner fordert die Wehr auf, die Fahne hm« zunehmen mit dem Gelübde, ihr immer treu zu bleiben, sie sei geweiht im Glanze des alten und doch ewig neuen Wahrspruchs „Gott zu Ehr, dem Nächsten zur Wehr , zum Zeichen der Einheit und Einigkeit, als Zeichen tat Ehre, Zucht, Ordnung und Treue, als Banner der sich selbst


