Ausgabe 
24.9.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 224 Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Dienstag 24. September 1901

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Das Zarenpaar in Frankreich.

Ein glänzender militärischer Akt bildete daS Ende des vielfarbigen Weltschauspiels, das sich in diesen Tagen auf französischem Boden abgespielt hat. Es liegen darüber fol­gende Berichte vor:

Compiegne, 21. Sept. Nach dem gestrigen Festmahl im Schloß Compiegne unterhielt sich 5er Zar mit den früheren Ministerpräsidenten Ribot und Dupuy, mit dem früheren Minister des Auswärtigen Hanotaux und mit dem Dichter Rostand. Mit Bourgeois, der Frankreich auf der Friedenskonferenz im Haag vertreten hatte, besprach der Zar deren Ergebnisse und meinte:Wir müssen Geduld und Ausdauer haben, dann werden sich die Früchte bald zeigen, das ist meine feste Ueberzeugung." Die Fxst- vsorstellung wurde eröffnet mit einem'von (K>mond Rostand eigens zu diesem Zwecke geschriebenen Gedicht, das Frau Barthet von der Comedie Francaise sprach Die Nymphe de§ Schhoßparks begrüßt den Zaren als den Fürsten, der gekommen ist, das Schloß, ein schlafendes Dornröschen, zu erwecken. Sie ruft die Erinnerungen an das Leben im Schlosse unter dem ersten Kaiserreiche wach und wendet sich dabei vornehmlich an die Zarin. Tas Gedicht schließt mit dem Hinweis darauf, daß nun dort, wo dev aco^e Kaiser des Kriegeis. wandelte, jetzt dev große Kaiser des Friedens weile. Tie Verse sind leicht, anmutig und humorvoll. Es folgte der zweite und dritte Akt von Mussets:Jl ne saut jurer de rien", gespielt von den Künstlern der Comedie Francaise; darauf die Sara­bande aus demKönig von Paris" und das Menuett von Haendel, getanzt von deit Mitgliedern des Balletkorps. Nach der Vorstellung, die ohne Zwischenakt gegeben wurde, ließ sich der Zar die Schauspieler durch den Direktor Jules Cla- retie vorstellen, und lud sie ein, nach Petersburg zu kommen.

Die Parade.

Bletheny, 21. Sept. Um halb 10 Uhr stehen die Truppen in Pavadeaufstellung. Dieselbe bildet drei Seiten eines Rechtecks, während die vierte von Tribünen ausge­füllt ist. Auf der Ehrentribüne nehmen nach und nach Platz Casimir-Perier, Kardinal Langenieux, die Botschafter Constans und Jul^s und Paul Cambon, Admiral Bienaime, die Generale Saufsier, Billot, Zurlinden, Zede und Floren­tin, die Mitglieder der Bureaus des Senats und der Depu- tiertenkammer und andere. Kurz vor 10 Uhr trifft der kaiserliche Zug auf der Station Le Frenois ein, bum) einen Salut von 101 Kanonenschüssen begrüßt, und alsbald wird auf der Ehrentribüne die Kaiserstandarte gehißt.

Um 10 Uhr langten der Kaiser Nikolaus, die Kaiserin, Präsident Loubet und die Gefolge auf dem Paradefelde an. Der Kaiser, der russische Generalsuniform trug und Kriegsminister Andre waren zu Pferde gestiegen. Ter Wagen,- in dem die Kaiserin sah, sowie derjenige Loubets und Waldeck-Rousseaus kamen die Front der Paradeanf- stellung entlang.

