Nr. 224 Drittes Blatt.
151. Jahrgang.
Dienstag 24. September 1901
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Kolonialpost.
Eine häßliche Affaire wird aus Deutschsüdwestafrika gemeldet. Ein deutscher Ansiedler (der Name ist noch nicht genannt worden) hatte sich unlängst von einem wohlhabenden Eingeborenen aus Okahandja Ochsen und einen Wagen geliehen. Als der Eingeborene sein Eigentum wieder zurück haben wollte, weigerte sich der Ansiedler, es ihm jetzt schon zurückzugeben, da er es noch nötig habe. Der Angeborene sandte darauf seinen Sohn, einen jungen Menschen von 20 Jahren, hin, um das Gespann wiederzuholen. Der Ansiedler, ausgebracht darüber, griff zu seinem Gewehr und feuerte eine Schrotladung ab,
Politische Wochenschau.
Die Zusammenkunft des Zaren mit dem deutschen Kaiser vor Danzig hat drei Tage gedauert. Nikolaus II. soll, als er sich von deutschen Seeoffizieren verabschiedete, die Hoffnung ausgesprechen haben, daß Russen und Deutsche immer Schulter an Schulter kämpfen würden, und Wilhelm II. hat beim Ausdruck seines Dankes für die Ernennung zum Chef des 39. russ. Dragoner-Regiments das Wort „Waffenbrüderschaft gebraucht, die zwischen beiderseitigen Armeen bestehe; er hat ferner erklärt, die Zusammenkunft habe ihn wie den Zaren aufs vollste befriedigt und die unerschütterliche Ueberzeugung befestigt, daß für lange Zeiten oer europäische Frieden für dre Völker erhallen bleiben werde.
Tie Stadtverordneten Berlins haben mit einer Sechssiebentelmehrheit den Stadtrat Kaufsmann zum Bürgermeister gewählt. Kaufsmann erhielt neulich- als er zum erstenmal gewählt wurde, eine weit geringere Mehrheit und wurde vom preußischen König nicht bestätigt, obschon der Minister des Innern sich für ihn ausgesprochen hatte. Man sagt, daß die frühere Verabschiedung Kauffmanns als Offizier, wobei politische Gründe obwalteten, das Militärkabinett zu einer Vorstellung veranlaßt habe, welcher der Kaiser Folge gegeben haben soll. Die Tüchtigkeit des Gewählten als Verwaltungsfachmann erweckte Bedauern über die Nichtbestätigung auch in solchen Kreisen, die dem freisinnigen Manne politisch fernstanden, und so erklärt es sich, daß Kauffmann nicht nur zu einer zweiten Wahl gestellt, sondern auch mit einer so großen Mehrheit, wie oie erwähnte, gewählt wurde. Man i stnaturgemäß gespannt darauf, welche Folge diese zweite Wahl haben wird. In nationalliberalen und konservativen Blättern konnte man der Behauptung begegnen, die Berliner Stadtverordneten gingen auf einen Konflikt aus, und es sei dem Interesse der Stadt Berlin mit einer solchen Absicht nicht gedient; anderseits aber betonten die Freunde Kauffmanns, daß das Interesse Berlins an allererster Stelle einen tüchP tagen Beamten erfordere, und über dieses Interesse nicht die nebensächliche Frage nach dem Militärverhältnis des Gewählten gestellt werden dürfe.
Das Zarenpaar hat Frankreich am Samstag wieder verlassen, wo man ihm, nach der Begegnung mit Kaiser Wilhelm, einen großartigen Empfang zugedacht hatte. Freilich aus der Flottenschau in Dünkirchen wurde nicht viel wegen des stürmischen Wetters. An den Empfang in der Stadt schloß sich die Reise nach Compiegne an, von wo der Besuch, der Manöver stattfand. Der Mordanschlag auf den Präsidenten Mac Kinley hatte eine weitere Verschärfung der schon starken Vorsichtsmaßregeln zur Folge; es durften keine Tribünen errichtet werden, Ueberreichung von Blumei: und sonstigen Geschenken durch Private mußte völlig unterbleiben; die Polizei, die allenthalben in der Nähe des Zaren aufzupassen hat, wurde weiter verstärkt, auch erhielt das Militär, das die ganze Eisenbahnstrecke von Dünkirchen nach Compiegne überwachen muß, neue Befehle. Paris hat der Zar trotz allem Hin und Her der Nach?- richten nicht besucht. Die Regierung giebt durch ihre Presse zu verstehen, daß' dies der Einlcckung des Zaren durch, den ihr feindlichen, nationalistischen Gemeinderat zu verdanken sei.
Die politische Bedeutung des Zarenbesuches wird in Frankreich ganz verschieden beurteilt; selbst diejenigen die als die gewohnten Vive l'armee-Rufer einig sein sollten, weichen in der Begutachtung sehr weit voneinander ab. Der alte Kampfbahn Cassagnac sieht gar nicht ein, welchen Nutzen das Bündnis mit Rußland habe; wenn es Frankreich gegen Deutschland schützen solle, so sei sas gegenstandslos, denn in Deutschland denke niemand daran, Frankreich zu bekriegen; thatsächlich bedeute das Bündnis den Verzicht Frankreichs auf Elsaß-Lothringen, dafür aber braucht man sich nicht auch noch einen Bundesgenossen zu suchen! Der dttttzen liege ganz auf feiten Rußlands, dessen Finanzminister die dem Zaren bei seinen! diesmaligen Besuche wieder entgegengebrachte Begeisterung aufs neue finanziell ausnutzen werde. Die Gegner der Negierung finden, daß das Bündnis mit Rußland bisher nur den Wahlinteressen der republikanischen Parteien förderlich war, während das Land geringen Nutzen davon gehabt habe. Die Begegnung in Danzig und der friedliche Kommentar, den Kaiser Wilhelm dazu lieferte, wird nun so ausgelegt, als solle Deutschland gewissermaßen mit in den Zwcibund hincingezogen werden. Deshalb wird von der französische Regierung aufs neue verlangt, daß sie das Land beruhige oder aufkläre, indem sie den Wortlaut des Vertrages mit Rußland bekannt giebt. Man ist auf nationalistischer Seite vielfach der Selbsttäuschung satt. Die Bevölkerung des vlämischcn Teiles Frankreichs, den Nikolaus II. diesmal zuerst besuchte, zeigte eine ganz andere Haltung als Cassagnac und seine Gesinnungsgenossen; das sonst von Natur ernste, zurückhaltende Völkchen wußte sich vor Begeisterung nicht zu lassen und überraschte damit die iaus der Ferne gekommenen Besucher sehr.
In der Thronrede, mit der die Generalstaaten von Holland am Dienstag eröffnet wurden, kommt der christliche Gedanke kräftig zum Ausdruck, eine Folge des Mi- nistcrwcchscls. Mehr als bisher, heißt es da, werde die 'Negierung darauf achten, daß das Christentum die Grundlage des Volkslebens werde; als christliche Macht müßten .die Niederlande die christlichen Missionen unterstützen und :tic O-rr'^'ttnisse der Eingeborenen besser regeln. Die Frei- ‘Ijext Unterrichts soll aufrechterhalten werden, wobei ib<2 Kammern um Mittel für die Volksschulen angegangen llverden sollen. Der Landwirtschaft soll besondere Fürsorge gewidmet und der Industrie bei den neuen Handelsve'r- Lrtlxen stärkerer Zottschutz gewährt werden. Von Süd
afrika ist keine Rede, was zu Ausstellungen auch bei Anhängern der Regierung Anlaß giebt.
Dem Burenkriege hat Lord Kitchener durch seine neue Proklamation eine Wendung geben wollen, die eine unerwartete Folge gehabt hat. Er drohte den noch weiter kämpfenden Buren die Einziehung ihres Besitztums und den Führern die ewige Verbannung aus „Afrika" an. Selbstverständlich blieb eine ernschafte Wirkung aus, umsomehr aber bemächtigte sich, mit bestem Rechte, die Satire dieser phrasenhaften Drohungen. Der Kladderadatsch schoß nach dieser Richtung hin den Vogel ab. Er schrieb:
Die in der berühmten Kitchenerschen Proklamation an die Buren gerichtete Aufforderung, sich zu ergeben, hat ihnen einen so heilsamen Schrecken eingejagt, daß sie nicht gewagt haben, ihr nachzukommen. Nachdem die gestellte Frist nunmehr verstrichet: ist, hat Lord Kätchener einen neuen Ukas folgenden Inhalts erlassen: § 1. Alle noch im Felde stehenden Buren gelten vom 15. September 1901 ab als kriegsgefangen. —< § 2. Die bisher noch nickt eroberten Geschütze gelten vom 15. September 1901 ab als demontiert und kriegsunbrauchbar, alle übrigen Waffen der Buren gelten von demselben Zeitpunkt ab als erobert—8 3. Der Krieg gilt vom 15. September 1901 ab als beendet. —i § 4. Alle Buren, die gegen den § 1 dieser Verordnung verstoßen, gelten als erschossen, und zwar vom 15. September 1901 ab. — § 5. Ter Unterzeichnete gilt vom 15. September 1901 ab der Geschichte gegenüber als berühmt.
Die englische Presse macht dagegen ein sehr ernsthaftes Gesicht. Mit der Selbsttäuschung und Flunkerei kommt sie, wie sie einsieht, nicht mehr weiter, und jetzt wird sogar in dem jingoisttschsten aller Blätter, der „Daily Mail" zugegeben, daß die Lage im Kapland so düster sei als möglich; statt daß die Drohungen Kitcheners und die fllrengen Urteile gegen Rebellen, d. h. solche Kapländer, die den Buren sich angeschlossen haben, abschreckend gewirkt hätten, haben die Burenkommandos nur neuen Zulauf bekommen. Auch die Lage in Natal scheint bedenklich zu sein. Botha und De Wet haben einen gemeinsamen Einfall dorthin unternommen. Kitchener schreibt selbst durch seine Meldungen über zwei schwere und ein paar kleinere Schlappen den Engländern einen blutigen Kommentar zu seiner Püo- klamation.
Im Namen der beiden Burenfreistaaten haben deren Vertreter in Europa sich aufs neue an den Schiedsgerichts- Hof im Haag gewandt, um feststellen zu lassen, ob England im Rechte sei mit den als Grund für seine Bekriegung der Buren angeführten Behauptungen, daß durch beide Republiken Thaten verrichtet worden ftien, welche darauf abzielten, das englische Element in Südafrika zu unterdrücken oder von dort zu vertreiben, und im allgemeinen, ob sich die Republiken irgend welche Handlung hätten zu schulden kommen lassen, welche nach internationalen Begriffen England das Recht gäbe, ihnen ihre Unabhängigkeit abzu- erkennen. Wenn England sich auch heute nicht auf ein Schiedsgericht einlasse, so gebe es damit zu, daß es nicht wage, sich dem Schiedsspruch eines gewissenhaften, kundigen und unparteiischen Richters zu unterwerfen. Für diesen Fall weisen die Vertreter der Burenstaaten England die volle Verantwortlichkeit für die Fortsetzung des „ebenso schrecklichen wie nutzlosen Krieges" zu.
