Deutsches Reich.
Berlin, 22. Mai. Der Kaiser wird an der Aanal- eröffnnng in Emden am 13. Juni teilnehmen und zwei oder drei Tage an Bord der Lustyacht „Prinzessin Viktoria Luise" Wohnung nehmen. Danach wird der Kaiser voraussichtlich mit dem Schiff nach Kiel zur Kieler Woche fahren. Nach der „Schles. Ztg." beabsichtigt . der Kaiser, auch in diesem Jahre wieder als Jagdgast nach Oberschlesien zu kommen und zwar zuerst Ende September nach Neudeck, um dort beim Fürsten Guido Henckel von Donnersmarck Hirsche zu schießen, und dann im November zum Grafen Tiele-Winckler nach Moschen-Kujau und zum Herzog von Ujest nach Slawentzitz.
— Zu der Nachricht, daß der K a i s e r dem Pastor von Bodelschwingh auf einen Brief über die buren freundliche Stimmung im Volke sehr unangenehm geantwortet habe, bringt das Missionsblatt Friedensbote eine ausführliche Darstellung. Der Kaiser hat hiernach sofort nach Erhalt des Briefes den Pastor v. Bodelschwingh nach Berlin befohlen, wo ihn Geheimrat v. Lucanus empfing und ihn der allerhöchsten Ungnade des Kaisers versicherte. Pastor v. Bodelschwingh reiste alsbald nach Bielefeld zurück und richtete ein erneutes Schreiben an den Kaiser unter wiederholter Schilderung der Volksstimmung hinsichtlich der Buren. Einige Tage später erhielt er ein herzliches Telegramm der Kaiserin, sowie ein drei Bogen umfassendes Telegramm des Kaisers, worin derselbe seine Anerkennung für die ihm bezeugte Liebe und Verehrung in warmen Worten ausdrückte. Später folgte noch ein Brief des Kaisers, worin er für die Ueberzeugungstreue des Pastors v. Bodelschwingh dankte.
— Heute sand im Reichslagsgebäude unter dem Vorsitz des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg die Hauptversammlung des Hauptverbandes deutscher Flott ende re ine im Auslande statt. Der Herzog eröffnete die Sitzung u nd schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, durch dessen Bestimmung dem Hauptverbande nunmehr ein bestimmtes Ziel in der Erbauung von Flußkanonenbooten gesetzt worden ist. Tie Hauptversammlung beschloß die Absendung eines Ergebenheitstelegramms an Se. Majestät sowie auch an den Protektor des Hauptverbandes, den Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg. Ter Jahresbericht ließ die erfreuliche Entwickelung der ausländischen Flotten- rercine erkennen. Tas Vermögen des Hauptverbandes beziffert sich zur Zeit auf ungefähr 350 000 Mk. Zu den Gegenständen der Beschlußfassung gehört u. a. die Annahme eines gemeinsamen Vereinsabzeichens, das von den Auslandsvereinen sehr dringend gewünscht worden war. Zum Schluß beschloß die Versammlung, dem schwer erkrankten Mitbegründer des Hauptverbandes, dem Wirkt. Geh. Rat Sachse Grüße mit dem Wunsche auf baldige Genesung zu übersenden. An die Hauptversammlung schloß sich ein Mittagessen im Automobilklub.
— Pensioniert wurden in der deutschen Armee vom 1. April bis 15. Mai 1901: 5 Generäle der Infanterie, Kavallerie re., 10 Generalleutnants, 14 Generalmajore, 8 Oberste, 9 Oberstleutnants, 25 Majore, 26 Hauptleute, 7 Oberleutnants, 5 Leutnants. In Summa 109 Offiziere. — Kosten pro Jahr ca. 570 000 Mk. Tavon erhalten die 29 pensionierten Generäle 300 000 Mk.
— Wie wir hören, hat der Bundesratsausschuß in feiner Sitzung vom 13. d. M. die Gleichstellung der Gymnasial- und Realgymnasialabiturienten hinsichtlich der Zulassung zum Studium der Medizin ohne weiteres beschlossen. Dagegen müssen die Abiturienten von Oberrealschulen sich einer Nachprüfung im Lateinischen unterziehen.