Es dauert dreiviertel Stunden, ehe der Zug die ganze Front passiert hat und nun längs der Tribüne dem Ehren­zelte si chzuwendet. Die prächtigen Gestalten der arabischen mit Ordenssternen geschmückten Schech auf ihren reich auf­gezäumten Pferden werden mit begeisterten Zurufen be­grüßt. Es lebe btußland! Es lebe der Zar! erschallt es von den Tribünen. Der Zar und die Zarin erwidern freund­lich lächelnd die Grüße der Menge. Im Zelte überreicht der Kriegsminister, General Aitdre, der Kaiserin im Namen aller Generäle des französischen Heeres einen Korb mit Blumen. RechjtZ ctofn- der Kaiserin nimmt Loubet im Zelte Platz. Eine halbÄ Stunde später beginnt der Vorbeimarsch der Truppen. General Brugere führt als Oberkomman­dierender die Truppen dem Zaren vor. Seinem Stabe folgen die fremdherrlichen Offiziere, darunter auf schönem Rappen der deutsche Militärattache Major v. Hugo. Der glänzende Trupp der französischen Offiziere grüßt den Zaren und den Präsidenten durch Senken des Degens und nimmt dann mit General Brugere an der Spitze gegenüber der Ehrentribüne in einem Abstande von etwa 600 Meter Auf­stellung. Ten Vorbeimarsch eröffnet das 1. Armeekorps unter General Courbassier. Die Infanterie marschiert in leichtem Marschschritt, dem französischen Paradeschritt, divi­sionsweise in Bataillonskolonnen, Musik und Fahnen der Division voraus, vorüber. Der 1. und 2. Division folgt die 'Artillerie. Den Schluß bildet die 1. Kavallerie-Brigade, ein Regiment Dragoner und ein Regiment Jäger. In der­selben Anordnung defiliert das 2. Armeekorps, geführt von General Lanes, bestehend aus der 3. und 4. Jnsanterie-Di- vision und der 2. ihnen zugeteilten Mvallerie-Brigade. Den Schluß der ersten Armee-Abteilung bilden die 4. und 6. Kavallerie-Division mit je zwei Kürassier-, Dragoner- und Husaren-Regimentern. Sie gehen im Trab in geschlossenen Brigaden vorüber. Nach einer Pause erfolgt alsdann der Vorbeimarsch der zweiten Arniee-Abtcilung, die General Keßler vorführt. Das 6. Armeekorps unter General Hagron macht den Anfang mit der 12., 40. und 42. Division; es folgen die Divisionsartillerie und die 6. Kavallerie-Bri­gade, bestehend aus dem 12. Jäger- und dem 6. 5>usaren- regiment. Als letztes erscheint das 20. Armeekorps unter General Langlois mit den Elitetruppen der 11. und 39 Division und der zugeteilten 20. Kavalleriebrigade, ge­bildet aus dem 12. Dragoner- und dem 5. Husarenregiment hierauf führt General Farny die 2. Kavalleriedivision vor, zwei Regimenter Kürassiere, Dragoner nnd Jäger, mit der Divisionsartillerie und General de Benoist die 3. Kavallerie­division, zwei Regimenter Dragoner und Jäger mit der Artillerie.

Um 12 Uhr 30 Min. ist der Vorbeimarsch beendet. Tie Haltung der Truppen bei dem Vorbeimarsch war vorzüglich, s ie zeigten trotz der anstrengenden 13tägigen Manöver nicht die geringste Ermüdung. Ter Kaiser und die Kaiserin von Rußland, sowie Präsident Loubet erhoben sich beim Vor­

beimarsch der Fahnen. Die Menge auf den Tribünen be­gleitet ihn des öfteren mit den Rufen:Es lebe die Armee! .Hoch die Fahnen!" Besonderen Beifall spendet sie den Kürassier- und» den Husarenregimentern, sowie hex Artillerie, deren Regimenter durchweg in vorzüglicher Halt­ung ab schnitten

Nach dem Vorbeimarsch formieren sich sämtliche Ka­vallerieregimenter, 30 an der Zahl, in einer 2 Kilometer langen Linie den Tribünen gegenüber zu einem Front­angriff auf die Tribünen, wie dies gewöhnlich den Ab­schluß russischer Paraden bildet, in ihrer Mitte hält Ge­neral Brugere. Auf sein Zeichen stürmt das Reitermeer heran. Ter feuchte Boden verhindert fast gänzlich das Auswirbeln von Staub. Jedes Regiment ist klar zu unter­scheiden, der Boden erdröhnt. Bis auf 50 Meter von den Tribünen sprengt die gewaltige Masse heran, ein brausen­der Beifallsturm empfängt sie. Auf dem linken Flügel sieht man einige reiterlose Pferde sich am Boden wälzen. Damit hat das imposante Schauspiel ein Ende.