Der Präsident der Vereinigten Staaten, Mac Kinley, ist am Donnerstag beerdigt worden. Daß sich aus Anlaß dieses grauenhaften Mordes der allgemeine Unwille erneut in lebhafter Weise gegen die Anarchisten insgesamt wendet, ist begreiflich und natürlich; ob es aber jetzt zu Vereinbarungen unter den- Mächten kommt, nachdem infolge früherer, gewiß gleich dringlicher Anlässe gemachte Versuche fehlgeschlagen sind? Die Vereinigten Staaten werden nun allerdings wohl schärfer vorgehen, als sie bisher geneigt waren. Von England aber hängt es hauptsächlich, ab, ob gemeinsame Maßregeln gegen den Anarchismus zu stände kommen, und bis jetzt liegt kein Anzeichen dafür vor, daß England von seinem bisherigen Standpunkte abzugehen Lust hätte. Unter den in Amerika Verhafteten befindet sich auch ein Deutscher, der den Plan gefaßt haben soll, den bisherigen Vizepräsidenten und jetzigen Präsidenten Roosevelt zu ermorden, aber als irrsinnig bezeichnet wird. Roosevelt, der nun für drei einhalb Jahre, den Rest der Amtsdauer des Ermordeten, an der Spitze der mächtigen amerikanischen Staaten stehen wird, erklärt, er werde „die dem Frieden, der Ehre und dem Gedeihen des Landes gewidmete Politik Mac Kinleys" d. h. die imperialistische Ausoehnungspolitik eines kaltherzigen und erwerbssüchtigen Aankees, fortsetzen; aber Mac Kinley hat Krieg gesucht und im Kriege auf Kuba führte Roosevelt seine wilden Reiter, weshalb die Besorgnis nicht unberechtigt ist, daß diese ungestüme Persönlichkeit auch auf dem Gebiet der Politik ähnliche Ritte unternehmen könne. Diese Besorgnis wird verstärkt durch die Aussicht, daß der bekannte und hinsichtlich der auswärtigen Beziehungen immerhin bewährte Staatssekretär Hay einem Jingo, dem Roosevelt geistesverwandten Lodge, weichen soll.
wodurch der junge Mensch so schwer verwundet wurde, daß er nach 14 Tagen starb. Der Vertreter der deutschen Regierung, der Distriktschef, war außer sich über diesen skandalösen Vorfall, ließ den Deutschen sofort verhaften und nahm persönlich an der Beerdigung deS Farbigen, die mit allen christlichen Ehren erfolgte, teil.
Aus Stadt und Zand.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, 23. September 1901.
•• Hessische Handwerkskammer. Der Besuch des diesjährigen deutschen Handwerkskammertages scheint besonders leb- last zu werden. Die Anmeldungen dazu laufen fortgesetzt zahlreich ein. So sind bereits Kammervertreter angemeldet aus Aachen, Altona, Arnsberg, Berlin, Breslau, Bromberg, Kassel, Koblenz, Köln, Dortmund, Düsseldorf, (Erfurt, Flensburg, Hannover, Harburg, Insterburg, Königsberg, Liegnitz, Magdeburg, Münster, Oppeln, Saarbrücken, Stettin, Stralsund, Wiesbaden, München, Chemnitz, Dresden, Leipzig, Plauen, Zittau, Ulm, Heilbronn, Konstanz, Freiburg, Mannheim, Schwerin, Weimar, Oldenburg, Braunschweig, Gotha, Gera, Dessau, Stadthagen, Dettnold, Lübeck und Bremen. — Den Verhandlungen geht am 26. September, abends 61/, Uhr eine Sitzung des Ausschusses der deutschen Handwerkskammern voraus, an der Berlin, Breslau, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Hannover, Lübeck und München teilnehmen. Abends 8 Uhr findet eine Vorversammlung statt, die die Bildung des Bureaus, Festsetzung der Geschäftsordnung usw. vornimmt. Am nächsten Morgen 8*/, Uhr beginnen die Verhandlungen im großen Saale des städtischen Saalbaues. Es sei hier noch darauf hingewiesen, daß das Bureau des Empfangsund Wohnungsausschusses am 26. und 27. September bis 8^2 Uhr vormittags in der Restauration Schmitt, gegenüber den Bahnhöfen sich befindet.
*• Folgender schöner Brief eines treuen Dien st mädchen 8, das während der mehrwöchigen Sommer-Abwesenheit seiner Herrschaft über drei Kinder ihre wachsame Hand hielt, wird uns von der Adressatin, einer Dame von auswärts, gütigst zur Verfügung gestellt:
Lieb aenad Frau ich benach in das wir Ale gesunt und Munter Sink die Kinder sint Ser Artech sie fpilen lusteck und denk vil An die Hild sie bekam Ale Tach iren Trink ir Milch heut Hab ich ein sunt Wein gekauf das Hat heit kaum gereich das schmeck zuser Heinz sack Vatech kauf vil gras Häuf eein Pak An Scmnach vir Herr Geh. Rat.....ein Paket von Herr Leutnant es regen wider den
ganz Tag und ist kalt weit weis ich Nicht zu schreib die Kinder Las vilinal gris Mutch und vatch Hilch gros Muter und gros Vater Tant Ana und Ank Beter und Soweit sein kane ganz Ruch sei wo ich bin da sint die beit gu Kinder Auch. Grüs. Amalie.
