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Gemeindesteuer: Grundsteuer
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Steuer in Gießen: _
Staatssteuer: Vermögenssteuer 112.20 Mk. Einkommensteuer 385— ,
Preußische 2%0 Grundsteuer u. 100% Zuschlag Staatsstmer: ErgLozungssteuer 100 Mk.
Etnkommmsteuer 390 „
490 Mk.
'Gemeindesteuer: Grundsteuer 330 Mk.
Einkommensteuer 390 „
zusammm 1205 60 Mk.
" S'adt mit
790 Mk.
dazu Staatssteuer 490 Mk. zusammen 1220 Mk.
Kopltalrentrnsteuer 28.80
Einkommensteuer 385
510 Mk.
585 „
1095 Mk.
490 Mk.
1585 Mk.
Aus Stadl und Land.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieft. gestattet.)
•• Personal-Nachrichten. Der GerichtSaffefsor Engel in Darmstadt wurde mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Michelstadt, der GerichtSaffefsor Reitz in Fürth mit Wahrnehmung solcher bei dem Amtsgericht Höchst und der Gerichtsaffessor Neurath in Wimpfen mit Wahrnehmung solcher bei dem Amts- gericht Bad-Nauheim beauftragt.
•• Der KriegervereiuSbezirk Gießen hielt am Sonntag Nachmittag im Lenz'schen Felsenkeller eine Bezirksversammlung ab. Bei der Vorstandswahl wurde der seitherige Vorstand wieder mit der Leitung betraut. ES wurde Bruchhäuser- Gießen wieder 1. Vorsitzender, Bürgermeister Leun-Großen- Linden 2. Vorsitzender, Verwalter Keller-Gießen Schrift- führer und Volkmann-Heuchelheim Kassierer. Außerdem machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß beabsichtigt sei, im Herbst in einem noch zu bestimmenden größeren hiesigen Lokale Kriegsspiele zur Aufführung gelangen zu laffen.
*• Felddieustübungen. Montag vormittag rückte das hiesige Infanterie-Regiment aus und marschierte zugweise durch Kleinlinden und Großen-Linden, um bei Lang-GönS Halt zu machen. Schon unterwegs und hauptsächlich in der Nähe des letzteren Ortes wurde Feldwachtdienst geübt. Die Hebungen spielten sich zwischen den Orten Gießen (Norden), Butzbach (Süden), Groß-Rechtenbach (Westen) und Lich (Osten) ab. Unser Infanterie-Regiment operierte diesmal in Gemeinschaft mit den beiden hessischen Dragonerregimentern, die am Freitag und Samstag seine Gegner waren. Den Feind markierte am Montag das 168. Infanterie-Regiment, das Husaren-Regiment „Röntg Humbert von Italien" und die Hanauer Ulanen. Die Husaren hatten am Sonntag in der Gegend von Brandoberndorf, Gröffelbach und Kleeberg gelegen, während die Ulanen östlich der Main-Weserbahn in der Umgegend von Lich Quartiere genommen hatten. Um die Mittagszeit kochten die 116er auf ihrem Lagerplatz bei Lang Göns ab. Gegen y25 Uhr brachen sie den Felddienst ab und marschierten durch Großen-Linden und Kleinlinden nach Gießen zurück. Nur eia Wachtkommando blieb zurück. Dienstag, 23. früh übt unser Regiment in der Gegend von Holzheim. Hier wird voraussichtlich ein Feldlager aufgeschlagen. Nachmittags kehrt das Regiment wieder hierher zurück. Auch die vier Kavallerie-Regimenter begeben sich alsdann wieder in ihre Garnisonen zurück.