Nach der Parade.

Sofort fahren die Vierspänner an dem Zelte vor. Die Zarin besteigt mit ihrer Ehrendame den einen, der Zar mit Loubet den andern. Unter der Führung des arabischen Schechs und einer Schwadron Kürassiere geht die Fahrt langsam an den Tribunen entlang. Nochmals jubelt die Menge, etwas begeisterter als am Anfang, ihnen nodji mit den Rufen: Es lebe der Zar! Es lebe Loubet! Von der Parlamentstribüne werden einige unverständliche Ruse gegen Waldeck-Rousseau laut. Man erzählt sich, einige Na­tionalisten hätten ihm ein Schimpfwort zugerufen. 'Die Fahrt des Zarenpaares und des Präsidenten geht nach dem auf dem Manöverfelde errichteten Zelte, wo das Abschieds­mahl stattfindet. Im ganzen hatten an der Truppenschau teilgenommen 140 000 Mann mit 36 000 Pferden, also doppelt so viel als 1896 in Chalons. Man hatte trotzdem den Eindruck, daß die Wärme der Begeisterung hinter der von Chalons zurückstand.

Vom Paradefelde begaben sich die Majestäten in das Kaiserzelt. Nachdem die französichen Generale den Ma­jestäten vorgestellt waren, reichte der Präsident der Kai­serin den Arm, während der Kaiser Frau Loubet in den Saal führte, in dem das Frühstück stattfand. Inzwischen hatte sich der Himmel bewölkt, und es begann zu regnen, sodaß die Menschenmassen, die gehofft hatten, noch längere Zeit im Freien verbringen zu können, eiligst ein Unterkommen suchen mußten, und 5ie bereitsteh enden Eisenbahnzüge im Sturm nahmen.

Loubets Trinkspruch.

Bei dem Frühstück brachte Präsident Loubet folgenden Trinkspruch aus:

Sire, indem ich Eurer Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin im Namen der französischen Republik den Tank ausspreche dafür, daß Die geruht haben, den erheben­den Schauspielen dieser Tage beizuwohnen, lenkt sich mein Gedanke auf den großen politischen Vorgang zurück, der diesen vorangegangen ift, und der ihnen ihre ganze Be­deutung verleiht. Vorbereitet und geschlossen von Ihrem erlauchten Vater, dem Kaiser Alexander III., und von dem Präsidenten Carnot, feierlich kundgegeben an Bord des Pothuan" durch Eure Majestät und den Präsidenten Felix Faure, hat das Bündnis RuUands und Frankreichs Zeit gehabt, seinen Charakter zu bekräftigen, und seine Früchte zu tragen. Wenn niemand an Der wesentlich friedlichen Idee, aus der es hervorgegangen ist, zweifeln kann, so kann auch niemand verkennen, daß es in hohem Maße beigetragen hat zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts Zwischen den europäischen Mächten 5cr notwendigen Be­dingung eines Friedens, der, um fruchtbringend zu sein, nicht unsicher bleiben konnte. Tas Bündnis hat sich mit den Jahren entwickelt (Bewegung) und die Fragen, die aufgetaucht sind, fanden es wachsam, entschlossen, seine eigenen Interessen und die Interessen der Welt versöhnend; sie fanden es ferner gemäßigt, weil es stark war, und im Voraus für die Lösungen gewonnen, die von der Ge­rechtigkeit und Menschlichkeit eingegeben waren. (Be­wegung.) Tas Gute, was es gestiftet hat, ist ein Unter­pfand des Guten, was es noch stiften wird, und im vollen Vertrauen darauf und, der edlen Begründer des Werkes pietätvoll gedenkend, dem der heutige Tag eine herrliche Weihe verleiht, erhebe ich mein Glas auf den Ruhm und das Glück Eurer Majestät, Ihrer Majestät der Kaiserin und der ganzen Familie, auf die Größe und das Gedeihen des Frankreich befreundeten und verbündeten Rußlands."