Auf deutsch lautet der Brief also:
„Liebe gnädige Frau! Ich benachrichtige Sie (Ihnen), daß wir alle gesund und munter sind. Die Kinder sind sehr artig, sie spielen lustig und denken viel an die Hilde (ihr von den Eltern auf Reisen mitgenommenes Schwesterchen). Sie bekommen alle Tage ihre Trinkmilch. Heute habe ich ein Pfund Wein (Trauben) gekauft, das hat kaum gereicht, das schmeckt zu sehr. Heinz (eins der Büblein) sagt: „Väterchen kauft viel, großen Haufen einpacken." Am Sonntag (kam) für Herrn Geheimrat ..... ein Packet von Herrn
Leutnant. Es regnet wieder den ganzen Tag und ist kalt. Weiter weiß ich nichts zu schreiben. Die Kinder lassen vielmals grüßen, Muttchen und Vatchen, Hildchen, Großmutter und Großvater, Taiüe Anna und Onkel Peter. Und soweit können Sie ganz ruhig sein, wo ich bin, da sind die beiden Kinder auch. Grüße. Amalie?'
Bingen, 22. Sept. Am Dienstag, 24. ds., werden das Großherzogspaar, der russische Großfürst Cyrill und Prinzessin Beatrix eine Fahrt nach Bingen unternehmen, und zwar von Mainz aus auf dem Regierungsdampfer „Harria". Nach einer Rundfahrt durch die Stadt wird auf Schloß Klopp (Btnger Rathaus) der Ehrentrunk der Stadt Bingen und ein Imbiß gereicht, woran sich eine Wagenfahrt nach dem Scharlachkopf (Kaiser Friedrich-Turm) und von da zurück nach dem Rochusberg zur Besichtigung der St. Rochuskapelle anschließt. Bei günstiger Witterung soll die Rückfahrt nach Mainz per Wagen über Ingelheim erfolgen.
Vermischtes.
* Rorschach, 22. Sept. Gestern unternahmen fünf Mann von den: Segelklub Lindau eine Fahrt auf dem Bodensee. Es erhob sich bald ein rasender Föhn. Insassen des Bootes ertranken. Von dem Boot und der Mannschaft fehlt bis heute mittag jede Spur. Ein österreichischer Dampfer versuchte vergeblich Htlfe zu brmgen.
* Schnee im Erzgebirge. Wie aus Chemmtz gemeldet wird, sind aus den südlichen Höhen des Erzgebirges bei einer Temperatur von 0 Grad in der Nacht vom Freitag auf Samstag Schneefälle eingetreten.
* Eine angenehme Gattin. Die Frau des erkrankten Drechslermeisters Grabowski in Rosenberg (Westpr.) hat ihren Gatten durch Gift ums Leben gebracht. Sie hat sich aus der Apotheke Chromsäure als Einreibungsmittel besorgt. Dieses Gift bat sie ihrem kranken Manne unter den Glühwein gemischt, den er des Abends zu trinken Pflegte. Tie Schärfe und Wirkung des Giftes war ihr unbekannt; deshalb hatte sie anfänglich eine zu kleine Dosis genommen. Tie Mordversuche hat sie in drei verschiedenen Tagen wiederholt. Dem Kranken muß der eigentümliche Geschmack deS Glühweins aufgefallen sein, denn er klagte einem Bekannten gegenüber, daß seine Frau nicht einmal im stände sei, ibnt ein ordentliches Glas Glühwein zu bereiten. Tie Frau, die verhaftet worden ist, legt völligen Gleichmut an den Tag und soll u. a. geäußert haben, ihr thue das Verbrechen