— Auf Einladung des Kaisers wird der französische General Bonn al, der in Frankreich als taktische und strategische Autorität gilt, und durch seine militürwissenschaftlichen Werke sich einen Namen gemacht hat, in den nächsten Tagen in Berlin eintreffen, um der Parade des Gardekorps beizuwohnen.
— Tie Regierung hat auf den Plan, ein staatliches Panzerplattenwerk zu errichten, endgiltig verzichtet, da Krupp jetzt für Teutschland zu denselben billigen Bedingungen liefert wie für Amerika.
— Ter Oberpräsident der Provinz Sachsen v. Bötti- d) e r ist als Senior des Tomkapitels in Naumburg auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen worden.
— Ter ständige Ausschuß des deutschen Landwirtschaftsrats ist zu einer zweitägigen Sitzung auf den 18. und 19. Juni nach Nürnberg einberufen worden. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Gegenstände: „Die Lage der Landwirtschaft mit Rücksicht auf die bevorstehende Neugestaltung des Zolltarifs". Ferner „Wer trägt den Getreidezoll?" Außerdem „Entwurf einer Branntivein- steuergesetz-Novelle und eines Süßstoffgesetzes."
Lüneburg, 22. Mai. Die Landesversammlung der deutsch-hannoverschen Partei ist, wie bereits gemeldet, von dem Polizeidirektor aufgelöst worden, weil ein welfischer Redner unter dem Beifall der Versammlung von „Preußischer Kleptomanie" sprach. Wie nun der „Hann. Cour." berichtet, ist in der Versammlung sofort, insbesondere von einem welfisch gesinnten Rechtsanwalt Vestritten worden, daß in dieser Aeußerung ein gesetzlicher Grund zur Auflösung der Versammlung liegen könne, und es wurde deshalb, allerdings ohne Erfolg, gegen die Auflösung Protest erhoben. Dem Vernehmen nach soll die Sache bis in die höchste Instanz weiter verfolgt werden.
Leipzig, 22. Mai. Wie das „L. T." vernimmt, entzogen die ärztlichen Bezirksvereine anläßlich des Streites zwischen den Aerzten und der Ortskrankenkasse den auswärtigen bei der Kasse hier in Tl)ätigkeit getretenen Aerzten das innerhalb der Bezirksvereine gewährleistete Wahlrecht auf drei bezw. vier Jahre. Die Betroffenen legten gegen diese Maßregel beim Ehrengerichtshof Berufung ein.
Eronberg, 22. Mai. Auf Schloß Friedrichshof ist heute der englische Bischof Dr. Carpenter eingetroffen und von der Kaiserin Friedrich zur Frühstückstafel eingeladen worden. Dr. Carpenter ist alsdann nach, London zurück- gekehrt.
Ausland.
Luxemburg, 22. Mai. Tie Regierung plant die Ausarbeitung eines besonderen Arbeiter-Einwanderungs- gesetzes, wonach alle fremden Arbeiter, die sich bei der Einwanderung in das Großherzogtum nicht über den Besitz von Geldmitteln ausweisen können, um bei etwaiger Arbeitslosigkeit wieder in die Heimat zurückzukchren verflögen, am Eintritt in das Land verhindert werden sollen.
Paris, 22. Mai. Ter französische Gesandte in Marokko, Revo il, hat endgiltig den Posten des Generalgouverneurs von Algerien angenommen.
— Der hiesige Frauenarzt, Dr. C v u l e t, veröffentlicht in einer medizinischen Zeitschrift mehrere von ihm an
die Königin Draga gerichtete Briefe sowie das Antlvort- chreiben einer Ehrendame der Königin, um zu beweisen, raß er keineswegs schuld daran sei, wenn die Königin Draga glaubte, in der Hoffnung zu sein.