Tie Musik spielte hierauf die russische Nationalhymne. Die Antwort des Zaren.

Tie Antwort des Kaisers Nikolaus auf den Trinkspruch des Präsidenten lautete folgendermaßen:

Herr Präsident, in dem Augenblick, wo wir Frankreich verlassen, wo wir wiederum eine so herzliche und warme Aufnahme genossen haben, liegt es mir am Herzen, Ihnen unsere aufrichtige Tankbarkeit und leb­hafte Bewegung zum Ausdruck zu bringen. Wir, die Kai­serin und ich, werden stets die kostbaren Erinnerungen dieser wenigen Tage bewahren, die von so tief in unsere £er$en eingegrabenen Erinnerungen erfüllt sind und wer­den nach wie vor, aus der Ferne und der Nähe an allem teilnehmen, was das befreundete Frankreich betrifft. Tie Bande, welche unsere Länder vereinigen, haben sich soeben noch mehr gefestigt und haben eine neuer­liche Weihe durch die Beweise gegenseitiger Sym­pathie erhalten, die sich hier so beredt kundgaben und in Rußland ein so warmes Echo sanden. (Bewegung.) Die innige Vereinigung der beiden großen Mächte, welche von den fried l ich st e n Ab.'. t c n beseelt sind und welche, obgleich sie ihren Rea, Achtung zu ver­schaffen wissen, nicht die Rechte der Anderen ir­

gendwie zu beein trächtig en suchen, ist ein wer volles Element der Beruhigung für die ge­samte Menschheit. (Erneute Bewegung.) Ich trinke auf das Wohl Frankreichs, der befreundeten und ver­bündeten Nation, des tapferen Heeres und der schönen französischen Flotte. (Bravo.) Lassen Sie mich Ihnen, Herr Präsident, gegenüber nochmals unseren Tank aussprechen, und Ihnen zu Ehren mein Glas erheben.

Tie Musik stimmte die Marseillaise an.

Audienzen und Huldigungen.

Nach Beendigung der Truppenparade suchte der Prä­sident des Pariser Munizipalrates Dausset eine Audienz bei dem Kaiser Nikolaus nach, welche dieser bewilligte. Tausset brachte dem Kaiser die Huldigung des Gemeindc­rates dar, und sprach zugleich das Bedauern der Pariser Bevölkerung aus, daß sie den Kaiser nicht habe begrüßen können wie im Jahre 1896. Der Kaiser dankte und be­auftragte Tausset, den Kollegen seinen Dank für die Will­kommenadresse des Gemeinderates, welche er in Tünkirchcu erhalten habe, auszusprechen. Nach dem Frühstück wurde Dausset nochmals vom Kaiser empfangen, der sein Be­dauern aussprach, diesmal nicht nach Paris kommen zu können; sein Wunsch sei es, bald nach der Hauptstadt zu kommen.

Am Freitag vor dem Tiner hatten der Kaiser von Rußland und Präsident Loubet eine etwa einstündige Un­terredung. Am Samstag vormittag fand eine Konferenz der Minister Telcasse und Graf Lambsdorff statt.

Reims, 21. Sept. Ter Kaiser und die Kaiserin von Rußland sind heute nachmittag 4 Uhr vom Bahnhöfe in Fresnes aus nach Pagny sur Moselle abgereist.

Bevor der Kaiser und die Kaiserin von Rußland auf der Haltestelle Frenois den Zug besteigen, unterhalten sie sich mit oen zur Verabschiedung erschienenen Personen. Die Kaiserin drückt der Gemahlin des Präsidenten Loubet die Hand und spricht ihren Dank aus für die ihr erwiesenen Aufmerksamkeiten. Tann reicht sie auch den Gemahlinnen der Minister die Hand. Ter Kaiser schüttelt dem Kriegs­minister Andre die Hand, behält dieselbe in der feinigen, und spricht seine lebhafte Anerkennung über die Fort­schritte der französischen Armee aus. Hierauf unterhält sich der Kaiser mit dem Ministerpräsidenten Waldeck-Rous- feau und verabschiedet sich von den Gemahlinnen Loubets, Deschanels, Fallieres und Waldeck-Rousseaus. Präsident Loubet und Frau Loubet begleiten die Kaiserlichen Herr­schaften in den Zug, wo sie auf das herzlichste Abschied nahmen.