** Mauöverbestimmungen. Für die Herbstmanöver der größeren Truppenverbände des 18. Armeekorps find folgende Zeitbestimmungen getroffen worden: Brigademanöver: 41. Infanterie-Brigade vom 13.—16. September bei Mainz, 42. Infanterie-Brigade vom 12.—14. September bei Babenhausen; Divisionsmanöver: 21. Division vom 17. bis 21. September zwischen Oberursel und Groß-Gerau, 25. Division gleichfalls vom 17.—21. September zwischen Worms und Gau-Odernheim; Korpsmanöver: Am 23. und 24. September in den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen, am 25. September Rückkehr in die Garnisonsorte.
(!) Verhaftung. Ein bei dem hiesigen Elektrizitätswerk beschäftigter auswärtiger Arbeiter drohte gestern einem Wirt in der Ludwigstraße, der ihm, weil er angetrunken war, feine Getränke mehr verabreichen wollte, er werde ihm die Därme aus dem Leibe holen und die Knochen zerschlagen, so daß der Wirt mit seiner Familie flüchten mußte. Da der Ar' Heiter in der Wirtschaft weiter tobte, wurde die Polizei zu Hilfe geholt, die ihn verhaftete. Auf dem Transport erklärte er dem ihn begleitenden Schutzmann in ruhigem Tone, in dem kalten Hamburg hätte man wegen einer solchen Kleinig keit kein solches Aufsehen gemacht und nicht gleich die Polizei gerufen.
** Unfall. Gestern nachmittag ist in der Nähe der Wellersburg ein hier durchkommender Meldereiter des 23. Dragoner-iRegiments vom Pferde gestürzt. E blieb im Steigbügel hängen und wurde eine Strecke weit vom Pferde nachgeschleift. Man schaffte ihn, da er ohnmächtig geworden war, ins Garnisonlazarett, wo festgestellt wurde, daß er eine Verletzung am Kopfe erlitten hatte, die indessen, wie wir hören, nur leichter Natur ist.
** Anlegung von Mündelgeld. Auf Grund des § 1807 Absatz 1 Nr. 4 des Bürgerlichen Gesetzbuchs hat der Bundesrat unterm 7. beschlossen, daß verbriefte Forderungen gegen, eine inländische kommunale Körperschaft oder die Kreditanstalt einer solchen Körperschaft zur Anlegung von Mündelgeld geeignet sind, wenn die Forderungen von feiten des Gläubigers kündbar sind oder einer regelmäßigen Tilgung unterliegen. Es können hiernach Sck>uldverschreib- ungen deutscher Städte, die einer regelmäßigen Tilgung unterliegen, zur Anlegung von Mündelgeldern Verwendung ftnden.
** Rechtsanwalt Wagner teilt uns mit, unter Bezug auf unsern gestrigen Schöffengerichtsbericht, — er wurde bekanntlich wegen Betrugs zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt — daß er gegen das Schöftengerichtsurteil Berufung eingelegt habe.
(-) Großen-Linden, 22. Jnli. Gestern und heute fand unser Kirchweihfest statt. Wie alljährlich, so erfreute sich auch in diesem Jahre unser Städtchen wieder reichen Zuspruchs von auswärts, sodaß die Lokale der beiden Fest wirte Schaum und Weigand bis auf den letzten Platz dicht besetzt waren. Dank der günstigen Witterung nahm das Fest einen recht schönen Verlauf.
B. Lang-Göns, 22. Juli. Heute zogen verschiedene
Abteilungen des Gießener und Butzbacher Militärs durch unsere Gemarkung.
W. B. Dorfgill, 22. Juli. Gestern abend ereignete sich hier ein schwerer Unglücks fall. Mehrere junge Leute machten Scherze, die jedoch bald einen ernsten Streit hervorzurufen drohten. Plötzlich stieß einer der Burschen einen anderen vor die Brust: der Gestoßene sank um und war sofort tot. Allem Anscheine nach hat den Hingeschiedenen, Namens Mulch, einen 20jährigen jungen Menschen, ein Herzschlag getroffen.
§ Lauterbach, 22. Juli. Auf der hier stattgehabten außerordentlichen Generalversammlung des Pferde-Ver- sicherungs-Vereins für den Kreis Lauterbach wurden als Ersatz für zwei verstorbene Ausschußmitglieder Zimmer- meister Henkel und Fuhrmann Günther neu in den Ausschuß gewählt. Zum Direktor an Stelle des ebenfalls verstorbenen Direktors Steuerrats Sommerlad wurde Hotelbesitzer Schütz von hier gewählt.
T Bermuthshain, 22. Juli. Ein frecher Einbruchdiebstahl wurde hier verübt. D-em hiesigen Gemeindeschäfer Dietrich wurden während seiner Abwesenheit aus der Schäferhütte zwei Teppiche im Werte von 1.5 Mk., das Kopfkissen im Werte von 5 Mk. gestohlen. Das Schloß ist mittelst einer Feile oder eines Meisels ausgestoch^n worden. Man ist dem oder den Thätern auf der Spur.
Tübingen, 22. Juli. Das gestrige, von unserem Turw verein veranstaltete Schauturnen im Jägerthal, das anfangs zu verregnen drohte, nahm schließlich einen recht schönen Verlauf. Auch die fürstliche Familie zu Isenburg-Büdingen besuchte das Fest. Die turnerischen Leistungen legten Zeugnis davon ab, daß im Turnverein Streben und DiSciplin herrscht. Durch den Erbprinzen Wolfgang zu Isenburg-Büdingen wurden die zuerkannten Preise resp. Diplome an die besten Turner verteilt.
Darmstadt, "22. Juli. Am 10. August begiebt sich der Groß Herzog zu den Festspielen nach Bayreuth und wird acht Tage dort bleiben. Die Gemahlin des verstorbenen Prinzen Wilhelm und dessen Sohn mit Gemahlin trafen bereits in Bayreuth ein und haben vorläufig auf 14 Tage ihren Aufenthalt dort bemessen.
Offenbach, 22. Juli. Noch einmal versammelte fich gestern die Offenbacher Bevölkerung und die Turnerschaft auf dem Turnfestplatze, um die Schlußfeier des Jubi- läumsfestes zu begehen. Die unermüdlichen Knabentrommler voran, zogen um 3 Uhr die Turner zum Festplatze, woselbst Schauturnen, Ballspiele und Ringen stattfand. Daneben fand auf dem Turnplätze die Ballonfüllung statt; um 6 Uhr stieg Frl. K. Paulus mit ihrem Ballon in die Lüfte und ent- schwand bald den Blicken der Zuschauer in nordöstlicher Richtung. Ein Sängerchor von 800 Mann sang am Abend in der Festhalle seine Weisen, doch war die Halle nur noch halb gefüllt. Desto besser dagegen waren die Bierwirtschaften, der Tanz- und der Juxplatz besucht. Am Nachmittag war in einer eigens dafür gebauten Bretterbude der angekündigte Ochse am Spieß gebraten worden, was namentlich der Jugend viel Vergnügen machte. Auch die Nachfeier nahm, wie das ganze Fest, einen schönen harmonischen Verlauf.
** M a i n z, 23. Juli. Der in der bekannten Affaire des Schulrat Dr. Dettweiler häufig genannte Gymnasiallehrer Dr. Ahlheim, der seit jener Affaire pensioniert war, wird dem „Mainz. Anz/' zufolge am 1. September wieder in den hessischen Staatsschuldienst übernommen. — Eine größere Anzahl von älteren Landwehrleuten aus Kostheim, Kastel und Mornbach, die demnächst zum Landsturm gehen, haben sämtlich vom hiesigen Bezirkskommando eine eintägige Mittelarrest strafe erhalten, weil sie die ihnen zugegangenen Vorschriften über die Kriegsbeorderungen nicht in ihren Paß eingeklebt hatten. Die Landwehrleute müssen sich am nächsten Samstag Vormittag zum Antritt ihrer Strafe melden. Es herrscht hierüber große Erbitterung. Die älteren Leute, die meistens während ihrer Militärdienstzeit nie eine Strafe erlitten haben, — darunter sind sogar einige, die Feldwebelcharge bekleidet hatten — müssen jetzt wegen eines kleinen formellen Verstoßes ins Gefängnis wandern.
Homburg, 22. Juli. Der Großherzog von Hessen trifft heute Nachmittag 5 Uhr auf einige Tage ein, und wird in Ritters Parkhotel Wohnung nehmen, um dem Osfiziers-LawntenniS-Turnier beizuwohnen. Dieses Tournier hat unter dem Präfidium des Prinzen Albert zu Schleswig-Holstein heute nachmittag unter Beteiligung einiger aktiver Offiziere des Heeres und der Marine begonnen. Vorläufig wird in 4 Konkurrenzen gekämpft und zwar im Einzelspiel mit Vorgabe um den Preis der Kaiserin Friedrich. Ferner giebt es Doppelspiel ohne Vorgabe und Doppelspiel mit Vorgabe. Zum Schluß findet ein großes Handicap um den Damenehrenpreis statt.
*’ Kleine Mitteilungen ans Heften und den Nachbarstaat«. Im Großherzogtum Hessen giebt es sieben Gemeinden, die so glücklich sind, keine Gemeindesteuern bezahlen zu müssen; die sonstigen Einkünfte sind so wesentlich, daß dadurch alle Kommuuälbedürfnisse bestritten werden können. Es sind dies die Gemeinden Albach, Bergheim, Bersrod, Feldheim, Hattenrod, Ober-Steinbach und Staufenberg, sämtlich in Oberhessen gelegen. — Eine Eifersuchtsszene mit tragischem Ausgange spielte sich am 22. Juli morgens im großen Biergrund in Offenbach ab. Die Geliebte eines jungen Mannes hatte sich von einem anderen jungen Manne vom Turnfestplatz weg nach Hause begleiten lassen. Hierüber erbost, lauerte ersterer, Namens Hofmann aus Forchheim, dem Paar auf. Es entspann sich alsbald eine regelrechte Keilerei. Schließlich zog einer aer Beteiligten, der Feilenhauer Geist aus Klein-Steinheim, ein Messer und verwundete den H. schwer am Kopf und Arm. Die Verletzungen sollen lebensgefährlich sein. — JnHohen-Sülzen schlug der Blitz am Samstagmittag in einige Fruchthaufen und in die Kirche, zerschmetterte die Leuchter und Kerzen am Altar und beschädigte die Orgel. — Altbürgermeister L. Baum von Fürfeld und Gattin feierten am 20. Juli in noch ungeschwächter Kraft das seltene Fest der goldenen Hochzeit in aller Stille. Das Jubelpaar empfing von allen Seiten die herzlichsten Glückwünsche. — In Oppenheim sank int Hafen in der Nacht des 20. Juli ein mit Kies beladenes eisernes Schift der Baggereifirma Hutfließ u. Schmid aus Ludwigshafen. An der Hebung des ca. 3 Meter tief im Wasser liegenden Fahrzeuges wird eifrig gearbeitet. — In der NacW vom Samstag auf Sonntag ist der Schiffsjunge Frankenberger aus Bretzenheim, der sein Schift aufsuchen wollte, in den Rhein gestürzt und ertrunken. Die Leiche konnte bis zur Stunde noch nicht aufgefunden werden. — Am Samstag stürzte in der Weint horstraße in Mainz ein achtjähriger Knabe zum Fenster eines vierten Stocks hinaus auf den Hof. Der Junge stieß im Fall
mit dem Kopfe auf ein vorspringendes Dachl, das in Trum mer ging. Er wurde mit gebrochenem Schädel von seinen Angehörigen aufgefunden. Der Zustand des Kindes ist hoffnungslos.
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Universitäts-Nachrichten.
Der Bonner Historiker Professor Friedrich v. Bezold hat einen an ihn ergangenen Ruf an die Umoersilät Leipzig ubgelehnt. — AuL Leipzig wird gemeldet: Der soeben beendeten ärztlichen Vorprüfung an der Universität Leipzig unterzogen sich 29 Kandidaten, darunter eine Dame, Frl. Wachsmuth, die daö Examen mit Zensur I bestand. An den juristischen Prüfungen haben insgesamt 102 Kandidaten teilgenomnnn, oon denen fr 7 das Examen bestanden. 4 Kandidaten hatten nach erfolgter schriftlicher Prüfung von der Fortsetzung des Examens Abstand genommen.
Wie aus Wien berichtet wird, stehe die Berufung des Profeffors der romanischen Philologie und Direktors des romanischen Seminars an der Wiener Universität, Dr. Wilhelm Meyer-Lübke an die Universität Zürich bevor. — In Wien wurde Samstag Frl. Emma Ott, die sich durch selbständige botanische Forschungen hervorgethan, zum Doktor der Phrlosophre promoviert.
Gerichtssaal.
.... -e- Gießen, 22. Juli. (Gewerbegericht.) Den Vorsitz fuhrt Stadtverordneter Keller. Als Beisitzer fungieren Schreinermeister Emil Heinrich Müller und Schriftsetzer H e n s e l von Gießen. In der Sache des Knechtes Wilhelm Kätzer von hier gegen den Wirt Otto Luft von hier, wegen Ausstellung eines Zeugnisses und Herausgabe übergebener Arbeitszeugnisse sticht heute der zweite Termin zur Verhandlung. Lust übergiebt dem Krätzer das verlangte Arbeitszeugnis über seine Tätigkeit bei ihm, und ein ihm von Krätzer beim Arbeitsengagement übergebenes Zeugnis eines früheren Arbeitgebers mit der Erklärung, daß er ein weiteres Zeugnis von ihm nicht mehr besitze. Der Kläger erklärt sich von dem ihm von Luft ausgestellten Zeugnis zufriedengestellt, verlangt jedoch noch ein weiteres dem Luft übergebenes Zeugnis zurück und außerdem Schadensersatz wegen Verzögerung der Rückgabe. Tas Gewerbegericht bemerkt, dem Kläger, daß es. nach § 3 pH. 1 des Gesetzes über die Gewerbegerichte nur zuständig sei für (Strei» tigfeiten über die Aushändigung oder den Inhalt der vom Arbeitgeber auszustellenden Zeugnisse, nicht aber für Streitigkeiten wegen Rückgabe von Zeugnissen pp., welche aus Anlaß des Arbeitsverhältnisses übergeben worden seien. Für die Entscheidung der letzteren Streitigkeiten sei bis zum 1. Januar 1902 das Amtsgericht zuständig, und erst von da ab nach der Novelle zum Gesetze betr. die Gewerbegerichte das Gewerbegericht. Der Kläger nimmt deshalb seine Klage zurück, um sie beim Amtsgericht anzubringen. — Gegen den Fuhrunternehmer Hernrüh Herzberger sind drei Klagen anhängig. Der Tagelöhner Albert Wo deler, zurzeit hier, verlangt 10.50 Mk. Restlohn. Der Beklagte erkennt an, den Betrag an Wodeler zu schulden, macht jedoch Schadensersatz geltend, weil der Kläger ihm das Fuhrwerk stehen gelassen habe. Wodeler entgegnet, daß er als Tagelöhner und nicht als Fuhrknecht engagiert worden sei. Herzberger bestreitet dies, und beruft sich auf das Zeugnis seines Venvalters Heyer. Das Gericht erließ Beweisbeschluß Nächsten Freitag soll die Vernehmung des Zeugen stattftnden. — Der Knecht Gottlob Reusch von hier verlangt 6 Mark Restlohn. Herzberger entgegnet, daß die 6 Mark dem Kläger zukämen für Fahren der Gießfässer in der Stadt an drei Sonntagen. Die Zahlung der Vergütung, für jeden Sonntag 2 Mk., solle jedoch nach ihrer Vereinbarung erst Ende des Sommers erfolgen. Da Kläger die Arbeit verlassen habe, ohne zu kündigen, mache er hiermit Schadensersatz geltend. Der Kläger bestreitet, auf eine solche Abmachung eingegangen zu fein, und da ihm Herzberger die Vergütung nicht ausgezahlt habe, sei er befugt, die Arbeit ohne Kündigung zu verlassen. Auch in dieser Sache wird Beweisbeschluß erlassen, in dessen Erledigung der Verwalter Heyer ebenfalls vernommen werden soll. — Der Knecht Wilhelm Launhardt, zurzeit hier, verlangt ebenfalls Auszahlung rückständigen Lohnes. Die Sache liegt genau so, wie die eben geschilderte. Nur verlangt Herzberger noch 1,50 Mk. Ersatz für eine verlorene Wagenkapsel. Es soll auch hier durch Vernehmung des Verwalters Heyer Beweis erhoben werden. — Weiter hat der Maurer Ludwig Rapp aus Hattenrod gegen den Bauunternehmer Georg Becker von hier, wegen Zahlung rückständigen Lohnes geklagt. Der Beklagte erklärt sich bereit, den Lohn zu zahlen, jedoch abzüglich 2.50 Mk. für das Umsetzen eines Sinkkastens, den Kläger an eine falsche Stelle gesetzt habe. Der Kläger ist mit dem Abzüge einverstanden. — In der letzten Sache verlangt die Kellnerin Marie Stan- schuß, zurzeit hier, von dem Wirt Ludwig Kratzer 15 Mk. Reiseentschadigung für die Fahrt von Düsseldorf hierher, weil sie der Beklagte schon nach drei Tagen ihrer Thätia- keit ohne Grund entlassen habe. Ta die Klägerin nicht erschienen ist, und der Angeklagte keinen Antrag stellte, läßt das Gericht die Sache fallen.
Kermischte«.
* Bon einem Scherzwort des Kaisers erzählen die Kieler Mitglieder der bevorstehenden Südpolarexpedition. Als der Kaiser in Travemünde das Expeditionsschiff Ganß besuchte und die Mitglieder den Monarchen bei windigem Wetter entblößten Hauptes an Deck empfingen, bat der Kaiser sie unter Hinweis auf die zum Teil schon stark gelichteten Scheitel der Gelehrten, sich zu bedecken, und meinte lachend: »Sonst könnten den Herren auch die letzten Haare noch wegwehen, die Ihnen die Wiffenschast gelaffen."
• Eine furchtbare Katastrophe hat am Sonntag Nachmittag unweit des Ausflugsortes Hankels Ablage bei Berlin sieben Menschenleben vernichtet. Infolge eines Wirbelsturmes kenterte das mit drei Männern, drei Frauen und vier Kindern besetzte Segelboot „Albatroß" des Herrn Rich. Holzmann. Die Manner wurden durch eiligst vom Lande herbeieileude Rettungsmannschaften gerettet, während die Frauen und Kinder, die sich in der Kajüte befanden und diese nicht verlaffen konnten, ertranken. Es ist dies wohl der furchtbarste Unfall, von dem die Seglerschast auf den Gewässern der Umgegend Berlins jemals betroffen worden ist. Ertrunken find Frau Holzmann und zwei 11 und 9 Jahre alte Kinder, ferner Frau Leffer, geborene Holzmann, mit zwei Kindern im Alter von 9 Jahren und 2 Monaten und Frau Konditor Meyer.
♦ Wien, 22. Juli. Der bei Besteigung des Berges Tribulaun bei Goffensaß durch Blitzschlag getötete Wiener Tourist ist der Dr. med. Robert Wilhelm, Sekundärarzt des Wiener KinderspitalS zu St. Anna. Er war 35 Jahre alt, der Sohn eines noch lebenden, angesehenen Advokaten in