Wien, 22. Mai. Ter Marin e aus schuß der ungarischen Delegation nahm das gesamte Marinebudget unverändert an, und sprach der Marineleitung für ihre ersprießliche Thätigkeit seine Anerkennung und sein Vertrauen aus. Im Laufe der Debatte erklärte der Marine- Kommandant Freiherr von Spann, die Marineleitung habe niemals den Plan gehabt, die Flotte derart zu entwickeln, daß sie mit den Flotten anderer Großmächte rivalisieren könne; sie halte sich stets nur einen erfolgreichen, unter allen Umständen wirksamen Küstenschutz unter Verwertung der neuen Errungenschaften der Technik vor Augen. In nächster Zeit werde außer den im Budget bereits enthaltenen zwei Schlachtschiffen nur der Bau eines neuen1 Schlachtschiffes und mehrerer kleinerer Fahrzeuge, wie Tor- )edos und im Aufklärungsdienste notwendiger Fahrzeuge, erforderlich sein.
— Im Abgeordneten Hause richtete der christlich^- oziale Schneider an den Präsidenten die Anfrage, welche Faktoren daran schuld seien, und mit welchen Summen sie bestochen wurden, daß Hilsner nock nicht gehängt wurde und auch nicht gehängt werden wird. (Lärm.) Schneider chreit: Noch alle sind von den Juden bestochen, auch die Minister. Ter Präsident (ohne zu reagieren): Wir schreiten zur Tagesordnung!
Wien, 22. Mai. Vor den ungarischen Delegationen gab der Minister des Auswärtigen, Graf Goluchowski, eine längere Erklärung ab, in der er u. a. folgendes ausführte: Was die allgemeine Richtung der österreichischen Politik betrifft, so besteht sie im engeren Anschluß an die Verbündeten und in der Pflege vertrauensvoller Beziehungen zu den übrigen Mächten, namentlich zu Rußland. Die tendenziösen Gerüchte, welche die Solidität des Dreibundes zu erschüttern suchen, würden einer besonderen Erwähnung kaum verdienen, wenn sich nicht die Bestrebungen anderer Kreise dazu gesellten, welche die Allianzfrage in Zusammenhang mit dem Abschluß günstiger Handelsverträge bringen möchten. Allerdings sei diese These, daß sich ein Zollkrieg mit engen politischen Beziehungen vereinigen lasse, kaum mehr aufrecht zu halten. Ein ^Rodus vivendi müsse gefunden werden. Man werde gewiß bei den bevor- tehenden Handels-Vertrags-Verhandlungen mit Deutschland und Italien zu einer billigen Schlichtung etwaiger Differenzen gelangen, aber könne nicht von handelspoliti- chen Fragen politische Bündnisse, die viel höhere Zwecke lerfolgen, abhängig machen und ein politisches Bündnis nicht als Kompensationsobjekt ausspielen.
Budapest, 21. Mai. Nach Privatmeldungen aus Belgrad glaubt man dort, daß bei der Affaire der Königin Draga die Hand Rußlands im Spiele sei. Da die russi- che Diplomatie angeblich wußte, daß die Ehe des Königs ünderlos bleibt, wolle sie, daß PrinzMirkovon Montenegro zum serbischen Thron fo-lg er ernannt werde. Ter Prinz soll demnächst in Belgrad eintreffen.
P e t e r s b u r g, 22. Mai. Das Amtsblatt der Präfektur meldet: In den Obuchowschen Eisenwerken in Alexcm- drowsky weigerten sich am 20. Mai nach der Mittagspause etwa 200 Arbeiter verschiedener Abteilungen die Arbeit wieder aufzunehmen. Von dem Gehilfen des Direktors) Oberstleutnant Iwanow, nach dem Grunde ihres Verhaltens befragt, trugen die Arbeiter ihre Beschwerden vor. Die Versuch)« des Oberstleutnants, die Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen, schlugen fehl. Die Arbeiter, die in verschiedenen Abteilungen der Werke zerstreut waren, gaben mit der Sirene ein Zeichen zur Einstellung der Arbeit, und begannen mit Gewalt die Maschinen zum Stillstand zu bringen. Iwanow, der nur über 40 Mann verfügte, suchte die Hilfe der Polizei nach. Alsbald wurden zwei Eskadrons Gendarmen, eine Abteilung berittener Polizisten und 200 Schutzleute an Ort und Stelle entsandt. Inzwischen hatten die Arbeiter, deren Zahl etwa 3600 war, die Arbeit eingestellt und begannen unter Pfeifen und Lärmen das Werk zu verlassen. Ein Wächter, der im Thorweg stand, wurde durch einen Messerstich! verwundet. Ein Arbeiter wurde verhaftet. Der Verkehr der Straßenbahn ist unterbrochen. Polizeiminister Palibin gab, in Befürchtung weiterer Verwickelungen, den Befehl, Die Menge zu zerstreuen. Aufforderungen blieben erfolglos, worauf die Gendarmen und berittenen Polizisten gegen die Menge vorgingen, die mit Steinwürfen antwortete. Individuen, welche hinter den Einfriedigungen in die Häuser geflüchtet waren, schleuderten Steine gegen die Polizei, die sich in die Bluchowschen Werke zurückziehen mußte. Palibin zog hierauf die Abteilung Solddaten, die auf dem §ofe und in der Werkstatt bereitstanden, heran. Diese griffen mit den Polizisten zusammen die Arbeiter von neuem an, wurden aber wiederum mit Steinwürfen empfangen. Einige Schüsse fielen aus der Menge, dtunmehr ließ Palibin drei Salven abgeben, wonach die Menge nach verschiedenen Richtungen auseinanderstob. Ein Arbeiter wurde getötet, acht verwundet. In diesem Augenblick trafen mehrere Kompagnien Infanterie ein, mit deren Hilfe Palibin die benachbarten Häuser räumte, aus welchen immer noch Steine geworfen' wurden. 120 Personen wurden verhaftet Beim Zusammenstoß wurde Palibin
an den Kops und an die Beine von Steinen getroffen. Ein Polizei-Unteroffizier und 11 Polizisten sind verletzt. Davon sind 7 gestern gestorben. Die übrigen sind in ein Kranken- hcms geschafft._________________________________________
Aus Stadt und Kand.
Gießen, den 23, Mai 1901.
*• Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat den. Kulturinspektor Meliorationsbaurat Dr. Karl Es er zu Mainz unter Verleihung des Charakters als „Baurat- zum Vorstand >es TiefbauamtS Bad Nauheim mit Wirkung vom 1. Juli 1901 ab, und den Buchhalter bei der Hauptstaatskasse Ludwig Göttmann zum HilsSkasfier bei dieser Kasse ernannt; den Hauptsteueramtsasfistenten bei dem Hauptsteueramt WormS Heinrich Tresser in gleicher Diensteigcnschaft an das Hauptsteueramt Darmstadt versetzt; den Steuereinnebmer des Steueramts Alzey Albert Dexheimer zum HauptsteueramtS- assistenten bei dem Hauptfieueramt Mainz, den FinavzaSPi- ranten Karl Orth aus Groß Umstadt zum Hauptsteueramtsassistenten bei demHauptsteueramtWormS, dieFinanzaSpirauteu Wilhelm Freymann aus Eichelsdorf und Wilh. Bäumer aus Amöneburg zn Steuereinnehmern des SteneramtS Biern- jeim, bezw. Alzey, den ExpeditionSgehilfen bet der Main- Neckar-Eisenbahn Karl Spam er aus Neustadt i. O. zum Stationsassistenten bei dieser Bahn ernannt.
*• Ordensverleihungen. Der Großherzog hat am 22. dsS. Mts. dem Miuifierialrevisor Rechnungsrat Karl Schneider aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Hofgartner zu Jugenheim Johannes Gern et die Krone zum Ritterkreuz 2. Masse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem praktischen Arzt Dr. med. Karl Köhl zu WormS daS Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und )er Freiherrlich Riedesel'schen Bureaudienerin Katharina Eichenauer zu Lauterbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für Verdienste- verliehen.
** Wissenschaftlicher FortbildungskursuS :ür Volksschullehrer. Am 29. Mai werden die Vorträge in der großen Aula anläßlich der Psingstferien ausallen, sodaß Die nächsten Vorlesungen wieder am 5. Juni tattfinden werden. Tie Besucher beabsichtigen, einen Reservefonds für einen späteren Vortragscyclus anzulegen und am Schlüsse dieses ersten Kurses einen Kommers abzuhalten.
fc. Kulturkampferinueruugeu. Morgen Freitag den 24. Mai sind eS 25 Jahre, daß Bischof Emanuel v. Ketteler von Mainz infolge der hessischen Kirchengesetze zum erstenmale vor den Schranken des Gerichts zu erscheinen hatte. ES handelte sich um zwei Fälle, die gerichtlich geahndet wurden. Der eine betraf die Anstellung des Kaplans Schaider in Kastel, der andere die Besetzung des Dekanats'Heppenheim a. B- durch den Dekanatsverwalter Pfarrer Vierung zu Mörlenbach i. O.
** Flotteuvereiu. Montagabend fand im Cafä Ebel die satzungsmäßige Jahresversammlung des Provinzial-Ausschuffes des Deutschen FlottenvereinS für die Provinz Oberheffen unter dem 1. Vorsitzenden, Geheimrat Prof. Dr. Oncken statt. Dem Jahresbericht für 1900 des Schriftführers entnehmen wir, daß bei Beginn des Jahres 1900 der Verein rund 2000 Mitglieder zählte. Heute hat er 3228 Einzelmitglieder, wozu noch eine Anzahl von Vereinen mit ca. 1200 Mitgliedern tritt. Vorträge wurden gehalten: am 31. Januar vom Marinepfarrer a. D. Heims und am 14. November vom Kapitän z. See a. D. Foß, der auch in Orten der Umgegend sprach, am 3. Januar 1901 sprach in Lauterbach Gymnasialdirektor Bleuer aus Wiesbaden, am 5. Januar in Schlitz und am 6. Januar in Grebenhain. Zur Agitation wurden 19000 Exemplare verteilt. Es wurde eine Sammlung unter den Mitgliedern veranstaltet, von deren Ertrag die Kosten der verstärkten Agitation gedeckt werden sollen. Dank der Opferwilligkeit der Mitglieder kam ein Ertrag von 1406 Mk., wovon 1000 Mk. dem Kanzleramt in Berlin überwiesen wurden, zusammen. An den Reichstag sind zur Verstärkung der Flotte von Gießen aus ruud 100 Petitionen abgegangen. Die Einnahmen des Vereins an Mitgliederbeiträgen, Propagandaspenden rc. betrug Ende Dezember 1900: 3934,20 Mk., die Ausgaben 3729,45 Mk., sodaß ein Ueberschuß von 204,75 Mk. auf das neue VereinS- jahr vorgetragen werden konnte. Alsdann wurde dem Schriftführer für seine Jahresrechnung Entlastung erteilt. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden mit Ausnahme zweier ausscheidenden Vorstandsmitglieder alle Vorstandsmitglieder einstimmig wieder gewählt. Bei der Ersatzwahl für die zwei auSgeschiedeneu Mitglieder wurden Bürgermeister Mecum und der Präses des Marinevereins Gießen, Georg Hebstreit, in den Vorstand gewählt.
L. Londorf, 21. Mai. Dieser Tage weilten die Vertreter der Kreisschulkommission Gießen hier. Es wurde beschlossen, mit dem Beginn des nächsten Frühjahrs den Bau eines neuen Schulgebäudes in Angriff zu nehmen und die Arbeiten Ende dieses Herbstes zu vergeben.
A ©rfinberg, 22. Mai. Auf welche Höhe es unsere Züchter reinen Raffengeflügels gebracht haben, konnte auf der Geflügelausstellung zu Grünberg anfangs dieser Woche erkannt werden. Die Aussteller, weist Mitglieder des Vogelsberger Geflügel- und Vogelzucht-Vereins hatten Stämme von prächtigem Wüchse und typischen Raffekennzeichen auS- gestellt. Die Ausstellung, die in dem Hamel'schen Garten- saale aufgebaut worden war, zeigte denn auch sehr lebhaften Besuch. DaS Preiskomitee hatte eine größere Anzahl des ausgestellten Geflügels mit Ehren- und ersten Preisen ausgezeichnet. Welches Interesse man der Geflügelzucht hier entgegenbringt, zeigte auch der Verkauf der Lose, die am letzten Tag der Ausstellung völlig ausverkauft waren. Ein Glück ist eS für unsere Geflügelzüchter gewesen, daß die Hühnerpest ebenso schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen. Sie tritt dagegen in anderen Gegenden, z. B. im TaunuS, auf.
§ Mucke (Oberheffen), 22. Mai. Auf^der benachbarten sogen. Wadenhäuser Mühle stand ein Knecht auS dem West-