Der Präsident und seine Gemahlin verlassen nunmehr den Waggon, und das Abfahrtssignal wird gegeben. Am Fenster stehend grüßen der Kaiser und die Kaiserin, die Truppen präsentieren unter den Klängen der Musik, die Geschütze feuern Salut, brausende Hochrufe auf Rußland erschallen, und der Zug setzt sich in Bewegung. Bei der Verabschiedung von Loubet sprach der Zar fein Bedauern darüber aus, so schnell abreisen zu müssen. Ter Präsident entgegnete:Majestät wissen, wie glücklich wir sein werden, die Kaiserin und Sie wiederzusehen." Kaiser Nikolaus erwiderte:Ich hoffe, daß wir bald wieder kom­men werden."

Kaiser Nikolaus zog auf dem Bahnhof Fresnois auch die zur Verabschiedung erschienenen Botschafter ins Gespräch, besonders den Marquis de Noailles. Dem Mi­nisterpräsidenten Waldeck-Rousseau teilte er mit, daß er der Stadt Paris 100 000 Francs, den Städten Dün­kirchen, Compiegne und Reims je 16 000 Francs spendete.

Pagny sur Moselle, 21. Sept. Ter kaiserliche Zug passierte sur bestimmten Stunde die Grenze. Kurz zuvor richtete Der Kaiser folgendes Telegramm an den Präsidenten L ou bet:

Unter dem glänzenden Eindruck berk in Frankreich verlebten Tage ist es uns, der Kaiserin und mir, ein Bedürfnis, Ihnen den lebhaften Ausdruck der Gefühle zu wiederholen, welche uns beseelen. Tief bewegt, indem wir den französischen Boden verlassen, bitten wir Sie, den Aus­druck unserer aufrichtigen Tankbarkeit entgegenzunehmen und denselben allen denen zu übermitteln, welche mit einer rührenden Herzlichkeit an den Kundgebungen teilnahmen, deren Gegenstand wir waren. An die von Rußland so geliebte und geschätzte französi­sche Nation richten wir unseren aufrichtigen Dank und verbinden damit unsere herzlichsten Wünsche. Nikolaus."

Köln, 22. Sept. Der Zug mit dem russischen Kaiser­paar passierte heute ftüh 6 einviertel Uhr Köln ohne Auf­enthalt.'

Hamburg, 22. Sept. Das russische Kaiserpaar ist heute nachmittag 3 einhalb Uhr hier angekommen und fuhr nach wenigen Minuten nach Kiel weiter. Ter russische Minister des Aeußern, Graf Lambsdorff verließ den Zug, um nach Berlin zu fahren, von wo er heute abend die Reise nach Petersburg fortsetzt.

Kiel, 22. Sept. Tas russische Kaiserpaar traf um 6 einviertel Uhr hier ein, empfangen vom Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen, den Großfürstinnen- Töchteru, Dem .Herzog und der Herzogin Peter von Olden­burg und dem Prinzen Nikolaus von Griechenland. Die hohen Herrschaften begaben sich alsdann ins Schloß.

Kiel, 22. Sept. Tas russische Kaiserpaar mit den Töchtern ist abends 9 einviertel Uhr von hier abgereist. Prinz und Prinzessin Heinrich geleiteten dasselbe zum Bahnhof.

Paris, 21. Sept. Präsident Loubet sowie Minister- Präsident Waldeck-Rousseau und die übrigen Mitglieder der Regierung sind heute abend 6 dreivierte'l Uhr hier wieder cingetroffcn, nnd lebhaft begrüßt worden. Präsident Loubet begab sich alsbald nach dem Elysee.

Paris, 21. Sept, sine Nof desTemps" erklärt: